USA: Geheimtipp Telluride – Vom Minenstädtchen zum Weltklasse-Skiresort

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Aspen, Vail und Whistler kennen die meisten Snowboarder und Skifahrer. Aber Telluride? Das frühere Minenstädtchen ist ein echter Geheimtipp unter den Skigebieten Nordamerikas. Das herausragende Skiresort besticht durch Charme, Geschichte und erstklassigen Skihänge.

Tellurides Mainstreet sieht aus wie eine Western-Kulisse. Kein Wunder, dass die Straße im Schatten des 4.060 Meter hohen Palmyra Peak einst Schauplatz für einen filmreifen Banküberfall war. 1889 erbeutete Butch Cassidy bei seinem ersten Banküberfall 24.000 Dollar in der San Miguel-Bank – zur damaligen Zeit ein echtes Vermögen. Anschließend spazierte er seelenruhig aus dem Gebäude und ritt ohne einen einzigen Schuss abzugeben lässig über die Hauptstraße davon.

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Aus der boomende Minenstadt von einst ist längst ein Skiort geworden, auch wenn die kleinen Holzhäuser an der Mainstreet immer noch so aussehen wie vor 150 Jahren. Mittlerweile sind Sportshops, Galerien und Restaurants in die Häuser gezogen, die moderne Schilder über den Eingangstüren zieren.

In einem dieser Holzhäuser liegt die New Sheridan Historic Bar – Tellurides Après-Ski-Location Nummer eins. Einheimische und Skigäste drängen sich in dem urigen Saloon an den alten Mahagoni-Tresen.Viel scheint sich seit den Goldgräberzeiten nicht geändert zu haben. Das große Ölbild mit der nackten Frau über der Bar ist ein Zeugnis vergangener Tage. Eine Reminiszenz an die wilden Zeiten während des Goldrauschs. Damals beheimatete das Dorf im Süden Colorados knapp 5.000 Minenarbeiter.

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„Und sie vergnügten sich allabendlich in 29 Bordellen mit weit über 100 leichten Mädchen“, erzählt Ashley. Er ist Schauspieler und Teil eines Ensembles des Telluride Opera Houses. Schon im Jahr 1913 eröffnete die Bühne, auf der seither Stars wie Sarah Bernard, Bing Crosby und in jüngster Zeit Mel Gibson gespielt haben.

„Damals drehte sich hier alles um Gold, heute leben wir vom weißen Gold“, meint Ashley. Telluride drohte sich zu den vielen Geisterstädten Nordamerikas zu gesellen, nachdem in den 70er Jahren die letzten Minen schließen mussten. Doch einige Bewohner des Ortes wussten dem entgegenzuwirken und bauten die ersten Lifte. Der Grundstein für das landschaftlich schönste Skigebiet Nordamerikas war gelegt.

Die Bergstation des Revelation Lifts liegt auf 3.831 Metern, von dort oben bietet sich ein fantastisches Panorama. Sanfte Tafelberge und rot schimmernde Canyons, die bis nach Utah reichen, und auf der anderen Seite eine Kette majestätischer Viertausender.

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Telluride ist zu einem Weltklasse-Skigebiet geworden. Unzählige sogenannter Double Black Diamond-Abfahrten bieten Könnern schier unendliche Möglichkeiten. Freerider toben sich in der Black Iron Bowl unterhalb des Palmyra Peak aus. Ein kurzer Aufstieg und man hat den ganzen Hang für sich. Noch bequemer und exklusiver geht’s beim Heliskiing zu. Colorado bietet hierfür einen der wenigen Spots in den Staaten. Genießer sollten sich den Namen Alpino Vino merken. Auf dem Panoramadeck der Berghütte schlürft die High Society teure Weine und noch teureren Champagner, während sie sich auf mit Fell bezogenen Daybeds in der Sonne räkeln.

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Solange die Sonne scheint, ist es angenehm. Abends und nachts kann es in Colorado aber mit minus 20 Grad Celsius auch mal bitterkalt werden. Die Luft ist jedoch sehr trocken. Das macht die Kälte erträglich und den Schnee so wahnsinnig pulvrig. Auf die 120 Abfahrten verteilt auf 18 Lifte fallen jährlich knapp acht Meter feinsten Powders.

Unterhalb der Alpino Vino-Hütte und nahe des Village Express befindet sich ein gutes Dutzend breiter und mittelschwerer Pisten, ideal zum Cruisen. Auch der Saloon der Gorroncho Ranch ist nicht weit entfernt. Wenn die Sonne langsam über der Wilson Range untergeht, treffen sich dort die Locals auf ein erstes Bier.

„Das wirkliche Leben aber spielt sich in der Stadt ab“, sagt Ulli. Die Münchnerin liebt Telluride, weil es „so anders ist als viele andere Skiorte in den USA“. Telluride ist ein Sammelbecken für Künstler, Alternative und Aussteiger, selbst wenn es mehr und mehr auch Promis und Hollywood-Stars wie Oprah Winfrey oder Tom Cruise anzieht. Dieser Mix schafft das besondere Flair in der kreativen Skistadt, die trotz ihrer nur 2.000 Einwohner immer wieder mit Theater sowie Musik- und Kunstfestivals für Furore sorgt.

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Die Bewohner der Stadt sind zu einer großen Familie geworden, jeder kennt und hilft sich. Die meisten zugezogen. So auch Ulli, die in den 1970er Jahren als Lehrerin an einer Münchner Gesamtschule gearbeitet hat, bevor sie nach ein paar Umwegen als als Ski- und Snowshoe-Guide sowie als Musiklehrerin in Telluride heimisch wurde.

Telluride ist anders, erst seit kurzem gibt es in dem Tal Geldautomaten, nach Fastfood-Ketten sucht man vergeblich. Das Städtchen übt eine scheinbar magische Anziehungskraft aus. Sein grandioser Skiberg, das alternative Flair und seine Geschichte – mit dieser Mischung macht der einstige Geheimtipp mittlerweile sogar den Colorado-Platzhirschen Vail und Aspen Konkurrenz.

Text: Lukas Scheid und Bernhard Krieger

Fotos: Bernhard Krieger

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