Deutschland: Weihnachtsmärkte in Franken

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Das „Plönlein“ mit dem Siebersturm in Rothenburg

Mit Tradition, romantisch und stimmungsvoll: Die Weihnachtsmärkte in Fürth, Rothenburg ob der Tauber und Dinkelsbühl

Advent, jedem das andere: locker und lustig am Punschstand oder mit Kind und Kegel zum Christkindlmarkt; vorweihnachtliche Festlichkeit mit klassischer Musik und feinen Genüssen oder Rückzug ins Bauernhaus mit einem Gläschen Hochprozentigen hinterm Kaminfeuer. Die drei Mittelalterstädte bieten eine Vielfalt an stimmigen Feiern und traditionellem Brauchtum.

Christkind und Mittelaltermarkt in Fürth

Eben noch Waldorfschülerin, steht Lena nun auf dem Balkon des Handwerkerhauses auf der Fürther Freiheit. Ein Chor stimmt Weihnachtslieder an. Plötzlich Licht, ein Raunen geht durch die Menge. Da ist es, das Christkind. Das Fürther Christkind in seinem langen, weißen Gewand, eine Krone auf dem goldgelockten Haar, eingerahmt von vier Engeln. „Vom Himmel hoch, da komm ich her, wie war mein Weg so weit und schwer. Doch weil ich weiß, dass diese Stadt so schöne alte Kirchen hat, komm‘ ich besonders gern, begleitet von einem hellen Stern“, verkündet es feierlich.

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Lena, Waldorfschülerin, ist in diesem Jahr Christkind in Fürth

Alle Jahre wieder, am Donnerstag vor dem ersten Advent, wird in Fürth der Weihnachtsmarkt mit dieser Zeremonie eröffnet. Umringt von Kindern, bahnt sich das Christkind seinen „irdischen“ Weg durch „Lichterglanz und Budenzauber“. „Andere wollten Prinzessin werden, ich seit meiner Kindheit Christkind“, erzählt die junge Frau. Als Christkind besucht sie Obdachlose, Kranke, Altenheime, Kinderheime. „100 Termine stehen bis Weihnachten an“, erzählt sie bei einem leckeren Eierpunsch, der der beste in ganz Deutschland sein soll. Punsch wurde übrigens in Indien erfunden und als „punch“ von den Engländern nach Europa gebracht. „Im Punch steckt das Wort Fünf, indisch „pantsch“. Der war nämlich eine Mischung aus fünf Zutaten: Rum oder Arak, Wein oder Wasser, Tee, Zucker und Zitronensaft – verdammt gut, genauso wie der „weiße“ Winzer-Glühwein.

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In Fürth ist der Mittelaltermarkt mit Getränken, Plätzchen und Speisen nach alten Rezepten sehr beliebt

Nur wenige Schritte sind es zu den Buden des Mittelaltermarktes, aus denen es duftet, funkelt und schalmeit; Öllampen und Kerzen sorgen für Atmosphäre. Oscar, der Feuertänzer, schwingt brennende Fackeln zur Musik auf historischen Instrumenten; Schmiede hämmern „alte“ Ritterhelme in Form; Zauberer ziehen Kinderscharen um sich, Filzer werkeln an ihren bunten Kreationen. Fröstelnde Besucher können sich in einem Eichenzuber aufwärmen – dazu werden Honigkekse und Hypocrass aus Wermut und Rosenwasser gereicht – angeblich nach Rezepten der Hildegard von Bingen.

Auf der „Altstadtweihnacht“ auf dem Waagplatz dürfen nur lokale Künstler Marktstände mieten: Hutmacher, Buchbinder, Kerzenzieher, Schnitzer, Glasbläser. Zehn Tage lang können Besucher und Künstler ausführlich und intensiv miteinander ins Gespräch kommen. „Hier werdet Ihr kaum Japaner und Chinesen sehen, die sind in Nürnberg“, bemerkt der Veranstalter nicht ohne Ironie.

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Vieles wird vom Glanz des Budenzaubers überstrahlt. Ein zweiter Blick aber lohnt sich. Denn das 1000 Jahre alte Fürth hat mehr als 2000 Baudenkmäler, fast keine Kriegslücken. Der alte Handelsweg, von Frankfurt nach Prag, führt über den „Grünen Markt“ mit schönen Kaufmannshäusern. Gebaut wurden sie in Fachwerk, später, für die Reichen, in Sandstein; ab 1850 wurde Schiefer über das Fachwerk genagelt. Juden und Christen lebten hier ohne Trennung Haus an Haus, Ghettos gab es keine. – Bummelt man gegen Mittag über die Gustav-Straße, Fürths Kneipenmeile, erklingt vom Rathausturm „Stairway to heaven“ von Led Zeppelin. Fehlt da nicht etwas? Ja, natürlich: das Bier! Gibt es aber wirklich überall, im „Grüner“-Brauhaus muss es allerdings ein Tucher Hefeweizen sein. Köstlich zum „Schäufele ofenfrisch“ – knusprigem Schweinefleisch mit Blaukraut.

Weihnachts-Wintermärchen in Rothenburg ob der Tauber

Bereits seit dem 15. Jahrhundert verwandelt sich Rothenburg ob der Tauber alljährlich zum Advent in ein Weihnachts-Wintermärchen. Hier, wo sich Burgenstraße und romantische Straße kreuzen, verbinden sich Sightseeing und Adventsfreuden in fußgängerfreundlicher Nachbarschaft. Zwei Besonderheiten hat das Städtekleinod von Natur aus zu bieten: den Mauerring und die romantischen Fachwerkhäuser mit Siebersturm am Plönlein und entlang der Schmiedgasse. Vor solcher Kulisse mundet auch hier, in der Weinbaustadt Rothenburg, „weißer“ Winzerglühwein zu altdeutschem Weihnachtsgebäck.

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Der Reiterlesmarkt von Rothenburg gilt als einer der schönsten in Franken

Die Auftritte des „Rothenburger Reiterle“, einer Figur aus mystisch grauer Vorzeit, gelten als Höhepunkte der Adventszeit. Und die glitzernde Weihnachtswelt in der Herrengasse muss man gesehen haben! Ob mit oder ohne Schnee, im Weihnachtsdorf der Käthe Wohlfahrt ist immer Bilderbuch-Winter: 30.000 der schönsten deutschen Weihnachtsartikel in festlicher Dekoration sind ganzjährig im Angebot – von 50 Cent bis zur ‚Spieldose der Welt‘ in limitierter Serie zu fast 2000 Euro. Kunstvollen Baumschmuck gibt es, Krippenfiguren, Rauschgoldengel und die wertvollen Pyramiden aus dem Erzgebirge gibt es Unikate hervorragender Künstler und Kunsthandwerker. Mittendrin öffnet sich die Himmelspforte; sie führt direkt in das Deutsche Weihnachtsmuseum: was für ein Erlebnis! Man läuft auf Sternenboden, schaut in blauen Himmel mit weißen Wolken, erfährt alles über Weihnachtsbäume, -schmuck und -bräuche vom späten 16. Jahrhundert bis in unsere Zeit. Ein Weihnachtstraum!

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Zauberhafter Baumschmuck aus vergangener Zeit im Weihnachtsmuseum von Rothenburg

Draußen im Lichtermeer treibt einen kalter Wind in die prachtvolle St.-Jakobs-Kirche. Prunkstück des gotischen Baus ist der Heilig-Blut-Altar mit Szenen aus der Passions-geschichte – um 1500 von Tilman Riemenschneider geschnitzt. „Rothenburg hat auch jüdische Tradition. Heute noch stehen in der Judengasse 600 Jahre alte Häuser. Man spricht auch vom fränkischen Jerusalem“, erläutert Gästepfarrer Gussmann. Wird es Nacht, ruft der Nachtwächter zum Rundgang mit Hellebarde und Laterne durch Tore und düstere Gassen, Tore, über Plätze in diffusem Licht. Spannend und kurzweilig sind seine Geschichten über die Stadt und ihre Menschen im Mittelalter.

Ihr Kinderlein kommet – nach Dinkelsbühl

Was wäre Weihnachten ohne „Ihr Kinderlein kommet“? Das Lied ist im nahen Dinkelsbühl entstanden; Christoph von Schmid, Theologe, Erzähler und damals erfolgreicher Jugendschriftsteller hat im 18. Jahrhundert den Text verfasst, sein Komponist blieb unbekannt. Weihnachtsstimmung kommt auf, wenn das Lied durchs Münster St. Georg rauscht. Die mächtige, spätgotische Hallenkirche mit dem zu kurz geratenen romanischen Westturm steht im Schnittpunkt zweier mittelalterlicher Handelswege, Kern der Freien Reichsstadt Dinkelsbühl.

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Diese kleinen Saxophonistinnen gehören zum Advents-Jugendorchester Dinkelsbühl.

Die Neugier auf die adventsgeschmückten, großen Fachwerkhäuser draußen vor der Kirche treibt die Besichtigung voran. Fünf prächtige Giebelhäuser, um 16. Jahrhundert erneuert, boten Kaiser Karl V. und Schwedens König Gustav Adolf eine standesgemäße Herberge. Ein Steinwurf weiter beeindrucken das einstige Lagerhaus „Schranne“ sowie das „Deutsche Haus“. Dessen reich dekorierte Fassade aus rotem Fachwerk soll eine der schönsten Süddeutschlands sein. Die historische Altstadt mit Mauerring und unzähligen Türmen zeigt sich nahezu unversehrt. Das haben die Bürger ihrem – bayrischen – König Ludwig I., dem Großvater des Romantikers und Schlösser-Sammlers Ludwig II., zu verdanken. „Es bleibt alles so, wie es ist“, war sein Credo und seine Allerhöchste Anordnung. Nichts durfte abgerissen oder verändert werden.

Die Leuchte folgen einem leuchtenden Stern. Der weist den Weg zum Weihnachtsmarkt im idyllischen Innenhof des Heilig-Geist-Spitals. Hier dreht sich vieles um Musik, Licht und wunderschönes Kunsthandwerk. Zwischen den Ständen begrüßt in Mitra und rotem Mantel mit weißem Rauschebart der Bischof-Nikolaus die Besucher. Auf der Bühne musizieren Kinder, spielen mal Besinnliches, mal Jazz. Dann endlich wieder die obligaten Bratwürstl, gebrannte Mandeln, noch einen Glühwein – das schmeckt auch dem Christkind und seinem Engel.

Text und Fotos: Katharina Büttel

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