Schweden: Die Holzpferde von Nusnäs

 

Für Touristen ist das schwedische Nationaltier der Elch. Die Einheimischen bevorzugen das Pferd – eines aus Holz, hergestellt in Nusnäs.

Bill Clinton hat einen, Elvis Presley hatte einen, Frank Sinatra und Yassir Arafat auch. Die Rede ist von einem Dalahäst, einem Pferd aus Dalarna. Nein, kein lebendiges Pferd. Es ist aus Holz, rot oder blau bemalt und reich verziert. Mehr noch: Dalapferde sind eines der schwedischen Nationalsymbole, und deswegen erhält Lasse Olsson auch des öfteren Bestellungen der Regierung – die Holztierchen sind das ideale Geschenk für Staatsgäste.

Lasse Olsson gehört die „Dalapferdefabrik“ in Nusnäs in der Provinz Dalarna. Er ist der Sohn von Jannes Olsson, dem Erfinder der Holzpferde. 1928 hat dieser zusammen mit seinem Bruder Nils sein erstes Holzpferd geschnitzt. Gerade erst 15 und 13 Jahre alt waren die beiden damals, und doch schon die ersten professionellen schwedischen Holzpferdehersteller. „Anderes gab es damals auf dem Land auch nicht zu tun“, stellt Lasse Olsson trocken fest.

Auch heute ist die Herstellung eines Dalahästs noch Handwerk, allerdings wird ein Pferd nicht mehr nur von einer Person hergestellt, sondern es muss eine ganze Reihe von Arbeitsschritten durchlaufen, bevor es fertig ist. Zuerst werden die Umrisse der Pferdefiguren auf Holzblöcke aufgestempelt, dann mit der Stichsäge ausgesägt. Erst wenn die Grobform festgelegt ist, kommt das Schnitzermesser zum Einsatz. Diese Feinarbeit erledigen „für uns ungefähr 50 Rentner in Heimarbeit“, sagt Olsson. Dalapferdschnitzer sind in der Region angesehene Leute, und in manchen Familien wird der Beruf von Generation zu Generation weitervererbt. Anders als sonst, übernehmen hier aber nicht die Jungen das Geschäft, sondern die Alten. Erst wer aus dem Berufsleben ausgeschieden ist, wird Pferdeschnitzer.

Holzpferde als Nationalsymbol

Sobald die Holzpferde von ihrem Ausflug zu den Schnitzern zurück sind, bekommen sie ihre  Farbe. Es braucht schon seine Zeit, bis ein Dalapferd fertig ist und in den Verkaufsraum hinausgaloppieren kann.

Wie aber kam es eigentlich, dass aus den Holzpferden von Jannes und Nils solche Verkaufsschlager, sie gar zu einem nationalen Symbol wurden? Lasse Olsson schüttelt den Kopf ob meiner Frage, lacht und fordert mich auf: „Die nächste Frage, bitte“. Nicht einmal der Herr der schwedischen Holzpferde kennt die Antwort. Die Dalapferde sind zwar durchaus schön anzusehen, aber genau genommen eben doch nicht mehr als rot oder blau angemalte Holzfiguren. 100.000 verkauft Olsson davon jedes Jahr, und die gleiche Menge bringen auch die Cousins aus dem Laden gegenüber unters schwedische Volk. Obwohl rein rechnerisch inzwischen eigentlich in jedem schwedischen Wohnzimmer ein Dalapferd stehen müsste, lässt die Nachfrage bei Olssons nicht nach.

Rasso Knoller

 

Norwegen: Das ruhige Leben der Menschen in Kjerringøy

Einst kamen die Lofotenfischer in Scharen und machten Kjerringøy reich. Als dann der Fischhandel zusammenbrach, verfielen viele Gebäude. Mittlerweile ist aus dem alten Handelsplatz eines der schönsten Freilichtmuseen Norwegens geworden, das an Knut Hamsun und seine Nordlandromane erinnert. Doch die kleine Küstengemeinde inmitten schroffer Berge und der Lofotenwand in Sichtweite lebt nicht nur in der Vergangenheit. Die Kjerringøyer sind ungemein agil, sie malen, töpfern, bauen Nordlandboote, richten Kulturzentren ein und sanieren alte Rorbus.

Der Strandåtind auf Kjerringøy ist Karl Erik Harrs Hausberg. Schon rund 60 Mal hat er das markante Massiv gemalt, zu jeder Jahreszeit und bei allen erdenklichen Lichtstimmungen hat er den Berg auf die Leinwand gebannt. Kein Wunder, dass er gerade den Strandåtind zu seinem Lieblingsmotiv auserkoren hat, denn von der Terrasse seines kleinen, rot gestrichenen Holzhauses hat er einen traumhaften Blick auf die beeindruckende Bergkulisse von Kjerringøy und den alten Handelsplatz auf der gegenüber liegenden Landzunge.

Welch ein Platz zum Leben! In seinem Atelier liegen unzählige ausgedrückte Farbtuben herum, unverkennbar riecht es im ganzen Haus nach Ölfarbe. Harr hat einen unglaublichen Schaffensdrang und arbeitet meist an mindestens einem Dutzend Bildern gleichzeitig. An den Wänden hängen die fertigen und halbfertigen Werke, auf dem Boden stehen die grundierten Leinwände. Doch inmitten dieses Chaos fühlt sich Karl Erik Harr sichtlich wohl, arbeitet konzentriert und strahlt vollkommene Ruhe aus. Wenn er vor seinen Bildern hockt, sieht er mit seinem weißen Bart und der kleinen Brille wie ein alter Seebär aus, der mit haushohen Wellen in unzähligen Blautönen und weißen Schaumkronen kämpft.

Harr zählt schon lange zu den bekanntesten Künstlern Norwegens, mehr als 20 Bücher hat er bisher veröffentlicht, er hat Hamsuns Werke illustriert und schreibt Gedichte. Eine Auswahl seiner Bilder stellt er in seiner Galerie in Henningsvær auf den Lofoten aus. Ohne sein kleines Notizbuch geht Karl Erik Harr nirgendwohin. Computer und Laptops sind nicht seine Welt und so muss sich seine Sekretärin noch immer durch seine handschriftlichen Aufzeichnungen kämpfen. Tag für Tag setzt er sich in sein kleines Boot, das immer auf dem kleinen Sandstrand direkt vor seinem Haus liegt und rudert zum alten Handelsplatz von Kjerringøy hinüber. Bei schönem Wetter findet man ihn dann um die Mittagszeit vertieft in sein Notizbuch Kaffee trinkend und bei einem Stück Kuchen im Garten des Freilichtmuseums. Hier fühlt er sich anscheinend immer noch zu Hause, hat er doch früher in dem Museum gewohnt.

Bergriesen im Meer

Kjerringøy ist ein Platz zum Träumen. Eine Insel der Ruhe vor der nordnorwegischen Küste mit einer grandiosen Landschaft. Hier ist Hektik ein Fremdwort und die Kühe dürfen noch ungestört am Strand spazieren gehen. Auf der Seeseite schweift der Blick und findet erst wieder Halt an den mächtigen Bergen in der Ferne. Dazwischen liegt nur das dunkle Wasser des Vestfjord, das sich bis zur mächtigen Lofotenwand erstreckt. Beim Blick von der Küste ins Inselinnere fallen die schroffen Berge ins Auge, die fast 1000 Meter hoch direkt aus dem Meer aufragen und den Menschen seit jeher nur wenig Lebensraum ließen. Die meisten Besucher kommen zwar im Sommer, aber Kjerringøy hat das ganze Jahr über seine Reize.

Im Sommer lockt die Mitternachtssonne mit ihren unvergesslichen Lichtstimmungen und im Winter erstarrt das Wasser in den kleinen, flachen Buchten zu filigranen Eiswelten. Unentdeckt ist Kjerringøy zwar nicht mehr, dafür lockt das Museum doch zu viele Besucher an, die Insel ist aber noch lange nicht so überlaufen wie die Lofoten. Autos werden von der kleinen Fähre zwischen Festvåg und Misten nur in kleinen Portionen herüber gelassen, sie dosiert den Touristenstrom. So kommen die meisten nur für ein paar Stunden, um sich den alten Handelsort Kjerringøy anzuschauen und am Abend wieder in Richtung Bodø aufzubrechen. Zurück bleiben nur noch die Möwen, die dann die mit Gras bewachsenen Dächer besetzen und mit jedem zetern, der ihnen zu nahe kommt. Allzu Aufdringliche werden von ihnen mit Scheinangriffen in die Schranken gewiesen.

Wie zu Hamsuns Zeiten

Kjerringøy Gamle Handelssted ist ein wunderbar nostalgischer Ort, der sich seit Hamsuns Zeiten nicht verändert hat. Ein gutes Dutzend Holzhäuser in kräftigen Farben auf einer Landzunge, davor eine Landungsbrücke an der auch heute noch die Lofotenfischer anlegen könnten. Doch es dümpeln nur zwei kleine Ruderboote in dem glasklaren, türkisfarbenen Wasser des Fjordes. Früher machten die Fischer auf dem Weg zu den Lofoten hier Station und übernachteten im Handelshaus, dann lagen die Boote dicht gedrängt am Strand.

Das Geschäft mit dem Fischeinkauf und der Fischverarbeitung lief prächtig, die großen Heringsfänge machten den Ort reich. Begonnen hat dieser Aufschwung 1803, als Christian Lorentzen Sverdrup den Betrieb übernahm. Unter seinem Nachfolger Erasmus Benedict Zahl erlebte Kjerringøy dann seine Blütezeit. Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts suchte sich der Handel neue Wege, Kjerringøy verlor an Bedeutung und 1955 musste am Ende auch der Kaufmannsladen schließen. Einige Jahre später übernahm dann die Provinz Nordland den weitgehend verfallenen Komplex und begann mit der Restaurierung der Gebäude.

Heute sind der Laden mit der silbernen Kasse, die gute Stube mit dem kunstvollen Ofen und den feinen Möbeln und die Küche mit Unmengen von feinem Porzellan wieder Schmuckstücke. Hamsun hat hier zwar nie gelebt oder gearbeitet, aber Kjerringøy war für ihn trotzdem ein wichtiger Ort. Erasmus Benedict Zahl war bekannt als Förderer unbekannter Talente, deshalb schrieb der junge Dichter, nachdem er „Der Rätselhafte“ und „Börger“ veröffentlicht hatte, an Nordnorwegens mächtigsten Mann und bat ihn um ein Stipendium. Zahl war nicht abgeneigt und so stand der 20-jährige Hamsun 1879 schließlich vor dem mächtigsten Mann Nordnorwegens. Hamsun wollte hinaus in die Welt und Dichter werden, dafür bekam er von dem Kaufmann als Starthilfe 2000 Kronen, damals eine stattliche Summe. Mit dem Geld in der Tasche fuhr er nach Süden und begann sich seinen Traum vom Schriftstellerdasein zu erfüllen.

Lebendige Filmkulisse

Ulf Mikalsen hat früher als Hausmeister in Kjerringøy gearbeitet. Mittlerweile lebt er mit seiner Frau Ingvild in einem alten Schulgebäude, das sie, nachdem sie jeden Balken und jedes Brett nummeriert hatten, auf einer Nachbarinsel abgebaut und danach in Kjerringøy wieder aufgebaut haben. Ulf ist einer der wenigen Nordlandbootbauer in Norwegen, der in monatelanger Handarbeit nach alten Bauplänen in seiner Werkstatt wahre Kunstwerke aus Holz entstehen lässt. Seine Boote begeistern durch die wunderschön geschwungene Form und mit dem hochgezogenem Bug und Heck wirken sie wie direkte Nachfahren der Wikingerschiffe.

In dem epischen Filmmelodram Jeg er Dina, das in den 1860er Jahren spielt und in Kjerringøy gedreht wurde, waren der alte Handelsplatz und Ulfs Boote unverzichtbare Requisiten. Er selbst durfte sich in dem Film auch als Schauspieler versuchen und zusammen mit Ingvilds Sohn Bjørn die Bootsmänner spielen. Ulf und Ingvild haben auch maßgeblichen Anteil an der Restaurierung und Eröffnung des neuen Kulturzentrums Zahlfjøsen, das gleich neben dem Freilichtmuseum liegt. Das große, wie eine Scheune wirkende rote Gebäude, wurde noch von Erasmus Zahl gebaut und beherbergt heute eine Bibliothek, ein Filmzentrum, eine Galerie und Ulfs Bootswerkstatt. Die zweite Etage dient als Museum, hier werden Filmausschnitte gezeigt, die nach Knut Hamsuns Werken gedreht wurden. Hamsunliebhaber können in rund 20 Ausschnitten schwelgen, von der Rarität aus dem Jahre 1921 bis zu ganz aktuellen Verfilmungen.

Entspricht Ulf ziemlich genau dem Bild des ruhigen, bedächtigen Nordnorwegers ist Ingvild ein überschäumendes Energiebündel mit immer neuen Ideen. Die gebürtige Kielerin, die über Bergen, Trondheim, Stockmarknes und Tromsø nach Kjerringøy kam, könnte mit ihrem Leben ganze Bücher füllen, scheint aber mittlerweile sesshaft geworden zu sein. Ingvild ist sie Keramikkünstlerin, ausgebildet in Bergen, deren Werke mittlerweile über ganz Nordnorwegen verstreut sind. Von den meisten Arbeiten kann sie Besuchern nur noch Fotos zeigen, aber das stört sie nicht weiter, denn in ihrer Werkstatt entstehen laufend neue, eigenwillige Kreationen. In diesem Sommer waren viele ihrer Keramikarbeiten im Kulturzentrum Zahlfjøsen zu sehen.

Text und Fotos: Christian Nowak

Norwegen: Fragmente aus Johan Bojers Roman „Die Lofotfischer“

 

Wenn ganz Norwegen im Winterschlaf liegt, kommt Leben in die Inseln am Polarkreis und die Fischer gehen auf Dorschfang. Dann ist noch ein klein wenig von der hektischen Aktivität zu spüren, die hier Ende des 19. Jahrhunderts herrschte.

Schon seit Menschengedenken kommt im Winter der Dorsch zur Laichablage in die Gewässer vor den Lofoten. Und mit ihm kommen die Fischer aus allen Teilen des Landes. Auch heute noch, selbst wenn durch die jahrelange Überfischung die Quoten drastisch zurückgegangen sind. Wie es einst auf dem Vestfjord zuging, erzählt Johan Bojer in seinem Roman Die Lofotfischer. Es ist die Geschichte vom Kampf der Fischer um die Jahrhundertwende gegen Wind und Wellen, und von ihrer Suche nach Reichtum und Glück. Der Held ist Kristaver Myran, der mit seinem Sohn Lars, Henrik Rabben, Kaneles Gomon, Elezeus Hylla und Arnt Aasan in dem neu gekauften Boot Robbe auf Dorschfang geht. Fragmente aus Johan Bojers Roman Die Lofotfischer und Beobachtungen beim heutigen Dorschfang mischen sich zu einem Kaleidoskop der Lofoten zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

„Für Kristaver Myran war es ein großer Tag. Das, wonach er sich viele Jahre lang in aller Stille gesehnt hatte, war endlich Wirklichkeit geworden. Hier stand er als Führer seines eigenen Lofotbootes. Der bekannte Strand mit den kleinen Häusern verschwand und der frische Landwind trug die “Robbe” durch die Krappseen. Es ging den alten Weg nordwärts, Hunderte von Meilen in Sturm, Frost und Schneegestöber. Denselben Weg, den die Vorfahren seit langen, langen Zeiten gezogen waren.“

Auf Flakstadöya hat man Spuren der ersten Lofotenbewohner gefunden. An der Ostküste der Insel, in der Nähe von Napp, gibt es einen überhängenden Fels, der den Menschen wohl schon vor 6000 Jahren Schutz gegen Schlechtwetter bot. Und in Storbathallaren hinterließen sie eine steinzeitliche Müllkippe, die wie ein offenes Geschichtsbuch ist. So wissen wir heute, daß die Bewohner auf die Jagd gingen, aber auch schon Ziegen und Schafe als Haustiere hielten. Sie waren wahrscheinlich die ersten Lofotfischer, denn in ihrer Müllkippe fanden sich Fischgräten, Angelhaken und primitive Harpunenspitzen. Da die Lofoten zu dieser Zeit noch mit ausgedehnten Kiefern- und Birkenwäldern bedeckt waren, hatten sie auch genug Baumaterial für primitive Boote.

„Auf den Klippeninseln lagen mehrere kleine Hütten mit Rasendach, überragt von der Kirche, dem Krankenhaus, dem Seemannsheim, sowie dem weißen Wohnhaus des “Platzkönigs”. In den Sunden und im Hafen wiegte sich ein Wald von Masten, da lagen Dampfer, Segelschiffe, große und kleine Boote. Mehr als dreißig solcher Fischerplätze gab es auf den Lofoten, in dieser Jahreszeit waren sie alle wimmelnden Städten gleich. Hier waren Fischer von Norden und Süden zusammengeströmt und überwinterten auf einem Küstenstreifen von einigen hundert Meilen.“

Rorbuer gehören wie die wilden Berge und das Meer zum Bild der Lofoten. Es sind bunt gestrichene Holzhäuser, direkt am Wasser oder auf Pfählen über dem Wasser errichtet wurden. Heute werden viele von ihnen als luxuriöse Ferienwohnungen im Sommer an Touristen vermietet. Gebaut wurden sie aber für die Lofotfischer, die ersten wahrscheinlich schon von König Öystein, der im 12. Jahrhundert ein Einsehen mit den Fischern hatte. Trotzdem schliefen auch später noch viele Fischer unter ihren umgedrehten Booten, einen ganzen harten Winter lang. Die Rorbuer wurden von den Besitzern an die Fischer für eine ganze Saison vermietet, als Gegenleistung verkauften sie ihnen ihren Fisch. Die Lebensbedingungen in solch einer Rorbu müssen furchtbar gewesen sein. Sie bestanden aus einem Vorraum für die Gerätschaften und Vorräte und einem Raum, den sich eine ganze Bootsbesatzung, in der Regel 10 Mann, teilte. Hier wurde gekocht, gegessen, geraucht, getrunken und geschlafen. Hygiene war ein Luxus, für den der Lofotenwinter keinen Platz ließ. So stank die Rorbu wohl immer nach nassen Kleidern, Schweiß, Fisch und Tran. Am Abend muß die heiße und feuchte Luft im Innern zum Schneiden dick gewesen sein; am Morgen, wenn der Ofen runter gebrannt war, waren die gefrorenen Sachen von Rauhreif überzogen. Heute wohnen die meisten Fischer zwar beengt, aber doch recht komfortabel, auf ihren Booten.

„Endlich war der erste Fischtag, und lange bevor es hell wurde, lag die Fischerflotte in dichtem Schwarm vor der Ausfahrt in die offene See und wartete, daß die Signalflagge von der Aufsicht gehißt wurde. Die Ruder rieben sich knarrend aneinander, ein Boot rannte gegen den Nachbarn und wurde gleichzeitig von der anderen Seite eingepfercht. Schimpfworte und Flüche erfüllten die Luft, alle wollten zuerst hinaus. Jetzt geht die Flagge hoch, war vorher Gedränge, gibt es jetzt wirklich Spektakel, Ruder werden zerbrochen, Geheul und Geschrei ertönt, hier und da fährt ein Bootshaken in die Höhe, um zu schlagen.“

Der arktische Kabeljau wird von den Norwegern “Skrei” genannt, für uns ist es Dorsch. Nach Neujahr brechen Millionen Fische aus dem Eismeer zu einer Wanderung entlang der norwegischen Küste auf. Erst vor den Lofoten, und besonders im Vestfjord, finden sie ideale Laichbedingungen. Hier werden sie von den Lofotfischern schon erwartet. Einige Fische kommen aber noch zum Laichen und die Eier entwickeln sich zu Larven, die mit der Strömung nach Norden treiben. Ab April ernähren sie sich von Plankton, das sich jetzt sprunghaft vermehrt. Der Zug der Jungfische nach Norden dauert ungefähr drei Jahre, im Alter von sieben bis zehn Jahren werden die Fische geschlechtsreif, und der Kreislauf beginnt von Neuem. Gerät der Kabeljau vor den Lofoten nicht ins Netz, kann er viele Laichzüge unternehmen.

„Die Fischer ziehen mit jedem Angelwurf einen Dorsch an Bord, die Netze sind heute schwer beladen, die Männer ziehen und ziehen, der graue Strom, der über die Rolle geht, ist zottig vor Fischen, hier und da fällt einer herunter und schwimmt mit dem Bauch nach oben. Der Bootsführer stürzt fast kopfüber ins Wasser, wenn er ihn mit der Gaff wieder ins Boot reißt. Heute bleiben sie lange auf See, denn alle Fische müssen aus den Netzen genommen werden, damit diese von Neuem ausgelegt werden können.“

Der gefangene Fisch wurde sofort ausgenommen und paarweise an den Schwänzen zusammengebunden auf große Holzgestelle gehängt. Dort trocknete er in einigen Monaten zu Stockfisch. Die Köpfe wurden ebenfalls zum Trocknen aufgehängt und dann zu Fischmehl verarbeitet. Die Zungen gelten als Delikatesse und wurden traditionsgemäß von den Kindern herausgeschnitten. Aus der Leber wurde Tran gekocht, der Rogen eingesalzen und in Holztonnen gefüllt. Die beste Qualität der Stockfische wird auch heute noch nach Italien exportiert, wo er während der Fastenzeit gegessen wird. Afrika bekommt die minderwertigen Trockenfische und, falls Nigeria, einer der Hauptabnehmer, mal wieder in Finanznöten ist, reicht es nur zum Kauf der getrockneten Fischköpfe. Ein Teil des Fanges wurde früher zu Klippfisch verarbeitet, dazu wurden die Fische ausgenommen, gesalzen und auf den Klippen am Ufer zum Trocknen ausgebreitet. Heute werden zuerst die Kühlhäuser mit Kabeljaufilets gefüllt, bevor die Trockengestelle bestückt werden.

„Sie hatten seit einer Woche kein gekochtes Essen bekommen, sie hatten tagelang gehungert, jetzt mußten sie etwas anderes haben als Kaffee und Fladenbrot. “Mölje!” sagte einer. “Mölje!” stimmten die meisten ein. Das war ein Essen, und es war dieses Jahr noch nicht auf den Tisch gekommen. Henrik trug mehrere Schüsseln mit zerstückeltem Fladbröd herein, dann kam der Topf mit gekochter, dampfender Leber, von der er eine reichliche Portion auf jede Schüssel verteilte. Das Fett glänzte auf den Fladbrödhaufen, jetzt wurde Molkenkäse geschabt und darüber gestreut und schließlich wurde Sirup in langen goldenen Schlangen über das ganze gegossen. Dann wird alles mit dem Löffel verrührt, daß es wie ein Brei wird, Herrgott, das schmeckt!“

Die Lofotfischer brachten ihren Fang nach Bergen und deckten sich danach für ein Jahr mit Vorräten ein. War es ein schlechtes Jahr auf dem Lofot gewesen, mußte der Fischer anschreiben lassen. Da die schlechten Jahre überwogen, waren viele bald hoffnungslos verschuldet. Von 1250 bis 1550 war Bergen fest in der Hand deutscher Kaufleute. Die Hanse lieferte Getreide und diktierte die Preise für Stockfisch. Die großen Zeiten der Lofotfischer sind wohl für immer vorbei. Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts arbeiteten bis zu 30.000 Fischer auf den Lofoten und Fänge von weit über 100.000 Tonnen pro Saison waren keine Seltenheit. Doch bald machte sich der Raubbau bemerkbar, und trotz staatlich limitierter Fangquoten ging es immer weiter bergab. Dann kamen die Seehunde und fraßen den Fischern angeblich die Dorsche weg. Aber die Seehunde verschwanden wieder, und die Dorsche wurden nicht mehr. Ende der achtziger Jahre kamen deshalb nur noch ungefähr 2000 Fischer im Frühjahr auf die Lofoten. Ihnen wurden gerade noch gut 10.000 Tonnen Kabeljau zugeteilt. Wer heute den Lofotfischfang sehen will, der muß genau hinschauen. In jedem Hafen ein paar Boote, eine Handvoll Fischfabriken, aber die hölzernen Gestelle bleiben lange leer. Von der brodelnden Hektik, wie sie um die Jahrhundertwende einst herrschte, ist nicht mehr viel zu spüren. Nur der Geruch nach Fisch ist geblieben und erinnert an bessere Zeiten.

„Konnte der Sturm noch schlimmer werden? Es war, als berste der rauchende Himmel in großen Rissen, aus denen Feuer hervor züngelte. Die langen, gelben Unwetterlichter am Himmel warfen seltsame Flammenstreifen auf das rauchende Meer. Wenn sie auf einen Wellenkamm hinauf pflügten und von der rasenden Fahrt der Wogen mitgerissen wurden, dann schien das Boot selber sich aus dem Meer emporzuheben und in der Luft zu fliegen. Es war, als verliere das Boot den Halt, an den es sich anklammern mußte. Und in einem solchen Augenblick geschah es, daß die “Robbe” vornüber in ein Wellental hinunterfuhr, sich dann gegen den Wind drückte und kenterte. Die Wellen schlugen darüber hin, aber jetzt war der Kiel nach oben gekehrt. Es ertönte ein Aufschrei von fünf Männern, als sie umschlugen. Sturm und Meer verschlang sie, dann war nichts mehr.“

Christian Nowak

 

Estland: Urwüchsige Natur auf Saaremaa und Hiiumaa

Auf den beiden größten estnischen Inseln Saaremaa und Hiiumaa ist die Natur noch intakt. Urwüchsige Strände und schroffe Küsten, weite Wälder und kleine Dörfer werben wieder um Besucher. Es gibt aber auch ein Kurbad mit Tradition und die schönste Burg des gesamten Baltikums.

Ein Sommertag wie eine Postkarte, mit einem blauen Himmel, der im unvergleichlichen Licht des Nordens strahlt. Ohne Knitter und Falten breitet sich die glitzernde Folie des Meeres bis zum Horizont aus. Im Schritttempo manövriert die Fähre durch das seichte Wasser der Ostsee, immer in der Hoffnung auf die nötige Handbreit Wasser und dem Kiel. 1500 Inseln soll es vor Estlands Küste geben, einige von durchaus stattlicher Größe, die meisten jedoch nur namenlose Winzlinge. Vom Eis polierte Schärenbuckel, die kaum die Nase aus dem Wasser bekommen. Unser Ziel Hiiumaa zählt zu den Großen, ist nach Saaremaa die Nummer Zwei der estnischen Inselwelt.

Insel der Riesen

Hiiumaa, die Insel der Riesen, so lautet eine der Deutungen des Namens, ist zu drei Vierteln von Sand, Wäldern und Mooren bedeckt. An der Küste mischt sich das Salz des Ostseewindes mit dem Duft von Wacholder zu einem belebenden Cocktail. Mit dem Auto schafft man die Inselrunde bequem an einem Tag. Doch wer will das schon? Estnische Inseln verführen zur Langsamkeit und so bleibt man besser ein oder zwei Wochen. Selbst der Hauptort Kärdla, nicht mehr als ein großes Dorf, strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Jubel, Trubel, Heiterkeit und laute Disconächte – Fehlanzeige. Die Esten stört es nicht, sie leisten sich ein kleines Häuschen irgendwo inmitten der Natur und lassen sich von der Langsamkeit des Inseldaseins verwöhnen. An den sonnigen Tagen des Jahres gehen sie an die fast menschenleeren, urwüchsigen Sandstrände, spazieren entlang der Klippen oder genießen von der Terrasse den Blick in die Ferne.

Auf den Spuren eines Riesen

In die Ferne zur Nachbarinsel Saaremaa zog es auch den Riesen Leiger. Deshalb machte er sich daran, einen Damm zu bauen. Stein auf Stein warf er ins Wasser, doch irgendwann verlor er die Lust. Mehr als zwei Kilometer ragt Leiger’s Werk, der Sääretirp, im Süden Hiiumaas ins Meer. Wer sich bis zum letzten Stein der Landzunge vorwagt, ist zwar noch lange nicht auf Saaremaa, kann aber das unbeschreibliche Gefühl genießen, mitten in der Ostsee zu stehen.

Kuren in Kuressaare

Estlands liebste Ferieninsel ist Saaremaa. Immerhin ein wenig größer als das Saarland, doch nur von 40 000 Menschen bewohnt – da bleibt genügend Platz für Wiesen, Wald und Wacholder. Fünfzig Jahre Dornröschenschlag als militärisches Sperrgebiet haben ihr die sowjetischen Besatzer verordnet. Während dieser Zeit brauchten selbst die Esten für ihre Lieblingsinsel eine Sondergenehmigung. Keine leichte Zeit für die Insulaner, aber die Natur hat profitiert. Wurde verschont von Bausünden und Industrieanlagen und konnte so ihren herben nordischen Charme kultivieren.

Früher waren hier alle Fischer oder Seeleute, heute liegt für viel die Zukunft im Tourismus. Mit Besuchern hat man schließlich Erfahrung, denn schon vor 100 Jahren war die Inselhauptstadt Kuressaare ein nobles Kurbad, in dem man sich mit Heilschlamm von allerlei Wehwehchen kurieren lassen konnte. Das geht auch heute wieder, wobei schon lange nicht mehr nur Heilschlamm auf dem Programm steht. Wellness ist mittlerweile auch in Kuressaare das Maß der Dinge. Vom herben Charme der Sowjetzeit befreit, haben die Kurhotels längst Sternekomfort und können nun wieder auf dem internationalen Markt mithalten.

Das Drumherum ist allemal konkurrenzfähig: Die Promenade direkt am Meer, einige Dutzend pittoreske alte Holzhäuser, ein runder Marktplatz mit Restaurants und Kneipen, eingerahmt von uralten Gassen mit winzigen Häusern. Und natürlich die Bischofsburg aus dem 14. Jahrhundert, wie aus dem Bilderbuch, mit fensterlosen, abweisenden Mauern, umgeben von Wällen und Wassergräben. Sie darf sich getrost „Schönste Burg des Baltikums“ nennen.

Eiderenten und Findlinge

Und der Rest der Insel? Ländlich verträumt, erstaunlich groß und mehr als nur einen kurzen Ausflug wert. Mehr als 800 Windmühlen gab es einst auf Saaremaa, keine 100 Jahre ist es her. Eine Handvoll ist geblieben, doch sie taugen nur noch als Fotomotiv, denn Mehl mahlen sie schon lange nicht mehr. Der Meteoritenkrater von Kaali, immerhin der größte Europas, gibt sich, versteckt zwischen Bäumen, geheimnisvoll und mystisch. Beim Einschlag des dicken Brockens vor wahrscheinlich 4000 Jahren müssen sich die Menschen gewaltig erschrocken haben. Seitdem gilt Kaali in der Mythologie als „Grab der Sonne“.

Nicht mystisch sondern einfach nur schön breitet sich die Inselwelt des Nationalparks Vilsandi vor der Westküste Saaremaas aus. Ein Paradies für Eiderenten, Gänse, Kegelrobben, Orchideen – und Naturliebhaber. Und auch hier liegen wieder unzählige Findlinge im flachen Wasser. Ein Riese hat wohl Murmeln gespielt. Nur das Aufräumen hat er vergessen. Man muss ihm dankbar für diese Unordnung sein, denn dies ist der schönste Platz, um auf den Sonnenuntergang zu warten. Und darauf hoffen, dass die Steine im spiegelglatten Wasser anfangen, rot zu leuchten.

Christian Nowak

 

Norwegen: Urtümliche Gestalten im Dovrefjell

In Europa gibt es heute nur noch einige 100 frei lebende Moschusochsen. Der Großteil von ihnen lebt im norwegischen Nationalpark Dovrefjell.

Die Kongsvold Fjellstue auf der Passhöhe des Dovrefjell ist der beste Ausgangspunkt für die Suche nach den Moschusochsen. Irgendwo zwischen Kongsvold und Reinheim sollen sich einige Tiere aufhalten, so lauten die Tipps aus dem Touristenbüro und von den Veranstaltern der örtlichen Wildnissafaris. Am Anfang der Suche steht aber der Schweiß treibende Aufstieg bis über die Baumgrenze. Der Wanderweg beginnt direkt an der E 6 und führt anfangs durch Birkenwald, der von mehreren Schafherden bevölkert wird.

Oberhalb von 1000 Metern gibt es dann plötzlich keine Birken mehr. Zu beiden Seiten des breiten Tales stehen massige, aber sanft gerundete Berge und am Horizont leuchtet der Schnee auf dem Snöhetta-Massiv. In dieser Gegend sieht man im Sommer immer wieder Moschusochsen. Eigentlich ist es ein ideales Gelände, um sie ausfindig zu machen, denn die Tiere müssten schon von weitem als braune Punkte auf dem mit grün-gelber Rentierflechte überzogenen Boden auffallen. Aber nichts tut sich, und langsam nimmt jeder Felsen die Gestalt eines Moschusochsen an und wir warten gespannt, daß er sich endlich bewegt. Als der Frust schon ziemlich groß ist, sind sie ganz plötzlich da. Gerade noch 50 Meter entfernt grasen drei Tiere vor uns, wir erstarren in der Bewegung und ziehen uns ganz vorsichtig auf eine sichere Entfernung zurück.

Ruhige Zeitgenossen

Überraschend klein sind die Tiere, mit einer Schulterhöhe von vielleicht 1,30 Meter ähneln sie eher Shetlandponys als Bisons, mit denen man sie immer unwillkürlich vergleicht. Moschusochsen bestehen auch im Sommer fast nur aus Fell, das am Hinterteil gut einen halben Meter lang ist und fast bis auf die Erde reicht. In diesem Pelz können ihnen grimmige Kälte und auch die schlimmsten Schneestürme wohl nicht viel anhaben. Aber der Sommer muss in diesem dicken Fell unerträglich sein. Auch Mücken, die uns gerade jetzt, wo Ruhe und vorsichtige Bewegungen nötig sind, in ganzen Schwärmen attackieren, haben bei den Moschusochsen keine Chance.

Im Moment legen sie ihr sprichwörtliches Phlegma und ein totales Desinteresse an ihrer Umwelt an den Tag. Nur wenn sie sich bedroht fühlen, bilden sie eine Wagenburg und warten erst einmal, ob sich der Eindringling zurückzieht. Wenn nicht, gehen sie zu blitzschnell ausgeführten Scheinangriffen über. Wenn auch das noch nicht ausreicht, den Kontrahenten zu beeindrucken, folgt ein ernsthafter Angriff. Dann setzen sich einige hundert Kilo blitzschnell in Bewegung, und die geschwungenen Hörner werden zu gefährlichen Waffen. Unsere drei Exemplare fühlen sich anscheinend nicht bedroht und arbeiten in aller Ruhe weiter am Aufbau ihres Winterspecks.

Ihre Heimat ist Grönland

Moschusochsen sind urtümliche Tiere, die schon während der letzten Eiszeit alle eisfreien Gebiete Europas und Asiens besiedelten. Aber nach dem Abschmelzen des Eises verschwanden sie, wahrscheinlich bekam ihnen das neue Klima nicht, zudem wurden sie Opfer der verbesserten Jagdmethoden des Menschen. In Skandinavien sind bis heute nur wenige Knochen aus dieser Zeit gefunden worden, deshalb wissen wir nicht viel über das Leben der damaligen Moschusochsen. Ihre Neuentdeckung ließ bis 1869 auf sich warten, als eine deutsche Nordpolexpedition sie in Nordostgrönland entdeckte. Nach dieser Entdeckung begann die Jagd gleich von neuem, wobei die Tiere ein Opfer ihres Phlegmas wurden.

Die während der Evolution perfektionierte Wagenburgverteidigung war Jahrtausende lang gegen Wölfe erfolgreich, gegen die Gewehre der Menschen aber hätte ihnen ein ausgeprägter Fluchtinstinkt erheblich mehr genutzt. So wurde ihr Fleisch an die Schlittenhunde verfüttert, die Felle wurden verkauft und die Kälber landeten in zoologischen Gärten. Schnell waren die Moschusochsen akut vom Aussterben bedroht, deshalb wurden sie schon 1917 unter Schutz gestellt, was den Bestand wieder einigermaßen stabilisierte.

In den dreißiger Jahren versuchte man, Tiere aus Grönland auf dem Dovrefjell anzusiedeln, der erste Versuch ging aber schief, alle wurden Opfer des Zweiten Weltkrieges. Zwischen 1947 und 1953 wurde mit 27 Kälbern ein neuer Versuch auf dem Dovrefjell gestartet, die wenigen, die in der neuen Umgebung überlebten, bildeten den Grundstock für den heutigen Bestand von 75 Tieren. Die rauhe Landschaft in dem 256 km 2 großen Nationalpark und die eisigen Winter waren anscheinend genau die richtigen Bedingungen für die Tiere, denn der Bestand hielt sich.

Abwechslungsreicher Nationalpark

Der Dovrefjell Nationalpark gehört zu den abwechslungsreichsten Hochgebirgslandschaften Südnorwegens. Der Park wird vom Drivdalen mit seinem beeindruckenden Canon, der Bahnlinie und der Europastraße 6 in zwei Hälften geteilt. Nicht nur für Moschusochsen-Fans ist das Dovrefjell interessant, auch Botaniker schwärmen von dem Park. Mehr als 400 verschiedene Pflanzenarten haben sie bereits bestimmt. Einige Raritäten wuchsen bereits von der letzten Eiszeit in diesem Gebiet. Schon von der Straße aus kann man den tiefen Canon, den der Fluss Driva ausgehöhlt hat, sehen.

Früher war das Dovrefjell mit seinem reißenden Fluss ein gefährliches Hindernis auf dem Weg von Oslo nach Trondheim. Auf dem alten Königsweg war es, besonders im Frühjahr oft lebensgefährlich, wenn der Fluss Hochwasser führte und den schmalen Weg unterspülte. Heute kann man gefahrlos auf dem „Gamle Kongeveien“, auf der südlichen Seite des Flusses, entlang wandern. So wie es unzählige Könige seit der Zeit der Wikinger auf ihren Pilgerreisen nach Trondheim getan haben.

Gefahren im Moschusochsenland

1971 beschloss eine Gruppe Moschusochsen nach Schweden auszuwandern und ließ sich in der Femundsmarka um den See Rogen nieder. Diese Gruppe besteht heute aus 20 Tieren. Der Bestand, der im Dovrefjell zurück geblieben ist, ist immer noch relativ klein, weil die Herde immer wieder dezimiert wird. So starben 1978 zwölf Tiere durch einen Blitzschlag, im selben Winter grassierte unter ihnen die Hirnhautentzündung, und auch die Zivilisation fordert immer wieder Opfer. Die Dovrebahn, die den Nationalpark in zwei Hälften teilt, ist ebenso eine Gefahr wie der Schießplatz bei Hjerkinn, wo in der Vergangenheit sechs Tiere durch eine Phosphorvergiftung starben.

Christian Nowak

Großbritannien: London Camden Market

London, Camden Market

Märkte der Möglichkeiten

Auf Londons bekanntesten Markt im Künstlerviertel Camden drängen sich Einheimische und Touristen an den Ständen vorbei. Das Angebot ist breit und reicht vom Porzellanteller mit dem Konterfei der Queen bis zur Tower Bridge in Plastik – Made in China. Neben geschmacklosen Souvenirs wird aber vor allem Individuelles und Kreatives verkauft: Maßgeschneiderte Kleider in extravaganten Schnitten und Farben, Hüte mit verwegenem Design und Hosen mit Schlag. Oder Tische und Stühle aus Holz oder Metall – auf jeden Fall aber selbst gemacht. Antiquitäten, Uniformen aus alten Armeebeständen oder dem Theaterfundus, Schuhe aus der Zeit des Rokoko und das neuste Liegefahrrad aus einer Werkstatt aus Südengland. Auf dem Camden Market gibt es nichts, was es nicht gibt.

Renner sind aber gegenwärtig T-Shirts mit den Motiven des Graffiti Künstlers Banksy, der mit viel Ironie die Londoner Szene beobachtet. In seinen Bildern werfen die Streetfighter beispielsweise nicht mit Steinen sondern Blumen. Banksy Graffiti

Bluse in Rot und Orange

Ein kleiner Vietnamese hält an einem Kleiderstand ein Tuch hoch – eine improvisierte Umkleidekabine – hinter dem ein spanische Touristin eine Bluse in gewagter Farbkombination anprobiert. Rot und Orange zusammen steht nicht jedem. Doch die junge Frau aus Valencia kann sie aber tragen. 40 Pfund wechseln den Besitzer. 50 Euro für ein Einzelteil, da kann man nicht meckern.

Mark, der Händler am Nebenstand, ist gleichzeitig auch der Designer der Kleider, die er verkauft. Und er näht sie auch selbst zusammen. Ausgangsmaterial für die eng auf den Körper geschnittenen Teile sind Männerhosen, die er zerschnippelt und wieder neu zusammensetzt. Mit seinen auffälligen Kreationen wolle er einen Gegenpol zum Einheitslook setzen, sagt Mike. „Das Geschäft läuft gut. Von der Wirtschaftskrise spüre ich nichts”, sagt er. Auch bei der Spanierin scheint das Geld noch locker zu sitzen. Als ich sie etwas später zufällig wiedersehe, trägt sie schon drei Taschen in der Hand.

Biltong von der Insel

Eng und hektisch geht es in Camden zu – auf dem Maltby Street Market im Stadtteil Bermondsey hat man dagegen viel Platz. Hierher kommen die Gourmets der britischen Hauptstadt, um sich mit den besten Rohwaren zu versorgen. Schnäppchen sucht man aber vergebens – Qualität hat hier ihren Preis.

Die Händler reisen aus dem ganzen Land an. Nick Greef beispielsweise kommt von der, vor der Südküste gelegenen,  Isle of  Wight, um sein Biltong zu verkaufen. Biltong, luftgetrocknetes Fleisch, kennt man sonst nur aus Südafrika. Greef  produziert seines aus dem Fleisch freilaufender Rinder von seiner kleinen Insel.

Einige Meter weiter, bei Tozino, verkauft man spanischen Schinken, hauchzart und unter dem Motto “slices of heaven”. Maltby Market

Gleich nebenan bietet dann ein norwegischer Einwanderer “organic smoked salmon” an – 5 Pfund für 100 Gramm, macht mehr als 75 Euro fürs Kilo. Doch der Preis schreckt hier niemanden. Im Gegenteil: Der Stand ist lange vor Marktschluss leergekauft.

In Neal’s Yard Dairy stehen Kunden für Käse an. Dutzende Sorten stehen zur Auswahl. Besonders beliebt ist der würzige „Stichelton cheese“  aus der Käsehauptstadt des Landes.

In der St. John Bakery, die mit dem gleichnamigen Sternelokal sowohl den Namen, als auch den Besitzer teilt, wird das beste Brot der Stadt verkauft. Selbst strenge deutsche Tester sind nach dem Biss in die knusprige Kruste begeistert. Vielleicht sogar noch besser sind die Süßspeisen. Die Londoner Version der “Berliner Pfannkuchen” ist üppig mit Sahne gefüllt und deckt spielend den Tageskalorienbedarf eines erwachsenen Mannes. Mit dem Süßteil in der Hand geht es um die Ecke zum Monmouth Coffee. Der Kaffeeröster ist eine Londoner Institution. Nur um im Monmouth einen Cappuccino oder Latte zu trinken, reist so mancher Londoner aus dem anderen Ende der Stadt an. Wer nicht nur auf die rustikalen Bänke vor dem Laden seinen Kaffee schlürfen will, kann die edlen Bohnen auch hier kaufen und zu Hause den Kaffeeduft durch die Wohnung ziehen lassen.

Den Marktbummel alkoholisch beendet man schließlich bei “The Kernel”. Das Pale Ale der Mikrobrauerei mit einem ordentlichen Alkoholgehalt von 5,7 Prozent ist der Favorit der meisten Marktbesucher.

The Kernel

Und wo wohnt man wenn man in London unterwegs ist?

Der Ferienhausbroker Housetrip (https://www.housetrip.com/) vermittelt Wohnungen in besten Lagen zum günstigen Preis. So wird der Londonaufenthalt erschwinglich und es bleibt genügend Geld fürs Shopping.

Rasso Knoller

Info:

Maltby Street Market,www.maltbystreet.com

Monmouth Coffee, www.monmouthcoffee.co.uk

Nick&Sarah Greff, www.isleofwightbiltong.co.uk

Tozino, www.tozino.com

St. John Bakery, www.stjohnbakerycompany.com

Neals Yard Dairy,www.nealsyarddairy.co.uk

The Kernel, http://thekernelbrewery.com

 

Von London gleich weiter nach Cardiff?

Großbritannien/Wales: Cardiff – Kultur statt Kohle

 

Deutschland/Dänemark: Mit dem Rad von Berlin nach Kopenhagen

Der Radfernweg Berlin – Kopenhagen führt durch die Mecklenburgische Seeplatte, alte Residenzstädte, die Hansestadt Rostock und über die Ostsee bis in die dänische Hauptstadt.

Wir treffen uns am Brandenburger Tor, dem Wahrzeichen Berlins, früher Symbol der Teilung und des Mauerfalls, heute Touristenmagnet und Mittelpunkt der zusammengewachsenen Hauptstadt. Von hier wollen wir den Radfernweg Berlin – Kopenhagen in Angriff nehmen. Offiziell beginnt er zwar knapp zwei Kilometer weiter östlich am Schlossplatz, doch bei den rund 630 Kilometern, die vor uns liegen, fällt die kleine Abkürzung kaum ins Gewicht.

Auf den ersten Kilometern zeigt sich Berlin mit Reichstagskuppel, Regierungsviertel und Hauptbahnhof modern und weltstädtisch, doch schon bald geht es dann bis zur Stadtgrenze fast nur noch am Wasser entlang. Hohenzollernkanal, Havel, Nieder Neuendorfer See und die Oder-Havel-Wasserstraße bilden den gelungenen Auftakt dieser grün-blauen Radtour, denn bis nach Kopenhagen schlängelt sich der Radweg durch unzählige Wälder und Felder und verläuft über lange Strecken am Wasser.

Wohlwollend nehmen wir schon nach wenigen Kilometern zur Kenntnis, dass sich die Initiatoren dieses Radfernweges sehr viel Mühe mit der Streckenführung gegeben haben. Denn wir radeln fast immer auf wenig befahrenen Straßen oder sogar autofreien Wald- und Uferwegen. Und auch der Straßenbelag wird diese Woche zur Genusstour machen, denn die Reifen rollen überwiegend über makellosen Asphalt, sodass die Fahrt nach Kopenhagen selbst auf dem Rennrad kein großes Problem wäre.

Doch wir lassen uns Zeit, denn rechts und links des Weges gibt es soviel zu sehen, dass wir die Fahrt alle paar Kilometer unterbrechen könnten. In Oranienburg wartet das älteste Barockschloss der Mark Brandenburg, das als Landsitz für die Frau des Großen Kurfürsten, Louise Henriette, gebaut wurde. 2009 war der historische Schlosspark Teil der Landesgartenschau, die unter dem Motto „Traumlandschaften einer Königin“ stand. Zumindest noch in diesem Jahr sind die liebevoll gestalteten Themengärten im Schlosspark zu besichtigen. Jenseits der bedrückenden Gedenkstätte Oranienburg-Sachsenhausen wird es schnell ländlich, dichte Wälder und Felder, die ihre Farbe mit der Jahreszeit von sattem Grün zu kräftigem Goldgelb ändern, aber auch Bauernhöfe, Dörfer und kleine Städte ziehen vorbei.

Ein Stück Industriegeschichte

Kurz nach Zehdenick führt der Radfernweg durch eine heute menschenleere Tonstichlandschaft, die auf den Ziegeleipark Mildenberg einstimmt. Mehr als 50 Seen, alles ehemalige und später geflutete Tontagebaue, sind entlang der Havel in eine wunderbar grüne Landschaft eingebettet. Von den 1890er Jahren ziemlich genau 100 Jahre lang war Mildenberg einer der wichtigsten Orte der Ziegelproduktion in ganz Europa. Heute kann man sich kaum noch vorstellen, dass hier einst mehr als 5000 Menschen arbeiteten und rauchende Schlote die Luft verpesteten.

Vor allem das schnell wachsende Berlin der Gründerzeit hatte einen unersättlichen Bedarf an gebrannten Ziegeln und die kamen zum Großteil aus Mildenberg. Wichtigstes Relikt aus dieser Zeit ist der gewaltige Ringofen, der wegen seiner genialen Konstruktion ununterbrochen Tag und Nacht brennen konnte. Ab dem kleinen Ort Himmelpfort, in dem jedes Jahr ab Mitte November unzählige Briefe an den Weihnachtsmann beantwortet werden, radeln wir praktisch von See zu See, von denen viele bei schönem Wetter zum Baden einladen. Stolpsee, Röblinsee, Menowsee, Ellbogensee, Plättinsee, Gobenowsee, Woblitzsee und Zierker See bringen uns schließlich nach Neustrelitz.

Größte Sehenswürdigkeit der 1733 von den Herzögen von Mecklenburg-Strelitz gegründeten barocken Stadt ist ihr quadratischer Marktplatz, von dem sternförmig acht gerade Straßen in die Haupt- und Nebenhimmelsrichtungen abgehen. Hier steht auch das klassizistische Rathaus, das nach Plänen des Schinkelschülers Friedrich Wilhelm Buttel errichtet wurde. Auch nach Neustrelitz ist das Wasser allgegenwärtig, es sind die Seen der Mecklenburgischen Seenplatte. Nach einem kurzen Stück durch den Müritz Nationalpark führt ein wenige hundert Meter langer Abstecher zur Quelle der Havel, die von hier mehr als 300 Kilometer unter anderem durch Berlin und Brandenburg fließt, bevor sie bei Havelberg in die Elbe mündet.

Das Trojanische Pferd von Ankershagen

Der kleine Ort Ankershagen, im 12.Jahrhundert von Siedlern gegründet, ist ein typisches Angerdorf, hier befindet sich das weltweit einzige Heinrich-Schliemann-Museum. Auch wenn es von den Räumlichkeiten eher klein ist, zählt es doch zu den bedeutendsten Museen Mecklenburg-Vorpommerns. Diese Anerkennung verdankt es in erster Linie seinem Direktor Dr. Reinhard Witte, der sich seit Jahren der Schliemann-Forschung verschrieben hat, die seiner Meinung nach noch lange nicht abgeschlossen ist. Genügend Material für viele weitere Jahre der Forschung gibt es mit Sicherheit, denn Schliemann frönte während seines ganzen Lebens einer regelrechten Sammelleidenschaft, sein Nachlass besteht unter anderem aus rund 80 000 Briefen.

Das Museum befindet sich in einem schönen Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert, einst war es das Pfarrhaus von Ankershagen. Hier verbrachte Heinrich Schliemann, Sohn eines Pfarrers, acht Jahre seiner Kindheit. In seiner Autobiografie beschreibt er auch Ankershagen, den Ort seiner Jugend, die Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert, das Hügelgrab aus der Bronzezeit und das Ritterschloss, all das kann man auch heute noch besichtigen. Schon als Achtjähriger soll er in Ankershagen davon geträumt haben, irgendwann einmal Troja auszugraben. Vor dem Museum steht symbolträchtig ein großes hölzernes Trojanisches Pferd, in den Innenräumen fallen sofort die Nachbildungen aus dem Schatz des Priamos ins Auge.

Auf kleinen Straßen geht es nun durch Felder und kleine Dörfer an der Grenze des Nationalpark Müritz entlang bis nach Federow. Die Nationalpark-Information bietet je nach Jahreszeit Adlersafaris, Vogelstimmenführungen oder Radtouren durch das Kerngebiet des Nationalparks. Doch der Höhepunkt ist die Live-Übertragung aus einem Fischadlerhorst. Der Horst befindet sich an der Spitze eines Strommastes, eine Kamera mit Zoom- und Schwenkfunktion vermittelt hautnahe Einblicke in das Familienleben der Fischadler, ohne die Tiere beim Brutgeschäft zu stören. Im Laufe der Jahre sind so einmalige Aufnahmen auch vom Füttern der Jungtiere entstanden. Wer will, kann sich natürlich auch die Fischadler in der Natur anschauen, doch selbst mit einem guten Fernglas ist der Adlerhorst immer noch relativ klein und längst nicht so imposant wie aus der Kameraperspektive.

Über Waren, Krakow, Güstrow und Schwaan führt uns der Radweg nach Rostock und ans Meer, das wir von nun an kaum noch aus den Augen verlieren werden. Mit jedem Atemzug füllen sich die Lungen mit frischer Luft, feine Nasen können das Meer schon riechen und im Gesicht ist der Wind zu spüren. Stadtbrand und Zweiter Weltkrieg haben der Hansestadt Rostock arg zugesetzt, doch einige historische Giebelhäuser und Backsteinkirchen konnten rekonstruiert werden, auch das Rathaus am Neuen Markt und die Reste der Stadtmauer sind sehenswert.

Die Kreidefelsen von Møn – fast schöner als Rügen

Doch wir wollen schnell auf die Fähre und in knapp zwei Stunden hinüber nach Dänemark. Der Fährhafen Gedser besitzt wenig Reiz, lohnender ist der Abstecher zu den herrlichen Sandstränden von Marielyst. Die Inseln Falster und Lolland sind bretteben und wenig abwechslungsreich, deshalb entschließen wir uns, den rund 50 Kilometer langen Abstecher um die Insel Møn zu machen.

Vor allem wegen der Kreideklippen, als kilometerlange, senkrechte Wand steigen sie aus dem Meer, von einem Buchenwald gekrönt, der sich bis an die Abbruchkante wagt. Der Abstieg auf endlosen Treppen hinab zum Strand gleicht einer Zeitreise durch 70 Millionen Jahre Erdgeschichte, konserviert in der Kreide. Unten angekommen können sich die Augen dann nicht satt sehen an dem Farbendreiklang aus weißer Kreide, blauem Himmel und grünem Buchenwald. Zurück auf dem Radfernweg ist die Stadt Køge das nächste Ziel, deren Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen. Aus dieser Zeit sind vor allem um den Marktplatz noch viele alte Häuser erhalten geblieben. In der Nørregade, Brogade, Vestergade und Kirkestræde, den kleinen Straßen rund um den weitläufigen Marktplatz, fallen immer wieder wunderschöne alte Fachwerkhäuser ins Auge.

Besuch bei der Kleinen Meerjungfrau

Doch nun lockt Kopenhagen, die wohl charmanteste Stadt Skandinaviens und Ziel des Radfernweges. Kopenhagen hat viel zu bieten, viel mehr als die Kleine Meerjungfrau und den Tivoli. Im Zentrum gibt sich Kopenhagen als weltstädtische Metropole, hier schlägt aber nur eines der vielen Herzen der Stadt. Was uns sofort auffällt, sind die vielen Radfahrer, mehr als ein Drittel der Pendler sollen mit dem Rad unterwegs sein, auch Anzug oder High Heels fahren in Kopenhagen Rad. Fast jede Straße hat einen Radweg oder Radstreifen und eine Grüne Welle für Radfahrer gibt es auch – davon können Autofahrer in Dänemarks Hauptstadt nur träumen.

Ungewohnt ist auch die Disziplin der Kopenhagener, jeder benutzt den Radweg und an roten Ampeln wird fast ausnahmslos gehalten. Die Stadtbesichtigung fällt viel zu kurz aus – denn für Kopenhagen braucht man mindestens zwei oder besser drei Tage. Um einige der rund 100 Museen anzuschauen, über die Einkaufsstraße Strøget zu schlendern, einen Kaffee vor der bunten Häuserzeile von Nyhavn zu trinken, die Marmorkirche und Schloss Amalienborg anzuschauen, die neue Oper zu bewundern oder dem Freistaat Christiania einen Besuch abzustatten. Es gibt viele Gründe, um wieder nach Kopenhagen zu kommen.

Christian Nowak

 

 

Deutschland: Floating Houses in Kröslin

Auf schwimmenden Häusern den etwas anderen Urlaub verbringen

Die Floating-Houses befinden sich im Krösliner See an der Marina Kröslin in Vorpommern und können als komfortable Ferienhäuser gemietet werden. Vom Rande des Yachthafens blickt man über die reizvolle Bodden-Landschaft des Peenestroms, auf den Greifswalder Bodden und über die Inseln Usedom und Rügen. Und auch bis zur Ostsee ist es nicht weit. Der nächste Sandstrand im benachbarten Fischerort Freest ist nur ca. 2 km entfernt. Man kann in der Saison aber auch direkt vom Krösliner Hafen aus mit einer kleinen Fähre zur Insel Usedom übersetzen – dort warten dann über 40 km feiner Ostseestrand sowie die Seebäder mit ihren Seebrücken.

Mit einem Urlaub auf den schwimmenden Häusern schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie verbinden das besondere Urlaubsgefühl auf dem Wasser mit den Annehmlichkeiten eines komfortablen Ferienhauses. Fest verankert liegen die zweistöckigen Ferienhäuser am Rande des Krösliner Yachthafens. Von hier aus genießen Gäste einen Blick auf die vielen Boote, das angrenzende Naturschutzgebiet und können von der oberen Etage zur Insel Rügen und Usedom blicken. In der Comfort-Variante des Ferienhaustyps finden bis zu vier Personen Platz.

Im oberen Deck befinden sich wahlweise ein Schlafzimmer mit Doppelbett und eine offene Galerie oder zwei Schlafzimmer. Zudem verfügen die Floating-Houses über ein großzügiges Badezimmer im oberen Deck. Weitere schwimmende Ferienhäuser gibt es in Barth, vor der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gelegen, und in Krummin auf der Insel Usedom. Wer doch mal ablegen möchte in Kröslin, mietet sich ein Boot und fährt auf Erkundungstour im Greifswalder Bodden oder unternimmt eine Radtour etwa von Kröslin in den beschaulichen Fischerort Freest.

 

Hongkong: Mehr als Tee und Wasser – die Teezeremonie

„Eine chinesische Teetasse mag klein aussehen, sie enthält jedoch viel mehr als nur Tee und Wasser“. Diese und viele weitere Weisheiten lernen Hong Kong Besucher im Lock Cha Tea Shop, während sie in die Geheimnisse der traditionellen Teezeremonie eingeweiht werden. Der Kurs „Chinese Tea Appreciation Class“ ist fester Bestandteil des „KulturellenKaleidoskop Programmes“, mit dem das Hong Kong Tourism Board Touristen größtenteils kostenlose Einblicke hinter die Kulissen der asiatischen Metropole bietet.

„Es gibt drei Regeln, die bei der Zubereitung von Tee unbedingt eingehalten werden müssen“, erklärt der Kursleiter, während er die filigranen Teetassen vor sich aufreiht. Tee, so sagt er, sei das Lebenselixier der Hong Kong Chinesen und allein die Zubereitung eine Kunst für sich. Wenn man ihm zusieht, wie konzentriert er bei der Sache ist, gibt man ihm unweigerlich recht und hat dabei das Gefühl, sogleich an der Essenz jahrhundertealter chinesischer Kultur zu nippen.

„Wichtig ist vor allem die richtige Menge an Teeblättern. Es hängt natürlich auch vom persönlichen Geschmack ab, aber wir verwenden etwa fünf Gramm für normalen und acht Gramm für stärkeren Tee“, so Tang weiter. „Ebenso wichtig ist die richtige Temperatur. Nicht alle Teesorten werden mit kochendem Wasser übergossen. Grüner Tee darf maximal mit 40 bis 70 Grad heißem Wasser zubereitet werden. Die dritte Regel ist das richtige Timing. Greenish Oolong Tee darf nur kurz ziehen, andere Teesorten sind da flexibler zu handhaben. Zieht ein Tee jedoch zulange, wird er schnell bitter“.

Während des Unterrichts lernen Besucher sechs unterschiedliche Teetypen kennen, die sich vor allem durch ihre Fermentierung unterscheiden. Dazu gehören grüner, weißer, gelber, grünlicher, chinesischer schwarzer sowie roter Tee. Abgerundet wird der Kurs durch einen Besuch im angrenzenden Flagstaff House, dem Museum of Tea Ware, in dem seltenes und teilweise antikes Teegeschirr ausgestellt wird.

 

 
 

Finnland: Nordlichter

Auch über Lappland kann man von Oktober bis März farbige Nordlichter am Himmel beobachten. Schauen Sie sich die Fotos und das Video von Visit Finland an. Wollen Sie sich die  dunkle Jahreszeit auch am Computer mit farbenprächtigen Bildern vom finnischen Nachthimmel versüßen, dann finden Sie hier den passenden Bildschirmschoner.

Mit 6237 Fotos in fünf Minuten um die Welt

Kien Lam war 343 Tage unterwegs, hat 17 Länder besucht und 6237 Fotos gemacht. Schauen Sie sich die Höhepunkte seiner Reise  in knapp fünf Minuten an.

Australien: Going North to Cooktown

Pub bei Cooktown

Auf dem Weg nach Cooktown

Manche Städtenamen haben für australische Ohren eine magischen Klang. Cooktown ist einer von ihnen.

Es gibt Städte, die  muss man einmal in seinem Leben gesehen haben! Für richtige Australier sind das aber nicht Weltmetropolen wie New York, Rom, Paris oder gar Berlin. Deren Traumdestinationen heißen Bourke, Birdsville, Broken Hill und Cooktown. Für den romantischen Großstadtaustralier haftet diesen Namen das Flair der großen Freiheit an, für ihn symbolisieren sie „the last great frontier“ – die letzte Grenze der Zivilisation.

Natürlich gibt es diese Grenze schon lange nicht mehr. Schon längst ist auch in Australien jeder Zipfel des Landes entdeckt, jede Region erforscht. Als Symbol für die Zeit des alten Australiens, als sich tapfere Männer eine unwirtliche Natur untertan machten, taugen die Namen aber immer noch.Cooktown

Heute ist Cooktown nichts weiter als ein verschlafenes Städtchen im Norden Queenslands. Gut eineinhalbtausend Menschen leben hier. Man kann sich nur noch schwer vorstellen, dass Cooktown einst mehr als 30 000 Seelen zählte. In den fast 100 Pubs flossen Bier und Rum  durch durstige Kehlen. Damals in der Mitte des 19. Jahrhunderts war Cooktown  die zweitgrößte Stadt Queenslands und Zentrum des Goldrauschs in Nordaustralien. Hier feierten  die Goldgräber bevor sie hinauszogen zum Palmer River um Gold zu schürfen, und hier feierten wenn  sie zurückkamen und in den Banken der Stadt ihre Nuggets verkauft hatten. Spielbanken und Bordellbesitzer nahmen den Goldsuchern das Geld dann wieder ab – sie  waren die wirklichen Gewinner des Goldrauschs.

Ein paar Gebäude im Kolonialstil entlang der Hauptstraße erinnern noch an diese Zeiten. Und auch das James Cook Historical Museum hält noch die Erinnerung an die alten Tage aufrecht. Es erzählt von den Forschungsreisen des englischen Entdeckers, aber auch von den großen und wilden Zeiten Cooktowns und der Geschichte der Aborigines. Sie hatten die Gegend um Cooktown schon lange besiedelt, als  Cook 1770 vor der Küste vorbeisegelte. Als die Goldsucher in ihre Land kamen wehrten sich die Ureinwohner gegen die Fremden. Immer wieder kam es zu kleinen und großen Gefechten, bei denen 500 europäische und chinesische Einwandere ums Leben kamen – und mehr als zehn mal so viele Aborigines.

An James Cook erinnert aber nicht nur das Museum, sondern auch einen Statue in der Nähe des Endeavour River, der – wie sich gehört – nach dem Schiff des britischen Entdeckers benannt wurde. Cooktown, James Cook Statue

Obwohl es in Cooktown heute nur noch eine handvoll Pubs gibt, ist die Bar immer noch der spannendste Ort der Stadt. Denn hier erzählen die australischen Cowboys – die  Stockmen – ihre Geschichten von Abenteuer und Freiheit. Und genau deswegen kommen die meisten Touristen schließlich hierher in den „wilden Norden Australiens“.

Von Rasso Knoller