Frankreich: Ein Garten – wie gemalt

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Seit gut 90 Jahren ist er tot, begehrt und beliebt ist er bis heute: Der Maler Claude Monet (1840-1926), Ikone der modernen Malerei und „das wunderbarste Auge, seit es Maler gibt“, sagte Cézanne von ihm. Die Chance, bekannte und weniger bekannte seiner Bilder zu bewundern, gibt es jetzt im Frankfurter Städel Museum in der Ausstellung „Claude Monet und die Geburt des Impressionismus“- zusammen mit knapp 100 weiteren Meisterwerken seiner Maler-Kollegen des frühen Impressionismus. In der Normandie schuf Monet die wuchernde Vorlage für seine impressionistischen Werke: den Garten von Giverny.

Giverny ist Monet: es war Liebe auf den ersten Blick. Auf einer Bahnfahrt entdeckte er das kleine, unbedeutende Straßendorf Giverny in der Normandie. Das glitzernde Licht auf der Epte, dem winzigen Nebenfluss der Seine, die malerischen Bauerngärten, das satte Grün ringsum taten es ihm an. Im April 1883 bezog er dort mit seiner Familie ein Landhaus mit Atelier und einem großen Obst- und Blumengarten – „in der Gewissheit, niemals eine so schöne Landschaft wiederzufinden“.

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Eigentlich wollte er nur ein paar Blumen züchten, als Motive in Schlechtwetterperioden – wenn das Malen in der freien Natur unmöglich war. Doch als er auf Reisen die Blütenpracht südländischer Gärten kennenlernte, war er fasziniert. Er kaufte exotische Pflanzen und komponierte Blüten zu ungewöhnlichen Farbspielen, ganz so, als wären die Gesetze der Natur Farbgesetze. Bald arbeitete er mit fünf Gärtnern an der Gestaltung seines Blütentraums. Er pflanzte Kletterrosen und setzte Kapuzinerkresse zu ihren Füßen, platzierte Stauden von Iris und weißem Mohn zwischen japanische Ziersträucher, bestückte Beete mit Tulpen, Narzissen, Vergissmeinnicht und Veilchen, mit Rittersporn, Phlox, Margeriten und Chrysanthemen. Er pflanzte, was farbig harmonierte und minutiös in die Blütenfolge passte. Seine ganze Kraft steckte er nun darein, seinen Garten zu malen.

2.Monet-Portrait.jpgSo schuf er Gemälde, auf denen seine Motive geradezu wuchern. Er suchte den flüchtigen Augenblick zu erfassen, das Licht in seinem Garten in Giverny, die Spiegelungen auf der Oberfläche des Teiches und die fliehenden Schatten. Seine besondere Liebe galt dem künstlich angelegten Wassergarten samt Seerosenteich und der von Glyzinien überwucherten, japanischen Holzbrücke – Motiv zahlreicher Gemälde. Er war getragen von der Idee, dem Lauf der Natur, dem Prozess von Reifen und Vergehen, dem Wandel der Farbigkeit zu folgen. 1926, im Alter von 86 Jahren, verstarb er in Giverny.

Seit 1982 stehen Monets Haus und Garten – sorgsam in den von ihm geschaffenen Zustand zurückversetzt – für Interessierte aus aller Welt offen. Am günstigsten für einen Besuch ist meist die Mittagszeit, wenn die vielen Touristen die umgebenden Restaurants besetzen.

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Claude Monets altrosa getünchtes Haus ist seit langem Museum und strahlt mit seinen acht verschiedenfarbig ausgemalten Zimmern, dem Stilmix aus japanischen Holzschnitten, asiatischen Lackmöbeln und normannischen Schränken noch immer Heiterkeit und Lebendigkeit aus. Vor allem das sonnengelbe Esszimmer: Hier kann man sich Monet mit Rauschebart und großkrempigem Strohhut als großzügigen Gastgeber vorstellen: er, der barocke Genussmensch, zelebrierte Tafelrunden am riesigen Tisch mit seiner großen Familie und den Malerfreunden wie Auguste Renoir, Edgar Degas, Camille Pissarro oder Alfred Sisley – mit kulinarischen Köstlichkeiten aus Früchten, Gemüse und den Kräutern seines Gartens. Den Tisch verschwenderisch dekoriert mit Blüten in allen Farben – durch die offenen Fenster wabert der Duft der Rosen. Auch in diesem Augenblick, wie in seiner Malerei, setzte Monet auf Farbe und die Lichtreflexe eines Sommertages.

Text und Fotos:Katharina Büttel

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8.blau-pink Phlox.jpg7.rosa Hibiskus.jpg10.Rosenstöcke, Hut.jpg3.Seerosenteich.jpg