Vietnam: Eine Rundreise durch ein Land auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

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Im Expresszug – mit Übernachtung im 4-Personen-Abteil – erreichen wir Hanoi. Die tausendjährige Hauptstadt am Roten Fluss empfängt uns mit einem strahlenden Tag. Unser erster Weg führt ins Ho-Chi-Minh-Mausoleum. Geduldig reihen wir uns ein in die lange Schlange Einheimischer und Touristen, die dem Nationalhelden ihre Referenz erweisen. Auf dem Platz vor dem protzigen Bau aus grauem Marmor hatte „Onkel Ho“ am 2. September 1945 die Unabhängigkeit Vietnams erklärt. Gleich daneben erhebt sich der ockerfarbene Präsidentenpalast in dem herrlichen Botanischen Garten, der schon 1890 angelegt wurde.

P1040762Das Herz Hanois schlägt am Hoan Kiem-See – einer grünen Oase mitten im Großstadttrubel. An der Uferpromenade schlendert man oder sitzt in einem der netten Cafes, treffen sich Frühsportler zum Tai Chi, junge Leute und Liebespaare zum Stelldichein. Südlich des Sees erstreckt sich das einstige Französische Viertel mit Prunkhäusern und restaurierten Villen im Stil der Art deco. Keine andere Stadt Vietnams habe einen so großen Schatz an architektonischen Perlen aus der Kolonialzeit, erzählt Reiseleiter Thang. Schicke Boutiquen, Galerien und trendige Cafes ziehen besonders ein junges Publikum an. Ein magischer Ort ist die historische Altstadt mit ihrem Labyrinth aus Straßen und Gassen, den oft nur handtuchbreiten Häusern mit ihren unzähligen Geschäften, Läden und Lädchen. Hier wuselt das Leben, die Minibürgersteige sind vollgeparkt, überall wird gebrutzelt und gekocht. Dazwischen rasen knatternd und stinkend die zweirädrigen „Tiger“ durch den Dschungel der Altstadt. Ein Verkehrsgewühl das chaotisch und gleichzeitig faszinierend ist. Hanoi ist in Bewegung. Die sieben-Millionen-Metropole wuchert unaufhaltsam in die Höhe und Breite. Im Umland wachsen Hochhäuser, Neubauviertel und Appartementanlagen empor, wurden neue Ring- und Ausfallstraßen gebaut.
Bei den Bergvölkern
Zwei Stunden südwestlich von Hanoi tauchen wir ein in eine reizvolle Bergwelt mit fruchtbaren Ebenen und sanften Hügeln. Aus dem vielfarbigen Grün ragen bewaldete Kegel, Felsspitzen und Bergrücken empor und vermitteln uns eine Vorahnung von der Schönheit der Ha-Long-Bucht, die wir in einigen Tagen besuchen werden. Von der Passstraße bietet sich ein weiter Blick in das idyllische Mai-Chau-Tal. P1040867 - KopieIn Mai Chau, einem kleinen Ort und unserem Ziel, leben die Weißen Thai, eine der 54 Volksgruppen Vietnams. Wandernd und per Rad erkunden wir das beschauliche Landleben der Bergvölker, sehen Bauern auf dem Feld, Frauen in den Reisfeldern, Wasserbüffel bei der Arbeit. Immer wieder genießen wir herrliche Ausblicke in die üppig grüne Landschaft, in der Bambushaine hoch wie zweistöckige Häuser sind. Bei einer Wanderung führt uns der einheimische junge Guide auch zum Haus seiner Eltern, einem der traditionell auf hohen Holzpfählen stehenden Häuser, in dem wir spontan zu einem kleinen Imbiss eingeladen werden. Bunt und lebendig ist der Sonntagsmarkt, bei dem sich die verschiedenen Bergminderheiten aus den umliegenden Dörfern in ihren Trachten einfinden um ihre Webarbeiten, Stickereien und Schnitzereien anzubieten. Mit einer Vorführung traditioneller Tänze werden wir am Abend in unserer idyllisch gelegenen Eco-Lodge überrascht.
Größtes Naturwunder
„Ein Wunder der Erde, das in den Himmel ragt“, so besang ein vietnamesischer Literat schon im 15. Jahrhundert die Ha-Long-Bucht. Wir sind angekommen – am größten Naturwunder Vietnams und Weltnaturerbe. Und sind sofort gefangen vom Charme dieser einzigartigen Inselwelt. P1040959An Bord unseres traditionellen Schiffes – acht Doppelkabinen, mit Klimaanlage und Dusche/WC – genießen wir die Fahrt durch diese einzigartige Welt aus Felsen, die wie versteinerte Zuckerhüte schroff und kahl oder grün bewachsen aus dem smaragdgrünen Wasser aufragen. Ha Long bedeutet wörtlich „herabsteigender Drache“, und so mag einem beim Anblick der 2000 Felsen die Legende vom untergehenden Drachen wie ein Tatsachenbericht erscheinen. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt, immer wieder entdecken wir neue bizarre Formationen, denen die Einheimischen passende Namen wie Schildkröten- oder Kamelinsel gegeben haben. Zahlreiche schwimmende Fischerdörfer bevölkern die Bucht und sind neben den vielen weißen Schiffen malerische Farbtupfer. Für die Nacht geht unser Käpt´n in einer ruhigen Bucht vor Anker. Wir machen es uns an Deck gemütlich und erleben, wie die untergehende Sonne goldene Reflexe aufs Wasser zaubert. Auch auf den anderen Schiffen in der Ferne gehen nun die Lichter an und leuchten wie Glühwürmchen durch die Nacht.
Text und Fotos: Christel Seiffert

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