Portugal: Zum Seele-Baumeln nach Madeira

Madeira – Das warme grüne Eiland im Atlantik verwöhnt seine Gäste mit Sonne, mildem Klima und vielseitiger Natur. Die meisten kommen zum Wandern.

K1024_Madeira-FunchalFestung

Antonio hat gesagt, wenn die Picos morgens wolkenfrei sind, können wir fahren. Dann nämlich bleibt es oft bis zum Nachmittag im Hochland und im Norden sonnig. Er muss es wissen. Schließlich lebt der Reiseführer seit 34 Jahren auf Madeira.
Wir sind zum ersten Mal hier, wollen im zentralen Bergland der Atlantikinsel wandern, Natur erleben und die Seele baumeln lassen.
Die Sonne scheint. In vollen Zügen genießen wir das Licht, die Wärme, das Blau  von Ozean und Himmel. Vom Frühstückstisch auf der Hotelterrasse ist es nur ein Katzensprung ins Herz der Inselhauptstadt. Ach, komm, der Wanderweg ist morgen auch noch da – jetzt schauen wir uns erst mal Funchal an!
Vom Kreuzfahrthafen, der Uferpromenade und dem Cais, wo die Yacht der Beatles liegt, schlendern wir – vorbei an alten Kirchen, Klöstern und Palästen –  durch kleine Parks und über Plätze mit Lokalen und Cafés.

K1024_Madeira-WeinkellerEin Blick in Blandy’s Wine Lodge reicht nicht aus. Madeira-Wein muss man probieren. Hinter einer schmalen Gasse mit vielen bunt bemalten Haustüren liegt Mercado dos Lavradores, die Markthalle

.

Hier gibt es Blumen aller Farben, vertraute und auch sonderbare Früchte  wie den tannenzapfen-ähnlichen Philodendron (Achtung: am besten vor dem Kosten nach dem Preis fragen!) und Meerestiere wie den Schwarzen Degenfisch. Mit seinen riesigen Augen und einem Maul voller spitzer Zähne ist der lange Barschverwandte alles andere als hübsch – doch dafür äußerst schmackhaft. Später werden wir uns davon selber überzeugen –  im „O Jango“, einem urig-gemütlichen Restaurant am Hafen in der Altstadt. K1024_Madeira-JardimTropical2Die Düfte von Orangen, Akazien und Jasmin locken uns in Funchals Gärten. Mit der Seilbahn schweben wir nach Monte, wo in einer kleinen Kirche Kaiser Karl von Österreich begraben liegt. Daneben grünt und blüht der Jardim Tropical, ursprünglich Park des Luxushotels Monte Palace. Die von dem madeirischen Geschäftsmann und Kunstsammler José Berardo erworbene und gestaltete Anlage ist seit 1991 öffentlich zugänglich. Zu ihren botanischen Kostbarkeiten gehören Azaleen und Orchideen aus dem Himalaya, Palmen aus Südafrika und eine seltene Palmfarn-Sammlung aus aller Welt.

Frische Blüten gibt’s das ganze Jahr. „Fast überall auf der Insel blüht jederzeit etwas, genauso wie  auch immer – zumindest stellenweise – Urlaubswetter herrscht“, sagt Antonio stolz. Dank günstiger Klimabedingungen sinkt das Thermometer auf Madeira selbst im Dezember und Januar im Schnitt nie unter 19 Grad Celsius. Die zwei Kilometer zurück ins unterhalb gelegene Funchal fahren oder besser gesagt: rutschen wir in einem  recht ungewöhnlichen Verkehrsmittel, dem Korbschlitten. Das bis zu drei Personen fassende Vehikel wurde im 19. Jahrhundert zum Touristentransport erfunden.

K1024_Madeira-MonteKorbschlitten

 Am nächsten Morgen: wieder Sonne. Nun aber ab in die Berge! Antonio fährt uns mit dem Jeep nach Ribeiro Frio („Kalter Fluss“), wo es die leckersten Forellen gibt. Sie werden hier gezüchtet. Der 860 Meter hoch gelegene Ort nahe Santo da Serra ist ein beliebter Start für Wanderungen, zunehmend auch für Mountainbiking und „Trail Running“ – der letzte Schrei bei schmerz-resistenten Läufern mit gut trainierten Muskeln und Gelenken.

Der Weg zum Aussichtspunkt Balcões ist auch von Ungeübten leicht zu schaffen. Dafür hat man ihn auch selten nur für sich allein. Die Kulissen sind jedoch grandios: immergrüner subtropischer Lorbeerwald, Madeiras höchste Gipfel und Levadas – künstliche Kanäle, teils schon vor 600 Jahren zur Bewässerung des trockenen Südens angelegt. Heute bedeckt das weitverzweigte System der flachen, begehbaren Wasserwege, das auch Brücken und Tunnel umfasst, beinahe das ganze grüne Eiland.
Trotz Wasserreichtums ist Madeira nicht unbedingt das Ziel für einen Badeurlaub. Oder doch? Der populärste Strand  heißt Campo de Baixo und liegt nicht auf der Hauptinsel des Archipels, sondern auf Porto Santo, rund 40 Kilometer von Funchal entfernt. Für einen Tag lang bringt uns das Schnellboot hin. Die müden Wanderfüße jubeln. Neun Kilometer  weicher Sand – das ist ein Beach zum Träumen…
Am Abend sind alle wieder fit. Das trifft sich gut, denn Partynächte in Funchal können lang sein. Unsere beginnt im Café do Teatro, geht weiter im FX, dann im „O Mohe“… Im „Vespas“ geht’s bis zum Sonnenaufgang. Doch den erleben wir   lieber auf dem Hotelbalkon – mit Blick auf Himmel, Berge, Stadt und Ozean. Es wird wieder Wanderwetter!

Text und Fotos: Carsten Heinke

Informationen:

Das Blumenfest von Funchal am 3. und 4. Mai ist nach dem Karneval das wichtigste Ereignis auf Madeira. Höhepunkt ist ein farbenprächtiger Umzug mit Tänzern in fantasievollen Kostümen und blütengeschmückten Wagen. Es gibt Parties, Shows und  klassische Konzerte. Am gleichen Wochenende wird in Santana, das für seine traditionellen Strohdachhäuser berühmt ist, das Zitronenfest gefeiert. An allen vier Juni-Samstagen findet in Madeiras Hauptstadt das Atlantik-Festival mit  viel Musik  statt. Begleitet wird es von einem internationalen Feuerwerkwettbewerb.

Am 14. und 15. Juni präsentiert die Stadt Câmara de Lobos ein fruchtig-frohes Kirschfest mit Umzug. Vom 3. bis 5. Juli lädt Funchal zum Jazz Festival sowie Santana vom 18. bis 20. Juli zu einem  Folklore-Tanzfestival ein.

Inselexkursionen: www.mountainexpedition.pt
Madeirawein: www.blandyswinelodge.com
Restaurant-Tipp: www.ojango.net

 

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