Picus Lesereisen: Inseln des Nordens

Cover Inseln des NordensDas sind Inselträume: Gletscher, die Eisberge ins Meer schicken, Berge, die aus dem Inland-Eis ragen, Pferde mit Mähnen, die im Wind wehen, die Farben des Nordlichts und des Packeises. Jedenfalls dann, wenn die Inseln im hohen Norden liegen und Spitzbergen oder Lofoten, Island, Färöer oder Grönland heißen. Auf den arktischen Inseln erfüllten sich Barbara Schaefer und Rasso Knoller ihre eigenen Träume und befragten die Einheimischen, wie sie leben und wovon sie träumen.
Barbara Schaefer begab sich auf die Spuren starker Frauen in hohen Breiten. So fuhr sie etwa in Grönland mit Hundeschlitten hinaus und ließ sich von Schamanen von früher erzählen. In Spitzbergen hörte sie sich Eisbären-Geschichten an, in Island schleppte sie einen Heißluftballon in einen erloschenen Krater, töltete durch Dauerregen und ließ sich Sagen erzählen.
Rasso Knoller bewunderte zusammen mit einem Maler auf den Lofoten die Farben des Nordlichts, war mit Walfängern unterwegs, besuchte den legendären Torwart der Färöer, der 1990 seinem Land den Sieg gegen Österreich sicherte, und geriet ins Schwärmen, als die beliebteste Sängerin der Inseln ihm ihre schönsten Lieder vorsang.

Pressestimmen

 

»In kurzen Reportagen fangen die Autoren den Reiz des Nordens ein. Eindringlich schildern sie die Schönheit der Landschaften und laden dazu ein, diese Inseln selbst einmal zu besuchen; vielleicht vergisst ja der eine oder andere auch, nach Hause zu fahren.« –Augsburger Allgemeine, 9. Februar 2010»Die Frage danach, was Menschen – insbesondere Frauen – eigentlich hinauszieht ins eisige, lebensfeindliche Weiß der Arktis, beantwortet die bekannte Reisejournalistin Barbara Schaefer zu Beginn des Buches auf fulminante, amüsante und anschauliche Weise mittels eigener Erlebnisse auf Grönland und durch Bezüge zu anderen ›Eisfrauen‹. Nicht nur als Leserin fängt man sofort Feuer und legt das Buch nicht mehr aus der Hand, bis man es verschlungen hat.« –Panorama, 1. Dezember 2009

 

»Die kurzen Geschichten ziehen den Leser in ihren Bann. Und auch nachdem man das Buch geschlossen hat, lassen einen die Eindrücke, die im Norden erlebt werden wollen, nicht mehr los. Sie warten geduldig, wie die stillen blau-weiß glitzernden Kathedralen des Meeres… « –Nordis, 2. November 2009

 

»Dafür weckt das Buch umso mehr die Reiselust, man entwickelt ein Gefühl dafür, was die Reize dieser rauen Gegend wirklich ausmacht.« –ReiseJournal, 15. August 2009

 

 

 

 

 

 

Kanada: Ottawa – die grüne Hauptstadt unterm Ahornblatt

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Mit ihren vielen Parks und dem Ottawa River ist die kanadische Hauptstadt die perfekte Spielwiese für Outdoorfans. Museen der internationalen Spitzenklasse locken Kunstliebhaber an.

Es wird überall gejoggt und geradelt in der Stadt. Dem ersten Eindruck nach ist Ottawa nicht nur die kanadische Hauptstadt, sondern auch die Welthauptstadt des Sports.
Am Mittwochvormittag strecken und recken zwei- bis dreihundert Menschen auf ihren Matten liegend auf der Wiese vor dem Parlament ihre Arme und Beine dem kanadischen Himmel entgegen, schwingen sich zur Kerze auf und gehen in den Hund. Dann ist die Zeit für öffentliches Yoga.

© Rasso Knoller

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Gäste der Stadt breiten vor dem Parlament nur selten ihre Yogamatte aus. Sie holen sich ihre Fitness beim Aufstieg zum 92 Meter hohen Turm des Parlaments, dem Peace Tower. Er war nach dem Ersten Weltkrieg in Gedenken an die dort gefallenen 65.000 kanadischen Soldaten errichtet worden. Wer will, kann im Anschluss an die Turmbesteigung an einer kostenlosen Führung durch die Räume des Parlaments teilnehmen. Kanadische Geschichte zum Anfassen sozusagen. Besonders stolz ist man in Ottawa auf die Parlamentsbibliothek, die in den 1860er Jahren im neogotischen Stil erbaut wurde.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Sportfans haben in und um Ottawa unzählige Möglichkeiten. Die Natur hat hier ihren Kampf gegen die Zivilisation noch lange nicht aufgegeben – große Parks ziehen sich durchs Stadtzentrum und über den Ottawa River kann man bis nach Montreal und Toronto paddeln. Zu Zeiten der ersten Siedler war der Fluss die wichtigste Verkehrsader im Osten Kanadas. Heute ist der Ottawa River Spielwiese für Wassersportler aller Art. Im Winter ist Eishockey die unangefochtene Nummer Eins unter allen Sportarten. Wer nicht selbst die Kufen schnüren will, sollte zumindest ein Spiel der Ottawa Senators besuchen. Wenn die Profis gegen ihre Gegner aus der NHL spielen, ist das 18.000 Zuschauer fassende Canadian Tire Centre meist ausverkauft. Schade nur, dass die Puckjäger aus Ottawa bisher noch kein einziges Mal den Stanley Cup, die gemeinsame Meisterschaft der kanadischen und amerikanischen Eishockeyteams, gewinnen konnten.

Hauptstadt der kurzen Wege
Ottawa zählt knapp 900.000 Einwohner. Trotzdem kann man fast jede Sehenswürdigkeit fußläufig erreichen. Das Canadian Museum of History, das, wie der Name nahelegt, einen Streifzug durch die Geschichte Kanadas anbietet, ist die meistbesuchte Ausstellung des Landes. Besonders aufwendig gestaltet ist die Abteilung, die sich mit dem Leben der Ureinwohner beschäftigt. Beliebtes Fotomotiv sind die riesigen Totempfähle, die, wie der Guide bei seiner Führung durch das Museum betont, nie „zum Martern“ verwendet, sondern zu Ehren eines bedeutenden Häuptlings oder Kriegers errichtet wurden. Ein bisschen waren sie auch zum Angeben da – denn einen Totempfahl weihte man mit einem riesigen, mehrtägigen Fest ein, zu dem man alle Stämme der Gegend einlud. Wer den schönsten Pfahl hatte und das aufwändigste fest feiern ließ, genoss ein besonderes Ansehen.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Noch mehr über das Leben der kanadischen Indianer erfährt man im Freilichtmuseum „Aboriginal Experiences“ am Rande der Innenstadt. Stephanie Sarazin vom Stamm der Pikwakanagan führt in einem purpurnen Stammeskleid und mit reich geschmückter traditioneller Perlenkette durch das Freilichtmuseum. In launigen Worten und immer lachend erzählt die junge Frau von der Geschichte der Indianer. Wenn sie von der Situation der Ureinwohner im heutigen Kanada erzählt, scheint sich ihre Stimme plötzlich vor Aufregung zu überschlagen. Dann sagt sie auch Sätze wie: „Ja, wir werden hier immer noch benachteiligt, aber damit muss ich lernen zu leben.“ Sie atmet tief durch und erzählt, wie die Regierung die Indianer denselben Jagdbeschränkungen unterwirft wie Hobbyjäger und somit vielen Stämmen die Lebensgrundlage entzieht.
Fast symbolisch ist es da, dass man vom Museum der Ureinwohner den besten Blick der Stadt auf das Parlament hat.

Restaurants in Byward Market

© Rasso Knoller

Ein Schloss am Rande des Zentrums
In der National Gallery werden die Werke der Großen der kanadischen Kunst ausgestellt – Namen wie Tom Thomson, Emily Carr und Alex Colville sind in Europa vermutlich nur wenigen Kunstkennern bekannt. Aber wer nach hierzulande berühmten Namen wie van Gogh, Cézanne oder Picasso sucht, wird ebenfalls fündig. Um die Sammlung mit europäischer Kunst dürfte so manches Museum auf dem alten Kontinent die Kanadier beneiden.
Allein schon das Museumsgebäude ist ein Hingucker. Erbaut von dem kanadisch-israelischen Architekten Moshe Safdie, der sich vor allem durch die Sanierung der Altstadt von Jerusalem international einen Namen gemacht hat, besticht das aus Glas und Granit erbaute Bauwerk durch seine klaren Linien.
Unmittelbar ans Zentrum schließt sich Byward Market an. Kleine Läden, Cafés und Restaurants prägen das Bild dieses Stadtteiles, der besonders bei Touristen beliebt ist. Wer Spitzenküche sucht und sein Steak mit einem hervorragenden kanadischen Rotwein hinunterspülen will, schaut im Play in der York Street vorbei. Die freundliche und kompetente Bedienung gehört in dem Restaurant zwar zum Konzept, doch liegt „Dauer-gute-Laune“ Kanadiern ohnehin im Blut. Muffigen Service gibt es nirgends.
Wie breit in Byward Market das Spektrum des gastronomischen Angebots ist, zeigt sich nur eine paar Schritte weiter die Straße hinunter. In „The Dominion Tavern“ legt man auf feine Tischsitten nur wenig Wert, Bier ist das meist bestellte Getränk und statt „Elchsteak medium rare“ isst man hier fettige Hamburger.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Sogar ein Schloss haben die Kanadier zu bieten. Allerdings war das Chateau Laurier niemals eine echte Adelsbehausung gewesen, sondern von Anfang an ein Nobelhotel – eröffnet 1912. Auch im Chateau hat man zum Thema Kunst einiges zu bieten; eine Dauerausstellung mit Fotos des weltberühmten Portraitfotografen Yousuf Karsh, der 18 Jahre lang in dem Hotel gewohnt hatte.

Text und Fotos: Rasso Knoller

 

Österreich: Ein bisschen höllisch darf’s schon sein

K1024_Salzburger Bergadvent_140_Krampus_(c) TVB GrossarltalDass der Nikolaus am 6. Dezember zu den braven Kindern kommt, weiß jeder. Dass es aber jährlich auch am 5. Dezember ein Spektakel für die bösen Erwachsenen gibt, ist nur in österreichischen Alpentälern wohl bekannt. In Groß Arl, im Salzburger Land, geht es ziemlich schaurig zu. Die Krampusse, ursprünglich Höllengenossen, halten an diesem Tag nicht hinterm Berg. Wer ihnen vor die Ruten kommt, muss mitleidlos leiden.

Womöglich ein geeigneter „Betriebsausflug“ für Investmentbanker, Immobilienhaie und sonstige Wuchergesellen, um sich einen kleinen Vorgeschmack für das höllische Jenseits im jungfräulichen Schnee zu gönnen. Der Nikolaus, der gute Mann, so will es der Brauch, soll dem Krampus mit Zuruf Einhalt gebieten. In Groß Arl war dies 2019 nicht möglich. Die Kerle traten in Passen auf, also in Gruppen, deren Masken auf einen Verwandtschaftsgrad hinweisen, und sind in ihrer Übergriffigkeit nicht zu stoppen. 140 Höllenbrüder trieben bei ihrem letzten Inferno die Marktstraße rauf und runter. Selbst mit einem Megaphon hätte der Nikolaus keine Milde einfordern können. Schöne, blutjunge, blonde Mädchen sind die bevorzugten Opfer. Die Einheimischen allerdings kennen seit Kindheit die Gefahren und rüsten sich mit dreifach dicken Hosen Und wenn es sein soll mit Knieschützern.
Das Krampuslaufen hat Tradition
In Groß Arl, wo man in allem, was den Tourismus toppt, ganz vorne steht, hat die Maskenschnitzerei Hochkonjunktur. Ein Business mit Qualitätsanspruch. Und alles ist Natur – die ausgehöhlten Hölzer, der Ruß für die Schwärze, das Tierblut für das rot der heraushängenden Zunge und Kalk für das weiß der verdrehten Augen.
Meine Kindheits-Krampus-Erfahrungen aus Oberösterreich sind längst  Schnee von gestern. Der alte Pelzmantel von Oma, die irgendwo gefundene Eisenkette um den Bauch, die Maske aus Pappmasche, die bis in den Fasching hinein neben den Clown-Nasen im Papierwarenladen hingen, würden heute schon Vierjährige belächeln.
Das Krampus-Brauchtum im Salzburgerischen hat nicht nur Tradition. Es wird sogar schon in Juniorengruppen, so ab dem zehnten Lebensjahr, eingeübt. Da muss Oma schon kräftig spenden. Die Ausrüstung für Kinder kostet für die Maskerade um die tausend Euro. Die Erwachsenen müssen erheblich mehr berappen. Für 1000 Euro gibt es nur eine Maske mittlerer Grausamkeit! Vom Ganzkörperfell ganz zu schweigen.
Die Brutalität muss überzeugend sein. Wen der Kramperl am Kragen packt, der spürt Sekunden später den Schleudereffekt und gleich darauf die Rute in den Kniekehlen. Flehen nutzt nichts, der große Bruder auch nicht. Am besten ist das Spektakel von einem sichern Hotelfenster ab dem 2. Stock zu betrachten.
Oder man wartet, bis der Krampus sich kaputt gelaufen hat, nur mehr nach Bier dürstet und sich seine fette Schweinestelze vom Grill sichern will. Friedlich sitzen sie dann, die Maske unterm linken Arm, in der rechten Hand den Knochen der Stelze fest im Griff, an langen Tafeln in der Marktstraße, den gefüllten Bierkrug als aggressionsloses Zeichen vor sich. Von der Stirn tropft ihnen der Schweiß, vom Kinn das Fett, und als wäre nichts gewesen plaudern sie fern jeder Gehässigkeit. Über was ? Ich glaube über Fußballergebnisse.

K1024_Salzburger Bergadvent_128_Krampus_Nikolaus_40_(c) TVB Grossarltal
Am nächsten Morgen wird alles wieder himmlisch
Schnee, so viel die Kanone gibt. Pulvrig unberührte Pisten erfreuen gerade mal eine Handvoll Skifahrer. Besonders Wochentags. Eine Idylle, wie sie nur im Prospekt vorkommt. Und bezahlbar. Mit verlockenden Rabatten.
Wenn es dann dämmrig wird, vielleicht noch echter Schnee rieselt, der Glühwein wärmt und die Waldhorn-Bläser Weihnachtsmelodien spielen, werden selbst die ruppigen Herzen der Krampusse von gestern verzaubert. Durch die kleinen Gassen wuseln frierende „Engerl“. Könnte  sein, dass sie aus dem nur ein paar Kilometer entfernten Waggrein zugeflogen sind. Aus Waggrein, aber das weiß ja jeder, stammt das Lied von der „Stillen Nacht“.
Der Weihnachtsmarkt mit gerade mal einem Dutzend Ständen mit Handarbeiten, Glühwein und Christbaumschmuck, darf mit keinem städtischen Weihnachtmarkt verglichen werden. Es ist wirklich still, rechts das Museum, links ein kleiner sprudelnder Gebirgsfluss mit Eiszapfen, man sollte dies nur lieben Freunden weitersagen.

Veronika Zickendraht

Frankreich: Liebesroman und Gartenführer

K1024_Cover_DerGartenunterdemEiffelturm_ElenaEdenEin Liebesroman kann auch ein Reiseführer für Gartenfreunde sein. Das beweist Elena Eden in ihrem Erstlingswerk „Der Garten unter dem Eiffelturm“, in dem sie ihre  Leserinnen mit auf eine romantische Reise durch die Gärten von Paris und der Normandie nimmt.

Sieben Tage in Frankreich verändern Alinas Leben. Nach dem Tod ihres Liebsten fragst sie sich, ob sie sich wieder der Liebe öffnen darf. In den Gärten von Paris trifft sie gleich auf zwei Männer. Mit aller Kraft stemmt sie sich gegen ihre aufkeimenden Gefühle – bis zu einer donnernden Offenbarung. Nichts ist so, wie es scheint. Was haben Monets legendäre Seerosen mit dem Leben ihrer Großmutter zu tun? Im berühmten Garten des Malers Claude Monet in Giverny in der Normandie stößt Alina auf ein tief verborgenes Geheimnis ihrer Familiengeschichte.
Elena Eden gelingt ein Liebesroman über große Gefühle, Schuld und Vergebung, eine grenzüberschreitende deutsch-französische Liebesgeschichte. Mehr noch: Der Gartenroman taugt auch als Garten-Reiseführer für Paris und die Normandie. Im Anhang sind alle erwähnten Gärten mit Informationen und persönlichen Tipps der Autorin zum Nachreisen aufgelistet.

Indien: Ladakh – weiter Schulweg im Land der Götter

© Rasso Knoller

Abstieg nach Lingshed © Rasso Knoller

Mein Atem geht schwer, der Schweiß rinnt mir am Körper hinunter. Langsam setze ich einen Schritt vor den anderen. Kehre um Kehre schleppe ich mich den Berg hinauf. Die Höhe macht mir zu schaffen. Ein junger Mann überholt mich, mit „Tschulleh“ freundlich grüßend. Kurz hinter ihm eine Frau mit einem Kleinkind an der Hand. Auch die beiden schmettern mir ein „Tschulleh“ entgegen und marschieren dann zügig an mir vorbei. Bis ich endlich zu Atem gekommen bin und zur Antwort ansetzen kann, sind sie schon hinter der nächsten Kehre verschwunden.
Ich bin im Hochland von Ladakh unterwegs, wandere über mehrere 4000 Meter hohe Pässe hinweg nach Lingshed, einem kleinen abgelegen Dorf in mitten majestätischer Berge. Ladakh liegt in Nordindien und zählt zu den höchsten bewohnten Gebieten der Erde.
An meiner Seite wandert Christian Hlade. Er ist Geschäftsführer des österreichischen Reiseveranstalters „Weltweitwandern“, eine Art Botschafter für Ladakh und so etwas wie der gute Geist von Lingshed.

Eine Schule am Ende der Welt

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Es klingt ein bisschen wie im Märchen. Ein junger Mann aus Österreich macht sich auf den Weg in die Welt. Nach langer Reise kommt er in ein armes Dorf und wird dort mit großer Gastfreundschaft aufgenommen. Das beeindruckt ihn so sehr, dass er beschließt, den Menschen zu helfen. Und weil er Architekt ist, will er für die Kinder in dem Dorf eine Schule errichten. Geld hat er zwar keines, aber dafür umso mehr Begeisterung und Überzeugungskraft. Und so gelingt es ihm schließlich, viele Leute in seiner Heimat für sein Projekt zugewinnen.
Die Geschichte ist aber kein Märchen und hat einen realen Hauptdarsteller. Christian Hlade, der einstige Architekt, ist inzwischen Reiseunternehmer und führt seine Gäste dorthin, wo er vor mehr als 15 Jahren die Schule baute – in die kleine Ortschaft Lingshed. Selbst heute muss man noch mehr als vier Stunden über steile Pässe wandern, bevor man vom Ende der Straße aus das Dorf erreicht. Zumindest ich bin so lange unterwegs. Die Einheimischen legen die Strecke in weniger als der Hälfte der Zeit zurück. Als Hlade das erste Mal hierher kam, war er fünf Tage lang zu Fuß unterwegs. Und auch als man die Schule baute, musste das gesamte Baumaterial über Pässe und durch Täler herangeschleppt werden.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Jetzt wird eine Straße nach Lingshed gebaut. Eigentlich sollte sie schon seit Jahren fertig sein, weil der Bauunternehmer aber mit dem indischen Staat über die Bezahlung streitet, ruhen die Arbeiten nun seit geraumer Zeit. Noch endet die Straße deswegen einige Kilometer vor dem Ort. Irgendwann aber wird sie nach Lingshed führen. Schon jetzt bedeutet sie eine enorme Erleichterung für die Menschen.
Fast scheint es so, als bedauere Christian Hlade die Veränderung ein wenig. Er gibt offen zu, dass er als Veranstalter von Wanderreisen mit Einbußen rechne, wenn die Autos durch die Berge rasen und der Zanskar Treck, die bisher beliebteste Himalayaüberquerung, an der auch Lingshed liegt, seinen Ruf verliert. Denn parallel zur Straße wandert keiner gerne. Doch auch der Österreicher sieht die Vorteile für die Menschen – die Zivilisation und damit auch Ärzte, Krankenhäuser und Einkaufsmöglichkeiten rückt näher. Wie überall stellt sich aber die Frage nach Nutzen und Gefahren, die die Moderne mit sich bringt. Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft – Eigenschaften, die für die Ladakhis so typisch sind und die das Überleben in dieser unwirtlichen Region erst möglich gemacht haben – werden sie erhalten bleiben, wenn plötzlich Touristen in Massen durch das Dorf spazieren?

Mönchsspeisung im Kloster Lingshed

Mönchsspeisung im Kloster Lingshed © Rasso Knoller

Wer heute nach Lingshed reist, kann Hlades Befürchtung nur zum Teil verstehen. Denn der bisher ausgebaute Teil der Straße ähnelt immer noch sehr einem Wanderweg. Befahrbar ist er nur mit starken Nerven und einem vierradbetriebenen Fahrzeug. Touristenbusse, die das Kloster von Lingshed als Fotostopp anfahren, kann man sich momentan noch schwer vorstellen.
Dorfspaziergang als Tagesausflug
Als wir in Lingshed ankommen, wird Hlade schon von den Honoratioren und den Kindern erwartet. Die stehen am Dorfeingang Spalier für den Mann, der durch den Schulbau das Leben vieler Menschen im Dorf verändert hat.

Christian Hlade vor der Schule in Lingshed © Rasso Knoller

Christian Hlade vor der Schule in Lingshed © Rasso Knoller

Die Beliebtheit des groß gewachsenen Österreichers färbt auch etwas auf seine Begleitung ab. Auch ich werde von allen Kindern des Dorfes begrüßt und bekomme einen Katak umgehängt, einen Schal, den man in Ladakh besonders willkommenen Gästen zur Begrüßung schenkt. Seit einigen Jahren werden die Kinder in einem größeren Schulgebäude unterrichtet – indirekt hat aber Hlade auch zu dessen Bau beigetragen. Er erzählt, dass „seine Schule“ damals die indische Regierung herausgefordert habe. Die wollte sich nicht von einem irgendeinem Österreicher übertrumpfen lassen – und was jahrelang nicht möglich war, in Lingshed eine große Schule zu bauen nämlich, wurde nun innerhalb kürzester Zeit realisiert. Auch Stanzin Thinless, der junge Guide, der uns her geführt hat, drückte hier die Schulbank. Er ist ein Beispiel dafür, was Bildung bewirken kann. Der junge Mann verdient mittlerweile gutes Geld im Tourismus und kann damit seine Familie unterstützen.
Inzwischen bringt Hlade regelmäßig Reisegruppen nach Ladakh – und oft genug auch nach Lingshed. Damit sorgt er dafür, dass sich die Menschen Geld verdienen können – als Guides, Träger, Köche oder indem sie ihre Pferde und Maultiere für den Lastentransport vermieten.

Guide Stanzin Thinless © Rasso Knoller

Guide Stanzin Thinless, © Rasso Knoller

Lingshed ist ein kleines Dorf, in dem ein paar hundert Menschen leben. 60, vielleicht 70 Häuser liegen verstreut in dem Hochtal. Wer einen „Dorfspaziergang“ unternimmt, ist locker einen halben Tag unterwegs und legt dabei auf und ab sicher tausend Höhenmeter zurück. Die grün leuchtenden Felder bilden einen deutlichen Kontrast zu den kargen Bergen, steile Hänge rahmen das Dorf ein. Erhaben mag man die Landschaft nennen – Wölfe durchstreifen die Gegend, auch wenn einem Bergschrate oder Yetis auf den Bergpfaden entgegenkämen, würde das niemanden wundern.
Keine Eile für die Wiedergeburt
Lingshed liegt in einem Hochtal und bietet spektakuläre Fotomotive. Jeder Tourist kehrt von hier mit beeindruckenden Bildern nach Hause zurück. Zum Leben haben sich die Menschen von Lingshed aber eine der unwirtlichsten Gegenden unseres Planeten ausgesucht. Im Winter sinkt das Thermometer auf minus 30 Grad, im Sommer steigt es auf den gleichen Wert der Plusskala. Das schwere Leben und das Klima haben tiefe Furchen in die Gesichter der Menschen gezogen.

Auf dem Weg zur Schule. © Rasso Knoller

Auf dem Weg zur Schule. © Rasso Knoller

Und anders als man es aus den im Himalaya spielenden Bergsteigerfilmen kennt, türmen sich hier auch keine meterhohen Schneemassen auf. Lingshed liegt auf der Nordseite des Himalayahauptkamms und bis dahin schaffen es die Wolken meist nicht. Schnee oder Regen fällt fast ausschließlich auf der Südseite der Berge. Und deswegen haben die Menschen ein riesiges Problem: Wassermangel. Früher speisten die Gletscher im Frühjahr und Sommer Flüsse und Bäche. Inzwischen sind sie – Stichwort Klimawandel – fast abgeschmolzen, die meisten Wasserläufe zu Rinnsalen verkommen. Die Felder können oft nicht mehr ausreichend bewässert werden und so fällt die Ernte von Jahr zu Jahr spärlicher aus. Selbst die Gerste, das Hauptnahrungsmittel in den Hochlagen des Himalayas, wird knapp. Fleisch von Yaks, Ziegen oder Schafen gibt es ohnehin nur an hohen Feiertagen.
Dann tritt der nepalesische Schlachter des Ortes in Aktion. Er ist vor Jahren als Bauarbeiter ins Dorf gekommen und geblieben. Wenn auch die Menschen in Ladakh arm sind, so gibt es doch noch Ärmere. In der Regel heuert man Nepalis als Bauarbeiter an. Dass einer von ihnen dann als Metzger blieb, hat einen ganz praktischen Grund. Buddhisten, und das sind die Bewohner Lingsheds allesamt, dürfen zwar Fleisch essen, selbst schlachten dürfen sie aber nicht. Da war es durchaus willkommen, dass für hinduistische Nepalis dieses Tabu nicht gilt.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Der Weg von Lingshed zurück in die Hauptstadt Leh ist auch heute noch eine Zweitagesreise. Eilig hat es hier in den Tälern zwischen den Himalayagipfeln ohnehin niemand. Die Straßen sind holprig, die Berge steil und meist nur zu Fuß zu bezwingen. Die Langsamkeit aber gibt einem die Möglichkeit, viel genauer hinzusehen. Die grandiose Landschaft rast nicht vor dem Autofenster dahin, man muss sie Schritt für Schritt erobern. In den Klöstern bleibt Zeit, den Gebeten der Mönche zu lauschen oder mit ihnen in die Meditation zu versinken. Ladakh ist ein Land, das seine Bewohner und Besucher zur Langsamkeit erzieht. Hier zählen nicht Minuten und Stunden, hier geht es um Größeres – um die sich beständig wiederholende Reise aus Leben, Tod und Wiedergeburt.

Text+Fotos: Rasso Knoller

Österreich: Werfenweg – echter Schnee, ganz ohne Kanonen

 

K1024_K800_WerfenwengWerfenweng mit der Bahn zu erreichen geht „schneeflockenleicht“. Selbst aus Berlin ist der kleine Ort im Salzburger Land mit nur einmal Umsteigen zu erreichen. Vor dem Bahnhof wartet der Shuttelbus-Fahrer. Und der kennt dich schon beim Vornamen. Dieser Service ist gratis.

Wer seinen Autoschlüssel an der Tourismus-Info-Theke der freundlichen Karin in die Hand drückt, bekommt einen dicken Bonus. Die SAMO Card. Mit dieser Scheckkarte in der Hosentasche kann man zu jeder Zeit das „Gratis-Taxi-Lois“ herbeirufen. Einmal in der Woche, an einem Tag, den man selbst bestimmt, steht jedem Gast ein E-Auto für Ausflüge zur Verfügung.

 

Ab dem ersten Ankunftsmorgen…

…ticken die Uhren anders, freundlicher, langsamer, und doch mobil. In dem gerade einmal 900 Seelenort regiert ein entspanntes E-Konzept.

K1024_E-FlotteVor 20 Jahren wurde Peter Brandauer mit 28 Jahren zum Bürgermeister gewählt. Der damals jüngste und zugleich innovativste Amtsträger setzte sich hinter seinen Schreibtisch, und dachte nach. Hatte Visionen, die heute wie ein Spinnennetz mancherorts die österreichische Bergregion überzieht. „In der Ruhe liegt die Kraft“ lautete sein Motto. Und seine Gedanken gingen auf. Als er herausfand, dass das österreichische Umweltministerium einen Modellort für sanfte Mobilität suchte, konnte er die Beamten überzeugen, dass Werfenweng, die Almregion der Werfener Bauern, der ideale Ort dafür ist. 1996 war es so weit. Von da ab stand eine kleine Elektroflotte hinterm Dorfplatz für die Gäste bereit. Heute stehen 70 Prozent der gastronomischen Betriebe hinter dem sanften Ferienkonzept.

 

Die Selbstoptimierung setzt auf den liebevollen Umgang

Wer sich sanft bewegen möchte, leiht sich gratis Langlaufski, und gleitet auf einer der drei Runden um das Tal. Abgeschiedenheit-Suchende könnenden Winter-Zauber abseits der Wanderwege erleben, und – wenn sie wollen – auf ebenfalls gratis verliehene Schneeschuhe zugreifen. Auch von Waltraud geführte Wanderungen in kleinen Gruppen haben ihren Reiz. Sie Frau versteht es, eine fröhliche Atmosphäre zu verbreiten. Außerdem erklärt sie das Bergpanorama, wie es nur Einheimische können.
Wer Leistung anregend empfindet, kann sich auf Abfahrten von 1800 bis ins Tal vergnügen, sich von der lichtblauen bis zur grauschwarzen Piste ausprobieren. Und das sind immerhin über 32 Kilometer.

 

Mit Alpakas und Fackeln durch den Winterwald.

K1024_Lama und KindDer Alpaka-Vater heißt Gerhard (www.bikehike-Salzburgerland.at). Sein braunes Lama hört auf den Namen Ibor, das schwarze auf Issidor. Gerhards prächtige Laune überträgt sich schnell auf uns. Wie bei der Fackelübergabe.

Anfangs sind die Tiere etwas störrisch, die kurze geräumte Asphaltstrasse schätzen sie nicht. Erst als ihre Hufe den weichen Schnee berührten, bewegen sie sich freudig. Sie an ihrem Hinterteil zu kraulen, wie von Gerhard empfohlen, verlangt Zärtlichkeit. Die darin nicht „Geübten“ erlebten, dass der schwarze Issidor mal kurz nach hinten auskeilte. Eindeutiger als Worte es können, drückte diese Reaktion aus, dass Issidor den Entspannungsgrad der „Streichler“ für noch verbesserungswürdig hielt.

 

Auf der Alm kann man leicht lustig sein.

Werfenweng liegt auf schneesicheren 1200 Metern. Einst war es das Almgebiet der Werfen Bauern. Die Zufahrtswege hatten gerade mal Karrenbreite. Jeder kannte jeden. Für die ersten Urlauber in den dreißiger Jahren brauchte die Pferdekutsche vom Bahnhof Pfarrwerfen noch eineinhalb Stunden. Der erste Ski-Lift wurde 1956 aus zweiter Hand gekauft. Von da ab tröpfelte der Tourismus. Von Mund zu Mund verteilte sich die Werbung. Langsamkeit bemerkte man nicht, sie war die Norm. Und mit der war man glücklich.

Einen Hauch dieser Zeit spürt man im 400 Jahre alten „Hochhäusel“ am Rande des Ortes. Solange man zurückdenken kann, war es das „Wirtshaus hoch oben“. Vor fünfzehn Jahren änderte sich das Geschick. Christine Huber machte aus ihrem Heimathaus eine Fremdenpension. Resch und lustig sorgt sie seither für ein gutes Frühstück, fragt nach Vorlieben und erfüllt sie auch. Die gepflegten haben Zimmer noch moderate Preise.

 

Fotos Tourismusverband Werfenweng. Text: Veronika Zickendraht

Österreich: Salzburg leicht verschneit

K1024_Altstadt_Salzburg_im_SchneeWer sich in Salzburg die stille Nacht wünscht, sollte noch vor der Weihnachstsaison koimmen, In der Zeit wo alle auf den Spuren von Franz Grubers „Stille Nacht“ Salzburg und die Umgebung nach einer Heiligen Atmosphäre absuchen, ist Stille wegen des hohen Andrangs nur schwer zu finden.

Blick vom Kapuzinerberg Salzburg cathedral in winter

Für stressgeplagte und eventmüde Besucher bietet das Kapuzinerkloster hoch oben auf dem Kapuzinerberg eine besondere Art der „inneren Einkehr“ an. Um sich ein Bild zu machen wie sich eine selbstauferlegte, bescheidene Auszeit anfühlt, lohnt es sich die steilen Stufen auf den Berg zu erklimmen. Die Anstrengung wird mit der grandiosen Aussicht belohnt.

Des weiteren empfehle ich an der Pforte den Klingelknopf zu drücken und nach Pater Karl zu fragen. Mit Sicherheit wird sich das Gespräch bezüglich Unterkunft anders entwickeln als mit einem Hotelportiere. Er strahlt die Ruhe aus, die man sich für sich selbst wünscht. Ohne anzupreisen erzählt er von den Einkehrtagen: Wir nennen sie „die Vater unser Tage“. Sie finden sieben mal statt im Jahr statt. Es gibt zehn Einzelzimmer. Geräumige Zellen mit Dusche und WC. Feste Preise gibt es nicht, Paterc Karl bittet, nach Selbsteinschätzung mit Spenden das Kloster zu unterstützen.Täglich nach dem entspannten Frühstück gibt es einen geistlichen Impuls aus dem Vater unser. Danach sollte man in einer stillen Zeit den eigenen Gedanken dazu, nachgehen. Nachmittags kann jeder ins Ambiente Salzburgs eintauchen, ganz wie es ihm gefällt. Die Gedanken vom Vormittag gehen dabei mit: Egal ob beim Schaufensterbummel, in einer Kirche, im Rummel der Touristen oder beim Wandern: die Impulse und Ideen aus dem Vater-Unser-begleiten. Am Abend gibt es die Möglichkeit zum Gedankenaustausch: Wie habe ich, wie haben die anderen den Tag erlebt? Was braucht es noch an diesem Abend?

Einen Tag im Pulverschnee

Bild 4Flachau_

Jeden Morgen fährt im Winter am Mirabellgarten der Snow Space Salzburg Ski-Shuttle ab und bringt die Gäste die eine Salzburgcard vorzeigen, innerhalb einer Stunde  zu den Pisten in Flachau. Mit an Bord der modernen Ski-Busse sind erfahrene und mehrsprachige Guides, die sich um die Organisation von Skipässen, Ausrüstung oder Kursen kümmern! Das Skigebiet verfügt über 120 bestens präparierte Pistenkilometer, modernste Lift- und Seilbahnanlagen, gemütliche Skihütten und flächendeckende Beschneiungsanlagen.

Mozart lebt!

 

K1024_Bild 5 Ronaldo Vilazon

Der Indenant Ronaldo Villazón gestaltet in den Jahre von 2019 bis 2023 das Programm.

In den kalten Winterwochen von Ende Januar bis Anfang Februar, schwingt er den Taktstock in Salzburg.„Meine intensive Reise mit Mozart begann eigentlich 2011, als ich meinen ersten Don Ottavio sang“, schwärmt Villazón.
Bei der Vorbereitung der Rolle hatte ich nicht nur die wunderbare Partitur im Blick, sondern begann, Mozarts Briefe zu lesen und bald zu verschlingen. Im ungefilterten Fluss seiner Gedanken gibt Mozart einen einzigartigen Blick in seine Seele frei: ein Genie, ein tiefernster Musiker und Denker, eine verspielte Seele. Mozart ist ein Mann der Aufklärung; Mozart ist auch ein liebenswerter Spaßvogel. Mozart ist tiefsinnig, reif und intelligent. Mozart ist zugleich verspielt, witzig und kindisch. Mozart ist so groß wie seine Unsterblichkeit und so nah bei uns wie die Liebe, die er für die Menschen empfand.Die Mozartwoche 2020 bietet rund 50 Veranstaltungen, darunter drei szenische Bühnenprojekte, eine konzertante Opernaufführung, Orchesterkonzerte, Kammermusik, Tanz und vieles mehr. „2020“, sot Villazón, „nähern wir uns auch den besonderen Freundschaften Mozarts an. Wir tauchen ein in Mozarts Welt. Dabei können wir all die wundervollen Schätze entdecken. Das weiß ich aus persönlicher Erfahrung.“

Veronika Zickendraht

 

 

 

 

 

 

Simbabwe: Durchs Schlafzimmer der Elefanten

K1024_Elefanten am Wasserloch credit ImveloDas südafrikanische Simbabwe gehört zu den schönsten Ländern des Kontinents. Nach Ende der Mugabe-Herrschaft werden nun auch in Tourismus die Weichen für den Neustart gestellt.

Noch steht die Sonne tief am Horizont. Auf den Blättern der Akazien funkelt Morgentau. Vogelschreie dringen durch die nachtkühle Luft. Die Reifen unseres Jeeps pflügen sich durch den sandigen Boden. Mark Butcher, ein drahtiger Endfünfziger, mit sonnengegerbter Haut und schlohweißem Haar kutschiert uns im Safari-Jeep durchs Simbabwes größten Nationalpark. Bald schon lassen wir das Buschland hinter uns, fahren in ein Waldgebiet, wo Zambesi-Teak-Bäume ein dichtes Blätterdach bilden. „Willkommen im Schlafzimmer der Elefanten“, sagt Mark. Und tatsächlich dauert es nur ein paar Minuten, bis wir die ersten grauen Riesen sehen. Elefantenkühe und Jungtiere fächeln friedlich mit den Ohren, verleiben sich Zweige mit zartgrünem Laub ein, nehmen von uns kaum Notiz, obwohl wir nur ein paar Jeep-Längen entfernt vorüberfahren.K1024_Paviane

40 000 Elefanten

Dass heute rund 40 000 Elefanten im Hwange Nationalpark leben gibt und dass nur noch wenige Tiere Wilderern zum Opfer fallen, ist eine erfreuliche Entwicklung, zu der auch Mark Butcher beigetragen hat. „Als ich hier in den frühen 1990er Jahren als Ranger angefangen habe, ist mir klar geworden, dass sich Wilderei durch harte Strafen allein nicht in den Griff kriegen lässt. Elefanten werden eben ja nicht nur von Kriminellen erschossen, die Elfenbein verkaufen wollen“, sagt der weiße Simbabwer mit den wasserblauen Augen. „Wir leben hier in einem Land, in dem über 90 Prozent der Menschen keinen Arbeitsplatz haben, sondern als Selbstversorger von etwas Viehzucht und Ackerbau leben.“ Und genau das sei die Wurzel des Problems. „Denn wenn ein Löwe deine Ziege reißt, ein Elefant die Ernte zertrampelt, dann sind diese Tiere deine Feinde, die du tötest, weil deine Familie wegen dieser Tiere hungern muss.“K1024_Elefant1

Neue Perspektiven durch sanften Tourismus

Die Idee, dass sanfter Tourismus neue Perspektiven schaffen und so Wildtiere nachhaltig schützen könnte, ließ den jungen Ranger nicht mehr los. Viel Überzeugungsarbeit war nötig. „Vor über 20 Jahren wusste hier, im Ngamo-Land am Rande des Nationalparks, keiner, was Tourismus ist und schon gar nicht, welchen Nutzen er bringen könnte.“ Schließlich konnte Butcher Johnson Ncube, das damals noch junge Oberhaupt der Ngamo-Dörfer, für seinen Traum gewinnen.

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Der Dorfälteste Johnson Ncube

Auf Gemeindeland wurden mit Hilfe von Investoren einige luxuriöse Lodges gebaut. Imvelo nannte man das Projekt – in der Ngamo-Sprache heißt das Natur. Die Pacht kommt seither den Dorfbewohnern zugute. Auch die Gemeindeschule profitiert. Jugendliche wurden ausgebildet, verdienen heute als Ranger, Köche, Kellner und Reinigungskräfte ihr Geld. „Wenn ein Elefant ein Feld zertrampelt, dann ist das keine Katastrophe mehr“, sagt Johnson Ncube, der inzwischen 64-jährige „Älteste“ des Dorfes. „Im Notfall können wir Mais und Bohnen auch kaufen.“

K1024_giraffeEine ungetrübte Erfolgsstory ist die Imvelo-Geschichte nicht. Nach der gewaltsamen Enteignung weißer Farmer im Jahr 2000 haben viele Angehörige der kleinen weißen Minderheit das Land verlassen. Touristen, vor allem britische, blieben fern. Seitdem der despotische Dauerpräsident Mugabe 2017 abgesetzt wurde, herrscht Aufbruchstimmung. Die Buchungszahlen steigen wieder. Touristen können den Nationalpark jetzt sogar mit einem Nachtzug erreichen, der die spektakulären Viktoriawasserfälle im Norden Simbabwes mit dem Ngamo-Land verbindet. Die meiste Zeit aber gehört der Schienenstrang, der aus britischen Kolonialtagen stammt, immer noch den Pavianen. Die nehmen frühmorgens auf den Gleisen Platz, lassen sich von den ersten Sonnenstrahlen wärmen, pflegen sich gegenseitig mit Eifer und Hingabe das Fell.

Text: Susanne Kilimann
Fotos: Susanne Kilimann, Imvelo (1)

 

Österreich: Gmunden – Kultur,Kunst und 76 Seen

Zicken gmunden

Im Salzkammergut kann man wahrlich gut lustig sein,….wie Rolf Benatzky die Wirtin in seiner Operette „im weißen Rössel am Wolfgangsee“ trällern lies. Sommerfrische mit prickelnder  Lebensqualität .Morgens Frühstück unterm Apfelbaum, tagsüber abtauchen im See und abends Konzert, Theater oder spritzige Lesung.

„See-hoping“, das ganze Salzkammergut ist eine Wellness Oase. 76 Seen mehr oder weniger warme Seen gibt es. Von glasklaren, gebirgsbachkalten bis pudelig warmen Moor-Seen. Beim Eintauchen spült sich der Stress weg. Wer ausdauernd schwimmt, fühlt, dass sie wahrlich Jungbrunnen sind.

1862 wurde Gmunden, das Herz der Lebenskunst, zur Kurstadt. 1872 überraschte der Salzburger Theaterdirektor Josef M. Kozian, genannt Kotzky, die Bürger der Stadt mit dem Bau eines Saisontheaters. Das prächtige Haus mit den intimen, plüschig-roten Logen und dem funkelnden Kristallleuchter wurde Mittelpunkt des Kulturgeschehens. Beschwingte Operetten erheiterten fortan die Kurgäste. Nestroys „Lumpazivagabundus“, Jaques Offenbachs „Zehn Mädchen und kein Mann“, was im Wiener Frühling Furore machte, erfreute im Sommer das Gmundner Provinzpublikum.

Zicken Historusche

Mit dem Dampfer unterwegs

Nicht nur der Wiener Hof erfrischte sich hier. Schauspieler, Sänger, Dichter und Musiker folgten ihren Mäzenen. Man lebte und liebte wie in den Operetten. Abends wurde schmalzig auf der Bühne besungen, was das „gute Sommer-Leben“ tagsüber hergab. Gmunden am Traunsee war mit seiner eleganten Seepromenade, den stimmungsvollen Weinlokalen und der guten Küche wie geschaffen für diese Szenerie.

Die Stadt galt als Kulturmekka. An der Flaniermeile am See zeigten die Damen der Gesellschaft ihre Luxusgardarobe. Ein mit Absicht verlorenes Spitzentüchlein konnte der Beginn einer Liebesaffäre sein. Die stimmungsvollen Weinlokale, in denen man sich näher kam, sind originalgetreu und auf die heutigen Gäste eingestellt. Die kulinarische Tradition von fangfrischen Seefischen über Semmelknödeln, Kaiserschmarrn und Apfelstrudeln wird von den Traunseewirte mit Stolz hochgehalten.

Tiefer Traunsee

Anspruchsvoll war man hier schon immer. Ob in Kultur, Küche oder kaltem Wasser. Der Traunsee, mit 191 Meter der tiefste See Österreichs, punktet mit „Tafelwasserqualität“. Übrigens schwamm die Gmunder Gesellschaft schon immer oben auf. Hier war der Sitz der Salzbörse, wurde gehandelt, was in den Salzbergwerken hart abgebaut wurde. Noch heute ist man so reich, dass man es sich erlauben kann, den Massentourismus an der Stadt vorbei zu leiten.

Zicken TraunseeKur stand für das, was man heute Wellness nennt. Man ließ sich Zeit. Kurte von der Apfelblüte bis zur Apfelernte. Diese lustvollen Jahre endeten jäh am 28. Juli 1914. Franz Joseph unterzeichnete in seiner kaiserlichen Villa in Bad Ischl (30km von Gmunden entfernt) die Kriegserklärung gegen Serbien. Von da an ging‘s bergab mit der Donau Monarchie.

Festspiele  am See

1987 entsannen sich zwei mutige Wiener (Johannes Jockel und Alfred Werner) der Festspiel-Tradition. Mit einer glanzvollen Operngala öffneten sie ein neues Kapitel der Gmundner Kultur. (www.festwochen-gmunden.at). Seither stehen allsommerlich an die hundert Aufführungen auf dem Programm, Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen… Dies alles auf internationalem Niveau. Kulturgenüsse, die selbst dem Kaiser geschmeichelt hätten. Heute kommen die Sponsoren aus der Industrie. Übrigens werden zu Vorstellungsbeginn – ganz im Stil der K.&K Monarchie – die Besucher im Foyer von der Intendantin Jutta Skokan persönlich willkommen geheißen.

Zickendraht Lesung im Schloss OrthDas Festwochenprogramm wird jedes Jahr neu gestaltet und mit überraschend sozialkritischen Lesungen gewürzt. Eine heftige Prise Salz lieferte der weltweit verehrte Literat Thomas Bernhard. Der österreichkritische Autor, für so manche ein „Nestbeschmutzer“, hat mit seinen bissigen Schriften und Theaterstücken bei etlichen Politikern für zornesrote Köpfe gesorgt. In seinem Wohnhaus, einem alten Vierkant-Bauernhof im Vorort Ohlsdorf, wo er von 1965 bis zu seinem Tod 1989 wirkte, liest man jedes Jahr vor ausverkauftem Haus (www.thomasbernhard.at).

Zickendraht Schloss OrthDas berühmteste Gebäude von Gmunden ist das 1626 erbauten Seeschloss Ort(h), das Wahrzeichen der Stadt. In ihm befinden sich eine bezaubernde Kapelle und das Standesamt. So manche Liebe wird hier besiegelt. Traumhochzeiten haben zurzeit Hochkonjunktur. Übrigens, die Fernsehserie „Schlosshotel Orth“ wurde von 1996 bis 2004 genau hier produziert. Auch in China strahlt man sie aus.

Noch ziehen aber die chinesischen Touristenströme vorüber ins 60 Kilometer entfernte Hallstatt, wo sie der „Magic-Place“ erwartet. Noch wird hier kein „Dirndl to go offeriert“ Trotzdem ist Gmunden ein Geheimtipp für kulturorientierte Genießer.

Text: Veronika Zickendraht, Fotos: Bernd Siegmund

Mehr Österreuch gibts u.a. hier:

Österreich: Die Rückkehr der Murmeltiere am Hochkönig

 

Israel: Eine gar nicht klassische Rundreise – Gay-Bars und Kippa-Träger

K1024_israel stickerBei meiner Sitznachbarin im Flieger lag ich völlig daneben, als ich über ihren Beruf nachdachte. „Ich wünsche mir, dass du etwas Gutes über Israel schreibst. Bitte!“ Die Augen von Or, einer 19-jährigen Israelin, funkeln, als sie im Flugzeug nach Tel Aviv diese Bitte ausspricht. Or, eine zarte Gestalt, der die Haare bis über den Po reichen, leistet zur Zeit ihren Militärdienst ab.  „Vorher dachte ich, es wäre schrecklich, aber jetzt gefällt die Arbeit mir wirklich gut“, gibt sie zu verstehen. Natürlich kennt sie die Geschichten, die im Ausland über Israel geschrieben werden. Und eine Reise nach Israel ist für Deutsche noch immer vorurteilsbeladen und belastend.K1024_Soldatinnen Jerusalem

Stressig am Flughafen, entspannt in Tel Aviv

Eine Reise nach Israel ist immer eine besondere Reise. Schon die dreimalige Kontrolle des Handgepäcks am Flughafen in Deutschland, bei der der Beamte sogar jede einzelne Seite eines mitgebrachten Buches umblättert, weist auf besondere Umstände hin. Tel Aviv dagegen ist mindestens so entspannt wie Berlin. Religiös gekleidete Juden sind kaum zu sehen, die Strandpromenade wird von einem Heer von Joggern in Anspruch genommen. Touristen gehen gerne nach Old Yafo, wie Jaffa bei Einheimischen heißt. Galerien, Läden und Cafés haben das alte Quartier am Ende des langen Sandstrandes besetzt, das von Napoleon 1799 zerstört wurde und dann von den Türken wieder aufgebaut wurde. Hier hat Ilana Goor ihr Haus, das sie schon seit längerem zum Museum ausgebaut hat. Man könnte es ein Gesamtkunstwerk nennen – neben den Bildern, Skulpturen, Fotografien, Antiquitäten und Objekten, die sie in allen Räumen und auf der großen Dachterrasse ausgestellt hat, finden sich auch zahlreiche Installationen im Dalí-Stil. „Man mag es kaum glauben, aber bevor ich das Haus hier kaufte, stand es 30 Jahre leer“, erzählt Ilana, immer noch erstaunt. In den 80er Jahren war Jaffa ein schmutziges, kriminelles Viertel – niemand wollte dort auch nur einen Fuß hinsetzen. Wie oft, kamen Künstler, weil es so billig war, und markierten den Beginn einer Veränderung. Goor ist heute in Israel eine Berühmtheit, sogar Benjamin Netanyahu stattete sein Haus mit ihren Kunstwerken aus. „Er musste dafür aber wie jeder andere auch bezahlen“, fügt Ilana an. Das war ihr wichtig.
Tel Aviv ist richtungweisend, was internationale Trends angeht. Einat Rotfus liebt „ihr“ Tel Aviv. „In Jerusalem, Bethlehem oder Jericho mag es mehr Geschichte geben, aber wen interessiert das?“ Die 38-jährige genießt das Nachtleben der Stadt, das sich vor allem um den Rothschild-Boulevard herum abspielt. Viel Zeit hat sie nicht, denn sie ist die Gründerin des Verbandes der Modedesigner Israels und die Managerin der „Minicards“, einem Kartensystem für Gewerbetreibende. Es gibt Clubs für jeden Geschmack: im „22“ kostet alles 22 Shekel, deshalb ist es immer voll. „Polly“ hat sich in einer alten Bankfiliale eingenistet, und im Tresorkeller kann man einen Drink nehmen, wenn es oben zu voll wird. IMG_3541Im „Evita“ läuft die beste Musik, die Bar wird von Schwulen betrieben, während im „Solo“ zu Hip Hop wie in New York getanzt wird. Tagsüber zieht der Rothschild-Boulevard die Besucher vor allem wegen der Bauhaus-Architektur an. Viele Häuser sind allerdings dem Verfall nahe, einige auch besetzt. Insgesamt hat Tel Aviv rund 4000 weiße Häuser im Bauhaus – Stil! Nun bemüht sich die Stadtverwaltung, wenigstens 1000 von ihnen vor dem Verfall zu retten. Ein altes, leerstehendes Kino im Bauhaus-Stil der 30er Jahre wurde sogar zum Hotel umgebaut, es steht am Dizengoff Square.

Taufe im braunen Nass

Israel hat viel zu bieten für ganz unterschiedliche Zielgruppen. Eine ganz andere Art von Touristen sieht man dagegen am Qasr el Yahud, der Taufstelle am Jordan, an der Johannes der Täufer einstmals wirkte.

IMG_3404Eine russische Reisegruppe, gekleidet in weiße Gewänder, die man hier kaufen kann, taucht nacheinander in das braune Nass. Der Jordan ist an dieser Stelle nicht tief und nur wenige Meter breit. Gleichzeitig verläuft hier auch die Grenze zwischen Israel und Jordanien. Zwei sehr junge israelische Soldaten mit Maschinengewehren beobachten die Szene, auf der anderen Flussseite stehen ihre jordanischen Kollegen. Business as usual. Wer zum ersten Mal nach Israel reist und jene Stellen aus der Bibel kennt, ist vielleicht etwas enttäuscht, diesen Ort so zu sehen. Von Anspannung ist jedoch keine Spur, eine eher schläfrige Hitze liegt über der Szenerie.

Kippa und Handy

Auch Nazareth, die Geburtsstadt von Jesus, liegt friedlich da. Heute ist sie mit 60.000 Einwohnern die größte arabische Stadt in Israel. In der Josefskirche ist eine Grotte mit einem Quell, in der die heilige Familie einst genächtigt haben soll. Ziel der meisten Pilger ist die Verkündigungskirche, die erst im Jahr 1966 gebaut worden ist und ebenfalls eine Grotte hat. Architektonisch enttäuscht sie allerdings, und das liegt nicht nur am Baujahr.
DAS Ziel der Pilger ist jedoch Jerusalem, wo sich die Religionsgeschichte dreier großer Religionen kreuzt wie sonst nirgends.

IMG_3482Hier sieht man religiös gekleidete Juden mit Kippa und Schläfenlocken am Handy telefonieren. An der Grabeskirche, die von nicht weniger als 6 Religionen verwaltet wird, zieht sich eine lange Menschenschlange durch das Kirchenschiff, man wartet auf Einlass zum heiligen Grab. Ruth Holtzman, eine 66-jährige Jüdin, die Gäste durch Jerusalem führt, hat Verständnis, wenn man sich hier nicht anstellen möchte.

Meze bis zum Abwinken

Ihr Restaurantvorschlag ist ungewöhnlich. Statt in Jerusalem zu essen, führt sie uns hinaus aus der Stadt in ein „Schnellrestaurant“, in dem der Tisch so lange mit neuen Schälchen mit den köstlichsten Meze vollgestellt wird, bis auch der letzte satt ist. Eine Speisekarte gibt es nur auf hebräisch – da man jedoch eine geringe Pauschale für das Essen bezahlt, ist diese auch nicht mehr wichtig. Alkohol wird hier allerdings nicht serviert.
Dass die Reise durch ein Land führt, das andauernd wegen Bombenanschlägen, Hamas-Terroristen und kriegerischen Auseinandersetzungen in den Nachrichten ist, haben wir unterdessen völlig vergessen. Auch an den restlichen Orten der Rundreise, am Toten Meer, in Haifa, Magdala, Tiberias, Massada und Capernaum, ist die Stimmung absolut friedlich. Nicht einmal ein Panzer ist auf der Landstraße zu sehen.

IMG_3432Ein Gastbeitrag  von Dirk Engelhardt, der den Blog www.dergutereisende.com betreibt

Fotos: Dirk Engelhardt (4), Rasso Knoller (2)

Kanada: Zum Biertrinken nach Edmonton

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Sonnenaufgang über Edmonton

Eine Gesetzesänderung hat Edmonton zu einem Lieblingsreiseziel für Biertrinker gemacht.   

Edmonton, die Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta, kennen hierzulande vor allem Eishockeyfans. Bei den dortigen Oilers hat nicht nur NHL-Legende Wayne Gretzky, der bekannteste und vermutlich beste Spieler aller Zeiten gespielt, aktuell steht auch der deutsche Spitzenspieler Leon Draisaitl bei den Kanadiern unter Vertag.

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Kult für Hockeyfans – Rogers Place, die Halle der Oilers

Die Art Gallery of Alberta gehört zu den wichtigen Museen des Landes und ist wegen ihrer wegweisenden Architektur im Stil der Brutalismus Besuchsziel für so manchen Architekten, das Flusstal von Edmonton bietet die größte innerstädtische Parkfläche aller kanadischen Städte und die West Edmonton Mall zählt zu den größten Einkaufszentren der Welt. Und halt – auch eines der bedeutendsten Rodeos Nordamerikas findet in der Hauptstad Albertas statt.

Hippster am Braukessel  

Doch jetzt gibt es einen viel besseren Grund die Stadt zu besuchen – ihre Kneipen und Mikrobrauereien. Vor einigen Jahren setzte das Provinzparlament ein Gesetz außer Kraft, das Brauereien bis dahin eine Mindestproduktionsmenge verordnete. Sinn hatte das Gesetz keinen, außer dass es  Großbrauereien vor der Konkurrenz der Kleinen schützte. Seit einigen Jahren darf nun jeder sein eigenes Bier brauen. Wie viel oder wie wenig auch immer.

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Chefbrauer Brandon Smith

Das hat Leute wie Brandon Smith an den Braukessel gelockt. Der junge Mann mit Zopf und Hippsterbart ist seit eineinhalb Jahren Chefbrauer bei Situation Brewing, einer der vielen lokalen Mikrobrauereien. Beigebracht hat sich Smith seine Braukünste selbst, vor fünf Jahren hat er als Hobbybrauer angefangen. Damals war er noch bei einer Helikopterfirma angestellt. „Dass ich damals so viel unterwegs war, hat meiner damaligen Beziehung nicht gut getan“ sagt er und erzählt weiter, dass er jetzt „beziehungsfreundlich“ nur zwei Blocks von seiner Arbeitsstelle entfernt wohnt. „Frau Lisa“ ist aber nicht der Name seiner neuen Freundin, sondern der des beliebtesten Bieres auf der Karte von Situation Brewing.

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Situation Brewing: Bier in allen Farben

Wem Lisa, ein eher klassisches „Vienna Style Lager“, nicht schmeckt, hat noch viele weitere Sorten zur Auswahl, u.a. in den Geschmacksrichtungen grüner Tee, Lavendel oder Pomeranze.

Leichte Küche statt Chips

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Biera: Der Name ist Programm

Im Biera, einer anderen Microbrewery,  steht Christine Sandford in der Küche. Ihr ist wichtig, dass das Essen mit dem Bier harmoniert – deshalb  stimmt sie die Speiskarte auf die Getränkeliste ab. Trotzdem sind die typischen Bierbegleiter wie Chips, Würstchen oder fette Rippchen für sie tabu – leichte Küche und Bier stehen für die resolute blonde Mitdreißigerin nicht im Widerspruch.
Yellowhead Brewing, Town Square Brewing, Brewster Brewing, Two Sergeants Brewing – die Liste der Mikrobrauereien in Edmonton ist lang. Auch die Zahl der Kneipen nimmt beständig zu. Besonders im Stadtteil Old Strathcona rund um die Whyte Avenue hat sich eine ganz neue Restaurantszene entwickelt. Edmonton kommt – und das nicht nur im Eishockey.

Text und Fotos: Rasso Knoller

Deutschland: Sonneninsel Usedom

Usedom (Seebrücke in Herinmgsdorf)Mit einer „Zeitreise in die Vergangenheit“ feiert Heringsdorf am 6./7. Juni 2020 sein 200jähriges Jubiläum. Hans Peter Gaul nimmt uns im Vorfeld mit auf eine kleine Inselrundfahrt.

Einer Legende nach soll im Jahr 1820 der Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV. mit seinem Vater, Preußenkönig Friedrich Wilhelm III., Fischer beim Heringe puhlen und salzen am Strand der kleinen Siedlung unterhalb des Kulms beobachtet haben. Dieser Moment in der Geschichte ist die Geburtsstunde des Ortes Heringsdorf. Durch kaiserliche Anordnung vom 4.6.1879 wurde Heringsdorf zum Seebad. Der erste deutsche Kaiser und König von Preußen, Wilhelm I., hatte das Dekret auf Schloss Babelsberg unterzeichnet. Sein Enkelsohn, Wilhelm II., letzter Deutscher Kaiser und König von Preußen kam in den Jahren 1909 bis 1912 regelmäßig nach Heringsdorf, um mit Elisabeth Staudt, Witwe des Konsuls Wilhelm Staudt, im Haus „Miramar“ Tee zu trinken.

Usedom (Sven Brümmel am Denkmal Wilhelm I. in Heringsdorf)Mit der abwechslungsreichen Geschichte der Kaiserbäder hat uns im Seebad Heringsdorf der „Insulaner“ Sven Brümmel als Wilhelm von Rummelsburg bekanntgemacht. Der 34jährige Lehrer für Deutsch und Geschichte, Heimatkunde und niederdeutsche Sprache an der Grundschule Heringsdorf sowie Co-Vorsitzender des Geschichtsvereins der Kaiserbäder Ahlbeck –  Heringsdorf – Bansin lässt bei einem Rundgang mit historischem Wissen und Anekdoten die Entstehungszeit des Kaiserbades wieder lebendig werden. In seiner Uniform als Offizier vom Füsilier Regiment Nr. 34 „Königin Viktoria von Schweden“ (Pommersches Nr. 2) aus dem Jahre 1909 verkörpert er den Zeitabschnitt von 1871 – 1910.

An der längsten Seebrücke Deutschlands und dem lt. Guinnessbuch größten Strandkorb der Welt erfahren wir von ihm, dass zum Jubiläum „200 Jahre Heringsdorf – von der namenlosen Fischerkolonie zum Weltbad“ auch ein Stationsbetrieb mit historischen Szenen aus der Geschichte Heringsdorfs im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert geplant ist. Sven Brümmel wird dann natürlich wieder in Uniform mit dabei sein.

Usedom (Riesen-Strandkorb in Heringsdorf)Bevor wir uns in Europas erstem Kur- und Heilwald gleich hinter der Heringsdorfer Strandpromenade mit ihren u. a. durch die einstigen Bewohner und prominenten Gäste berühmt gewordenen Villen im Stil der Bäderarchitektur umsehen, erleben wir im historischen Strandcasino den Marc O’Polo Concept Store mit einem smarten Gastronomiekonzept inmitten lässiger Mode und zeitlosem skandinavischen Design. Entlang der mit 12,5 km längsten europäischen Küsten-Promenade, die sich von Bansin über Heringsdorf und Ahlbeck grenzüberschreitend bis ins polnische Swinemünde erstreckt, laden ganzjährig diverse Restaurants zu vielfältigen kulinarischen Genüssen und Entdeckungen ein. Vom 6. – 8. März 2020 wird es zudem ein Schlittenhunderennen in den Kaiserbädern geben.

Der Usedom-Tourismus möchte die Potentiale der Sonneninsel als ein attraktives Ganzjahresziel für in- und ausländische Touristen noch bekannter machen. Bei einem kulinarischen Streifzug mit Pressesprecherin Karina Schulz im Herbst gab‘s da auch jenseits leckerer kulinarischer Spezialitäten zwischen Ostsee und Achterwasser viel Interessantes zu entdecken.

Fisch frisch auf den Tisch

Usedom (Hotel Aurelia Heringsdorf 1)Perfekter Auftakt im Aurelia Hotel St. Hubertus mit der „Neuen Pommerschen Küche“ im „Restaurant 1900“. Es gab traditionelle pommersche Gerichte aus Großmutters Zeiten, die der langjährige Küchenchef Jörg Gleißner in Archiven der Region entdeckt hatte. Auf der Speisenkarte findet sich neben den „Klassikern“ Apfelfleisch mit Schweinefilet und Backpflaumen sowie Honig-Krustenbraten auch „Zander auf Haferstroh“, wie ihn sich die Fischer einst am Strand von Usedom zubereitet haben. Die meisten Zutaten der „Gerichte mit Geschichte“ kommen frisch aus nachhaltiger Zucht vom hauseigenen Gutshof Varchentin und aus der Ostsee.

Usedom (Rankwitz-HafenFrischen Fisch von den Fischern gibt’s auch in der Alten Fischräucherei im Hafen von Rankwitz. Spezialität des familiengeführten Unternehmens ist Matjes, der u. a. nach einem eigenen Rezept maximal 72 Stunden in Rote Beete-Saft eingelegt wird. Geräuchert wird in Rankwitz nach alter Tradition mit Buchen- und Erlenholz. Vom idyllisch am Peenestrom gelegenen Hafen u. a. mit einigen Ferienhäusern und Hausbooten – hier kommen im Sommer auch moderne Fluss-Kreuzfahrtschiffe auf ihrer Fahrt von Stralsund nach Potsdam vorbei – starten wir zu einer Rundfahrt über den noch wenig bekannten Lieper Winkel.  Unseren „Reiseleiter“ Dr. Klaus Kögler aus dem Ruhrpott hat es durch Zufall vor einigen Jahren nach Usedom „verschlagen“. Hier fühlt er sich als Mitglied der Gemeindevertretung, 2. stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender des Heimatvereins längst sichtlich wohl. Im Achterland, der reizvollen Landschaft hinter der Ostsee, will er auch seinen Lebensabend verbringen. Über holprige und teils naturbelassene Wege sind wir mit ihm im idyllischen Lieper Winkel unterwegs, der wie eine Halbinsel in das Achterwasser und in den Peenestrom ragt.
Usedom (Fischerboote im Lieper Winkel)Ins Auge fallen immer wieder reetgedeckte Fischerkaten und imposante Backsteinscheunen. „Jahrhunderte lang waren die beschaulichen Fischerdörfer nur über das Achterwasser zu erreichen“, so Klaus Kögler, der sich auch um den Erhalt eines dörflichen Museums im einstigen Gemeindeamt kümmert. Hier kann man u. a. heute kaum noch bekannte landwirtschaftliche Gerätschaften bewundern. In Liepe lernen wir die älteste Kirche Usedoms mit ihrem typisch freistehenden Glockenstuhl und umgeben von Kunstwerken aus Granit kennen.  Vom Warther Haken sticht Falk Bialowons, einer der letzten der etwa 20 noch aktiven Usedom-Fischer mit seinem Boot in See. In der von ihm belieferten „Bauernstube Morgenitz“ treffen wir ihn dann später wieder und lassen uns von den Wirten Carolin und Rene Bobzin in einer Riesenpfanne traditionell zubereitete leckere Fischgerichte schmecken – eine wahre kulinarische Entdeckung. Wer hier fangfrischen Fisch (je nach Angebot Barsch, Zander, Aal oder Schnäpel) genießen möchte ist gut beraten, rechtzeitig zu reservieren. Falk Bialowons fährt im Sommer ab vier Uhr und im Winter solange es noch kein Eis auf dem Peenestrom und Achterwasser gibt zu seinen Fisch-Reusen raus. Sorgen machen nicht nur ihm die immer wieder diskutierten Fischquoten.

Vom Waldladen zum Wasserschloss Mellenthin

Kontrastprogramm wenig später bei einer Rundfahrt mit MS Jessica auf den Achterwasser. Die etwa zweistündigen Fahrten der Ückeritzer Personenschifffahrt vom Hafen Stagnieß sind bei den Usedom-Urlaubern sehr beliebt.

Usedom (MS Jessica im Hafen Stagnieß) Im Gespräch mit Karina Schulz vom Usedom-Tourismus, die in Koserow ihr Büro hat, erfahren wir mehr über Usedom, die besonders im Sommer gut gefüllte „Badewanne der Berliner“, lernen in ihrer Begleitung immer wieder kulinarische Köstlichkeiten der Sonneninsel kennen und schätzen. Während übrigens die Schiffe der ADLER-Fahrgastschifffahrt vor allem auf der Ostsee zwischen den Seebrücken und dem polnischen Swinemünde bei teils bewegter See unterwegs sind, ist Seekrankheit auf dem Achterwasser kaum ein Problem.
Bei einem Spaziergang mit dem engagierten Forstamtsleiter Felix Adolphi macht er uns mit den Besonderheiten des Usedomer Küstenwaldes und der Jagd auf der zu den wildreichsten Gegenden Deutschlands zählenden Insel bekannt. Die perfekte Einstimmung auf die alljährlich besonders gefeierten Usedomer Wildwochen, die wir ebenfalls bei unserem kulinarischen Streifzug erleben konnten. Einen kleinen Vorgeschmack bot da bereits der Besuch des Waldladens im Forstamt Neu Pudagla. Hier kann man u. a. Wildprodukte wie Hirschpastete, Wildsalami, Hirschschinken oder Rehrillette, aber auch diverse Bio-Produkte aus den heimischen Wäldern erwerben – Verkostung inklusive.

Usedom (Wasserrschloss Mellenthin 1)Nur wenige Kilometer sind es bis zum prächtig erleuchteten wiederbelebten Wasserschloss Mellenthin am Mittelpunkt der Insel Usedom.  Eine Attraktion der Schlossanlage aus dem Jahre 1575 ist die Gasthausbrauerei, die u. a. neben Hell und Dunkel auch Sorten wie Mellenthiner Weizen, Eis-Bock, Rauch, Schwarz und Alt anbietet. So lange der Vorrat reicht sind im stimmungsvollen Gewölbekeller des Wasserschlosses auch Bier mit Kaffee, Ingwer oder Bernstein im Angebot. Schlossherr Jan Fidora legt zusammen mit seinem Braumeister besonderen Wert auf kreative Biervielfalt und Experimente mit besonderen Aromen. Selbst kaltgehopfter Wein „Wine & Hops“ zählt zum beliebten Angebot. Wir gehörten zu den ersten Gästen, an deren Tischen Philipp Fournes von der hauseigenen Destille von uns selbst zusammengestellte Obstaromen zum Verkosten gebrannt hat.

Pralinen, Kräuter und Kaiserbäder

In Wolgast, dem Tor zur Insel Usedom, lernen wir Torsten Riel aus Sachsen-Anhalt kennen. Als Urlauber hatte er die Region kennen- und schätzen gelernt und 2019 nach 14jähriger Tätigkeit in den Halloren-Werken in Halle/Saale in der traditionsreichen Konditorei Biedenweg Wolgast seine Schokoladen-Manufaktur eröffnet. Sein Mut wurde belohnt. Getreu dem Motto „Hier läuft nichts vom Band, hier fertigt man mit Herz und Hand“ hat sich der umtriebige Konditormeister mit seinen traditionell gefertigten Pralinen sowie Schokoladenpräsenten längst einen guten Namen gemacht.

Usedom (Kräuterexpertin Ina Schirmer 1)Wieder auf die Insel zurückgekehrt empfängt uns Kräuterexpertin Ina Schirmer in ihrem Refugium, bestehend aus Hofladen und Kräutergarten, mitten im Wald bei Prätenow. Bei geführten Touren durch ihren Kräutergarten mit rund einhundert verschiedenen Duft-, Heil- und Küchenkräutern und den Wald kann man mehr über die Naturschätze und ihre Verwendung erfahren und sich auch an der Zubereitung eines leckeren 3-Gänge- Wildkräutermenüs beteiligen. Für uns hatte Ina nach der Führung aus Zeitgründen bereits einen besonderen Kräuter-Imbiss vorbereitet – eine weitere interessante kulinarische Erfahrung auf der Sonneninsel, an die uns die im Hofladen gekauften Pestos, Kräuter- und Gewürzmischungen sicher zu Hause erinnern werden.

Wild Fashion Dinner

Eine Initiative der IG „Wildwochen auf Usedom“ hat 2019 Jubiläum gefeiert. Zum 15. Mal wurden unter dem Motto „schmecken, staunen, erfahren, erfühlen und genießen“ die beliebten Wildwochen auf Usedom zelebriert. Von der Berliner Acksteiner-Eventagentur organisiert gab es dazu zum Auftakt bereits zum 10. Mal das exklusive „Wild Fashion Dinner“ im Hotel Forsthaus Damerow.
Von Sylvia Acksteiner moderiert erwartete die Gäste des stimmungsvollen Gala-Abends ein exzellentes Fünf-Gänge-Menü mit korrespondierenden Weinen vom sächsischen Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe sowie eine hochkarätige Modenschau u. a. mit Stoffen im Lichterglanz von Moon Berlin, ein Highlight der Fashionshows. Frische regionale Küche prägt auch hier das Hotel-Angebot während des ganzen Jahres.
Mein Fazit: Essen und Trinken liegen auch auf Usedom als Reisemotiv für einen Ganzjahresbesuch voll im Trend. Qualitätsvolle regionale Speisen an authentischen Orten innovativ angeboten schmecken nicht nur gut, sondern laden zum Wiederkommen, Entdecken und Genießen – vor allem außerhalb der Bade-Saison – ein.