Simbabwe: Durchs Schlafzimmer der Elefanten

K1024_Elefanten am Wasserloch credit ImveloDas südafrikanische Simbabwe gehört zu den schönsten Ländern des Kontinents. Nach Ende der Mugabe-Herrschaft werden nun auch in Tourismus die Weichen für den Neustart gestellt.

Noch steht die Sonne tief am Horizont. Auf den Blättern der Akazien funkelt Morgentau. Vogelschreie dringen durch die nachtkühle Luft. Die Reifen unseres Jeeps pflügen sich durch den sandigen Boden. Mark Butcher, ein drahtiger Endfünfziger, mit sonnengegerbter Haut und schlohweißem Haar kutschiert uns im Safari-Jeep durchs Simbabwes größten Nationalpark. Bald schon lassen wir das Buschland hinter uns, fahren in ein Waldgebiet, wo Zambesi-Teak-Bäume ein dichtes Blätterdach bilden. „Willkommen im Schlafzimmer der Elefanten“, sagt Mark. Und tatsächlich dauert es nur ein paar Minuten, bis wir die ersten grauen Riesen sehen. Elefantenkühe und Jungtiere fächeln friedlich mit den Ohren, verleiben sich Zweige mit zartgrünem Laub ein, nehmen von uns kaum Notiz, obwohl wir nur ein paar Jeep-Längen entfernt vorüberfahren.K1024_Paviane

40 000 Elefanten

Dass heute rund 40 000 Elefanten im Hwange Nationalpark leben gibt und dass nur noch wenige Tiere Wilderern zum Opfer fallen, ist eine erfreuliche Entwicklung, zu der auch Mark Butcher beigetragen hat. „Als ich hier in den frühen 1990er Jahren als Ranger angefangen habe, ist mir klar geworden, dass sich Wilderei durch harte Strafen allein nicht in den Griff kriegen lässt. Elefanten werden eben ja nicht nur von Kriminellen erschossen, die Elfenbein verkaufen wollen“, sagt der weiße Simbabwer mit den wasserblauen Augen. „Wir leben hier in einem Land, in dem über 90 Prozent der Menschen keinen Arbeitsplatz haben, sondern als Selbstversorger von etwas Viehzucht und Ackerbau leben.“ Und genau das sei die Wurzel des Problems. „Denn wenn ein Löwe deine Ziege reißt, ein Elefant die Ernte zertrampelt, dann sind diese Tiere deine Feinde, die du tötest, weil deine Familie wegen dieser Tiere hungern muss.“K1024_Elefant1

Neue Perspektiven durch sanften Tourismus

Die Idee, dass sanfter Tourismus neue Perspektiven schaffen und so Wildtiere nachhaltig schützen könnte, ließ den jungen Ranger nicht mehr los. Viel Überzeugungsarbeit war nötig. „Vor über 20 Jahren wusste hier, im Ngamo-Land am Rande des Nationalparks, keiner, was Tourismus ist und schon gar nicht, welchen Nutzen er bringen könnte.“ Schließlich konnte Butcher Johnson Ncube, das damals noch junge Oberhaupt der Ngamo-Dörfer, für seinen Traum gewinnen.

K1024_Johnson Ncube

Der Dorfälteste Johnson Ncube

Auf Gemeindeland wurden mit Hilfe von Investoren einige luxuriöse Lodges gebaut. Imvelo nannte man das Projekt – in der Ngamo-Sprache heißt das Natur. Die Pacht kommt seither den Dorfbewohnern zugute. Auch die Gemeindeschule profitiert. Jugendliche wurden ausgebildet, verdienen heute als Ranger, Köche, Kellner und Reinigungskräfte ihr Geld. „Wenn ein Elefant ein Feld zertrampelt, dann ist das keine Katastrophe mehr“, sagt Johnson Ncube, der inzwischen 64-jährige „Älteste“ des Dorfes. „Im Notfall können wir Mais und Bohnen auch kaufen.“

K1024_giraffeEine ungetrübte Erfolgsstory ist die Imvelo-Geschichte nicht. Nach der gewaltsamen Enteignung weißer Farmer im Jahr 2000 haben viele Angehörige der kleinen weißen Minderheit das Land verlassen. Touristen, vor allem britische, blieben fern. Seitdem der despotische Dauerpräsident Mugabe 2017 abgesetzt wurde, herrscht Aufbruchstimmung. Die Buchungszahlen steigen wieder. Touristen können den Nationalpark jetzt sogar mit einem Nachtzug erreichen, der die spektakulären Viktoriawasserfälle im Norden Simbabwes mit dem Ngamo-Land verbindet. Die meiste Zeit aber gehört der Schienenstrang, der aus britischen Kolonialtagen stammt, immer noch den Pavianen. Die nehmen frühmorgens auf den Gleisen Platz, lassen sich von den ersten Sonnenstrahlen wärmen, pflegen sich gegenseitig mit Eifer und Hingabe das Fell.

Text: Susanne Kilimann
Fotos: Susanne Kilimann, Imvelo (1)