USA: Reisen nach Trump-SA?

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Die USA haben gewählt und die Welt ist schockiert. Mit einem Präsidenten Donald J.Trump können sich hierzulande nur die wenigsten anfreunden – bisher war der Immobilienmogul ja auch vornehmlich mit rassistischen und frauenfeindlichen Parolen aufgefallen und weniger mit einem schlüssigen politischen Konzept.

Offenbar macht sich auch die deutsche Reiseindustrie Gedanken. Nur einen Tag nach der Wahl hat Urlaubsguru.de – eine der größten unabhängigen Reise-Webseiten Deutschlands –seine mehr als 5,6 Mio. Facebook-Fans und Leser gefragt.

Wer von euch reist nun nicht mehr in die USA? Mehr als 5.000 Stimmen liegen inzwischen vor – und das Ergebnis ist, dass ein Drittel der Befragten die USA künftig meiden wird, 55 Prozent wollen sich nicht durch den Ausgang der Wahl beeinflussen lassen und elf Prozent waren ohnehin nie sonderlich an Reisen in die USA interessiert.

Auch CANUSA, der Spezialist für Reisen nach Nordamerika, meldete sich am Tag nach der Wahl zu Wort. Tilo Krause-Dünow, der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens wird in einer firmeneigenen Pressemeldung zitiert und beschwichtigt: „Für mich persönlich ist der Wahlausgang überraschend, denn in vielen Gesprächen mit unseren Partnern in den USA hatte es sich für mich abgezeichnet, dass Hillary Clinton das Rennen machen wird. Die Wahl von Donald Trump zeigt aber: Alles ist möglich in den USA. Es ist eine andere Kultur, eine andere Welt. Der neue US-Präsident wird das Reiseland der unbegrenzten Möglichkeiten sicher verändern, aber die Menschen, das Land und die Natur werden weiterhin ein großer Magnet für die Touristen sein, die von diesem Kontinent fasziniert sind oder ihn kennenlernen wollen, auch oder vielleicht gerade nach einer solchen Wahl. Ein Buchungseinbruch ist daher nicht zu erwarten. Der Wahlsieg von Donald Trump ist zunächst einmal eine Sache der Amerikaner und so werden es auch die deutschen Touristen sehen.“

Ob die Leser von Urlaubsguru.de Recht behalten werden und der Tourismus Richtung USA tatsächlich einbricht oder ob die Staaten auch in der Trump-Ära weiterhin zu den Lieblingsreiseländern der Deutschen gehören werden, wird erst die Zukunft zeigen. Interessant ist es aber allemal,  wie sehr die Wahl Trumps die deutschen Touristiker in Aufregung versetzt.

Rasso Knoller

Trump ist Ihnen egal? Sie fahren trotzdem in die USA? Dann finden Sie hier Reisetipps.

USA: Palm Springs – Im Bett von Frankie-Boy

Trump regt Sie auf? Dann zur Abkühlung vielleicht lieber in den Schnee.

USA: Geheimtipp Telluride – Vom Minenstädtchen zum Weltklasse-Skiresort

Abkühlen kann man sich auch im Meer – am besten im Süden Kaliforniens

USA: SanDiego – West Coast und Lebenslust

USA: Palm Springs – Im Bett von Frankie-Boy

© Palm Springs Bureau of Tourism

 

Palm Springs war einst der Rückzugsort der Hollywoodstars, dann besiedelten vermögende Rentner den kalifornischen Wüstenort. Heute finden die Jungen Palm Springs wieder hipp und wer mag, kann bei Sinatra wohnen.

Dass sie eine große Schönheit war, sieht man ihr immer noch an. Große blaue Augen, hellblondes Haar, markante Wangenknochen, die Figur grazil, fast mädchenhaft. Am schlanken Körper trägt die Siebzigjährige ein transparentes Kleid im Hippiestil, in der Hand eine Tasche mit dem Gerät, aus dem der Mann an ihrer Seite, ein attraktiver Endsiebziger, Sauerstoff bezieht. Im Purple Room, einem der Showtempel fürs gesetztere Publikum, werden sie an diesem Abend von der Bühne herunter begrüßt. „Alles Gute zum dritten Hochzeitstag, ihr Turteltauben“, ruft der Mann im silbernen Glitzeranzug dem händchenhaltenden Paar zu. An den kleinen Tischen ringsherum wird applaudiert. Man kennt und man feiert sich in Palm Springs. Die Bewohner der 45 000- Einwohner Stadt scheinen eine eingeschworene Gemeinschaft zu sein, die alle Annehmlichkeiten des Lebens für sich reklamiert, die jeden Tag, koste es, was es wolle, nach dem Carpe-Diem-Motto lebt. So lange es irgendwie geht.

Bei Mel Haber war Frank Sinatra Stammgast

Bei Mel Haber war Frank Sinatra Stammgast

„Dieser Ort ist wie gemacht fürs schöne Leben“, sagt der 78-jährigen Mel Haber, den ich am nächsten Morgen in seinem Hotel, dem Ingelside Inn, treffe. „Schauen Sie sich diesen Himmel an, so tiefblau und wolkenlos ist er hier 330 Tage im Jahr“. Haber ist vor 40 Jahren von New York nach Palm Springs gezogen und hat sich mit dem „Inn“ innerhalb kurzer Zeit einen Namen gemacht hat. In dem Hotel, das an eine spanische Hazienda mit lauschigen Terrassen erinnert, haben sich schon viele Berühmtheiten in den Betten geräkelt. Liza Minelli, Goldie Hawn, Rita Hayworth, Jerry Lewis, Kurt Russel, Sylvester Stallone und viele andere. Mit einem seiner Gäste hat den Hotelinhaber sogar eine Freundschaft verbunden. „Sinatra ging hier ein und aus, in meinem Restaurant hat er sich wie zu Hause gefühlt“, erzählt Haber mit einem zufriedenen Lächeln, das sein sonnengebräuntes Gesicht in unzählige, tiefe Knitterfalten legt.
Als Mitte der 1970er Jahre von New York nach Kalifornien kam, war das im Hinterland von Los Angeles gelegene Palm Springs schon lange beliebtes Winterquartier der Schönen und Reichen. Die Glamourbranche hatte den kalifornischen Wüstenort am Fuße der San Bernardino und der Santa Rosa Berge in den 1920er Jahren für sich entdeckt. Zunächst als wetterbeständige Western-Filmkulisse. Einer der ersten Stars, die sich hier ein Haus bauen ließen, war der Italo-Amerikaner Sinatra. Er hatte 1947 seine erste Million verdient und wollte das erfolgreiche Jahr in dem winterwarmen Wüstenort mit einer rauschenden Party in einer eigenen Villa ausklingen lassen. Dem Architekt E. Stewart Williams blieben also nur wenige Monate, um Sinatras Bauprojekt zu realisieren. Das Ergebnis war spektakulär, ein Bungalow mit riesigen Glasfronten, schlicht und konsequent schnörkellos. Eine Architektur-Ikone der Mid Century Modern Architecture, einem am Bauhaus inspirierten Stil, der zum Markenzeichen der kalifornischen Wüstenstadt geworden ist.

Das Haus von Frank Sinatra

Das Haus von Frank Sinatra

An dieser Adresse, 1148 Alejo Road, habe Sinatra mit Ava Gardener, der Liebe seines Lebens, gelebt, sagt Jeff, der Touristen mit dem Jeep durch die Stadt zu den Adressen der Promis kutschiert. „Die beiden führten eine leidenschaftliche Beziehung, mit erbitterten Streits.“ Der Guide, der das Haus auch von Innen kennt, erzählt von gesprungenen Fliesen – „Spuren eines entgleisten Abends, bei dem die beiden mit Champagnerflaschen nacheinander warfen.“
Zu Sinatras Zeiten ging nur die Creme de la Creme des Showbusiness in dem Bungalow an der Alejo Road ein und aus. Heute können Touristen das Haus mieten, in dem „Frankie Boy“ mit der schönen seiner Ava gelebt, geliebt, gestritten und im Pool geplanscht hat. 2600 Dollar kostet die Nacht. Jeff kurvt mit seinem Jeep um die Häuserblocks von Old Las Palmas und Vista Las Palmas, den Promivierteln von Palm Springs. Überall sattes Grün, hohe Palmen, blühende Hecken, Häuser, die mal Hollywoodstars gehörten. Die Liste der frühere Eigentümer liest sich wie ein „Who is Who“ der Traumfabrik – Clark Gable, Errol Flynn, Gary Grant, Dean Martin, Greta Garbo, Marlene Dietrich, Judy Garland, Liz Taylor, Marylin Monroe und Dutzende andere bildeten hier einst eine überaus illustre Nachbarschaft.
Unser Guide stoppt am Ladera Circle, vor einem runden Haus mit hochaufragendem Glasgiebel. Hier haben Elvis und Priscilla Presley das erste Jahr ihrer Ehe verbracht, klärt er uns auf. Die blutjunge Frau habe den Star auch im Jahr vor der Hochzeit schon in Palm Springs besucht. Das uneheliche Liebesverhältnis sei gar nicht gut fürs Presleys Image gewesen. Darum habe sein Manager auf Hochzeit gedrängt und die Verliebten zum Heiraten ins nahegelegene Las Vegas geschickt. Im Mai 1967 hat der King of Rock n‘ Roll seine Braut dann hier, am Ladera Circle 1350, über die Schwelle getragen.

Im Rundbau am Ladera Circle flirteten Elvis und Priscilla Presley

Im Rundbau am Ladera Circle flirteten Elvis und Priscilla Presley

Jahrzehntelang ist Palm Springs nur ein Platz für den Winter gewesen. Man kam, um das angenehme Klima von Oktober bis April zu genießen. In den Sommermonaten, in denen das Thermometer täglich auf Werte um 40 Grad Celsius klettert, standen die Häuser leer. Die Hotels, die Clubs, die Restaurants – Ende Oktober machte alles dicht. Das änderte sich ab Mitte der 1970er Jahre, erinnert sich Hotelier Haber. „Damals wurde jedes Haus mit Air Condition ausgestattet und auf einmal konnten es die Leute hier auch im Sommer gut aushalten.“ Die frühen Morgenstunden und die Nächste seien ohnehin angenehm kühl. Und der Rest des Tages lasse sich ohne Not in klimatisierten Räumen oder im Schatten hoher Palmen am Pool verbringen.
Die Karawane der Stars ist trotzdem weitergezogen. In den 1980er und 90er Jahren suchten sich die Leinwandhelden weitab von Hollywood andere Rückzugsorte. Millionäre und Milliardäre, die ihr Vermögen weniger publikumswirksam verdienten, kauften sich die Bungalows, verlegten ihren Erst- oder Zweitwohnsitz nach Palm Springs, weil das Klima den Knochen und die klare Luft der Lunge gut tut, und weil es hier, in der Wüste, keine langen Wege, keine Staus, keinen Stress, sondern allenfalls stilvolle Langeweile gibt.
In den letzten Jahren aber mischt die hippe Großstadtjugend den Wüstenort wieder auf. An den Wochenenden kommen Tausende aus dem nahegelegenen L.A., um in den Pools von Palm Springs Schaum-Partys zu feiern. Angesagte DJs liefern den Sound dazu. Die Jungen checken nicht im Ingelside Inn ein, sie wohnen im ACE und in anderen neuen Trend-Hotels. Mel Haber stört das nicht. Er kann noch immer gut von der Klientel leben, die zu ihm kommt, um der Atmosphäre einer vergangenen Epoche nachzuspüren. Die Zukunft seines legendären Hotels? Die interessiere ihn nicht, sagt der 78jährige und lacht. „Was nach mir kommt, ist mir völlig egal. Ich lebe jetzt. Und ich lebe hier, im Paradies.“

Text: Susanne Kilimann
Fotos: Susanne Kilimann (2),  Palm Springs Bureau of Tourism (2)

 

USA: Geheimtipp Telluride – Vom Minenstädtchen zum Weltklasse-Skiresort

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Aspen, Vail und Whistler kennen die meisten Snowboarder und Skifahrer. Aber Telluride? Das frühere Minenstädtchen ist ein echter Geheimtipp unter den Skigebieten Nordamerikas. Das herausragende Skiresort besticht durch Charme, Geschichte und erstklassigen Skihänge.

Tellurides Mainstreet sieht aus wie eine Western-Kulisse. Kein Wunder, dass die Straße im Schatten des 4.060 Meter hohen Palmyra Peak einst Schauplatz für einen filmreifen Banküberfall war. 1889 erbeutete Butch Cassidy bei seinem ersten Banküberfall 24.000 Dollar in der San Miguel-Bank – zur damaligen Zeit ein echtes Vermögen. Anschließend spazierte er seelenruhig aus dem Gebäude und ritt ohne einen einzigen Schuss abzugeben lässig über die Hauptstraße davon.

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Aus der boomende Minenstadt von einst ist längst ein Skiort geworden, auch wenn die kleinen Holzhäuser an der Mainstreet immer noch so aussehen wie vor 150 Jahren. Mittlerweile sind Sportshops, Galerien und Restaurants in die Häuser gezogen, die moderne Schilder über den Eingangstüren zieren.

In einem dieser Holzhäuser liegt die New Sheridan Historic Bar – Tellurides Après-Ski-Location Nummer eins. Einheimische und Skigäste drängen sich in dem urigen Saloon an den alten Mahagoni-Tresen.Viel scheint sich seit den Goldgräberzeiten nicht geändert zu haben. Das große Ölbild mit der nackten Frau über der Bar ist ein Zeugnis vergangener Tage. Eine Reminiszenz an die wilden Zeiten während des Goldrauschs. Damals beheimatete das Dorf im Süden Colorados knapp 5.000 Minenarbeiter.

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„Und sie vergnügten sich allabendlich in 29 Bordellen mit weit über 100 leichten Mädchen“, erzählt Ashley. Er ist Schauspieler und Teil eines Ensembles des Telluride Opera Houses. Schon im Jahr 1913 eröffnete die Bühne, auf der seither Stars wie Sarah Bernard, Bing Crosby und in jüngster Zeit Mel Gibson gespielt haben.

„Damals drehte sich hier alles um Gold, heute leben wir vom weißen Gold“, meint Ashley. Telluride drohte sich zu den vielen Geisterstädten Nordamerikas zu gesellen, nachdem in den 70er Jahren die letzten Minen schließen mussten. Doch einige Bewohner des Ortes wussten dem entgegenzuwirken und bauten die ersten Lifte. Der Grundstein für das landschaftlich schönste Skigebiet Nordamerikas war gelegt.

Die Bergstation des Revelation Lifts liegt auf 3.831 Metern, von dort oben bietet sich ein fantastisches Panorama. Sanfte Tafelberge und rot schimmernde Canyons, die bis nach Utah reichen, und auf der anderen Seite eine Kette majestätischer Viertausender.

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Telluride ist zu einem Weltklasse-Skigebiet geworden. Unzählige sogenannter Double Black Diamond-Abfahrten bieten Könnern schier unendliche Möglichkeiten. Freerider toben sich in der Black Iron Bowl unterhalb des Palmyra Peak aus. Ein kurzer Aufstieg und man hat den ganzen Hang für sich. Noch bequemer und exklusiver geht’s beim Heliskiing zu. Colorado bietet hierfür einen der wenigen Spots in den Staaten. Genießer sollten sich den Namen Alpino Vino merken. Auf dem Panoramadeck der Berghütte schlürft die High Society teure Weine und noch teureren Champagner, während sie sich auf mit Fell bezogenen Daybeds in der Sonne räkeln.

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Solange die Sonne scheint, ist es angenehm. Abends und nachts kann es in Colorado aber mit minus 20 Grad Celsius auch mal bitterkalt werden. Die Luft ist jedoch sehr trocken. Das macht die Kälte erträglich und den Schnee so wahnsinnig pulvrig. Auf die 120 Abfahrten verteilt auf 18 Lifte fallen jährlich knapp acht Meter feinsten Powders.

Unterhalb der Alpino Vino-Hütte und nahe des Village Express befindet sich ein gutes Dutzend breiter und mittelschwerer Pisten, ideal zum Cruisen. Auch der Saloon der Gorroncho Ranch ist nicht weit entfernt. Wenn die Sonne langsam über der Wilson Range untergeht, treffen sich dort die Locals auf ein erstes Bier.

„Das wirkliche Leben aber spielt sich in der Stadt ab“, sagt Ulli. Die Münchnerin liebt Telluride, weil es „so anders ist als viele andere Skiorte in den USA“. Telluride ist ein Sammelbecken für Künstler, Alternative und Aussteiger, selbst wenn es mehr und mehr auch Promis und Hollywood-Stars wie Oprah Winfrey oder Tom Cruise anzieht. Dieser Mix schafft das besondere Flair in der kreativen Skistadt, die trotz ihrer nur 2.000 Einwohner immer wieder mit Theater sowie Musik- und Kunstfestivals für Furore sorgt.

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Die Bewohner der Stadt sind zu einer großen Familie geworden, jeder kennt und hilft sich. Die meisten zugezogen. So auch Ulli, die in den 1970er Jahren als Lehrerin an einer Münchner Gesamtschule gearbeitet hat, bevor sie nach ein paar Umwegen als als Ski- und Snowshoe-Guide sowie als Musiklehrerin in Telluride heimisch wurde.

Telluride ist anders, erst seit kurzem gibt es in dem Tal Geldautomaten, nach Fastfood-Ketten sucht man vergeblich. Das Städtchen übt eine scheinbar magische Anziehungskraft aus. Sein grandioser Skiberg, das alternative Flair und seine Geschichte – mit dieser Mischung macht der einstige Geheimtipp mittlerweile sogar den Colorado-Platzhirschen Vail und Aspen Konkurrenz.

Text: Lukas Scheid und Bernhard Krieger

Fotos: Bernhard Krieger

Im Schnee ist es Ihnen zu kalt?  Dann auf in den Süden Kaliforniens

USA: Palm Springs – Im Bett von Frankie-Boy

 

Mit 6237 Fotos in fünf Minuten um die Welt

Kien Lam war 343 Tage unterwegs, hat 17 Länder besucht und 6237 Fotos gemacht. Schauen Sie sich die Höhepunkte seiner Reise  in knapp fünf Minuten an.

USA: SanDiego – West Coast und Lebenslust

Coronado Beach -Courtesy Brett Shoaf

Coronado Beach © Brett Shoaf

San Diego im Süden Kaliforniens besticht mit Traumstränden, viel Grün und einem sehr entspannten Lebensgefühl.

Wir sind in einem Lokal in North Park, einem angesagten Viertel von San Diego, verabredet. Mittags um halb eins. Bevor wir loslegen können, braucht der Mann, der mir mit Jeans, Karohemd und kurz gestutztem Backenbart gegenüber sitzt, aber erst einmal ein Frühstück. Er bestellt einen Burger mit Speck, einen großen Kaffee – ein kleines Bier. Dann plaudert Josh Damigo, Gitarrist und Singersongwriter, über die Musikszene in seiner Heimatstadt San Diego, erzählt von der Zeit vor zehn Jahren, als er mit seinen ersten selbstkomponierten Songs landauf, landab durch Kalifornien tingelte.

Josh Damigo

Local heroe Josh Damigo ©Susanne Kilimann

Der Konkurrenzdruck in Los Angelos habe ihm zu schaffen gemacht, sagt der 32jährige „In L.A. kann es passieren, dass du spielst und anschließend herrscht eisiges Schweigen im Raum.“ In San Diego habe er so etwas nie erlebt. „Hier helfen dir Kollegen, klopfen dir auf die Schulter, spornen dich an. Und das Publikum applaudiert immer. Selbst wenn es von deiner Musik nicht so begeistert war.“
Das entspannte Miteinander spürt man nicht nur in Damigos Branche. In der Millionenstadt nahe der Grenze zu Mexiko gehe man das Leben „laid back“, also zurückgelehnt, an, hört man allenthalben. Hier fühle sich selbst der Alltag immer ein bisschen wie Urlaub an. Dass das so ist, hat wohl in erster Linie mit dem ganzjährig milden Klima und mit den traumhaften Stränden zu tun, von denen es entlang der 110 Kilometer langen Küste von San Diego County Dutzende gibt.

Pacific Beach_Courtesy Brett Shoaf

Pacific Beach © Brett Shoaf

Feinsandige Bade- und Surfparadiese liegen quasi vor der Haustür. Black’s Beach, Cadriff Reef, Swami’s – das sind nur einige der Hotspots, an denen Surfer rund ums Jahr die Wellen reiten. Andere zieht es zu weniger adrenalinlastigen Aktivitäten an die Strände von La Jolla und anderen Vierteln der Stadt. Man kommt zum Joggen oder zum Yoga an den Strand, geht spazieren, schaut den Walen und Delfinen zu, die sich hier, vor der südkalifornischen Küste tummeln, trifft Freunde zum Beach Barbecue oder kommt, wie Josh Damigo, am liebsten nachts, um unterm Sternenhimmel auf der Gitarre zu klimpern und vielleicht ein Lied zu komponieren.
Natürlich verdienen auch in San Diego die wenigsten das Geld am Strand. Die großen Geschäfte werden Downtown gemacht. Vor allem Unternehmen der Kommunikations- und Biotechbranche haben sich in den letzten Jahrzehnten in der südkalifornischen Stadt angesiedelt, haben ihre Büros in den Glastürmen der City. Auf relativ kleiner Fläche konzentrieren sich sämtliche Wolkenkratzer. An die hochaufragende City schließen niedrig bebaute Wohnviertel an. South Park zum Beispiel, das mit kleinen Holz- oder Ziegelhäusern, Vorgärten und Straßenbäumen beschaulich wirkt. Oder North Park, wo sich in jüngster Zeit immer mehr kleine Läden auf Hand- und Hausgemachtes spezialisieren.

Little Italy Diners -Courtesy Joanne DiBona SanDiego.org

Little Italy ©Joanne DiBona

Selbstgenähte Mode, Schokolade mit Zutaten aus biologischem Anbau, Schmuck aus Recyclematerialien – Nachhaltiges ist in North Park total in.
Coronado, eine Insel, die sich von Downtown aus über eine hohe Brücke in wenigen Autominuten erreichen lässt, ist ein Wohnort der Besserverdienenden. Der breite, feinsandige Coronado Beach gilt als einer der schönsten des Landes. Zum Baden kann jeder kommen. Um „Hotel del Coronado“ zu logieren, braucht es schon ein etwas größeres Budget. Als das Luxushotel – eine Art Märchenschloss im viktorianischen Stil, mit Türmchen und Veranden – 1888 seine Türen öffnete, zog es sogleich den amerikanischen Geldadel an. Die Reichen kamen, um den strengen Wintern an der Ostküste zu entfliehen. Bald reihten sich auch Leinwandstars und US-Präsidenten in die illustre Gästeschar ein. Hollywood-Regisseuren gefiel das „Del“ auch als Kulisse. Am prominentesten hat Billy Wilder das Hotel am silberweißen Strand auf die Leinwand gebracht. Er drehte hier seine Komödie „Manche mögen’s heiß“ mit Marylin Monroe.
Heute geht es in dem 900-Zimmer-Haus eher lässig zu. Gäste schlendern mit Badelatschen und Shorts durch die vornehme Lobby und selbst im feinsten Hotel-Restaurant ist man zum Dinner in legerem Freizeitlook völlig korrekt gekleidet. Die Promi-Dichte ist nicht mehr so hoch wie einst, Berühmtheiten checken aber heute noch ein. First Lady Michelle Obama und die Töchter haben auch schon Urlaubstage im „Del“ verbracht.
Man könnte ohne weiteres jeden Tag am Strand verbringen, doch locken noch etliche andere Attraktionen.

Pandas im Zoo von San Diego ©San Diego Zoo

 

Eine davon ist San Diegos Zoo. Mit über 3700 Tieren und 650 Arten ist er einer der größten der Welt – und einer der besten. Besucher spazieren zwischen hohen Pflanzenwänden wie auf Dschungelpfaden, Affen, Zebras, Tiger & Co streifen durch große, naturnah gestaltete Gehegen. Dass sie sich wohlfühlen, lesen Zoologen an den Zuchterfolgen ab. Sogar bei den Pandas, die sich mit der Fortpflanzung im Tierpark gemeinhin schwertun, konnte San Diego schon mehrfach Nachwuchs vermelden.
Als grüne Lunge, botanischer Garten und Spielplatz für Golfer präsentiert sich der fast fünf Quadratkilometer große Balboa Park. Er wurde 1868 auf einem Hügel nördlich der Innenstadt angelegt. Zur Weltausstellung anlässlich der Eröffnung des Panamakanals im Jahr 1915 ließen die Planer Ausstellungsgebäude mit üppigen Barockfassaden in den Park setzten.

_Balboa Park Courtesy Museum of Man

Balboa Park ©Museum of Man

Noch heute wirkt das einstige Expo-Gelände wie eine fantastische Stadt in der Stadt, beherbergt rund ein Dutzend Museen und ist beliebte Fotokulisse.
Tief in die kalifornische Geschichte taucht man in Old Town San Diego ein. Das Gebiet zwischen Mission Valley und Mission Bay gilt als Geburtsstätte des 31. US- Bundesstaats. Hier wurde 1769 die erste von 21 Missionarsstationen an der kalifornischen Küstengegründet. Um diese christlichen Niederlassungen herum entstanden Siedlungen, die sich im Laufe weniger Jahrzehnte zu den großen Städten des amerikanischen Westens entwickelten. im alten Schulhaus, im Sheriffmuseum, im Drugstore Wild-West-Atmosphäre schnuppern, bei Kunsthandwerkern nach Souvenirs stöbern und den Köchinnen zuschauen, die virtuos mit hauchdünnen Teigfladen hantieren.
Während sich Touristen in Old Town Tortillas schmecken lassen, füllen sich anderswo in der Stadt die Bierlokale. Bier ist Kultgetränk in San Diego. Für Sortenvielfalt sorgen fast 100 Mikrobrauereien. Eine davon gehört Mike Hess, einem Selfmademan mit deutschen Wurzeln. Wie man Bier braut, das habe er sich im Internet angelesen und die ersten Brauversuche dann in der Küche gemacht, erzählt der ehemalige Soldat. Heute hat er sechs Angestellte, die vor den Augen der Kundschaft „Orange Honey Wheat“, „Vienna Cream Ale“ und „German Style Kölsch“ brauen. Kinder und Hunde sind sehr willkommen in dem lichtdurchfluteten Lokal. Für die einen hält der Wirt die guten alten Brettspiele bereit, für die anderen gibt’s Hundekekse an der Bar.
Nächte können kurz werden in Kaliforniens südlichster Stadt. Das historische Gaslamp Quarter mit den viktorianischen Klinkerbauten ist seit jeher Vergnügungsviertel und lockt noch immer mit Theatern, Konzerthäusern und gemütlichen Pubs. Auch Little Italy mit seinen durchgestylten Restaurants und den vielen Straßencafés ist ein quirliger Ausgehkiez. Allabendlich öffnet hier das Casbah die Tore. Seit Jahrzehnten gibt der Musikclub Newcomern der Rock- und Popszene eine Bühne. Natürlich rockt nicht jede Band den Laden, sagt Clubbetreiber Tim Mays. Ganz ohne Applaus musste aber auch hier noch keiner von der Bühne gehen.

Susanne Kilimann

USA: Florida – Mit dem Fahrrad durch die Bäume

ORLANDO. Die „Ferienhauptstadt der USA“ ist weltbekannt für ihre Freizeitparks. Ringsherum sorgt Floridas Wildnis für echte Naturabenteuer – von der Radtour über Alligatoren-Sümpfen bis zum Bad mit Seekühen.

K1024_CanopyCycling-ForeverFlorida2Die ersten Meter sind noch zaghaft. Doch es geht leichter als gedacht. Zudem ist es bequem: Fahrrad fahren, fast im Liegen, ohne auf Verkehr zu achten. Auch Wurzeln, schlechte Wege, Holpersteine sind für diesen Waldausflug per Rad kein Thema. Denn statt am Boden fährt man durch die Luft. Canopy Cycling (Baumkronenradeln) heißt dieser Spaß in der Erlebnis-Ökofarm „Forever Florida“. Nur eine Autostunde von Orlando mit zahllosen Hightech-Freizeitparks lockt die Wildnis.
Bald wird der Tritt in die Pedale fester. Die Kette schnurrt, trägt die Kraft nach oben und zieht den Baumradler samt Gefährt per Seilwinde hinauf zu den Kronen der Kiefern, Palmen und Zypressen. Eine Fahrradtour mitten durch die obere Etage des Urwalds von Florida!

K1024_Orlando-AlligatorJedes Rascheln, jeder Laut lenkt die Augen in das Gewirr aus Stämmen, Ästen, Blättern, Wurzeln. Durch das Dickicht  funkeln Wasserläufe und die schwarzen Spiegel schlammiger Tümpel. Vögel, Hirsche, Sumpfschildkröten. Ein Gürteltier. Ein Alligator! Fünf Meter unter den Füßen der Wipfel-Wanderer aalt sich die fünf Meter lange Urzeitechse im Morast.

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Nach dem stillen Höhenflug holt der Super-Truck der Orangenplantage „Showcase of Citrus“ die Orlandobesucher auf den Boden der Tatsachen zurück. Der turbulenten Tour über Stock und Stein folgt ein Ernteeinsatz. Jeder darf so viele Zitrusfrüchte pflücken, wie er tragen kann.
Für mehr Abenteuer sorgt ein Besuch  im Themenpark Disney’s Animal Kingdom. Wer dort einen „Wild Africa Trek“ bucht, kommt Respekt einflößenden Schnauzen und Klauen recht nah. Höhepunkt der Action-Safari ist ein Gang über die Wackelbrücke im Krokodilgehege. Dessen Bewohnern will keiner zu nahe kommen. Dagegen wecken die gutmütigen Karibik-Manatis (Seekühe) im Blue Spring State Park bei Orange City fast Streichellust.

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Bereits vom Ufer des St. John’s River sind die friedlichen Wasserbewohner zu sehen. Vom Kayak aus kommt man ihnen näher. Zuerst ist den Paddlern etwas mulmig. Denn wer hier zwischen Bucht und Fluss kentert, kann leicht als Reptilienmahlzeit enden.
Hinter einer Schutzschleuse, die Seekuhkälber vor fressgierigen Feinden bewahren soll, zeigt sich die Bootsbesatzung viel entspannter. Im Nu ist sie umringt von den sanften, überwiegend stummen Wesen. Wenn sie alle paar Minuten ihre dicke Nasen zum Atmen aus dem Wasser stecken, kann man in ihre schwarzen Hundeaugen blicken. Wer selber in den Fluss steigt und sich ihren langsamen Schwimmbewegungen anpasst, wird von den  faszinierenden Tieren mit Momenten voller Harmonie und Schönheit belohnt.

Text und Fotos: Carsten Heinke

Service-Infos ORLANDO

Anreise: Nonstop mit Lufthansa ab Frankfurt (der Flug dauert 10,5 Stunden), mit United Airlines, Delta Air Lines, British Airways u. a. jeweils mit einem Stopp.
Klima und Reisezeit: Das tropisch feuchte Orlando ist ein ganzjähriges Reiseziel mit durchgehend warmen Temperaturen, von Mai bis Oktober mit bis zu 29 Grad Celsius.
Hotels: In und um Orlando gibt es 440 Hotels mit mehr als 115.000 Zimmern. Für kurzfristige Hotelreservierung vor Ort: Official Visitor Center beim Gala Center, 8723 International Drive, Suite 101 (südöstliche Ecke des International Drive und der Austrian Row). Geöffnet täglich außer 25.12. von 8.30 bis 18.30 Uhr, Telefon 407-363-5872.
Parks und Aktivitäten: Die Erlebnis-Ökofarm „Forever Florida“ bietet Cypress Canopy Cycle (Baumfahrrad), Wald-Achterbahn (Extrem-Ziplining) und Reiten (www.floridaecosafaris.com). Im Blue Spring State Park in Orange City kann man mit Seekühen schwimmen oder sie beim Paddeln aus nächster Nähe bebachten (www.floridastateparks.org/bluespring), eine weitläufige Ranch per Monster-Truck erkunden und danach selber Zitrusfrüchte ernten bei  „Showcase of Citrus“ in Clermont (www.showcaseofcitrus.com).
Naturabenteuer direkt in Orlando gibt es im Echsen-Action-Zoo Gatorland (www.gatorland.com), in den Maritim-Parks Discovery Cove (www.discoverycove.com) und SeaWorld (www.seaworldorlando.com) oder in Disney’s Animal Kingdom (www.disneyworld.disney.go.com/parks/animal-kingdom) zu erleben. Obligatorisch: eine Fahrt mit „Boggy Creek Airboat Rides“ durch die Everglades (www.bcairboats.com).

 

USA: Mit dem Motorrad durch Alaska

Polarkreis in Alaska

Ich fahre nun schon seit Tagen durch Nordamerika und habe immer noch keinen Bären vor die Augen bekommen. Ständig zeigen mir Mitreisende Bilder von Bären, die sie gerade aufgenommen haben. Ich werde richtig neidisch! Wann wird es endlich bei mir soweit sein? Ich fahre gemütlich an Seen mit glasklarem Wasser vorbei. Gewaltige Wasserfälle plätschern die Berge herunter. Eine landschaftlich reizvol­lere Abkürzung beschert mir kleine Seen mit Binsen am Ufer, frisches grünes Gras, dichter Baumbestand am Wegesrand. Ein Teil der Strecke führt über einen geschotterten Holzabfuhrweg. Kein Auto kommt mir entgegen. Die Straße ist einsam, aber erstaunlich gut in Schuss. Bei Ki­lometer 22 passiert es: ein Bär kommt langsam aus meterhohem Gras gestiefelt. Ich bin völlig überrascht. Obwohl ich die ganze Zeit sehn­süchtig auf diese Begegnung gewartet habe, weiß ich nicht so recht, was ich tun soll. Ich habe Angst und hupe. Sogleich verschwindet das scheue Tier im Unterholz. Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig über meine panische Reaktion, denn ich hätte es gern noch länger beobachtet.

Stur geht es weiter durch die Fichtenwälder Nordamerikas. Volle Konzentration auf die Straße, denn Tiere könnten die Straße kreuzen. Beim meterhohen Gras am Straßenrand bleibt dann nicht mehr viel Zeit zum Reagieren. Bei Kilometer 41 kreuzt erneut ein Bär die Stra­ße. Obwohl ich diesmal stehen bleibe und ihn ruhig beobachte, ist er schnell wieder verschwunden. Ich erreiche wieder die Teerstraße. Nur noch 140 Kilometer bis nach Hyder, Alaska. Hyder ist der südöstlichste Punkt von Alaska. Gerade einmal 65 Einwohner, dafür aber immerhin drei Bars! Ein kleines Wildwest-Örtchen! Darauf sind die Einwohner stolz. Nur wirklich Hartgesottene wohnen hier.

Meine Warnlampe leuchtet auf. Der Sprit geht zur Neige – na ja, nach 20 Kilometern kommt die nächste Tankstelle. Als ich die Mediazin Junction erreiche, überkommt mich ein trostloses Gefühl. Eine verlassene Tankstelle, Autowracks, zerbrochene Fensterscheiben, Müll, aber kein Benzin! Was tun? Hyder ist noch 60 Kilometer entfernt. Ich muss es probieren, denn eine andere Chance habe ich nicht. Gemäch­lich mit 3000 u/min und Tempo 90 lass ich es bergab laufen. Ich feu­ere uns gegenseitig an, mein Motorrad und ich schaffen es. Wir sind eben ein gutes Team. Wir rollen an einem riesigen Gletscher vorbei, der Fotostopp muss auf den Rückweg verschoben werden. Jetzt nur nicht trocken fahren! Ein dritter Bär sitzt direkt am Straßenrand und frisst gemächlich Gras in sich hinein. Vielleicht wäre ich da die noch fehlende Kostergänzung?

Das Schild zwei Kilometer bis Hyder erscheint. Ich reiße die Arme in die Höhe und schreie vor Freude in den Helm. Ein Gang mit leerem Kanister zur Tankstelle, wie in der Aral-Werbung, bleibt mir er­spart. Dann geht der Motor aus. Ich lasse die Maschine im Leerlauf wei­terrollen. Starte erneut und… Sie schafft es und springt noch einmal an. Mit vereinten Kräften schaffen wir es an die Tankstelle. 80 Kilometer habe ich aus der Reserve gekitzelt. Ich bin mächtig stolz auf uns!

Heute Abend geht es auf einen richtigen Campingplatz, zu viele Bären in der Gegend, um wild zu campen. Ich treffe auf Jean. Er hat sein Geld in Hollywood verdient. Jetzt radelt er mit dem Fahrrad durch Nordamerika. Ihm ist der Campingplatz zu „eng“. Morgen will er in die Wildnis losziehen und unter „Bären“ campen. Für mich wäre das nichts, aber jedem das Seine.

Ich gehe unterdessen in eine der drei Bars am Ort. Ein dunkler Raum mit langem Tresen. Dort sitzen die Einheimischen und trinken ihr Bier. Bis auf eine Frau, die trinkt Cola. Jane ist seit 25 Jahren für die hiesige Wetterstation zuständig. Sie erzählt mir freimütig von ihrem Brustkrebs und dass sie gerade eine Chemotherapie macht. Ihrer Laune scheint das keinen Abbruch zu tun. Sie ist bestens drauf und reißt einen Witz nach dem anderen. Ich finde es bewundernswert, wie positiv sie mit der Krankheit umgeht.

Ach so, ich war ja hier um „Hyderized“ zu werden. Was ist „Hyderized“? Es wird ein Schnapsgläschen voll gemacht, um die Flasche ist eine braune Papiertüte gehüllt. Damit ich auch wirklich nicht erken­ne, was eingeschenkt wird. Jetzt heißt es trinken ohne abzusetzen. Ich gieße das Feuerwasser herunter. 73 Prozent Alkohol! Die Kehle brennt. Danach bekomme ich ein kleines Zertifikat und darf meine eigene One Dollar Note mit Unterschrift an die Wand der Bar heften. Willkommen im „Club“!

Buchcover Echt mutig Der Text ist ein Auszug aus dem Buch Echt mutig  -Vom Banker zum Abenteurer – von Joachim von Loeben. Erschienen im Selbstverlag 19,90 Euro.

USA: UFO-Beobachtungsturm in Colorado

Ufo Beobachtungsturm in Colorado

Colorado ist bekannt für seine Natur, seine Skigebiete und die beeindruckenden Nationalparks. Doch der US-Bundesstaat hat auch eine Vielzahl echt skurriler Geheimtipps zu bieten: In unmittelbarer Nähe des Great Sand Dunes National Park, in der Kleinstadt Hooper liegt ein UFO-Turm zur Beobachtung fliegender Untertassen. Die Beobachtungsplattform bietet einen Rundumblick über das San Luis Valley, in dem angeblich schon diverse unerklärliche Lichtphänomene und Gegenstände am Himmel gesichtet wurden. Gebaut wurde der Watchtower von der ehemaligen Farmerin Judy Messoline vor elf Jahren. Heute betreibt sie in dem kuppelartigen Bau einen Souvernirshop mit Alienandenken aller Art. Besucher sind angehalten, in den Beeten vor dem Watchtower persönliche Gegenstände zu hinterlegen und so für eine besonders positive Energie zu sorgen.

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USA: In den rauchenden Bergen

Pechschwarze Nacht! Doch dann flammt zwischen Tannen plötzlich ein Licht auf. Kurz darauf ein zweites, ein drittes, ein viertes. Schließlich ein Leuchten und Flackern, als loderten in der Ferne Lagerfeuer. Zuerst nur unkoordiniert, dann als rhythmisches Blinken, das sich wellenartig durch die Nacht bewegt. Bald sind die Zuschauer im Wald der Smoky Mountains umzingelt von schwärmenden Glühwürmchen, einige funkeln grüngelb, andere bläulich, manche surren den Menschen frech um die Köpfe. Der ganze Wald scheint in Bewegung zu sein.

Jedes Jahr während zwei Wochen im Juni schwärmen die seltenen Leuchtkäfer zur Partnersuche aus. In Gruppen von mehreren Dutzend blinken sie gleichzeitig sechsmal hintereinander, dann folgt eine Pause von mehreren Sekunden. Das Phänomen der synchron blinkenden Glühwürmchen wurde vor gut 25 Jahren entdeckt, als ein Anwohner Wissenschaftler hierher führte. Seitdem wollen immer mehr Parkbesucher die Tiere beobachten.

Mit einem ortskundigen Führer lassen sich die „Fireflys“ in einem einsamen Waldabschnitt erleben, doch die meisten fahren im Shuttlebus zu offiziellen Beobachtungsstellen. Der Gästeansturm ist ein alltägliches Bild im Great Smoky Mountains National Park an der Grenze zwischen North Carolina und Tennessee. Seit seiner Einrichtung 1934 entwickelte er sich mit über neun Millionen Gästen jährlich zum meistbesuchten Nationalpark der USA, denn hier kann man neben den faszinierenden Glühwürmchen noch wilde Natur und noch wildere Bären entdecken.

Einsamkeit oder Massenbetrieb

Der Reisende hat die Wahl, zum Beispiel beim Erklimmen des Clingmans Dome, des höchsten Gipfels im Park: Reiht er sich in das Heer der Familien und Reisegruppen, die im rhythmischen „flip-flop“ ihrer Badeschuhe die 200 Meter vom Parkplatz zum Aussichtsturm spazieren. Oder wandert er unter Strapazen über den legendären Appalachian Trail herauf, der über 3500 Kilometer durch 14 Bundesstaaten verläuft.

Beim Ausblick sieht man Grün in allen denkbaren Nuancen: grasgrün, moosgrün, lindgrün, tannengrün, olivgrün. Der Regenwald der Smoky Mountains gehört zu den vielfältigsten des Landes – Wissenschaftler zählten hier mehr Baumarten als in ganz Europa zusammen. Die Gletscher der Eiszeit waren nie bis hierher gelangt, sodass unzählige Tier- und Pflanzenarten die Berge als Rückzugsgebiet nutzten.

Als die ersten Forscher in diese Wildnis eindrangen, gerieten sie in Ekstase angesichts der Fülle bislang unbekannter Arten. Sie verschifften Tausende Ableger von Azaleen, Rhododendren und Magnolien in die englische Heimat, wo sie heute in kaum einem Garten fehlen. Überall in den Smoky Mountains findet man Grotten und Wasserfälle, reißende Flüsse, blühende Wiesen und verwunschene Täler.

Auch Spuren menschlicher Besiedelung gibt es noch, zum Beispiel im Tal von Cades Cove – dem meistbesuchten Ort im meistbesuchten Park des Landes. Trotz der Blechkarawane, die sich täglich über die 17 Kilometer lange Rundstrecke schiebt, erhält man hier einen Eindruck von einem Appalachendorf des 19. Jahrhunderts: Kleine Bauernhöfe mit Scheune, Räucherhaus, Schweinestall und Maisspeicher gruppieren sich um weiß gestrichene Kirchen.

Zurück zur Natur

Mehrere Wassermühlen dienten zum Mahlen von Mais und Sägen von Holz. Überliefert ist ein reges Gemeindeleben, geprägt von harter Arbeit. Die Familien, die hier wohnten, zahlten den Preis für den Erhalt der Berglandschaft – bei der Gründung des Parks vor 75 Jahren mussten sie gehen. Vielleicht eine verspätete Strafe für die Taten ihrer Vorfahren, die einst die hier lebenden Cherokee-Indianer von ihrem Land vertrieben hatten.

Einige Siedler zogen gegen die Enteignung durch alle gerichtlichen Instanzen, andere nahmen das Angebot der Regierung an, noch bis zu ihrem Lebensende zu bleiben. Der größte Teil des Gebietes wurde jedoch Holzfirmen abgekauft. Gerade noch rechtzeitig: Bis zu drei Viertel der Bäume waren 1934 abgeholzt, das Land durchzogenvon Bahnlinien und bedeckt von Sägemühlen und Holzfäller-Camps. Wild lebende Tiere wie die Braunbären waren damals ausgerottet.

„Bären treffe ich auf fast jeder Wanderung“, kann Liz Domingue heute dagegen berichten. Die junge Wanderführerin läuft mit Besuchern zur einzigen bewirtschafteten Berghütte des Parks auf den rund 2000 Meter hohen Mount Leconte. Schon nach einer halben Stunde hat die Gruppe den Pfad für sich alleine: „Die Wanderfreude des durchschnittlichen Parkbesuchers endet allerspätestens nach einer Meile“, sagt Liz.

Der Weg führt durch ein kleines Flusstal, dessen Boden von einem violetten Teppich bedeckt ist: abgefallene Blüten von bis zu vier Meter hohen Rhododendren. Liz stöbert wabbelige Pilzungetüme, kleine Orchideen und mannshohe Farne auf. Immer wieder huschen Eichhörnchen vorbei, und einmal leuchtet es orangefarben von einem schwarzen Stein: ein prächtiger Rotwangen-Waldsalamander.

Berge Blau wie Rauch

Doch das harmonische Bild wird auch durch Flächen mit Baumskeletten unterbrochen, Resultat periodischer Schädlingsattacken: In den 1920er-Jahren vernichtete der asiatische Kastanienrindenkrebs alle Amerikanischen Kastanien, in den 1960ern saugte eine Pflanzenlaus den Frasertannen den Saft aus. Und vor acht Jahren wurde eine weitere Laus entdeckt, die inzwischen alle Hemlocktannen befallen hat.

Kurz vor dem Gipfel ziehen Nebelschwaden über den Weg. Schon die Cherokee-Indianer nannten die Berge „Blau wie Rauch“: Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit hängt im Sommer meist eine bläuliche Dunstglocke über den Wäldern. Bald darauf kommen wacklige Holzhütten in Sicht – die Mount Leconte Lodge. Ein rustikales Camp ohne Strom und Duschen, aber dafür mit deftigem Bergsteigeressen am prasselnden Kaminfeuer.

„Hier oben lernt man wahre innere Ruhe“, sagt Allyson Virden, die hier für eine Saison beschäftigt ist – fast neun Monate fern der Zivilisation. Einmal im Jahr bringt ein Helikopter Konserven, Kerosin und Baumaterial; frische Wäsche und Gemüse werden von Lamas getragen. Gedanken an einen Kneipenbesuch zum Feierabend oder eine kleine Shopping-Tour kommen bei Alleyson nicht auf: „Der kürzeste Weg ins Tal ist acht Kilometer lang.“

Oliver Gerhard

Info:

Nationalpark: Der Park erstreckt sich über die Bundesstaaten North Carolina und Tennessee. Eingänge befinden sich in Gatlinburg, Townsend und Cherokee. Der Park ist ganzjährig geöffnet, im Winter sind einige Straßen gesperrt. Der Eintritt ist frei. Great Smoky Mountains National Park, 107 Park Headquarters Road, Gatlinburg, TN 37738, Tel. 001-865-436 1200, www.nps.gov/grsm.

Glühwürmchen: Das Phänomen ist über ca. zwei Wochen Mitte Juni zu erleben. Der offizielle Beobachtungspunkt befindet sich am Campingplatz Elkmont. Ein Shuttle bringt Besucher aus Gatlinburg und vom Sugarlands Visitor Center dorthin.

Reisezeit: In den Sommermonaten und während des Indian Summer im September/Oktober sind die Besucherzahlen im Nationalpark am höchsten. Für Highlights wie Cades Cove oder die Strecke zum Clingmans Dome sollte man möglichst den frühen Morgen nutzen.

Unterkunft: LeConte Lodge, rustikal mit Stockbetten, nur für Wanderer erreichbar, Reservierung jährlich ab 1. Oktober für die nächste Saison, www.leconte-lodge.com

Eagles Ridge Resort, Blockhäuser für Selbstversorger in Parknähe, 2740 Florence Drive, Pigeon Forge, TN 37863, 001-865-286 1351, www.eaglesridge.com

Falling Waters Resort, geräumige Yurten an einem See im Wald, 10345 US Hwy. 74 West, Bryson City, NC  28713, Tel. 001-800-451 9972, www.fallingwatersresort.com

Auskunft: Tennessee Tourism, Horstheider Weg 106a, 33613 Bielefeld, Tel. 0521-986 04 15, www.tennessee.de; North Carolina Tourism, www.visitnc.de

USA: New Age in Sedona

Die Gegend um Sedona mit ihrer faszinierenden Bergwelt gehört zu den schönsten der gesamten Vereinigten Staaten. Die New Age Bewegung interessiert sich aber nicht nur für die landschaftliche Schönheit des Gebiets sondern auch für die Energieströme die man hier spüren kann. Innerhalb kürzester Zeit hat sich in der 10000 Seelen Gemeinde eine regelrechte „New Age Industrie“ entwickelt.

Sedona ist ein reiner Touristenort und bietet außer relativ teuren Souvenirläden, Restaurants und Hotels nur wenig. Trotzdem ist er eines der schönsten Reiseziele Arizonas, denn die Umgebung ist mit dem Wort „spektakulär“ fast noch untertrieben beschrieben. Hier taucht man in eine Traumwelt aus leuchtend roten Bergen, majestätischen Felsspitzen und steilen Canyonwänden ein.

Bekannt wurde Sedona  in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts, als sich hier viele Künstler niederließen und damit den Spuren von Max Ernst folgten. Der bekannte Surrealist hatte sich auf seiner Flucht vor den Nazis in Sedona niedergelassen. Auf die Künstler folgten die Rentner, die als Gäste den Tourismus ankurbelten oder sich gleich ganz niederließen und die Stadt als Altersruhesitz wählten.

Mit dem gemütlichen Rentnerleben war es vorbei, als Leute aus der New-Age-Bewegung in der Umgebung des Ortes angeblich besonders starke Schwingungen im Energie-Schaltnetz der Erde entdeckten. Seitdem kommen deren Jünger hierher um ihre telepathischen Fähigkeiten zu stärken, mit Verstorbenen Kontakt aufzunehmen, ihr „wahres Ich“ zu finden oder ein UFO zu sehen. Die fliegen angeblich besonders häufig in der Gegend um den Bell Rock herum.

Magischer Ort: Das Medicine Wheel bei Sedona

Doch dies ist nicht der einzige Ort mit magischen Kräften: Vom Boynton Canyon geht eine Energie aus, die die Kreativität fördern soll und auch Airport Mesa und Cathedral Rock sind wegen ihrer starken Energieströme zu Pilgerstätten der New Age Bewegung geworden. Inzwischen bieten in der 10.000 Seelen Gemeinde schon mehrere hundert Lehrer und Erleuchtete ihre Dienste an. Vom Reikikurs, über Selbsterfahrungsgruppen bis hin zu Touren zu den energiereichen Orten wird alles geboten. Die jedoch kann man auch selbst erforschen, denn die Energiewirbel, die der Fachmann Vortex nennt, konzentrieren sich auf die vier genannten Stellen und die sind mit dem Mietwagen und einer anschließenden Wanderung leicht zu erreichen. Dass man aber die Energieströme wirklich spürt, dafür gibt es keine Garantie.

Rasso Knoller

 

Karibik: Zwischen Korallen, Reggae und Natur

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Mit der Norwegian Epic in die Karibik

Es riecht nach Salz. Weniger nach Fisch oder Meer, einfach nur nach Salz. Der Himmel ist blau mit nur einigen kleinen Wölkchen behangen und liegt wie ein subtropisches Tuch über mir. Das Wasser unter mir zeigt gar keine Farbe. Es schäumt. Sonntag um 16 Uhr legt der Ozeanriese Norwegian Epic von der Pier in Miami ab. Die meisten Leute, die uns zuwinken, tun dies von den anderen Megaschiffen aus, die ebenfalls in diesem Moment in See stechen. Unser Signalhorn blökt noch um einiges lauter, als das der anderen. Die Skyline von Miami, die Hochhäuser und die Brücke, zoomen sich langsam weg und lösen sich in Nichts auf.

Kapitän Trygve Vorren hat das Schiff gegen die offene See gedreht. Wir, groß und weiß nehmen die Fahrt in die westliche Karibik auf. In den Mayastätten Chacchoben, Costa Mexiko und Honduras werden wir an Land gehen. Dort wo die weißen und pudrigen Strände Lagunen säumen und Legenden und Ruinen die Landschaft mit einem Geheimnis aufladen.

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Norwegian Epic heißt das Schiff. Seit seiner Taufe ist es in amerikanischen Gewässern unterwegs. Das Herzstück des Schiffes ist das Pool Deck 15. An der Bar sieht man amerikanische Mittelschichtsurlauber, die sich vor dem hellen Himmel gegenseitig fotografieren. Ein Deck höher steht Linda mit ihrem Mann Gerry. Sie ist Immobilienmaklerin aus Michigan. Ihr Mann arbeitet bei der Bank. Beide halten einen Cocktailbecher in der Hand. „Die sieben Tage hier, das ist unser Jahresurlaub. Wir arbeiten hart. Wir brauchen Entspannung.“

Zum Entspannen gehe ich dann doch lieber in meine Kabine. Ich blicke vom Balkon aufs Meer. Das hat etwas ungemein Beruhigendes. Es scheint als lächele die ganze Welt einen an. Nach einer Stunde mache ich mich auf den Weg in die Lounge, zu anderen Alleinreisenden. Robert sitzt an der Bar und nippt an seinem Cocktail. Er hat ein kleines Studio gebucht, geräumig und stilvoll eingerichtet, mit Fenster zum Gang. „Ist vom Flur nicht einsehbar“, sagt Robert. Ohne Fenster und Balkon, das wäre für mich die Hölle. Ich möchte das Meer sehen und riechen.

Wir beide werden in sieben Tagen gemeinsam mit fast 4000 Passagieren 1607 Seemeilen zurücklegen. Wir werden sieben Tage auf einem 329 Meter langen und 40 Meter breiten Gefährt gefangen sein. Sieben Tage das Gleiche: Den gleichen Sonnenaufgang, den gleichen Sonnenuntergang, Frühstück vom Buffet, Sport im Fitnessstudio mit Blick auf das Meer, Mittag vom Buffet. Wir werden die gleiche Hitze ertragen und die gleiche Aufzugsmusik im Fahrstuhl hören.

Abends sehe ich Robert wieder. Robert tanzt im Zweiviertel-Takt zur Disco-Musik. Ich sehe nur noch blasslila Hosenanzüge, luftige bunte Sommerkleider und weiße Freizeitschuhe. Und ich sehe Michael Jackson. Das Double singt Lieder aus den 80ger Jahren. Viele, der Gäste kommen aus einem Amerika, das die Welt nicht so gut kennt: Indiana, Tennessee, Wyoming.

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Ein paar Europäer findet man auch. Sogar aus Deutschland, aus Hamburg. Andreas und Kerstin haben diese sieben Tage Urlaub gebucht, um die Freiheit zu genießen, an Land zu gehen und durch fremde Länder zu stöbern. In der Handtasche befindet sich nur das Nötigste für unterwegs. Sie wollen Maya Städte besuchen. Sie informierten sich in Reisebüchern über Yucatán, wo die Maya vor eineinhalbtausend Jahren die Paläste und Tempel ihrer Stadtstaaten in den dampfenden Regenwald bauten, oder an Buchten wie in Tulum Terrassenfelder und schwimmende Gärten anlegten, ihre Welt mit sprechenden Bildern aus den rund 800 Glyphen ihrer Schriftsprache schmückten und den Mondmonat auf 23 Sekunden genau berechneten. Eine Hochkultur, deren rasanter Untergang bis heute rätselhaft ist.

Alle Schiffe halten in Costa Maya in Mexiko. Eine halbe Stunde Busfahrt und dann ist man mitten im Dschungel zwischen Maya-Pyramiden und Tempeln in Chacchoben. Wer hofft, jetzt mit den Geheimnissen der Maya allein zu sein, der wird enttäuscht. Obwohl noch nicht vom Massentourismus überlaufen, etliche sonnenverbrannte Touristen sind bereits da und klettern zwischen den Ruinen, die zum Teil noch vom Regenwald überwuchert sind. In San Miguel, der Hauptstadt der Insel Cozumel, befinden sich im Regionalmuseum Ausgrabungsstücke der Maya-Kultur. Auch wer sich zuvor in die Welt der Maya vertieft hat, wird während dieser Stippvisite die Rätsel der geheimnisvollen Hochkultur nicht verstehen. Aber immerhin, Maya Kultur für Anfänger.

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Robert entscheidet sich für den Naturpark und besucht die verschmusten Delfine. Samantha ist ein achtjähriges Delfinweibchen. Zusammen mit einem Dutzend ihrer Artgenossen lebt sie in der Lagune Colombia im Naturpark Faro Celarain. Die Touristen, die sie besuchen, stehen bis zum Bauch im glasklaren Wasser der Karibik und dürfen unter Leitung eines Trainers die handzahmen Tiere streicheln.

Die Einheimischen offerieren den Epic-Leuten am Kai, sich mit einem grünen Leguan fotografieren zu lassen. Ein schöner Tagesabschluss, findet ein Pärchen. In den folgenden Seetagen an Bord lerne ich, was „Rollen“ und „Stampfen“ bei schwerer See bedeutet. Ich habe festgestellt, dass das Meer nicht immer ein und dasselbe Meer ist. Das Wasser verändert sich. Mal ist es trübe, lichtlos und wirkt bedrohlich. Mal leuchtet der See hell aquamarin, mal tiefblau oder fast violett.

Nach zwei Seetagen hat man genug vom prallgefüllten Veranstaltungskalender mit all seinen Spiel-und Spaßaktivitäten, Bordfesten, Discos und Bühnenshows. Die verbreiten zwar eine Menge Partylaune, kitzeln das Adrenalin und machen müde Knochen munter. Ich möchte wieder festen Boden unter den Füssen spüren und freue mich schon auf den Morgen im Hafen, auf Honduras mit dichten Regenwäldern und unberührten Riffs.

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Während aus dem Nabel des Schiffs der Anker an seiner Kette in die Tiefe rattert, strömen die ersten Gäste nach draußen. Die Epic-Leute suchen sich zu zweit, zu viert oder in kleinen Gruppen ihren Weg über die Gangway in die Hafenstadt.

Die See vor der Insel Honduras ist hellblau, so dass man den weißen Meeresgrund sehen kann. Glasklares Wasser sagen die Leute dazu. Noch immer ist die Karibik fast geruchlos. Der Strand ist pudrig, fast weiß. In einiger Entfernung beginnen violette, wolkenartige Korallenformationen. Hinter den Korallen wird das Wasser in kartographisch – präzisen Stufen immer dunkler. Statt Piratenschiffe kreuzen Glasbodenboote vor den Korallenbänken vor Honduras. Schwerfällig teilen sie das Wasser, denn sie sind entsetzlich überladen mit Kreuzfahrern, die sich diese Exkursion nicht entgehen lassen wollten.

Im lagunenflachen Wasser erlernt eine Gruppe das Schnorcheln. Gut 50 Leute treiben reglos auf den Wellen. Das Ganze wirkt wie das Resultat einer Schiffskatastrophe.

Am späten Nachmittag gehen wir wieder auf das heimatlich anmutende Schiff zurück. Hier trifft man auf Bekannte, die vorgestern noch Unbekannte waren. Ich begrüsse den Kabinensteward, dessen asiatisches Gesicht mir vertraut geworden ist. Der Geruch der Kabine, das frisch aufgeschlagene Bett ist eine kleine Welt für sich geworden.

Heidrun Lange

FIAT schwimmt auf Kreuzfahrtschiff zu

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Der Empfang war einer echten Diva würdig: Eine Flotte schwimmender FIAT 500 geleitete die MSC Divina nach ihrer 18-tägigen Atlantiküberquerung am 19. November 2013 mit einer spektakulären Show in den Hafen von Miami. Von hier aus werden nun ganzjährig Kreuzfahrten durch die Karibik angeboten. Schon vom Abfahrtshafen Venedig an war als Reminiszenz an die Heimat des Kreuzfahrtunternehmens ein metallic-roter Cinquecento mit an Bord.