Deutschland: Berlin feiert – Vor 25 Jahren fiel die Mauer

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Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße

Rund um das historische Ereignis vom 9. November 1989 können Berliner und Besucher auf verschiedenen Stadtführungen Zeitgeschichte hautnah erleben.

Wer erinnert sich noch an die vielen Schicksale, dramatischen Begebenheiten, die sich an der Bernauer Straße in Bezirk Mitte nahe der Bornholmer Brücke abspielten? Damals und dort wurde Weltgeschichte geschrieben.

„Im Nieselregen standen wir, mein Sohn und ich, gegen 23 Uhr auf der leeren Brücke im Westbezirk Wedding, als sich endlich, langsam, das eiserne Tor auf der Ostseite öffnete: ein, zwei Menschen zwängten sich durch; ängstlich ihre Gesichter, ungewiss, was mit ihnen nun geschehen würde. Dann kamen sie, drängten nach, Hunderte, Tausende – ich habe schon wieder eine Gänsehaut“, erzählt eine Zeitzeugin, während wir mit dem Stadtführer Stefan Danziger von GetYourGuide vom Mauer-Pavillon die Bernauer Straße entlang zur Oderberger Straße wandern. Und dann? Die Gruppe bleibt stehen: „Wir waren überwältigt, emotional überfordert; das Gefühl der Befreiung trug uns und schüttelte uns. Die Menschen weinten, lachten, umarmten sich, sangen. Kerzen wurden angezündet, bunte Blumensträuße überdeckten die Trabis; „these funny little cars“, jubelte die Frau aus London neben mir unter Tränen. Sektkorken knallten. Freunde und Fremde, alle küssten und drückten sich, fassten sich an den Händen. Das war ein Moment für die Ewigkeit“. Die Stimme der Berlinerin wird leise, flattert.

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Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße

„So eindringlich kann ich Euch den Moment des Mauerfalls leider nicht schildern, ich war zu jung. Einige Schauplätze aber, die sich ins Gedächtnis und in die Geschichtsbücher eingebrannt haben, sehen wir auf unserer einstündigen Tour in kurzen Abständen“, erklärt der 31-Jährige mit dem Charme einer echten Berliner Schnauze. Mit viel Wissen, auch anschaulich mit historischen Fotografien unterlegt, erzählt er – voller Ernst und unterhaltsam zugleich – von den Schicksalen, die einzelnen Menschen nach dem Mauerbau am 13. August 1961 hier widerfahren sind.

„Zum Beispiel Else: die alte Frau, die aus Verzweiflung über die plötzliche Trennung von ihren Verwandten aus dem Fenster ihres Hauses direkt an der Bernauer Straße ins rettende Feuerwehrtuch auf der Westseite springt – und doch den Tod findet“. Oder der NVA-Soldat Conrad Schumann, der während seiner Kontrollgänge an der Mauer zwei Stunden lang seine Flucht im Kopf durchspielte, vor Nervosität eine Zigarette nach der anderen rauchte; immer wieder mal den Stacheldraht neben ihm heimlich niederdrückte – und dann in Uniform, Stahlhelm und Stiefeln mit seinem spontanen „Sprung in die freie Welt“ das Jahrhundertfoto lieferte. Oder die mutigen Tunnelbauer, die sich gerade hier immer neue Tricks einfallen lassen mussten, um an ihren unterirdischen „Bauwerken“ arbeiten zu können, ohne entdeckt zu werden. „Die Jungs konnten keine Sandberge hintereinanderauftürmen. Sie trugen unentwegt Tüten und Taschen mit dem abgetragenen Erdreich – zur Tarnung zugedeckt mit Äpfeln und Birnen – heimlich weg. Und das, je nach Beschaffenheit der Tunnel, zum Teil über zwei Jahre hin“. Doch auch bei dieser „Mauerüberwindung“ haben DDR-Bürger ihr Leben verloren oder wurden gefasst und saßen später über Jahre wegen Republikflucht hinter Gefängnismauern.

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Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße

Die traurige Geschichte des Chris Gueffroy, der das vorletzte Todesopfer der Honecker-Diktatur an der Berliner Mauer war, der letzte, der durch Schusswaffen ums Leben kam, erzählt Stefan mit leiser Stimme. Sein Schicksal ist besonders tragisch: Chris hörte von einem befreundeten Grenzer, dass der Schießbefehl am Todesstreifen aufgehoben worden sei. Dieses Signal ließ ihn die Flucht wagen. Er hatte es fast geschafft, war sozusagen mit einem Bein schon im Westen, aber die Soldaten waren schneller – und schossen ihn gnadenlos nieder. Sie haben Chris die Freiheit nicht gegönnt.

Wer mehr über Berlin zur Zeit des Mauerfalles, und zwar aus erster Hand, erfahren möchte, dem bietet GetYourGuide eine private, nicht ganz alltägliche Tour an: mit einem Zeitzeugen als Guide. Mit ihm taucht der Besucher in das geteilte Berlin ein, erfährt viel über Leben und Alltag in der DDR und besucht weitere Schauplätze der Geschichte, wie Mauerpark und Nordbahnhof mit der neuen Installation „Aktenmauer“ des Berliner Künstlers Ben Wargin.

Katharina Büttel

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Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße, Maueropfer

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Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße

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Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße, doppelte Pflastersteinreihe

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