Ägypten: Stille Tage im Land der Pharaonen

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Nach den Unruhen entdecken die Urlauber das Land neu: Ballonfahren über dem Tal der Königinnen, Wakeboarden in El Gouna – mit dem Nilkreuzer pendeln von Luxor nach Assuan.

In aller Frühe brechen wir in Luxor auf zum Nil. Eine Fähre setzt uns über zum Westufer; dort liegt Theben West, Totenstadt der alten Ägypter. Uns fröstelt es noch. Nur langsam bricht die Sonne durch. In Schwaden löst sich der Frühnebel aus der gelb schimmernden Bergkette und den sattgrünen Zuckerrohrfeldern.

Hoch am Him2.Hatschepsut-Tempel.jpgmel gleiten bereits bunte und knallrote Ballons, während sich unsere Ballonhülle in Zeitlupentempo bläht und aufrichtet. Mit einem mächtigen Feuerstoß hebt das Luftschiff mit uns im Korb vom Boden ab. Dahinschweben mit ungewissem Ziel, in feierlicher Stille – das ist es, was die Fahrt im Heißluftballon so wunderbar macht.

Wir staunen und schauen: unter uns die ganze Weite des Tales als eine Sand- und Felsenebene. In der Ferne schält sich im blassen Schein der Morgenröte der Terrassentempel von Hatschepsut heraus, der einzigen Frau auf dem Pharaonen-Thron.

3.Dorf v. oben.jpgDer Blick geht über Felder und Palmenhaine bis hin zu den zwei Sitzgiganten, den Memnon-Kolossen. Sie bewachten den Eingang zum Totentempel des Amenophis III. Wir überfliegen neue Ausgrabungsstätten; Archäologen und ihre Helfer halten inne. Winkende Kinder auf Eseln beeilen sich, zum Landeplatz zu kommen. Freudestrahlend vergraben sie Obst und Hühnerkeulen in ihren Hosentaschen – Reste unseres Esspaketes.

Stille im Tal der Könige

Totenstille und ungewohnte Leere in diesem Jahr auch im Tal der Könige mit seinen 62 Gräbern. Wie faszinierend die Reliefs von Mythen und Totenzeremonien in den Gräbern der Pharaonen aus der Zeit 1500 – 1050 v. Chr. auch sein mögen – die schönsten im Tal gehören Sethos II. und Ramses VI., das kleinste dem berühmten Tut anch Amun – wir müssen den Nilkreuzer auf dem Ostufer erreichen.

16.Ramses II-Kopf.jpg„Zum Glück, der Nil ist zurück“, bemerkt Reiseleiter Ahmed zuversichtlich. Neu ist der Reiseklassiker „Nilkreuzfahrt“ nicht, aber dass nach den „toten“ Jahren 2013/14 wieder ein Zehntel der 345 Schiffe im Einsatz ist, scheint die „Wende“ am Strom zu sein. Noch ist keins ausgebucht, die Flaute beschert den Gästen nahezu paradiesische Verhältnisse: keine Wartezeiten beim Dinner, kein Gedränge auf dem Sonnendeck, keine langen Schlangen vor den Tempeln und Gräbern. Die meisten sind im Pensionsalter, hier und da auch Familien und jüngere Pärchen, auch sie genießen die Langsamkeit des Dahingleitens und das Leben am Nil. „Tea Time“ an Deck, einen Cocktail unter funkelnden Sternen finden nicht wenige „bodenlos romantisch“ und komplettieren mit Agatha Christies „Tod auf dem Nil“ ihre Kreuzfahrt-Nostalgie.

13.Edfu-Tempel.jpgJahrzehntelang waren die Kreuzfahrtschiffe Garant für Umsatz durch Touristen aus aller Welt, gerne auch aus Deutschland. „Vielleicht gibt es nirgendwo sonst die Möglichkeit, in kurzer Zeit durch die Kulturgeschichte einer Zivilisation zu reisen – erholsame Zwischenaufenthalte an Bord eines schwimmenden Hotels inklusive. Und man reist beschützt: in jedem Hotel, jedem Tempel und auf jedem Schiff wachen Touristenpolizei oder Militär über die Sicherheit“, betont Eva Schlosser, Produktmanagerin beim Veranstalter FTI, der sich nach der Revolution die Marktführerschaft erarbeitet hat.

Zwischen Luxor und Assuan

Am nächsten Tag wird Edfu besucht in der Mitte zwischen Luxor und Assuan. Das über 2060 Jahre alte Heiligtum des Hauptgottes Horus beeindruckt allein schon durch seine Dimensionen: 36 Meter hoch und 64 Meter breit ist der Eingangspylon. Auf dem riesigen Relief packt der Pharao den Feind am Schopf und schlägt mit der Keule auf ihn ein – Machtsymbol des Herrschers. Wir finden Hieroglyphen für Lotos und Papyrus an den Mauern des Tempels, hören die blutig-makabre Story von Seth und Horus.

9.Nil-Dampfer.jpgSpätabends in Karnak die tiefe Lautsprecher-Stimme aus dem Schatten der mächtigsten Tempelanlage des Landes, dem Sonnengott Amun geweiht. Das Spektakel kann die „sieben Siegel“ des Buches Altägypten nicht lösen, aber es ist unmöglich, von den Obelisken und dem monumentalen Säulensaal nicht beeindruckt zu sein! Genauso wenig wie von der Sphinx-Allee und den Ramses II.-Sitzfiguren im „kleinen“ Amun-Tempel mitten in Luxor. Immer und überall Ramses II. – der ruhmreiche Pharao, größter Bauherr Ägyptens und Nubiens.

Am Roten Meer

Genug der Pharaonen! Mit einem Luftsprung von 20 Minuten oder einer 4-stündigen Fahrt durch die Wüste ist man in El Gouna am Roten Meer. Ein besseres Winter-Revier zum Baden, Surfen, Tauchen, Golfen, Reiten und mehr gibt es kaum: an 365 Tagen im Jahr herrscht hier trockenes Wüstenklima bei 22 bis 25 Grad Wärme und himmlischer Ruhe zum Entspannen.

19.Falafel.jpgAnders als an den Riffen von Hurghada ist hier die Welt unter Wasser noch intakt: die Korallenbänke sind lebendig, die Vielfalt der Fische groß, über Wasser keine fünfzig Boote. Als Alternative zum Tauchen bietet sich die neue Trendsportart „Wakeboarden“ im Rundkurs über den künstlich angelegten See an – weltweit eine der größten Anlagen.

El Gouna

Ein künstliches Urlauberdorf um türkisblaue, künstliche Lagunen, eine moderne Oase auf vier Quadratkilometern Wüste, wo heute immerhin 30.000 Einwohner leben. Mit privaten Residenzen, noblen Hotels, wie dem „Möwenpick“ direkt am Meer; im Dorf „Kafr El Gouna“ familiengeführte, kleine Hotels, wie das ‚Dawar El Omda“ mit drei Sternen, arabischem Innenhof und Wasserpfeifen; Apartments in verschiedenen Häusern. Der „Green Star“ ökologischer Nachhaltigkeit fast überall.

18.große Sphinx.jpgAuf der Bummelmeile schicke Läden, Straßen-Cafés, Restaurants, Bars. Wir schlendern durch sandsteingepflasterte Gassen, vorbei an ockergelben Häusern mit Bögen und Kuppeln im nubischen Stil. Architektur als moderner Traum aus Tausendundeiner Nacht: seit 1990 will hier der ägyptische Investor, der Multimillionär Samih Sawiris, das alte, wahre Ägypten zeigen – und geradezu magisch ist der Blick nachts von der Terrasse des ‚Captain’s Inn‘ auf den Yachthafen mit glitzernder Promenade und schnittigen Yachten aus aller Herren Länder.

Hier möchte man nächtelang sitzen und am tiefschwarzen Himmel die Milchstraße bewundern – mit einem Glas Wein, der in El Gouna gekeltert wird wie vor dreitausend Jahren zu Zeiten der alten Pharaonen.

Text und Fotos: Katharina Büttel