Kroatien: Wenn Saphirblau auf Gold und Weiß trifft

_DSC0098Die Insel Krk in der Kvarner Bucht ist ein Paradies nicht nur für den entspannten Familienurlaub

Der Blick aufs Meer und die Nachbarinseln ist fantastisch. Die Insel Krk in der Kvarner Bucht ist nicht nur die größte der Adria, sondern auch ein kleines Paradies für Urlauber.

Die Insel mit dem für Mitteleuropäer unaussprechlichen Namen genießt gerade bei Familien eine besondere Anziehungskraft. Das liegt wohl auch an den vielen schönen Stränden der „goldenen Insel“ und dem saphirblauen, glasklaren Wasser, das zum Baden einlädt. Fische ziehen hier ihre Kreise und haben sich wohl an die vielen Besucher schon gewöhnt. Sie lassen sich zumindest von den Zweibeinern nicht stören. Mit Badelatschen, Schnorchel und Taucherbrille gehen große und kleine Urlauber auf Erkundungstour in die Unterwasserwelt. Denn durch die steinigen Strände bleibt das Wasser stets angenehm sauber.

Die Inselhauptstadt Krk im Westen ist ein schmucker Ort mit einer großen Historie. Die gut erhaltene Stadtmauer zeugt von einer langen Geschichte. Ein Spaziergang durch die engen Gassen der autofreien Altstadt ist gerade im Sommer angenehm, die Häuser spenden genügend Schatten. Vorbei am runden venezianischen Turm und dem Kastel kommt man unausweichlich an den breiten Hafen mit seinen Yachten, die hier zigfach vor Anker liegen. Die Fischer, die nach dem Fang ihre Netze flicken, lassen sich vom Trubel der Touristenströme nicht beeindrucken.

Ein Augenmerk sollte man auf die Kirche Sv. Kvirin legen. An das im romanischen Stil im 11. Jahrhundert gebaute zweistöckige Gebäude schmiegt sich ein drittes Kirchenschiff an. Doch das wird heute als Durchgang zur Straße genutzt. Betreten kann man das Gotteshaus über den Glockenturm. Auch die Marienkathedrale, die gleich nebenan liegt und damit genau gegenüber dem Bischofspalast, ist ein kleines Schmuckstück. Sie wurde auf den Überresten einer römischen Therme errichtet.

P1120259Oliven und Feigen kosten

Der Gang durch die Ribarska Straße führt zum Vela Placa, dem Platz vor der Hauptwache. An Markttagen darf man genüsslich zwischen den Ständen schlendern und die heimischen Produkte, von köstlichen Feigen über Oliven bis zu Lavendel schnuppern, kosten und sich damit eindecken.

Über die gut ausgebaute Hauptverkehrsstraße durch das Hügelland der Insel, vorbei an Olivenhainen und Kiefernwäldchen, gelangt man in den Süden, nach Baska. Straßenhändler sitzen am Rand unter dicken Feigenbäumen und bieten Gemüse und Obst feil. Für den schnellen Imbiss oder das Abendessen eine frische Variante. Manch älterer Herr lässt sich vom Versuch der Touristen, ihre Kroatisch-Kenntnisse anzubringen, wenig beeindrucken. Man sollte sich also nicht gleich abschrecken lassen. Die enge Verbindung Istriens und der Kvarner Bucht zu Italien und der k. und k.-Monarchie hat auch hier ihre Spuren hinterlassen: Italienisch hat der Senior eher verstanden als kroatisches Kauderwelsch.

Die wenig bewaldeten Karstfelsen wirken so unwirtlich und vermitteln das Gefühl, mitten in eine Filmkulisse geraten zu sein. Bei Jurandvor wird der Besucher von einem steinernen Wahrzeichen begrüßt, einem Buchstaben des glagolithischen Alphabets. Mitten in der Landschaft zieht dieses Zeichen aus weißem istrischen Kalkstein die Blicke auf sich, das der Künstler Ljubo de Karina geschaffen hat. Das bescheidene Örtchen sollte man aber nicht links liegen lassen, sondern zur Kirche Sv. Licija abbiegen. Im Innern findet sich nicht nur ein bemerkenswerter Stein mit einer glagolithischen Inschrift, sondern am Eingangsturm auch die kroatische Flagge in Stein gemeißelt.

Umrahmt von Karstbergen

Baska in der weitläufigen Bucht wird von weißen Karstbergen umrahmt. Der Badeort, der schon vor über 2000 Jahren von den Illyrern besiedelt worden ist, lässt sich am besten von der Kirche Sv. Istvan, hoch über dem Ortskern überblicken. Ein Friedhof umgibt das Gotteshaus in luftiger Höhe. Wer zu Fuß den schmalen Weg vom Tal hinauf geschafft hat, wird mit einer grandiosen Aussicht auf die Nachbarinseln Rab, Goli Otok und Prvic und zur Küstenlinie des Festlands belohnt.

_DSC0007Kroatien ist bekannt für gute Campingplätze, die gerade für Familien eine breite Palette an Unterhaltung und Entspannung bieten. Wer nach Krk nicht mit eigenem Zelt oder Wohnwagen anreisen möchte, findet in den Anlagen von Camping Adriatic by Valamar vom geräumigen Familienzelt bis zum Mobilheim mit Klimaanlage und Spülmaschine ganz unterschiedliche Möglichkeiten – je nach Geschmack. Wer beides miteinander verbinden will, bucht ein Glampingzelt: Geräumig und mit allem Komfort ausgestattet, vermittelt es dennoch die Atmosphäre des Zeltens. Im fünf Sterne Camping Resort Krk – mit wunderbarem Blick auf die historische Altstadt – steht es direkt neben dem Kiesstrand. So wird man morgens von Möwenkreischen und Wellenplätschern geweckt und kann am Abend perfekt den Sonnenuntergang am Strand genießen. Die neuen Wasserspielplätze und -rutschen der Anlage begeistern nicht nur den Nachwuchs, gleich nebenan sorgt ein Spa-Bereich mit Massage und Beauty für Entspannung bei den Eltern. Animation, Hobbyraum und eine Sportzone sind zusätzliche Annehmlichkeiten auf dem elf Hektar großen Gelände, umgeben von Pinien und Oliven. Nachhaltigkeit wird hier beim Ökocamping großgeschrieben, wo Solarenergie und Elektromobilität verstärkt genutzt werden.

Text und Fotos: Diana Seufert

Spanien: Keine Fiesta ohne Pintchos und Pimientos

Architektonisches Meisterwerk - das Guggenheim in Bilbao von Frank Gehry.Eine Radtour durchs Baskenland von Bilbao bis San Sebastían begeistert Feinschmecker, Kultur- und Naturinteressierte.

Vor gut hundert Jahren, als das Erz die Stadt reich machte, wurden in Balbao prächtige Jugendstil-Häuser gebaut, eine Art-Déco-Markthalle, das modernste Theater Europas. Mit dem industriellen Niedergang mutierte Bilbao zur hässlichsten Stadt Europas.

Vor 20 Jahren dann die wunderbare Wiederauferstehung. Frank O. Gehry erbaute am Ufer des Río Nervíon das Guggenheim-Museum. Ein Gebäude, mal wie ein Fisch, mal wie ein Schiff oder eine geöffnete Blüte, im Schuppenkleid aus Titan. Es folgten Metro, Brücken, Hotels, Flughafen – von Architekten wie Santiago Calatrava und Norman Foster. Die Touristen kehrten zurück, Bilbao ist schön und boomt.

Louise Bourgois Spinnenskluptur 'Mama' vor dem GuggenheimUnd da ist die Altstadt mit den „Siete Callas“, der Kathedrale, der Plaza Unamuno, den Cafés Iruna und Boulevardar. Kulinarisch sind die Basken eh nicht zu toppen: nirgends auf der Welt gibt es mehr Sterneköche auf engstem Raum. Deren Einfälle kopieren die Chefs der  Tapas-Bars – dicht an dicht in der Altstadt -, wo sich bis zum frühen Morgen das feiernde Volk bei leckeren Pinchos, den Tapas, Bier und Sidra drängt.

Die raffinierte Kulinarik, die museale Kultur und die herrliche Natur erfahren die Radler auf der Reise durch die drei baskischen Provinzen Gipuzkoa, Bizkaia und Araba. Per Fahrrad kann ein ganzer Landstrich mit eigener Kraft, selbstgewähltem Tempo und allen sinnlichen Genüssen erlebt werden.

In Portugalete setzt uns die höchste Schwebefähre der Welt, Unesco-Welterbe, über den Nervíon. Familien sind unterwegs, belagern im Badeort Getxo die Tapas-Theken, probieren Häppchen mit Tintenfisch und Knoblauch, Ei und Kräutern, Chorizo und Bacalao (Kabeljau). Wir steigen die Treppen hinauf zum Dorfplatz, sitzen mit unseren Tellern unter schattigen Platanen, die Musik spielt und Künstler preisen ihre Werke an – Biergarten auf Baskisch.

Fahrt über die Römerbrücke von Puente de la ReinaVorbei an der Hauptstadt Vitoria Gasteiz radeln wir am Stausees Umbalse de Ullibarri entlang. Auf 700 Meter müssen wir, der Elektroradler schiebt den Ganghebel in die vierte Dimension und hoch geht’s. Die erste Station auf unserer „Vuelta de Espana“ ist erreicht: wir ‚residieren‘ und speisen fürstlich in einem Renaissance-Palast, heute ein Parador, ein staatlich geführtes Luxushotel. Über die Terrasse schlingern köstlich Düfte von Steaks und gegrilltem Seehecht.

Auf 1020 Meter bringt uns der Begleitbus auf das Hochplateau der Sierra de Urbasa. Es ist kühl, die Windjacke tut gut. Hinab geht’s konzentriert auf welligem Relief; über uns Gänsegeier. Es riecht nach Kiefern, wir rauschen an Buchenwäldern und sattgrünen Adlerfarnen vorbei. Heidekraut blüht, tausende Herbstzeitlose, dazwischen Wildpferde. Findlinge quer überm Weg markieren die Grenze zu Navarra.

Richtung Estella geht der Märchenwald über in leuchtend grüne Wiesen, Holunderbüsche ducken sich, eine Schafherde zieht hügelaufwärts. Am Horizont die Steinabbrüche der Sierra de Santiago de Loquiz.

In und um Estella zeigt sich Navarras Historie: romanische Kirchen, Klöster und Paläste. „Estella la bella“ heißt es bis heute. Man konkurrierte sogar mit den Pilgerstädten Burgos und Pamplona.

In Puenta de la Reina vereinigen sich zwei Jakobswege.Nach langer Abfahrt mit Kiefernduft um die Nase der nächste Höhepunkt: im kleinen Puente de la Reina vereinen sich die beiden Jakobswege Camino Navarro und Camino Aragonés und führen über die sechsbogige Römerbrücke nach Santiago de Compostela. Im Ortskern enge Gassen, stattliche Adelspaläste mit großen Portalen. In der Iglesia de Santiago zieht eine Jakobusskulptur im Pilgergewand die Blicke auf sich.

Die Sonne wärmt, der Wind kühlt, die Fahrt über offenes Hügelland ist ein Vergnügen. Wie eine Fata Morgana sitzt die Wehranlage El Cerco im Dunst über dem Dorf Artajona. Vor dem Anstieg ins Weinparadies um Tudela noch eine Siesta unter Hibiskusbäumen.

Musiker in der ehemaligen Residenzstadt OliteOlite – der kleine Ort mit der großen Burg südlich von Pomplona! Carlos III. ließ um 1600 über einem Meer von Rebstöcken sein Schloss errichten, eine rechte Disneyburg: Türmchen, Wendeltreppen, Wehrgänge und Höfe ineinander verschachtelt, ein riesiges Gewölbe mit hängenden Gärten.

Während die Navarreser draußen zu Ehren ihres Stadtpatrons Stiere durch die Gassen treiben, die Leute singen und tanzen, mundet drinnen in der Burg-Bar ein kräftiger Roter aus der Bodega Ochoa. Zwischen Ritterrüstungen und Wandteppichen wird am Abend bei schwerem, roten Crianza getafelt. Der Speisezettel des Landes: Fisch und Meeresgetier, Wildschwein, Ente und Lamm, Schinken, Schnecken, Schafs- und Ziegenkäse, Gemüse und fangfrische Langusten.

Auf dem Artxueta. In der Ferne das gewaltige Urbasa-Massiv, in der romanischen Kirche der Klosteranlage San Miguel in Excelsis der Altaraufsatz mit den meisterlichen Emaille-Medaillons. Die Abfahrt bei steifer Brise ist nicht ohne, Regen erschwert das Kurven. Gang durch ein urbaskisches Dorf  mit typischen Bruchsteinhäusern. Am Fluss unter  alten Bäumen erwartet uns ein Picknick vom Feinsten: Käse, Salamis, Schinken vom schwarzen Schwein, fois gras mit Pinienkernen, Salate, Weiß-, Rotweine, kühler Cava.

Durchs grüne Valle del Rìo Ezkurra begleiten uns hohe Felswände und das Gemurmel des Flusses. Mit dem Geruch regennasser Erde radeln wir unserer Unterkunft aus dem 18. Jahrhundert entgegen. Die Piementos de Padron, gegrillte grüne Paprikas, bleiben unvergessen.

am Strand des französichen BaskenortesÜber eine lange Kette von Hügeln und Sare mit den weißen Häusern „reiten“ wir ins französische St. Jean de Luz ein, liebster Badeort der Franzosen an der Südwestküste: frische Luft, Strandpromenade, Cafés im Ortskern, baskische Souvenirs.

Der letzte schweißtreibende Tag führt nach Hondarribia. Das Fisch-Menü mit dem kühlen Weißen direkt am Golf von Bizkaya begeistert alle. Zu Fuß erreichen wir den Monte Ulia, die Concha-Bucht mit der Pracht von San Sebastían liegt uns zu Füßen. Gegenüber, vom Monte Urgull, hält Christus seine Hand segnend über die Bucht.

Text und Fotos: Katharina Büttel

Infos

Land und Leute: Das Baskenland liegt im Nordosten Spaniens an der Grenze zu Frankreich. Die reizvolle Costa Vasca bietet Buchten und weite Strände; das Bergland streckt sich bis zum oberen Ebro, Mittelgebirge im Landesinneren. Höchster Gipfel ist der Pico de Aitzgorri mit 1549 m. Die Herkunft der Basken ist bis heute ungeklärt; ihre Sprache, Euskera, noch immer rätselhaft, sie ist mit keiner anderen Sprache verwandt. Die Basken feiern gern, 300 Gäste bei Hochzeiten sind keine Seltenheit. Viel Zeit verbringen sie beim Essen – mehr in den Pintxos-Bars (sprich Pinchos) und Landgasthöfen als zuhause.

Anreise: Eigenanreise z.B. mit der Lufthansa ab Berlin über München nach Bilbao. www.lufthansa.com;  mit der Bahn (lange Fahrtzeit) oder mit dem Auto.

Verkehrsmittel: Fahrräder mit 8 Gängen werden vom Veranstalter gestellt. Ein Elektrorad kostet je nach Reiselänge ca. 145 Euro Miete. Alle Räder sind mit zwei Radtaschen am Hinterrad versehen.

Unterkünfte: Während der gesamten Reise wird in kleineren Häusern mit Flair – meist in historischen Gemäuern – gewohnt.

Essen: Die Küche zählt zu der besten Spaniens, Experten sagen der Welt. Der Ruf der baskischen Köche ist so groß, dass Spitzenrestaurants in Madrid sie anfragen. Der Klassiker unter den Pintxos: tortilla espagnola, Kartoffelomelett. Auch die raciones, ein Teller mit Schinken, Manchego-Käse, gefüllten Paprikas. Spezialität ist der bacalao (Stockfisch) a la Vizacaína mit getrockneten Tomaten und Schinken; Seehechtbäckchen mit grüner Soße u.a. In den sidrerías dreht sich alles um Apfelwein; in den asadores Lamm oder Spanferkel aus dem Holzofen. An den Küsten, aber auch im Landesinneren, haben Fischgerichte höchstes Niveau.. Rosadas de Navarra-Weine sind sehr bekannt, Rioja-Rotweine zählen zur Weltspitze. Feine Weißweine aus der verdejo-Traube kommen aus Rueda.

Reiseliteratur: DUMONT-Reisehandbuch „Nordspanien und der Jakobsweg“ mit großer Faltkarte, 22,99 Euro, www.dumontreise.de

Veranstalter: bei ROTALIS Reisen kostet die 8-tägige (7 Nächte) Rad-Rundtour im DZ 1.750 Euro/Pers./F/A bei eigener Anreise. Das tägliche Picknick kostet inkl. Wein ca. 16 Euro/Pers./Tag. Rotalis bietet Radtouren in fast ganz Europa, Südafrika, Vietnam, Kuba an.

ROTALIS Reisen, A-4780 Schärding; info@rotalis.com; www.rotalis.com

Island: Vulkaninsel im Atlantik

Jökulsarlon

Jökulsarlon

Willkommen auf der Insel der Gegensätze! Willkommen in einem Land, in dem Feuer und Eis Landschaften von atemberaubender Schönheit geschaffen haben!

Wer auf dem internationalen Flughafen Keflavík ankommt und sich mit Bus oder Mietwagen auf den Weg nach Reykjavík macht, wird gleich mit Islands vulkanischer Vergangenheit konfrontiert. Denn bis zu den Vororten der Hauptstadt führt die Straße durch ein rissiges, fast vegetationsloses Lavafeld. Bei trübem Wetter wirkt es trostlos und lebensfeindlich, aber schon einige wenige Sonnenstrahlen verwandeln es in eine faszinierende Märchenlandschaft. Doch dies ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf die vielfältigen Formen des Vulkanismus, die allerorts auf den Besucher warten.

Kaum ein Land der Erde ist so abwechslungsreich wie Island, das geologisch noch in den Kinderschuhen steckt und sich deshalb permanent verändert – manchmal sogar höchst dramatisch durch gewaltige Vulkanausbrüche oder Gletscherläufe. Aber auch zwischen diesen Katastrophen bietet Island Spektakuläres: In den zahlreichen Hochtemperaturgebieten brodelt, dampft und zischt es unaufhörlich oder schießen Geysire ihre Wasserfontänen in den Himmel. Blubbernde Schlammtöpfe und Wasserlöcher, gelbe und ockerfarbene Fumarolen und Sinterablagerungen bilden unwirkliche Mondlandschaften. Farbenprächtige Liparitberge, düstere Aschekegel, bizarre Vulkane, sonderbare Pseudokrater, unauffällige Schildvulkane und immer wieder Lavafelder – mal schwarz, kahl und bedrohlich, dann wieder von dicken, grünen Moosteppichen überzogen, prägen weite Teile der Insel.

Neben den Vulkanen sind die Gletscher die größten Anziehungspunkte, denn allein der größte von ihnen, der Vatnajökull, ist größer als alle Gletscher Europas zusammengenommen. Unzählige eisige Zungen schieben sich von seinem gewaltigen Plateau zu Tal, bilden Abbrüche, Höhlen und Lagunen, auf denen bizarr erodierte Eisberge schwimmen.

Aber Island hat auch ein durchaus liebliches Gesicht, das man der fast baumlosen Insel im hohen Norden kaum zutrauen würde. Der schmale Küstenstreifen und einige Täler überraschen mit sattgrünen Wiesen, auf denen unzählige Schafe grasen. Und auch der Mývatn, eigentlich ein geologisch unruhiges, von Vulkanen geprägtes Gebiet, wirkt mit seinen Inseln, Buchten und Landzungen wie eine grüne Oase. Auf dem Wasser tummeln sich Singschwäne und die verschiedensten Entenarten, so dass selbst die ausgefressenen Lavatürme am Ufer kaum das liebliche Bild stören.

Lust auf Islands einzigartige Natur? Dann schauen Sie sich die Bilder an.

Westfjorde, Latrabjarg, Papageitaucher

Westfjorde, Latrabjarg, Papageitaucher

Westfjorde, Breidavik

Westfjorde, Breidavik

Solfatarengebiet Namafjall

Solfatarengebiet Namafjall

Solfatarengebiet am Namafjall

Solfatarengebiet am Namafjall

Snaefell

Snaefell

Seydisfjördur

Seydisfjördur

Seljalandsfoss

Seljalandsfoss

Schlucht Fjardargljufur

Schlucht Fjardargljufur

Papageitaucher, Vik i Myrdal

Papageitaucher, Vik i Myrdal

Ostfjorde, historisches Torfhaus Lindarbakki

Ostfjorde, historisches Torfhaus Lindarbakki

Ostfjorde, Gästehaus Mjoeyri am Eskifjördur

Ostfjorde, Gästehaus Mjoeyri am Eskifjördur

Myvatngebiet, Krafla

Myvatngebiet, Krafla

Landmannalaugar

Landmannalaugar

Jökulsarlon

Hochtemperaturgebiet Hveragerdi

Hochtemperaturgebiet Hveragerdi

Hochland, Hveravellir

Hochland, Hveravellir

Djupivogur

Djupivogur

Eskifjördur

Eskifjördur

Text und Fotos: Christian Nowak

Antarktis: Impressionen vom Ende der Welt

Half Moon Insland
Die „Fram“ ankert in der halbmondförmigen Bucht von Half Moon Island, nur wenige hundert Meter vom Strand entfernt. Die Insel erinnert an eine Caldera, ist aber nicht durch einen Vulkanausbruch entstanden. Schon vom Schiff aus sind die bizarren Felstürme der Insel, das benachbarte Livingston Island mit seinen Gletschern, die roten Häuser der argentinischen Sommerstation Teniente Camara und die Pinguinkolonien sowie einige Robben auf dem Kiesstrand zu sehen.

Half Moon Island

Half Moon Island

Half Moon Island

Half Moon Island

Half Moon Island

Antarctic Sound
Die Fahrt durch den Antarctic Sound bis zur Grenze des Wedell Meeres ist eine Panoramatour – Eisberge soweit das Auge reicht. Große, kleine, weiße, blaue und als Krönung Tafeleisberge, haushoch und mehrere hundert Meter lang. Jeder sieht anders aus und die „Fram“ gleitet an allem so langsam vorbei, dass jede Einzelheit zu erkennen ist. Trotz des eisigen Windes und mittlerweile Windstärke zehn gibt es nur einen Platz: an Deck mit der Kamera in den eiskalten Fingern.

Antarctic Sound

Antarctic Sound

Antarctic Sound

Antarctic Sound

Deception Island
Deception Island ist eine Vulkaninsel mit rund 13 km Durchmesser und einer mit Wasser gefüllten Caldera. Der einzige Eingang in die Caldera ist eine nur rund 200 m breite Öffnung. Dieser schmale Durchlass in den Vulkankrater wird Neptuns Blasebalg genannt. Deception Island ist ein aktiver Vulkan, der allein im 20. Jahrhundert mehrere Male ausgebrochen ist und dabei neue Vulkankegel gebildet und viel Asche gespuckt hat.

Deception Island

Deception Island

Deception Island

Deception Island

Deception Island

Neko Harbour
Heute sind wir in Neko Harbour an Land gegangen. Wer bei dem Wort „Harbour“ an einen Hafen denkt, liegt völlig falsch, denn es ist nichts weiter als ein kleiner Strand, an dem die Polar Circle Boote landen können, das große Schiff liegt wie immer einige Hundert Meter weiter draußen in der Bucht vor Anker. Schon die Anfahrt nach Neko Harbour ist spektakulär, Gletscher reiht sich an Gletscher, auf dem Wasser schwimmen Eisberge in allen Größen. Das Meer ist still wie ein See, der Himmel Blau, die Sicht schier unendlich.

Am Strand liegt faul eine Wedell-Robbe und lässt sich von uns überhaupt nicht stören. Die Pinguine auch nicht. Sie spazieren gerne ein Stück am Strand entlang, bevor sie ins Wasser springen. Nach erfolgreichem Beutezug kommen sie wieder zurück, um ihren Nachwuchs zu füttern. Die Brutkolonien liegt ein gutes Stück weiter oben am Hang. Die drolligen Vögel sind diesen Weg schon so oft rauf und runter gegangen, dass tief in den Schnee eingelassene Pinguinautobahnen entstanden sind. Mit kleinen Trippelschritten erklimmen sie den Berg, die Stummelflügel nehmen sie zum Balancieren. Auf Eisplatten rutschen sie trotz ausgefahrener Krallen schon mal aus, halten aber immer die Balance.

Neko Harbour

Neko Harbour

Neko Harbour

Neko Harbour

 

Costa Rica: Zwischen Karibik und Pazifik

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Costa Rica fasziniert als ökologisches Reiseziel. Seine Schätze sind Urwälder, Vulkane, Wasserfälle, Brüllaffen, Orchideen, Vögel.

Aufregung schon am frühen Morgen. „Dort, die Palm-Piperschlange auf dem Boden“, ruft Ronaldo und greift nervös nach einem Stock. Sofort umringelt ihn das grünschwarze Reptil. Es zischelt, zeigt seine spitzen Zähne. Unwillkürlich weichen die Wanderer zurück. „Ja, sie ist tödlich! Einem Chamäleon ähnlich kann sie sieben verschiedene Farben annehmen und ist im dichten Dschungel kaum erkennbar“, warnt der Tico, wie sich die Einheimischen nennen. Geschickt jongliert er das ein Meter lange, kräftige Tier in einen ausgehöhlten Baumstamm, wo es sich scheinbar gemütlich zusammenrollt.

Die Gruppe ist im Tenorio Volcano Nationalpark unterwegs, nördlich der Hauptstadt San José, nahe der Grenze zu Nicaragua. Gut, in Begleitung eines erfahrenen Mannes wie Ronaldo zu sein. Denn im Urwald steckt beides: Schönheit und Grauen. Der Primärwald hat zwei Vulkane, ist 600 Jahre alt und liegt 830 Meter über dem Meer. Der Weg hinein schlängelt sich durch dichtes Grün, führt unter Baumriesen durch, zottig behangen mit Epiphyten, dann wieder durch flirrendes Gewirr von Farnen und Lianen. Tellergroße Morpho-Falter funkeln stahlblau in der Sonne, Kolibris schwirren von Blüte zu Blüte. Das Krächzen von Aras ist zu hören, Brüllaffen hangeln lautstark in den Wipfeln – und die Faultiere verschlafen 20 Stunden ihres Tages. Man muss sich einfühlen in diese fremde, alte Welt.

riesenpalmeAber es kommt noch besser! Man sieht ihn nicht, nur von Weitem hört man ein ständiges Brausen. Dann plötzlich Gischt aus dem kleinen Tal – der Catarata Rio Celeste! Auch wenn der Abstieg beschwerlich ist, diesen Wasserfall darf man nicht verpassen! Unten angekommen traut man seinen Augen nicht, starrt auf eine überirdische Märchenwelt. Ein kraftvoller Fluss, der Rio Celeste, stürzt 30 Meter hinab in ein Becken vulkanmineralisch hellblauen Wassers. Allein inmitten eines smaragdgrünen Waldes, geblendet vom blauen Wunder der Natur, lost in paradise…

sonnen-und-farbspiel-im-regenwaldCosta Rica – Reiche Küste. Auch wenn Kolumbus bei der Namensgebung anderes im Sinn hatte: Schätze birgt das kleine Land in Hülle und Fülle. Nicht goldglänzend und diamantenfunkelnd, sondern dschungelgrün, orchideenrot und meerblau. Von den etwa fünf Millionen Tier- und Pflanzenarten unserer Erde sind zwei Drittel hier vertreten – Weltrekord! Darunter sind Jaguare, Pumas, Krokodile, Nasenbären, Eidechsen, Affen.  Acht verschiedene Vegetationszonen vom Nebelwald, Sumpfgebiet bis hin zur Steppe! Gut ein Viertel des Landes steht unter Naturschutz. Wieder Weltrekord! Allein 852 verschiedene Vogelarten locken Besucher hierher. Glücklich, wer einen Tukan oder den farbenprächtigen „Göttervogel“ Quetzal vor die Linse bekommt.

Der Dschungelstreifen wird im Norden von Nicaragua, im Süden von Panama begrenzt. Ein friedliches, sicheres Land zwischen zwei Meeren, mit 1000 Kilometern Stränden, wenig größer als die Schweiz. Alles ist möglich: morgens baden vorm weißen Karibikstrand, abends beim Cocktail der perfekte Sonnenuntergänge hinterm Pazifik!

abendhimmel-ueber-costa-ricaSchmutzig, verschwitzt, aber belustigt über die Kapuzineräffchen, die in den Blätterdächern toben, erreichen wir das Hideaway Rio Celeste. Es öffnet sich ein wohlgepflegter Tropengarten: um rote Hibiskusblüten schwirren Kolibris, die gelben Spitzen einer Helikonienblüte leuchten in der Sonne, üppige Ficuspflanzen wuchern um die Wette. Dazwischen „Cabinas“, aus Holz gebaute Lodges, innen geschnitzte Tropenmöbel, dekoriert mit knalligfarbenen Kissen. Nur knapp zwei Stunden Autofahrt sind es bis San José: Zivilisation und Urwald so nahe! Überall an Costa Ricas Stränden, im vulkanischen Hochland, im Dschungel werden neue Anlagen gebaut, Luxus und Ökologie im Einklang.

19-allgegenwaertig-der-kegelige-vulkan-arenalaDas Abendkonzert beginnt mit dem Glucksen der Kröten, schwillt an zu vielfältigem Fiepen, Zirpen, Keckern und Schnalzen. Nach Sonnenuntergang senden Tausende von Glühwürmchen Lichtblitze in die Finsternis, Fledermäuse gleiten lautlos durch die Nacht. Ranger David ermuntert zum Aufbruch. Mit Taschenlampen gehen wir hinter dem Resort hinein in die Finsternis des Dschungels. Tiere sind unsichtbar, Geräusche noch intensiver als am Tage. Mit sicherem Gespür leuchtet David Taranteln, Wolfsspinnen, Skorpione, Frösche, Zikaden, Rieseninsekten an – ein Tapir raschelt durchs Gebüsch. Die engstehenden Bäume, Palmen, die übergroßen Blätter erscheinen wie Gemäldefetzen von Rousseau. Naturkundeunterricht zum Anfassen – aber besser nicht! Das Dinner im offenen Restaurant bei leiser Musik ist Entspannung.

Am nächsten Morgen erwachen wir nicht unterm Sonnenlicht, sondern vom ohrenbetäubenden Radau der Vögel und Brüllaffen. Das ist der Soundtrack zur Fahrt ins Naturschutzgebiet um den Vulkan Arenal in der Provinz Guanacaste. Zuckerrohrfelder, Bananenhaine, Kaffee- und Ananasplantagen zeigen die Vielfalt des Landes.

hibiskusblueten-zart-wie-spitzeWir treffen auf Dörfer der Handwerker und Öko-Bauern. Das Städtchen Sarchí ist berühmt für seine „Caretas“ – buntbemalte Ochsenkarren aus Mango- und Mahagoniholz, die früher zumeist Kaffee, Zuckerrohr, Mais zu den Märkten fuhren. „Die Karren mit Kaffee, „unserem wohlduftenden Gold“, ratterten in Karawanen von Hunderten zum Hafen Puntarenas, wo die Engländer die ersten Abnehmer waren“, erzählt Joaquín Chaverri, Enkel der Gründerfamilie, die 1903 die ersten Caretas zimmerte. Die Blumenmotive in ihren leuchtenden Farben entstammen dem indigenen Leben. Heute stehen die Karren auf der Weltkulturerbe-Liste, als Souvenirs begehrt – und in unzugänglichen Gegenden noch immer in Betrieb.

handbemalte-ochsenkarrenVor dem 1600 Meter hohen Vulkankegel Arenal rauschen Hibiskus- und Bourgainvillea-Büsche vorbei, Pferderanches, Kaffee- und Ananasplantagen – dem Fruchtexport Nummer eins. Auf seiner Finca Educativa begrüßt uns Don Juan, der Lehrer. Sein Credo: Gesunde Kost aus gesunder Umgebung. Schüler, Studenten, Touristen, alle können hier arbeitend die Sinne fürs Ökologische schärfen.

Don Juans Spezial-Lunch: Gegrillter Tilapia-Fisch, Schweinekruste mit Chips aus Yuccawurzeln, Chayote – grüner Kürbis -, gebratene Platanos, schwarze Bohnen, dazu Saft frischer Moringablätter. Flan caramel! Ohne Frage, das ist Costa Ricas „Pura Vida“, das ganz eigene Lebensgefühl der Ticos. Sie zählen sich zu den glücklichsten Menschen der Welt.

Text und Fotos: Katharina Büttel

Mehr über Costa Rica lesen Sie hier:

Costa Rica: Auf der Suche nach Öko Rica

Färöer: Bizarre Felsen, bunte Häuser und jede Menge Schafe

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Grün und fast menschenleer – Die Inselgruppe der Färöer begeistert vor allem Naturliebhaber

Den ganzen Sommer über liegt Musik in der Luft: in der Hauptstadt Tórshavn ebenso wie in den verstreuten Dörfern oder in den von Wind und Wellen ausgewaschen Meeresgrotten. Grün und schroff liegen die Inseln mitten im Atlantik, ein Paradies für Schafe und Seevögel. Wer sich auf die traditionelle Küche der Färinger einlässt, wird mit intensiven Geschmackserlebnissen belohnt.

Färöer-Inseln, alle Dörfer liegen an der Küste

Alle Dörfer sind bunt und liegen an der Küste

In gemächlichem Tempo tuckert die „Norðlýsið“ aus dem Hafen. Heute herrscht Flaute, deshalb musste Kapitän Birgir Enni den Schiffsdiesel des historischen Schoners anwerfen, die Segel bleiben eingerollt. Die „Norðlýsið“ ist eine betagte Schönheit, 1945 in Tórshavn gebaut, ging sie lange auf Heringsfang, seit einigen Jahren schippert sie Touristen durch die Gewässer der Färöer-Inseln. An Backbord zieht die Halbinsel Tinganes vorbei, in den roten Holzhäusern mit Grassodendächern, die wie ein perfekt saniertes Freilichtmuseum wirken, residiert das Färöische Parlament Løgting. Im Sommer wirkt das Regierungsviertel der kleinen Inselnation verlassen, doch nach der Sommerpause nimmt eine der ältesten Volksvertretungen Europas mit einem großen Festakt wieder die Arbeit auf.

Färöer-Inseln, Ausbooten zum Höhlenkonzert auf der Insel Hestur

Färöer-Inseln, Ausbooten zum Höhlenkonzert auf der Insel Hestur

Birgir Enni, ein Seebär wie aus dem Bilderbuch, steuert den Gaffelschoner „Norðlýsið“ von Tórshavn um die Südspitze der Hauptinsel Stremoy und nimmt dann Kurs Nord auf die kleine Insel Hestur. Ziel ist eine der größten Höhlen an der Küste. Hier lässt Birger ausbooten, das letzte Stück bis zum haushohen Höhleneingang wird in Zodiacs zurückgelegt. Kaum ist das letzte Schlauchboot in der Höhle, beginnt das „Concerto Grotto“. Heute verzückt Heðin Ziska Davidsen mit seiner elektrischen Gitarre die Zuhörer. Nur ein schwacher Lichtschein fällt durch den fernen Höhleneingang, ansonsten ist es stockfinster. Die Höhlenwände sorgen für eine einmalige Akustik, untermalt wird das Gitarrenkonzert vom leisen Rauschen der Brandung, Musik und Meer verschmelzen so zu einem fast mystischen Klangerlebnis. Die Höhlenkonzerte sind Teil des alljährlichen Musikfestivals Summartónar, das nicht nur die Nächte in der Hauptstadt in einen Festivalrausch versetzt, auch in vielen kleinen Orten auf den Inseln stehen Folk, Jazz und Blues auf dem Programm.

Färöer-Inseln, Höhlenkonzert mit dem Gitarristen Heðin Ziska Davidsen

Höhlenkonzert mit dem Gitarristen Heðin Ziska Davidsen

Die Inselgruppe der Färöer liegt mitten im Atlantik zwischen Großbritannien, Norwegen und Island, die 18 Inseln gehören zwar zu Dänemark, besitzen aber eine gewisse Autonomie. Stolz sind die rund 50.000 Färinger auf ihre Inselwelt, als Dänen sehen sie sich nicht, eher als eigenständiges Volk, das direkt von den Wikingern abstammt und seine eigene Sprache spricht.

Die meisten Inseln erheben sich als schroffe, bizarre Felsen aus dem Meer. Oft sind sie in Nebel gehüllt, denn die Inselgruppe bekommt so gut wie jedes atlantische Tiefdruckgebiet ab. Doch wenn die Sonne durchbricht, leuchten die Färöer sattgrün unter einem stahlblauen Himmel – bis zum nächsten Regenschauer. Von den Berghängen plätschert das Wasser, im Laufe der Zeit hat es sich tiefe Rinnen gegraben. Fjorde und Schluchten reichen weit ins Landesinnere, die Küsten sind reich an Höhlen und Grotten. Schwindelerregend steil fallen die meisten Felswände zum Meer ab, auf winzigen Felsvorsprüngen brüten im Sommer Millionen von Seevögeln und veranstalten ein Höllenspektakel. Durch diese archaische Landschaft streifen einige Zehntausend Schafe, sie halten das saftige Gras kurz, sorgen aber auch dafür, dass auf den Inseln kein Baum wächst. An einigen Stellen werden Kartoffeln und Gerste angepflanzt, auf kleinen Feldern auch mal Rhabarber und Kohlrabi oder Mairübchen, die allerdings in dem feucht-kühlen Klima erst Anfang August geerntet werden können.

Färöer-Inseln, es gibt mehr Schafe als Menschen

Auf den Inseln gibt es mehr Schafe als Menschen

Kein Punkt auf den Inseln liegt weiter als fünf Kilometer vom Meer entfernt. Winzige Dörfer, die sich alle „bygd“ nennen liegen direkt an der Küste, die Häuser drängen sich in einer Bucht dicht aneinander, so, als ob sie Schutz vor Wind und Wetter suchen. Fast überall sieht man noch die alten Holzhäuser, mal kunterbunt, dann wieder schwarz geteert mit weißen Sprossenfenstern, auf dem Dach wächst Gras.

Jahrhunderte lang hat die Natur den Speiseplan diktiert, wobei Fisch und Lammfleisch die wichtigsten Energiequellen waren. Heute wird zwar fast alles aus Dänemark importiert, doch die alten Essgewohnheiten werden vielerorts noch gepflegt. Eine fermentierte und luftgetrocknete Schafskeule gilt immer noch als Delikatesse, auch wenn der ziemlich strenge Geruch so manchen Besucher abschreckt. Das Restaurant „Ræst“ in einem der schönsten und ältesten Gebäude von Tórshavn hat sich auf traditionelles Essen spezialisiert. Küchenchef Kári zaubert aus fermentiertem Lammfleisch, getrocknetem Fisch und Walblubber ein bemerkenswertes Siebengängemenü, das Nase und Gaumen lange in Erinnerung bleibt.

Färöer-Inseln, getrockneter Fisch gehört zu den traditionellen Speisen

Getrockneter Fisch gehört zu den traditionellen Speisen

Text und Fotos: Christian Nowak

Kroatien: Istriens Top 10 Sehenswürdigkeiten

Diese zehn Sehenswürdigkeiten sollten Sie in Istrien gesehen haben.

Weitere Informationen über Istrien auf
www.istrien7.com

 

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Australien: Queensland – Reise in alte Wunderwelten

12. Weißer geht's nicht - Binnensee McKenzie auf Fraser Island.Queensland an der Ostküste Australiens: Ja, natürlich, die Wasserwelten des Barrier Reefs! Aber die Trails und die Kunst der Aborigines, die Tropenwälder und Fraser Island mit XXL-Strand sind mindestens ebenbürtig.

Man hat sich wahrlich nicht gelangweilt bisher. Hat die Glass House Mountains gesehen, für die Aborigines von spiritueller Bedeutung; hat auf Australiens größtem Markt „Eumundi“ gestöbert nach Kunst der Aborigines und bunter Kleidung; hat versucht, den Didgeridoo zu blasen. Auf dem Coastal Track im Noosa National Park hielt man Ausschau nach Koalas im Eukalyptuswald. In der Hervey Bay wurde jeder auftauchende Buckelwal euphorisch beschrien und beklatscht. Den Fotografen zuliebe zog die Cessna Extraschleifen über Fraser Island im smaragden- bis azurschimmernden Pazifik, flog über die kristallklaren Seen, über unberührte Flüsse und Creeks, so sauber wie vor Jahrtausenden. Aber die nächsten Tage übertrafen alles.

22. Der Koalabär - das süßeste Tier Australiens.Das Kreischen der Vögel ist eindringlicher Weckruf. Rasch ist das Moskitonetz aufgerollt, die Hängematte auf dem Campground Rainbow Beach gespannt, der Good-morning-Tee serviert. Die Sonne zeichnet die Uferlinien am Inskip Point messerscharf; weißer Sand und blaues Wasser, soweit das Auge reicht. In Gedanken sind wir aber beim Vorabend: bei den Delphinen, die vor uns übers Wasser sprangen; den Brillenpelikanen, die sich am Strand in den glutroten Strahlen der untergehenden Sonne in Szene setzten. Als nach einem Barbecue mit Meeresgetier und heimischem Chardonnay uns der Himmel leuchtete und wir Camp-Gäste – die Zeltbetten verschmähend – draußen saßen ums Lagerfeuer bis tief in die Nacht. Unter dem hellen, breiten Band der Milchstraße, fern von Europas Industriedunst, in den Himmel träumend. Ungebändigtes Australien, hier, ja hier, scheint die Freiheit noch grenzenlos.

3. Brillenpelikane im Sunset vor Fraser Island.Scott Harvey, ein gutgelaunter Aussi, lädt die Gruppe in sein schwarzes, panzerähnliches Allrad-Geländefahrzeug ein. Bevor er das ‚Monster‘ auf die winzige Fähre nach Fraser Island jongliert, fährt er noch zur Sand Blow-Düne am Ende des Rainbow Beach. Sensationell die Masse an Sand, wunderschön der Panoramablick auf die weite, im Morgenlicht golden schimmernde Sichelbucht!

Endlich rollen wir auf die größte Sandinsel der Welt am Südende des Barrier Reefs. Sie ist 120 Kilometer lang und sieben bis 25 Kilometer breit, Nationalpark und Unesco-Weltnaturerbe. Mangroven, Regenwald und bis zu 250 Meter hohe Dünen überziehen die Insel. Wohl nirgendwo sonst kann man eine Wanderdüne, einen Süßwassersee und den Pazifik gleichzeitig sehen.

1.Maxistrand auf Fraser Island.Auf und ab geht es über die zerfurchte Sandpiste des berühmten ‚75 Mile Beach‘ – das ist Spaß pur! Jetzt weiß jeder, warum hier einzig Jeeps zugelassen sind. Der circa 100 Meter breite Strand an der östlichen Küste ist in den Landkarten offiziell als Highway ausgewiesen, ohne Asphalt, ohne Verkehrsschilder! Aber es gelten Linksverkehr und 80 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Strand aus besonders festem, goldgelben Sand ist der einzige Highway des Landes, der nur alle sechs Stunden für weitere sechs Stunden genutzt werden kann, denn bei Flut schluckt das Meer weite Teile der Piste. Nur das Wrack der „Maheno“, eines vor 80 Jahren hier gestrandeten Passagierdampfers, zeichnet sich scharf gegen die leuchtend rotbraunen Sandklippen ab.

So herrlich, so einzigartig der pudrig-weiße Sandstrand ist: hier badet niemand. „Die Hai-Gefahr ist zu groß“, sagt Scott. Aber der beliebteste Strand liegt ohnehin im Inselinnern: schneeweißer feiner Sand, auf dem die türkisblauen Mini-Wellen des Lake McKenzie ausrollen, das Wasser weich und warm – ein Traumstrand ganz ohne Risiko.

Scott führt uns zu Fuß durch den 800.000 Jahre alten Regenwald im Pile Valley. Er ist der älteste auf Sand, der Daintree im Norden Queenslands der älteste der Welt. Vorbei geht es an leuchtendgrünen Parasitenpflanzen, riesigen Farnen und Würgefeigen, die sich mit skurril aussehenden Schlingästen um Bäume wickeln und sie irgendwann ersticken. Aus dem Dickicht schreien Papageien, bunte Schmetterlinge flattern lautlos um die weißen Stämme der Rosegum-Gummibäume.

6a. siehe 6.Gut zwei Stunden braucht’s für den Luftsprung von Brisbane nach Cairns, nördlicher Boomtown an Queenslands Küste. Das Großartige dieses Kontinents erfüllt uns, die unendliche Weite, ja, die Rückkehr in die verlorene, die alte heile Welt. Ohne Ängste vor Tropenkrankheiten, Terror und Kriminalität. Himmlisch ist der Blick nach unten auf undurchdringlichen Regenwald, auf riesige Zuckerrohrfelder und Bananenhaine unten in der Ebene, auf einen endlosen, beigefarbenen Strand davor, auf die Kräuselung über dem Barrier Reef. In der Ferne schieben sich die Whitsundays unter Wattewolken.

Das Ineinander von Wasser- und Urwaldwelten ließ die Unesco die „Wet Tropics“, Queenslands „feuchte Tropen“, und die Korallengärten des Riffs auf die Weltnaturerbeliste setzen.

Zwischen Cairns und Townville, eine knappe Autostunde südwestlich der Weltklassestrände um Mission Beach, beginnt der Janbanbarra Jirrbal Dschungel im Tully Valley. Die Wandergruppe folgt Caroline, einer Aborigine vom Stamm der Jirrbal, hinein in die Wildnis, an Sandpapierfeigen vorbei und stockgeraden Walkingstick-Palmen. Mit jedem Schritt auf dem schmalen One-way „Acre Creek Trail“ bringt uns die 35-Jährige die Natur und das Leben ihrer Ahnen näher. Sie pflückt Blätter, die Seifenschaum erzeugen, wenn man sie zerreibt; Halme, aus deren Saft eine Art Sprühpflaster wird. Mit der weißen Milch des Milky Pine-Baumes haben sie Totems auf ihre Körper gemalt. Fisch wurde in ein Blatt des blauen, aromatischen Ingwer eingepackt. Die Rinde des Umbrella Trees hilft gegen Zahnschmerzen. „Der Regenwald sicherte meinen Vorfahren Leben und Überleben in der harschen Natur“, erzählt die Guide von Aboriginal Ingan Tours. Und schlägt dabei wieder und wieder mit ihrer Machete auf Baumstämme, die quer auf dem Pfad liegen. „So verjage ich Schlangen“.

30. Abenteurlicher Wildwasser-Überquerung.Unser Ziel ist der 40 Meter hohe „Echo Creek Fall“. Über Felsstufen werden die Steigungen bewältigt, beim Durchqueren der Wasserläufe von Stein zu Stein sind Mut und Geschicklichkeit gefragt. Und oben wird auch uns der Wasserfall in der ursprünglichen Natur zum magischen Ort. Caroline setzt sich abseits auf einen Felsen, schaut verloren auf das herabstürzende, tosende Wasser, versinkt augenscheinlich in die „Dreamtime“ – Traumzeit, die Vergangenes beschwört und ins Gegenwärtige bindet. Wir erahnen den engen Kontakt der Ureinwohner zur Natur.

Oft sind es nur wenige Schritte aus dem undurchdringlichen Dschungel an den Pazifik. Von Port Douglas, nördlich von Cairns, braucht das Schnellboot gut zwei Stunden in die tropische Inselwelt. Und dann Schnorcheln oder Tauchen am Great Barrier Reef, dem größten Korallenriff der Welt! Schwärme von papageienbunten Fischen, die sich anfassen lassen. Mit Algen bewachsene Riesenmuscheln, die sich majestätisch öffnen und schließen. Königsblaue Seesterne. Bei köstlichem Seafood an Bord gleiten die Gedanken zum Anfang der Reise – zum Eumundi Market…auf der Suche nach einem Bumerang

Text und Fotos: Katharina Büttel

Island: Die leidenschaftlichen Fußballer von der Vulkaninsel

Island, Lava am Myvatn, Foto C. NowakSeit der EM 2016 wissen es alle: Die Isländer können auch Fußball spielen. Als Außenseiter ins Turnier gegangen, stehen sie nach dem sensationellen Sieg gegen England im Viertelfinale.

„Komm und träume mit uns von einer Insel, einer Welt mit Wasser im Überfluss, mit natürlichen Ressourcen, die sich ständig erneuern, mit sauberer Energie und unberührter Natur, wo der Mensch in Harmonie mit der Umwelt lebt. Komm und träume mit uns von einer Insel an der Grenze der bewohnbaren Welt, vom Golfstrom umarmt, von Thermalwasser erwärmt und von Vulkanen beheizt. Komm und träume mit uns von einer Insel der Neuzeit, mit modernster Technologie und althergebrachten Traditionen, einer Insel mitten zwischen der Alten und der Neuen Welt. Komm und träume mit uns von Island, wo Träume wahr werden.“ Es ist zwar schon einige Jahre her, dass Island mit dieser Liebeserklärung auf der EXPO 2000 in Hannover für sich warb, doch auch heute könnte man den Charme der abgeschiedenen Insel im Atlantik kaum besser beschreiben.

Die Republik Island (isländisch: Lýðveldið Ísland) liegt im Nordatlantik nur wenig unterhalb des Polarkreises zwischen 63 und 66 Grad nördlicher Breite sowie 13 und 24 Grad westlicher Länge. Island ist Europas westlichstes Land, nur knapp 300 km von Grönland entfernt, bis zu den Faröer-Inseln sind es rund 400 Kilometer, nach Schottland rund 800 Kilometer und nach Norwegen rund 1000 Kilometer. Mit einer Fläche von 103.000 Quadratkilometern, dies entspricht in etwa der Größe der ostdeutschen Bundesländer, ist Island nach Großbritannien die zweitgrößte Insel Europas. Außerdem gilt sie als größte Vulkaninsel der Welt.

Eine Landschaft der Extreme

Große Teile sind von Wüsten, Vulkanen und Gletschern geprägt und wirken gleichermaßen faszinierend wie unwirtlich. Rund zwölf Prozent der Landesfläche sind von Gletschern bedeckt; mit dem Vatnajökull besitzt Island den größten Gletscher Europas. Insgesamt sind rund zwei Drittel der Insel Ödland, nur rund ein Viertel ist von meist karger Vegetation bedeckt, landwirtschaftlich nutzbar sind sogar nur zwei Prozent. So ist es nicht verwunderlich, dass Island mit gut 300.000 Einwohnern äußerst dünn besiedelt ist. Die Bevölkerungsdichte verteilt sich innerhalb des Landes sehr unterschiedlich: Rund ein Drittel der Isländer lebt im Großraum Reykjavik, der Rest in der Nähe der Küste, das Landesinnere ist vollkommen menschenleer. Die höchsten Berge erreichen rund 2000 Meter (Hvannadalshnjúkur 2119 Meter, Bárðarbunga 2000 Meter); die größten Seen sind Þórisvatn (83 Quadratkilometer) und Þingvallavatn (82 Quadratkilometer); der höchste Wasserfall (190 Meter) ist der Glymur im Botnsá, doch viel beeindruckender ist der nur 44 Meter hohe Dettifoss, der als wasserreichster Fall Europas gilt.

Island, Pingvellir Nationalpark, Allmännerschlucht, Foto C. NowakText und Fotos: Christian Nowak

 

Christian Nowak: Merian Momente Island

Deutschland: Der Skulpturenpark in Katzow

 

Das Dorf Katzow liegt in Mecklenburg-Vorpommern zwischen Greifswald und Wolgast. Hier stellt der Berliner Bildhauer Thomas Radeloff 1991 auf einer Wiese die ersten drei Skulpturen auf. Ein Jahr später lädet er vier Künstler zum Ersten Internationalen Bildhauerworkshop ein und ein weiteres Jahr später wird der gemeinnützige Verein „Skulpturenpark Katzow“ gegründet. 1997 schließlich wird die Kunstscheune fertig, in der bis 2012 mehr als 130 Ausstellungen veranstaltet werden, bis das Projekt aus Geldmangel eingestellt werden muss. Doch der Skulpturenpark wächst weiter – mittlerweile stehen auf dem über 20 Hektar großen Gelände mehr als 100 Skulpturen von fast 100 Künstlern aus 23 Ländern.

Weitere Infos:
www.skulpturenpark-katzow.eu

Island: Extreme Landschaften am Polarkreis

Inside the Vulcano

Abstieg in die Magmakammer

Reykjavík, die nördlichste Hauptstadt der Welt, ist nur zwei bis drei Flugstunden von Deutschland entfernt und lässt sich bequem an einem verlängerten Wochenende erkunden. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann spektakuläre Ausflüge in die Umgebung machen: In eine ausgebrannte Magmakammer einfahren, zwischen den Kontinenten abtauchen oder dampfende Solfatarenfelder erkunden.

Jules Vernes Helden begannen ihre „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ am isländischen Vulkan Snæfellsjökull. Alles nur Science Fiction? Nicht mehr, denn mittlerweile können sogar Touristen das Innere eines Vulkans erleben. Zwar nicht bis zum Mittelpunkt der Erde, aber immerhin bis in eine Tiefe von 120 m, was auch schon ziemlich beeindruckend ist.

Inside the Vulcano nennt sich das kleine Abenteuer und beginnt mitten in Reykjavík. Mit dem Kleinbus geht es in rund einer Dreiviertelstunde ins Bláfjöll, in die Blauen Berge, südöstlich der Hauptstadt. Bis zum Vulkan Þríhnúkagígur, ein Name, der für nichtisländische Zungen kaum auszusprechen ist und soviel wie Dreigipfelkrater bedeutet, sind es dann noch knapp eine Stunde Fußmarsch – hauptsächlich über mit Moos bedeckte Lavafelder.

Inside the Vulcano, Foto C. Nowak (3)

Farbiges Gestein im Innern dr Magmakammer

Zum Schluss geht es noch einige Meter steil bergauf, dann steht man am Kraterrand. Über den ist eine Art Leiter gelegt ist, an der ein Korb hängt, so wie ihn Fensterputzer an Hochhäusern verwenden. Fünf Touristen und der Guide passen in den Korb, den man über eine schwankende Leiterkonstruktion erreicht. An Stahlseilen schwebt der Korb dann mit den staunenden Touristen und einem mulmigen Gefühl in die Tiefe. Anfangs ist die Öffnung so eng, dass der Korb immer wieder an den Wänden anstößt und mit den Händen in die richtige Richtung dirigiert werden muss. Doch dann weitet sich die Öffnung zu einer riesigen, schwach beleuchteten Halle und frei schwebend geht es 120 m in die Tiefe. So sieht also ein Vulkanschlot von innen aus, durch den irgendwann mal glühend heißes, flüssiges Gestein an die Oberfläche geschleudert worden ist. Sechs oder sieben Minuten dauert der Schwebezustand, bis die allerdings wie im Fluge vergehen, denn das Innere des Vulkanschlots leuchtet in allen Farben. Das geschmolzene und in bizarren Formen wiedererstarrte Gestein ist mal gelb, dann violett oder sogar leuchtend rot. Das Loch durch das der Korb sich hindurchgezwängt hat, ist bald nur noch ein winzig kleiner Lichtpunkt in weiter Ferne zu erkennen, es ist wirklich ein Abstieg ins Erdinnere. Rund eine Dreiviertelstunde können Besucher am Grund der vor 4000 Jahren ausgebrannten Magmakammer bleiben und sich in der Magmakammer umschauen, bevor sie wieder in den Korb einsteigen müssen und wieder ans Tageslicht gebracht werden.

Schnorcheln zwischen den Kontinenten

Im Þingvellir-Nationalpark kann man nicht nur wandern sondern auch in eiskaltem Gletscherwasser Schnorcheln. Das Wasser ist kristallklar und die Sicht beträgt mehr als 100 Meter, was weltweit einmalig ist.

Für diese unglaubliche Unterwassersicht gibt es zwei Gründe: Das Wasser hat das ganze Jahr über eine Temperatur um 2° C und es ist das Schmelzwasser des rund 50 km entfernten Langjökull, das jahrelang durch das Lavagestein geflossen ist und dabei gefiltert wurde. Die Silfra-Spalte, die in den Þinvallavatn mündet, ist durch das Auseinanderdriften der Nordamerikanischen und Eurasischen Platte entstanden. Jedes Jahr wird die Spalte rund sieben Millimeter breiter.

Bevor man allerdings ans Schnorcheln denken kann, muss man sich erstmal warm anziehen: eine mühselige Prozedur! Lange Unterwäsche, warme Socken, dann erst zwängt man sich in den Dry Suit. Jetzt nur noch Handschuhe, Mütze, Taucherbrille, Schnorchel und Flossen, dann kann es endlich losgehen. Das Wasser ist wirklich eiskalt, man merkt es sofort im Gesicht und nach einer Weile werden auch Hände und Füße kalt. Aber es lohnt sich, vor allem wenn die Sonne scheint. Denn dann fluoreszieren die fadenförmigen Algen an den Felsen in einem unwirklichen Grün. Durch das unglaublich klare Wasser verliert man jegliches Gefühl für die Tiefe. Am Ende der Spalte lässt man sich dann noch eine Weile durch die flache Silfra-Lagune treiben, bevor es wieder an Land geht, wo Kekse und heißer Kakao warten.

Pingvellir Nationalpark, Allmännerschlucht

Pingvellir Nationalpark, Allmännerschlucht

Unterwegs auf der Rauchhalbinsel

Die Halbinsel Reykjanes bildet den südwestlichen Zipfel Islands. Hier begann mit der Landnahme von Ingólfur Arnason die Besiedlung der Insel, doch für Ackerbau und Viehzucht war die Gegend nicht besonders geeignet, denn es ist eine der unruhigsten Gegenden Islands.

Schon beim Anflug auf den internationalen Flughafen Keflavík sind die meist kahlen und trostlosen Lavaflächen auszumachen. An einigen Stellen steigt Rauch auf, weshalb der Name der Halbinsel mit „Rauchspitze“ oder „Rauchhalbinsel“ durchaus passend gewählt wurde. Auch die größte Attraktion Islands, die Blaue Lagune, ein Thermalbad mit herrlich warmem, milchig-blauem Wasser inmitten einer bizarren Vulkanlandschaft, ist ein Produkt der im Untergrund brodelnden Hitze.

Reykjanes, Geothermalgebiet Gunuhver

Reykjanes, Geothermalgebiet Gunuhver

Weit weniger bekannt und lange nicht so überlaufen wie die Blaue Lagune ist das Hochtemperaturgebiet am Kap Reykjanes. Der Leuchtturm weist nicht nur den Schiffen den Weg, auch von Land aus ist er weithin sichtbar und posiert auf einem Vulkanhügel als perfektes Fotomotiv. Im Hintergrund dampft das Geothermalgebiet Gunnuhver. Vom Küstenplateau, das von bizarr erodierten Felsen eingerahmt wird, ist der Vogelfelsen Eldey im Meer zu sehen. Hier lebten die letzten Riesenalke bevor sie 1844 ausgestorben sind. Eine Skulptur erinnert an die imposanten Vögel, ein ausgestopftes Exemplar befindet sich im Institut für Naturgeschichte in Reykjavík.

Reykjanes, Riesenalk

Reykjanes, Riesenalk

Nach einem Spaziergang erreicht man das Geothermalgebiet Gunnuhver, das erst in den 1960er-Jahren durch ein Erdbeben entstandenen ist. Erst seit Kurzem gibt es sichere Holzbohlenwege, von denen aus man sich die blubbernden Schlammtöpfe und die bunten Schwefelfelder anschauen kann.

Text und Fotos: Christian Nowak

 

Mehr über Island haben wir hier:
www.weltreisejournal.de/2014/01/02/island-rauchschwaden-am-muckensee

Und hier:
www.weltreisejournal.de/2013/08/13/island-schlammtopfe-und-solfataren

 

Frankreich: Korsikas Höhepunkte

Calvi

Auf Korsika gibt es Blutrache, die Siesta, politische Intrigen, den aromatischen Käse Casjiu Merzzu, wilde Schweine, Esskastanien und alterslose Greise, die einfach nur zuschauen, wie die Zeit vergeht. Den Korsen sagt man nach, sie seien Individualisten von überschäumendem Temperament, doch gleichzeitig beherrscht und gelassen in ihrem Gehabe, gastfreundlich, ihren Freunden treu, heimatverbunden, redegewandt und mutig – aber auch leicht beleidigt. Das ist die Quintessenz des Kultcomic „Asterix auf Korsika“. Recht hat der kleine Gallier, denn treffender kann man die Ile de Beauté, die Insel der Schönheit, wie die Franzosen Korsika nennen, kaum beschreiben.

Italienisches Flair im Norden

Bastia gibt sich geschäftig. Vor allem auf der Place Saint-Nicolas und am alten Hafen. Die weite Place Saint-Nicolas verströmt südländisches Flair, wirkt aber nicht unbedingt typisch korsisch, man wähnt sich eher in Italien. Hier trifft man sich zum Flanieren, zu einem Aperitif im Café, am Wochenende zum Flohmarktbesuch oder zu einem der Konzerte im Pavillon. Natürlich kommen auch die Boulespieler hierher und werfen mit stoischer Ruhe ihre Kugeln. Wer lieber einen Schaufensterbummel machen möchte, kein Problem, denn die Shoppingmeilen, der Boulevard Paoli und die Rue César Campinchi sind nur wenige Schritte entfernt.

BastiaZwei winzige Leuchttürme rahmen den alten Hafen mit seinen Jachten und Fischerbooten ein. Die hoch aufragenden Häuser der Altstadt Terra Veccia erinnern mit ihren bunten Fensterläden an ein ärmliches Dorf in Ligurien, im Hintergrund sind die Ausläufer des Pinto-Massivs zu erkennen. Überragt werden die Häuserschluchten von der Fassade der Barockkirche Saint-Jean Baptiste, dem Wahrzeichen Bastias. Hier lag einst die Keimzelle der Stadt.

Im alten Hafen reiht sich ein Restaurant ans andere, sie locken mit exklusiven Meeresfrüchteplatten, aber auch günstigen Touristenmenüs. Ein Drei-Gänge-Menü muss es aber schon sein, man ist schließlich in Frankreich. Zum Auftakt trinkt man statt des französischen Pastis lieber den korsischen Traditionsapéritif Cap Corse, den Myrtenlikör Murtellina oder den Kastanienlikör Castagnja. Als Vorspeise steht fast immer die Charcuterie Corse, eine Auswahl deftiger Wurst- und Schinkensorten auf der Speisekarte. Alternativ kommen eine kräftige Leberpastete oder eine Suppa Corsa infrage. Zum Hauptgericht sind Wildschwein, Lamm oder Zicklein immer eine gute Wahl. Als Nachspeise beliebt sind würziger Schaf- und Ziegenkäse. Der König der korsischen Käse ist der Brocciu, der vorzüglich mit Feigenmarmelade mundet. Als Alternative bieten sich Fiadone, die korsische Vairante des Käsekuchens oder die Torta Castagnina, ein süßer Kuchen aus Kastanienmehl an. Im alten Hafen bleibt jeder gerne länger sitzen, genießt die in warmes Licht getauchte Kulisse und lässt den Abend bei einer Flasche Wein oder einem Cocktail ausklingen.

Von L’Île Rousse nach Calvi

In Saint-Florent und L’Île Rousse, westlich von Bastia, geht es im Sommer fast wie in Saint Tropez zu. Im Hafen von Saint-Florent liegen Segelboote und Jachten dicht an dicht, auf der Promenade flanieren die Reichen, in den Clubs und Bars lässt man sich den Champagner munden. Die Altstadt von L’Île Rousse ist ebenso voll wie der Stadtstrand, wer viel Trubel mag, ist hier genau richtig.

Zwischen den beiden Städten ist nur Wüste – der Désert des Agrigates. Noch vor 100Calvi Jahren breitete sich hier fruchtbares Land aus, heute gibt es nur noch kahle Felsen und undurchdringliche Macchia. Doch an der Küste liegt ein Traumstrand am anderen, unvergesslich ist der Anblick der Plage de Saleccia mit seinem schneeweißen Sandstrand und dem azurblauen, glasklaren Wasser. Wer Robinson spielen will, kommt mit dem Boot, nimmt eine der Allradpisten oder bricht zu Fuß auf dem Küstenweg in die Einsamkeit auf.

Die Suche nach einem Traumstrand geht aber auch bequemer, denn im Sommer fährt die Tramway de Balagne mehrmals täglich auf der Strecke von L’Île Rousse nach Calvi. Ohne Eile ruckelt die Schmalspurbahn durch eine wunderschöne Landschaft, tutet vor jeder Kurve und hält unterwegs an rund einem Dutzend Strände.

Weithin sichtbar thront die mächtige Zitadelle von Calvi auf einem ins Meer ragenden Felsen, sie gilt als eines der imposantesten Bauwerke aus der Genuesenzeit. Zu ihren Füßen liegt der Jachthafen, in dem es ähnlich mondän wie an der Côte d’Azur zugeht. In den Bars und Restaurants trifft man sich nach einem Tag am Strand und lässt den Tag ausklingen.

Fruchtbare Hügel und kariöse Felsen

IMG_5184_DxO-klein-Les CalanchesNur wenige machen einen Abstecher ins Hinterland, in die fruchtbaren Hügel der Balagne, die bis zu den Gebirgsmassiven Zentralkorsikas reichen. Dank der guten Böden gedeihen im Garten Korsikas Zitrusfrüchte, Oliven und Vermentinu-Trauben der Spitzenklasse. Uralte Dörfer wie Sant’ Antonio, mit windschiefen Häusern aus Natursteinen, thronen wie Adlerhorste auf Bergrippen. Früher war es für die Bewohner wichtig, seeräuberische Sarazenen rechtzeitig auszumachen und sich in ihrer uneinnehmbaren Festung zu verbarrikadieren. Heute genießen Besucher den Rundumblick von der Küste bis zu den Bergen des Monte Grosso.

Zwischen Porto und Piana wird es spektakulär. An diesem Küstenabschnitt wird nicht gebadet sondern gestaunt. In unzähligen Kurven schlängelt sich die Straße durch die eigentümliche Felslandschaft der Calanche de Piana. Es ist die Steilküste der zerfressenen Felsen, ein Gebirge der kariösen Steine. Je nach Tageszeit erscheinen die Felsen Rot, Rosa oder Braun. Nur wenig Fantasie ist nötig, um allerlei Gesichter und Figuren, wie zusammen gekrümmte Löwen oder gehörnte Teufelsköpfe, in ihnen zu erkennen.

Auf Napoleons Spuren

Ajaccio, die größte Stadt Korsikas, verehrt noch heute Nepoleon Bonaparte. Sein AjaccioGeburtshaus, die Casa Buonaparte, ist heute Museum, im Rathaus wird seine Totenmaske ausgestellt, auf der Place de Gaulle zeigt er sich mit seinen vier Brüdern als römischer Imperator, auf der Place Maréchal Foch gibt er den Ersten Konsul, mit Löwen zu seinen Füßen. Höhepunkt des Napoleonkults ist die Place d’Austerlitz, die Heldentaten vor ihm in Stein gemeißelt, wacht er am Ende einer Triumphtreppe auf einem Sockel mit strengem Blick und Dreispitz über seine Geburtsstadt.

Aber auch wer mit Napoleon nichts am Hut hat, sollte sich für Ajaccio Zeit nehmen. Wegen Korsikas größter Kunstsammlung im Musée Fesch, dem bunten Markt auf dem Square Campinchi, der Einkaufsstraßen Cours Napoléon und Rue du Cardinal Fesch und dem mediterranen Treiben auf den mit Palmen und Platanen bestandenen Plätzen der Stadt.

Sandstrände und traumhaft schöne Buchten

An der Ostküste wartet das Kontrastprogramm. Von der Alsani-Mündung über Aléria bis nach Solenzara erstreckt sich die Plaine Orientale. Hier beginnen die Berge erst einige IMG_6298_DxO-klein-PinarelloKilometer hinter der fruchtbaren Schwemmlandebene des Tavignano und lassen Platz für Weinstöcke, Obstbäume, Weiden und Wiesen. Die gesamte Ostküste ist die Badewanne Korsikas, denn ein Sandstrand reiht sich an den anderen. Jeder Küstenabschnitt schmückt sich mit einem klangvollen Namen: Im Norden liegt die Costa Verde, die grüne Küste, um Aléria die Costa Serena, die heitere Küste, daran schließt sich die Côte des Nacres, die Perlmutt-Küste, an. Hinter dem Strand bleibt noch Platz für Dutzende Villages de Vacances, Campingplätze, Feriendörfer, Bungalowanlagen, FKK-Zentren und private Ferienhäuser.

Im Gegensatz zur Ostküste mit ihren rund 80 Kilometer langen Sandstränden ist die Südküste stärker gegliedert. Kleine Buchten werden immer wieder von vorspringenden, felsigen Landzungen unterbrochen. Jede dieser Buchten besitzt ihren ganz eigenen Charme. Doch überall gibt es glasklares, türkisfarbiges Wasser und einen feinkörnigen Strand, der von Felsen, Dünen und Pinienwäldern eingerahmt wird. Fotogen sind sie alle, die Buchten von Rondinara und Pinarellu, traumhaft auch die Plage de Santa Giulia und die Plage de Palombaggia südlich von Porto Veccio.

Bonifacio, die schönste Stadt Korsikas, thront im Süden der Insel auf einem hohenBonifacio Kreidefelsen. Die exponierte, früher strategisch ungemein wichtige Lage am Südzipfel Korsikas weckte über Jahrhunderte Begehrlichkeiten und machte Bonifacio immer wieder zum Zankapfel zwischen Pisa, Genua und Frankreich. Die scheinbar uneinnehmbare Zitadelle am höchsten Punkt mit ihren abweisenden Mauern hat die unruhigen Zeiten bis heute überdauert. Die Zukunft einiger Häuser scheint dagegen fraglich, denn sie stehen so dicht an der Kante der von Wind und Wellen zerfressenen Steilküste, dass ihr Absturz nur eine Frage der Zeit scheint. Im Winter ist Bonifacio fast menschenleer, doch ab Juni kommt wieder Leben in die schöne Kulisse, öffnen Restaurants und Souvenirläden und bald darauf füllen sich die Straßen wieder mit Touristen.

Christian Nowak