Thailand: Koh Samui – Captain Miguel und seine Crew

Rasso Knoller Ankern vor Koh Mae Koh

© Rasso Knoller

 

Der Ang Thong Meeresnationalpark im Süden Thailands ist das perfekte Segelrevier. Profis erfreuen sich an optimalen Bedingungen, und wer nicht segeln kann, mietet sich zum Boot einfach den Skipper mit dazu.

Miguel steuert das Boot hinein in die Bucht von Ao Thong Nai Pan Yai auf der Insel Koh Pangan. Die Sonne ist eben untergegangen und das Schwarz der Nacht legt sich wie ein Seidentuch über den Süden Thailands. Die Sterne funkeln am klaren Himmel, der Mond spiegelt sich im wellenlosen Meer und vom Ufer her locken Strandfackeln Yachttouristen wie uns an. Ein Restaurant reiht sich dort ans andere, der Duft von Massaman Curry weht herüber auf unser Boot. Dass man auch in der Hochsaison immer einen Platz in einem der Lokale findet, liegt daran, dass die Schmetterlingsbucht, wie der lange Name ins Deutsche übersetzt heißt, vom Land her nur schwer zu erreichen ist. Die rumplige Piste, die dorthin führt, ist für Ausflugsbusse tabu.

Segeln im Ang Thong Nationalpark:  Katamaran

© Rasso Knoller

Miguel setzt uns mit dem Beiboot über, der laue Abendwind streichelt die Haut und als wir ins Wasser springen, um das Dinghi an Land zu schieben, umschmeichelt warmes Wasser unsere Beine. Vor der Yai Bar ziehen wir unser Boot auf den Strand. Lampions, Lichterketten und Fackeln zaubern eine Stimmung, als sei das Restaurant einem Märchenbuch entstiegen und man erwartet fast, dass Elfen und Feen an den Tisch schweben, um die Bestellung aufzunehmen. Ganz entspricht die junge Kellnerin zwar nicht dem Märchenklischee, doch auch von ihr serviert, schmeckt das Chang, das Bier mit dem Elefanten auf der Dose, ganz ausgezeichnet. Nach dem wir den ersten Durst gestillt haben, ziehen wir weiter ins nächste Restaurant. Es wurde eben erst neu eröffnet und gehört einem österreichischen Aussteiger. Der ist im Stress und hat keine Lust auf ein Gespräch. Zu viel zu tun.

Aussicht auf grüne Perlen und Haifischflossen

Skipper Miguel

© Rasso Knoller

Miguel ist da cooler. Er hat den europäischen Stress auf dem alten Kontinent zurückgelassen und sich schon ganz an die entspannte thailändische Lebensweise angepasst. Der 31- jährige Portugiese mit Vollbart ist eigentlich Architekt. Jetzt aber steuert er Segelboote durch den Golf von Thailand, ist mit den Gästen eines Yachtvermieters zu Touren durch die Inselwelt des Ang Thong Nationalparks unterwegs. 42 Inseln zählen zu dem Schutzgebiet, und ein jede von ihnen weist gleich ein paar Sandstrände auf – paradiesische Zustände für Wasserratten also.
Ausgangspunkt der Reisen ist Koh Samui, eine Insel, von der Thailandneulinge schwärmen. Die alten Hasen aber beklagen, dass dort inzwischen der Massentourismus angekommen sei und erinnern sich wehmütig an Zeiten, als man noch allein vor seinem Bungalow saß und den ganzen Strand für sich hatte.
Die einen mögen die Veränderung, die anderen bedauern sie – wer mit dem Boot unterwegs ist, dem kann die Diskussion egal sein. Denn sobald die Yacht den Hafen verlassen hat, ist man mit sich und dem Meer allein, und man geht dort vor Anker, wo es einem passt.

Austieg zum höchsten Berg auf Koh Wua Talap

© Rasso Knoller

Nur zweimal auf unserer Reise durch die thailändische Inselwelt, als wir Koh Wua Talap und Koh Mae Koh anlaufen, müssen wir unsere selbstgewählte Einsamkeit aufgeben und die Schönheit der Natur mit anderen teilen. Beide Inseln locken mit atemberaubenden Aussichtspunkten und sind deswegen Ziel vieler Tagesausflügler aus Koh Samui.
Auf Koh Wua Talap – der Insel der schlafenden Kuh – steigt man, skeptisch beäugt von Brillenlanguren, hinauf zum höchsten Berg der Insel. Brillenlanguren sind gut einen halben Meter große Affen mit bräunlich-schwarzem Fell und einem langen Ringelschwanz. Ihren Namen hat man ihnen wegen der weißen Haut verpasst, die ihre Augen einfasst und sie aussehen lässt, als bräuchten sie eine Sehhilfe.
Der Marsch den Berg hinauf ist ziemlich schweißtreibend und führt die letzten Meter über steile Felsen. Über die schwierigsten Stellen helfen Seile hinweg, trotzdem ist der Weg nichts für die Badelatschenfraktion.

Gipfelblick in KohWua Talap

© Rasso Knoller

Es ist aber nicht der anstrengende Aufstieg, der einen oben angekommen den Atem stocken lässt. Der Blick von der Aussichtsplattform ist schlichtweg gigantisch. Überdimensionale grüne Haifischflossen, sonderbare einarmige Giganten und stachelige Igel scheinen ist drunten aus dem Wasser zu erheben. Wer auch immer die Inseln des Ang Thong Nationalparks geschaffen hat, er hat es an einem besonders kreativen Tag getan.
Zum Aussichtspunkt auf der benachbarten Insel Koh Mae Koh führen praktischerweise Treppen hinauf. Oben angekommen weiß man gar nicht, wohin man zuerst blicken soll – hinaus aufs Meer und die Inselwelt des Nationalparks oder hinab auf einem kleinen Inlandsee, der wie eine blaue Perle vom Grün des Dschungels eingerahmt wird. Angeblich hat er die Macher von „The Beach“ zu ihrem Drehbuch inspiriert. Gedreht wurde der Film dann auf Koh Phi Phi, einer anderen Insel vor der Küste Südthailands.

Ausblick von Koh Mae Koh

© Rasso Knoller

Miguel sagt wie es geht

In Koh Tao liegt die Schönheit vor allem unter Wasser. Die Insel bzw. das Meer davor gilt als Tauchparadies. Gelb, blau, rot – die Fische scheinen allesamt durch den Farbtopf geschwommen zu sein, bevor sie den Weg ins thailändische Wasser gefunden haben. Und dort tummeln sich viele von ihnen in geringer Tiefe – um sie zu sehen, muss man nicht tauchen zu können. Schnorchel und Taucherbrille genügen. Ebenso wenig braucht man einen Segelschein, um in Thailand eine Yacht zu chartern. Wer keine Segelerfahrung hat, mietet sich den Skipper einfach mit dazu. Leute wie Miguel sorgen dann dafür, dass auch Landratten Spaß haben. Der bärtige Portugiese ist bei uns der Chef an Bord. Er hat seine ungelernte Crew gut im Griff, schickt sie zum Anker lichten, Segel setzen oder überlässt einem Rookie auch schon mal das Ruder.

© Rasso Knoller,  Segeln im Ang Thong Nationalpark: Yacht

© Rasso Knoller

Alles aber nur, wenn seine Gäste das auch wollen. Denn Miguel kann das Boot auch alleine segeln und dann können sich die Passagiere ganz auf die Szenerie oder die kalten Biere konzentrieren. Das aber passiert nur selten, erzählt Miguel. Die meisten Gäste wollen mithelfen und denen gibt er dann, wie uns, immer gut gelaunt, seine Anweisungen. Obwohl ich auch nach Tagen immer noch überlegen muss, wo nun genau Luv und Lee liegen und mir Begriffe wie Großsegel, Vorsegel oder Spinnaker noch lange nicht flüssig über die Lippen kommen, fühle ich mich nach einer Woche an Bord doch ein wenig wie Captain Cook, oder na ja, wenigsten wie einer seiner Matrosen.

Text und Fotos: Rasso Knoller