Uruguay: Unbekanntes Weinparadies

K1024_dardanelli 3Der Tannat gilt als einer der besten Weine der Welt. Und nicht nur der ist einer der Vorzüge Uruguays

Das Netz wimmelt nur so von „Geheimtipps“. Berechtigt sind sie etwa, wenn Länder oder Regionen im Fokus stehen, die der Aufmerksamkeit des Massentourismus bisher entgangen sind. Das ist bei Uruguay der Fall, dem kleinsten spanisch-sprachigen Land Südamerikas. Es ist nur ein Drittel so groß wie Deutschland und hat mit 3,5 Millionen Einwohnern gerade mal so viele wie Berlin. Von den knapp 3 Mio. Touristen, die 2016 Uru­guay besuchten, kamen rund 82 Prozent aus den Nachbarländern Ar­gen­tinien und Brasilien. Überwiegend die Reichen und Schönen dieser Länder zog es bislang an die Jetset-Strände von Punta del Este, Rocha und Maldonado. Denn so manche Prominenten haben hier, sicherer als zuhause, ihr Geld in „Betongold“ investiert und damit einen Luxus-Im­mobilien-Boom in der „politischen Oase“ Südamerikas ausgelöst. Insider wissen: Nur wenige Länder des lateinamerikanischen Kontinents sind so stabil und demokratisch wie Uruguay.

K1024_Punta del Este in der Bucht von Maldonado_Foto_Ministero de Turismo_Departamento_MaldonadoAber nun sollen mehr und andere Besucher kommen, Urlauber, die nicht nur Luxus, sondern auch Tango, Tannat und Tiere lieben. Gäste aus Europa, dem Kontinent vieler uruguayischer Einwanderer. Nur die Kleinigkeit von 12 Flugstunden (ab Madrid) müssen sie auf sich nehmen, um eine angenehme Gegend zu erreichen, die vor allem eines ist – sehr sicher: Geringe Kriminalitätsrate, grundsolide politische Lage, keine Terroristen, vergleichsweise positive Menschenrechts­Situation, die Uruguay schon seit mehreren Jahren auf die Liste der ethisch empfehlenswerten Länder gebracht hat.

Natürlich hat Uruguay noch mehr zu bieten als Sicherheit und Strände. Der Tourist von heute will etwas erleben – vor allem etwas, das andere noch nicht erlebt haben. Weil es nun einmal so wichtig ist, von seinen touristischen Abenteuern zu Hause erzählen zu können. Das ist heute, in der der „Urlaub“ oder das „Reisen“ immer zentraler für das Leben der mehr oder weniger wohlhabenden Europäer geworden ist, mindestens das Zweitwichtigste.

Seehundkolonien_Punta del Este 36ministerio_de_turismo_Departamento_MaldonadoAlso, was hat nun Uruguay zu bieten? Sandboarding in Dünen und Segeln in einsamen Windsurf-Lagunen. Robben-Beobachtung, Reiten mit Gauchos, also ruralen Tourismus, viel Ruhe in kolonialen Fincas und fein-gestalteten Boutique-Hotels. Rinder in großer Freiheit auf saftigen Savannen-Weiden. Elektrizität zu 90 Prozent aus erneuerbaren Energien. Das in Apotheken unter bestimmten Einschränkungen erhältliche Marihuana lassen wir mal weg, um keine falsche Hoffnungen zu wecken.

Ein weiteres Attribut des kleinen Landes: Kurze Entfernungen, koloniale Vergangenheit und eine große kulturelle Vielfalt, die sich unter anderem in Tango und Tannat manifestiert. Tannat? Ja, diese Traube, die 1870 von baskischen Weinbauern eingeführt, zwischen­zeitlich vergessen und in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts von einigen ambitionierten, kreativen, uruguayischen Winzern wie­der ans önologische Tageslicht geholt wurde.

descarga (1)Auch wenn hier er­staunlich viele andere Sorten – Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Syrah – angebaut werden – die Tannat-Traube hat bei den Rotweinen einen absoluten Son­der­status. Sie zaubert jedem Winzer in Uruguay sofort einen Glanz in die Augen. So auch dem jungen Önologen Juan Andrés Marishal (37). „Tannat-Trauben“, sagt er verschmitzt und stolz, „haben ein Geheimnis! Ihr hoher Anteil von Antioxidantien erhält einen gesund und jung. Das macht den Tannat-Wein zu einem der gesündesten Rotweine der Welt.“

Juan läßtl keinen Zweifel daran, dass er diesen kräf­tigen, samtigen, rubinroten Rotwein für einen unverzichtbaren Jung­brunnen-Tropfen hält. Doch der junge Unter­neh­mer steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Seine Familie italie­nischer Abstammung baut bereits in der vierten Generation Wein in der Region Canelones an.  Praktisch ist, dass die hoch gelobte Tannat-Traube in Uruguay sehr guten Boden und gute Lagen vorfindet, um sich auszubreiten. Weinliebhaber können hier noch echte Entdeckungen machen.

K1024_foto molinoDoch erst seit rund zehn Jahren ist der Tannat allgemein in den lokalen Bodegas präsent. Und das in einem Land, in dem der Uruguayer auf vieles, wenn es sein muss, verzichtet, aber nie auf sein Gläschen Roten zum immer hervorragend gebratenen Rindfleisch!

Seine Winzerkollegin Analia Lazaneo kennt den Grund: „Wir dachten, wir sind vielleicht die größten Fußballer der Welt. Aber die besten Weinkenner?“ Die Winzerin, die mit ihrer Geschäftspartnerin Va­len­tina Gatti  seit 2007 das kleine Gut „Artesana“ mit preisgekrönten Weinen betreibt, lächelt und schweigt einen Moment. Lange hat es gedauert, bis ihr Engagement gefruchtet hat, mit Unterstützung eines amerikanischen Investors und der uruguayischen Regierung, den Tannat ins Bewusstsein der Einheimischen  zu bringen.

K1024_22022_584527204898140_1525221853_nDann sagt sie fast amüsiert: „Um ehrlich zu sein: Lange kauften die meisten ihren Wein im Supermarkt. Was auf dem Etikett stand, war relativ egal. Es war eben Rotwein. Oder Weißwein. Oder Schaumwein. Punkt. Bis vor einer Dekade gab es keine Bodegas in Uruguay! Heute haben wir rund 200. Damals pflegten wir keine Weinkultur. Der Durchschnittsbürger ging nicht in Weinfach­geschäfte, um schöne Tropfen für seine Freunde zu besorgen. Und es war ihm völlig unbekannt, den Reiz eines neuen Weins zu ent­decken.“

Das hat sich sehr geändert. Als Repräsentantin der „Asociación del Turismo enologico del Uruguay“ hat Analia, zusammen mit 15 weiteren, engagierten Winzern, vor zwei Jahren die ersten „Wein­straßen“ (los caminos del vino de Uruguay) ins Leben gerufen. Es folgten, zunächst als Pilotprojekte, Festivals, die die Idee trugen, Wein, Tourismus und Film zu kombinieren. Kino-Leinwände wurden im Freien zwischen Weinfeldern aufgestellt. Für acht US$ gab es bei solchen Festivals zum Open-Air-Kinoticket auch ein Glas Wein inklusive. Der rubinrote, tiefgründige Tannat, neuartig für viele Gau­men, schmeckte. Das bedruckte Festival-Glas durften die Wein-Cineasten behalten.

K1024_dardanelli-1Die Marketing-Idee ging allmählich auf: Immer mehr Gäste kamen zu den Festivals wieder, brachten ihre Freunde mit. Sie begannen, sich für die kleinen Hersteller zu interessieren, machten bei ihnen Termine zur Weinprobe aus. Nach und nach buchten sie Wein und Bodega-Räume, auch für Besuchergruppen, Familienfeste und Hochzeiten. Analia: „Heute leben wir davon, dass neben Einheimischen auch Urlauber aus Nachbarländern bei uns probieren und kaufen. Wir freuen uns sehr, unseren Wein über den Tourismus zu verkaufen.“ Damit das so bleibt, bekommen Lazaneo und Gatti seit diesem Jahr, wie andere lokale Winzer, auf Messen auch die offizielle Unterstützung des uruguayischen Weininstituts INAVI (Instituto Nacional de Vitivinicultura).

Unterstützung kann das winzige Weingut aus Canelones gut gebrauchen. Denn an massenhaftem Industriebetrieb sind die beiden Winzerfrauen trotz ihrer Erfolgsweine „Zinfandel 2015, Las Brujas“, dem „Tannat Rosé 2015“ (7 USD – ein tolles Preis-Leistungsverhältnis!) und dem „Tannat-Merlot 2012“ nicht interessiert. Um das “Kunst­handwerk” geht es schließlich, wie der Firmenname Artesana sagt. Auf etwa 8,5 Hektar Anbaufläche erzeugen sie jährlich 24 Mio. Flaschen, übrigens auch Merlot und Zinfandel. Das ist ein Weingut auf dem ein wunderbar entspanntes und entspannendes Klima herrscht. Man hat hier noch viel Zeit für den Kunden und stets sprudelnde Ideen. (Wer diese kennenlernen möchte, möge sich rechtzeitig anmelden, damit die Önologinnen ganz für den Gast da sein können.)

Die meisten Weingüter Uruguays liegen in den Provinzen im Süden und im Südosten. Hier herrscht ein mildes mediterranes Klima, wie einst im Baskenland. Das gilt vor allem für den größten Teil der Rebfläche am Mündungsgebiet des Rio de la Plata in den distritos (Distrikten) Canelones, San José und Montevideo. Eine individuelle Vermarktung eines jeden Bodega-Angebots wäre vielleicht spannend. Sinnvoller ist es aber, die Anstrengungen zu bündeln. Das geschieht eben mit dem uruguayischen Weininstitut INAVI, das nicht zuletzt dafür sorgt, dass die Winzer auf den wichtigen europäischen Weinmessen vertreten sein können.

K1024_DSC01275Chef von INAVI ist Juan Marichal. Trotz seines eigentlichen Jobs, des Verkaufs und Vertriebs von eigenen Weinen als Marketingverantwortlicher im Familienbetrieb schafft er diesen Zusatzjob mit bewundernswertem Engagement. Gut, dass sein Bruder Alejandro die Aufsicht über die Produktion und seine Mutter die Büroarbeit übernommen hat, der Vater mit einem Freund auf den Weinfeldern arbeitet und Großmutter Maria Teresa, genannt Teresita, immer für alle „sehr köstlich kocht“, wie Juan es herausstellt.

Auf den Visitenkarten und Prospekten eines anderen Traditions-Weinguts, der Bodega Carrau, liest man “desde 1752” (seit 1752). Damals kam der katalanische Fischer Don Francisco Carrau Vehils ins Land und seitdem existiert dieser älteste aller uruguayischen Weinhersteller nur 15 Autominuten vom Zentrum Montevideos entfernt. 265 Jahre Tradition, das ist schon was. Und nach wie vor ist die Winzerei zu 100 Prozent im Besitz der Familie. Besonders zu empfehlen: Der Gran Reserva Tannat “Amat” – der Name ist übrigens ein liebevoller Tribut an die Urgroßmutter der jetzigen Besitzerfamilie.

Um die Qualität noch mehr zu steigern, hatte der Begründer der modernen Winzerei, Juan Carrau Pujol – nach dem verschiedene Sorten benannt sind – auf dem höchstgelegenen Weingebiet Uruguays, dem Cerro Chapeu, einige Jahre lang in Zusammenarbeit mit der Universität von Californien ein Versuchsgelände etabliert. Das bringt heute ein Weinchen, von dem Hugh Johnson in seinem Weinführer in höchsten Tönen schwärmt. Sein Cuvée Tannat Cabernet Sauvignon 1989 war der erste große Reserva Uruguays. Er verlässt erst den Produktionsbetrieb, wenn er 20 Monate im Holzfass gereift und dann weitere vier Jahre in der Flasche verbracht hat. Für 33 USD ist dieses Genusserlebnis dann zu haben. Juan Carrau ist so begeistert vom Zauber dieses mittlerweile über Uruguays Grenzen hinaus bekannten Weins, dass er spontan beim Abschied sagt: „Der Tannat ist einer der besten Weine der Welt. Man sollte ihn getrunken haben, bevor man stirbt.“.

K1024_juanico 1Das bekannteste, weil größte, Weingut ist die Bodega Juanica der Familie Deicas. Ein gewisser Don Francisco Juanicó soll im Jahre 1830 mit dem organisierten Weinanbau begonnen haben, obwohl er eigentlich Tischler war, wovon noch heute historische Werkzeuge an der Wand zeugen. Gerne wird erzählt, dass der erste Weinkeller im Jahre 1840 auf alten Fundamenten der Guarani Ureinwohner gebaut wurde. Dieser natürlich klimatisierte Weinkeller prägte den guten Ruf des Weines. Heute ist daraus ein Unternehmen entstanden, das professionalisierte Produktion mit effizientem Marketing verbindet; die Marke “Don Pascual” ist in ganz Südamerika und sogar gele­gent­lich in Deutschland zu finden.

K1024_DSC03425Der Betrieb bietet auch das ganze Jahr über Besichtigungen und Führungen an, ausgeführt von fachkundigen Guides, die Önologie oder Tourismusmarketing oder beides studiert haben. Zum Abschluss gibt es in einer charmant restaurierten alten Scheune immer ein hervorragendes Essen. Und spätestens jetzt ist es an der Zeit, ein Wort zu verlieren über das Asado. Rindfleisch ist hier mehr als ein Nahrungsmittel. Es ist eine Lebensphilosophie. Die cualidad, Qualität, ist fantastisch, was nicht zuletzt damit zu­sam­menhängt, dass die Rohstofflieferanten das ganze Jahr (!) über auf ausgedehnten, saftigen Wiesen grasen können und keinen Stress haben.

Text : Kornelia Doren und Jürgen Kagelmann
Fotos:  Fremdenverkehrsministerium Uruguay uns Weingüter  Datrdanelli, Atensa und Marechal

Tipps:

Wer sich für eine Erkundungsfahrt durch die Weingebiete Uruguays interessiert und nicht gerade gut spanisch schreibt, kann sich entweder an das Tourismusministerium (über die deutsche Botschaft in Berlin) wenden oder an den engagierten Leiter der deutsch-uruguayischen Handels­kammer, Jan Kötschau.www.ahkuruguay.com

Eine empfehlenswerte Adresse zum Abschluss einer Reise durch Uruguay ist das bei den Einheimischen sehr beliebte Restaurant Francis in Montevideo, mit exzellenter Küche (nicht nur Fleisch, auch Fisch).www.francis.com.uy

Die beste Zeit für einen Besuch Uruguays sind die Monate Novem­ber bis April. Dann ist im Land Sommer.

Costa Rica: Zwischen Karibik und Pazifik

3-bruellaffe-hochoben-im-blaetterdacha

Costa Rica fasziniert als ökologisches Reiseziel. Seine Schätze sind Urwälder, Vulkane, Wasserfälle, Brüllaffen, Orchideen, Vögel.

Aufregung schon am frühen Morgen. „Dort, die Palm-Piperschlange auf dem Boden“, ruft Ronaldo und greift nervös nach einem Stock. Sofort umringelt ihn das grünschwarze Reptil. Es zischelt, zeigt seine spitzen Zähne. Unwillkürlich weichen die Wanderer zurück. „Ja, sie ist tödlich! Einem Chamäleon ähnlich kann sie sieben verschiedene Farben annehmen und ist im dichten Dschungel kaum erkennbar“, warnt der Tico, wie sich die Einheimischen nennen. Geschickt jongliert er das ein Meter lange, kräftige Tier in einen ausgehöhlten Baumstamm, wo es sich scheinbar gemütlich zusammenrollt.

Die Gruppe ist im Tenorio Volcano Nationalpark unterwegs, nördlich der Hauptstadt San José, nahe der Grenze zu Nicaragua. Gut, in Begleitung eines erfahrenen Mannes wie Ronaldo zu sein. Denn im Urwald steckt beides: Schönheit und Grauen. Der Primärwald hat zwei Vulkane, ist 600 Jahre alt und liegt 830 Meter über dem Meer. Der Weg hinein schlängelt sich durch dichtes Grün, führt unter Baumriesen durch, zottig behangen mit Epiphyten, dann wieder durch flirrendes Gewirr von Farnen und Lianen. Tellergroße Morpho-Falter funkeln stahlblau in der Sonne, Kolibris schwirren von Blüte zu Blüte. Das Krächzen von Aras ist zu hören, Brüllaffen hangeln lautstark in den Wipfeln – und die Faultiere verschlafen 20 Stunden ihres Tages. Man muss sich einfühlen in diese fremde, alte Welt.

riesenpalmeAber es kommt noch besser! Man sieht ihn nicht, nur von Weitem hört man ein ständiges Brausen. Dann plötzlich Gischt aus dem kleinen Tal – der Catarata Rio Celeste! Auch wenn der Abstieg beschwerlich ist, diesen Wasserfall darf man nicht verpassen! Unten angekommen traut man seinen Augen nicht, starrt auf eine überirdische Märchenwelt. Ein kraftvoller Fluss, der Rio Celeste, stürzt 30 Meter hinab in ein Becken vulkanmineralisch hellblauen Wassers. Allein inmitten eines smaragdgrünen Waldes, geblendet vom blauen Wunder der Natur, lost in paradise…

sonnen-und-farbspiel-im-regenwaldCosta Rica – Reiche Küste. Auch wenn Kolumbus bei der Namensgebung anderes im Sinn hatte: Schätze birgt das kleine Land in Hülle und Fülle. Nicht goldglänzend und diamantenfunkelnd, sondern dschungelgrün, orchideenrot und meerblau. Von den etwa fünf Millionen Tier- und Pflanzenarten unserer Erde sind zwei Drittel hier vertreten – Weltrekord! Darunter sind Jaguare, Pumas, Krokodile, Nasenbären, Eidechsen, Affen.  Acht verschiedene Vegetationszonen vom Nebelwald, Sumpfgebiet bis hin zur Steppe! Gut ein Viertel des Landes steht unter Naturschutz. Wieder Weltrekord! Allein 852 verschiedene Vogelarten locken Besucher hierher. Glücklich, wer einen Tukan oder den farbenprächtigen „Göttervogel“ Quetzal vor die Linse bekommt.

Der Dschungelstreifen wird im Norden von Nicaragua, im Süden von Panama begrenzt. Ein friedliches, sicheres Land zwischen zwei Meeren, mit 1000 Kilometern Stränden, wenig größer als die Schweiz. Alles ist möglich: morgens baden vorm weißen Karibikstrand, abends beim Cocktail der perfekte Sonnenuntergänge hinterm Pazifik!

abendhimmel-ueber-costa-ricaSchmutzig, verschwitzt, aber belustigt über die Kapuzineräffchen, die in den Blätterdächern toben, erreichen wir das Hideaway Rio Celeste. Es öffnet sich ein wohlgepflegter Tropengarten: um rote Hibiskusblüten schwirren Kolibris, die gelben Spitzen einer Helikonienblüte leuchten in der Sonne, üppige Ficuspflanzen wuchern um die Wette. Dazwischen „Cabinas“, aus Holz gebaute Lodges, innen geschnitzte Tropenmöbel, dekoriert mit knalligfarbenen Kissen. Nur knapp zwei Stunden Autofahrt sind es bis San José: Zivilisation und Urwald so nahe! Überall an Costa Ricas Stränden, im vulkanischen Hochland, im Dschungel werden neue Anlagen gebaut, Luxus und Ökologie im Einklang.

19-allgegenwaertig-der-kegelige-vulkan-arenalaDas Abendkonzert beginnt mit dem Glucksen der Kröten, schwillt an zu vielfältigem Fiepen, Zirpen, Keckern und Schnalzen. Nach Sonnenuntergang senden Tausende von Glühwürmchen Lichtblitze in die Finsternis, Fledermäuse gleiten lautlos durch die Nacht. Ranger David ermuntert zum Aufbruch. Mit Taschenlampen gehen wir hinter dem Resort hinein in die Finsternis des Dschungels. Tiere sind unsichtbar, Geräusche noch intensiver als am Tage. Mit sicherem Gespür leuchtet David Taranteln, Wolfsspinnen, Skorpione, Frösche, Zikaden, Rieseninsekten an – ein Tapir raschelt durchs Gebüsch. Die engstehenden Bäume, Palmen, die übergroßen Blätter erscheinen wie Gemäldefetzen von Rousseau. Naturkundeunterricht zum Anfassen – aber besser nicht! Das Dinner im offenen Restaurant bei leiser Musik ist Entspannung.

Am nächsten Morgen erwachen wir nicht unterm Sonnenlicht, sondern vom ohrenbetäubenden Radau der Vögel und Brüllaffen. Das ist der Soundtrack zur Fahrt ins Naturschutzgebiet um den Vulkan Arenal in der Provinz Guanacaste. Zuckerrohrfelder, Bananenhaine, Kaffee- und Ananasplantagen zeigen die Vielfalt des Landes.

hibiskusblueten-zart-wie-spitzeWir treffen auf Dörfer der Handwerker und Öko-Bauern. Das Städtchen Sarchí ist berühmt für seine „Caretas“ – buntbemalte Ochsenkarren aus Mango- und Mahagoniholz, die früher zumeist Kaffee, Zuckerrohr, Mais zu den Märkten fuhren. „Die Karren mit Kaffee, „unserem wohlduftenden Gold“, ratterten in Karawanen von Hunderten zum Hafen Puntarenas, wo die Engländer die ersten Abnehmer waren“, erzählt Joaquín Chaverri, Enkel der Gründerfamilie, die 1903 die ersten Caretas zimmerte. Die Blumenmotive in ihren leuchtenden Farben entstammen dem indigenen Leben. Heute stehen die Karren auf der Weltkulturerbe-Liste, als Souvenirs begehrt – und in unzugänglichen Gegenden noch immer in Betrieb.

handbemalte-ochsenkarrenVor dem 1600 Meter hohen Vulkankegel Arenal rauschen Hibiskus- und Bourgainvillea-Büsche vorbei, Pferderanches, Kaffee- und Ananasplantagen – dem Fruchtexport Nummer eins. Auf seiner Finca Educativa begrüßt uns Don Juan, der Lehrer. Sein Credo: Gesunde Kost aus gesunder Umgebung. Schüler, Studenten, Touristen, alle können hier arbeitend die Sinne fürs Ökologische schärfen.

Don Juans Spezial-Lunch: Gegrillter Tilapia-Fisch, Schweinekruste mit Chips aus Yuccawurzeln, Chayote – grüner Kürbis -, gebratene Platanos, schwarze Bohnen, dazu Saft frischer Moringablätter. Flan caramel! Ohne Frage, das ist Costa Ricas „Pura Vida“, das ganz eigene Lebensgefühl der Ticos. Sie zählen sich zu den glücklichsten Menschen der Welt.

Text und Fotos: Katharina Büttel

Mehr über Costa Rica lesen Sie hier:

Costa Rica: Auf der Suche nach Öko Rica

Kuba: Segeln ist die beste Medizin gegen Stress

 k1024_cayo-blanco-trinidad

Wir sind gestresst, wollen raus aus dem Alltag, rein ins karibische Abenteuer. Endlich Urlaub. Abschalten, Baden, Energie tanken. Da ist Segeln auf Kuba die beste Medizin. Vor der Küste der größten Antillen-Insel kommt die Entschleunigung von ganz allein.
Unser Katamaran liegt in Cienfuegos, der alten Hafenstadt im südlichen Zentral-Kuba. Hier gibt es den bislang einzigen Yachtcharter-Hafen der Insel. Schon heute platzt er aus allen Nähten. Bald wird die Marina wachsen, 300 Liegeplätze sind geplant, alles soll moderner werden. Die Zukunftsmusik klingt so: Die Uferpromenade wird erneuert, ein Hotel- und Apartment-Komplex wird entstehen, Cafés und Einkaufmöglichkeiten ergänzen das neue Ensemble zwischen dem Hafen und dem in die Jahre gekommenen Hotel Jagua. Allen ist klar: es gibt viel zu tun.

 

k1024_car_purple_cienfuegos_loKeine Zeit zum Faulenzen

Bevor es aufs Meer „geht“ heißt es zunächst Wasser tanken, Proviant besorgen und die Ausschiffungsformalien erledigen. Das geschieht im Büro des freundlichen Hafenkapitäns, und nimmt einige Stunden in Anspruch. Am nächsten Morgen endlich setzen wir Segel. Ausgestattet mit Bade- und Schnorchel-Equipment führt uns ein guter Wind zu Trinidads stadtnahem Hafen Casilda. Trotz bröckelnder Fassaden hat die kunterbunte, koloniale Welterbe-Stätte den Glanz vergangener Tage nicht verloren. Einige Gebäude entlang der alten Pflasterstraßen sehen hellwach aus, andere scheinen zu schlafen. Die Fenster der Häuser bestehen aus beweglichen, um die Längsachse drehbaren Holzleisten. Wie Augenlider kann man sie auf- und zuklappen. Diese natürliche Air-Kondition lindert die Hitze, die über Trinidad liegt.

Robinson-Crusoe-Land

Auf dem Meer ist es viel angenehmer. Selbst unter weitgereisten Fahrensleuten gilt Kuba als unvergleichliches Segelrevier. Der große Vorteil gegenüber anderen Karibik-Inseln ist die Tatsache, dass die einsamen Buchten und palmengesäumten Strände mit keiner Yacht, mit keinem anderen Segelboot geteilt werden müssen. Hier ist Robinson-Crusoe-Land pur. Es „regiert“ das Gefühl von absoluter Freiheit.
k1024_catamaran_2_family_varadero_loFischen und Segeln gehören auf unserer Reise zusammen. Wir sind gut ausgerüstet. Doch leider taugen unsere mitgebrachten Angeln nicht viel. Das merken wir schon nach kurzer Zeit. Immer wieder wird der Köder abgebissen und verschwindet in den Weiten des Meeres. Zurück bleibt nur ein Stück Angelschnur. Alberto, unser Skipper, betrachtet milde lächelnd unsere „Angelkünste“. Als die Angst über ein wahrscheinlich ausbleibendes Abendessen zu groß wird, packt er endlich sein Hochsee-Gerät aus. Doch auch das bietet keine Garantie fürs Dinner. Als schon kaum noch Hoffnung besteht, nähern sich wie aus dem Nichts Fischer-Freunde von Alberto. Pablo, ein älterer, drahtiger Mann mit zerlöchertem Unterhemd, schwingt sich zu uns herüber. Die Männer begrüßen sich herzlich. Mit einer Büchse „Cristal“, dem beliebtesten Bier der Kubaner, wird zünftig auf die Begegnung angestoßen. Dann erzählt Pablo von seinem Fang: Ein Fünf-Kilo-Red-Snapper und zwei Kilo Scampi sind ihm ins „Netz“ gegangen. Uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Es kommt zum Tauschgeschäft.

Bier gegen Fisch
Rum und eine Palette Cristal gegen ein zünftiges Abendessen. Die Freude ist gegenseitig. Schließlich kommt man auf See nicht alle Tage so leicht zum Bier. Und wir? Wir sind glücklich über fangfrischen Fisch mit Meeresfrüchten.
Es ist nicht leicht, außerhalb der größeren Ortschaften einzukaufen. Auf Kuba ist immer noch Improvisationstalent sehr gefragt. Es mangelt an vielen Dingen. Gleichwohl steht das Land erfolgreicher da als die meisten Nachbarinseln. Neben einem sehr hohen Standard im Bildungs- und Gesundheitswesen, gelingt es Kuba immer besser, die eigene Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Kindersterblichkeit ist geringer als in den USA. Und trotz der allgegenwärtigen Engpässe gibt es hier die geringste Kriminalitätsrate in der Karibik.
k1024__mg_3883__Aber wir sind nicht zum Politisieren nach Kuba gekommen, von jetzt an gehört unsere ungeteilte Aufmerksamkeit dem Meer. Gerade das Segelrevier vor der Südküste bietet den Abenteuerlustigen, den Freizeitmatrosen, Tauchern und Anglern ein aus 660 unbewohnten kleinen Koralleninseln bestehendes Naturparadies. Ein sehr schönes Eiland ist das Cayo Iguana, die Insel der Leguane. Bewohnt von einem kubanischen Ehepaar, zirka 10.000 Leguanen und einer Million Einsiedler-Krebsen. Gott sei Dank vermieten die beiden alles, was es braucht, um die Insel zu erkunden.

k1024_kayak_cayo_iguana Uns genügt dazu ein knallgelbes, nagelneues Kajak. Es bringt uns um das kleine Stück Erde im Meer. Nach drei Stunden wird es Zeit für den Katamaran. Voller tierischer Eindrücke steigen wir in das Schlauchboot. Es muss nur noch angelassen werden.
Optimistisch nimmt unser Freund Thomas die Startschnur in die Hand. Kraftvoll zieht er am Starter. Der Motor gluckert kurz und bleibt stumm. Eine solche Art von Ungehorsam ist Thomas nicht gewöhnt. Er zieht ein zweites Mal. Noch kräftiger. Karibisch gelassen sagt der Motor wieder nichts. Nun platzt Thomas der Kragen. Mit Brachialgewalt reißt er die Schnur nach oben … und hat sie in der Hand.
Katamaran adieu!
Wie sollen wir nur zu unserem schwimmenden Zuhause kommen? Zu allem Unglück geht auch noch der Tag zur Neige, die Dämmerung bricht herein und unser Skipper ermahnt uns per Nebelhorn zur Eile.
Jetzt ist guter Rat teuer. Als die anwesenden Damen sich bereits auf interessante Stunden mit ihren Leguanen eingerichtet haben, tauchen überraschend bärtige Lebensretter auf. Sie entpuppen sich als freundliche Fischer. Tatkräftig nehmen unser Schlauchboot an die Hand und ziehen es die 500 Meter übers Meer bis zu unserem Ankerplatz. Kaum an Bord bedauern die Damen das nicht vollzogene Iguana-Abenteuer. Aber der Abend wird noch groß! In echt kubanischer Manier feiern wir mit Rum die Salsa-Nacht.
Am nächsten Morgen blicken wir wie Kolumbus in ein grünes Panorama mit menschenleeren, weißen Sandbänken. Mangrovenhölzer zieren wie Kunstwerke den Strand. Rund um unseren Katamaran tanzen kleine Schaumkronen, fordern uns auf, ins salzige Nass zu springen. Ausgelassen und frei wie Kinder. Die Welt unter Wasser ist Lebensraum für rund fünfzig Korallenarten und über 500 Fisch-Gattungen. Die bekanntesten sind unter ihnen: Barracudas, Snappers und Thunfische. Das Segeln im vollen Wind lockt zum süßen Nichtstun. Einschlafen mit der Musik des Meeres, den ganzen Tag auf dem Schiff herumturnen, sich keinem Dresscode unterwerfen. Das ist der wahre Luxus eines modernen Menschen…
Beiß, Bonito, beiß
Und es geht noch besser, plötzlich ist da der erste Fisch an der Angel. Zuerst ein vorsichtiges Rucken, dann ein energischer Biss, ein Bonito, eng verwandt mit den Thunfischen, hängt am Haken. Was für ein Hochgefühl! Wie eine Trophäe tragen wir ihn kurz später zum Grill. Selbst ungewürzt schmeckt er köstlich.
Weniger begeistert zeigt sich unser Skipper. Die umherfliegenden Grillkohle-Partikeln haben den weißen Bootsbelag in ein rußig-graues Schlachtfeld verwandelt. Nach zwei Stunden Schrubben ist der Katamaran wieder sauber, und wir haben uns einige Runden Domino-Spiel im Mondschein verdient.
k1024__mg_5632-2__Auch der nächste Tag gehört der Entspannung, es wird geschnorchelt und wer Lust hat, döst im Schatten der Palmen. Ein Tag vergeht wie der andere. Und doch kommt keine Langeweile auf. Das liegt auch daran, dass diese unvergleichliche Insel ein gesundes Herz hat. In seinen beiden Kammern leben unterschiedliche Zeitgefühle. Und doch funktionieren sie als Ganzes. In der einen Kammer lebt das typische Alltagsleben, die andere enthält eine gesunde Portion Aufbruchsstimmung, drückt aufs Tempo! Solange das kubanische Herz in diesem Rhythmus schlägt, ist einem um Kuba nicht bange.

Text: Kornelia Doren

Fotos: Marketing Cuba (5), K. Doren (1)

Ausführliche Infos zum Segeln auf Kuba finden Sie hier:

Kuba: Reiseinfos für Segler

Kuba: Reiseinfos für Segler

k1024__mg_3883__Reiseinformationen:

Kuba ist (noch) ein sehr ursprüngliches, aufregendes Segelrevier  – ob zum Mitsegeln auf  dem Katamaran mit Skipper oder für Selbstfahrer-Crews auf Yachtchartern.

Anreise
Condor hält Kuba seit 25 Jahren die Treue und hat die Anzahl seiner Flüge und Flugstrecken nach Kuba expandiert. Die Airline bietet Direktflüge nach Havanna, Varadero, Holguin und Santa Clara.

Die Marina von Cienfuegos ist ca. 250 km (3 Std.) vom Flughafen Havanna und ca. 60 km (1 Std.) vom Airport Santa Clara entfernt. Die Transfers zur Marina können bei spezialisierten Reisebüros wie Cuba Star Travel (www.cubastartravel.com) oder bei den Yacht-Charterfirmen gebucht werden.

Wind und Wetter
Kuba bietet ein subtropisches Klima und wird vom milden Nordost-Passat beeinflusst. Mit meist beständigen Winden zwischen 10-15 Knoten ist Kuba ist ein ganzjähriges Revier. Im Juli-August ist es meist sehr heiß mit über 30° Celsius. Im Januar wird es nie kälter als 18° Celsius. Die Wassertemperatur liegt meist bei 24 ° Celsius.

Einreisebestimmungen
Zur Einreise benötigen Sie einen noch 6 Mon. gültigen Reisepass und eine Touristenkarte.
Segeln ab Cienfuegos: Interessierte mit und ohne Segelerfahrung können in der „Marina Marlin“ Katamarane des Veranstalters „Dream Yacht Charter“ über die Firma „MASTER YACHTING“ buchen. Da das Segeln in diesem Revier anspruchsvoll ist, empfiehlt sich ein Skipper. Auch ein glänzender, amüsanter Koch wie Hugo steht auf Wunsch bereit. Das Chartern einzelner Kabinen ist ebenfalls möglich. Alle Einschiffungs- und Übernahme-Formalitäten werden in der „Marina Marlin“ schnell, charmant und professionell erledigt. Charter-Preisbeispiel: Eine „Nautitech 40 Open“ von Dream Yacht Charter kostet pro Woche zwischen 2600€ (Oktober 2016) und 4100€ (Mai 2017). Ein Skipper kostet am Tag zwischen 80€ und 95€.
Kontakt: Master Yachting GmbH, Yachtcharter 1a, 97286 Sommerhausen, Tel.: 09333/90 440

Weitere Anbieter in der Marina Cienfuegos:

ALBORAN-BLUESAIL, CON-IMPEX Touristik GmbH & Co. KG, www.alboran-bluesail.com / www.alboran-charter.com

PLATTEN SAILING CUBA, http://www.platten-sailing.de,

Cienfuegos: Empfehlenswert ist für die Voranreise eine Übernachtung in der original erhaltenen Kolonialvilla „Casa Azul“, die sich gleich neben dem Yacht-Hafen befindet. Buchbar bei www.cubastartravel.com

Trindidad: Restaurant “Sol Ananda”, Calle Real # 145, Plaza Mayor. Feine Küche, argentinische Weine und Degustationen. Tel. + 53-528 146 12,

Allgemeine touristische Infos:
Kubanisches Fremdenverkehrsamt: www.cubainfo.de

Zusammengestellt von Kornelia Doren

Noch mehr zu Kuba finden Sie hier:

Kuba: Auf leeren Straßen durch den Westen der Zuckerinsel

 

 

Costa Rica: Barrierefreies Reisen in den Nationalparks

k1024_manuel-antonio-national-park_ictCosta Rica will körperlich beeinträchtigten Menschen den Zugang zu den Nationalparks vereinfachen und stellt auf Barrierefreiheit um.

Die Welttourismusorganisation (UNWTO) setzt sich stark für die allgemeine Barrierefreiheit im Tourismus ein, um allen Besuchern den Zugang zu jenen Bereichen zu gewähren, die für benachteiligte Personen nicht oder nur schwer zugänglich sind. So bietet Costa Rica mit den Gesetzen zur Chancengleichheit beeinträchtigten Personen neue Möglichkeiten, aktiv die Natur zu erleben. Mit Erfolg: die Schaffung von Barrierefreiheit in einigen Nationalparks des Landes erbrachte eine Steigerung der Besucherrate um 50 Prozent.

In einem Gemeinschaftsprojekt haben nun das Nationale System von Schutzgebieten (SINAC) und verschiedene Organisationen mit entsprechenden Beschilderungen und geschützten Bereichen dafür gesorgt, dass benachteiligten Personen ein uneingeschränkter Zugang zu Costa Ricas Wundern der Natur gewährt ist.

Nach einer ausführlichen Evaluation sind folgende Nationalparks aufgrund ihrer ökonomischen Repräsentanz für das Programm zur Barrierefreiheit ausgewählt worden: der Vulkan Poás, der Vulkan Irazú, der Nationalpark Carara, Santa Rosa, das Nationalmonument Guayabo und der Nationalpark Manuel Antonio. Der erste „universelle Pfad“ – ein Pfad, der von jedem uneingeschränkt durchquert werden kann – wurde im Nationalpark Carara geschaffen.

Weitere Nationalparks sind diesem Beispiel gefolgt: Im Zuge dessen wurden nicht nur barrierefreie Pfade erstellt, sondern auch Signalanlagen für Sehbehinderte oder Zugangsrampen für Rollstuhlfahrer und Aussichtspunkte an unebenen Stellen.

Weiterführende Informationen über Costa Rica: www.visitcostarica.com

Argentinien: Buenos Aires – Tango, Fußball, Maradona und saftige Steaks

Am Plaza de Mayo hat alles angefangen, hier soll Juan de Garay 1580 Bueos Aires gegründet haben. Rings um den Platz stehen pompöse Gebäude, vom rosaroten Regierungspalast über große Banken bis zum Rathaus.

Buenos Aires ist alles: eine riesige 12-Millionen-Metropole, laut, hektisch, immer in Bewegung, wenn nicht gerade wieder mal Megastau herrscht, voller Monumentalbauten mit prächtigen Fassaden, dazwischen quetschen sich jede Menge hässliche Betonbauten, jeder Quadratmeter ist kostbar, moderne Hochhäuser in Reih und Glied, dann wieder ärmliche Einwandererviertel. Nach ein paar Erkundungen zu Fuß wird mir schnell klar, dass so die Stadt nicht zu erkunden ist. Also eine Fahrt mit dem Hop on Hop off Bus und die Stadt vom Sonnendeck aus inspizieren. Gut drei Stunden wühlt sich der Bus durch den Verkehr, hält an hundert Ampeln, steckt im Dauerstau, kommt langsamer als so mancher Fußgänger vorwärts, angeblich alles ganz normal, deshalb verliert auch kaum einer die Nerven.

Egal, wo man hinkommt, wartet schon eine Schlange. Die Argentinier lieben es Schlange zu stehen. Ob an der Bushaltestelle oder vor dem Restaurant, da wird nicht gemurrt oder gedrängelt, egal, wie lange es dauert. Jeder Engländer würde bei so viel Disziplin vor Neid erblassen.

Puerto Madero ist der neueste Stadtteil von Buenos Aires und der am schnellsten wachsende. Hochhäuser schießen in dem einst heruntergekommenen Hafenviertel förmlich in den Himmel, ständig entstehen neue Büros, Wohnungen, Geschäfte und Restaurants. Geld scheint hier keine Rolle zu spielen.

Was fällt einem ganz spontan zu Argentinien ein? Tango, Fußball, Maradona und natürlich saftige Steaks. Wo Touristen sind, ist auch der Tango nicht weit. Zu jeder Tages- und Nachtzeit tanzt ein Paar auf der Straße oder in den Restaurants – natürlich nicht nur aus reinem Spaß, ein paar Pesos müssen dabei schon den Besitzer wechseln.

Maradona lebt immer noch in La Boca, zumindest will mir das sein Double weismachen. Seine Nationalmannschaftstrikots mit der legendären Nummer 10 verkaufen sich noch heute bestens in den Läden neben dem Stadion, dort wo der Göttliche für die Boca Juniors gespielt, nein gezaubert, hat. Auch in Caminito ist er allgegenwärtig.

Caminito ist bunt und touristisch, der Montmartre von Buenos Aires. Tangotänzer an jeder Ecke, bereit für ein Foto zu posieren, Künstler, Souvenirshops, Restaurants.

Die Argentinier sind Weltmeister im Rindfleischverbrauch. Hühnchen, Lamm und Schweinefleisch gibt es zwar auch, aber nur ein saftiges Rindersteak vom Grill zählt für Argentinier. Zu Recht, denn egal, wo man hingeht, die Steaks sind einfach göttlich. Leicht rauchig im Geschmack, wunderbar zart und auf den Punkt richtig gegrillt.

Christian Nowak

Mit 6237 Fotos in fünf Minuten um die Welt

Kien Lam war 343 Tage unterwegs, hat 17 Länder besucht und 6237 Fotos gemacht. Schauen Sie sich die Höhepunkte seiner Reise  in knapp fünf Minuten an.

Costa Rica: Erstmals auf der Weltkulturerbeliste

Foto: Visit Centroamérica, Steinkugeln Diquís

Insgesamt vier Ausgrabungsstätten im Diquís-Delta im Südosten von Costa Rica wurden am 23. Juni 2014 zum UNESCO Welterbe der Menschheit erklärt: Finca 6, Batambal, El Silencio und Grijalba-2. Hier findet man die berühmten Steinkugeln der Diquís-Kultur, die das Komitee wegen ihrer weltweiten Einzigartigkeit auszeichnete. Die archäologischen Stätten sind ein Spiegelbild der Kultur der Diquís und damit wichtige Zeitzeugen der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen des präkolumbianischen Volkes. Die Region im Südwesten des Landes, in der die neuen UNESCO-Stätten liegen, zählt zu den ärmsten Regionen des Landes. Man hofft nun, dass dieser Landesteil durch die Auszeichnung vermehrt in den Fokus der Touristen gerät.

Brasilien: Mit der Rolltreppe zu Christus

Fotograf: M. Juhran, Rio ist in eine wunderschöne Landschaft eingebettet


Die Fußball-WM läuft und die Olympischen Sommerspiele 2016 in Brasilien rücken näher. Davon soll auch der Tourismus profitieren – ein Besuch in der “gefühlten” und in der “schwarzen Hauptstadt” des fünftgrößten Landes der Erde.

01 b alternativ christus 1Was mag er wohl denken, der 30 Meter hohe Christus, wenn sich am frühen Morgen die Besucher in großen Reisebussen, auf knatternden Motorrädern und in ethanolbetriebenen Autos Rios Pilgerberg „Corcovado“ hinauf rackern und an der Shuttlebus-Station eine riesige Schlange bilden? Wahrscheinlich wird ihm bereits jetzt vor dem zu erwartenden Ansturm im nächsten Jahr etwas bange. Seit 1931 blickt er von seinem 700 Meter hohen Felsen auf die am schönsten gelegene Stadt der Welt hinunter und genießt die pitoresken Panoramaaussichten auf die Strände von Copacabana und Ipanema, auf die Altstadt, das Maracanã-Fußballstadium, in dem am 13. Juli 2014 das WM-Endspiel ausgetragen wird, und den Zuckerhut.Manchmal würde er dabei sicher ungläubig den Kopf schütteln, wenn beispielsweise das Fußballspielen am Strand verboten wird oder sich einmal mehr die Verkaufsformalitäten für den Eintritt zum Gipfel des „Corcovado“ geändert haben. Dabei war eigentlich von vornherein klar, dass die Bestellung der Tickets im Internet nicht klappen kann und man irgendwann zum Verkauf an der Shuttlebus-Station zurückkehren muss. Viel Zeit zum Nachsinnen bleibt ihm nicht, denn schon eilen die ersten Touristen die letzten 215 Treppenstufen hinauf, um sich in Nachahmerpose mit ausgebreiteten Armen vor ihm fotografieren zu lassen oder um den besten Platz auf der kleinen Aussichtsplattform zu ergattern und voller Begeisterung hinunter auf die malerische “Guanabara-Bucht” zu schauen, wo sich das blaue Meer mit den Ausläufern des zentralbrasilianischen Hochlandes trifft und beide zu einem atemberaubenden Landschaftskunstwerk verschmelzen.

Schweißtreibende Treppen

Für einige dieser Besucher, die etwas mehr Gewicht mit sich herumtragen, sind die Treppen eine echte Herausforderung. Aber es geht auch einfacher: Nur wenige Meter vom Shuttle-Parkplatz entfernt überbrückt ein Fahrstuhl die Höhendifferenz und die letzten Meter zur Christus-Statue lassen sich dann mit Hilfe zweier Rolltreppen mühelos und ohne Schweißperlen unter der drückenden brasilianischen Sonne bewältigen. Christus wirkt wie ein Magnet und das nicht erst seit dem Papstbesuch. 74 Prozent der Brasilianer sind katholischen Glaubens und da gehört ein Besuch einfach zum guten Ton. Aber ein Foto vor einem der “neuen sieben Weltwunder” (seit 2007) ist auch bei ausländischen Touristen ein beliebtes Reiseandenken, das man gern mit in die Heimat nimmt und im Rahmen einer Diashow Verwandten und Freunden zeigt. Schaut man etwas genauer hin, kann man von der Aussichtsplattform auch eine andere Seite Rios entdecken: Die Favelas, die sich vorwiegend an die Berghänge am Rande der drittgrößten brasilianischen Metropole schmiegen. Es sind die Armenviertel, einstige Tabuzonen, die jahrzehntelang von Drogengangs regiert wurden, sich jetzt aber vorsichtig Zug um Zug dem Tourismus öffnen.

03 In der Favela Babilonia geht es bergauf

Aufschwung in der Favela “Babilônia”

Genau in der Blickrichtung der Christus-Statue, auf einem steilen Berghang zwischen Copacabana und Botafogo, liegt die Favela “Babilônia”. Auch sie gehörte einst zum Herrschaftsbereich des sogenannten “Dritten Kommandos” der Drogenhändler, die die Einwohner terrorisierten. 1997, vor dem damaligen Besuch des Papstes in Rio, kam es zu einem ersten Polizeieinsatz gegen die bewaffneten Drogengangs in “Babilônia” und im Jahr 2009 nahm die Polizei die Favela ohne Schusswaffengebrauch ein. Seit einigen Jahren hat nun beispielsweise der Berliner Südamerikaspezialist “viventura” eine geführte Tour durch diese Favela fest im Programm. Deisej und Marcelo aus der 3.400 Einwohner umfassenden Kommune führen gemeinsam mit Monika, der deutschen Rio-Reiseleiterin, durch ein Viertel, in dem es im Jahr 2008 noch zu Schußwechseln kam. “Vor vier Jahren schickte die Regierung ein Friedenpolizeicorps der UPP in unsere Favela und heute gehört sie zu den sichersten in Rio”, begrüßt Deisej ihre deutschen Gäste. Das liegt sicher auch an den Bewohnern, die hier einfach nur friedlich miteinander leben wollen. Bereits vor 15 Jahren starteten sie ein anderes Aufsehen erregendes Projekt. “Wir wollten es einfach nicht mehr hinnehmen, dass unsere mühsam errichteten Behausungen Erdrutschen zum Opfer fallen”, beschreibt Deisej die damalige Aufbruchstimmung. “Einer hatte die Idee, die Erdoberfläche auf dem Bergrücken zu befestigen, indem man den fast vollständig abgeholzten atlantischen Regenwald wieder aufforstet.” 200.000 Bäume wurden seitdem gepflanzt – eine ganze Reihe von Monika und deutschen Touristen – und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

“They don´t care about us”

Die Favela “Babilônia“ gehört heute neben der durch Michael Jacksons Video “They don´t care about us” bekannt gewordenen Favela “Santa Marta” zu den Vorzeigeobjekten in Rio. Ein dichter Regenwald mit unzähligen Baumarten bedeckt die Bergkuppe, die kürzlich den Status eines Naturparks zugesprochen erhielt, und vom Gipfel eröffnen sich grandiose Blicke auf den benachbarten Zuckerhut, auf die Copacabana zur Rechten und Botafogo zur Linken. Alle Bewohner der Favela verfügen heute über Elektrizität und Leitungswasser, die Kinder tollen auf ihrem neuen Spielplatz herum und es gibt eine Schule. Geführte Touristengruppen werden hier gern gesehen und Deisej vermietet bereits ein ausgebautes Zimmer an ausländische Gäste, die vorwiegend aus Europa kommen.

Schlendert man bei Tageslicht die Copacabana entlang, ergötzt sich an den Aussichten vom Zuckerhut, probiert Karnevalkostüme im Sambódromo oder kämpft sich durch die Altstadt und genießt seinen Kaffee in der ehrwürdigen “Confeitaria Colombo”, so kann man sich kaum vorstellen, dass in Rio noch immer Drogengangs ihre Rivalitäten mit Waffengewalt ausfechten. Doch bereits beim Besuch des Künstlerviertels “Santa Teresa” lässt man angesichts zwielichtiger Gestalten, denen die Körperbeherrschung zeitweilig abhanden kommt, eine gesunde Vorsicht walten. Und an der mit bunten Fliesen aus über 150 Ländern verzierten Treppe des chilenischen Künstlers Jorge Selarón muss man erfahren, dass die Leiche des im In- und Ausland populären Künstlers hier vor zwei Jahren verkohlt aufgefunden wurde. Niemand will so recht an Selbstmord glauben. Manche Cariocas, wie sich die Einwohner Rios selbst nennen, meinen gar, dass sich die Drogenkriminalität seit der Etablierung von Friedenpolizeicorps von den Favelas in die Innenstadt verlagert hat.

So gibt es bis zur Fußball-WM in Sachen Sicherheit noch einiges zu tun, doch die Cariocas sind zuversichtlich. Nicht nur für sie ist Rio noch immer die “gefühlte Hauptstadt” Brasiliens, obwohl die Sechs-Millionen Metropole seit 1960 offiziell auf diesen Status verzichten muss, als in der Retortenstadt Brasilia die Regierungsgeschäfte aufgenommen wurden.

Salvador de Bahia – das schwarze Rom

M. Juhran: Reichlich Blattgold verziert das Innere der Franziskus-Kirche in Salvador

 Noch vor Rio, nämlich bis 1763, war Salvador da Bahia mehr als zwei Jahrhunderte lang die Hauptstadt der damaligen portugiesischen Kolonie. Man nannte sie damals aufgrund der Vielzahl an Barockkirchen, Kathedralen und Paläste sowie der überwiegend dunkelhäutigen Bevölkerung auch “Das schwarze Rom”. Noch heute gilt sie als die schwarze Metropole des Landes. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates Bahia stammen von den vier bis fünf Millionen Sklaven ab, die von den Portugiesen in vier Jahrhunderten vornehmlich aus den heutigen Regionen Angolas, Mocambiques, Nigerias, Benins und des Kongo nach Brasilien verschleppt wurden. Entrechtet und erbarmunglos ausgebeutet, gelang es ihnen dennoch über Jahrhunderte ein wenig von ihrer einstigen Heimat zu erhalten, an das sie sich klammern und neuen Lebensmut schöpfen konnten, während sie auf Zuckerrohrplantagen und als Haussklaven schufteten. Erst 1888 beendete Brasilien diese Form der Ausbeutung als letzter Staat der Welt, die Briten hatten den Sklavenhandel per Gesetz 1831 verboten.

09 Junge Trommler vor der Franziskus-Kirche in SalvadorAn jeder Ecke trifft man in der mit 2,7 Millionen Einwohnern drittgrößten Stadt Brasiliens auf Zeitzeugnisse aus der Sklaverei. Die Altstadt “Pelourinho”, zu deutsch Pranger, erinnert an eine besonders dunkle Seite der Sklavenzeit, als schwarze Arbeiter hier öffentlich ausgepeitscht wurden. Nicht weit vom einstigen Standort des Prangers entfernt befindet sich die Kirche der Sklaven, denen der Eintritt in die prunkvollen Gotteshäuser der Weißen strengstens verboten war. Am “Praca da Sé ist dem Führer schwarzer Aufständischer ein Denkmal gewidmet, fast alle Rebellen wurden im Februar 1694 blutig dahingemezelt.

Hinter der Zumbi-Statue geben heute Capoeira-Kämpfer eine Kostprobe aus afrikanischem Kampfsport, vermischt mit ästhetischem Tanz. Keine hundert Meter weiter stößt man auf die reichlich mit Blattgold verzierten Innenräume der Basilika Kathedrale und ihr gegenüber der berühmten Franziskuskirche, die zudem mit wunderschönen Blaufliesenmalereien verziert ist. “Beide zeugen vom einstigen Reichtum Salvadors, der nicht nur vom Sklavenhandel rührte, sondern sich auch aus den Goldfunden im 18. Jahrhundert generierte, als man in den Minas Gerais 80 Prozent der Weltproduktion schürfte”, weiß Irma Hellwig zu berichten, die seit einigen Jahren deutsche Touristen durch ihre Wahlheimat führt.

Der Klang der Trommeln

Irma ist von der starken Verwurzelung afrikanischer Religionen, Riten, der Küche und Kultur in Salvador fasziniert. Und sie freut sich darüber, dass der afrikanische Glaube des Candomblé mit dem Erstarken des Selbstbewußtseins der schwarzen Bevölkerung neuen Aufschwung genommen hat. “Heute können selbst Touristen an Zeremonien teilnehmen, die noch vor etwa 100 Jahren ein völliges Tabu waren”, sagt Irma. In weißer Kleidung tanzen sich dabei Heiligentöchter in Trance, wobei Orixa-Götter von ihren Körpern Besitz ergreifen und so die Kommunikation zwischen Menschen und Göttern ermöglichen sollen.

Der rhythmische Klang der Trommeln des Condomblé ist täglich im Pelourinho vernehmbar. Er hat der Musikkultur der drittgrößten brasilianischen Stadt ein eigenes Gesicht gegeben und die drei-Millionen-Metropole zur Musikhauptstadt Brasiliens aufsteigen lassen. Ausgelassenheit, Musikalität und folkloristische Verbundenheit sind Wesenszüge nahezu eines jeden Bahianers. „Musik und Tanz gehören in dieser Stadt zum täglichen Leben wie Essen und Trinken“, meint Irma und man sieht ihr an, dass auch sie dieses Lebensgefühl verinnerlicht hat. In ausnahmslos allen musikalischen Stilrichtungen, die in Bahia das Licht der Welt erblickten, spiegeln sich afrikanische Einflüsse wider. Am bekanntesten ist wohl der Axé – eine Mischung aus Samba, Pop und afrikanischer Musik, wie sie von Gilberto Gil und Daniela Mercury in die Welt getragen wurde. Noch heute erklingt Axé allabendlich in zahllosen Restaurants Salvadors. Für die aktuellsten Kompositionen stehen beispielsweise die Gruppen “Chiclette” und “Olodum”.

10 Olodum ist der Name einer Stiftung die sich um Kinder und Jugendliche in Salvador kümmert“Olodum” ist auch der Name einer Stiftung, die sich um Kinder und Jugendliche in der Stadt kümmert, denn noch immer sind Analphabetismus und eine hohe Jugendarbeitslosigkeit eklatante Probleme des heutigen Brasiliens. Es ist eine Freude, den Olodum-Trommlern und Tänzern bei den nachmittäglichen Proben und abendlichen Auftritten auf den Straßen des “Pelourinho” zuzuschauen, ihre Begeisterung und ihren Rhythmus zu teilen.

11 Früh übt sich    Jugendliche in Ribeira eifern bekannten Fußballstars nachEin ähnliches Projekt bringt im Stadtteil “Ribeira” Jugendliche durch Sport und Kunst aus dem sozialen Abseits. Etwa 100 Kinder und Jugendliche betreuen Fernanda Nunes und ihr Team hier täglich. Besuch bekommen sie dabei auch aus Deutschland von Reisenden des Tourveranstalters “viventura”, der von jeder Reise 30 Euro pro Teilnehmer für dieses Projekt abzweigt. Spricht man mit den Jugendlichen, so erhält man den Eindruck, dass sich die einstige Hoffnungslosigkeit in Motivation verwandelt hat: Beatriz will Kinderärztin werden, Adrian zieht es zum Fußball. “Ein Projektteilnehmer kämpft bereits mit der Nationalmannschaft der Ruderer um internationale Medaillen”, berichtet Fernanda nicht ohne Stolz. “Das spornt an und in Erwartung der Fußball-WM rechnen wir mit einer noch stärkeren Nachfrage von Kindern und Eltern aus unserem Stadtteil.”

Das würde sicher auch Christus gefallen.

Text und Fotografie: Michael Juhran

Kuba: Salsa, Sonne, Sinnlichkeit mit ärztlicher Begleitung erkunden

 Tanz_Kuba_web

Mit seinen alten Kolonialbauten, nostalgischen Autos und mitreißenden Salsa-Rhythmen ist Kuba Sehnsuchtsort vieler Reisender. Für Best Ager auf der Suche nach dem besonderen Flair der Karibikinsel bietet der Reiseveranstalter Tour Vital die 14-tägige Rundreise „Die Perle der Karibik“ mit ärztlicher Begleitung ab/bis Deutschland an. Geschäftsführer Hans Emde: „Kuba ist für Best Ager ein sehr attraktives Reiseland, für das keine Impfungen vorgeschrieben sind. Viele unserer Gäste können die Zuckerinsel unter den geschulten Augen eines mitreisenden Mediziners noch ein wenig mehr genießen.“

Als Spezialist für sanftes Reisen sorgt Tour Vital auf dieser Rundreise für tiefe Einblicke in das Leben der Einheimischen, beispielsweise beim Besuch der Zuckerrohrplantagen von Valle de los Ingenios, die seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen. Auch spannend: Klassiker wie das Wohnhaus des berühmten Schriftstellers Ernest Hemingway. Beim zweitägigen Aufenthalt in der kolonial geprägten Hauptstadt Havanna kommen besonders Kulturinteressierte auf ihre Kosten, ebenso wie bei der Besichtigung der Wallfahrtsbasilika El Cobre in Bayamo. Als besonderes Highlight wartet eine Kanonenschuss-Zeremonie am Hafen von Morro Castle auf die Gäste.
Per Nonstop-Flug geht es mit Condor von Frankfurt nach Holguín und von Varadero zurück nach Frankfurt. Sicherheit und Qualität stehen wie bei allen Reisen von Tour Vital an erster Stelle: Die Gäste sind in guten Mittelklassehotels und Vier-Sterne-Unterkünften untergebracht, und ein deutscher Arzt begleitet die Gruppe ab/bis Deutschland und ist rund um die Uhr verfügbar. Die Rundreise ist bereits ab 1.949 Euro pro Person im Doppelzimmer erhältlich.
Wer seine Kuba-Reise mit ein paar entspannten Strandtagen abrunden möchte, hängt einen fünftägigen Badeaufenthalt an den langen Sandstränden von Varadero, dem berühmtesten Badeort der Zuckerinsel, an. Die verlängerte, 19-tägige Rundreise gibt es schon ab 2.358 Euro pro Person.

Brasilien: Vorsorge bei Reisen zur WM und zum Karneval

Forum1

Pressekonferenz des Centrum für Reisemedizin im Vorfeld des 15. Forums Reisen und Gesundheit im Rahmen der ITB Berlin 2014

Sowohl der Karneval als auch die Fußballweltmeisterschaft werden Massen von Touristen in die jeweiligen Hochburgen Brasiliens locken. Der Karneval 2012 zählte allein in Rio circa 1,1 Millionen Besucher (davon ein Drittel Ausländer) und 425 „street parties“ mit 5,3 Millionen Teilnehmern (die bestbesuchte Einzelveranstaltung hatte 2,2 Millionen Teilnehmer). Der damit allein in Rio de Janeiro erzielte Umsatz betrug circa 850 Millionen US-Dollar.

Der Karneval findet von Ende Februar bis Anfang März statt. Hauptattraktion sind natürlich die Umzüge in Rio de Janeiro, wiewohl auch andernorts Karneval gefeiert wird. So gibt es bei organisierten Reisen beispielsweise auch Kombiangebote (zum Beispiel mit Salvador da Bahia). Orientierend rechnet man mit ähnlichen Zahlen wie in den Vorjahren.

Für die Fußballweltmeisterschaft werden laut aktuellen Schätzungen circa 600 000 Ausländer (also etwa doppelt so viele wie zum Karneval) in Brasilien erwartet. Ergänzend dazu sollte man auch nicht außer Acht lassen, dass die Olympischen Sommerspiele 2016 vom 5. bis 21. August 2016 in Rio de Janeiro (und Umgebung) stattfinden werden. Grundsätzlich gilt es, zwischen „INCOMING“ und „DOMESTIC“ TRAVEL/TOURISM zu unterscheiden. Einerseits bedeuten manche Aspekte dieser Massenveranstaltungen auch für den Binnentourismus ein (zusätzliches) Risiko, andererseits steuern die nationalen Reiseströme auch bestimmte Facetten zum Gesamtrisiko der internationalen Reisenden bei. Die folgenden Ausführungen sollen sich auf jene Personen beziehen, die aufgrund dieser Großereignisse (von Europa/Deutschland) nach Brasilien einreisen. Zwar mag es zwischen März (Karneval) und Juni/Juli (Fußball-WM) gewisse saisonale Unterschiede geben (Regenfälle, Temperatur), grundsätzliche Empfehlungen haben aber für beide Gruppen Gültigkeit. Zu berücksichtigen ist auch, dass (Fern-)Reisen dieser Art, abgesehen vom spezifischen Event, oftmals ja auch dafür genützt werden, zusätzliche Ausflüge zu unternehmen. Diese schließen häufig beliebte Touristenattraktionen wie die Wasserfälle in Iguazú oder das Amazonasgebiet mit ein, insofern gilt es, diese Tatsache in die Vorsorgeüberlegungen miteinzubeziehen.

Verletzungen und Unfälle

Das Hauptrisiko hinsichtlich ernst zu nehmender Gesundheitsgefahren sind zweifellos Verletzungen: im Straßenverkehr, durch kriminelle Übergriffe, bei Massenansammlungen durch Panik (Stampede) oder durch andere Unglücke (rezentes Beispiel vom Karneval 2013: Feuer in einem Nachtclub mit 238 Toten). Auch wenn es schwierig ist, hier allgemein gültige und in der Praxis auch umsetzbare Empfehlungen abzugeben, sollte man sich folgender Probleme bewusst sein:

+ Straßenverkehr (besondere Aufmerksamkeit, auf eigene Verkehrstüchtigkeit achten, keine leichtsinnigen Aktionen wie Fahren ohne Sturzhelm, bevorzugt öffentliche Verkehrsmittel/ Taxi, mit Mietwagen auf „guten“ Straßen bleiben)

+ Warnungen ernst nehmen (riskante Stadtgebiete meiden, in der Gruppe bleiben, keinen Reichtum demonstrieren [wertvoller Schmuck, Uhren, Unterhaltungselektronik, Fotoapparat, Filmkameras], Getränke im Auge behalten, nur so viel Geld bei sich führen, wie man auch bereit ist, bei Bedrohung ohne Widerstand abzugeben, schnittfeste Rucksäcke/Taschen; Frauen: ggf. Pfefferspray)

+ Massenansammlungen (Aufenthalt vor/im „Flaschenhalsbereich“ meiden, bei Stau frühzeitig ausscheren, ausreichend Zeit einrechnen, nicht drängeln, jederzeit Fluchtwege sondieren, unsicher empfundene Bereiche wie zum Beispiel überfüllte Räume, Bauelemente, die unter Belastung zu schwingen beginnen, Kontaktfelder „verfeindeter“ Fans/Konfliktzonen bei Demonstrationen meiden beziehungsweise ehestmöglich verlassen, wenn Krankheitswellen zu erwarten sind oder gerade laufen: Kontakte mit offensichtlich Kranken vorbeugen [Taxi statt öffentliche Verkehrsmittel, häufig Hände waschen/desinfizieren, ggf. Mundschutz], Vernunft walten lassen [notfalls Ticket verfallen lassen, Anweisungen des Sicherheitspersonals Folge leisten], Weitsicht [Gruppengröße, ortskundige erste Person/größte letzte Person, ständiger Körperkontakt, zum Beispiel Händehalten obligat, Notfalltreffpunkt vorab vereinbaren])

+ offensichtlich riskante Szenarien (überfüllter Raum mit offenem Feuer, Mitfahren in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln und mit betrunkenem oder Drogen-beeinträchtigtem Fahrer, einspurige Fahrzeuge [insbesondere Verzicht auf persönliche Schutzausrüstung], Einladung durch Fremde [Essen, Trinken, Mitfahren], offene, unbeaufsichtigte Getränke [K.-o.- Tropfen, Drogen], neue „Freunde“ [mit „nach Hause“ gehen], inoffizielle Deals „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“, Mitnahme von „Geschenken“ [Drogen!], Mutproben jeder Art [spezielles Risiko: Drogen-, übermäßiger Alkoholkonsum, Imponiergehabe], gewaltsame Auseinandersetzungen [sich nicht provozieren lassen!], als Einzelreisender [im Finstern auf schlecht beleuchteten Straßen unterwegs sein, Gepäcksbeaufsichtigung])

Infektionsprophylaxe

Auch bei der Infektionsprophylaxe ist korrektes Verhalten die wichtigste Maßnahme. Hierzu zählt die Nahrungshygiene, das Meiden von Tierkontakten einschließlich Mückenschutz (Dengue-Fieber!) und so weit möglich des Kontaktes mit möglicherweise/offensichtlich infizierten Personen (sexuell übertragbare Krankheiten, Atemwegsinfektionen [Tuberkulose!], Blutkontakt). All diese Maßnahmen setzen ein Mindestmaß an Zurechnungsfähigkeit voraus, insofern sollte Drogenkonsum gemieden und Alkohol nur in vernünftigen Mengen genossen werden.

Impfungen

In Ergänzung zu den Standardimpfungen ist ein Impfschutz gegen Hepatitis A, Typhus und Influenza (sowie bei Risikopersonen Pneumokokken) zu empfehlen. Je nach Sicherheitsbedürfnis, Reisestil und -modalitäten können, unter Berücksichtigung der Gesamtreiseplanung, auf individueller Basis die Impfungen gegen Meningokokken (Brasilien zuletzt deutliche Zunahme des Anteils von Serotyp C), Gelbfieber, Tollwut und Cholera (wegen Parallelschutz gegen ETEC) sinnvoll sein. Sowohl der Karneval als auch die WM findet im urbanen Umfeld statt – dieses gilt (auch im Amazonasgebiet wie zum Beispiel in Manaus) grundsätzlich als Malaria-frei (beziehungsweise mit minimalem Risiko, das den prophylaktischen Einsatz von Medikamenten nicht rechtfertigt). Konsequenter Moskitoschutz (tags und nachts) ist ohnedies angezeigt, abgesehen von Abenteuertrips in den Amazonas-Dschungel erscheint darüber hinaus eine medikamentöse Malariaprophylaxe in beiden Situationen verzichtbar.

Ergänzung

Für Reisende aus Europa bedeutet die Reise nach/von Brasilien jeweils einen Langstreckenflug. Hier ist eine Bewertung des Thromboserisikos und gegebenenfalls eine entsprechende Prophylaxe sinnvoll. Reisen in die Tropen bedeuten für die Haut (bedingt durch Wasser, Luft und Sonne) einen hohen Stressfaktor: Hautpflege und UV-Schutz haben einen hohen Stellenwert. Es kann immer etwas passieren – nicht die Reiseapotheke (einschließlich einer entsprechenden Reserve, wenn man regelmäßig Medikamente nimmt) vergessen. Die medizinische Versorgung kann je nach Region dürftig beziehungsweise in guten Einrichtungen auch sehr teuer sein. Nicht auf den Abschluss einer entsprechenden Reiseversicherung verzichten.

Schlussbemerkung

Die fünf Grundprinzipien der Vorsorge lauten:

DONʼT GET BIT! (keinerlei Tierkontakte, weder Hund noch Stechmücke)

DONʼT GET HIT! (Verhütung von Unfällen und Verletzungen)

DONʼT GET LIT! (kein übermäßiger Alkoholkonsum – und natürlich auch keine Drogen)

DONʼT DO IT! (kein direkter Blut- oder ungeschützter Sexualkontakt)

DONʼT EAT SHIT! (auf Nahrungshygiene achten)

Schon mit der Einhaltung dieser wichtigsten Verhaltensregeln lässt sich ein enormer Beitrag zu einem schönen Aufenthalt und einer gesunden Heimkehr leisten.

Professor DDr. Martin Haditsch
Ärztlicher Leiter der Labor Hannover MVZ GmbH und des TravelMedCenter Leonding, Österreich

Mit ärztlicher Begleitung nach Patagonien

Feuerland, Thomas Cook

Der Reiseveranstalter Thomas Cook bietet ab Sommer 2014 in dem Katalog „Rundreisen der sorglosen Art“ sieben neue ärztliche begleitete Reisen an. Eine der neuen Touren ist eine 15-tägige Rundreise durch Patagonien „Wilde Naturschönheit Patagoniens“. Die Tour die in Kooperation mit Tour Vital, Deutschlands Marktführer für ärztlich begleitete Rundreisen, veranstaltet wird, führt u.a. in die Nationalparks Torres del Paine, Perito Moreno, Los Glaciares und Feuerland sowie die südlichste Spitze des Kontinents.

Die 15-tägige Reise, beispielsweise am 11. Oktober 2014, ist ab 3.299 Euro pro Person buch-bar. Sie beinhaltet neben dem Linienflug mit der LATAM Airlines Group ab/nach Frankfurt nach Santiago de Chile und zurück ab Buenos Aires via São Paolo drei Inlandsflüge sowie alle Steuern und Gebühren. Zudem sind der Zug zum Flug, zwölf Übernachtungen in Vier-Sterne- oder guten Mittelklassehotels mit Frühstück, die Transfers in klimatisierten Reisebussen, Besichtigungen und Eintritte laut Programm, die Begleitung durch einen reiseerfahrenen Tour Vital-Arzt, eine deutschsprachige Reiseleitung sowie ein Reiseführer im Preis enthalten. Die Wintermonate von Oktober bis März gelten als die beste Reisezeit für die Region.