Thailand: Im Himmelszug durch Bangkok

BTS Skytrain,  Bangkok

Skytrain, Bangkok, Foto: Fremdenverkehrsbüro Thailand

Thailands Metropole ist berühmt-berüchtigt für ihre Staus. Deshalb empfiehlt sich für das Stop-over-Ziel Bangkok eine Stadtrundfahrt in luftiger Höhe – im Skytrain.

Tuk-Tuk-Knattern, Hupkonzerte an jeder Ecke, ein verwinkelter Urwald aus Häusern, der von verstopften Straßen durchschlungen wird, rauchende Garküchen, Dunst und Lärm. Der Moloch Bangkok schlürft dich ein und doch hat die Stadt ihre Reize; es gibt Sehenswürdigkeiten von Weltrang, grandiose Fünfsterne-Hotels, jede Menge gute Restaurants, eine Clubszene und Shopping-Center vom Feinsten. Man muss nur wissen, wie man da am besten rankommt.

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Die wendigen Tuk-Tuks fahren durch die kleinste Gasse, Foto: Katharina Büttel

Lassen Sie Taxi und Tuk-Tuk stehen, und nehmen Sie den Skytrain, jene hypermoderne Hochbahn, von der sich seit der Eröffnung 1999 zwei Linien auf Stelzen durch die Hochhausschluchten ziehen und mühelos jeden Stau überholen – schnell, sauber, sicher, pünktlich auf die Sekunde, gut gekühlt auf 18 Grad mit Duft von Zitronengras in der Luft – und aussichtsreich. Man fährt Skytrain in Bangkok, wo immer es geht.

BTS Skytrain,  Bangkok

Skytrain, Bangkok, Foto: Fremdenverkehrsbüro Thailand

Rund 60 Stufen tiefer, unter den mächtigen, fast 15 Meter hohen Stelzen der Trasse ducken sich alte Häuschen, drängeln sich Menschen vor Garküchen, von denen die Stadt an die 40.000 hat. Eine Köchin brutzelt im Wok gebratenen Reis mit Krabben; die Portion zu 30 Baht – keine zwei Euro. In die verlockenden Gerüche von den kleinen Ständen wabern von den alten Stadtbussen schwarze Rußwolken. Auf acht- bis zwölfspurigen Straßen tost der Verkehr, Tuk-Tuk-Fahrer bieten ihre Dienste an. Aber die meisten Passanten gehen an ihnen vorbei und nach oben – zum Skytrain.

Oben boomt Bangkok. Oben wird gebaut, was das Zeug hält: Hotels, Shopping-Center, Bürogebäude, zum Himmel strebende Türme wie der 319 Meter hohe Baiyoke Sky Tower. Oben spiegeln sich Glasfassaden, glitzern Paläste moderner Architektur, rollt der Verkehr auf mautpflichtigen Hochautobahnen mitten durch die Stadt. Oben ist Bangkok auf dem Weg vom faszinierend-chaotischen Moloch zur geordnet-funktionierenden Metropole. Kurz gesagt: unten kocht die Stadt, oben kühlt der Skytrain Kopf und Körper.

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Shopping von Boot zu Boot auf Bangkoks Khlongs, Foto: Katharina Büttel

Wer das alte, traditionelle Bangkok sehen will, fährt bis Saphan Taksin, der westlichen Endstation der Silom-Linie direkt am Central Pier. Hier legen im Minutentakt Boote an, die den River Chao Phraya flussaufwärts fahren. Liegender Buddha, die Kultstätten Wat Arun und Wat Phra Keo, der Königstempel, das Häusergewirr von Chinatown und die berühmte „Writer’s Lounge“ im legendären „Oriental Hotel“ sind vom Fluss aus bequem zu Fuß zu erreichen.

Wer noch Zeit hat, jagt von hier aus in einem der bunt geschmückten Longtail-Boote durch die Klongs nach Thonburi zum Königlichen Barkenmuseum. Bereits im 14. Jahrhundert fuhren bis zu 200 dieser kostbar geschnitzten Barken zu Ehren des Königs in Prozession auf dem Fluss; heute sind von den noch 50 rot lackierten Booten nur 15 ständig zu sehen.

Am späteren Abend lässt es sich von der Memorial Bridge aus über den nächtlichen Blumenmarkt Pak Klong Talad bummeln – die tropische Blütenpracht ist überwältigend.

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Der 45 Meter lange Buddha in Wat Pho, Foto: Katharina Büttel

Der von Siemens gebaute Skytrain, ein Milliardenprojekt, rauscht völlig schadstofffrei mit 35 Kilometern/Stunde an den Dächern Bangkoks vorbei – von sechs Uhr morgens bis Mitternacht. Fahrtzeit für die Gesamtstrecke: keine Stunde; mit dem Taxi das Dreifache. Dazu der Preis: Kurzstrecke kostet 80 Cent, zwischen den Endstationen Mo Chit und On Nut um die zwei Euro; dieselbe Strecke per Taxi nicht unter zehn Euro.

Apropos Mo Chit: hier liegt Bangkoks Wochenmarkt Chatuchak – samstags und sonntags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Markt der Märkte ist ein gigantisches Warenlager, ein labyrinthischer Albtraum und Fundgrube für alles, was das Herz begehrt. Chatuchak ist heiß, stickig und stets überfüllt – aber es lohnt sich! Im Gewühl der 15.000 Marktstände gibt es Hunde, Kleidung, Möbel, Garküchen, Seidenstoffe, Kunsthandwerk. In Sektion 26, bei den Antiquitäten- und Stoffhändlern, findet man – schöne Souvenirs! – Schalen aus Mangoholz und glänzend lackierte Rattankörbe.

Jim Thompson kennt in Bangkok jeder, obwohl er seit 50 Jahren nicht mehr gesehen wurde. Es ist jener Amerikaner, der nach dem zweiten Weltkrieg die Thai-Seide international bekannt, ja berühmt machte, und der in den 60er-Jahren unter mysteriösen Umständen spurlos im Dschungel von Malaysia verschwand. Sein original erhaltenes Wohnhaus in schönster, alter Thai-Architektur – das Jim Thompson’s House – ist heute Museum mit Seiden-Shop und luftigem Restaurant – ein paar Schritte nur von der Station National Stadium entfernt.

Wer an der Thong Lo-Station, müde vom lauten Banglampoo-Markt und vom Großstadtstress, aussteigt, hat es nur fünf Gehminuten auf der Sukhumvit Road bis zum „Marriott Hotel‘“, einer modernen Oase inmitten der Hektik von Downtown Bangkok. Das Restaurant „The District“ – fünftbestes von 7000 in Bangkok – ist ein echter Geheimtipp und die Dachterrassen-Bar in luftiger Höhe bietet neben guten Cocktails einen spektakulären Rundblick über die „Stadt der Engel“, wie „Bangkok“ übersetzt heißt.

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Open-air-Restaurant des Marriott-Hotels, Foto: Katharina Büttel

Bangkoks Nachtleben hat viele Facetten: die Station Nana befindet sich im Zentrum des nächtlichen Geschehens. Schicke Clubs und angesagte Bars sind vor allem entlang der ellenlangen Sukhumvit Road zu finden. Hot Spot im 65. Stock des State Tower in der Silom Road ist das “Sirocco“; auf seiner Dachterrasse trifft sich ganz Bangkok zum Dinner oder auf einen Drink an der sensationellen Bar. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte den Platz auf dem gläsernen Boden über dem „Abgrund“ meiden und die himmlischen Aussichten auf die Stadt besser aus sicherer Entfernung von der Terrassenmitte aus genießen. Hier oben, mit einem Glas Thai Rumba in der Hand, sind Lärm und Chaos vergessen: Bangkok ist eine Stadt zum Verlieben – aber erst auf den zweiten Blick.

Text: Katharina Büttel

 

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