Kroatien: Mit der Familie an der Adria

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Ferien an der kroatischen Adria, das muss nicht unbedingt nur heißen, nur in der Sonne zu brutzeln und zu baden. Die Region um Sibenik mit ihren rund 240 vorgelagerten Inseln, bietet wesentlich mehr. Petra Keidel-Landsee hat sich zusammen mit Mann und Sohn aufgemacht zu einer Tour durch Natur, Kultur und Meer.

1. Tag
Der Duft aus der Kombüse ist vielversprechend, trotz der Bedenken, die meine Familie hatte. Wie könne man auf einem Holzkutter gut 100 Personen mit frisch gegrilltem Meeresgetier versorgen. Doch der Fisch, den Nina serviert, sieht nicht nur wunderbar aus, sondern schmeckt auch so. Langsam werden die Felsformationen des Kornati-Nationalparks, zu dem wir seit zwei Stunden unterwegs sind, immer deutlicher.

K1024_Kornati IMG_0902„Gott hat seine Tränen aufs Meer fallen gelassen“, sagen die Einheimischen über die insgesamt 89 Inseln. Seit 1980 ist dieser Archipel unter Naturschutz, nur eine bestimmte Anzahl an Besucher pro Tag ist erlaubt. Die Vegetation ist spärlich, es gibt keine Quellen. Dennoch gleicht dieser Nationalpark einem Paradies. Das Meer – ein Eldorado für Taucher – ist tiefblau und klar. Silbern glitzern die oft bizarr geformten Felsen im Sonnenlicht. Die perfekte Kulisse für Karl Mays’ „Durchs Wilde Kurdistan“, das in Teilen hier auch gedreht wurde. Kein Wunder, dass die Kinder hier begeistert Indianer spielen und im seichten Wasser den Fischschwärmen nachjagen. Nur wenige der Archipele sind bewohnt. Wer Robinsonfeeling erleben mag, kann für ein paar Tage in ein paar Behausungen ohne Strom und Wasser wohnen. Hier stört kein Zivilisationslärm, nachts blöken lediglich die Schafe. Sie ernähren sich von Meerwasser und den spärlich wachsenden Kräutern auf dem Archipel. Ihr aromatisches Fleisch gilt deshalb als besondere delikat. Spätnachmittags geht es dann wieder zurück auf die Insel Murter. Von dort aus starten die meisten Touren zu den Kornaten.
2. Tag
Diesmal folgt ein Kontrastprogramm zum kargen Felsarchipel: Wie das Tor zu einem verwunschenen Garten Eden weitet sich der Blick nach der Flussbiegung auf den Nationalpark „Krka“ Wasserfälle.

K1024_Krk Wasserf+ñlleGleich einem Netz aus Diamanten funkeln die Wasserschleier der insgesamt 17 Stufen des größten Wasserfalls, des Skradinski Buk, im Sonnenlicht. Üppiges Grün wuchert verschwenderisch, mit bunten Blumen als Farbkleckse. Die Luft duftet süß nach Feigen. Nach einem ausgedehnten Spaziergang ist Baden, diesmal in den Süßwasserbecken, am Fuße der Wasserfälle, angesagt. Danach ist der Hunger groß. Einkehr ist bei „Etnoland Dalmati“. Josko und Anna kauften mit Unterstützung des Großvaters alte Steinhäuser, die sie im historischen Stil vor den Toren des Krka-Nationalparks wieder aufbauten. Rund um den Dreschplatz mit Restaurant wachsen Wacholder, Rosmarin und Lavendel. Humorvoll erzählt die blonde Anna in fast perfektem Deutsch nette Geschichten zu dem mit viel Liebe ausgestatten Mini-Dörfchen. In der Zwischenzeit bereitet Josko im dazugehörigen Schinkenmuseum köstliche Happen vor. Er hat zwar in Deutschland studiert, zitiert mühelos Goethe und Co., hält sich aber gegenüber den Gästen mit seiner Weltläufigkeit eher zurück und radebrecht auch gerne mal auf Deutsch, um das Klischee mancher Touristen vom typischen Kroaten zu erfüllen. Dazu trägt auch seine Kleidung bei, die traditionelle schwarze Wolltracht mit weißem Hemd, in der er auch die Hauptspeise serviert: Peka, eine Köstlichkeit, bei der Rind, Lamm und Schwein, zusammen mit Gemüse in Glut unter einer großen Eisenglocke geschmort werden.
3. Tag
Nicht nur Natur und Kulinarisches bietet die kroatische Adria rund um Sibenik. Auf den rund 240 Inseln entlang der Küste, fast alle gut mit Fähren zu erreichen, findet sich so manches kulturelle Kleinod. So auch das Museum zu Ehren des im 15. Jahrhundert geborenen Gelehrten Faust Vrancic auf der idyllischen Insel Prvic Luka.

K1024_Modell vom Museum Prvic Luka mit Vladimir LucevMit großem Elan führt Vladimir Lucev, pensionierter Chirurg, durch das Sammelsurium. Viele Erfindungen von Faust baute er als Mini-Holzmodelle nach. Sei es die Golden Gate-Bridge, für die Faust die Vorlage lieferte, zahlreiche Mühlen oder den Fallschirm, den der von den Kroaten verehrte Tausendsassa erfand. Nach dem Bummel auf der autofreien Insel ist noch Zeit bis die Fähre kommt. So kosten wir in dem Strandlokal „Mareta“ die köstlich gefüllte Calamares von Darko Livic. Auch hier keine Sprachprobleme, denn der Chef des Familienbetriebs schwäbelt was das Zeug hält und verwöhnt uns mit selbstgemachten Desserts und Likören.
4. Tag
Auf unserer Fahrt ins Hinterland zur Festung Knin sind die Wunden des Kosovokrieges immer noch zu sehen, finden sich verlassene Häuser mit Einschusslöchern. Während an der Küste der Tourismus boomt, kämpfen die kleinen Örtchen im Landesinneren um Gäste und Arbeitsplätze. Das beschauliche Städtchen Drnis legte einen kleinen Labyrinthgarten an, bietet Theater und Konzerte und zeigt in seinem Stadtmuseum seine wechselvolle Geschichte aus sechs Jahrhunderten. Der Krieg ist auch vielfach das Thema der kroatischen Künstler, deren Werke in der kleinen Galerie zu sehen sind. Rund zwanzig Kilometer weiter thront trutzig die riesige Festung Knin auf der Anhöhe. Mit ihren zahlreichen Verstecken, Durchgängen und Türmen ist sie für die Kinder ein gigantischer Abenteuerspielplatz. Die Umgebung lockt mit Rafting, Reiten, Jagen oder Angeln.
5. Tag
In Sibenik, der Stadt der Kirchen und Altstadt mit venezianischem Flair, spielt beim weltweit größten internationalen Kinderfestival der Nachwuchs die Hauptrolle.

K1024_Sibenik mit Kathedrale IMG_1095 Stolz verweist Jasenka Ramljak, die Organisatorin, auf die Gruppen aus aller Welt, die in Theaterstücken und Workshops auftreten. Selbst Paul Maar, der „Vater des Sams“, war bei dem vor 50 Jahren ins Leben gerufene Festival, bereits zu Gast. Die Altstadt bietet die perfekte Kulisse für diesen Event. Überall stehen Bühnen, erklingt Musik, spielen Kinder für Kinder bis in die Abendstunden. Zu späterer Stunde feiern wir dann noch etwas ruhiger weiter, in dem kleinen Fischerdörfchen Jezera, unweit von Sibenik. Hier ist noch wenig vom Tourismusrummel zu spüren. Bürgermeister Nenad Milin, der in der Schweiz Kunstgeschichte studierte, strahlt, als die Frauen des Dorfes zum traditionellen Feigenfest das kostenlose Buffet, mit allerlei Köstlichkeiten rund um diese aromatische Frucht bestücken. Fröhlich tanzen Einheimische und Touristen zu den Klängen der Band auf dem kleinen Marktplatz, bis sich um Mitternacht das Fest auflöst.
6. Tag
Heute ist unser erster Faulenzertag. Wir genießen auf der Terrasse der Hotelanlage Zora mit Blick auf die pittoreske Altstadt von Primosten das Frühstück.

K1024_Glasschwimmbad HotelanlageZora bei Primosten Eichhörnchen springen durch den duftenden Kiefernwald. Thomas Lause, Manager der weitläufigen und direkt am Meer gelegenen Anlage mit rund 375 Zimmern und Suiten, erzählt während des Rundgangs so manche Anekdote aus seiner Anfangszeit hier. So habe ihn gewundert, warum die herrliche Hotelterrasse nicht benutzt wurde. Die Antwort des Personals damals: „Weil nicht alle Hotelgäste auf einmal Platz nehmen könnten, also bleibt sie geschlossen“. Mittlerweile ist der Service längst perfekt. Die Küche glänzt mit einheimischen und internationalen Gerichten. Neben der hoteleigenen Bucht gibt es Sportplätze, einen Kinderclub mit pädagogischem Personal, Tauch- und Schwimmkurse, Sandburgenbauen, Jetski, Parasail, Tanzshows und vieles mehr. Im Hallenbad unter einer beweglichen Glaskuppel mit beheiztem Meerwasser befinden sich der Spabereich, Sauna, Massage- und Kosmetikabteilung. Also auch hier in im Hotel Zora in Primosten wird es einem bestimmt nicht langweilig.
Alle in der Geschichte erwähnten Ziele sind gut in einem Tagesausflug zu erreichen, sei es von Sibenik oder Primosten aus.

Text und Fotos Petra Keidel-Landsee

 

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