Kanada: Ottawa – die grüne Hauptstadt unterm Ahornblatt

© Rasso Knoller

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Mit ihren vielen Parks und dem Ottawa River ist die kanadische Hauptstadt die perfekte Spielwiese für Outdoorfans. Museen der internationalen Spitzenklasse locken Kunstliebhaber an.

Es wird überall gejoggt und geradelt in der Stadt. Dem ersten Eindruck nach ist Ottawa nicht nur die kanadische Hauptstadt, sondern auch die Welthauptstadt des Sports.
Am Mittwochvormittag strecken und recken zwei- bis dreihundert Menschen auf ihren Matten liegend auf der Wiese vor dem Parlament ihre Arme und Beine dem kanadischen Himmel entgegen, schwingen sich zur Kerze auf und gehen in den Hund. Dann ist die Zeit für öffentliches Yoga.

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Gäste der Stadt breiten vor dem Parlament nur selten ihre Yogamatte aus. Sie holen sich ihre Fitness beim Aufstieg zum 92 Meter hohen Turm des Parlaments, dem Peace Tower. Er war nach dem Ersten Weltkrieg in Gedenken an die dort gefallenen 65.000 kanadischen Soldaten errichtet worden. Wer will, kann im Anschluss an die Turmbesteigung an einer kostenlosen Führung durch die Räume des Parlaments teilnehmen. Kanadische Geschichte zum Anfassen sozusagen. Besonders stolz ist man in Ottawa auf die Parlamentsbibliothek, die in den 1860er Jahren im neogotischen Stil erbaut wurde.

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Sportfans haben in und um Ottawa unzählige Möglichkeiten. Die Natur hat hier ihren Kampf gegen die Zivilisation noch lange nicht aufgegeben – große Parks ziehen sich durchs Stadtzentrum und über den Ottawa River kann man bis nach Montreal und Toronto paddeln. Zu Zeiten der ersten Siedler war der Fluss die wichtigste Verkehrsader im Osten Kanadas. Heute ist der Ottawa River Spielwiese für Wassersportler aller Art. Im Winter ist Eishockey die unangefochtene Nummer Eins unter allen Sportarten. Wer nicht selbst die Kufen schnüren will, sollte zumindest ein Spiel der Ottawa Senators besuchen. Wenn die Profis gegen ihre Gegner aus der NHL spielen, ist das 18.000 Zuschauer fassende Canadian Tire Centre meist ausverkauft. Schade nur, dass die Puckjäger aus Ottawa bisher noch kein einziges Mal den Stanley Cup, die gemeinsame Meisterschaft der kanadischen und amerikanischen Eishockeyteams, gewinnen konnten.

Hauptstadt der kurzen Wege
Ottawa zählt knapp 900.000 Einwohner. Trotzdem kann man fast jede Sehenswürdigkeit fußläufig erreichen. Das Canadian Museum of History, das, wie der Name nahelegt, einen Streifzug durch die Geschichte Kanadas anbietet, ist die meistbesuchte Ausstellung des Landes. Besonders aufwendig gestaltet ist die Abteilung, die sich mit dem Leben der Ureinwohner beschäftigt. Beliebtes Fotomotiv sind die riesigen Totempfähle, die, wie der Guide bei seiner Führung durch das Museum betont, nie „zum Martern“ verwendet, sondern zu Ehren eines bedeutenden Häuptlings oder Kriegers errichtet wurden. Ein bisschen waren sie auch zum Angeben da – denn einen Totempfahl weihte man mit einem riesigen, mehrtägigen Fest ein, zu dem man alle Stämme der Gegend einlud. Wer den schönsten Pfahl hatte und das aufwändigste fest feiern ließ, genoss ein besonderes Ansehen.

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Noch mehr über das Leben der kanadischen Indianer erfährt man im Freilichtmuseum „Aboriginal Experiences“ am Rande der Innenstadt. Stephanie Sarazin vom Stamm der Pikwakanagan führt in einem purpurnen Stammeskleid und mit reich geschmückter traditioneller Perlenkette durch das Freilichtmuseum. In launigen Worten und immer lachend erzählt die junge Frau von der Geschichte der Indianer. Wenn sie von der Situation der Ureinwohner im heutigen Kanada erzählt, scheint sich ihre Stimme plötzlich vor Aufregung zu überschlagen. Dann sagt sie auch Sätze wie: „Ja, wir werden hier immer noch benachteiligt, aber damit muss ich lernen zu leben.“ Sie atmet tief durch und erzählt, wie die Regierung die Indianer denselben Jagdbeschränkungen unterwirft wie Hobbyjäger und somit vielen Stämmen die Lebensgrundlage entzieht.
Fast symbolisch ist es da, dass man vom Museum der Ureinwohner den besten Blick der Stadt auf das Parlament hat.

Restaurants in Byward Market

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Ein Schloss am Rande des Zentrums
In der National Gallery werden die Werke der Großen der kanadischen Kunst ausgestellt – Namen wie Tom Thomson, Emily Carr und Alex Colville sind in Europa vermutlich nur wenigen Kunstkennern bekannt. Aber wer nach hierzulande berühmten Namen wie van Gogh, Cézanne oder Picasso sucht, wird ebenfalls fündig. Um die Sammlung mit europäischer Kunst dürfte so manches Museum auf dem alten Kontinent die Kanadier beneiden.
Allein schon das Museumsgebäude ist ein Hingucker. Erbaut von dem kanadisch-israelischen Architekten Moshe Safdie, der sich vor allem durch die Sanierung der Altstadt von Jerusalem international einen Namen gemacht hat, besticht das aus Glas und Granit erbaute Bauwerk durch seine klaren Linien.
Unmittelbar ans Zentrum schließt sich Byward Market an. Kleine Läden, Cafés und Restaurants prägen das Bild dieses Stadtteiles, der besonders bei Touristen beliebt ist. Wer Spitzenküche sucht und sein Steak mit einem hervorragenden kanadischen Rotwein hinunterspülen will, schaut im Play in der York Street vorbei. Die freundliche und kompetente Bedienung gehört in dem Restaurant zwar zum Konzept, doch liegt „Dauer-gute-Laune“ Kanadiern ohnehin im Blut. Muffigen Service gibt es nirgends.
Wie breit in Byward Market das Spektrum des gastronomischen Angebots ist, zeigt sich nur eine paar Schritte weiter die Straße hinunter. In „The Dominion Tavern“ legt man auf feine Tischsitten nur wenig Wert, Bier ist das meist bestellte Getränk und statt „Elchsteak medium rare“ isst man hier fettige Hamburger.

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Sogar ein Schloss haben die Kanadier zu bieten. Allerdings war das Chateau Laurier niemals eine echte Adelsbehausung gewesen, sondern von Anfang an ein Nobelhotel – eröffnet 1912. Auch im Chateau hat man zum Thema Kunst einiges zu bieten; eine Dauerausstellung mit Fotos des weltberühmten Portraitfotografen Yousuf Karsh, der 18 Jahre lang in dem Hotel gewohnt hatte.

Text und Fotos: Rasso Knoller

 

Costa Rica: Zwischen Karibik und Pazifik

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Costa Rica fasziniert als ökologisches Reiseziel. Seine Schätze sind Urwälder, Vulkane, Wasserfälle, Brüllaffen, Orchideen, Vögel.

Aufregung schon am frühen Morgen. „Dort, die Palm-Piperschlange auf dem Boden“, ruft Ronaldo und greift nervös nach einem Stock. Sofort umringelt ihn das grünschwarze Reptil. Es zischelt, zeigt seine spitzen Zähne. Unwillkürlich weichen die Wanderer zurück. „Ja, sie ist tödlich! Einem Chamäleon ähnlich kann sie sieben verschiedene Farben annehmen und ist im dichten Dschungel kaum erkennbar“, warnt der Tico, wie sich die Einheimischen nennen. Geschickt jongliert er das ein Meter lange, kräftige Tier in einen ausgehöhlten Baumstamm, wo es sich scheinbar gemütlich zusammenrollt.

Die Gruppe ist im Tenorio Volcano Nationalpark unterwegs, nördlich der Hauptstadt San José, nahe der Grenze zu Nicaragua. Gut, in Begleitung eines erfahrenen Mannes wie Ronaldo zu sein. Denn im Urwald steckt beides: Schönheit und Grauen. Der Primärwald hat zwei Vulkane, ist 600 Jahre alt und liegt 830 Meter über dem Meer. Der Weg hinein schlängelt sich durch dichtes Grün, führt unter Baumriesen durch, zottig behangen mit Epiphyten, dann wieder durch flirrendes Gewirr von Farnen und Lianen. Tellergroße Morpho-Falter funkeln stahlblau in der Sonne, Kolibris schwirren von Blüte zu Blüte. Das Krächzen von Aras ist zu hören, Brüllaffen hangeln lautstark in den Wipfeln – und die Faultiere verschlafen 20 Stunden ihres Tages. Man muss sich einfühlen in diese fremde, alte Welt.

riesenpalmeAber es kommt noch besser! Man sieht ihn nicht, nur von Weitem hört man ein ständiges Brausen. Dann plötzlich Gischt aus dem kleinen Tal – der Catarata Rio Celeste! Auch wenn der Abstieg beschwerlich ist, diesen Wasserfall darf man nicht verpassen! Unten angekommen traut man seinen Augen nicht, starrt auf eine überirdische Märchenwelt. Ein kraftvoller Fluss, der Rio Celeste, stürzt 30 Meter hinab in ein Becken vulkanmineralisch hellblauen Wassers. Allein inmitten eines smaragdgrünen Waldes, geblendet vom blauen Wunder der Natur, lost in paradise…

sonnen-und-farbspiel-im-regenwaldCosta Rica – Reiche Küste. Auch wenn Kolumbus bei der Namensgebung anderes im Sinn hatte: Schätze birgt das kleine Land in Hülle und Fülle. Nicht goldglänzend und diamantenfunkelnd, sondern dschungelgrün, orchideenrot und meerblau. Von den etwa fünf Millionen Tier- und Pflanzenarten unserer Erde sind zwei Drittel hier vertreten – Weltrekord! Darunter sind Jaguare, Pumas, Krokodile, Nasenbären, Eidechsen, Affen.  Acht verschiedene Vegetationszonen vom Nebelwald, Sumpfgebiet bis hin zur Steppe! Gut ein Viertel des Landes steht unter Naturschutz. Wieder Weltrekord! Allein 852 verschiedene Vogelarten locken Besucher hierher. Glücklich, wer einen Tukan oder den farbenprächtigen „Göttervogel“ Quetzal vor die Linse bekommt.

Der Dschungelstreifen wird im Norden von Nicaragua, im Süden von Panama begrenzt. Ein friedliches, sicheres Land zwischen zwei Meeren, mit 1000 Kilometern Stränden, wenig größer als die Schweiz. Alles ist möglich: morgens baden vorm weißen Karibikstrand, abends beim Cocktail der perfekte Sonnenuntergänge hinterm Pazifik!

abendhimmel-ueber-costa-ricaSchmutzig, verschwitzt, aber belustigt über die Kapuzineräffchen, die in den Blätterdächern toben, erreichen wir das Hideaway Rio Celeste. Es öffnet sich ein wohlgepflegter Tropengarten: um rote Hibiskusblüten schwirren Kolibris, die gelben Spitzen einer Helikonienblüte leuchten in der Sonne, üppige Ficuspflanzen wuchern um die Wette. Dazwischen „Cabinas“, aus Holz gebaute Lodges, innen geschnitzte Tropenmöbel, dekoriert mit knalligfarbenen Kissen. Nur knapp zwei Stunden Autofahrt sind es bis San José: Zivilisation und Urwald so nahe! Überall an Costa Ricas Stränden, im vulkanischen Hochland, im Dschungel werden neue Anlagen gebaut, Luxus und Ökologie im Einklang.

19-allgegenwaertig-der-kegelige-vulkan-arenalaDas Abendkonzert beginnt mit dem Glucksen der Kröten, schwillt an zu vielfältigem Fiepen, Zirpen, Keckern und Schnalzen. Nach Sonnenuntergang senden Tausende von Glühwürmchen Lichtblitze in die Finsternis, Fledermäuse gleiten lautlos durch die Nacht. Ranger David ermuntert zum Aufbruch. Mit Taschenlampen gehen wir hinter dem Resort hinein in die Finsternis des Dschungels. Tiere sind unsichtbar, Geräusche noch intensiver als am Tage. Mit sicherem Gespür leuchtet David Taranteln, Wolfsspinnen, Skorpione, Frösche, Zikaden, Rieseninsekten an – ein Tapir raschelt durchs Gebüsch. Die engstehenden Bäume, Palmen, die übergroßen Blätter erscheinen wie Gemäldefetzen von Rousseau. Naturkundeunterricht zum Anfassen – aber besser nicht! Das Dinner im offenen Restaurant bei leiser Musik ist Entspannung.

Am nächsten Morgen erwachen wir nicht unterm Sonnenlicht, sondern vom ohrenbetäubenden Radau der Vögel und Brüllaffen. Das ist der Soundtrack zur Fahrt ins Naturschutzgebiet um den Vulkan Arenal in der Provinz Guanacaste. Zuckerrohrfelder, Bananenhaine, Kaffee- und Ananasplantagen zeigen die Vielfalt des Landes.

hibiskusblueten-zart-wie-spitzeWir treffen auf Dörfer der Handwerker und Öko-Bauern. Das Städtchen Sarchí ist berühmt für seine „Caretas“ – buntbemalte Ochsenkarren aus Mango- und Mahagoniholz, die früher zumeist Kaffee, Zuckerrohr, Mais zu den Märkten fuhren. „Die Karren mit Kaffee, „unserem wohlduftenden Gold“, ratterten in Karawanen von Hunderten zum Hafen Puntarenas, wo die Engländer die ersten Abnehmer waren“, erzählt Joaquín Chaverri, Enkel der Gründerfamilie, die 1903 die ersten Caretas zimmerte. Die Blumenmotive in ihren leuchtenden Farben entstammen dem indigenen Leben. Heute stehen die Karren auf der Weltkulturerbe-Liste, als Souvenirs begehrt – und in unzugänglichen Gegenden noch immer in Betrieb.

handbemalte-ochsenkarrenVor dem 1600 Meter hohen Vulkankegel Arenal rauschen Hibiskus- und Bourgainvillea-Büsche vorbei, Pferderanches, Kaffee- und Ananasplantagen – dem Fruchtexport Nummer eins. Auf seiner Finca Educativa begrüßt uns Don Juan, der Lehrer. Sein Credo: Gesunde Kost aus gesunder Umgebung. Schüler, Studenten, Touristen, alle können hier arbeitend die Sinne fürs Ökologische schärfen.

Don Juans Spezial-Lunch: Gegrillter Tilapia-Fisch, Schweinekruste mit Chips aus Yuccawurzeln, Chayote – grüner Kürbis -, gebratene Platanos, schwarze Bohnen, dazu Saft frischer Moringablätter. Flan caramel! Ohne Frage, das ist Costa Ricas „Pura Vida“, das ganz eigene Lebensgefühl der Ticos. Sie zählen sich zu den glücklichsten Menschen der Welt.

Text und Fotos: Katharina Büttel

Mehr über Costa Rica lesen Sie hier:

Costa Rica: Auf der Suche nach Öko Rica

Kuba: Segeln ist die beste Medizin gegen Stress

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Wir sind gestresst, wollen raus aus dem Alltag, rein ins karibische Abenteuer. Endlich Urlaub. Abschalten, Baden, Energie tanken. Da ist Segeln auf Kuba die beste Medizin. Vor der Küste der größten Antillen-Insel kommt die Entschleunigung von ganz allein.
Unser Katamaran liegt in Cienfuegos, der alten Hafenstadt im südlichen Zentral-Kuba. Hier gibt es den bislang einzigen Yachtcharter-Hafen der Insel. Schon heute platzt er aus allen Nähten. Bald wird die Marina wachsen, 300 Liegeplätze sind geplant, alles soll moderner werden. Die Zukunftsmusik klingt so: Die Uferpromenade wird erneuert, ein Hotel- und Apartment-Komplex wird entstehen, Cafés und Einkaufmöglichkeiten ergänzen das neue Ensemble zwischen dem Hafen und dem in die Jahre gekommenen Hotel Jagua. Allen ist klar: es gibt viel zu tun.

 

k1024_car_purple_cienfuegos_loKeine Zeit zum Faulenzen

Bevor es aufs Meer „geht“ heißt es zunächst Wasser tanken, Proviant besorgen und die Ausschiffungsformalien erledigen. Das geschieht im Büro des freundlichen Hafenkapitäns, und nimmt einige Stunden in Anspruch. Am nächsten Morgen endlich setzen wir Segel. Ausgestattet mit Bade- und Schnorchel-Equipment führt uns ein guter Wind zu Trinidads stadtnahem Hafen Casilda. Trotz bröckelnder Fassaden hat die kunterbunte, koloniale Welterbe-Stätte den Glanz vergangener Tage nicht verloren. Einige Gebäude entlang der alten Pflasterstraßen sehen hellwach aus, andere scheinen zu schlafen. Die Fenster der Häuser bestehen aus beweglichen, um die Längsachse drehbaren Holzleisten. Wie Augenlider kann man sie auf- und zuklappen. Diese natürliche Air-Kondition lindert die Hitze, die über Trinidad liegt.

Robinson-Crusoe-Land

Auf dem Meer ist es viel angenehmer. Selbst unter weitgereisten Fahrensleuten gilt Kuba als unvergleichliches Segelrevier. Der große Vorteil gegenüber anderen Karibik-Inseln ist die Tatsache, dass die einsamen Buchten und palmengesäumten Strände mit keiner Yacht, mit keinem anderen Segelboot geteilt werden müssen. Hier ist Robinson-Crusoe-Land pur. Es „regiert“ das Gefühl von absoluter Freiheit.
k1024_catamaran_2_family_varadero_loFischen und Segeln gehören auf unserer Reise zusammen. Wir sind gut ausgerüstet. Doch leider taugen unsere mitgebrachten Angeln nicht viel. Das merken wir schon nach kurzer Zeit. Immer wieder wird der Köder abgebissen und verschwindet in den Weiten des Meeres. Zurück bleibt nur ein Stück Angelschnur. Alberto, unser Skipper, betrachtet milde lächelnd unsere „Angelkünste“. Als die Angst über ein wahrscheinlich ausbleibendes Abendessen zu groß wird, packt er endlich sein Hochsee-Gerät aus. Doch auch das bietet keine Garantie fürs Dinner. Als schon kaum noch Hoffnung besteht, nähern sich wie aus dem Nichts Fischer-Freunde von Alberto. Pablo, ein älterer, drahtiger Mann mit zerlöchertem Unterhemd, schwingt sich zu uns herüber. Die Männer begrüßen sich herzlich. Mit einer Büchse „Cristal“, dem beliebtesten Bier der Kubaner, wird zünftig auf die Begegnung angestoßen. Dann erzählt Pablo von seinem Fang: Ein Fünf-Kilo-Red-Snapper und zwei Kilo Scampi sind ihm ins „Netz“ gegangen. Uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Es kommt zum Tauschgeschäft.

Bier gegen Fisch
Rum und eine Palette Cristal gegen ein zünftiges Abendessen. Die Freude ist gegenseitig. Schließlich kommt man auf See nicht alle Tage so leicht zum Bier. Und wir? Wir sind glücklich über fangfrischen Fisch mit Meeresfrüchten.
Es ist nicht leicht, außerhalb der größeren Ortschaften einzukaufen. Auf Kuba ist immer noch Improvisationstalent sehr gefragt. Es mangelt an vielen Dingen. Gleichwohl steht das Land erfolgreicher da als die meisten Nachbarinseln. Neben einem sehr hohen Standard im Bildungs- und Gesundheitswesen, gelingt es Kuba immer besser, die eigene Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Kindersterblichkeit ist geringer als in den USA. Und trotz der allgegenwärtigen Engpässe gibt es hier die geringste Kriminalitätsrate in der Karibik.
k1024__mg_3883__Aber wir sind nicht zum Politisieren nach Kuba gekommen, von jetzt an gehört unsere ungeteilte Aufmerksamkeit dem Meer. Gerade das Segelrevier vor der Südküste bietet den Abenteuerlustigen, den Freizeitmatrosen, Tauchern und Anglern ein aus 660 unbewohnten kleinen Koralleninseln bestehendes Naturparadies. Ein sehr schönes Eiland ist das Cayo Iguana, die Insel der Leguane. Bewohnt von einem kubanischen Ehepaar, zirka 10.000 Leguanen und einer Million Einsiedler-Krebsen. Gott sei Dank vermieten die beiden alles, was es braucht, um die Insel zu erkunden.

k1024_kayak_cayo_iguana Uns genügt dazu ein knallgelbes, nagelneues Kajak. Es bringt uns um das kleine Stück Erde im Meer. Nach drei Stunden wird es Zeit für den Katamaran. Voller tierischer Eindrücke steigen wir in das Schlauchboot. Es muss nur noch angelassen werden.
Optimistisch nimmt unser Freund Thomas die Startschnur in die Hand. Kraftvoll zieht er am Starter. Der Motor gluckert kurz und bleibt stumm. Eine solche Art von Ungehorsam ist Thomas nicht gewöhnt. Er zieht ein zweites Mal. Noch kräftiger. Karibisch gelassen sagt der Motor wieder nichts. Nun platzt Thomas der Kragen. Mit Brachialgewalt reißt er die Schnur nach oben … und hat sie in der Hand.
Katamaran adieu!
Wie sollen wir nur zu unserem schwimmenden Zuhause kommen? Zu allem Unglück geht auch noch der Tag zur Neige, die Dämmerung bricht herein und unser Skipper ermahnt uns per Nebelhorn zur Eile.
Jetzt ist guter Rat teuer. Als die anwesenden Damen sich bereits auf interessante Stunden mit ihren Leguanen eingerichtet haben, tauchen überraschend bärtige Lebensretter auf. Sie entpuppen sich als freundliche Fischer. Tatkräftig nehmen unser Schlauchboot an die Hand und ziehen es die 500 Meter übers Meer bis zu unserem Ankerplatz. Kaum an Bord bedauern die Damen das nicht vollzogene Iguana-Abenteuer. Aber der Abend wird noch groß! In echt kubanischer Manier feiern wir mit Rum die Salsa-Nacht.
Am nächsten Morgen blicken wir wie Kolumbus in ein grünes Panorama mit menschenleeren, weißen Sandbänken. Mangrovenhölzer zieren wie Kunstwerke den Strand. Rund um unseren Katamaran tanzen kleine Schaumkronen, fordern uns auf, ins salzige Nass zu springen. Ausgelassen und frei wie Kinder. Die Welt unter Wasser ist Lebensraum für rund fünfzig Korallenarten und über 500 Fisch-Gattungen. Die bekanntesten sind unter ihnen: Barracudas, Snappers und Thunfische. Das Segeln im vollen Wind lockt zum süßen Nichtstun. Einschlafen mit der Musik des Meeres, den ganzen Tag auf dem Schiff herumturnen, sich keinem Dresscode unterwerfen. Das ist der wahre Luxus eines modernen Menschen…
Beiß, Bonito, beiß
Und es geht noch besser, plötzlich ist da der erste Fisch an der Angel. Zuerst ein vorsichtiges Rucken, dann ein energischer Biss, ein Bonito, eng verwandt mit den Thunfischen, hängt am Haken. Was für ein Hochgefühl! Wie eine Trophäe tragen wir ihn kurz später zum Grill. Selbst ungewürzt schmeckt er köstlich.
Weniger begeistert zeigt sich unser Skipper. Die umherfliegenden Grillkohle-Partikeln haben den weißen Bootsbelag in ein rußig-graues Schlachtfeld verwandelt. Nach zwei Stunden Schrubben ist der Katamaran wieder sauber, und wir haben uns einige Runden Domino-Spiel im Mondschein verdient.
k1024__mg_5632-2__Auch der nächste Tag gehört der Entspannung, es wird geschnorchelt und wer Lust hat, döst im Schatten der Palmen. Ein Tag vergeht wie der andere. Und doch kommt keine Langeweile auf. Das liegt auch daran, dass diese unvergleichliche Insel ein gesundes Herz hat. In seinen beiden Kammern leben unterschiedliche Zeitgefühle. Und doch funktionieren sie als Ganzes. In der einen Kammer lebt das typische Alltagsleben, die andere enthält eine gesunde Portion Aufbruchsstimmung, drückt aufs Tempo! Solange das kubanische Herz in diesem Rhythmus schlägt, ist einem um Kuba nicht bange.

Text: Kornelia Doren

Fotos: Marketing Cuba (5), K. Doren (1)

Ausführliche Infos zum Segeln auf Kuba finden Sie hier:

Kuba: Reiseinfos für Segler

Kuba: Reiseinfos für Segler

k1024__mg_3883__Reiseinformationen:

Kuba ist (noch) ein sehr ursprüngliches, aufregendes Segelrevier  – ob zum Mitsegeln auf  dem Katamaran mit Skipper oder für Selbstfahrer-Crews auf Yachtchartern.

Anreise
Condor hält Kuba seit 25 Jahren die Treue und hat die Anzahl seiner Flüge und Flugstrecken nach Kuba expandiert. Die Airline bietet Direktflüge nach Havanna, Varadero, Holguin und Santa Clara.

Die Marina von Cienfuegos ist ca. 250 km (3 Std.) vom Flughafen Havanna und ca. 60 km (1 Std.) vom Airport Santa Clara entfernt. Die Transfers zur Marina können bei spezialisierten Reisebüros wie Cuba Star Travel (www.cubastartravel.com) oder bei den Yacht-Charterfirmen gebucht werden.

Wind und Wetter
Kuba bietet ein subtropisches Klima und wird vom milden Nordost-Passat beeinflusst. Mit meist beständigen Winden zwischen 10-15 Knoten ist Kuba ist ein ganzjähriges Revier. Im Juli-August ist es meist sehr heiß mit über 30° Celsius. Im Januar wird es nie kälter als 18° Celsius. Die Wassertemperatur liegt meist bei 24 ° Celsius.

Einreisebestimmungen
Zur Einreise benötigen Sie einen noch 6 Mon. gültigen Reisepass und eine Touristenkarte.
Segeln ab Cienfuegos: Interessierte mit und ohne Segelerfahrung können in der „Marina Marlin“ Katamarane des Veranstalters „Dream Yacht Charter“ über die Firma „MASTER YACHTING“ buchen. Da das Segeln in diesem Revier anspruchsvoll ist, empfiehlt sich ein Skipper. Auch ein glänzender, amüsanter Koch wie Hugo steht auf Wunsch bereit. Das Chartern einzelner Kabinen ist ebenfalls möglich. Alle Einschiffungs- und Übernahme-Formalitäten werden in der „Marina Marlin“ schnell, charmant und professionell erledigt. Charter-Preisbeispiel: Eine „Nautitech 40 Open“ von Dream Yacht Charter kostet pro Woche zwischen 2600€ (Oktober 2016) und 4100€ (Mai 2017). Ein Skipper kostet am Tag zwischen 80€ und 95€.
Kontakt: Master Yachting GmbH, Yachtcharter 1a, 97286 Sommerhausen, Tel.: 09333/90 440

Weitere Anbieter in der Marina Cienfuegos:

ALBORAN-BLUESAIL, CON-IMPEX Touristik GmbH & Co. KG, www.alboran-bluesail.com / www.alboran-charter.com

PLATTEN SAILING CUBA, http://www.platten-sailing.de,

Cienfuegos: Empfehlenswert ist für die Voranreise eine Übernachtung in der original erhaltenen Kolonialvilla „Casa Azul“, die sich gleich neben dem Yacht-Hafen befindet. Buchbar bei www.cubastartravel.com

Trindidad: Restaurant “Sol Ananda”, Calle Real # 145, Plaza Mayor. Feine Küche, argentinische Weine und Degustationen. Tel. + 53-528 146 12,

Allgemeine touristische Infos:
Kubanisches Fremdenverkehrsamt: www.cubainfo.de

Zusammengestellt von Kornelia Doren

Noch mehr zu Kuba finden Sie hier:

Kuba: Auf leeren Straßen durch den Westen der Zuckerinsel

 

 

USA: Reisen nach Trump-SA?

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Die USA haben gewählt und die Welt ist schockiert. Mit einem Präsidenten Donald J.Trump können sich hierzulande nur die wenigsten anfreunden – bisher war der Immobilienmogul ja auch vornehmlich mit rassistischen und frauenfeindlichen Parolen aufgefallen und weniger mit einem schlüssigen politischen Konzept.

Offenbar macht sich auch die deutsche Reiseindustrie Gedanken. Nur einen Tag nach der Wahl hat Urlaubsguru.de – eine der größten unabhängigen Reise-Webseiten Deutschlands –seine mehr als 5,6 Mio. Facebook-Fans und Leser gefragt.

Wer von euch reist nun nicht mehr in die USA? Mehr als 5.000 Stimmen liegen inzwischen vor – und das Ergebnis ist, dass ein Drittel der Befragten die USA künftig meiden wird, 55 Prozent wollen sich nicht durch den Ausgang der Wahl beeinflussen lassen und elf Prozent waren ohnehin nie sonderlich an Reisen in die USA interessiert.

Auch CANUSA, der Spezialist für Reisen nach Nordamerika, meldete sich am Tag nach der Wahl zu Wort. Tilo Krause-Dünow, der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens wird in einer firmeneigenen Pressemeldung zitiert und beschwichtigt: „Für mich persönlich ist der Wahlausgang überraschend, denn in vielen Gesprächen mit unseren Partnern in den USA hatte es sich für mich abgezeichnet, dass Hillary Clinton das Rennen machen wird. Die Wahl von Donald Trump zeigt aber: Alles ist möglich in den USA. Es ist eine andere Kultur, eine andere Welt. Der neue US-Präsident wird das Reiseland der unbegrenzten Möglichkeiten sicher verändern, aber die Menschen, das Land und die Natur werden weiterhin ein großer Magnet für die Touristen sein, die von diesem Kontinent fasziniert sind oder ihn kennenlernen wollen, auch oder vielleicht gerade nach einer solchen Wahl. Ein Buchungseinbruch ist daher nicht zu erwarten. Der Wahlsieg von Donald Trump ist zunächst einmal eine Sache der Amerikaner und so werden es auch die deutschen Touristen sehen.“

Ob die Leser von Urlaubsguru.de Recht behalten werden und der Tourismus Richtung USA tatsächlich einbricht oder ob die Staaten auch in der Trump-Ära weiterhin zu den Lieblingsreiseländern der Deutschen gehören werden, wird erst die Zukunft zeigen. Interessant ist es aber allemal,  wie sehr die Wahl Trumps die deutschen Touristiker in Aufregung versetzt.

Rasso Knoller

Trump ist Ihnen egal? Sie fahren trotzdem in die USA? Dann finden Sie hier Reisetipps.

USA: Palm Springs – Im Bett von Frankie-Boy

Trump regt Sie auf? Dann zur Abkühlung vielleicht lieber in den Schnee.

USA: Geheimtipp Telluride – Vom Minenstädtchen zum Weltklasse-Skiresort

Abkühlen kann man sich auch im Meer – am besten im Süden Kaliforniens

USA: SanDiego – West Coast und Lebenslust

Costa Rica: Barrierefreies Reisen in den Nationalparks

k1024_manuel-antonio-national-park_ictCosta Rica will körperlich beeinträchtigten Menschen den Zugang zu den Nationalparks vereinfachen und stellt auf Barrierefreiheit um.

Die Welttourismusorganisation (UNWTO) setzt sich stark für die allgemeine Barrierefreiheit im Tourismus ein, um allen Besuchern den Zugang zu jenen Bereichen zu gewähren, die für benachteiligte Personen nicht oder nur schwer zugänglich sind. So bietet Costa Rica mit den Gesetzen zur Chancengleichheit beeinträchtigten Personen neue Möglichkeiten, aktiv die Natur zu erleben. Mit Erfolg: die Schaffung von Barrierefreiheit in einigen Nationalparks des Landes erbrachte eine Steigerung der Besucherrate um 50 Prozent.

In einem Gemeinschaftsprojekt haben nun das Nationale System von Schutzgebieten (SINAC) und verschiedene Organisationen mit entsprechenden Beschilderungen und geschützten Bereichen dafür gesorgt, dass benachteiligten Personen ein uneingeschränkter Zugang zu Costa Ricas Wundern der Natur gewährt ist.

Nach einer ausführlichen Evaluation sind folgende Nationalparks aufgrund ihrer ökonomischen Repräsentanz für das Programm zur Barrierefreiheit ausgewählt worden: der Vulkan Poás, der Vulkan Irazú, der Nationalpark Carara, Santa Rosa, das Nationalmonument Guayabo und der Nationalpark Manuel Antonio. Der erste „universelle Pfad“ – ein Pfad, der von jedem uneingeschränkt durchquert werden kann – wurde im Nationalpark Carara geschaffen.

Weitere Nationalparks sind diesem Beispiel gefolgt: Im Zuge dessen wurden nicht nur barrierefreie Pfade erstellt, sondern auch Signalanlagen für Sehbehinderte oder Zugangsrampen für Rollstuhlfahrer und Aussichtspunkte an unebenen Stellen.

Weiterführende Informationen über Costa Rica: www.visitcostarica.com

Argentinien: Buenos Aires – Tango, Fußball, Maradona und saftige Steaks

Am Plaza de Mayo hat alles angefangen, hier soll Juan de Garay 1580 Bueos Aires gegründet haben. Rings um den Platz stehen pompöse Gebäude, vom rosaroten Regierungspalast über große Banken bis zum Rathaus.

Buenos Aires ist alles: eine riesige 12-Millionen-Metropole, laut, hektisch, immer in Bewegung, wenn nicht gerade wieder mal Megastau herrscht, voller Monumentalbauten mit prächtigen Fassaden, dazwischen quetschen sich jede Menge hässliche Betonbauten, jeder Quadratmeter ist kostbar, moderne Hochhäuser in Reih und Glied, dann wieder ärmliche Einwandererviertel. Nach ein paar Erkundungen zu Fuß wird mir schnell klar, dass so die Stadt nicht zu erkunden ist. Also eine Fahrt mit dem Hop on Hop off Bus und die Stadt vom Sonnendeck aus inspizieren. Gut drei Stunden wühlt sich der Bus durch den Verkehr, hält an hundert Ampeln, steckt im Dauerstau, kommt langsamer als so mancher Fußgänger vorwärts, angeblich alles ganz normal, deshalb verliert auch kaum einer die Nerven.

Egal, wo man hinkommt, wartet schon eine Schlange. Die Argentinier lieben es Schlange zu stehen. Ob an der Bushaltestelle oder vor dem Restaurant, da wird nicht gemurrt oder gedrängelt, egal, wie lange es dauert. Jeder Engländer würde bei so viel Disziplin vor Neid erblassen.

Puerto Madero ist der neueste Stadtteil von Buenos Aires und der am schnellsten wachsende. Hochhäuser schießen in dem einst heruntergekommenen Hafenviertel förmlich in den Himmel, ständig entstehen neue Büros, Wohnungen, Geschäfte und Restaurants. Geld scheint hier keine Rolle zu spielen.

Was fällt einem ganz spontan zu Argentinien ein? Tango, Fußball, Maradona und natürlich saftige Steaks. Wo Touristen sind, ist auch der Tango nicht weit. Zu jeder Tages- und Nachtzeit tanzt ein Paar auf der Straße oder in den Restaurants – natürlich nicht nur aus reinem Spaß, ein paar Pesos müssen dabei schon den Besitzer wechseln.

Maradona lebt immer noch in La Boca, zumindest will mir das sein Double weismachen. Seine Nationalmannschaftstrikots mit der legendären Nummer 10 verkaufen sich noch heute bestens in den Läden neben dem Stadion, dort wo der Göttliche für die Boca Juniors gespielt, nein gezaubert, hat. Auch in Caminito ist er allgegenwärtig.

Caminito ist bunt und touristisch, der Montmartre von Buenos Aires. Tangotänzer an jeder Ecke, bereit für ein Foto zu posieren, Künstler, Souvenirshops, Restaurants.

Die Argentinier sind Weltmeister im Rindfleischverbrauch. Hühnchen, Lamm und Schweinefleisch gibt es zwar auch, aber nur ein saftiges Rindersteak vom Grill zählt für Argentinier. Zu Recht, denn egal, wo man hingeht, die Steaks sind einfach göttlich. Leicht rauchig im Geschmack, wunderbar zart und auf den Punkt richtig gegrillt.

Christian Nowak

USA: Palm Springs – Im Bett von Frankie-Boy

© Palm Springs Bureau of Tourism

 

Palm Springs war einst der Rückzugsort der Hollywoodstars, dann besiedelten vermögende Rentner den kalifornischen Wüstenort. Heute finden die Jungen Palm Springs wieder hipp und wer mag, kann bei Sinatra wohnen.

Dass sie eine große Schönheit war, sieht man ihr immer noch an. Große blaue Augen, hellblondes Haar, markante Wangenknochen, die Figur grazil, fast mädchenhaft. Am schlanken Körper trägt die Siebzigjährige ein transparentes Kleid im Hippiestil, in der Hand eine Tasche mit dem Gerät, aus dem der Mann an ihrer Seite, ein attraktiver Endsiebziger, Sauerstoff bezieht. Im Purple Room, einem der Showtempel fürs gesetztere Publikum, werden sie an diesem Abend von der Bühne herunter begrüßt. „Alles Gute zum dritten Hochzeitstag, ihr Turteltauben“, ruft der Mann im silbernen Glitzeranzug dem händchenhaltenden Paar zu. An den kleinen Tischen ringsherum wird applaudiert. Man kennt und man feiert sich in Palm Springs. Die Bewohner der 45 000- Einwohner Stadt scheinen eine eingeschworene Gemeinschaft zu sein, die alle Annehmlichkeiten des Lebens für sich reklamiert, die jeden Tag, koste es, was es wolle, nach dem Carpe-Diem-Motto lebt. So lange es irgendwie geht.

Bei Mel Haber war Frank Sinatra Stammgast

Bei Mel Haber war Frank Sinatra Stammgast

„Dieser Ort ist wie gemacht fürs schöne Leben“, sagt der 78-jährigen Mel Haber, den ich am nächsten Morgen in seinem Hotel, dem Ingelside Inn, treffe. „Schauen Sie sich diesen Himmel an, so tiefblau und wolkenlos ist er hier 330 Tage im Jahr“. Haber ist vor 40 Jahren von New York nach Palm Springs gezogen und hat sich mit dem „Inn“ innerhalb kurzer Zeit einen Namen gemacht hat. In dem Hotel, das an eine spanische Hazienda mit lauschigen Terrassen erinnert, haben sich schon viele Berühmtheiten in den Betten geräkelt. Liza Minelli, Goldie Hawn, Rita Hayworth, Jerry Lewis, Kurt Russel, Sylvester Stallone und viele andere. Mit einem seiner Gäste hat den Hotelinhaber sogar eine Freundschaft verbunden. „Sinatra ging hier ein und aus, in meinem Restaurant hat er sich wie zu Hause gefühlt“, erzählt Haber mit einem zufriedenen Lächeln, das sein sonnengebräuntes Gesicht in unzählige, tiefe Knitterfalten legt.
Als Mitte der 1970er Jahre von New York nach Kalifornien kam, war das im Hinterland von Los Angeles gelegene Palm Springs schon lange beliebtes Winterquartier der Schönen und Reichen. Die Glamourbranche hatte den kalifornischen Wüstenort am Fuße der San Bernardino und der Santa Rosa Berge in den 1920er Jahren für sich entdeckt. Zunächst als wetterbeständige Western-Filmkulisse. Einer der ersten Stars, die sich hier ein Haus bauen ließen, war der Italo-Amerikaner Sinatra. Er hatte 1947 seine erste Million verdient und wollte das erfolgreiche Jahr in dem winterwarmen Wüstenort mit einer rauschenden Party in einer eigenen Villa ausklingen lassen. Dem Architekt E. Stewart Williams blieben also nur wenige Monate, um Sinatras Bauprojekt zu realisieren. Das Ergebnis war spektakulär, ein Bungalow mit riesigen Glasfronten, schlicht und konsequent schnörkellos. Eine Architektur-Ikone der Mid Century Modern Architecture, einem am Bauhaus inspirierten Stil, der zum Markenzeichen der kalifornischen Wüstenstadt geworden ist.

Das Haus von Frank Sinatra

Das Haus von Frank Sinatra

An dieser Adresse, 1148 Alejo Road, habe Sinatra mit Ava Gardener, der Liebe seines Lebens, gelebt, sagt Jeff, der Touristen mit dem Jeep durch die Stadt zu den Adressen der Promis kutschiert. „Die beiden führten eine leidenschaftliche Beziehung, mit erbitterten Streits.“ Der Guide, der das Haus auch von Innen kennt, erzählt von gesprungenen Fliesen – „Spuren eines entgleisten Abends, bei dem die beiden mit Champagnerflaschen nacheinander warfen.“
Zu Sinatras Zeiten ging nur die Creme de la Creme des Showbusiness in dem Bungalow an der Alejo Road ein und aus. Heute können Touristen das Haus mieten, in dem „Frankie Boy“ mit der schönen seiner Ava gelebt, geliebt, gestritten und im Pool geplanscht hat. 2600 Dollar kostet die Nacht. Jeff kurvt mit seinem Jeep um die Häuserblocks von Old Las Palmas und Vista Las Palmas, den Promivierteln von Palm Springs. Überall sattes Grün, hohe Palmen, blühende Hecken, Häuser, die mal Hollywoodstars gehörten. Die Liste der frühere Eigentümer liest sich wie ein „Who is Who“ der Traumfabrik – Clark Gable, Errol Flynn, Gary Grant, Dean Martin, Greta Garbo, Marlene Dietrich, Judy Garland, Liz Taylor, Marylin Monroe und Dutzende andere bildeten hier einst eine überaus illustre Nachbarschaft.
Unser Guide stoppt am Ladera Circle, vor einem runden Haus mit hochaufragendem Glasgiebel. Hier haben Elvis und Priscilla Presley das erste Jahr ihrer Ehe verbracht, klärt er uns auf. Die blutjunge Frau habe den Star auch im Jahr vor der Hochzeit schon in Palm Springs besucht. Das uneheliche Liebesverhältnis sei gar nicht gut fürs Presleys Image gewesen. Darum habe sein Manager auf Hochzeit gedrängt und die Verliebten zum Heiraten ins nahegelegene Las Vegas geschickt. Im Mai 1967 hat der King of Rock n‘ Roll seine Braut dann hier, am Ladera Circle 1350, über die Schwelle getragen.

Im Rundbau am Ladera Circle flirteten Elvis und Priscilla Presley

Im Rundbau am Ladera Circle flirteten Elvis und Priscilla Presley

Jahrzehntelang ist Palm Springs nur ein Platz für den Winter gewesen. Man kam, um das angenehme Klima von Oktober bis April zu genießen. In den Sommermonaten, in denen das Thermometer täglich auf Werte um 40 Grad Celsius klettert, standen die Häuser leer. Die Hotels, die Clubs, die Restaurants – Ende Oktober machte alles dicht. Das änderte sich ab Mitte der 1970er Jahre, erinnert sich Hotelier Haber. „Damals wurde jedes Haus mit Air Condition ausgestattet und auf einmal konnten es die Leute hier auch im Sommer gut aushalten.“ Die frühen Morgenstunden und die Nächste seien ohnehin angenehm kühl. Und der Rest des Tages lasse sich ohne Not in klimatisierten Räumen oder im Schatten hoher Palmen am Pool verbringen.
Die Karawane der Stars ist trotzdem weitergezogen. In den 1980er und 90er Jahren suchten sich die Leinwandhelden weitab von Hollywood andere Rückzugsorte. Millionäre und Milliardäre, die ihr Vermögen weniger publikumswirksam verdienten, kauften sich die Bungalows, verlegten ihren Erst- oder Zweitwohnsitz nach Palm Springs, weil das Klima den Knochen und die klare Luft der Lunge gut tut, und weil es hier, in der Wüste, keine langen Wege, keine Staus, keinen Stress, sondern allenfalls stilvolle Langeweile gibt.
In den letzten Jahren aber mischt die hippe Großstadtjugend den Wüstenort wieder auf. An den Wochenenden kommen Tausende aus dem nahegelegenen L.A., um in den Pools von Palm Springs Schaum-Partys zu feiern. Angesagte DJs liefern den Sound dazu. Die Jungen checken nicht im Ingelside Inn ein, sie wohnen im ACE und in anderen neuen Trend-Hotels. Mel Haber stört das nicht. Er kann noch immer gut von der Klientel leben, die zu ihm kommt, um der Atmosphäre einer vergangenen Epoche nachzuspüren. Die Zukunft seines legendären Hotels? Die interessiere ihn nicht, sagt der 78jährige und lacht. „Was nach mir kommt, ist mir völlig egal. Ich lebe jetzt. Und ich lebe hier, im Paradies.“

Text: Susanne Kilimann
Fotos: Susanne Kilimann (2),  Palm Springs Bureau of Tourism (2)

 

Kanada: Einsamkeit und Elvis Presley – der Klondike Highway

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Der Klondike Highway zwischen Skagway in Alaska und der Goldgräberstadt Dawson in Kanada führt auf 700 Kilometer durch extrem dünn besiedeltes Gebiet. Zum Glück gibt es die Braeburn Lodge und Satellitenradio.

Die Verkehrspolizei in Whitehorse hat schlechte Nachrichten an diesem Wintermorgen. Der Highway, der nach Südwesten führt, ist wegen eines Lawinenabgangs gesperrt. Es kann Stunden dauern, bis die Schneemassen geräumt sind. Mit erneuter Sperrung wegen andauernder Lawinengefahr sei zudem zu rechnen. Skagway, Hafenstadt an der Fjordküste des Alaska Panhandles, jenes Landzipfels, der sich wie ein Pfannenstiel an Amerikas Nordwestküste in den Pazifik schiebt, wird es also vorerst nichts. Neuralgischer Punkt für Winterreisende auf dieser Strecke ist immer wieder der 873 Meter hohe White Pass. Er liegt in den Coast Mountains, jenen Bergketten, die sich an der Grenze zwischen Alaska und der kanadischen Provinz British Columbia ausbreiten. Schon Ende des 19. Jahrhunderts machte der White Pass von sich reden. Für Zehntausende von Glücksrittern aus aller Welt, die in Skagway an Land gingen, war er eines der beiden Einfallstore in den kanadischen Norden, wo man an der Mündung des Klondike ein Goldfeld entdeckt hatte, das eine nie dagewesene Ernte versprach.
Die Kunde von dem sensationellen Fund hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet und löste eine der bemerkenswerten Massenbewegungen aller Zeiten aus. Mehr als Hunderttausend Männer, Amerikaner, Europäer und Australier, sollen sich seinerzeit auf den Weg gemacht haben, um im fast menschenleeren Nordwesten Kanadas ihr Glück zu machen, arme Schlucker zumeist, die nicht einmal genügend Geld für eine ordentliche Ausrüstung hatten.

K1024_c130002_042rrMitten im eisigen Winter des Jahres 1897 erreichte der Ansturm seinen Höhepunkt. Zehntausende, die an der Küste Alaskas landeten, wollten nicht aufs Frühjahr warten, nicht auf die Eisschmelze, nach der auch der Yukon River wieder schiffbar gewesen wäre. Mit selbstgezimmerten Versorgungsschlitten hievten die Männer den Proviant für Wochen über den White Pass und über hunderte Kilometern durch die Weiten des Yukon-Gebiets. Bei Temperaturen von minus 40 Grad Celsius und arktischen Winden eine beinahe unmenschliche Strapaze. Viele erreichten das Ziel nicht, weil unterwegs die Kräfte versagten, und von denen, die es schafften, kamen Tausende zu spät. Die Claims am Klondike waren schon vergeben, abgesteckt und aufgeteilt. Auf manchen Grundstücken plagten sich arme Teufel ohne nennenswerte Ausbeute ab. Nur wenigen Glückspilze, mit denen es Schicksal oder Zufall besser meinten – gingen die richtig dicken Nuggets ins Sieb.

K1024_c130002_041rrEntlang der einsteigen Goldgräberroute verbindet der Klondike Highway – auch Yukon Highway 2 genannt – die Hafenstadt Skagway und Dawson City, das schmucke Städtchen, das die Goldsucher vor gut 100 Jahren am Klondike aus dem Boden stampften. Heute leben etwas mehr als 1000 Menschen in Dawson. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts waren es 40mal so viele. Doch die goldenen Zeiten waren kurz. Als man ab 1902 immer weniger Edelmetall im Klondike fand, kehrten die meisten Bewohner der Stadt mit den schmucken Holzhäusern den Rücken. Ein Museum hält dort die Erinnerung an die Helden jener Tage wach. Und der Saloon des Downtown Hotels, wo Gäste an einem hochprozentig eingelegten Zeh lutschen können, der einst einem der Goldgräber abgefroren ist.

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Bis in die 1950er Jahre war der 713 Kilometer lange Highway2 nicht viel mehr als eine unbefestigte Schotterpiste. Erst in den 1980er Jahren wurden sämtliche Teilstücke samt der modernen Stahlbrücken, die alte Ponton-Provisorien ersetzten, fertiggestellt. Doch von November bis März bildet auch heute noch eine feste Schneedecke den Fahrbahnbelag. Tückisch können die „soft shoulders“ sein, Pulverschneebänke am Fahrbahnrand. Wer auf der schmalen Highway-Piste zu weit nach rechts driftet, bleibt in diesen Schneebänken stecken. Auch ein Allradantrieb kann das nicht verhindern. Hilfe naht mit jedem Auto, das vorbeikommt – wenn denn eins kommt. Im Yukon, in dem es mehr Elche als Menschen gibt, der mit einem Einwohner auf 14 Quadratkilometer zu den dünnstbesiedelten Regionen der Welt gehört, können im Winter Stunden vergehen, bis jemand auf dem Highway des Weges kommt. Einen Hilferuf können Fahrer nur per Satellitentelefon absetzen. Gewöhnliche Handys haben außerhalb von Whiterhorse, der 25.000-Einwohnerstadt, in der rund zwei Drittel aller Yukon-Bewohner leben, kein Netz.

K1024_c130002_009rrVia Satellit werden auch die Trucker, die auf dem Highway pendeln, mit Musik versorgt. Etwa von Elvis Radio, einem Sender, der rund um die Uhr ausschließlich Presley-Songs dudelt. An der Kilometermarke 464,5 – gemessen ab Skagway – liegt Pelly Crossing, ein 300-Seelennest mit Erste-Hilfe-Versorgung, Postamt und der einzigen Tankstelle zwischen Whitehorse und Dawson City. Zu dieser gehört Supermarkt von beachtlicher Größe, der auch Camper mit dem Nötigsten versorgt. Das beste Frühstück am Highway bietet die Braeburn-Lodge an der Kilometermarke 280. Betreiber Steve ist für seine schmackhaften Zimtschnecken und Burger in XXL-Format bekannt. Im Sommer, wenn Wohnmobil-Touristen durch die Gegend touren, wird es schon mal turbulent in der urigen Lodge. Im Winter dagegen ist oft stundenlang gar nichts los. Eine Ausnahme machen da nur die Tage des Yukon Quest. Das „härteste Hundeschlittenrennen der Welt“ lockt Tausende Fans in die Gegend. Und viele davon wärmen sich in der vom Bollerofen beheizten Braeburnlodge bei Kaffee und Bohnensuppe auf. An anderen Wintertagen aber machen nur ein paar Trucker Halt an der Lodge. Mehr als ein Dutzend pro Tag sind es selten. Damit habe er aber schon deutlich mehr Winterkundschaft als noch vor einigen Jahren, sagt Steve. Die meisten LKW-Fahrer steuern die Silberminen des Yukon an. Dort, sagt der Wirt, herrscht derzeit mal wieder Hochkonjunktur.

Text: Susanne Kilimann

Fotos: Destination Canada

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USA: Geheimtipp Telluride – Vom Minenstädtchen zum Weltklasse-Skiresort

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Aspen, Vail und Whistler kennen die meisten Snowboarder und Skifahrer. Aber Telluride? Das frühere Minenstädtchen ist ein echter Geheimtipp unter den Skigebieten Nordamerikas. Das herausragende Skiresort besticht durch Charme, Geschichte und erstklassigen Skihänge.

Tellurides Mainstreet sieht aus wie eine Western-Kulisse. Kein Wunder, dass die Straße im Schatten des 4.060 Meter hohen Palmyra Peak einst Schauplatz für einen filmreifen Banküberfall war. 1889 erbeutete Butch Cassidy bei seinem ersten Banküberfall 24.000 Dollar in der San Miguel-Bank – zur damaligen Zeit ein echtes Vermögen. Anschließend spazierte er seelenruhig aus dem Gebäude und ritt ohne einen einzigen Schuss abzugeben lässig über die Hauptstraße davon.

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Aus der boomende Minenstadt von einst ist längst ein Skiort geworden, auch wenn die kleinen Holzhäuser an der Mainstreet immer noch so aussehen wie vor 150 Jahren. Mittlerweile sind Sportshops, Galerien und Restaurants in die Häuser gezogen, die moderne Schilder über den Eingangstüren zieren.

In einem dieser Holzhäuser liegt die New Sheridan Historic Bar – Tellurides Après-Ski-Location Nummer eins. Einheimische und Skigäste drängen sich in dem urigen Saloon an den alten Mahagoni-Tresen.Viel scheint sich seit den Goldgräberzeiten nicht geändert zu haben. Das große Ölbild mit der nackten Frau über der Bar ist ein Zeugnis vergangener Tage. Eine Reminiszenz an die wilden Zeiten während des Goldrauschs. Damals beheimatete das Dorf im Süden Colorados knapp 5.000 Minenarbeiter.

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„Und sie vergnügten sich allabendlich in 29 Bordellen mit weit über 100 leichten Mädchen“, erzählt Ashley. Er ist Schauspieler und Teil eines Ensembles des Telluride Opera Houses. Schon im Jahr 1913 eröffnete die Bühne, auf der seither Stars wie Sarah Bernard, Bing Crosby und in jüngster Zeit Mel Gibson gespielt haben.

„Damals drehte sich hier alles um Gold, heute leben wir vom weißen Gold“, meint Ashley. Telluride drohte sich zu den vielen Geisterstädten Nordamerikas zu gesellen, nachdem in den 70er Jahren die letzten Minen schließen mussten. Doch einige Bewohner des Ortes wussten dem entgegenzuwirken und bauten die ersten Lifte. Der Grundstein für das landschaftlich schönste Skigebiet Nordamerikas war gelegt.

Die Bergstation des Revelation Lifts liegt auf 3.831 Metern, von dort oben bietet sich ein fantastisches Panorama. Sanfte Tafelberge und rot schimmernde Canyons, die bis nach Utah reichen, und auf der anderen Seite eine Kette majestätischer Viertausender.

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Telluride ist zu einem Weltklasse-Skigebiet geworden. Unzählige sogenannter Double Black Diamond-Abfahrten bieten Könnern schier unendliche Möglichkeiten. Freerider toben sich in der Black Iron Bowl unterhalb des Palmyra Peak aus. Ein kurzer Aufstieg und man hat den ganzen Hang für sich. Noch bequemer und exklusiver geht’s beim Heliskiing zu. Colorado bietet hierfür einen der wenigen Spots in den Staaten. Genießer sollten sich den Namen Alpino Vino merken. Auf dem Panoramadeck der Berghütte schlürft die High Society teure Weine und noch teureren Champagner, während sie sich auf mit Fell bezogenen Daybeds in der Sonne räkeln.

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Solange die Sonne scheint, ist es angenehm. Abends und nachts kann es in Colorado aber mit minus 20 Grad Celsius auch mal bitterkalt werden. Die Luft ist jedoch sehr trocken. Das macht die Kälte erträglich und den Schnee so wahnsinnig pulvrig. Auf die 120 Abfahrten verteilt auf 18 Lifte fallen jährlich knapp acht Meter feinsten Powders.

Unterhalb der Alpino Vino-Hütte und nahe des Village Express befindet sich ein gutes Dutzend breiter und mittelschwerer Pisten, ideal zum Cruisen. Auch der Saloon der Gorroncho Ranch ist nicht weit entfernt. Wenn die Sonne langsam über der Wilson Range untergeht, treffen sich dort die Locals auf ein erstes Bier.

„Das wirkliche Leben aber spielt sich in der Stadt ab“, sagt Ulli. Die Münchnerin liebt Telluride, weil es „so anders ist als viele andere Skiorte in den USA“. Telluride ist ein Sammelbecken für Künstler, Alternative und Aussteiger, selbst wenn es mehr und mehr auch Promis und Hollywood-Stars wie Oprah Winfrey oder Tom Cruise anzieht. Dieser Mix schafft das besondere Flair in der kreativen Skistadt, die trotz ihrer nur 2.000 Einwohner immer wieder mit Theater sowie Musik- und Kunstfestivals für Furore sorgt.

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Die Bewohner der Stadt sind zu einer großen Familie geworden, jeder kennt und hilft sich. Die meisten zugezogen. So auch Ulli, die in den 1970er Jahren als Lehrerin an einer Münchner Gesamtschule gearbeitet hat, bevor sie nach ein paar Umwegen als als Ski- und Snowshoe-Guide sowie als Musiklehrerin in Telluride heimisch wurde.

Telluride ist anders, erst seit kurzem gibt es in dem Tal Geldautomaten, nach Fastfood-Ketten sucht man vergeblich. Das Städtchen übt eine scheinbar magische Anziehungskraft aus. Sein grandioser Skiberg, das alternative Flair und seine Geschichte – mit dieser Mischung macht der einstige Geheimtipp mittlerweile sogar den Colorado-Platzhirschen Vail und Aspen Konkurrenz.

Text: Lukas Scheid und Bernhard Krieger

Fotos: Bernhard Krieger

Im Schnee ist es Ihnen zu kalt?  Dann auf in den Süden Kaliforniens

USA: Palm Springs – Im Bett von Frankie-Boy

 

Mit 6237 Fotos in fünf Minuten um die Welt

Kien Lam war 343 Tage unterwegs, hat 17 Länder besucht und 6237 Fotos gemacht. Schauen Sie sich die Höhepunkte seiner Reise  in knapp fünf Minuten an.

USA: SanDiego – West Coast und Lebenslust

Coronado Beach -Courtesy Brett Shoaf

Coronado Beach © Brett Shoaf

San Diego im Süden Kaliforniens besticht mit Traumstränden, viel Grün und einem sehr entspannten Lebensgefühl.

Wir sind in einem Lokal in North Park, einem angesagten Viertel von San Diego, verabredet. Mittags um halb eins. Bevor wir loslegen können, braucht der Mann, der mir mit Jeans, Karohemd und kurz gestutztem Backenbart gegenüber sitzt, aber erst einmal ein Frühstück. Er bestellt einen Burger mit Speck, einen großen Kaffee – ein kleines Bier. Dann plaudert Josh Damigo, Gitarrist und Singersongwriter, über die Musikszene in seiner Heimatstadt San Diego, erzählt von der Zeit vor zehn Jahren, als er mit seinen ersten selbstkomponierten Songs landauf, landab durch Kalifornien tingelte.

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Local heroe Josh Damigo ©Susanne Kilimann

Der Konkurrenzdruck in Los Angelos habe ihm zu schaffen gemacht, sagt der 32jährige „In L.A. kann es passieren, dass du spielst und anschließend herrscht eisiges Schweigen im Raum.“ In San Diego habe er so etwas nie erlebt. „Hier helfen dir Kollegen, klopfen dir auf die Schulter, spornen dich an. Und das Publikum applaudiert immer. Selbst wenn es von deiner Musik nicht so begeistert war.“
Das entspannte Miteinander spürt man nicht nur in Damigos Branche. In der Millionenstadt nahe der Grenze zu Mexiko gehe man das Leben „laid back“, also zurückgelehnt, an, hört man allenthalben. Hier fühle sich selbst der Alltag immer ein bisschen wie Urlaub an. Dass das so ist, hat wohl in erster Linie mit dem ganzjährig milden Klima und mit den traumhaften Stränden zu tun, von denen es entlang der 110 Kilometer langen Küste von San Diego County Dutzende gibt.

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Pacific Beach © Brett Shoaf

Feinsandige Bade- und Surfparadiese liegen quasi vor der Haustür. Black’s Beach, Cadriff Reef, Swami’s – das sind nur einige der Hotspots, an denen Surfer rund ums Jahr die Wellen reiten. Andere zieht es zu weniger adrenalinlastigen Aktivitäten an die Strände von La Jolla und anderen Vierteln der Stadt. Man kommt zum Joggen oder zum Yoga an den Strand, geht spazieren, schaut den Walen und Delfinen zu, die sich hier, vor der südkalifornischen Küste tummeln, trifft Freunde zum Beach Barbecue oder kommt, wie Josh Damigo, am liebsten nachts, um unterm Sternenhimmel auf der Gitarre zu klimpern und vielleicht ein Lied zu komponieren.
Natürlich verdienen auch in San Diego die wenigsten das Geld am Strand. Die großen Geschäfte werden Downtown gemacht. Vor allem Unternehmen der Kommunikations- und Biotechbranche haben sich in den letzten Jahrzehnten in der südkalifornischen Stadt angesiedelt, haben ihre Büros in den Glastürmen der City. Auf relativ kleiner Fläche konzentrieren sich sämtliche Wolkenkratzer. An die hochaufragende City schließen niedrig bebaute Wohnviertel an. South Park zum Beispiel, das mit kleinen Holz- oder Ziegelhäusern, Vorgärten und Straßenbäumen beschaulich wirkt. Oder North Park, wo sich in jüngster Zeit immer mehr kleine Läden auf Hand- und Hausgemachtes spezialisieren.

Little Italy Diners -Courtesy Joanne DiBona SanDiego.org

Little Italy ©Joanne DiBona

Selbstgenähte Mode, Schokolade mit Zutaten aus biologischem Anbau, Schmuck aus Recyclematerialien – Nachhaltiges ist in North Park total in.
Coronado, eine Insel, die sich von Downtown aus über eine hohe Brücke in wenigen Autominuten erreichen lässt, ist ein Wohnort der Besserverdienenden. Der breite, feinsandige Coronado Beach gilt als einer der schönsten des Landes. Zum Baden kann jeder kommen. Um „Hotel del Coronado“ zu logieren, braucht es schon ein etwas größeres Budget. Als das Luxushotel – eine Art Märchenschloss im viktorianischen Stil, mit Türmchen und Veranden – 1888 seine Türen öffnete, zog es sogleich den amerikanischen Geldadel an. Die Reichen kamen, um den strengen Wintern an der Ostküste zu entfliehen. Bald reihten sich auch Leinwandstars und US-Präsidenten in die illustre Gästeschar ein. Hollywood-Regisseuren gefiel das „Del“ auch als Kulisse. Am prominentesten hat Billy Wilder das Hotel am silberweißen Strand auf die Leinwand gebracht. Er drehte hier seine Komödie „Manche mögen’s heiß“ mit Marylin Monroe.
Heute geht es in dem 900-Zimmer-Haus eher lässig zu. Gäste schlendern mit Badelatschen und Shorts durch die vornehme Lobby und selbst im feinsten Hotel-Restaurant ist man zum Dinner in legerem Freizeitlook völlig korrekt gekleidet. Die Promi-Dichte ist nicht mehr so hoch wie einst, Berühmtheiten checken aber heute noch ein. First Lady Michelle Obama und die Töchter haben auch schon Urlaubstage im „Del“ verbracht.
Man könnte ohne weiteres jeden Tag am Strand verbringen, doch locken noch etliche andere Attraktionen.

Pandas im Zoo von San Diego ©San Diego Zoo

 

Eine davon ist San Diegos Zoo. Mit über 3700 Tieren und 650 Arten ist er einer der größten der Welt – und einer der besten. Besucher spazieren zwischen hohen Pflanzenwänden wie auf Dschungelpfaden, Affen, Zebras, Tiger & Co streifen durch große, naturnah gestaltete Gehegen. Dass sie sich wohlfühlen, lesen Zoologen an den Zuchterfolgen ab. Sogar bei den Pandas, die sich mit der Fortpflanzung im Tierpark gemeinhin schwertun, konnte San Diego schon mehrfach Nachwuchs vermelden.
Als grüne Lunge, botanischer Garten und Spielplatz für Golfer präsentiert sich der fast fünf Quadratkilometer große Balboa Park. Er wurde 1868 auf einem Hügel nördlich der Innenstadt angelegt. Zur Weltausstellung anlässlich der Eröffnung des Panamakanals im Jahr 1915 ließen die Planer Ausstellungsgebäude mit üppigen Barockfassaden in den Park setzten.

_Balboa Park Courtesy Museum of Man

Balboa Park ©Museum of Man

Noch heute wirkt das einstige Expo-Gelände wie eine fantastische Stadt in der Stadt, beherbergt rund ein Dutzend Museen und ist beliebte Fotokulisse.
Tief in die kalifornische Geschichte taucht man in Old Town San Diego ein. Das Gebiet zwischen Mission Valley und Mission Bay gilt als Geburtsstätte des 31. US- Bundesstaats. Hier wurde 1769 die erste von 21 Missionarsstationen an der kalifornischen Küstengegründet. Um diese christlichen Niederlassungen herum entstanden Siedlungen, die sich im Laufe weniger Jahrzehnte zu den großen Städten des amerikanischen Westens entwickelten. im alten Schulhaus, im Sheriffmuseum, im Drugstore Wild-West-Atmosphäre schnuppern, bei Kunsthandwerkern nach Souvenirs stöbern und den Köchinnen zuschauen, die virtuos mit hauchdünnen Teigfladen hantieren.
Während sich Touristen in Old Town Tortillas schmecken lassen, füllen sich anderswo in der Stadt die Bierlokale. Bier ist Kultgetränk in San Diego. Für Sortenvielfalt sorgen fast 100 Mikrobrauereien. Eine davon gehört Mike Hess, einem Selfmademan mit deutschen Wurzeln. Wie man Bier braut, das habe er sich im Internet angelesen und die ersten Brauversuche dann in der Küche gemacht, erzählt der ehemalige Soldat. Heute hat er sechs Angestellte, die vor den Augen der Kundschaft „Orange Honey Wheat“, „Vienna Cream Ale“ und „German Style Kölsch“ brauen. Kinder und Hunde sind sehr willkommen in dem lichtdurchfluteten Lokal. Für die einen hält der Wirt die guten alten Brettspiele bereit, für die anderen gibt’s Hundekekse an der Bar.
Nächte können kurz werden in Kaliforniens südlichster Stadt. Das historische Gaslamp Quarter mit den viktorianischen Klinkerbauten ist seit jeher Vergnügungsviertel und lockt noch immer mit Theatern, Konzerthäusern und gemütlichen Pubs. Auch Little Italy mit seinen durchgestylten Restaurants und den vielen Straßencafés ist ein quirliger Ausgehkiez. Allabendlich öffnet hier das Casbah die Tore. Seit Jahrzehnten gibt der Musikclub Newcomern der Rock- und Popszene eine Bühne. Natürlich rockt nicht jede Band den Laden, sagt Clubbetreiber Tim Mays. Ganz ohne Applaus musste aber auch hier noch keiner von der Bühne gehen.

Susanne Kilimann