Dänemark: Kopenhagen – Die handliche Hauptstadt

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Tivoli, Foto: Cees van Roeden

Kopenhagen ist handlich. Die dänische Hauptstadt macht es Besuchern leicht, sie zu erobern. Die Innenstadt ist so klein, dass man fast alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß entdecken kann. Schnell fühlen sich Besucher heimisch. Die Stadt am Øresund macht einen weltoffenen Eindruck, die Bewohner sind alles andere als nordisch-verschlossen. An Sonnentagen fühlen sich Besucher, die über den Strøget bummeln, der Lebensader der Stadt und mit 1,8 Kilometern längsten Einkaufsstraße Europas, bei all den Straßencafés und Straßenmusikern in eine südliche Stadt versetzt. Dass es auch in Kopenhagen in den letzten Jahren die sozialen Verwerfungen gegeben hat wie in anderen Metropolen auch – so hat sich das einst so tolerante Dänemark das strengste Ausländerrecht der EU zugelegt – fällt im Alltag nicht auf.

Das perfekte Touristenziel

Zugegeben: Unter den In-Zielen auf dem Kontinent läuft Barcelona dem kleinen Kopenhagen spielend den Rang ab. Aber ganz gerecht ist das nicht. Wenn diese Stadt nicht existierte, hätten Touristiker sie als Städtedestination erfinden müssen. Denn Kopenhagen ist alles: eine Shoppingstadt par excellence, eine Metropole voller Sehenswürdigkeiten, Kirchen und Museen, eine gastronomische Hochburg und eine perfekte Destination für Familien. Selbst wer Royales schätzt, kommt hier auf seine Kosten. Doch der Reihe nach:

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Shopping in Kopenhagen ist ein so großes Vergnügen, weil das Angebot im Vergleich zu anderen Städtezielen durch typisch Dänisches und zugleich Originelles ergänzt wird: durch Design. Was dänisches Design auszeichnet, genial im Großen, überraschend praktisch im Kleinen, verrät am schnellsten Illums Bolighus – nicht zu verwechseln mit dem berühmten Kaufhaus Illum ganz in der Nähe – am Amagertorv, einem der ungezählten quirligen Plätze der Stadt.

Drei Tage reichen nicht aus, um nur die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Kopenhagens abzuhaken. Ein Muss ist der Vergnügungspark Tivoli mitten in der Stadt, der 30.000 Besucher und mehr am Tag anzieht. Einer von ihnen, Michael Jackson, war seinerzeit so fasziniert von den 25 historischen Karussells, den vielen Lichtern und 400.00 Blumen, der überbordenden Gastronomie mit 30 Restaurants und 10.000 Sitzplätzen, dass er den 1874 gegründeten Park kurzerhand kaufen, in Kisten packen und in die USA verschiffen wollte.

Mehr als nur die Kleine Meerjungfrau

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Foto: Rasmus Flindt Pedersen

Die meistfotografierte Maid der Stadt ist die Kleine Meerjungfrau, die – überraschend klein – auf einem Findling an der Uferpromenade Langelinie sitzt. Künstlerisch wertvollere Plastiken birgt die Ny Carlsberg Glyptotek, das größte Museum der Stadt mit einer der berühmtesten Gemäldesammlung auf dem ganzen Globus. Wer’s eine Nummer kleiner mag, sollte die intimste Gemäldesammlung der Stadt besuchen, Den Hirschsprungske Samling mit meisterhaften Werken der immer noch zu wenig bekannten genialen Skagenmaler.

Ob historisch oder hochmodern: Wer beeindruckende Architektur schätzt, wird beim Spaziergang in Kopenhagen so manchen Abstecher machen – zum Schwarzen Diamanten beispielsweise, dem hypermodernen Erweiterungsbau der Königlichen Bibliothek, oder hinaus zu Kopenhagens neuestem Stadtteil Ørestad. Dort liegt VM Bjerget, der „WW Berg“, eine villenartige Wohnsiedlung, die pyramidenartig elf Stockwerke aufsteigt. An historischen Gebäuden ist Kopenhagen unendlich reich, denn die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert. Die Börse, das Kastell, die Christians Kirke, die Liste der sehenswerten Gebäude ließe sich noch ellenlang fortsetzen.

Von Nyhavn nach Christiania

Idyllisch ist die Szenerie am Nyhavn, dem Stichkanal, den Christian V. im 17. Jahrhundert vom Hafen bis zum Kongens Nytorv anlegen ließ. Einst sündige Meile, ist die historische Häuserzeile mit ihren touristisch herausgeputzten einstigen Mastrosenkneipe beliebter und den historischen Schiffen, die hier vor Anker liegen, Treffpunkt der Kopenhagen-Touristen. Für junge Stadturlauber besitzt die legendäre „Freistadt“ Christiania eine große Anziehungskraft, in der die Bewohner seit vier Jahrzehnten – mehr oder weniger erfolgreich – mit alternativen Lebensformen experimentieren. Auch hier gibt es durchaus idyllische Ecken. Aber Achtung: Wer hier ungeniert fotografiert, kann sich schnell großen Ärger einhandeln.

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Ob eine Billig-Pizza in Christiania oder im multikulturellen Stadtviertel Nørrebro oder ein – sündhaft teures – Dinner im Restaurant Kadeu mit einem Michelin-Stern: In Kopenhagen ist der Tisch reich gedeckt. Hier gibt es übrigens mehr Sternerestaurants als in jeder anderen skandinavischen Stadt. Typisch dänisch ist das Smørrebrød, was eigentlich „Butterbrot“ bedeutet, aber viel mehr ist. Alles, was aus dem Meer kommt, wird zum Smørrebrød verarbeitet, von Krabben bis zum Kaviar, außerdem Schinken, Käse, Eier… Urlaubern reichen zwei, drei dieser köstlichen, aber keineswegs billigen Kreationen, um von der frohkost-Zeit (Lunch) bis zum middag (Dinner) durchzuhalten. Ältestes und berühmtestes Smørrebrød-Restaurant ist Ida Davidsen in der Store Kongensgade 70. Die Speisekarte, mehr ein Zettel, mit 150 Angeboten ist 1,40 Meter lang.

Ein Bett für jeden Geldbeutel

Das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten ist so vielfältig wie die ganze Stadt. Es reicht von Quartieren für junge Leute wie die Cab Inns über solide, meist gemütliche und geschmackvoll ausgestattete Mittelklassehäuser – originell ist das Copenhagen Admiral (Tolbodgade 24-28) in einem 200 Jahre alten, umgebauten Speicher – bis hin zu Luxushäusern. Allen voran das Flaggschiff D’Angleterre am Kongens Nytorv. Wer von den Großen dieser Welt etwas auf sich hält, steigt hier ab. Alfred Hitchcock drehte hier Szenen zu seinem Thriller „Der zerrissene Vorhang“. Noch in keinen Film sondern gerade mal ins Internet hat es das Hotel Babette Guldsmeden geschafft, das vierte Kopenhagener Haus der Guldsmeden-Hotelgruppe, die sich auf nachhaltig und unter strengsten ökologischen Gesichtspunkten geführte Boutique- Hotels spezialisiert hat. Kein Wunder: Es ist gerade erst eröffnet worden. Alle Zimmer im Babette Guldsmeden sind mit balinesischen Möbeln, Himmelbetten und Original-Kunstwerken ausgestattet.

Eine kinderfreundliche Stadt

Auch das macht Kopenhagen so liebenswert: Kinder jeden Alters sind immer und überall willkommen, selbst in den „vornehmsten“ Hotels. Das äußert sich nicht in überzogener Herzlichkeit, sondern darin, dass stets an den Nachwuchs gedacht wird. So besitzen die vielen übers Stadtgebiet verteilten Würstchenbuden selbstverständlich ein zusätzliches, tiefer hängendes Ablagebrett, das Kinder gut erreichen können. Spielecken bei Behörden, in Museen, in Banken und Geschäften sind eine Selbstverständlichkeit. So fällt es Kopenhagen-Touristen leichter als in anderen Städten, ihre Kinder mit auf den Citytrip mitzunehmen.

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Foto: Kim Hansen, Louisiana Museum of Modern Art

Zu sehen und zu unternehmen gibt es für die Kleinen und Kleinsten auch abgesehen vom Tivoli mehr als genug – eine Hafenrundfahrt beispielsweise, ein Besuch in Nordeuropas größtem Aquarium Den Blaa Planet oder ein Nachmittag im Experimentarium City mit Spaß und Spiel auf 3000 Quadratmetern. Und da gibt es ja noch das Königliche Kopenhagen. Schloss Rosenborg, ein Renaissanceschloss wie aus dem Märchenbuch, fasziniert Eltern wie Kinder gleichermaßen – der Rittersaal, das Schreibzimmer Christians IV., die Kronjuwelen in der Schatzkammer. Im – eigentlich aus vier Palais bestehenden – Schloss Amalienborg, der königlichen Residenz, dürfen die kostbar, aber überladen ausgestatteten Privatgemächer zweier Könige besichtigt werden. Wenn die Königin anwesend ist, findet um 12 Uhr mittags die Wachablösung im großen Stil statt. Die Garde zieht jeden Tag von ihrer Kaserne quer durch die Stadt bis zum Schloss.

Königin Margrethe II. ist äußerst beliebt. Seit 42 Jahren im Amt, ist sie volksnah und bescheiden geblieben und hat sich auch als Designerin, Grafikerin und Bühnenbildnerin einen Namen gemacht. Für die Kettenraucherin, die aber seit ein paar Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit raucht, ist es selbstverständlich, dass ihre Luxuskarosse an der Ampel bei Rot hält und auf Grün wartet – zum Gaudi der Touristen, die dann einmal eine leibhaftige Königin aus der Nähe sehen können. Ein wahres Volksfest ist der Geburtstag der Königin am 16. April, bei dem ihr Tausende, fähnchenbewaffnete Verehrer vor dem Schloss zujubeln. In Dänemark, so spötteln Zyniker, sind auch die Gegner der Monarchie Royalisten.

Horst Schwartz

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