Cabo Verde: Ausbruch des Pico de Fogo – Update vom 9.1.2015

Fogo,_Cape_Verde_Islands, von Jesse Allen (NASA Earth Observatory) [Public domain], via Wikimedia Commons

Diese Luftaufnahme zeigt die Insel Fogo vor dem Ausbruch vom 23.11.2014.

Gut zu erkennen sind die Caldera und der Pico de Fogo. Im oberen Teil der Caldera sind als weiße Punkte die Häuser des kleinen Dorfes zu sehen. Der aktuelle Ausbruch erfolgt um den Pico Pequeno an der linken Flanke des Pico.

Vulkan Fogo auf den kapverdischen Inseln 2009

Ein Blick in die Caldeira vor dem aktuellen Ausbruch, Foto: NASA

Ausbruch des Vulkan Fogo auf den kapverdischen Inseln

Gut zu erkennen ist die Feuerspalte, die sich am Pico Pequeno geöffnet hat, Foto: NASA

 

Update vom 9.1.2015

Mittlerweile sind die Lavaströme in der Caldeira zum Stillstand gekommen, aus den Spalten am Berghang treten nur noch Gase und Rauch aus. Da es aber immer noch seismische Aktivitäten gibt, sind weitere Ausbrüche nicht ausgeschlossen.

Die TACV hat den Flugverkehr nach Fogo mit einer Maschine täglich wieder aufgenommen .

Gestern Abend ist ein Frachter mit Hilfsgütern bei schwerer See vor Fogo untergegangen, von den 22 Menschen an bord konnten wohl nur wenige gerettet werden.

 

Update vom 17.12.2014

Der Vulkan ist immer noch aktiv, der Lavastrom bewegt sich – allerdings stark verlangsamt – weiter vorwärts. Der Flugverkehr nach Fogo ist wieterhin unterbrochen, die einzige Möglichkeit, die Insel zu erreichen ist mit der Fähre.

Hier noch zwei YouTube Videos, die die Ausbrüche bei Nacht sowie die schnell fließende Lava zeigen:

 

Update vom 10.12.2014

Die Lava bewegt sich weiter langsam auf den Kraterrand zu, wenn sie ihn erreicht, wird die Lava sehr schnell den Berghang hinunterfließen und den zweitgrößten Ort der Insel, Mosteiros, bedrohen.

Mittlerweile hat auch Spiegel online einen Bericht zur aktuellen Lage auf Fogo:

www.spiegel.de/wissenschaft/natur/vulkan-fogo-auf-kapverden-lava-zerstoert-zwei-doerfer-a-1007531.html

 

Update vom 8.12.2014

Die Situation hat sich nochmals verschlechtert: Dünnflüssige Lava hat weitere Häuser sowie große Teile der Weinkooperative von Portela zerstört und ist weiter in den tiefer gelegenen Ort Bangaeira geflossen. Portela ist mittlerweile komplett zerstört, Bangaeira mindestens zu zwei Dritteln, darunter auch die Pension Marisa. Die Behörden haben eine vollständige Evakuierung der Caldeira angeordnet und wohl auch weitestgehend durchgesetzt. Die Lava hat nicht nur die Häuser sondern auch den Großteil des fruchtbaren Bodens vernichtet, Landwirtschaft und Weinanbau werden wohl in Zukunft nicht mehr möglich sein.

Der weitere Weg des Lavastroms ist schwer vorhersehbar, ein Szenario könnte sein, dass er die Caldeira verlässt und den Hang in Richtung Nordosten hinunter fließt. Die Auswirkungen des Vulkanausbruchs sind auch nicht mehr auf die Caldeira begrenzt, denn das Wasser in den Zisternen im Norden und Ostern Fogos ist nicht mehr trinkbar. Wegen der Evakuierung gebt es praktisch keine aktuellen Videos mehr, eines in sehr schlechter Qualität ist hier zu sehen:

Aktuelle Bilder sind hier zu finden: https://www.facebook.com/Kapverden

 

Update vom 6.12.2014

Heute haben wir einen detaillierten Bericht der aktuellen Lage und Ideen für langfristige Hilfsmaßnahmen bekommen, den wir im Folgenden wiedergeben:

Einschätzung der Lage nach dem Vulkanausbruch auf der Kapverdischen Insel Fogo 2014 und Informationen zu unserem Projektkonzept

Von Mike Goike und Heike Alter con Vista Verde Tours (www.vista-verde.com)

Mit dem Augenblick des Ausbruchs begann der Gedanke zu reifen, eine Spendenaktion ins Leben zu rufen, um den betroffenen Menschen zu helfen. Wir haben von Kapverden-Reisenden und anderen Gästen, Freunden und Partnern eine große Anteilnahme erfahren mit dem Wunsch etwas zu tun. Wir brauchten etwas Zeit, um die Situation überhaupt einigermaßen begreifen zu können und auf dieser Basis eine Projektidee zu entwickeln. Im folgenden möchten wir kurz die aktuelle Situation beschreiben und auch formulieren, wie wir mittel- und langfristig unterstützen möchten. Denn wir denken, dass aktuell durch die Medienpräsenz der Wunsch zu helfen groß ist. Aber auch über die nächsten Monate hinaus wird eine nachhaltige Unterstützung notwendig sein, auf die wir uns fokussieren. Natürlich freuen wir uns über jegliche Unterstützung!

Grundlage dieser Einschätzung sind Berichte der Nachrichtenagenturen bis zum 4.12.2014 sowie Bilder, Videos und Interviews, die im Internet zugänglich sind und auch Erlebnisberichte der Menschen und MitarbeiterInnen vor Ort.

Aktuelle Situation

Die vulkanischen Aktivitäten setzen sich unter Schwankungen weiter fort. Bis zum Abend des 4.12.14 waren ca. 60 Häuser und eine ähnliche Anzahl von Zisternen des Ortes Portela zerstört. Dazu gehören nicht nur Wohnhäuser, sondern auch wichtige Teile der Infrastruktur, die Grundschule, das Gemeindebüro, die Gesundheitsstation, das Verwaltungs- und Besucherzentrum des Nationalparks, 2 Pensionen und ein Hotel.

Von der Lava wurden ebenfalls mehr als 400 Hektar Fläche überflutet. Dazu gehören auch große landwirtschaftlich genutzte Bereiche mit Obst-, Wein-, Gemüse- und Kaffeeanbau.

Die Evakuierung der ca. 1000 Bewohner der Chã das Caldeiras ist weitgehend abgeschlossen. Etwa die Die Hälfte ist bei Verwandten und Freunden aufgenommen worden, die übrigen wurden auf 3 Evakuierungszentren in Achada Furna, Mosteiros und Monte Grande verteilt.

Die Versorgung der Evakuierten mit dem Allernotwendigsten (Lebensmittel und Schlafgelegenheit) ist sichergestellt. Allerdings wird auch das Leben in den aufnehmenden Gemeinden beeinträchtigt. In Achada Furna wurden evakuierte Familien z.B. in der Schule untergebracht.

Nach Einschätzung der Leiterin der Gesundheitsstation in Achada Furna schwankt die Stimmung der Betroffenen zwischen Verzweiflung, Wut und Zukunftsangst. Eine zahlenmäßig nicht erfasste Anzahl von Menschen zeigt Symptome von Traumatisierung und bedürfte einer Behandlung, die jedoch nicht zur Verfügung steht.

Die Ordnungskräfte haben die Situation weitgehend unter Kontrolle, der Zivilschutz und andere beteiligte Institutionen haben die Evakuierung unter den gegebenen Umständen gut durchgeführt.

Der Vulkanausbruch hat auch international ein großes Medieninteresse ausgelöst. Die Versorgung der interessierten Öffentlichkeit mit Informationen und Berichten ist dank Internet und sozialen Netzwerken umfassend.

Hilfsprojekte wurden sowohl auf regionaler wie auf nationaler und Internationaler Ebene eingeleitet. Dies gilt insbesondere auch für die Kapverdische Emigrantengemeinde in den USA. Es gibt eine große Solidarität mit den evakuierten Familien, u. a. werden Spendensammlungen durchgeführt, Benefizkonzerte veranstaltet und eine portugiesische Fregatte mit Hilfsgütern ist auf Fogo eingetroffen. Auch die europäische Kommission hat materiellen Hilfen angekündigt.

Die lokale Durchführung der Hilfsmaßnahmen wird von den Gemeindeverwaltungen der drei Gemeinden auf Fogo (São Filipe, Mosteiros und Santa Catarina), staatlichen Stellen mit Sitz auf Fogo und einer Reihe von NGO’s vorgenommen. Zu letzteren gehören u. a. das regionale Rote Kreuz, die Kapverdische Frauenvereinigung (OMCV) und das Kapverdische Institut für Kinder und Heranwachsende (ICCA).

Perspektiven am 5.12.2014

Das Ausmaß der Katastrophe ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehbar, da der Vulkanausbruch noch in vollem Gange ist.

Das wahrscheinlichste Szenario ist unserer Einschätzung nach folgendes:

Der Lebensraum in der Chã das Caldeiras und die landwirtschaftlich genutzten Flächen sind so nachhaltig beschädigt, dass eine Wiederbesiedlung nicht in Frage kommt und ca. 200 Familien ihre Heimat verlieren.

Die anderen Inselbereiche werden durch die Emissionen des Vulkans beeinträchtigt, aber nicht zerstört.

Nicht einschätzbar ist im Moment, welche mittelfristigen und langfristigen Auswirkungen die Freisetzung von Asche, Schwefeldioxid und anderen Gasen auf die Gesundheit von Menschen und Tieren und die landwirtschaftliche Produktion der nächsten Jahre haben wird.

Die ehemaligen Bewohner der Chã das Caldeiras stehen in den nächsten Monaten und Jahren großen materiellen Problemen gegenüber, da nur die wenigsten über finanzielle Rücklagen verfügen:

  • sie müssen neue Unterkünfte finden
  • sie müssen neue Erwerbsmöglichkeiten finden.
  • Da die meisten in der Landwirtschaft tätig waren, benötigen sie entsprechend nutzbare Flächen.

Neben den materiellen gibt es auch massive psychosoziale Probleme:

  • die traumatische Erfahrung einer abrupten Entwurzelung muss verarbeitet werden
  • soziale Strukturen wie Nachbarschaftsverhältnisse und Freundschaften werden zerrissen und müssen allmählich durch neue ersetzt werden.
  • Massive Veränderungen in den Lebensumständen führen oft zu Spannungen und Konflikten in den Familien.

Auch auf die lokalen Institutionen kommen zusätzliche Aufgaben bei der Unterstützung der evakuierten Familien zu:

  • Hilfe bei Bewältigung materieller Probleme
  • Hilfe bei der Suche nach neuen Unterkünften
  • Hilfe bei der Suche nach neuen Erwerbsmöglichkeiten
  • Hilfe bei der Bewältigung psychosozialer Probleme
  • Schaffung oder Erweiterung von Infrastruktur in den neuen Lebensräumen der betroffenen Familien (Kindergarten, Schule)

Externe Hilfen, die über die aktuelle Katastrophenhilfe hinausgehen und eher mittel- und langfristigen Charakter haben, sind bei der Bearbeitung der genannten Problembereiche von größter Bedeutung, da weder die Familien noch die lokalen und staatlichen Behörden noch die lokalen nichtstaatlichen Organisationen über ausreichend Mittel verfügen.

Unterstützungsprojekte

Die Evakuierung und Notfallversorgung der betroffenen Familien hat gut funktioniert, Bedrohung an Leib und Leben ist abgewendet.

Auch die materielle Versorgung mit Lebensmitteln, Bekleidung, Medikamenten und Behelfsunterkünften scheint dank vieler nationaler und internationaler Hilfsaktionen für die nächsten Wochen gesichert.

Erfahrungen mit ähnlich gelagerten Katastrophen zeigen, dass der Zustrom von Hilfsgeldern und Hilfsgütern in dem Maße abnimmt, wie auch das Medieninteresse geringer wird und Bilder und Berichte spärlicher in den Medien auftauchen.

Es ist jedoch damit zu rechnen, dass der Bedarf der betroffenen Familien an materiellen Hilfen, aber auch an Beratung und psychosozialen Hilfen eher ansteigen wird. Dies wird dann der Fall sein, wenn die Familien den ersten Schock überwunden haben, anfangen nach vorne zu schauen und ihr Leben neu organisieren und gestalten wollen.

Unsere Projektidee

Das Projekt mit der Zielsetzung, den Neuanfang von derzeit evakuierten Familien zu begleiten und zu unterstützen, wird als Ergänzung und Fortsetzung der bestehenden Hilfsmaßnahmen von großem Nutzen sein. Aufgabenfelder sind u.a.:

  • Beratung bei der Planung der zukünftigen Lebensgestaltung
  • Anbahnung von Patenschaften
  • Hilfen bei Transport und Umzug
  • Hilfen bei der Erstausstattung von Wohnräumen
  • Hilfen im Umgang mit Behörden und Institutionen
  • Unterstützung bei der Beantragung von Hilfsgütern und Hilfsgeldern
  • Hilfen beim Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit (Werkzeug, Saatgut)
  • Überbrückungsgelder und Gewährung von Mikrokrediten
  • Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und Institutionen, die in diesem Bereich tätig sind
  • Dokumentation der Projektaktivitäten für Spender, Sponsoren und Öffentlichkeit

Die Durchführung eines solchen Projektes setzt die Mobilisierung von Sponsoren und Spendengeldern voraus.

Spendenkonto (für diesen Zweck eingerichtet):
Name: Heike Alter
Sparkasse Dortmund
IBAN: DE16 4405 0199 0002 9133 30
BIC: DORTDE33XXX
Stichwort: Fogo

(Spendenquittungen können wir nicht ausstellen)

VIELEN DANK FÜR IHRE UNTERSTÜTZUNG!!!

 

Update vom 5.12.2014

Die vulkanischen Aktivitäten haben sich wieder verstärkt, es tritt vermehrt Lava aus, die sehr dünnflüssig ist und deshalb seht schnell fließt. Es ist zu befürchten, dass durch diesem erneuten Lavastrom alle verbliebenen Häuser von Portela zerstört werden. Auch der nächte Ort in der Caldeira, Bangaeira, scheint in Gefahr.

 

Update vom 4.12.2014

Dei Lava, die immer noch aus drei Öffnungen austritt, hat ihre Fließgeschwindigkeit deutlich reduziert. Mittlerweile hat der Lavastrom rund 60 Häuser zerstört und befindet sich wenige Meter vor der Kirche und der Weinkooperative. Starke Erdbeben außerhalb des Kraters könnten die Vorboten von neuen Ausbrüchen sein.

 

Update vom 3.12.2014

Die Situation in der Caldeira hat sich mittlerweile dramatisch zugespitzt. Der Ortsteil Portela ist am stärksten betroffen. Nach der Zerstörung zahlreicher Privathäuser habt der Lavastrom nun auch das Hotel Pedra Brabo unter sich begraben. Die Lava ist dünnflüssig und deshalb relativ schnell. Kirche und Weinkooperative sind ebenfalls akut bedroht. Wenn nicht ein Wunder geschieht wird Portela bald vollständig zerstört sein. Schon jetzt scheint aber klar zu sein, dass Weinanbau im Krater nicht mehr möglich sein wird.

Ein aktuelles Video, das das ganze Ausmaß der Zerstörungen zeigt, ist hier zu sehen:
http://new.livestream.com/muzikatv/fogo

 

So hat es angefangen

Am Morgen des 23. November 2014 ist der Pico do Fogo, der höchste Berg der Kapverdischen Inseln ausgebrochen. Die Eruption kam nicht völlig überraschend, denn schon am Vorabend gab es starke seismische Aktivitäten. Die Aktivität konzentriert sich um den beim letzten Ausbruch im Jahr 1995 entstandenen Parasitärkrater Pico Pequeno an der westlichen Flanke des Pico. Die Situation in der Caldera wurde schnell dramatisch, denn aus der Eruptionsspalte trat Lava mit relativ hoher Geschwindigkeit aus. Deshalb wurden die Bewohner des in der Caldera gelegenen Dorfes evakuiert. Durch die Lavaströme wurde auch die Straße durch die Caldera zerstört. was die Evakuierung schwieriger machte. Mittlerweile haben die Lavaströme bereits eine Länge von rund vier Kilometern erreicht und einige Gebäude zerstört, darunter auch das neu erbaute Besucherzentrum. Zeitweise musste wegen der staken Rauchentwicklung auch der Flughafen São Filipe gesperrt werden. Mittlerweile bewegt sich die Lava wohl langsamer und es tritt vor allem Gas aus. Vulkanologen rechnen trotzdem mit einem rund zwei Monate andauernden Ausbruch des Pico de Fogo.

Wir haben einige Videos zusammengetragen, die den aktuellen Ausbruch dokumentieren:

Auch der Livestram von MuzikaTV zeigt viele Vides vom Ausbruch:

http://new.livestream.com/muzikatv/fogo

Satellitenaufnahme von der Caldera vom 28.11.2014 mit dem Lavastrom in der Nähe der Dörfer Cha das Caldeiras, Portela und Bangaeira:

http://reliefweb.int/map/cabo-verde/pico-de-fogo-volcanic-eruption-fogo-island-cape-verde-28-nov-2014

Aufnahmen des Ausbruchs in der Nacht vom 29.11.2014:

http://youtu.be/ps1QbTRI4Dg

Christian Nowak

 

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