Kanada: Ottawa – die grüne Hauptstadt unterm Ahornblatt

© Rasso Knoller

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Mit ihren vielen Parks und dem Ottawa River ist die kanadische Hauptstadt die perfekte Spielwiese für Outdoorfans. Museen der internationalen Spitzenklasse locken Kunstliebhaber an.

Es wird überall gejoggt und geradelt in der Stadt. Dem ersten Eindruck nach ist Ottawa nicht nur die kanadische Hauptstadt, sondern auch die Welthauptstadt des Sports.
Am Mittwochvormittag strecken und recken zwei- bis dreihundert Menschen auf ihren Matten liegend auf der Wiese vor dem Parlament ihre Arme und Beine dem kanadischen Himmel entgegen, schwingen sich zur Kerze auf und gehen in den Hund. Dann ist die Zeit für öffentliches Yoga.

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Gäste der Stadt breiten vor dem Parlament nur selten ihre Yogamatte aus. Sie holen sich ihre Fitness beim Aufstieg zum 92 Meter hohen Turm des Parlaments, dem Peace Tower. Er war nach dem Ersten Weltkrieg in Gedenken an die dort gefallenen 65.000 kanadischen Soldaten errichtet worden. Wer will, kann im Anschluss an die Turmbesteigung an einer kostenlosen Führung durch die Räume des Parlaments teilnehmen. Kanadische Geschichte zum Anfassen sozusagen. Besonders stolz ist man in Ottawa auf die Parlamentsbibliothek, die in den 1860er Jahren im neogotischen Stil erbaut wurde.

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Sportfans haben in und um Ottawa unzählige Möglichkeiten. Die Natur hat hier ihren Kampf gegen die Zivilisation noch lange nicht aufgegeben – große Parks ziehen sich durchs Stadtzentrum und über den Ottawa River kann man bis nach Montreal und Toronto paddeln. Zu Zeiten der ersten Siedler war der Fluss die wichtigste Verkehrsader im Osten Kanadas. Heute ist der Ottawa River Spielwiese für Wassersportler aller Art. Im Winter ist Eishockey die unangefochtene Nummer Eins unter allen Sportarten. Wer nicht selbst die Kufen schnüren will, sollte zumindest ein Spiel der Ottawa Senators besuchen. Wenn die Profis gegen ihre Gegner aus der NHL spielen, ist das 18.000 Zuschauer fassende Canadian Tire Centre meist ausverkauft. Schade nur, dass die Puckjäger aus Ottawa bisher noch kein einziges Mal den Stanley Cup, die gemeinsame Meisterschaft der kanadischen und amerikanischen Eishockeyteams, gewinnen konnten.

Hauptstadt der kurzen Wege
Ottawa zählt knapp 900.000 Einwohner. Trotzdem kann man fast jede Sehenswürdigkeit fußläufig erreichen. Das Canadian Museum of History, das, wie der Name nahelegt, einen Streifzug durch die Geschichte Kanadas anbietet, ist die meistbesuchte Ausstellung des Landes. Besonders aufwendig gestaltet ist die Abteilung, die sich mit dem Leben der Ureinwohner beschäftigt. Beliebtes Fotomotiv sind die riesigen Totempfähle, die, wie der Guide bei seiner Führung durch das Museum betont, nie „zum Martern“ verwendet, sondern zu Ehren eines bedeutenden Häuptlings oder Kriegers errichtet wurden. Ein bisschen waren sie auch zum Angeben da – denn einen Totempfahl weihte man mit einem riesigen, mehrtägigen Fest ein, zu dem man alle Stämme der Gegend einlud. Wer den schönsten Pfahl hatte und das aufwändigste fest feiern ließ, genoss ein besonderes Ansehen.

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Noch mehr über das Leben der kanadischen Indianer erfährt man im Freilichtmuseum „Aboriginal Experiences“ am Rande der Innenstadt. Stephanie Sarazin vom Stamm der Pikwakanagan führt in einem purpurnen Stammeskleid und mit reich geschmückter traditioneller Perlenkette durch das Freilichtmuseum. In launigen Worten und immer lachend erzählt die junge Frau von der Geschichte der Indianer. Wenn sie von der Situation der Ureinwohner im heutigen Kanada erzählt, scheint sich ihre Stimme plötzlich vor Aufregung zu überschlagen. Dann sagt sie auch Sätze wie: „Ja, wir werden hier immer noch benachteiligt, aber damit muss ich lernen zu leben.“ Sie atmet tief durch und erzählt, wie die Regierung die Indianer denselben Jagdbeschränkungen unterwirft wie Hobbyjäger und somit vielen Stämmen die Lebensgrundlage entzieht.
Fast symbolisch ist es da, dass man vom Museum der Ureinwohner den besten Blick der Stadt auf das Parlament hat.

Restaurants in Byward Market

© Rasso Knoller

Ein Schloss am Rande des Zentrums
In der National Gallery werden die Werke der Großen der kanadischen Kunst ausgestellt – Namen wie Tom Thomson, Emily Carr und Alex Colville sind in Europa vermutlich nur wenigen Kunstkennern bekannt. Aber wer nach hierzulande berühmten Namen wie van Gogh, Cézanne oder Picasso sucht, wird ebenfalls fündig. Um die Sammlung mit europäischer Kunst dürfte so manches Museum auf dem alten Kontinent die Kanadier beneiden.
Allein schon das Museumsgebäude ist ein Hingucker. Erbaut von dem kanadisch-israelischen Architekten Moshe Safdie, der sich vor allem durch die Sanierung der Altstadt von Jerusalem international einen Namen gemacht hat, besticht das aus Glas und Granit erbaute Bauwerk durch seine klaren Linien.
Unmittelbar ans Zentrum schließt sich Byward Market an. Kleine Läden, Cafés und Restaurants prägen das Bild dieses Stadtteiles, der besonders bei Touristen beliebt ist. Wer Spitzenküche sucht und sein Steak mit einem hervorragenden kanadischen Rotwein hinunterspülen will, schaut im Play in der York Street vorbei. Die freundliche und kompetente Bedienung gehört in dem Restaurant zwar zum Konzept, doch liegt „Dauer-gute-Laune“ Kanadiern ohnehin im Blut. Muffigen Service gibt es nirgends.
Wie breit in Byward Market das Spektrum des gastronomischen Angebots ist, zeigt sich nur eine paar Schritte weiter die Straße hinunter. In „The Dominion Tavern“ legt man auf feine Tischsitten nur wenig Wert, Bier ist das meist bestellte Getränk und statt „Elchsteak medium rare“ isst man hier fettige Hamburger.

© Rasso Knoller

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Sogar ein Schloss haben die Kanadier zu bieten. Allerdings war das Chateau Laurier niemals eine echte Adelsbehausung gewesen, sondern von Anfang an ein Nobelhotel – eröffnet 1912. Auch im Chateau hat man zum Thema Kunst einiges zu bieten; eine Dauerausstellung mit Fotos des weltberühmten Portraitfotografen Yousuf Karsh, der 18 Jahre lang in dem Hotel gewohnt hatte.

Text und Fotos: Rasso Knoller

 

USA: Reisen nach Trump-SA?

© Rasso Knoller

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Die USA haben gewählt und die Welt ist schockiert. Mit einem Präsidenten Donald J.Trump können sich hierzulande nur die wenigsten anfreunden – bisher war der Immobilienmogul ja auch vornehmlich mit rassistischen und frauenfeindlichen Parolen aufgefallen und weniger mit einem schlüssigen politischen Konzept.

Offenbar macht sich auch die deutsche Reiseindustrie Gedanken. Nur einen Tag nach der Wahl hat Urlaubsguru.de – eine der größten unabhängigen Reise-Webseiten Deutschlands –seine mehr als 5,6 Mio. Facebook-Fans und Leser gefragt.

Wer von euch reist nun nicht mehr in die USA? Mehr als 5.000 Stimmen liegen inzwischen vor – und das Ergebnis ist, dass ein Drittel der Befragten die USA künftig meiden wird, 55 Prozent wollen sich nicht durch den Ausgang der Wahl beeinflussen lassen und elf Prozent waren ohnehin nie sonderlich an Reisen in die USA interessiert.

Auch CANUSA, der Spezialist für Reisen nach Nordamerika, meldete sich am Tag nach der Wahl zu Wort. Tilo Krause-Dünow, der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens wird in einer firmeneigenen Pressemeldung zitiert und beschwichtigt: „Für mich persönlich ist der Wahlausgang überraschend, denn in vielen Gesprächen mit unseren Partnern in den USA hatte es sich für mich abgezeichnet, dass Hillary Clinton das Rennen machen wird. Die Wahl von Donald Trump zeigt aber: Alles ist möglich in den USA. Es ist eine andere Kultur, eine andere Welt. Der neue US-Präsident wird das Reiseland der unbegrenzten Möglichkeiten sicher verändern, aber die Menschen, das Land und die Natur werden weiterhin ein großer Magnet für die Touristen sein, die von diesem Kontinent fasziniert sind oder ihn kennenlernen wollen, auch oder vielleicht gerade nach einer solchen Wahl. Ein Buchungseinbruch ist daher nicht zu erwarten. Der Wahlsieg von Donald Trump ist zunächst einmal eine Sache der Amerikaner und so werden es auch die deutschen Touristen sehen.“

Ob die Leser von Urlaubsguru.de Recht behalten werden und der Tourismus Richtung USA tatsächlich einbricht oder ob die Staaten auch in der Trump-Ära weiterhin zu den Lieblingsreiseländern der Deutschen gehören werden, wird erst die Zukunft zeigen. Interessant ist es aber allemal,  wie sehr die Wahl Trumps die deutschen Touristiker in Aufregung versetzt.

Rasso Knoller

Trump ist Ihnen egal? Sie fahren trotzdem in die USA? Dann finden Sie hier Reisetipps.

USA: Palm Springs – Im Bett von Frankie-Boy

Trump regt Sie auf? Dann zur Abkühlung vielleicht lieber in den Schnee.

USA: Geheimtipp Telluride – Vom Minenstädtchen zum Weltklasse-Skiresort

Abkühlen kann man sich auch im Meer – am besten im Süden Kaliforniens

USA: SanDiego – West Coast und Lebenslust

USA: Palm Springs – Im Bett von Frankie-Boy

© Palm Springs Bureau of Tourism

 

Palm Springs war einst der Rückzugsort der Hollywoodstars, dann besiedelten vermögende Rentner den kalifornischen Wüstenort. Heute finden die Jungen Palm Springs wieder hipp und wer mag, kann bei Sinatra wohnen.

Dass sie eine große Schönheit war, sieht man ihr immer noch an. Große blaue Augen, hellblondes Haar, markante Wangenknochen, die Figur grazil, fast mädchenhaft. Am schlanken Körper trägt die Siebzigjährige ein transparentes Kleid im Hippiestil, in der Hand eine Tasche mit dem Gerät, aus dem der Mann an ihrer Seite, ein attraktiver Endsiebziger, Sauerstoff bezieht. Im Purple Room, einem der Showtempel fürs gesetztere Publikum, werden sie an diesem Abend von der Bühne herunter begrüßt. „Alles Gute zum dritten Hochzeitstag, ihr Turteltauben“, ruft der Mann im silbernen Glitzeranzug dem händchenhaltenden Paar zu. An den kleinen Tischen ringsherum wird applaudiert. Man kennt und man feiert sich in Palm Springs. Die Bewohner der 45 000- Einwohner Stadt scheinen eine eingeschworene Gemeinschaft zu sein, die alle Annehmlichkeiten des Lebens für sich reklamiert, die jeden Tag, koste es, was es wolle, nach dem Carpe-Diem-Motto lebt. So lange es irgendwie geht.

Bei Mel Haber war Frank Sinatra Stammgast

Bei Mel Haber war Frank Sinatra Stammgast

„Dieser Ort ist wie gemacht fürs schöne Leben“, sagt der 78-jährigen Mel Haber, den ich am nächsten Morgen in seinem Hotel, dem Ingelside Inn, treffe. „Schauen Sie sich diesen Himmel an, so tiefblau und wolkenlos ist er hier 330 Tage im Jahr“. Haber ist vor 40 Jahren von New York nach Palm Springs gezogen und hat sich mit dem „Inn“ innerhalb kurzer Zeit einen Namen gemacht hat. In dem Hotel, das an eine spanische Hazienda mit lauschigen Terrassen erinnert, haben sich schon viele Berühmtheiten in den Betten geräkelt. Liza Minelli, Goldie Hawn, Rita Hayworth, Jerry Lewis, Kurt Russel, Sylvester Stallone und viele andere. Mit einem seiner Gäste hat den Hotelinhaber sogar eine Freundschaft verbunden. „Sinatra ging hier ein und aus, in meinem Restaurant hat er sich wie zu Hause gefühlt“, erzählt Haber mit einem zufriedenen Lächeln, das sein sonnengebräuntes Gesicht in unzählige, tiefe Knitterfalten legt.
Als Mitte der 1970er Jahre von New York nach Kalifornien kam, war das im Hinterland von Los Angeles gelegene Palm Springs schon lange beliebtes Winterquartier der Schönen und Reichen. Die Glamourbranche hatte den kalifornischen Wüstenort am Fuße der San Bernardino und der Santa Rosa Berge in den 1920er Jahren für sich entdeckt. Zunächst als wetterbeständige Western-Filmkulisse. Einer der ersten Stars, die sich hier ein Haus bauen ließen, war der Italo-Amerikaner Sinatra. Er hatte 1947 seine erste Million verdient und wollte das erfolgreiche Jahr in dem winterwarmen Wüstenort mit einer rauschenden Party in einer eigenen Villa ausklingen lassen. Dem Architekt E. Stewart Williams blieben also nur wenige Monate, um Sinatras Bauprojekt zu realisieren. Das Ergebnis war spektakulär, ein Bungalow mit riesigen Glasfronten, schlicht und konsequent schnörkellos. Eine Architektur-Ikone der Mid Century Modern Architecture, einem am Bauhaus inspirierten Stil, der zum Markenzeichen der kalifornischen Wüstenstadt geworden ist.

Das Haus von Frank Sinatra

Das Haus von Frank Sinatra

An dieser Adresse, 1148 Alejo Road, habe Sinatra mit Ava Gardener, der Liebe seines Lebens, gelebt, sagt Jeff, der Touristen mit dem Jeep durch die Stadt zu den Adressen der Promis kutschiert. „Die beiden führten eine leidenschaftliche Beziehung, mit erbitterten Streits.“ Der Guide, der das Haus auch von Innen kennt, erzählt von gesprungenen Fliesen – „Spuren eines entgleisten Abends, bei dem die beiden mit Champagnerflaschen nacheinander warfen.“
Zu Sinatras Zeiten ging nur die Creme de la Creme des Showbusiness in dem Bungalow an der Alejo Road ein und aus. Heute können Touristen das Haus mieten, in dem „Frankie Boy“ mit der schönen seiner Ava gelebt, geliebt, gestritten und im Pool geplanscht hat. 2600 Dollar kostet die Nacht. Jeff kurvt mit seinem Jeep um die Häuserblocks von Old Las Palmas und Vista Las Palmas, den Promivierteln von Palm Springs. Überall sattes Grün, hohe Palmen, blühende Hecken, Häuser, die mal Hollywoodstars gehörten. Die Liste der frühere Eigentümer liest sich wie ein „Who is Who“ der Traumfabrik – Clark Gable, Errol Flynn, Gary Grant, Dean Martin, Greta Garbo, Marlene Dietrich, Judy Garland, Liz Taylor, Marylin Monroe und Dutzende andere bildeten hier einst eine überaus illustre Nachbarschaft.
Unser Guide stoppt am Ladera Circle, vor einem runden Haus mit hochaufragendem Glasgiebel. Hier haben Elvis und Priscilla Presley das erste Jahr ihrer Ehe verbracht, klärt er uns auf. Die blutjunge Frau habe den Star auch im Jahr vor der Hochzeit schon in Palm Springs besucht. Das uneheliche Liebesverhältnis sei gar nicht gut fürs Presleys Image gewesen. Darum habe sein Manager auf Hochzeit gedrängt und die Verliebten zum Heiraten ins nahegelegene Las Vegas geschickt. Im Mai 1967 hat der King of Rock n‘ Roll seine Braut dann hier, am Ladera Circle 1350, über die Schwelle getragen.

Im Rundbau am Ladera Circle flirteten Elvis und Priscilla Presley

Im Rundbau am Ladera Circle flirteten Elvis und Priscilla Presley

Jahrzehntelang ist Palm Springs nur ein Platz für den Winter gewesen. Man kam, um das angenehme Klima von Oktober bis April zu genießen. In den Sommermonaten, in denen das Thermometer täglich auf Werte um 40 Grad Celsius klettert, standen die Häuser leer. Die Hotels, die Clubs, die Restaurants – Ende Oktober machte alles dicht. Das änderte sich ab Mitte der 1970er Jahre, erinnert sich Hotelier Haber. „Damals wurde jedes Haus mit Air Condition ausgestattet und auf einmal konnten es die Leute hier auch im Sommer gut aushalten.“ Die frühen Morgenstunden und die Nächste seien ohnehin angenehm kühl. Und der Rest des Tages lasse sich ohne Not in klimatisierten Räumen oder im Schatten hoher Palmen am Pool verbringen.
Die Karawane der Stars ist trotzdem weitergezogen. In den 1980er und 90er Jahren suchten sich die Leinwandhelden weitab von Hollywood andere Rückzugsorte. Millionäre und Milliardäre, die ihr Vermögen weniger publikumswirksam verdienten, kauften sich die Bungalows, verlegten ihren Erst- oder Zweitwohnsitz nach Palm Springs, weil das Klima den Knochen und die klare Luft der Lunge gut tut, und weil es hier, in der Wüste, keine langen Wege, keine Staus, keinen Stress, sondern allenfalls stilvolle Langeweile gibt.
In den letzten Jahren aber mischt die hippe Großstadtjugend den Wüstenort wieder auf. An den Wochenenden kommen Tausende aus dem nahegelegenen L.A., um in den Pools von Palm Springs Schaum-Partys zu feiern. Angesagte DJs liefern den Sound dazu. Die Jungen checken nicht im Ingelside Inn ein, sie wohnen im ACE und in anderen neuen Trend-Hotels. Mel Haber stört das nicht. Er kann noch immer gut von der Klientel leben, die zu ihm kommt, um der Atmosphäre einer vergangenen Epoche nachzuspüren. Die Zukunft seines legendären Hotels? Die interessiere ihn nicht, sagt der 78jährige und lacht. „Was nach mir kommt, ist mir völlig egal. Ich lebe jetzt. Und ich lebe hier, im Paradies.“

Text: Susanne Kilimann
Fotos: Susanne Kilimann (2),  Palm Springs Bureau of Tourism (2)

 

Kanada: Einsamkeit und Elvis Presley – der Klondike Highway

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Der Klondike Highway zwischen Skagway in Alaska und der Goldgräberstadt Dawson in Kanada führt auf 700 Kilometer durch extrem dünn besiedeltes Gebiet. Zum Glück gibt es die Braeburn Lodge und Satellitenradio.

Die Verkehrspolizei in Whitehorse hat schlechte Nachrichten an diesem Wintermorgen. Der Highway, der nach Südwesten führt, ist wegen eines Lawinenabgangs gesperrt. Es kann Stunden dauern, bis die Schneemassen geräumt sind. Mit erneuter Sperrung wegen andauernder Lawinengefahr sei zudem zu rechnen. Skagway, Hafenstadt an der Fjordküste des Alaska Panhandles, jenes Landzipfels, der sich wie ein Pfannenstiel an Amerikas Nordwestküste in den Pazifik schiebt, wird es also vorerst nichts. Neuralgischer Punkt für Winterreisende auf dieser Strecke ist immer wieder der 873 Meter hohe White Pass. Er liegt in den Coast Mountains, jenen Bergketten, die sich an der Grenze zwischen Alaska und der kanadischen Provinz British Columbia ausbreiten. Schon Ende des 19. Jahrhunderts machte der White Pass von sich reden. Für Zehntausende von Glücksrittern aus aller Welt, die in Skagway an Land gingen, war er eines der beiden Einfallstore in den kanadischen Norden, wo man an der Mündung des Klondike ein Goldfeld entdeckt hatte, das eine nie dagewesene Ernte versprach.
Die Kunde von dem sensationellen Fund hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet und löste eine der bemerkenswerten Massenbewegungen aller Zeiten aus. Mehr als Hunderttausend Männer, Amerikaner, Europäer und Australier, sollen sich seinerzeit auf den Weg gemacht haben, um im fast menschenleeren Nordwesten Kanadas ihr Glück zu machen, arme Schlucker zumeist, die nicht einmal genügend Geld für eine ordentliche Ausrüstung hatten.

K1024_c130002_042rrMitten im eisigen Winter des Jahres 1897 erreichte der Ansturm seinen Höhepunkt. Zehntausende, die an der Küste Alaskas landeten, wollten nicht aufs Frühjahr warten, nicht auf die Eisschmelze, nach der auch der Yukon River wieder schiffbar gewesen wäre. Mit selbstgezimmerten Versorgungsschlitten hievten die Männer den Proviant für Wochen über den White Pass und über hunderte Kilometern durch die Weiten des Yukon-Gebiets. Bei Temperaturen von minus 40 Grad Celsius und arktischen Winden eine beinahe unmenschliche Strapaze. Viele erreichten das Ziel nicht, weil unterwegs die Kräfte versagten, und von denen, die es schafften, kamen Tausende zu spät. Die Claims am Klondike waren schon vergeben, abgesteckt und aufgeteilt. Auf manchen Grundstücken plagten sich arme Teufel ohne nennenswerte Ausbeute ab. Nur wenigen Glückspilze, mit denen es Schicksal oder Zufall besser meinten – gingen die richtig dicken Nuggets ins Sieb.

K1024_c130002_041rrEntlang der einsteigen Goldgräberroute verbindet der Klondike Highway – auch Yukon Highway 2 genannt – die Hafenstadt Skagway und Dawson City, das schmucke Städtchen, das die Goldsucher vor gut 100 Jahren am Klondike aus dem Boden stampften. Heute leben etwas mehr als 1000 Menschen in Dawson. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts waren es 40mal so viele. Doch die goldenen Zeiten waren kurz. Als man ab 1902 immer weniger Edelmetall im Klondike fand, kehrten die meisten Bewohner der Stadt mit den schmucken Holzhäusern den Rücken. Ein Museum hält dort die Erinnerung an die Helden jener Tage wach. Und der Saloon des Downtown Hotels, wo Gäste an einem hochprozentig eingelegten Zeh lutschen können, der einst einem der Goldgräber abgefroren ist.

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Bis in die 1950er Jahre war der 713 Kilometer lange Highway2 nicht viel mehr als eine unbefestigte Schotterpiste. Erst in den 1980er Jahren wurden sämtliche Teilstücke samt der modernen Stahlbrücken, die alte Ponton-Provisorien ersetzten, fertiggestellt. Doch von November bis März bildet auch heute noch eine feste Schneedecke den Fahrbahnbelag. Tückisch können die „soft shoulders“ sein, Pulverschneebänke am Fahrbahnrand. Wer auf der schmalen Highway-Piste zu weit nach rechts driftet, bleibt in diesen Schneebänken stecken. Auch ein Allradantrieb kann das nicht verhindern. Hilfe naht mit jedem Auto, das vorbeikommt – wenn denn eins kommt. Im Yukon, in dem es mehr Elche als Menschen gibt, der mit einem Einwohner auf 14 Quadratkilometer zu den dünnstbesiedelten Regionen der Welt gehört, können im Winter Stunden vergehen, bis jemand auf dem Highway des Weges kommt. Einen Hilferuf können Fahrer nur per Satellitentelefon absetzen. Gewöhnliche Handys haben außerhalb von Whiterhorse, der 25.000-Einwohnerstadt, in der rund zwei Drittel aller Yukon-Bewohner leben, kein Netz.

K1024_c130002_009rrVia Satellit werden auch die Trucker, die auf dem Highway pendeln, mit Musik versorgt. Etwa von Elvis Radio, einem Sender, der rund um die Uhr ausschließlich Presley-Songs dudelt. An der Kilometermarke 464,5 – gemessen ab Skagway – liegt Pelly Crossing, ein 300-Seelennest mit Erste-Hilfe-Versorgung, Postamt und der einzigen Tankstelle zwischen Whitehorse und Dawson City. Zu dieser gehört Supermarkt von beachtlicher Größe, der auch Camper mit dem Nötigsten versorgt. Das beste Frühstück am Highway bietet die Braeburn-Lodge an der Kilometermarke 280. Betreiber Steve ist für seine schmackhaften Zimtschnecken und Burger in XXL-Format bekannt. Im Sommer, wenn Wohnmobil-Touristen durch die Gegend touren, wird es schon mal turbulent in der urigen Lodge. Im Winter dagegen ist oft stundenlang gar nichts los. Eine Ausnahme machen da nur die Tage des Yukon Quest. Das „härteste Hundeschlittenrennen der Welt“ lockt Tausende Fans in die Gegend. Und viele davon wärmen sich in der vom Bollerofen beheizten Braeburnlodge bei Kaffee und Bohnensuppe auf. An anderen Wintertagen aber machen nur ein paar Trucker Halt an der Lodge. Mehr als ein Dutzend pro Tag sind es selten. Damit habe er aber schon deutlich mehr Winterkundschaft als noch vor einigen Jahren, sagt Steve. Die meisten LKW-Fahrer steuern die Silberminen des Yukon an. Dort, sagt der Wirt, herrscht derzeit mal wieder Hochkonjunktur.

Text: Susanne Kilimann

Fotos: Destination Canada

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USA: Geheimtipp Telluride – Vom Minenstädtchen zum Weltklasse-Skiresort

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Aspen, Vail und Whistler kennen die meisten Snowboarder und Skifahrer. Aber Telluride? Das frühere Minenstädtchen ist ein echter Geheimtipp unter den Skigebieten Nordamerikas. Das herausragende Skiresort besticht durch Charme, Geschichte und erstklassigen Skihänge.

Tellurides Mainstreet sieht aus wie eine Western-Kulisse. Kein Wunder, dass die Straße im Schatten des 4.060 Meter hohen Palmyra Peak einst Schauplatz für einen filmreifen Banküberfall war. 1889 erbeutete Butch Cassidy bei seinem ersten Banküberfall 24.000 Dollar in der San Miguel-Bank – zur damaligen Zeit ein echtes Vermögen. Anschließend spazierte er seelenruhig aus dem Gebäude und ritt ohne einen einzigen Schuss abzugeben lässig über die Hauptstraße davon.

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Aus der boomende Minenstadt von einst ist längst ein Skiort geworden, auch wenn die kleinen Holzhäuser an der Mainstreet immer noch so aussehen wie vor 150 Jahren. Mittlerweile sind Sportshops, Galerien und Restaurants in die Häuser gezogen, die moderne Schilder über den Eingangstüren zieren.

In einem dieser Holzhäuser liegt die New Sheridan Historic Bar – Tellurides Après-Ski-Location Nummer eins. Einheimische und Skigäste drängen sich in dem urigen Saloon an den alten Mahagoni-Tresen.Viel scheint sich seit den Goldgräberzeiten nicht geändert zu haben. Das große Ölbild mit der nackten Frau über der Bar ist ein Zeugnis vergangener Tage. Eine Reminiszenz an die wilden Zeiten während des Goldrauschs. Damals beheimatete das Dorf im Süden Colorados knapp 5.000 Minenarbeiter.

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„Und sie vergnügten sich allabendlich in 29 Bordellen mit weit über 100 leichten Mädchen“, erzählt Ashley. Er ist Schauspieler und Teil eines Ensembles des Telluride Opera Houses. Schon im Jahr 1913 eröffnete die Bühne, auf der seither Stars wie Sarah Bernard, Bing Crosby und in jüngster Zeit Mel Gibson gespielt haben.

„Damals drehte sich hier alles um Gold, heute leben wir vom weißen Gold“, meint Ashley. Telluride drohte sich zu den vielen Geisterstädten Nordamerikas zu gesellen, nachdem in den 70er Jahren die letzten Minen schließen mussten. Doch einige Bewohner des Ortes wussten dem entgegenzuwirken und bauten die ersten Lifte. Der Grundstein für das landschaftlich schönste Skigebiet Nordamerikas war gelegt.

Die Bergstation des Revelation Lifts liegt auf 3.831 Metern, von dort oben bietet sich ein fantastisches Panorama. Sanfte Tafelberge und rot schimmernde Canyons, die bis nach Utah reichen, und auf der anderen Seite eine Kette majestätischer Viertausender.

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Telluride ist zu einem Weltklasse-Skigebiet geworden. Unzählige sogenannter Double Black Diamond-Abfahrten bieten Könnern schier unendliche Möglichkeiten. Freerider toben sich in der Black Iron Bowl unterhalb des Palmyra Peak aus. Ein kurzer Aufstieg und man hat den ganzen Hang für sich. Noch bequemer und exklusiver geht’s beim Heliskiing zu. Colorado bietet hierfür einen der wenigen Spots in den Staaten. Genießer sollten sich den Namen Alpino Vino merken. Auf dem Panoramadeck der Berghütte schlürft die High Society teure Weine und noch teureren Champagner, während sie sich auf mit Fell bezogenen Daybeds in der Sonne räkeln.

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Solange die Sonne scheint, ist es angenehm. Abends und nachts kann es in Colorado aber mit minus 20 Grad Celsius auch mal bitterkalt werden. Die Luft ist jedoch sehr trocken. Das macht die Kälte erträglich und den Schnee so wahnsinnig pulvrig. Auf die 120 Abfahrten verteilt auf 18 Lifte fallen jährlich knapp acht Meter feinsten Powders.

Unterhalb der Alpino Vino-Hütte und nahe des Village Express befindet sich ein gutes Dutzend breiter und mittelschwerer Pisten, ideal zum Cruisen. Auch der Saloon der Gorroncho Ranch ist nicht weit entfernt. Wenn die Sonne langsam über der Wilson Range untergeht, treffen sich dort die Locals auf ein erstes Bier.

„Das wirkliche Leben aber spielt sich in der Stadt ab“, sagt Ulli. Die Münchnerin liebt Telluride, weil es „so anders ist als viele andere Skiorte in den USA“. Telluride ist ein Sammelbecken für Künstler, Alternative und Aussteiger, selbst wenn es mehr und mehr auch Promis und Hollywood-Stars wie Oprah Winfrey oder Tom Cruise anzieht. Dieser Mix schafft das besondere Flair in der kreativen Skistadt, die trotz ihrer nur 2.000 Einwohner immer wieder mit Theater sowie Musik- und Kunstfestivals für Furore sorgt.

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Die Bewohner der Stadt sind zu einer großen Familie geworden, jeder kennt und hilft sich. Die meisten zugezogen. So auch Ulli, die in den 1970er Jahren als Lehrerin an einer Münchner Gesamtschule gearbeitet hat, bevor sie nach ein paar Umwegen als als Ski- und Snowshoe-Guide sowie als Musiklehrerin in Telluride heimisch wurde.

Telluride ist anders, erst seit kurzem gibt es in dem Tal Geldautomaten, nach Fastfood-Ketten sucht man vergeblich. Das Städtchen übt eine scheinbar magische Anziehungskraft aus. Sein grandioser Skiberg, das alternative Flair und seine Geschichte – mit dieser Mischung macht der einstige Geheimtipp mittlerweile sogar den Colorado-Platzhirschen Vail und Aspen Konkurrenz.

Text: Lukas Scheid und Bernhard Krieger

Fotos: Bernhard Krieger

Im Schnee ist es Ihnen zu kalt?  Dann auf in den Süden Kaliforniens

USA: Palm Springs – Im Bett von Frankie-Boy

 

Mit 6237 Fotos in fünf Minuten um die Welt

Kien Lam war 343 Tage unterwegs, hat 17 Länder besucht und 6237 Fotos gemacht. Schauen Sie sich die Höhepunkte seiner Reise  in knapp fünf Minuten an.

USA: SanDiego – West Coast und Lebenslust

Coronado Beach -Courtesy Brett Shoaf

Coronado Beach © Brett Shoaf

San Diego im Süden Kaliforniens besticht mit Traumstränden, viel Grün und einem sehr entspannten Lebensgefühl.

Wir sind in einem Lokal in North Park, einem angesagten Viertel von San Diego, verabredet. Mittags um halb eins. Bevor wir loslegen können, braucht der Mann, der mir mit Jeans, Karohemd und kurz gestutztem Backenbart gegenüber sitzt, aber erst einmal ein Frühstück. Er bestellt einen Burger mit Speck, einen großen Kaffee – ein kleines Bier. Dann plaudert Josh Damigo, Gitarrist und Singersongwriter, über die Musikszene in seiner Heimatstadt San Diego, erzählt von der Zeit vor zehn Jahren, als er mit seinen ersten selbstkomponierten Songs landauf, landab durch Kalifornien tingelte.

Josh Damigo

Local heroe Josh Damigo ©Susanne Kilimann

Der Konkurrenzdruck in Los Angelos habe ihm zu schaffen gemacht, sagt der 32jährige „In L.A. kann es passieren, dass du spielst und anschließend herrscht eisiges Schweigen im Raum.“ In San Diego habe er so etwas nie erlebt. „Hier helfen dir Kollegen, klopfen dir auf die Schulter, spornen dich an. Und das Publikum applaudiert immer. Selbst wenn es von deiner Musik nicht so begeistert war.“
Das entspannte Miteinander spürt man nicht nur in Damigos Branche. In der Millionenstadt nahe der Grenze zu Mexiko gehe man das Leben „laid back“, also zurückgelehnt, an, hört man allenthalben. Hier fühle sich selbst der Alltag immer ein bisschen wie Urlaub an. Dass das so ist, hat wohl in erster Linie mit dem ganzjährig milden Klima und mit den traumhaften Stränden zu tun, von denen es entlang der 110 Kilometer langen Küste von San Diego County Dutzende gibt.

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Pacific Beach © Brett Shoaf

Feinsandige Bade- und Surfparadiese liegen quasi vor der Haustür. Black’s Beach, Cadriff Reef, Swami’s – das sind nur einige der Hotspots, an denen Surfer rund ums Jahr die Wellen reiten. Andere zieht es zu weniger adrenalinlastigen Aktivitäten an die Strände von La Jolla und anderen Vierteln der Stadt. Man kommt zum Joggen oder zum Yoga an den Strand, geht spazieren, schaut den Walen und Delfinen zu, die sich hier, vor der südkalifornischen Küste tummeln, trifft Freunde zum Beach Barbecue oder kommt, wie Josh Damigo, am liebsten nachts, um unterm Sternenhimmel auf der Gitarre zu klimpern und vielleicht ein Lied zu komponieren.
Natürlich verdienen auch in San Diego die wenigsten das Geld am Strand. Die großen Geschäfte werden Downtown gemacht. Vor allem Unternehmen der Kommunikations- und Biotechbranche haben sich in den letzten Jahrzehnten in der südkalifornischen Stadt angesiedelt, haben ihre Büros in den Glastürmen der City. Auf relativ kleiner Fläche konzentrieren sich sämtliche Wolkenkratzer. An die hochaufragende City schließen niedrig bebaute Wohnviertel an. South Park zum Beispiel, das mit kleinen Holz- oder Ziegelhäusern, Vorgärten und Straßenbäumen beschaulich wirkt. Oder North Park, wo sich in jüngster Zeit immer mehr kleine Läden auf Hand- und Hausgemachtes spezialisieren.

Little Italy Diners -Courtesy Joanne DiBona SanDiego.org

Little Italy ©Joanne DiBona

Selbstgenähte Mode, Schokolade mit Zutaten aus biologischem Anbau, Schmuck aus Recyclematerialien – Nachhaltiges ist in North Park total in.
Coronado, eine Insel, die sich von Downtown aus über eine hohe Brücke in wenigen Autominuten erreichen lässt, ist ein Wohnort der Besserverdienenden. Der breite, feinsandige Coronado Beach gilt als einer der schönsten des Landes. Zum Baden kann jeder kommen. Um „Hotel del Coronado“ zu logieren, braucht es schon ein etwas größeres Budget. Als das Luxushotel – eine Art Märchenschloss im viktorianischen Stil, mit Türmchen und Veranden – 1888 seine Türen öffnete, zog es sogleich den amerikanischen Geldadel an. Die Reichen kamen, um den strengen Wintern an der Ostküste zu entfliehen. Bald reihten sich auch Leinwandstars und US-Präsidenten in die illustre Gästeschar ein. Hollywood-Regisseuren gefiel das „Del“ auch als Kulisse. Am prominentesten hat Billy Wilder das Hotel am silberweißen Strand auf die Leinwand gebracht. Er drehte hier seine Komödie „Manche mögen’s heiß“ mit Marylin Monroe.
Heute geht es in dem 900-Zimmer-Haus eher lässig zu. Gäste schlendern mit Badelatschen und Shorts durch die vornehme Lobby und selbst im feinsten Hotel-Restaurant ist man zum Dinner in legerem Freizeitlook völlig korrekt gekleidet. Die Promi-Dichte ist nicht mehr so hoch wie einst, Berühmtheiten checken aber heute noch ein. First Lady Michelle Obama und die Töchter haben auch schon Urlaubstage im „Del“ verbracht.
Man könnte ohne weiteres jeden Tag am Strand verbringen, doch locken noch etliche andere Attraktionen.

Pandas im Zoo von San Diego ©San Diego Zoo

 

Eine davon ist San Diegos Zoo. Mit über 3700 Tieren und 650 Arten ist er einer der größten der Welt – und einer der besten. Besucher spazieren zwischen hohen Pflanzenwänden wie auf Dschungelpfaden, Affen, Zebras, Tiger & Co streifen durch große, naturnah gestaltete Gehegen. Dass sie sich wohlfühlen, lesen Zoologen an den Zuchterfolgen ab. Sogar bei den Pandas, die sich mit der Fortpflanzung im Tierpark gemeinhin schwertun, konnte San Diego schon mehrfach Nachwuchs vermelden.
Als grüne Lunge, botanischer Garten und Spielplatz für Golfer präsentiert sich der fast fünf Quadratkilometer große Balboa Park. Er wurde 1868 auf einem Hügel nördlich der Innenstadt angelegt. Zur Weltausstellung anlässlich der Eröffnung des Panamakanals im Jahr 1915 ließen die Planer Ausstellungsgebäude mit üppigen Barockfassaden in den Park setzten.

_Balboa Park Courtesy Museum of Man

Balboa Park ©Museum of Man

Noch heute wirkt das einstige Expo-Gelände wie eine fantastische Stadt in der Stadt, beherbergt rund ein Dutzend Museen und ist beliebte Fotokulisse.
Tief in die kalifornische Geschichte taucht man in Old Town San Diego ein. Das Gebiet zwischen Mission Valley und Mission Bay gilt als Geburtsstätte des 31. US- Bundesstaats. Hier wurde 1769 die erste von 21 Missionarsstationen an der kalifornischen Küstengegründet. Um diese christlichen Niederlassungen herum entstanden Siedlungen, die sich im Laufe weniger Jahrzehnte zu den großen Städten des amerikanischen Westens entwickelten. im alten Schulhaus, im Sheriffmuseum, im Drugstore Wild-West-Atmosphäre schnuppern, bei Kunsthandwerkern nach Souvenirs stöbern und den Köchinnen zuschauen, die virtuos mit hauchdünnen Teigfladen hantieren.
Während sich Touristen in Old Town Tortillas schmecken lassen, füllen sich anderswo in der Stadt die Bierlokale. Bier ist Kultgetränk in San Diego. Für Sortenvielfalt sorgen fast 100 Mikrobrauereien. Eine davon gehört Mike Hess, einem Selfmademan mit deutschen Wurzeln. Wie man Bier braut, das habe er sich im Internet angelesen und die ersten Brauversuche dann in der Küche gemacht, erzählt der ehemalige Soldat. Heute hat er sechs Angestellte, die vor den Augen der Kundschaft „Orange Honey Wheat“, „Vienna Cream Ale“ und „German Style Kölsch“ brauen. Kinder und Hunde sind sehr willkommen in dem lichtdurchfluteten Lokal. Für die einen hält der Wirt die guten alten Brettspiele bereit, für die anderen gibt’s Hundekekse an der Bar.
Nächte können kurz werden in Kaliforniens südlichster Stadt. Das historische Gaslamp Quarter mit den viktorianischen Klinkerbauten ist seit jeher Vergnügungsviertel und lockt noch immer mit Theatern, Konzerthäusern und gemütlichen Pubs. Auch Little Italy mit seinen durchgestylten Restaurants und den vielen Straßencafés ist ein quirliger Ausgehkiez. Allabendlich öffnet hier das Casbah die Tore. Seit Jahrzehnten gibt der Musikclub Newcomern der Rock- und Popszene eine Bühne. Natürlich rockt nicht jede Band den Laden, sagt Clubbetreiber Tim Mays. Ganz ohne Applaus musste aber auch hier noch keiner von der Bühne gehen.

Susanne Kilimann

Kanada: Fernie – Am Powder-Highway sind die Bären los

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Es war die wohl absurdeste Szene der ganzen Saison. Als ein Bergwachtler in Fernie am Ende der Saison die Pistenmarkierungen einsammelte, lief ihm plötzlich ein Grizzly über den Weg. Der Bär setze sich in den Schnee, hob die Tatzen und schlitterte den Hang hinab.

Grizzlybären haben eine verdammt gute Nase. Anscheinend auch für Skigebiete. Der Grizzly, der vor einigen Jahren einen Ski-Patroler in British Columbia (BC) fast zu Tode erschreckt hat, wusste jedenfalls ganz genau, wo man richtig Spaß im Schnee hat: in Fernie, dem Tor zum Powder-Highway mit seinen legendären Heliskiing-Lodges von Canadian Mountain Holidays (CMH).

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„Der Bär hatte offenbar Riesenspaß und auch einen guten Riecher dafür, wo die besten Abfahrten sind“, scherzte der Ski-Patroler. Einen ähnlich guten Riecher für ideale Hänge hat auch Heiko Socher, ein großer deutscher Ski-Pionier in Fernie. Der weit über 80 Jahre alte Deutsche legte den Grundstein für eines der besten Skigebiete der Welt. In Europa ist das Minenstädtchen am Fuße der beeindruckenden Lizard-Felswand zwar bei Weitem nicht so bekannt wie Whistler oder Banff und Lake Louise, „dabei haben wir alles, was zu einem grandiosen Skiresort gehört“, sagt Heiko.

Ende der 1960er kam der Auswanderer nach Fernie und erkannte sofort das Potenzial des Gebiets im Südosten British Columbias, das pro Saison im Durchschnitt mehr als elf Meter Schnee abbekommt. Der studierte Forstwirt musste zunächst viel für seinen Traum opfern. Er gab seinen Job auf, begann Schneisen für Pisten zu schlagen und baute die ersten Lifte und Gebäude an der Talstation. Mit seiner Frau Linda eröffnete der gebürtige Berliner eine Skischule und einen Ski-Shop mit Verleih.

Fernie wurde als Familienbetrieb groß. Linda und Heiko führten das Skiresort 25 Jahre gemeinsam, bis sie es 1997 an die Gesellschaft Resorts of the Canadian Rockies (RCR) verkauften. Der Konzern des kanadischen Öl-Milliardärs N. Murray Edwards aus Calgary pumpte viel Geld in das Resort und verwandelte Fernie in ein Weltklasse-Skigebiet. Neue Lifte entstanden, die 142 Pisten bedienen und den Zugang zu über 1000 Hektar befahrbarem Gelände ermöglichen. Die Pionierleistung von Heiko aber bleibt unvergessen. Die Menschen in Fernie bewundern den unermüdlichen Selfmademan, der vor kurzem noch mit eigenen Händen ein historisches Gebäude auf der Rückseite der Main Street restaurierte.

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„Heiko ist schon jetzt eine Legende“, sagt Shawn Clarke, ein zugezogener Backcountry-Guide aus Ostkanada. Seit 18 Jahren lebt er in Fernie. Er schwelgt noch immer gerne in den Erinnerungen an die alten Zeiten: “Heiko sammelte damals persönlich den Müll auf dem Parkplatz ein, brachte die Dosen zum Recycling. Auch als Besitzer des Skiresorts war er sich für nichts zu schade“, erzählt Shawn.

Shawn ist Experte für steile Tiefschneehänge – und Fernie ist für eben diese besonders bekannt. „Die steilsten Hänge haben wir unter dem Polar Peak“, berichtet Shawn im Polar Peak-Sessellift, auf dem Weg zum höchsten Punkt des Skigebiets auf 2134 Metern. Fast alles hier oben ist „Double Black“, die schwierigste Pisten-Kategorie in Nordamerika.

In Kanada kann man, anders als in Europa, innerhalb des Skigebiets überall fahren, auch im Wald. Im Sommer wird immer wieder ausgelichtet, damit die Bäume beim „Tree-Skiing“ für den Naturslalom im perfekten Abstand zueinander stehen. „Wer sich auskennt, findet auch Tage nach dem letzten Neuschnee noch unverspurte Flächen“, verspricht Shawn. Die Wälder in der Timber Bowl, der Currie Bowl und den tieferen Lagen der Lizard Bowl sind erstklassig. Wer auf der Suche nach offenen Steilhängen ist, geht in das Lieblings-Areal des Grizzlys, in die Cedar Bowl, hoch hinauf an den Polar Peak oder in den oberen Teil der Lizard Bowl.

IMG_8837-Fernie-Fotos. Die Frau auf den Fotos ist die Autorin Brigita Krieger - der Mann dieser Shawn Clarke aus der Story.’

Fernie ist was für gute Skifahrer, sie werden von dem Ski-Ort regelrecht angezogen. Die Schickimicki-Fraktion ist da völlig fehl am Platz. Entsprechend locker geht es in den Kneipen und Restaurants zu. Fernie ist deutlich günstiger als Banff oder Whistler, ohne schlechter zu sein. „Gourmets halten unser Yamagoya sogar für eines der besten Sushi-Restaurants in British Columbia“, erzählt Shawn. Auch die Steaks in der Fernie Cattle Company sind top. Die Après-Ski-Schuppen Griz Bar im Ski Village und das Brick House an der Main Street sind Skifahrern in ganz Kanada ein Begriff.

Fernie ist eine echte Ski-Town mit Seele und viel Charme. Es ist ein idealer Ausgangspunkt für einen Roadtrip auf dem sogenannten Powder Highway, der in BC einige der besten Skiresorts, Cat- und Heliskiing-Orte verbindet. In Sachen Heliskiing befinden wir uns in Fernie in einer der legendärsten Gebiete Kanadas.

Hans Gmoser hat das Heliskiing in Golden, der Wiege der luxuriösesten Form des Skifahrerns, im Jahr 196 erfunden und sich mit seiner Firma Canadian Mountain Holidays (CMH) die Rosinen rausgepickt. Einige der besten Heliskiing-Areale in den Rocky Mountains konnte er sich sichern. Der Österreicher baute mit der Bugaboos Lodge die weltweit erste Heliskiing-Lodge mitten in die unberührte Wildnis „Die Bugaboos sind unser am besten erschlossenes Gebiet“, sagt Lodge-Manager Dave Cochrane. Die Purcell- und Selkirk-Mountains bieten ein beeindruckendes Panorama und herrliche Bedingungen zum Heliskiing. Die riesigen Gletscher werden von mächtigen Gipfeln eingerahmt und bieten zwischen 1370 und 3050 Meter schier unendlich viel Gelände. Ob bei der Herausforderung Tree-Skiing oder bei Genussabfahrten auf den breiten Gletschern, die Suchtgefahr ist enorm. Einer Gruppe von nur 44 Skifahrern steht ein Areal von 1053 Quadratkilometern zur Verfügung. Maximal elf Gäste bilden eine Helikopter-Gruppe.

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Sicherheit gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Lodge-Betreiber. Noch bevor es die erste Mahlzeit gibt, geht es zum Sicherheitstraining. In den Heli ein- und aussteigen, das Verhalten im Notfall, alles wird detailliert besprochen und geübt. Doch auch trotz der höchsten Sicherheitsstandards, wie sie bei CMH und den anderen kanadischen Heliskiing-Anbieter üblich sind, das Restrisiko eines Lawinenabgangs aber bleibt immer bestehen. Jeder Teilnehmer muss das Verhalten nach einem Lawinenabgang verinnerlicht haben, sonst ist die Gefahr für die gesamte Gruppe zu hoch.

Bereits am Anreisetag beginnen die Teilnehmer sich mit dem Terrain und dem Heli vertraut zu machen und können sich auf kurzen Runs einfahren, um gewappnet zu sein für das große Abenteuer Heliskiing. Die ersten Schwünge im knietiefen Schnee sind für viele noch ungewohnt, auch wenn die kostenlos bereitgestellten Powderlatten den Tanz durch den Pulverschnee enorm vereinfachen. Mit den breiten „Fat Ski“ schwimmt man förmlich auf dem Schnee auf.

Wer in den wahren Genuss des Heliskiing kommen will, sollte mindestens drei Tage in der Lodge einplanen. Bei den meisten hat sich nach dem zweiten Tag die Nervosität erst so richtig gelegt, die ungewohnt breiten Ski gehorchen immer besser und die Schwünge werden rhythmischer. „Mit diesen Brettern ist das Fahren purer Genuss“, sagt Edgar Isermann. Der ehemalige Richter ist nicht zum ersten Mal beim Heliskiing in Kanada, doch nach jedem Run ist er immer wieder fasziniert. „Der Schnee macht süchtig. Mit jedem Schwung tauchst du ein wie in ein Daunenbett“, berichtet Isermann. Allein die Flüge im Helikopter seien schon fantastisch. „Und wenn einen der Heli dann auf einem Gipfel irgendwo im Nichts absetzt, wieder wegfliegt und dann plötzlich absolute Stille herrscht, ist das schon unvergesslich“, erzählt der 68-Jährige.

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Exklusiver als Heliskiing geht es kaum, zumindest nicht im Wintersport. Je kleiner die Lodges und je kleiner die Gruppen sind, desto größer ist der Spaß. „Das Grandiose beim Heliskiing ist, dass du auch Tage nach dem letzten Schneefall immer noch jede Abfahrt im unberührten Powder fahren kannst“, erklärt Powder-Guide Shawn. Er hat in Fernie schon hunderte Heliskiing-Novizen fit gemacht für ihr großes Abenteuer. Shawn ist nicht verwundert darüber, dass so viele Europäer nach Kanada kommen zum Skifahren. “Der trockene Pulverschnee, das Heliskiing und dieses riesige Land mit so wenigen Menschen und so viel unberührter Natur“, listet der Skilehrer auf. Und auch die Tiere dürfen in dieser Liste nicht fehlen. In Fernie findet man Elche, Rehe, Stachelschweine, Füchse und mit ganz viel Glück auch mal einen Grizzlybären.

Text: Lukas Scheid und Brigita Krieger
Fotos: Bernhard Krieger

Kanada: World Pride in Toronto. Stolz aufs Anderssein als Botschaft

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Im Gedenken an den Aufstand Homosexueller gegen Polizeiwillkür und Diskriminierung in der New Yorker Christopher Street im Juni 1969 feiern heute Schwule, Lesben und Transgender in der ganzen Welt ihr Anderssein mit Parties und Paraden. An diesem Wochende (19./20. Juli) etwa in Bielefeld, Frankfurt, Leipzig, München, Rostock, Trier, am nächsten Wochenende (26./27. Juli) unter anderem in Braunschweig, Duisburg, Mainz und Stuttgart, am ersten Augustwochenende in Bonn, Essen, Hamburg, Nürnberg, Ulm, Wiesbaden (weitere Termine unter www.queer-travel.net).

Als eine der homofreundlichsten Städte der Welt gilt Toronto. Als Gastgeberin des World Pride 2014 (vom 20. bis 29. Juni) hat die kanadische Multikulti-Metropole diesem Ruf alle Ehre gemacht. Weltreisejournal-Autor Carsten Heinke war live dabei.#

C.Heinke, Toronto Pride

Bäcker färben ihre Kekse bunt, Floristen ihre Blumen. Textilgeschäfte hängen ihre Sachen dem Farbenspektrum nach. Der CN-Tower wird nachts damit beleuchtet. Regenbogen, so weit das Auge reicht. Als Fahne, auf Plakaten, Werbetafeln, T-Shirts, Kinderwagen… Selbst im Schaufenster des Kebab-Ladens wirbt das internationale Symbol der Homosexuellen für Toleranz und sexuelle Freiheit.
Wenn die Schwulen und Lesben in Kanadas größter Metropole allsommerlich ihren Pride feiern, feiert mittlerweile die ganze Stadt. In diesem Jahr kamen besonders viele Gäste, denn Torontos 34. Gay-Festival war zugleich der vierte „World Pride“, der nach Rom (2000), Jerusalem (2006) und London (2012) erstmalig in Amerika stattfand. Weit über eine Millionen Besucher zählte das zehntägige Mammut-Event Ende Juni in Toronto. Ermöglicht wurde es durch eine starke politische Lobby, zahlreiche Sponsoren sowie mehr als 2.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.
C.Heinke, Toronto Pride „Kanada gehört seit langem zu den homofreundlichsten Ländern der Welt. 2005 war es nach den Niederlanden, Belgien, dem US-Staat Massachusetts sowie Spanien weltweit einer der ersten Staaten, der die Ehe von Schwulen und Lesben gesetzlich erlaubte. Toronto, von dessen zweieinhalb Millionen Einwohnern mehr als 350 000 homosexuell sind, hat viel Erfahrungen mit schwul-lesbischer Alltagskultur“, weiß Michele Simpson von Tourism Toronto.
Seit vielen Jahren wirbt die Vielvölkermetropole mit dem Slogan „As gay as it gets!“ (etwa: „So schwul wie‘s geht!“) ganz gezielt auch um Touristen mit gleichgeschlechtlicher Lebensweise und setzt damit international Maßstäbe für eine offenere und tolerantere Gesellschaft.
„Toronto ist ein Vorbild in der Akzeptanz der Verschiedenartigkeit der Menschen“, sagte die in Hongkong geborene chinesisch-kanadische Stadträtin Kristyn Wong-Tam bei der Eröffnungszeremonie. Wie auch Ontarios Premierministerin Kathleen Wynne ist sie eine offen lesbisch lebende Politikerin, die die politische Forderung nach Gleichberechtigung durch ihr persönliches Vorbild unterstützt.

LGBTTIQQ2SA

Etwas zu gut gemeint war allerdings der eigens für den Torontoer World Pride kreierte, politisch absolut korrekt sein wollende Begriff für die Zielgruppen des Festivals: „LGBTTIQQ2SA“, bei dem sich selbst Frau Wong-Tam verhaspelte. Das unaussprechliche Konstrukt aus den Anfangsbuchstaben (bzw. -ziffern) der englischen Wörter Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual, Transgender, Intersex, Queer, Questioning (für „drittes Geschlecht“), 2-Spirits und Allies (Verbündete) bestand den Praxistest nicht. Keiner der Rednerinnen und Redner brachte das verbale Monstrum fehlerlos und fließend über die Lippen.

Die Braut gibt der Braut das Jawort, der Bräutigam dem Bräutigam

Das Casa Loma ist Torontos Märchenschloss. Kein anderes Bauwerk in Kanadas größter Metropole steht bei Romantikern so hoch im Kurs wie dieser hundertjährige Bau mit seinen verspielten Mittelalter-Fassaden. Verliebte zieht er magisch an, scheint sie zu Treueschwüren zu ermuntern.C.Heinke, Toronto Pride

Wie so oft wird auch an diesem Bilderbuch-Sommertag im Casa Loma geheiratet. Doch diese Hochzeit ist anders – und das nicht nur, weil sich 110 heiratswillige Paare auf einmal das Jawort geben werden.
Sie tummeln sich im Garten, halten Händchen, küssen sich, spülen die sichtbare Aufregung mit Sekt hinunter. Sie tragen topmoderne oder altmodische Kleider, kurze Röcke, lange Hosen, Anzug oder Frack, in Weiß, Schwarz oder schreiend bunt. Auf Schritt und Tritt dabei: ein ganzer Pulk von Presseleuten. Statt ihnen auszuweichen, beantworten die Hochzeitskandidaten ihre Fragen und posieren bereitwillig für Zeitungsfotos.

C.Heinke, Toronto, im Park der Casa Loma
Das öffentliche Interesse ist gewollt. Denn hier haben sich nicht nur ungewöhnlich viele Paare aus aller Welt zu einer gleichzeitigen Vermählung zusammengefunden, sondern hier gibt – sofern sich die künftigen Eheleute einem Geschlecht zuordnen – die Braut einer anderen Braut das Jawort und der Bräutigam einem anderen Bräutigam.
„Unsere Hochzeit ist zugleich eine der größten Massentrauungen nicht-heterosexueller Paare. Es ist eine Botschaft an die Welt – insbesondere an die Länder, die ihren Menschen dieses Recht noch vorenthalten“, sagt die vor Freude strahlende Sydney Downey, eine junge Frau in weißem Hemd und Schottenrock. Mit ihrer Partnerin Laura Gillen, die ein klassisches weißes Brautkleid trägt, ist sie seit acht Jahren liiert.
Gleich werden die beiden Kanadierinnen ein Ehepaar sein – ebenso wie Colin Gunther und Richard Laslett aus Australien, Inae Lee aus Südkorea und Jenny Chang Ho aus Venezuela, Mareks Lindbergs aus Lettland und Felipe Mendes aus Brasilien und viele mehr. Zu den ältesten zählen der Frankokanadier Gerard Pouliot und der Tscheche Petr Rejcha, die sich vor 41 Jahren ineinander verliebten und seitdem ein Paar sind.

C.Heinke

Da alle unterschiedlichen Glaubensbekenntnissen angehörten, wurde die Trauzeremonie von Vertretern zwölf verschiedener Religionsgemeinschaften vollzogen – neben christlichen auch jüdische, muslimische, buddhistische und sikhistische Geistliche sowie der Stammesälteste eines kanadischen Ureinwohnervolkes. Die Leitung hatte Dr. Brent Hawkes, Pfarrer an der Metropolitan Community Church of Toronto. Mit einer faktisch illegalen Hochzeitszeremonie für zwei gleichgeschlechtliche Paare im Jahre 2001 gehört der langjährige Schwulenaktivist im Priestergewand zu den Wegbereitern der Homoehe in Nordamerika.

Programm von Party bis Politik

Neben zahllosen Parties, Straßenfesten und Konzerten, Ausstellungen und Filmen bot das Programm des World Pride auch politische Inhalte. Auf einer Menschenrechtskonferenz, die in Kooperation mit dem Mark S. Bonham Zentrum für Studien zu sexueller Diversität an der Universität Toronto durchgeführt wurde, diskutierten politische Aktivisten, Juristen, Wissenschaftler und Politiker aus der ganzen Welt über die Rechte Homosexueller. Im Vordergrund standen dabei menschenverachtende Gesetze und alltägliche homophobe Gewalt – besonders in afrikanischen und arabischen Ländern sowie in Osteuropa, Russland und Zentralasien.

TorontoPrideKostuem-HEINKEAuch die drei großen Umzüge hatten mehr als bloßen Spaß im Sinn. Trans March, Dyke March und Grand Parade setzten unter dem Motto „Wir marschieren für die, die es nicht können“ Signale für die Rechte sexueller Minderheiten. Viel unterstützenden Jubel erhielten besonders die mutigen Vertreter aus Ländern, in denen Homosexualität mit Gefängnis, körperlicher Züchtigung oder gar mit dem Tode bestraft wird. Für berührende Momente sorgte etwa auch PFLAG, die Vereinigung von Eltern homosexueller Kinder mit Plakaten wie: „Ich liebe meinen schwulen Sohn!“

Mehr als 12.500 Teilnehmer und insgesamt 285 Motivwagen zählte die fünf Stunden dauernde Große Parade von Torontos legendärem „Gay-Village“ Church-Wellesley über die Yonge Street bis zum Yonge-Dundas-Square, Höhepunkt und Abschluss eines überwiegend beispielhaften Events, dem – man mag es glauben oder nicht – nach einem kurzen Schauer mit Sonnenschein ein echter Regenbogen folgte. Hier und da ging dem Veranstaltungsmarathon mal die Luft aus – etwa wenn mehr Leute draußen Schlange standen, als drinnen Platz zum Feiern hatten oder wenn ein Veranstalter vergaß, dass viele Leute auch viel trinken… Trotz allen Frohsinns, trotz Massenhaftigkeit ließ dieser World Pride nicht vergessen, dass erst ein kleiner Teil der Menschen, die anders lieben, das auch offen zeigen kann.

TorontoPrideWagen-HEINKEText und Photos: Carsten Heinke

USA: Florida – Mit dem Fahrrad durch die Bäume

ORLANDO. Die „Ferienhauptstadt der USA“ ist weltbekannt für ihre Freizeitparks. Ringsherum sorgt Floridas Wildnis für echte Naturabenteuer – von der Radtour über Alligatoren-Sümpfen bis zum Bad mit Seekühen.

K1024_CanopyCycling-ForeverFlorida2Die ersten Meter sind noch zaghaft. Doch es geht leichter als gedacht. Zudem ist es bequem: Fahrrad fahren, fast im Liegen, ohne auf Verkehr zu achten. Auch Wurzeln, schlechte Wege, Holpersteine sind für diesen Waldausflug per Rad kein Thema. Denn statt am Boden fährt man durch die Luft. Canopy Cycling (Baumkronenradeln) heißt dieser Spaß in der Erlebnis-Ökofarm „Forever Florida“. Nur eine Autostunde von Orlando mit zahllosen Hightech-Freizeitparks lockt die Wildnis.
Bald wird der Tritt in die Pedale fester. Die Kette schnurrt, trägt die Kraft nach oben und zieht den Baumradler samt Gefährt per Seilwinde hinauf zu den Kronen der Kiefern, Palmen und Zypressen. Eine Fahrradtour mitten durch die obere Etage des Urwalds von Florida!

K1024_Orlando-AlligatorJedes Rascheln, jeder Laut lenkt die Augen in das Gewirr aus Stämmen, Ästen, Blättern, Wurzeln. Durch das Dickicht  funkeln Wasserläufe und die schwarzen Spiegel schlammiger Tümpel. Vögel, Hirsche, Sumpfschildkröten. Ein Gürteltier. Ein Alligator! Fünf Meter unter den Füßen der Wipfel-Wanderer aalt sich die fünf Meter lange Urzeitechse im Morast.

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Nach dem stillen Höhenflug holt der Super-Truck der Orangenplantage „Showcase of Citrus“ die Orlandobesucher auf den Boden der Tatsachen zurück. Der turbulenten Tour über Stock und Stein folgt ein Ernteeinsatz. Jeder darf so viele Zitrusfrüchte pflücken, wie er tragen kann.
Für mehr Abenteuer sorgt ein Besuch  im Themenpark Disney’s Animal Kingdom. Wer dort einen „Wild Africa Trek“ bucht, kommt Respekt einflößenden Schnauzen und Klauen recht nah. Höhepunkt der Action-Safari ist ein Gang über die Wackelbrücke im Krokodilgehege. Dessen Bewohnern will keiner zu nahe kommen. Dagegen wecken die gutmütigen Karibik-Manatis (Seekühe) im Blue Spring State Park bei Orange City fast Streichellust.

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Bereits vom Ufer des St. John’s River sind die friedlichen Wasserbewohner zu sehen. Vom Kayak aus kommt man ihnen näher. Zuerst ist den Paddlern etwas mulmig. Denn wer hier zwischen Bucht und Fluss kentert, kann leicht als Reptilienmahlzeit enden.
Hinter einer Schutzschleuse, die Seekuhkälber vor fressgierigen Feinden bewahren soll, zeigt sich die Bootsbesatzung viel entspannter. Im Nu ist sie umringt von den sanften, überwiegend stummen Wesen. Wenn sie alle paar Minuten ihre dicke Nasen zum Atmen aus dem Wasser stecken, kann man in ihre schwarzen Hundeaugen blicken. Wer selber in den Fluss steigt und sich ihren langsamen Schwimmbewegungen anpasst, wird von den  faszinierenden Tieren mit Momenten voller Harmonie und Schönheit belohnt.

Text und Fotos: Carsten Heinke

Service-Infos ORLANDO

Anreise: Nonstop mit Lufthansa ab Frankfurt (der Flug dauert 10,5 Stunden), mit United Airlines, Delta Air Lines, British Airways u. a. jeweils mit einem Stopp.
Klima und Reisezeit: Das tropisch feuchte Orlando ist ein ganzjähriges Reiseziel mit durchgehend warmen Temperaturen, von Mai bis Oktober mit bis zu 29 Grad Celsius.
Hotels: In und um Orlando gibt es 440 Hotels mit mehr als 115.000 Zimmern. Für kurzfristige Hotelreservierung vor Ort: Official Visitor Center beim Gala Center, 8723 International Drive, Suite 101 (südöstliche Ecke des International Drive und der Austrian Row). Geöffnet täglich außer 25.12. von 8.30 bis 18.30 Uhr, Telefon 407-363-5872.
Parks und Aktivitäten: Die Erlebnis-Ökofarm „Forever Florida“ bietet Cypress Canopy Cycle (Baumfahrrad), Wald-Achterbahn (Extrem-Ziplining) und Reiten (www.floridaecosafaris.com). Im Blue Spring State Park in Orange City kann man mit Seekühen schwimmen oder sie beim Paddeln aus nächster Nähe bebachten (www.floridastateparks.org/bluespring), eine weitläufige Ranch per Monster-Truck erkunden und danach selber Zitrusfrüchte ernten bei  „Showcase of Citrus“ in Clermont (www.showcaseofcitrus.com).
Naturabenteuer direkt in Orlando gibt es im Echsen-Action-Zoo Gatorland (www.gatorland.com), in den Maritim-Parks Discovery Cove (www.discoverycove.com) und SeaWorld (www.seaworldorlando.com) oder in Disney’s Animal Kingdom (www.disneyworld.disney.go.com/parks/animal-kingdom) zu erleben. Obligatorisch: eine Fahrt mit „Boggy Creek Airboat Rides“ durch die Everglades (www.bcairboats.com).

 

USA: Mit dem Motorrad durch Alaska

Polarkreis in Alaska

Ich fahre nun schon seit Tagen durch Nordamerika und habe immer noch keinen Bären vor die Augen bekommen. Ständig zeigen mir Mitreisende Bilder von Bären, die sie gerade aufgenommen haben. Ich werde richtig neidisch! Wann wird es endlich bei mir soweit sein? Ich fahre gemütlich an Seen mit glasklarem Wasser vorbei. Gewaltige Wasserfälle plätschern die Berge herunter. Eine landschaftlich reizvol­lere Abkürzung beschert mir kleine Seen mit Binsen am Ufer, frisches grünes Gras, dichter Baumbestand am Wegesrand. Ein Teil der Strecke führt über einen geschotterten Holzabfuhrweg. Kein Auto kommt mir entgegen. Die Straße ist einsam, aber erstaunlich gut in Schuss. Bei Ki­lometer 22 passiert es: ein Bär kommt langsam aus meterhohem Gras gestiefelt. Ich bin völlig überrascht. Obwohl ich die ganze Zeit sehn­süchtig auf diese Begegnung gewartet habe, weiß ich nicht so recht, was ich tun soll. Ich habe Angst und hupe. Sogleich verschwindet das scheue Tier im Unterholz. Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig über meine panische Reaktion, denn ich hätte es gern noch länger beobachtet.

Stur geht es weiter durch die Fichtenwälder Nordamerikas. Volle Konzentration auf die Straße, denn Tiere könnten die Straße kreuzen. Beim meterhohen Gras am Straßenrand bleibt dann nicht mehr viel Zeit zum Reagieren. Bei Kilometer 41 kreuzt erneut ein Bär die Stra­ße. Obwohl ich diesmal stehen bleibe und ihn ruhig beobachte, ist er schnell wieder verschwunden. Ich erreiche wieder die Teerstraße. Nur noch 140 Kilometer bis nach Hyder, Alaska. Hyder ist der südöstlichste Punkt von Alaska. Gerade einmal 65 Einwohner, dafür aber immerhin drei Bars! Ein kleines Wildwest-Örtchen! Darauf sind die Einwohner stolz. Nur wirklich Hartgesottene wohnen hier.

Meine Warnlampe leuchtet auf. Der Sprit geht zur Neige – na ja, nach 20 Kilometern kommt die nächste Tankstelle. Als ich die Mediazin Junction erreiche, überkommt mich ein trostloses Gefühl. Eine verlassene Tankstelle, Autowracks, zerbrochene Fensterscheiben, Müll, aber kein Benzin! Was tun? Hyder ist noch 60 Kilometer entfernt. Ich muss es probieren, denn eine andere Chance habe ich nicht. Gemäch­lich mit 3000 u/min und Tempo 90 lass ich es bergab laufen. Ich feu­ere uns gegenseitig an, mein Motorrad und ich schaffen es. Wir sind eben ein gutes Team. Wir rollen an einem riesigen Gletscher vorbei, der Fotostopp muss auf den Rückweg verschoben werden. Jetzt nur nicht trocken fahren! Ein dritter Bär sitzt direkt am Straßenrand und frisst gemächlich Gras in sich hinein. Vielleicht wäre ich da die noch fehlende Kostergänzung?

Das Schild zwei Kilometer bis Hyder erscheint. Ich reiße die Arme in die Höhe und schreie vor Freude in den Helm. Ein Gang mit leerem Kanister zur Tankstelle, wie in der Aral-Werbung, bleibt mir er­spart. Dann geht der Motor aus. Ich lasse die Maschine im Leerlauf wei­terrollen. Starte erneut und… Sie schafft es und springt noch einmal an. Mit vereinten Kräften schaffen wir es an die Tankstelle. 80 Kilometer habe ich aus der Reserve gekitzelt. Ich bin mächtig stolz auf uns!

Heute Abend geht es auf einen richtigen Campingplatz, zu viele Bären in der Gegend, um wild zu campen. Ich treffe auf Jean. Er hat sein Geld in Hollywood verdient. Jetzt radelt er mit dem Fahrrad durch Nordamerika. Ihm ist der Campingplatz zu „eng“. Morgen will er in die Wildnis losziehen und unter „Bären“ campen. Für mich wäre das nichts, aber jedem das Seine.

Ich gehe unterdessen in eine der drei Bars am Ort. Ein dunkler Raum mit langem Tresen. Dort sitzen die Einheimischen und trinken ihr Bier. Bis auf eine Frau, die trinkt Cola. Jane ist seit 25 Jahren für die hiesige Wetterstation zuständig. Sie erzählt mir freimütig von ihrem Brustkrebs und dass sie gerade eine Chemotherapie macht. Ihrer Laune scheint das keinen Abbruch zu tun. Sie ist bestens drauf und reißt einen Witz nach dem anderen. Ich finde es bewundernswert, wie positiv sie mit der Krankheit umgeht.

Ach so, ich war ja hier um „Hyderized“ zu werden. Was ist „Hyderized“? Es wird ein Schnapsgläschen voll gemacht, um die Flasche ist eine braune Papiertüte gehüllt. Damit ich auch wirklich nicht erken­ne, was eingeschenkt wird. Jetzt heißt es trinken ohne abzusetzen. Ich gieße das Feuerwasser herunter. 73 Prozent Alkohol! Die Kehle brennt. Danach bekomme ich ein kleines Zertifikat und darf meine eigene One Dollar Note mit Unterschrift an die Wand der Bar heften. Willkommen im „Club“!

Buchcover Echt mutig Der Text ist ein Auszug aus dem Buch Echt mutig  -Vom Banker zum Abenteurer – von Joachim von Loeben. Erschienen im Selbstverlag 19,90 Euro.

USA: UFO-Beobachtungsturm in Colorado

Ufo Beobachtungsturm in Colorado

Colorado ist bekannt für seine Natur, seine Skigebiete und die beeindruckenden Nationalparks. Doch der US-Bundesstaat hat auch eine Vielzahl echt skurriler Geheimtipps zu bieten: In unmittelbarer Nähe des Great Sand Dunes National Park, in der Kleinstadt Hooper liegt ein UFO-Turm zur Beobachtung fliegender Untertassen. Die Beobachtungsplattform bietet einen Rundumblick über das San Luis Valley, in dem angeblich schon diverse unerklärliche Lichtphänomene und Gegenstände am Himmel gesichtet wurden. Gebaut wurde der Watchtower von der ehemaligen Farmerin Judy Messoline vor elf Jahren. Heute betreibt sie in dem kuppelartigen Bau einen Souvernirshop mit Alienandenken aller Art. Besucher sind angehalten, in den Beeten vor dem Watchtower persönliche Gegenstände zu hinterlegen und so für eine besonders positive Energie zu sorgen.

Hier klicken für weitere Informationen  über den UFO-Watchtower  und über Colorado.