Österreich: Schmuck und Masken in Tirol

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Die Altstadt von Hall ©Stadtmarketing Hall in Tirol

Innsbruck und sein goldenes Dacherl kennt fast jeder. Doch rund um die Tiroler Hauptstadt gibt es jede Menge funkelnder Kleinode, die es zu entdecken gilt.
Ein kleines Schmuckstück ist Hall in Tirol. Am Inn gelegen, hat es die Stadt durch die Salzgewinnung zu Reichtum gebracht. Den sieht man beim Spaziergang durch die historische Altstadt an allen Ecken. 700 Jahre lang bestimmte das weiße Gold die Geschicke der Stadt, bis 1967 wurde es noch gewonnen. Über zehn Kilometer lang war die Reise der Salzsohle von der Förderung aus dem Karwendelgebirge bis in die Stadt. Dort wurde es in riesigen Sudpfannen gesotten, in denen das Wasser verdunstete. Ein Umstand, dem der komplette Baumbestand in der Region zum Opfer fiel. In schweren Fässern transportierten die Händler das Salz schließlich in die Region und weit in die Schweiz hinein.
Nicht nur die Salzhändler sorgten für Reichtum, sondern auch die Münze in Hall. Im Münzerturm, dem Wahrzeichen der Stadt, kann man die eindrucksvolle Geschichte der Talerprägung nach dem Umzug im 15. Jahrhundert aus Meran verfolgen, deren Silber in den Schwazer Bergwerken geschürft worden war – nur wenige Kilometer flussabwärts. Und mit besonderem Stolz erwähnen die Haller gerne, dass ihr Taler der Vorläufer des Dollars war. Die Münze in der mittelalterliche Burg Hasegg nimmt die Besucher mit in die Vergangenheit, zeigt Maschinen zur Herstellung des Geldes und man darf sich seinen ganz persönlichen Taler als Souvenir prägen.
Der Bummel durch die engen Gassen mit dem vielen Erkern an den Häusern lässt die Besucher abtauchen in vergangene Zeiten. Ein Teil der alten Stadtmauer ist noch erhalten. Und Hall hat die größte Altstadt Tirols – sogar noch eine Spur größer als im nahen Innsbruck. Einen Besuch wert ist die Pfarrkirche St. Nikolaus, deren Altarraum nicht in der Blickachse steht, sondern „abgeknickt“ wurde. Schließlich befindet man sich in einem Erdbebengebiet. Allein 2015 hat man rund ein Dutzend Beben registriert. Das führte bereits vor 400 Jahren zur Überlegung, beim Bau auf einen festeren Untergrund zu gehen – und der war eben wenige Meter von der Hauptachse entfernt. Ein kleines Schmuckstück ist auch das historische Rathaus nebenan mit dem prächtigen Ratssaal und dem wunderschönen Rokoko-Ofen aus der Zeit von Maria Theresia.
Jetzt im Advent verwandelt sich der Obere Stadtplatz in ein buntes Lichtermeer. Bis zum 24. Dezember hat der Weihnachtsmarkt seine Pforten geöffnet und bietet vom allem Tiroler Handwerkskunst. Auf den Häusern leuchten die Zahlen des Adventskalenders. Das findet nicht nur die sechsjährige Sofie faszinierend. Auch vom kleinen Streichelzoo, vor allem vom schwarzen Schaf mit seiner dichten Wolle kommt sie nicht weg, während Mama und Papa bei Glühwein und Kiacherln das umfangreiche Angebot genießen. Die Kiacherl, die kleinen Hefefladen mit Sauerkraut, schmecken aber auch Sofie ganz besonders gut.
Leuchtende Augen bekommen Klein und Groß auch in den Swarovski Kristallwelten in Wattens. Vor den Toren der kleinen Gemeinde hat der Konzern auf 7,5 Hektar Fläche eine faszinierende Welt rund um den Kristall geschaffen. Zum 100-jährigen Bestehen der Firma, die der böhmische Glasbläser Daniel Swarovski 1895 gegründet hatte, entstand in Zusammenarbeit mit Andre Heller der „Riese“ und ein Park, der im Frühsommer erweitert worden ist. Der Riese geht übrigens auf Hellers Traum zurück, dass sich nachts im Wiener Park Schönbrunn die Riesen herumtreiben.

K1024_reise oe hall2In dessen Bauch tritt man in Wattens ein in 16 Wunderkammern mit Kuriosem und Besonderem, in den renommierte Künstler ihre Idee mit Kristall verwirklicht haben. Es funkelt und glitzert. Der große Kristall in der Eingangshalle mit 100 Facetten und 310.000 Karat ist schon ein besonderer Hingucker. „Wow, ist das faszinierend“, lassen sich die Besucher schnell in der Bann des durchsichtigen Materials ziehen. Ob Weihnachtsbau aus Kristall, eine utopische Landschaft aus Kristall, der Eisgasse oder den Kristallwald: Magische und märchenhafte Momente warten. Der Kristalldom mit seinen verspiegelten Flächen hat es ganz besonders den kleinen Besuchern angetan. Hier darf man sich fühlen wie im Innern eines Kristalls.
Was alles aus dem geschliffenen Kunststein entsteht, zeigt eine Sammlung am Ende des Rundgangs: Tiaras für den Wiener Opernball, glitzernde Kleider und Taschen oder auch die „Ur-Maus“ als Figurine. Und natürlich Schmuck in allen Varianten. Staunen, wundern und von der Phantasie verzaubern und leiten lassen darf man sich auch unter der Kristallwolke – nicht nur, wenn die 600.000 Steine in der Sonne glitzern. Im Winter kommt man eher selten in den Genuss. Aber auch hier sorgt ihr majestätisches Schweben über dem Wasser für den Wow-Effekt.
Langeweile kommt auch beim Nachwuchs im Park nicht auf. Von Schlittschuhlaufen auf der kleinen Eisbahn über verschiedene Workshops rund um das Thema Kristall bis zum Kletterturm, der den Flächen eines Kristalls nachempfunden ist, steht ein buntes Familienprogramm an. Und Swarovkis bietet mit dem neuen „Daniel’s“ neben der Nahrung für den Geist auch gleich die für den Körper. Wie wär’s in der Adventszeit mit einem Stollenbackkurs unter fachmännischer Anleitung? Swarovski macht es möglich.
Magische Momente ganz anderer Art bietet der Absamer Holzschnitzer Josef Prantner, der als Mitglied des Krippenbauvereins nicht nur Weihnachtskrippen erschafft. Ungewöhnlich für viele Augen ist die Fastenkrippe mit der Darstellung des Passionsgeschehens.

K1024_P1100181Auch als Maskenschnitzer für die Matschgerer, die Fastnachter, ist er aktiv. Mit dem dicken Holzhammer und dem schmalen Meißel formt er gerade aus einem Stück Zirbe eine der sechs traditionellen Masken. Danach muss das weiche, feinfaserige Holz glatt geschliffen und schließlich die Kopfform ausgehöhlt werden, um sie tragen zu können. Rund einen Tag braucht er dafür, erzählt er im breiten Tiroler Dialekt. Das Fassen, also das Grundieren und Bemalen, übernimmt mittlerweile sein Sohn. Was er lieber macht? Da will sich Prantner nicht entscheiden. „Wenn ist keine Lust mehr auf Krippen habe, schnitze ich mal wieder eine Maske“, lacht der 66-jährige gelernte Wagner und macht sich wieder an die Arbeit.
Nicht ohne die Besucher noch auf einen interessanten Aspekt von Absam hinzuweisen: Im Nachbarhaus gab es 17. Januar 1797 eine Marienerscheinung. Nachbarin Gerda Angerer führt in die dunkle kalte Stube, in der Rosina Bucher die Muttergottes in der Fensterscheibe erblickt hat. „Es wurde fast alles in dem Raum so belassen“, erzählt sie. Das Glas mit der Erscheinung ist nicht im Original zu sehen. Das befindet sich seit Jahren in der Marienbasilika von Absam. Zahlreiche Untersuchungen haben die Echtheit des Wunders aufgezeigt. „Das Bild auf der Scheibe lässt sich zwar abwaschen. Aber wenn die Scheibe wieder trocken ist, ist auch wieder das Bild Mariens zu sehen.“
K1024_P1100187Innere Ruhe findet man nicht nur vor dem Gnadenbild, sondern auch bei einer Winterwanderung in den Tiroler Bergen. Herrliche Ausblicke auf das Mittelgebirge des Inntals bieten sich rund um Tulfes, entlang des Speckbacherwegs. Der Rundweg ist nach dem Tiroler Freiheitskämpfer Josef Speckbacher benannt, der sich auf der Flucht in der Region Hall versteckt hatte und 1820 hingerichtet worden war. Landschaftlich besonders reizvoll ist die Strecke, die bis nach St. Peter /Elbögen führt und wieder zum Ausgangspunkt nach Tulfes. Vielleicht sieht man dort auch das wohl kurioseste Wintersportgerät: den Klumper. Auf Holzklötzen, versehen mit einer schmalen Kufe, flitzen die Athleten die Strecke entlang.
Das winterliche Tirol hat also jede Menge leuchtenden Kleinoden zu bieten.

Diana Seufert