Norwegen: Oslo – eine Stadt im Wandel

Schöner kann eine Stadt kaum liegen! Denn das Zentrum Oslos schmiegt sich um den hufeisenförmigen Fjord mit seinen grünen Inseln, die Außenbezirke ziehen sich die Berghänge hinauf und verlaufen sich schließlich im Grün der Wälder. Wie ein Amphitheater zwischen Meer und Wald wirkt die norwegische Hauptstadt, hier lässt es sich gut leben. Kein Wunder, dass die Bevölkerung in den letzten zehn Jahren um rund 150 000 gewachsen ist und Prognosen gehen davon aus, dass dieser Trend auch in den nächsten Jahren anhalten wird.

Ähnlich verhält es sich mit den Touristenzahlen, obwohl Oslo zu den teuersten Städten der Welt zählt, zieht die norwegische Hauptstadt ständig mehr Besucher an. Doch schon lange verlässt sich Oslo nicht mehr nur auf seine einmalige Lage. Die reichlich sprudelnden Öleinnahmen sorgen für gut gefüllte Kassen, Staatsverschuldung ist für die Norweger ein Fremdwort. So bleibt genügend Spielraum für kulturelle Großprojekte und eine Rundumerneuerung der Stadt.

Seit einigen Jahren investiert die Stadt viel Geld in das Projekt Fjordbyen – die Stadt am Fjord. Es ist das größte städtebauliche Konzept, seit König Christian IV. Anfang des 17. Jahrhunderts das alte Kristiania nach einem verheerenden Brand hinter der Festung Akershus neu errichten ließ. Seit dieser Zeit war Oslo zwar die unumstrittene Hauptstadt des Landes, doch das Fjordufer wurde immer mehr zu einer tristen Gegend mit Hafenanlagen, Industriegebieten, Eisenbahngleisen und einem Gewirr von Autobahnen. Dies soll sich in den nächsten Jahren grundlegend ändern. Die Seeseite der Stadt soll zur Schokoladenseite werden und vor allem wieder für die Allgemeinheit zugänglich sein. Diese Revitalisierung der Wasserlagen am Fjord und an den Flüssen, insbesondere entlang der Flüsse Akerselva und Alnaelva, wird das Stadtbild in struktureller, funktioneller sowie ästhetischer Hinsicht komplett verändern.

Das neue Wahrzeichen der Stadt

Seit den 1950er Jahren ist das Rathaus aus rotbraunen Ziegelsteinen das Wahrzeichen der Stadt. Was musste der klobige Bau nicht alles an Kritik einstecken und auch heute noch haben die Osloer ein eher zwiespältiges Verhältnis zu ihrem Wahrzeichen. Mit der Fertigstellung der Oper im Jahr 2008 besitzt Oslo nun ein neues Wahrzeichen an ebenso prominenter Stelle, das im Gegensatz zum Rathaus aber von Anfang an mit Lob überschüttet wurde.

Der von dem international anerkannten Architekturbüro Snøhetta geplante mormorweiße Bau am Fjord hat mittlerweile fast ein Dutzend Preise eingeheimst. Mit der Oper ist den Osloern der große Wurf gelungen, die Vorstellungen sind fast immer ausverkauft, das Haus gilt als architektonisches Meisterwerk und neues Wahrzeichen der Stadt und lädt Besucher zudem noch als begehbares Kunstwerk zum Verweilen und Schauen ein. Im Rahmen des Projektes Fjordbyen spielt die neue Oper als Prestigobjekt zwar eine wichtige Rolle, macht aber nur einen kleinen Teil aus. So soll sich die Umgebung der Oper – der Stadtteil Bjørvika – nach und nach in ein attraktives und lebendiges Viertel mit Wohnungen, Büros, Geschäften und Restaurants verwandeln. Dazu gehört auch die Fertigstellung eines weiteren Tunnels, durch den mehr als 100 000 Autos pro Tag aus der Hafengegend verbannt werden.

Vorbild Aker Brygge

Angefangen hat die Umgestaltung der Stadt mit Aker Brygge. Vor gut 20 Jahren befand sich jenseits des Hafenbeckens Pipervika noch eine der größten Werften des Landes. Als sie schließen musste, entstand aus der ehrwürdigen Schiffswerft ein komplett neuer Stadtteil, der durch seine faszinierende Mischung aus alten Backsteinbauten und moderner Glas- und Stahlarchitektur beeindruckt. Die Osloer, vor allem die Jüngeren, haben diese Vergnügungsmeile begeistert angenommen. Sobald die Sonne sich blicken lässt, schlendern sie über die Uferpromenade, genießen die wärmenden Sonnenstrahlen auf den Bänken, schnuppern die Seeluft vom nahen Fjord, lauschen dem Live-Jazz von den Pontons und genießen ein Bier im Freien. Mittlerweile wird auch in Aker Brygge wieder gebaut, um das Angebot an Wohnungen und Büros, teils auf künstlichen Inseln, zu erweitern.

Man darf gespannt auf die nächsten Jahre sein: 2013 soll das neue Munch/Stenersenmuseum zum 150. Geburtstag des bekanntesten norwegischen Malers in der Nähe der Oper fertig werden. Das 57 Meter hohes Glasgebäude „Lambda“ wurde von dem spanischen Büro Herreros geplant. Dort, wo heute noch die ziemlich hässliche Uferstraße verläuft, wird dann die Dronning Eufemias Gate entlang führen, ein mehr als 40 Meter breiter, begrünter Boulevard mit nur wenig Autoverkehr. 2016 wird auch die neue Deichmannsche Bibliothek zwischen dem Boulevard und der Oper fertiggestellt sein. Ein Besuch in Oslo lohnt sich also in jedem Fall.

Christian Nowak

 

 

 

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