Großbritannien/Wales: Cardiff – Kultur statt Kohle

© Crown copyright (2015) Visit Wales

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Im „Wales Millennium Centre“ wird in diesem Sommer der Body Guard gegeben – der Film, einst mit Kevin Costner und Whitney Houston ein Welthit, kommt in Cardiff als Musicalversion auf die Bühne. Das 2009 eröffnete Kulturzentrum der walisischen Hauptstadt ist gleichsam ein Symbol für den Aufschwung, ein Zeichen für Umbau und Veränderung. Schön ist die Stadt geworden, die einst nur als größter Kohlehafen weltweit und als Industriestadt bekannt war. 1965 legte der letzte Kohlefrachter ab, danach setzte der Niedergang ein, die Docks verfielen, Trostlosigkeit zog ein. Kurz vor der Jahrtausendwende setzte man dann zum Befreiungsschlag an. Die Gegend rund um den ehemaligen Hafen wurde Schritt für Schritt saniert und entwickelte sich seitdem zum In-Viertel mit Einkaufspassagen, Wohnungen, Büros und unzähligen Restaurants und Kneipen.

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Einkaufen steht in Cardiff ohnehin hoch im Kurs – selbst bezeichnet man sich stolz als „Hauptstadt des Shopping“. In der Royal Arcade, der ältesten Einkaufspassage der Stadt, drängelten sich schon 1865 die ersten Kunden. Inzwischen hat sich das Angebot natürlich deutlich erweitert, große Shoppingcenter wie die Queens Arcade oder das neu eröffnete St David’s Dewi Sant sind das Richtige für den großen Einkaufshunger. Aber es gibt auch es kleine Boutiquen und Läden, in denen man mit dem Verkäufer oder der Verkäuferin noch ins Gespräch kommen kann. Mary Burton ist Besitzerin eines solchen Geschäfts in der Innenstadt. Sie verkauft Souvenirs an Touristen und deswegen ist ihr Umsatz auch ein Gradmesser für den Aufschwung der Stadt. „Jahr für Jahr wird es besser“, schwärmt sie, besonders die T-Shirts mit dem walisischen Drachen verkaufen sich gut“. Und sie freut sich schon auf den kommenden Herbst. Dann ist das 75.000 Zuschauer fassende, 1999 erbaute Millennium Stadium Austragungsort für einige Spiele des Rugby World Cups. Rugby ist in Wales die Sportart Nummer Eins und entsprechend gefragt werden dann T-Shirts mit dem walisischen Drachen, Schals und Fahnen sein. Die roten Trikots, mit denen auch die Spieler der walisischen Rugbynationalmannschaft aufs Feld gehen, hat Mary Burton schon jetzt im Angebot.

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Auch T-Shirts und Tassen mit der Hauptsehenswürdigkeit Cardiffs verkauft die schicke Endfünfzigerin. Die alte Burg, Cardiff Castle, sieht auf Stoff, Keramik oder Porzellan zwar ziemlich kitschig aus, einen Besuch lohnt sie aber auf jeden Fall. Schon die Römer hatten hier ein Kastell und die Normannen eine Burg, die meisten Besucher kommen aber nicht wegen der langen Historie, sondern wegen des Prunks. Und für den hat ein walisischer Kohlebaron Ende des 19. Jahrhunderts gesorgt, als er die Burg zu einem Märchenschloss umbauen ließ und dem Architekten den Auftrag gab, die Räume in den buntesten Farben erstrahlen zu lassen.

Rasso Knoller