Österreich: Gmunden – Kultur,Kunst und 76 Seen

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Im Salzkammergut kann man wahrlich gut lustig sein,….wie Rolf Benatzky die Wirtin in seiner Operette „im weißen Rössel am Wolfgangsee“ trällern lies. Sommerfrische mit prickelnder  Lebensqualität .Morgens Frühstück unterm Apfelbaum, tagsüber abtauchen im See und abends Konzert, Theater oder spritzige Lesung.

„See-hoping“, das ganze Salzkammergut ist eine Wellness Oase. 76 Seen mehr oder weniger warme Seen gibt es. Von glasklaren, gebirgsbachkalten bis pudelig warmen Moor-Seen. Beim Eintauchen spült sich der Stress weg. Wer ausdauernd schwimmt, fühlt, dass sie wahrlich Jungbrunnen sind.

1862 wurde Gmunden, das Herz der Lebenskunst, zur Kurstadt. 1872 überraschte der Salzburger Theaterdirektor Josef M. Kozian, genannt Kotzky, die Bürger der Stadt mit dem Bau eines Saisontheaters. Das prächtige Haus mit den intimen, plüschig-roten Logen und dem funkelnden Kristallleuchter wurde Mittelpunkt des Kulturgeschehens. Beschwingte Operetten erheiterten fortan die Kurgäste. Nestroys „Lumpazivagabundus“, Jaques Offenbachs „Zehn Mädchen und kein Mann“, was im Wiener Frühling Furore machte, erfreute im Sommer das Gmundner Provinzpublikum.

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Mit dem Dampfer unterwegs

Nicht nur der Wiener Hof erfrischte sich hier. Schauspieler, Sänger, Dichter und Musiker folgten ihren Mäzenen. Man lebte und liebte wie in den Operetten. Abends wurde schmalzig auf der Bühne besungen, was das „gute Sommer-Leben“ tagsüber hergab. Gmunden am Traunsee war mit seiner eleganten Seepromenade, den stimmungsvollen Weinlokalen und der guten Küche wie geschaffen für diese Szenerie.

Die Stadt galt als Kulturmekka. An der Flaniermeile am See zeigten die Damen der Gesellschaft ihre Luxusgardarobe. Ein mit Absicht verlorenes Spitzentüchlein konnte der Beginn einer Liebesaffäre sein. Die stimmungsvollen Weinlokale, in denen man sich näher kam, sind originalgetreu und auf die heutigen Gäste eingestellt. Die kulinarische Tradition von fangfrischen Seefischen über Semmelknödeln, Kaiserschmarrn und Apfelstrudeln wird von den Traunseewirte mit Stolz hochgehalten.

Tiefer Traunsee

Anspruchsvoll war man hier schon immer. Ob in Kultur, Küche oder kaltem Wasser. Der Traunsee, mit 191 Meter der tiefste See Österreichs, punktet mit „Tafelwasserqualität“. Übrigens schwamm die Gmunder Gesellschaft schon immer oben auf. Hier war der Sitz der Salzbörse, wurde gehandelt, was in den Salzbergwerken hart abgebaut wurde. Noch heute ist man so reich, dass man es sich erlauben kann, den Massentourismus an der Stadt vorbei zu leiten.

Zicken TraunseeKur stand für das, was man heute Wellness nennt. Man ließ sich Zeit. Kurte von der Apfelblüte bis zur Apfelernte. Diese lustvollen Jahre endeten jäh am 28. Juli 1914. Franz Joseph unterzeichnete in seiner kaiserlichen Villa in Bad Ischl (30km von Gmunden entfernt) die Kriegserklärung gegen Serbien. Von da an ging‘s bergab mit der Donau Monarchie.

Festspiele  am See

1987 entsannen sich zwei mutige Wiener (Johannes Jockel und Alfred Werner) der Festspiel-Tradition. Mit einer glanzvollen Operngala öffneten sie ein neues Kapitel der Gmundner Kultur. (www.festwochen-gmunden.at). Seither stehen allsommerlich an die hundert Aufführungen auf dem Programm, Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen… Dies alles auf internationalem Niveau. Kulturgenüsse, die selbst dem Kaiser geschmeichelt hätten. Heute kommen die Sponsoren aus der Industrie. Übrigens werden zu Vorstellungsbeginn – ganz im Stil der K.&K Monarchie – die Besucher im Foyer von der Intendantin Jutta Skokan persönlich willkommen geheißen.

Zickendraht Lesung im Schloss OrthDas Festwochenprogramm wird jedes Jahr neu gestaltet und mit überraschend sozialkritischen Lesungen gewürzt. Eine heftige Prise Salz lieferte der weltweit verehrte Literat Thomas Bernhard. Der österreichkritische Autor, für so manche ein „Nestbeschmutzer“, hat mit seinen bissigen Schriften und Theaterstücken bei etlichen Politikern für zornesrote Köpfe gesorgt. In seinem Wohnhaus, einem alten Vierkant-Bauernhof im Vorort Ohlsdorf, wo er von 1965 bis zu seinem Tod 1989 wirkte, liest man jedes Jahr vor ausverkauftem Haus (www.thomasbernhard.at).

Zickendraht Schloss OrthDas berühmteste Gebäude von Gmunden ist das 1626 erbauten Seeschloss Ort(h), das Wahrzeichen der Stadt. In ihm befinden sich eine bezaubernde Kapelle und das Standesamt. So manche Liebe wird hier besiegelt. Traumhochzeiten haben zurzeit Hochkonjunktur. Übrigens, die Fernsehserie „Schlosshotel Orth“ wurde von 1996 bis 2004 genau hier produziert. Auch in China strahlt man sie aus.

Noch ziehen aber die chinesischen Touristenströme vorüber ins 60 Kilometer entfernte Hallstatt, wo sie der „Magic-Place“ erwartet. Noch wird hier kein „Dirndl to go offeriert“ Trotzdem ist Gmunden ein Geheimtipp für kulturorientierte Genießer.

Text: Veronika Zickendraht, Fotos: Bernd Siegmund

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