Österreich: In Silberregion Karwendel wird der Erzabbau lebendig

Seufert  Schwaz

Auf den Spuren des Dollars

Der Zug rattert durch die dunklen Gänge. Von den Wänden tropft das Wasser. Es ist eng in den schmalen Waggons, in die sich die Besucher hintereinander quetschen, um das Innere des Schwazer Silberbergwerks zu erkunden. In der Silberregion Karwendel, am Lauf des Inn im Herzen Österreichs, lässt sich so einiges entdecken.
Die konstanten zwölf Grad Celsius im Bergwerk fühlen sich bei den noch kühlen Temperaturen draußen fast schon warm an. Eingepackt in einen silbernen Mantel und gut behütet mit einem Helm geht es für die Besucher ins Innere des Bergs. Die Fahrt mit der Grubenbahn dauert nur wenige Minuten. Für die Bergleute, die vor Jahrhunderten den Schwazer Wohlstand mit ihrer harten Arbeit sicherten, war dies wohl nicht ganz so angenehm.
Seufert Schwaz Rund einen Kilometer tief haben die Hauer in mühevoller Arbeit den Stollen Falkenstein geschlagen – über Jahrzehnte hinweg. Über mehrere Kilometer verzweigt sich das Röhrennetz. Ziel war das wertvolle Eisenerz. In der Blütezeit des Bergbaus seien bis zu 12 000 Knappen beschäftigt gewesen, berichtet die Führerin stolz. Soziale Errungenschaften für die Bergleute inklusive, wie dem Acht-Stunden-Tag. Zudem war Kinderarbeit verpönt. Erst mit zwölf Jahren durften die Jungen in die Schächte einfahren.
Auch technisch mussten sich die Bergleute etwas einfallen lassen, um das einsickernde Grundwasser abzuleiten. Und einen Bach über dem Stollen leiteten sie als Antrieb für ein Wasserrad kurzerhand in der Berg und über den tiefergelegenen Eingang wieder nach draußen.
Eine Tagesreise von Schwaz entfern, in Hall in Tirol, wurde das Gestein schließlich in der Münze weiterverarbeitet. Und dieser Haller Taler, so verrät es die Führung im Bergwerk, ist der Namensgeber für den amerikanischen Dollar und lebt somit in ihm fort.
Mitte der 1970er Jahre fuhr der letzte Grubenhunt im ehemals reichsten Silberbergwerk der Welt Erzgestein aus, dem das Haus Österreich seinen Aufstieg verdankte. Danach baute man noch für mehr als zwei Jahrzehnte Dolomit ab, bevor 1999 der Bergbaubetrieb geschlossen wurde. Als Schaubergwerk öffnet es seitdem seine Pforten und gewährt so einen Einblick die harte Arbeit der Knappen. Die mühsame Tätigkeit unter Tage wird vor allem für Kinder lebendig erklärt und mit Schautafeln und visuellen Effekten verdeutlicht.
Draußen empfängt leichter Regen die Besucher. Während im Winter in der Silberregion Karwendel für eine zünftige Skitour rund 15 Pistenkilometer zwischen Stans und Weerberg bereitstehen, locken im Sommer herrliche Wanderwege. Auch das Zillertal liegt gleich um die Ecke.

Rodel gut

Wer sich die Lust auf die weiße Pracht auch im Sommer nicht nehmen lassen will, macht einen Abstecher zu Rodelbauer Bernhard Lederwasch.

Seufert Rodel Wie ein richtiger Gallzeiner Rennrodel noch in echter Handarbeit hergestellt wird, verrät er zusammen mit einer Frau Helga den Besuchern, die in der Manufaktur jederzeit willkommen sind. Zwölf Lagen heimisches Holz leimt der Chef für den Unterbau zusammen, der in der Presse auf die Weiterverarbeitung wartet. Handarbeit ist auch die Herstellung der übrigen Holzteile, bis der Sitz des Schlittens schließlich mit Stoff bespannt wird. Individuelle Kreationen werden nach den Wünschen der Kunden auf den Stoff gestickt. Nicht ganz billig sind die Schlitten, bürgt Lederwasch für Qualität. Selbst bis nach Hamburg liefert der Familienbetrieb sein Produkt. Saison haben die beiden übrigens das ganze Jahr über – nicht nur im Winter.

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Zum Entspannen geht’s ins Wellnesshotel „Schwarzbrunn“ mit dem offenen „Bergsee“-Schwimmbad. Das Hotel liegt übrigens direkt an der Ski- und Rodelpiste. Im Winter ist das ein besonderes Erlebnis, wenn sich die Rodler und Skifahrer den Wind um die Nase wehen lassen. Dann nämlich können die Badegäste im Pool direkt zur Piste winken und die Sportler kräftig anfeuern. Im Sommer genießt man den herrlichen Blick auf die Silberregion Karwendel. Die ausgedehnte Wellnesslandschaft im Traditionshotel steht übrigens auch Tagesgästen offen. Besondere Entspannung verspricht die Haki-Massage. Mit rhythmischen Druck-, Streich- und Schwingbewegungen sowie mit eigens entwickelten Griffen und Techniken werden das Nerven- und Muskelsystem harmonisiert und so Ausgeglichenheit, entspannte Ruhe und Regeneration erreicht.
Wer es gemütlich und urig mag, der wandert mit Doris Tochtersmann, der engagierten Wanderführerin des Hotels „Schwarzbrunn“, vorbei an der Quelle Schwarzbrunn mit dem erfrischenden Wasser zur kleinen Waldhütte des Hotels. Der Weg führt vorbei an einem Wildgehege mit Hirschen, die sich aber nur zögerlich zeigen. Dafür empfängt die Hütte die Besucher mit viel Romantik und uriger Gemütlichkeit. Hier darf man die Seele baumeln lassen und sich auf eine typisch Tiroler Jause freuen.

Bild und Text: Diana Seufert