Portugal: Porto – Portugals Schönste

Bild 1TitelfotoFalls Sie Lissabon schon kennen, kommen Sie nach Porto, der zweitgrößten Stadt Portugals. Sie ist wahrlich nicht die zweite Wahl. Die koloniale Vergangenheit ist auf jeder bemalten Majolika-Kachel präsent. Was rein urbane Reize anbelangt, setzt Porto Lissabon sogar noch eins drauf. 1996 wurde die Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.

Detailverliebte Historiker diskutieren, ob die Altstadt eine der anziehendsten Metropolen Europas sei. Vielleicht sogar eine der reizvollsten der Welt? Jedes reichlich verzierte Balkongeländer ist ein Unikat. Die würdigen Edelholz-Portale der Handelshäuser eine Machtdemonstration.
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Die blau weiß gekachelten Fayencewände aus der Hochkultur der Araberzeit erzählen von der Macht und den Dramen der Großen, damals wie heute dem kleinen Volk. Wer den Bahnhof Sáo Bento besucht, braucht kein Geschichtsbuch aufschlagen. Die gesamte Halle ist ein bebildertes Monument. Wer nicht lesen kann, kann sehen. Wer sich getraut, mit offenen Mund zu staunen, wird von gleicher Berührung gepackt, die Neuankömmlingen über Jahrhunderte ein tief gezogenes Ohhhh….. entlockte.

Zu den „must to see“ zählen die Kathedrale von Porto, der Bischofspalast, die Residenz des Infanten, der Vitória-Hügel und der Torre dos Clérigos, mit seinen stolzen 76 Metern.

1896 baute man den schönsten Buchladen der Welt.

Bild 3 Buchladen TreppeDer Buchhandlung Lello e Irmão (deutsch: Buchhandlung Lello und Bruder).wird ein Einfluss auf die Harry-Potter-Welt nachgesagt. Die Autorin Joanne K. Rowling lebte Anfang der 1990er Jahre einige Zeit in Porto, lehrte Englisch und soll sich auch in der Buchhandlung Lello aufgehalten haben. Zentral im Gebäude ist die rote Wendeltreppe, die sich in den Romanen spiegelt. Das Büchersortiment ist breit und International. Kein Tag soll vergehen, an dem weniger als 1500 Besucher kommen. Der Geschäftserfolg liegt heute an den 3 Euro Eintrittspreisen, der fair beim Kauf von Büchern und Postkarten vergütet wird.

 

In der Rua das flores träumt man wieder und macht Soap-Operas daraus
Eine Straße, die Anfang des 16 Jahrhunderts erbaut wurde, und in der vorerst nur Adeligen der Zutritt gewährt wurde. Bis sich dann die bürgerliche Bevölkerung vordrängte und die Geschäftigkeit zu blühen brachte. In den letzten Jahren gab es ein Comeback mit kleinen feinen Geschäften. Die damaligen Werkstätten der Kesselschmiede, Schuhmacher und Schlosser haben Gourmet-, Schokoladen-, Glasbläser-Läden Platz gemacht. Korkprodukte und vielen andere kleine kuriose handgemachte portugiesische Feinheiten zeigen, wie innovativ man ist. Die Szene der Straßenkünstler wächst. Die Kreativen haben hier ihr Zuhause gefunden. Der Mix von fein restauriert und noch auf Wiederbelebung wartenden Häusern hat eine besondere Anziehung. Ein Flair von Neubeginn, der nicht vom großen Kommerz der großen Ketten gestreift wird.

Triefender Reichtum
In der Tat hatte Portugal, dank der Kolonien, einen Gold- und Silberrausch. Die koloniale Ausbeutung ist an barocken Kirchenaltären, buchstäblich in Form von dick aufgetragenem Plattgold, hängen geblieben. Strenge Hierarchien bestimmten den sozialen Umgang. Deshalb ist die Franziskus-Kirche dreigeteilt. Die reiche Seite für die Adeligen und später für die Bürgerlichen. Die linke Seite fürs Volk. Bis dann ein Gesetz aufkam. Zwei Kirchen durften nicht aneinander grenzen. Ob aus Gründen um mit den Armen nicht auf Tuchfühlung zu kommen oder ein Hauch von puritanischer Christlichkeit wehte, man weiß es nicht. Wie man den Fall gelöst hat, ist kurios. Man baute eine schmale eiserne Tür dazwischen. Ein Feigenblatt, das symbolisierte, da wäre noch Raum dazwischen.

Bild4 AltstadtZimmer zu vermieten steht in der Altstadt an allen Ecken
Halbverfallene reichverzierte Herrenhäuser stehen leer und wirken Abbruchgefährdet. Der Grund: Bis in die achtziger Jahre gab es ein Gesetz von Miete auf Lebenszeit. 100 m² Meter für 10,- Euro oder ähnlich. Heute werden die Häuser hochpreisig angeboten und zu Wohn-Juwelen, handwerklich perfekt restauriert. Zudem kann man sich Porto leisten. Wann haben Sie den letzten Espresso unter einem Euro getrunken? In den Seitenstraßen von Porto eine Normalität.

Die Stadt Porto ist Namensgeber für das Land
Portus cale heißt lateinisch „ruhiger Hafen“. Bereits in der Spätbronzezeit (8. Jh. v. Chr.) baute man die ersten Siedlungen entlang des Flusses Douro. Schon damals gab es Schiffsverkehr bis ins Mittelmeer. Heinrich der Seefahrer ist einer der berühmtesten Söhne Portos. Von den Römern übernahm man den Weinanbau. 1654 ließen sich die ersten Engländer in Porto nieder und lehrten die Kelterei des süßen Portweins. Sie machten mit ihrer Monopolstellung blendende Geschäfte .Ein süffigen Stoff, der später sogar mit Brandy verschnitten wurde. Und der bei einem Glas zu viel für einen fürchterlichen Rausch und noch grimmigeren Kater sorgte.

Bild5 TramStadt-& Strandferien
Wenn sie es irgendwie einrichten können, bleiben sie länger. Wie in Lissabon gondeln auch in Porto die Straßenbahnen quietschend durch die kurvigen Altstadt Straßen. Nehmen Sie die Tram Nr.1 an der heiligen Franziskuskirche, oder die Tram Nr.18 an der Karmeliterkirche und fahren Sie bis zur Mündung des Douro in den Atlantik. An die Foz-Mündung, wo der Sand weiß ist und in Cafes wie im Praia da Luz die Meeresluft und der Ausblick auf den Atlantik beleben. Die Wassertemperaturen sind bescheiden. Man schwimmt bei 18-22 Grad. Die frische Brise vom Atlantik ist im Hochsommer sehr geschätzt. Für den Rückweg in den Altstadt Stadtkerns Ribeira braucht man etwa 45 Minuten. Entspannt immer am Südufer der Promenade entlang, vorbei Portwein Kellern- und Lagerhäusern. Noch immer schaukeln im Duoro die alten bemalten Portwein Kähne vor sich hin. Mit einem aufgespannten Sonnenschirmchen könnte man meinen, man wäre dreihundert Jahre früher dran.

Bild6 BarsDonnerstag-Freitag-Samstagnacht bleibt keiner allein
Lernen Sie nur einen Satz, und man wird den Arm um Sie legen. Boa noite, tudo Bem? (Guten Abend, wie geht’s?). Die Ausgehmeile von Porto ist die Galerias de P.aris. Zu empfehlen sind die Bars Prassa, Pitch, Casa do Livro, Fé, Radio, GinClub und Rend vouz. Genau genommen spielt sich das Leben vor der Tür ab. Sobald das Wetter lau wird, geht man vors Lokal. Die Straße war für die Portugiesen schon immer das „soziale Wohnzimmer“. Die Bars sind schick, aber die Anziehungskraft liegt bei den Gästen. Kaumwo kommt man schneller in Kontakt. Es könnte sei, dass Sie mehr Einladungen bekommen, als sie annehmen können. Wenn Sie nach Hause eingeladen werden, könnte es einfach sein, dass man Sie bekochen möchte. Portugiesische Herzen sind für jeden weit. Fremd bleibt man nur, falls man dies wünscht.

Text: Veronika Zickendraht, Fotos: Vist Porto

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