Österreich: Bad Häring – auf der Suche nach dem inneren Gleichgewicht

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Energie soll fließen. Von der Erde in den Körper, vom Himmel in den Körper. Die eigenen Energietore öffnen, sich einlassen auf den Körper ist das Ziel. Stefan Reinwand steht mit den rund 20 Teilnehmern im Garten des Hotels „Panorama Royal“ im Tiroler Kurort Bad Häring im Kreis und führt sie in die Kunst des Qigong und der Meditation ein.

Ganz zart, aber dennoch durchdringend klingen die Zimbeln, die Reinwand anschlägt. Zweimal ertönt der helle Klang. Dann taucht er mit den Neulingen ein in eine für viele unbekannte Welt.

Universelle Lebensenergie

Die eigene Mitte finden, zur Ruhe kommen, die Gedanken ausblenden: Mit den Übungen, macht Reinwand deutlich, könne das Qi, die universelle Lebensenergie, ohne die das Leben ganz und gar unmöglich ist, wieder fließen. Der 49-Jährige hat bei den Meisters des Shaolin selbst Erfahrungen gesammelt, hat drei Jahre lang mit ihnen gelebt. Nun gibt er seine Erfahrungen bei Kursen im Wellness Schloss Panorama Royal ****S, zwischen Kufstein und Wörgl gelegen, an interessierte Gäste weiter.

K1024_P1070600Von Shaolinmönch Shi Xinggui aus China wurde er in Shaolin Qi Gong, chinesischer Heilgymnastik und Chan- (Zen) Meditation ausgebildet. Das hat ihn geprägt. „Durch schlechte Lebensführung, Krankheiten, Stress, Verletzungen und Operationen wird das Energiepotential des Menschen außerordentlich erschöpft. Qi Gong ist eine einfache Technik, um die verlorene Lebensenergie zu ersetzen und dem Menschen wieder ein normales Leben zu ermöglichen“, erzählt er vor der Gebirgskulisse des Wilden Kaisers.

Von Hundert auf Null

Einfach auf die Bremse treten und den Körper wieder in ein seelisches Gleichgewicht versetzen, geht auch mit Meditation. „Die schnellste Art, um von Hundert auf Null runter zu kommen, ist eine Gehmeditation“, sagt der Wahl-Tiroler. Was die Mönche darunter verstehen, erfahren die Teilnehmer schnell. Oder eher langsam – aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur. Fast in Zeitlupe wird ein Bein gehoben und langsam von der Ferse bis zu den Zehen wird der Fuß wieder abgerollt. Erst danach ist das andere Bein dran. Gleichzeitig die Atmung unter Kontrolle bringen, damit sie sich an das zurückgenommene Tempo anpasst. Und die Gedanken dürfen schweben, aber nicht die Überhand gewinnen. Gar nicht so einfach, wie alle sofort merken. Schließlich ziehen das Vogelgezwitscher, der plätschernde Bach und das Rauschen der Bäume die Aufmerksamkeit auf sich. Gesprochen wird nicht, auch während des anschließenden Spaziergangs zum Wasserfall bei Bad Häring ist Stille eingekehrt. Denn zum Abschluss gibt es Qigong vor der wunderbaren Kulisse des Wasserfalls.

K1024_DSC_0850Dieses Einlassen auf den eigenen Körper bedarf Willen und Disziplin. „Aber es lehrt auch, dass wir nicht viel zum Glücklichsein brauchen.“ Stefan Reinwands Einstellung teilt auch Peter Mayer. Der Hotelier hat diese Philosophie für sein „Wellness Schloss Panorama Royal“ entdeckt. Vor zehn Jahren auf einem Kraftplatz zwischen Bad Häring und Wörgl erbaut, bietet das Wellnesshotel alles zum Entspannen und Erholen. Ein spiritueller Weg zur inneren Einkehr ist Mayer dabei wichtig. Auch er hat mit den Shaolinmönchen gelebt und deren buddhistische Lehre verinnerlicht. „Jeder Gedanke ist Energie, deshalb muss grundsätzlich eine positive Gedankenstruktur vorhanden sein“, betont er. Achtsamkeit gegenüber sich selbst und gegenüber anderen, ist sein Gebot. Und dazu zählt er auch, dass jeder Gast, egal mit welchem gesellschaftlichen Hintergrund, gleich behandelt wird. Und er nimmt seine Gäste – ob Manager oder Hausfrau – gerne mit an den Kraftplatz im Garten. Fünf Monolithe, „verbunden mit Stonehenge“, spenden den Erschöpften im Steinkreis Kraft. Auch wer nicht für solche Strömungen empfänglich ist, merkt schnell, dass eine besondere Anziehung von diesem Punkt im Garten ausgeht. Und genießt den schönen Blick auf die kleine Kapelle, die mit dem Kraftplatz eine kleine Einheit zu bilden scheint.

K1024_P1070606Ruhe und Erholung findet auch der, der sich nicht bewusst auf Energie-Urlaub und Spiritualität einlassen will oder kann. Im mit 2800 Quadratmeter sehr weitläufigen Spa-Bereich, in erdigen Farben gehalten, begegnet man zwar einer Buddha-Statue und auch dem Zeichen Ying und Yang, aber „überfrachtet“ wird man damit nicht. Wellness gibt es auch im Felsenbad, im angenehmen Saunadorf oder auch am Naturteich. So kann jeder seine Seele nach seiner Fac,on auftanken. Sich selbst spüren geht auch im wunderbaren Panoramagarten, im Feng Shui Garten, rund um den Liebespavillon oder auch auf dem Pfad der Energie.

Den Akku auftanken

Der ganzheitlichen Betrachtung des Menschen hat sich auch Dr. Johannes Albrecht Moslehner verschrieben, der Energiemedizin, Naturheilkunde und Schulmedizin zum Wohl der Hotelgäste in den Behandlungen direkt vor Ort kombiniert.

K1024_P1070604Den eigenen Akku auftanken geht auch ganz hervorragend bei einer Wanderung zu den vielen im Sommer bewirtschafteten Hütten. 300 Kilometer gut gepflegte Wanderwege auf einer Seehöhe von 828 bis 2309 Meter erschließen die wunderbare Bergwelt der Kitzbühler Alpen rund um die Hohe Salve. Und wer den besonderen Adrenalinkick sucht fürs innere Gleichgewicht, der wagt einen Tandemsprung mit dem Paraglider von der Hohen Salve oder dem Markbachjoch in der Wildschönau aus. Wie die Vögel drehen die Profis ihre Runden, lassen sich den Wind um die Ohren wehen und genießen einen traumhaften Ausblick auf die Tiroler Bergwelt mit den bizarren Felswänden des Wilden Kaisers und den sanften Grasbergen. So findet jeder zu sich selbst, wird ausgeglichener und somit auch glücklicher – jeder auf seine ganz eigene Weise.

Text und Bild: Diana Seufert