Service: Etihad Airways – Komfort über den Wolken

Abendessen über den Wolken - Kopie

Genau zehn Jahre ist es her, dass Etihad Airways, die Fluggesellschaft mit Sitz in Abu Dhabi, den ersten Flug zwischen der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate [VAE] und Deutschland durchführte. Die erste Verbindung wurde zwischen Abu Dhabi und München aufgelegt. Ein Jahr später kam eine Verbindung nach Frankfurt hinzu, ab Dezember 2011 folgten Flüge zwischen Düsseldorf und Abu Dhabi. Seitdem hat Etihad auf diesen drei Strecken über 2,7 Millionen Fluggäste befördert.

Mittlerweile ist die Fluggesellschaft an airberlin beteiligt [wie an zahlreichen anderen Fluglinien auch]. Sie nennt das eine „strategische Partnerschaft“. Davon könnte Deutschlands zweitgrößter Carrier bald mehr profitieren, als die Finanzspritzen des Partners vermuten lassen. Eindrucksvoll hat die Fluggesellschaft kürzlich in ihrem Innovations- und Schulungszentrum in Abu Dhabi demonstriert, woran sie sechs Jahre gewerkelt hat: Die neue Kabinenausstattung der Boeing 787 [„Dreamliner“] und des A 380 – raffiniert in der Platzaufteilung und farbig. Das Gesamtkonzept, das unter dem Motto “simply smarter” läuft, ist nicht nur beeindruckend, sondern auch überzeugend.

Überraschung beim Einstieg

Die Überraschung beginnt schon beim Einstieg. Die Kabineneingänge sind so gestaltet worden, dass sie an Boutiquehotels erinnern. Die Pantry wird durch speziell angefertigte arabische Blenden aus Laubsägearbeiten und Jalousien verborgen. Noch mehr: Die Servicetrolleys sind zusätzlich mit Holzdekor-Türen ausgestattet, damit den Fluggästen der normalerweise hässliche Anblick erspart bleibt.

Frühstück ans Bett - Kopie

Wen wundert’s da, dass für muslimische Gäste sogar bestimmte Gebetsbereiche zur Verfügung stehen, die für mehr Privatatmosphäre mit Vorhängen ausgestattet sind. Den Gläubigen wird permanent angezeigt, in welcher Richtung Mekka liegt. „Der Raum kostet uns nicht“, versichert Peter Baumgartner, Chief Commercial Officer der Fluggesellschaft und damit ihr zweitmächtigster Mann. Der Platz lag praktisch brach.

Gäste der First und Business Class können in der Lobby des Airbus 380 entspannen, einem zwischen beiden Klassen liegender Lounge- und Barbereich mit Bedienung. In der Economy Class werden neue sogenannte Smart-Sitze eingebaut. Sie verfügen über eine ergonomische Kopfstütze und eine einstellbare Lendenwirbel-Stütze.

20 Prozent mehr Platz

Sowohl der Airbus A380 als auch die Boeing 787 werden mit neuen sogenannten Business-Studios ausgestattet, die über 20 Prozent mehr Platz bieten. Die Sitze sind vor- und rückwärts angeordnet und bieten mit ihrer 1-2-1-Anordnung direkten Zutritt zum Gang. Die Sitze lassen sich in ein 2,05 Meter langes FullFlat-Bett verwandeln. Im Oberdeck des A 380 sind 70 Business Studios untergebracht, die B 787 fliegt mit 28 Business Studios.

Lounge im A 380 - Kopie

Dann gibt es noch die verbesserten First Suites mit zahlreichen Neuigkeiten, die Etihad Airways in den Dreamliner einbaut. Die acht First Suites mit einer 1-2-1-Anordnung sind rund um einen gebogenen Gang angelegt, dies ein Novum in der kommerziellen Luftfahrt. Die komplett privaten Kabinen sind mit einem großen Sitz und einer Ottomane ausgestattet. Bei den Sitzen im Mittelgang lassen sich die Trennwände wegschieben, sodass zwei Suiten in eine Einheit mit einem Doppelbett umgewandelt werden können.

Butler an Bord

Im A 380 werden auf dem Oberdeck neun First Apartments in einer 1-1-Anordnung angeboten. Dadurch entsteht die einzige First Class-Kabine der Flugbranche mit nur einem Gang. Die Appartements sind mit einer 1,60 Meter hohen Schiebetür, einen Liegesessel und einer Ottomane ausgestattet; letztere lässt sich in ein FullFlat-Bett umwandeln. Wie sehr der Carrier an der neuen Ausstattung getüftelt haben, belegt diese Zahl: Die First Apartments haben eine 74 Prozent größere Grundfläche als herkömmliche First Class-Abteile des Carriers. Übrigens kommen Gäste dieser Klasse an Bord des A 380 in den Genuss eines voll ausgestatteten Duschbads.

Optimierte Washrooms (1) - Kopie

Unbestrittener Höhepunkt der Ausstattungs-Orgie ist das, was die Fluggesellschaft „Residence by Etihad“ nennt – die weltweit einzige Drei-Zimmer-Kabine über den Wolken. Sie liegt im vorderen Oberdeck des A 380, ist für Einzel- oder Doppelnutzung ausgelegt, besteht aus einem Wohnzimmer, einem separaten Schlafzimmer mit Doppelbett. Während des gesamten Fluges steht den Residence-Gästen ein Butler zur Verfügung, der an der Londoner Savoy-Butler-Academy geschult worden ist.

Maschinen mit dieser Residence fliegen nach New York, Sidney und London. „Wir erschließen uns dadurch den Zugang zu einem neuen Kundensegment, das vorher nicht angesprochen wurde“, sagt Baumgartner. Im Klartext: Firmenbosse, die sonst mit einer Privatmaschine zum Ziel jetten.

Sechs Jahre Arbeit

Sechs Jahre habe seine Firma an dem Konzept gearbeitet, betont Peter Baumgartner. Er ist sichtlich stolz auf die „schönsten Kabinen, die fliegen“. Innovationen in die Economy-Klasse seien „schwierig, da so wenig Platz zur Verfügung steht“. Die Fluggesellschaft hat bei Entwicklungen – z.B. der neuen Kabinenausstattung – ein strenges Kostenreglement. Zuerst wird festgelegt, wie viel Platz zur Verfügung steht, dann erst werden Gespräche mit Designern geführt. „Unser Know How steht allen Partnern zur Verfügung“, betont Baumgartner, die Partnergesellschaften können sich auch für diese Ausstattung entschließen. Baumgartner: „Dann entfallen Entwicklungskosten.“ So ist es „sehr wahrscheinlich“ [Baumgartner], dass auch airberlin diese Ausstattung erhält.

Apropos: Dem Finanzboss der Fluggesellschaft scheinen die Millionen nicht leid zu tun, die Etihad in airberlin steckt: „Das ist nichts im Vergleich zum Zusatzverkehr, der für uns durch airberlin erreicht wird.“ Ein starker Satz – und ein klares Bekenntnis.

Und noch ein starker Spruch: „Die Leute stehen Schlange, um bei Etihad zu arbeiten!“ Zurzeit hat Etihad 18.000 Mitarbeiter aus 140 Nationen, vor neun Monaten waren es noch 9.000. Bis 2020 werden es 28.000 Mitarbeiter sein. Baumgartner über das Wachstum seiner Firma: „Im Moment bin ich beruhigt.“

Horst Schwartz

 

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