Äthiopien: Zu den Wasserfällen des Blauer Nils und nach Gonder

Wasserfälle des Blauen Nil

30 Kilometer südlich von Bahir Dar erreichen wir über holperige Straßen die Ortschaft Tis Issat. Vor den Toren des Örtchens liegen die vielleicht größten Natursehenswürdigkeiten des Landes – die Wasserfälle des Blauen Nils. Das „vielleicht“ steht für die Ungewissheit, die den Reisenden begleitet, bis er die Wasserfälle erreicht hat. Ob die Fahrt nämlich zur Enttäuschung oder zum Erlebnis wird, hängt von einem Staudamm oberhalb des Wasserfalls ab. Werden hier die Fluten des Nils zur Stromerzeugung zurückgehalten, fließen nur spärliche Rinnsale in die 45 Meter tiefer gelegene Schlucht. Statt einem imposanten Wasserfall sieht man dann nur eine riesige Felswand.

Wasserfälle – aber nur zeitweise

Doch wir haben Glück. „Gestern hättet ihr hier gar nichts sehen können“, versichert uns unser Guide. Und er witzelt weiter: „Die haben extra wegen euch das Wasser angestellt.“ Die wasserfälle des Blauen Nil

Lange haben sich die Anrainerstaaten um das Wasser des Nil gestritten, Deswegen floss der Nil auch bis vor kurzem noch ungezähmt durch Äthiopien. Ägypten, das vom Nilwasser abhängig ist, hatte vor noch allzu langer Zeit seinem Nachbarland offen mit Krieg gedroht, sollte man es dort wagen, die Nilfluten zurückzuhalten. Inzwischen ist der Streit beigelegt  – sicher zum Wohle der äthiopischen Wirtschaft, allerdings auch zur Enttäuschung vieler Touristen.

Neuschwanstein im äthiopischen Hochland

Die Sehenswürdigkeiten, die den Reisenden in Gonder – eine halbe Tagesreise nördlich von Bahir Dar – erwarten, lassen sich zuverlässiger in den Reiseplan einfügen.

Die alte Hauptstadt der äthiopischen Kaiser schmiegt sich auf über 2200 Meter Höhe in  einen Bergkessel. Die Höhenlage war einer der Gründe, warum sich hier im 17. Jahrhundert Kaiser Fasilidas mit seinem Hofstaat niederließ. Hier oben gab und gibt es keine Malaria – das ist auch für Könige von unschätzbarem Vorteil. Zwischen 1636 und 1855 ließen Fasilidas und seine Nachfahren in Gonder fleißig einen Palast nach dem anderen errichten. Die so entstandene Festungsstadt Fasil Ghebbi steht seit 1979 auf der UNESCO-Liste der Weltkulturerben. Für Bildungsreisende aus alter Welt ist sie ein fester Anlaufpunkt auf ihrer Rundreise durch Äthiopien.

Die Schlösser und Burgen sind eine eigenartige und zugleich beeindruckende Mischung aus europäischen, hinduistischen und arabischen Baustilen. Das älteste der Schlösser mit seinen runden Türmen erinnert an ein verspieltes Märchenschloss, wie es auch König Ludwig II. von Bayern gefallen hätte. Dass Fasilidas und seine Nachfahren in Sachen Prunk durchaus mit dem Bayernkönig mithalten konnte, zeigt ein Besuch des Badeschlosses: Das kleine Schlösschen – das einzig zu dem Zweck errichtet wurde, dem Kaiser als Luxusumkleidekabine zu dienen –  wird von einem tiefen Wassergraben umgeben, in dem seine Hoheit schwimmen konnte. Um die Gräben zu füllen, leitete man extra einen Fluss um. Damit der Kaiser nicht fror, erwärmte man für ihn mehrer Tausend Liter Wasser. Einmal im Jahr wird auch heute der „Swimmingpool des Kaisers“ mit Wasser gefüllt. Dann, wenn im Januar die orthodoxen Christen das Epiphanias-Fest feiern und sich durch ein Bad in dem vom Bischof geweihten Wasser einer symbolischen Reinigung unterziehen.

Ein Geheimtipp in Gonder ist die Terrasse des Goha Hotels hoch über der Stadt. Von hier aus hat man den besten Blick über die Stadt. Auch wer nicht hier eingebucht ist, sollte sich zum Sonnenuntergang ein Bier im Hotelrestaurant gönnen. Oder am morgen mit einer Tasse Tee in der Hand zusehen, wie sich die Nebelfetzen über dem Tal auflösen. Gonder

Den Abend verbringt man aber lieber nicht in einer sterilen Hotelbar, sondern in einer Tej Bet  – einer Kneipe, in der der für Äthiopien typische Honigwein, der Tej (gesprochen: Tetsch), ausgeschenkt wird. Besonders bekannt für seine Qualität ist der Wein aus Gonder. Das sonnenblumgelbe Getränk wird aus einem bauchigen Glasrundkolben, dem Berele, getrunken.

Der Tej gilt in Äthiopien als Getränk der Könige. Schon im 10. Jahrhundert vor Christus ist, so erzählt es die Legende, die Königin von Saba nach Jerusalem gereist. Dort war sie bei König Salamon zu Gast, dem sie als Geschenk äthiopischen Tej mitbrachte.

Ob es die direkte Folge des Alkoholkonsums war – immerhin hat der Tej  je nach Gärungsgrad 6 bis 11 Alkholprozent  zu bieten -, verrät die Legende nicht. Was sie sagt, ist aber, dass die König und Königin zusammen ein Kind zeugten – Menelik, der erste König Äthiopiens.

In einer Tej Bet sind die Männer meist unter sich. Sie lassen bei dem ein oder anderen Glas den Tag ausklingen. Und hören dem Azmari  zu – einem Sänger, der Lob- und Schmählieder singt, und der sich selbst auf der Masinko, einer einsaitigen Laute, begleitet. Ob  Spott oder Lob über die Anwesenden verbreitet wird, hängt auch ein wenig von der Höhe des Obolus ab, den man dem Sänger zusteckt.

Nach ein paar Gläsern Honigwein, untermalt vom Gesang des Azmari, vergisst man die Zeit – doch eilig hat es hier ohnehin niemand. Der neue Tag beginnt in Äthiopien ja erst sechs Stunden später.

Rasso Knoller

Kaiserpalast Gonder

Der Kaiserpalast von Gonder

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Ein riesiger Infoteil zum Reiseland Äthiopien

Äthiopien: Länderinfo

Äthiopien

Reiseinfos Äthiopien

 

Lage:

Äthiopien liegt im Nordosten Afrikas. Es ist mit 1,1 Millionen Quadratkilometern das zehntgrößte Land Afrikas. Es ist dreimal so groß wie Deutschland und hat etwas dieselbe Einwohnerzahl (82 Mio.). Äthiopien grenzt an den Sudan, Eritrea, Kenia, Somalia und Djibouti.

Hauptstadt:

Addis Abeba, offiziell 3,5 Mio., inoffiziell 5,5 Mio. Einwohner.

Beste Reisezeit:

 

Die beste Reisezeit für Äthiopien liegt zwischen Oktober bis Mai, am angenehmsten sind die Monate November bis Januar. Das Klima ist stark von der Höhe abhängig. Im wesentlichen unterscheidet man drei Klimazonen:  bis 1.000 Meter feucht – oder trockenheiß; zwischen 1.000 und  2.500 Meter gemäßigt, mit Durchschnittstemperaturen zwischen 20 und 25 Grad und über 2.500 Meter kühl mit Temperaturen um 15 Grad. Nachts kann es hier mitunter auch Frost geben. Im Hochland herrscht von Juni bis September und von Februar bis April Regenzeit.

 

Einreiseformalitäten:

Für österreichische und deutsche Staatsbürger ist ein Visum erforderlich. Man kann es entweder vor Reiseantritt  beantragen oder es sich bei der Einreise am Flughafen Bole in Addis Abeba ausstellen lassen. Wer sich für die letzte Option entscheidet braucht allerdings etwas Geduld. Bei der Einreise über den Langweg muss man sich das Visum zwingend vor der Abreise besorgen.

Die Ausstellung kostet etwa 17 Euro. Das Visum ist  drei Monate gültig. Der Pass muss bei der Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein.

Durchschnittsalter

17,5 Jahre – zirka  75% der Bevölkerung sind unter 25 Jahren

Sprache

Amharisch, zweite Verkehrssprache Englisch; Regionalsprachen Orominya, Tigrinya, über 80 weitere Sprachen und eine Vielzahl von Dialekten

Währung

Äthiopische Birr – 1 € = 22 ETB (Stand August 2012). Es ist ratsam bereits am Flughafen bzw. in Addis Abeba Geld zu tauschen. Auf dem Land bestehen kaum Möglichkeiten Geld  zu wechseln, Geldautomaten gibt es nur in den größeren Städten. Kreditkarten werden fast nur von großen Hotels oder Fluglinien akzeptiert.

Zeit

MEZ +2 Stunden

 

Essen und Trinken:

Grundnahrungsmittel in Äthiopien bildet ein Sauerteigfladen, der sich Injera nennt. Dazu werden verschiedene Saucen serviert – von vegetarisch bis hin zu Saucen mit Fleischanlage (Rind- und Lammfleisch). Man isst ausschließlich mit der rechten Hand – die linke Hand gilt als unrein. Um sich Anerkennung zu zeigen, „füttert“ man sich mitunter gegenseitig. Diese Geste nennt man Gursha.

Reisen im Land:

Ethiopian Airlines fliegt über 40 Städte in Äthiopien an. Die Fluglinie gehört zu den besten Afrikas und kann sich durchaus auch mit europäischen Airlines messen. Die Preise für Inlandsflüge sind für europäische Verhältnisse günstig.

Gut ausgebaute Straßen für Überlandreisen sind nur begrenzt vorhanden. Nur knapp 20% der insgesamt 36.000 Kilometer umfassenden Straßennetzes ist asphaltiert. Bei Dunkelheit sollte man generell auf Überlandfahrten verzichten. Mietwagen gibt es nur in Addis und einigen wenigen anderen Großstädten. Theoeretisch bräuchte man einen äthiopischen Führerschein (der kann nur in Addis beantragt werden) um einen Wagen anzumieten. Diese Regelung wird aber nur selten durchgesetzt.

Busse verbinden alle großen Städte des Landes. Die Tickets sind preiswert.

Sicherheit:

Äthiopien ist ein relativ sicheres Reiseland. Gewaltverbrechen kommen kaum vor. Touristen sollten aber verstärkt auf ihre Wertsachen achten. Besonders auf Märkten sind geschickte Taschendiebe unterwegs.

Anreise:

Mit Ethiopian Airlines bzw. Lufthansa fünfmal wöchentlich ab Frankfurt. Eine günstige Alternative ab Wien ist der Flug mit Egyptair mit Umsteigen in Kairo.

Übernachtung:

Übernachtungsmöglichkeiten auf europäischen Niveau findet man außerhalb der Hauptstadt selten. Wer in Äthiopien reist, muss in der Regel Abstriche in Kauf nehmen was die Qualität der Übernachtung angeht.

Empfehlenswerte Hotels:

Kuriftu Resort & Spa, Debre-Zeit (zirka 50 km von Addis Abeba entfernt), Tel. +251 114 335 656

Kuriftu Resort & Spa, Lake Tana, Bahir Dar, Tel. +251 582 264 868, www.kurifturesortspa.com

Die beiden Ressorts wurden von einem Exiläthiopier, der nach mehr als 20 Jahren in den USA in seine Heimat zurückkehrte, erbaut. Sie gehören zum Besten was Äthiopien an Übernachtungsmöglichkeiten zu bieten hat. Die Preise beginnen bei etwa 200 US$/Nacht. Allerdings sind im Preis täglich eine einstündige Massage, sowie Maniküre und Pediküre  inbegriffen.

Goha Hotel. P.O. Box 182, Gonder, Tel. +251 58 111 0634, http://www.gohahotel.com/

Nach äthiopischen Verhältnisseen ein absolutes Spitzenhotel. Strenge europäische Augen finden hier aber einige Mängel. Am Blick über die Stadt von der Hotelterrasse aus, lässt sich aber nichts aussetzen.

Hilton Addis Abeba, Menelik II. Avenue, P.O. Box 1164, Addis Abeba, Tel. +251 115 170 000

Internationales Kettenhotel, das auch in Äthiopien den weltweit üblichen Standard bietet.

 

 

Gesundheit

Äthiopien ist Malariagebiet. Malariaschutz ist deswegen für alle Regionen unter 2000 Meter ratsam. In Addis Abeba besteht keine Malariagefahr. Vor einer längeren Reise sollte man sich von einem Tropen- bzw. Reisemediziner über die Art der Prophylaxe beraten lassen.

Die medizinische Versorgung im Lande ist generell sehr schlecht. Die Mitnahme einer guten Reiseapotheke ist deswegen ebenso empfehlenswert, wie der Abschluss einer  Krankenversicherung, die die Rückholung im Krankheitsfall umfasst.

Eine Impfbescheinigung gegen Gelbfieber wird von Reisenden aus Infektionsgebieten verlangt. Weitere Impfungen sind zwar nicht vorgeschrieben, Impfungen gegen Hepatitis A und Typhus aber ratsam.

Literatur

Jean-Bernard Carillet,  Ethiopia and Eritrea, Lonely Planet.

Auskunft

 

Eine äthiopisches Fremdenverkehrsbüro gibt es weder in Österreich noch Deutschland. Basisinformationen über das Land erhält man auf der Webseite der Äthiopischen Botschaft (allerdings nur auf Englisch). http://www.aethiopien-botschaft.de/tourism_main.html

Die Infos wurden zusaammengestellt von  Rasso Knoller.

Mehr zu Äthiopien:


Blauer Nil und Gonder

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Reise zu den Mönchen vom Tanasee

 

Äthiopien: Reise zu den Mönchen vom Tanasee

Tanasee, Äthiopien

Am höchstgelegenen See Afrikas

In Äthiopien ticken die Uhren anders: Die offizielle Zeitrechnung des Landes hinkt hinter der unseren um sieben Jahre und neun Monate hinterher. Entsprechend fängt das Jahr auch nicht am 1.Januar eines Jahres an, sondern am 11. September. Und selbst die Stunden eines Tages werden anders gezählt: die nullte Stunde beginnt mit dem Sonnenaufgang, der Tag also um sechs Uhr morgens.

Trotz der zeitlichen Verwirrung setzt die Propellermaschine der Ethiopian Airlines  pünktlich auf dem Rollfeld von Bahir Dar auf. Die Stadt liegt knapp 500 Kilometer nördlich von Addis Abeba: Mit 250.000 Einwohner zählt sie zu größten Orten des Landes – und zu den beliebtesten Touristendestinationen.

Bahir Dar liegt am Ufer des Tanasees. Und der hält gleich zwei Rekorde: Er liegt 1830 Meter hoch und ist damit der höchstgelegen See Afrikas. Und wegen seiner Länge von  84 und  Breite von 66 Kilometern ist er zugleich auch der größte See Äthiopiens.

Langsam pflügt unser Boot durch das braune Wasser des Tana. Im Schritttempo nähern wir uns der Insel Zegie. Und doch ist unser alter Kahn nicht das langsamste Gefährt auf dem Wasser. Auf dem Weg zur Insel passieren wir eine ganze Reihe von Papyrusbooten, die sogenannten Tankwas.Papyrusboot auf Tanasee

Mit ihnen sind die Einheimischen in die Provinzhauptstadt unterwegs. Für die Strecke, die unser Boot mit dem viel zu schwachen Außenbordmotor in einer dreiviertel Stunde zurücklegt, braucht ein Paddler im Papyrusboot gut fünf Stunden. Ein ziemlicher Aufwand für den Weg zum Markt. Länger noch dauert es, wenn die Männer Brennholz in die Stadt liefern. Die überladenen Boote bewegen sich dann nur noch zentimeterweise vorwärts. Legen die Paddler am Morgen auf Zegie ab, erreichen sie kurz vor Sonnenuntergang das Festland.

Auch Fischer sind mit den Papyrusbooten zum Fang hinausgepaddelt – ein jeder begleitet von ein paar Pelikanen, die auf ihren Anteil der Beute hoffen.

Die Inseln des Tanasees sind bekannt für ihre Klöster und Kirchen. Die sind teilweise über 500 Jahre alt. Damals kämpften Christen und Moslems um die Vorherrschaft in der Region. Und um sich vor Angriffen und Plünderungen zu schützen, waren die Mönche auf die schwer zugänglichen Inseln geflohen.Priester der Beter Mariam Kirche in Zegie

Noch heute gehören weit mehr als 40 Prozent der Äthiopier dem orthodoxen Glauben an. Damit zählt ihr Land zu den ältesten christlich geprägten Staaten der Welt.

Weiß – das Symbol der Reinheit

Als wir morgens um acht mit unserem Boot an der Insel  Zegie anlegen, ist die Messe in vollem Gang. Die Gläubigen sitzen im weiten Kreis um die viel zu kleine Kirche und lauschen den Worten des Priesters. Tanasee, Äthiopien

Schon seit Mitternacht wird hier die Messe gelesen – die ersten Stunden nur für die Mönche des Klosters. Doch nach drei Uhr morgens lassen sich auch die Dorfbewohner auf der Wiese vor dem Gotteshaus nieder. Sie alle sind in weiße Tücher gehüllt – nicht nur ein Schutz vor der Morgenkühle des äthiopischen Hochlandes, sondern auch als ein Zeichen des Glaubens. Denn die weiße Farbe symbolisiert für die Gläubigen der äthiopisch-orthodoxen Kirche die Reinheit.

Die Beter Mariam Kirche auf Zegie – übersetzt bedeutet der Name in etwa „Maria ist unsere Stütze“ – gilt als eine der schönsten im Norden Äthiopiens. Die grell bunten Wand- und Stoffmalereien sind in ihren Ursprüngen fast ein halbes Jahrtausend alt. Doch sie wurden immer wieder nach- und übermalt. Dabei ließen die Künstler auch ihrer eigenen Ideen und Beobachtungen mit einfließen. So sind auf einigen Bildern als Tribut an unsere Zeit mit Gewehren bewaffnete Männer zu sehen.

Rasso Knoller

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