Cabo Verde: Trittsteine im Atlantik zwischen Europa und Afrika

Bom dia, Cabo Verde! Willkommen auf den Kapverdischen Inseln – im Niemandsland zwischen Europa, Afrika und den beiden Amerikas – winzige Punkte in der Weite des Ozeans. Braune, verdorrte Geröllwüsten vulkanischen Ursprungs, bizarr gefaltete Gebirge, endlose Sandstrände und hin und wieder ein paar grüne Tupfer tropischer Vegetation – neun Inseln mit Herz und Seele, die niemand vergisst, der sie gesehen hat.

Die Kapverden – Inseln unter dem Wind, Inseln über dem Wind

Ilhas de Sotavento, Ilhas de Barlavento – Inseln unter dem Wind, Inseln über dem Wind. Der Wind ist hier allgegenwärtig, prägt Menschen und Landschaft. Fast das ganze Jahr hindurch bläst der Nordostpassat – verlässlich, stetig, treu. Manchmal, wenn der Harmattan aus der fernen Sahara Staubfahnen über das von der Trockenheit IMG_0478kerbarmungslos geschundene Land jagt, erscheint die Luft trübe und die Sonne milchig. Nur im Sommer, wenn der feuchtheiße Südwestwind weht, steigt die Hoffnung auf Regen. Dann prallt der Passat gegen die hohen Bergkämme, steigen die Wolken auf und kühlen sich ab, kondensieren, spenden in den höheren Lagen ein wenig Feuchtigkeit in Form von Wolken und Nebel. Gerade genug für ein paar grüne Oasen inmitten von Schutt und Geröll. Die Inseln ohne hohe Berge gehen leer aus, ihnen bleibt nur die Hoffnung auf den spärlichen Niederschlag, der an ein paar Tagen im Jahr etwas Linderung bringt. Viel zu oft aber vergehen Jahre ganz ohne Regen – auch die Kapverden bleiben von der Sahelkatastrophe nicht verschont.

Eine Geschichte zum Weinen

Cabo Verde – Inseln am grünen Kap von Afrika, ein Name wie er tragischer nicht sein könnte. Wer kann hier leben? Wer der Armut und der Dürre trotzen, fernab vom 21. Jahrhundert, am Rande der Zeit? Beim Blick in die Geschichte wird es düster: 500 Jahre portugiesische Kolonie, als ausgebeuteter Außenposten zwischen den Welten.IMG_0318k Piratenunterschlupf und Zwischenstation im Sklavenhandel zwischen Afrika und Amerika, dann Kohlehafen der East India Company. Dazwischen immer wieder Hungersnöte und Elend – eine Geschichte zum Weinen. Als letzte Hoffnung blieb immer wieder nur die Emigration. Hunderttausende machten sich im Laufe der Jahrhunderte auf den Weg in eine bessere Zukunft, hauptsächlich nach Amerika. So ist es nicht verwunderlich, dass heute mehr Kapverdianer im Ausland als auf den Inseln leben. Aber immer war die Trauer der Auswanderer groß, und die Bande in die alte Heimat blieben bestehen – materiell und immateriell.

Unerschütterlicher Optimismus

Auch wenn jede Insel ihre landschaftlichen Höhepunkte hat, das wirklich Faszinierende sind die Menschen. Geboren aus einer ewigen Vermischung von Schwarz und Weiß, die alle nur erdenklichen Brauntöne der Haut hervorgebracht hat. Europa, Indien, Afrika – die Erdteile haben ihre Spuren hinterlassen und an Augen-, Haar- und Hautfarbe mitgewirkt. Bei solch einer Vielfalt sind auch genetische Kapriolen nicht verwunderlich, die manchmal dunkelhäutige Menschen mit blonden Kraushaaren und blauen Augen IMG_1023khervorbringen. Allen Kapverdianern gemeinsam ist der unerschütterliche Optimismus und die ansteckende Fröhlichkeit. Weder die jahrhundertelange Ausbeutung durch die Kolonialherren noch die zahlreichen Dürrekatastrophen haben daran etwas ändern können. “Wir sind Kapverdianer und leben am schönsten Ort der Welt”, ist ihre Botschaft, so als sei die Geschichte der letzten 500 Jahre spurlos an ihnen abgeprallt.

In jedem noch so entlegenen Dorf schlägt dem Fremden eine unglaubliche Freundlichkeit entgegen. Dem vielstimmigen Bom dia kann man sich einfach nicht entziehen. Es ist ein ehrlich gemeinter Gruß, begleitet vom einem entwaffnenden Lächeln und dem Versuch trotz unüberwindlicher Sprachbarriere ein wenig über den Besucher zu erfahren.

Christian Nowak

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *