Niederlande: Der späte Rembrandt im Amsterdamer Rijksmuseum

Rembrandt Selbstportrait

Kein anderes Museum auf der Welt besitzt eine größere Rembrandt-Sammlung als das Rijksmuseum in Amsterdam. Ab dem 12. Februar 2015 widmet es sich nun – in frisch und aufwendig renoviertem Gewand – zum ersten Mal dem Spätwerk des legendären holländischen Meisters. Die gemeinsam mit der Londoner National Gallery konzipierte Ausstellung „Rembrandt: Die letzten Jahre“ zeigt rund 100 Werke Rembrandt van Rijns, darunter 40 Gemälde, aber auch zahlreiche Zeichnungen und Drucke. Museen aus aller Welt (auch jene, die ihre kostbaren Bestände sonst so gut wie nie verleihen) waren von dem Konzept so überzeugt, dass sie ihre Meisterwerke auf Reisen schickten – zuerst nach London, der ersten Station der Schau, dann nach Amsterdam.

Rijksmuseum - 2014 - John Lewis Marshall - 01 (JPEG)

Rijksmuseum Amsterdam

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten gibt es nun die Möglichkeit, einen umfassenden Überblick über Rembrandts Schaffen von ca. 1651/52 bis zu seinem Tode 1669 zu erhalten. Wim Pijbes, Direktor des Rijksmuseum, ist sich sicher: „Diese Ausstellung über sein Leben wird einer neuen Generation die Meisterschaft von Rembrandt nahebringen, der größten Persönlichkeit in der niederländischen Kunst des Goldenen Zeitalters und möglicherweise dem berühmtesten aller Holländer.“

Auch wenn sich vieles schon in seinem Frühwerk andeutet, der späte Rembrandt – der die inneren Konflikte der Menschen auf die Leinwand bringt und die Kunst mit seinem Pinselstrich revolutioniert – ist der wahre Rembrandt, das macht die Ausstellung eindrücklich klar. Einst einer der renommiertesten und bestbezahlten Maler Hollands, ist Rembrandts letztes Lebensdrittel von Krisen, finanziellen Problemen und tragischen persönlichen Verlusten gekennzeichnet. Mitte der 1650er Jahre muss er Konkurs anmelden, sein luxuriöses Haus und seine bedeutende Kunstsammlung werden versteigert, sein ebenso monumentales wie düsteres Gemälde „Die Verschwörung des Claudius Civilis“ (einst eigens für das Amsterdamer Rathaus angefertigt) stößt auf Ablehnung und wird kurzerhand wieder abgehängt.

The Conspiracy of the Batavians by Rembrandt. Nationalmuseum Stockholm

Die Verschwörung des Claudius Civilis

1663 stirbt seine Lebensgefährtin Hendrickje Stoffels, einige Jahre später verliert er auch seinen Sohn Titus. Gleichzeitig zählen diese späten Jahre zu seinen produktivsten; die Werke, die in dieser Zeit entstehen, zu seinen bedeutendsten. Rembrandts Maltechnik wird mit dem Alter freier, radikaler und rauer, er experimentiert mit Farbe und Licht und zeigt immer wieder Personen in einer starken, emotionalen Innerlichkeit. Die Gemälde, die in diesen Jahren entstehen – u. a. „Der Segen Jakobs“, „Die Verschwörung des Claudius Civilis“, oder „Selbstbildnis mit zwei Kreisen“ – prägen das weltweite Rembrandtbild bis heute. Und sie haben die folgenden Künstlergenerationen nachhaltig beeinflusst.

Als Vincent van Gogh Rembrandts Gemälde „Isaak und Rebecca“, meist „Die Judenbraut“ genannt, 1885 zum ersten Mal im Rijksmusem erblickt, meint er beeindruckt, dass er am liebsten zehn Jahre seines Lebens hergeben würde, wenn er dafür, mit nichts als einem Stückchen trockenen Brot, vierzehn Tage vor dem Bild verbringen dürfte. Heute ist „Die Judenbraut“ einer von vielen Höhepunkten im Rahmen der Ausstellung über Rembrandts imposantes Spätwerk.

De Joodse bruid, Rijksmuseum

Die Judenbraut

Doch nicht nur das Rijksmuseum widmet sich dem künstlerischen Schaffen Rembrandts – ganz Amsterdam steht in diesen Tagen im Zeichen des womöglich „berühmtesten aller Holländer“, der in dieser Stadt einen Großteil seines Lebens verbrachte. Eine Reihe von Ausstellungen, Stadtrundgängen und Bootstouren zu jenen Orten, an denen der Künstler lebte und bis zu seinem Tod 1669 arbeitete, einschließlich des Rembrandt-Museums (Rembrandthuis) und der Westkirche (Westerkerk), in welcher er begraben wurde, stehen auf dem Programm.

Nora Kalweit

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