Brasilien: Mit der Rolltreppe zu Christus

Fotograf: M. Juhran, Rio ist in eine wunderschöne Landschaft eingebettet


Die Fußball-WM läuft und die Olympischen Sommerspiele 2016 in Brasilien rücken näher. Davon soll auch der Tourismus profitieren – ein Besuch in der “gefühlten” und in der “schwarzen Hauptstadt” des fünftgrößten Landes der Erde.

01 b alternativ christus 1Was mag er wohl denken, der 30 Meter hohe Christus, wenn sich am frühen Morgen die Besucher in großen Reisebussen, auf knatternden Motorrädern und in ethanolbetriebenen Autos Rios Pilgerberg „Corcovado“ hinauf rackern und an der Shuttlebus-Station eine riesige Schlange bilden? Wahrscheinlich wird ihm bereits jetzt vor dem zu erwartenden Ansturm im nächsten Jahr etwas bange. Seit 1931 blickt er von seinem 700 Meter hohen Felsen auf die am schönsten gelegene Stadt der Welt hinunter und genießt die pitoresken Panoramaaussichten auf die Strände von Copacabana und Ipanema, auf die Altstadt, das Maracanã-Fußballstadium, in dem am 13. Juli 2014 das WM-Endspiel ausgetragen wird, und den Zuckerhut.Manchmal würde er dabei sicher ungläubig den Kopf schütteln, wenn beispielsweise das Fußballspielen am Strand verboten wird oder sich einmal mehr die Verkaufsformalitäten für den Eintritt zum Gipfel des „Corcovado“ geändert haben. Dabei war eigentlich von vornherein klar, dass die Bestellung der Tickets im Internet nicht klappen kann und man irgendwann zum Verkauf an der Shuttlebus-Station zurückkehren muss. Viel Zeit zum Nachsinnen bleibt ihm nicht, denn schon eilen die ersten Touristen die letzten 215 Treppenstufen hinauf, um sich in Nachahmerpose mit ausgebreiteten Armen vor ihm fotografieren zu lassen oder um den besten Platz auf der kleinen Aussichtsplattform zu ergattern und voller Begeisterung hinunter auf die malerische “Guanabara-Bucht” zu schauen, wo sich das blaue Meer mit den Ausläufern des zentralbrasilianischen Hochlandes trifft und beide zu einem atemberaubenden Landschaftskunstwerk verschmelzen.

Schweißtreibende Treppen

Für einige dieser Besucher, die etwas mehr Gewicht mit sich herumtragen, sind die Treppen eine echte Herausforderung. Aber es geht auch einfacher: Nur wenige Meter vom Shuttle-Parkplatz entfernt überbrückt ein Fahrstuhl die Höhendifferenz und die letzten Meter zur Christus-Statue lassen sich dann mit Hilfe zweier Rolltreppen mühelos und ohne Schweißperlen unter der drückenden brasilianischen Sonne bewältigen. Christus wirkt wie ein Magnet und das nicht erst seit dem Papstbesuch. 74 Prozent der Brasilianer sind katholischen Glaubens und da gehört ein Besuch einfach zum guten Ton. Aber ein Foto vor einem der “neuen sieben Weltwunder” (seit 2007) ist auch bei ausländischen Touristen ein beliebtes Reiseandenken, das man gern mit in die Heimat nimmt und im Rahmen einer Diashow Verwandten und Freunden zeigt. Schaut man etwas genauer hin, kann man von der Aussichtsplattform auch eine andere Seite Rios entdecken: Die Favelas, die sich vorwiegend an die Berghänge am Rande der drittgrößten brasilianischen Metropole schmiegen. Es sind die Armenviertel, einstige Tabuzonen, die jahrzehntelang von Drogengangs regiert wurden, sich jetzt aber vorsichtig Zug um Zug dem Tourismus öffnen.

03 In der Favela Babilonia geht es bergauf

Aufschwung in der Favela “Babilônia”

Genau in der Blickrichtung der Christus-Statue, auf einem steilen Berghang zwischen Copacabana und Botafogo, liegt die Favela “Babilônia”. Auch sie gehörte einst zum Herrschaftsbereich des sogenannten “Dritten Kommandos” der Drogenhändler, die die Einwohner terrorisierten. 1997, vor dem damaligen Besuch des Papstes in Rio, kam es zu einem ersten Polizeieinsatz gegen die bewaffneten Drogengangs in “Babilônia” und im Jahr 2009 nahm die Polizei die Favela ohne Schusswaffengebrauch ein. Seit einigen Jahren hat nun beispielsweise der Berliner Südamerikaspezialist “viventura” eine geführte Tour durch diese Favela fest im Programm. Deisej und Marcelo aus der 3.400 Einwohner umfassenden Kommune führen gemeinsam mit Monika, der deutschen Rio-Reiseleiterin, durch ein Viertel, in dem es im Jahr 2008 noch zu Schußwechseln kam. “Vor vier Jahren schickte die Regierung ein Friedenpolizeicorps der UPP in unsere Favela und heute gehört sie zu den sichersten in Rio”, begrüßt Deisej ihre deutschen Gäste. Das liegt sicher auch an den Bewohnern, die hier einfach nur friedlich miteinander leben wollen. Bereits vor 15 Jahren starteten sie ein anderes Aufsehen erregendes Projekt. “Wir wollten es einfach nicht mehr hinnehmen, dass unsere mühsam errichteten Behausungen Erdrutschen zum Opfer fallen”, beschreibt Deisej die damalige Aufbruchstimmung. “Einer hatte die Idee, die Erdoberfläche auf dem Bergrücken zu befestigen, indem man den fast vollständig abgeholzten atlantischen Regenwald wieder aufforstet.” 200.000 Bäume wurden seitdem gepflanzt – eine ganze Reihe von Monika und deutschen Touristen – und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

“They don´t care about us”

Die Favela “Babilônia“ gehört heute neben der durch Michael Jacksons Video “They don´t care about us” bekannt gewordenen Favela “Santa Marta” zu den Vorzeigeobjekten in Rio. Ein dichter Regenwald mit unzähligen Baumarten bedeckt die Bergkuppe, die kürzlich den Status eines Naturparks zugesprochen erhielt, und vom Gipfel eröffnen sich grandiose Blicke auf den benachbarten Zuckerhut, auf die Copacabana zur Rechten und Botafogo zur Linken. Alle Bewohner der Favela verfügen heute über Elektrizität und Leitungswasser, die Kinder tollen auf ihrem neuen Spielplatz herum und es gibt eine Schule. Geführte Touristengruppen werden hier gern gesehen und Deisej vermietet bereits ein ausgebautes Zimmer an ausländische Gäste, die vorwiegend aus Europa kommen.

Schlendert man bei Tageslicht die Copacabana entlang, ergötzt sich an den Aussichten vom Zuckerhut, probiert Karnevalkostüme im Sambódromo oder kämpft sich durch die Altstadt und genießt seinen Kaffee in der ehrwürdigen “Confeitaria Colombo”, so kann man sich kaum vorstellen, dass in Rio noch immer Drogengangs ihre Rivalitäten mit Waffengewalt ausfechten. Doch bereits beim Besuch des Künstlerviertels “Santa Teresa” lässt man angesichts zwielichtiger Gestalten, denen die Körperbeherrschung zeitweilig abhanden kommt, eine gesunde Vorsicht walten. Und an der mit bunten Fliesen aus über 150 Ländern verzierten Treppe des chilenischen Künstlers Jorge Selarón muss man erfahren, dass die Leiche des im In- und Ausland populären Künstlers hier vor zwei Jahren verkohlt aufgefunden wurde. Niemand will so recht an Selbstmord glauben. Manche Cariocas, wie sich die Einwohner Rios selbst nennen, meinen gar, dass sich die Drogenkriminalität seit der Etablierung von Friedenpolizeicorps von den Favelas in die Innenstadt verlagert hat.

So gibt es bis zur Fußball-WM in Sachen Sicherheit noch einiges zu tun, doch die Cariocas sind zuversichtlich. Nicht nur für sie ist Rio noch immer die “gefühlte Hauptstadt” Brasiliens, obwohl die Sechs-Millionen Metropole seit 1960 offiziell auf diesen Status verzichten muss, als in der Retortenstadt Brasilia die Regierungsgeschäfte aufgenommen wurden.

Salvador de Bahia – das schwarze Rom

M. Juhran: Reichlich Blattgold verziert das Innere der Franziskus-Kirche in Salvador

 Noch vor Rio, nämlich bis 1763, war Salvador da Bahia mehr als zwei Jahrhunderte lang die Hauptstadt der damaligen portugiesischen Kolonie. Man nannte sie damals aufgrund der Vielzahl an Barockkirchen, Kathedralen und Paläste sowie der überwiegend dunkelhäutigen Bevölkerung auch “Das schwarze Rom”. Noch heute gilt sie als die schwarze Metropole des Landes. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates Bahia stammen von den vier bis fünf Millionen Sklaven ab, die von den Portugiesen in vier Jahrhunderten vornehmlich aus den heutigen Regionen Angolas, Mocambiques, Nigerias, Benins und des Kongo nach Brasilien verschleppt wurden. Entrechtet und erbarmunglos ausgebeutet, gelang es ihnen dennoch über Jahrhunderte ein wenig von ihrer einstigen Heimat zu erhalten, an das sie sich klammern und neuen Lebensmut schöpfen konnten, während sie auf Zuckerrohrplantagen und als Haussklaven schufteten. Erst 1888 beendete Brasilien diese Form der Ausbeutung als letzter Staat der Welt, die Briten hatten den Sklavenhandel per Gesetz 1831 verboten.

09 Junge Trommler vor der Franziskus-Kirche in SalvadorAn jeder Ecke trifft man in der mit 2,7 Millionen Einwohnern drittgrößten Stadt Brasiliens auf Zeitzeugnisse aus der Sklaverei. Die Altstadt “Pelourinho”, zu deutsch Pranger, erinnert an eine besonders dunkle Seite der Sklavenzeit, als schwarze Arbeiter hier öffentlich ausgepeitscht wurden. Nicht weit vom einstigen Standort des Prangers entfernt befindet sich die Kirche der Sklaven, denen der Eintritt in die prunkvollen Gotteshäuser der Weißen strengstens verboten war. Am “Praca da Sé ist dem Führer schwarzer Aufständischer ein Denkmal gewidmet, fast alle Rebellen wurden im Februar 1694 blutig dahingemezelt.

Hinter der Zumbi-Statue geben heute Capoeira-Kämpfer eine Kostprobe aus afrikanischem Kampfsport, vermischt mit ästhetischem Tanz. Keine hundert Meter weiter stößt man auf die reichlich mit Blattgold verzierten Innenräume der Basilika Kathedrale und ihr gegenüber der berühmten Franziskuskirche, die zudem mit wunderschönen Blaufliesenmalereien verziert ist. “Beide zeugen vom einstigen Reichtum Salvadors, der nicht nur vom Sklavenhandel rührte, sondern sich auch aus den Goldfunden im 18. Jahrhundert generierte, als man in den Minas Gerais 80 Prozent der Weltproduktion schürfte”, weiß Irma Hellwig zu berichten, die seit einigen Jahren deutsche Touristen durch ihre Wahlheimat führt.

Der Klang der Trommeln

Irma ist von der starken Verwurzelung afrikanischer Religionen, Riten, der Küche und Kultur in Salvador fasziniert. Und sie freut sich darüber, dass der afrikanische Glaube des Candomblé mit dem Erstarken des Selbstbewußtseins der schwarzen Bevölkerung neuen Aufschwung genommen hat. “Heute können selbst Touristen an Zeremonien teilnehmen, die noch vor etwa 100 Jahren ein völliges Tabu waren”, sagt Irma. In weißer Kleidung tanzen sich dabei Heiligentöchter in Trance, wobei Orixa-Götter von ihren Körpern Besitz ergreifen und so die Kommunikation zwischen Menschen und Göttern ermöglichen sollen.

Der rhythmische Klang der Trommeln des Condomblé ist täglich im Pelourinho vernehmbar. Er hat der Musikkultur der drittgrößten brasilianischen Stadt ein eigenes Gesicht gegeben und die drei-Millionen-Metropole zur Musikhauptstadt Brasiliens aufsteigen lassen. Ausgelassenheit, Musikalität und folkloristische Verbundenheit sind Wesenszüge nahezu eines jeden Bahianers. „Musik und Tanz gehören in dieser Stadt zum täglichen Leben wie Essen und Trinken“, meint Irma und man sieht ihr an, dass auch sie dieses Lebensgefühl verinnerlicht hat. In ausnahmslos allen musikalischen Stilrichtungen, die in Bahia das Licht der Welt erblickten, spiegeln sich afrikanische Einflüsse wider. Am bekanntesten ist wohl der Axé – eine Mischung aus Samba, Pop und afrikanischer Musik, wie sie von Gilberto Gil und Daniela Mercury in die Welt getragen wurde. Noch heute erklingt Axé allabendlich in zahllosen Restaurants Salvadors. Für die aktuellsten Kompositionen stehen beispielsweise die Gruppen “Chiclette” und “Olodum”.

10 Olodum ist der Name einer Stiftung die sich um Kinder und Jugendliche in Salvador kümmert“Olodum” ist auch der Name einer Stiftung, die sich um Kinder und Jugendliche in der Stadt kümmert, denn noch immer sind Analphabetismus und eine hohe Jugendarbeitslosigkeit eklatante Probleme des heutigen Brasiliens. Es ist eine Freude, den Olodum-Trommlern und Tänzern bei den nachmittäglichen Proben und abendlichen Auftritten auf den Straßen des “Pelourinho” zuzuschauen, ihre Begeisterung und ihren Rhythmus zu teilen.

11 Früh übt sich    Jugendliche in Ribeira eifern bekannten Fußballstars nachEin ähnliches Projekt bringt im Stadtteil “Ribeira” Jugendliche durch Sport und Kunst aus dem sozialen Abseits. Etwa 100 Kinder und Jugendliche betreuen Fernanda Nunes und ihr Team hier täglich. Besuch bekommen sie dabei auch aus Deutschland von Reisenden des Tourveranstalters “viventura”, der von jeder Reise 30 Euro pro Teilnehmer für dieses Projekt abzweigt. Spricht man mit den Jugendlichen, so erhält man den Eindruck, dass sich die einstige Hoffnungslosigkeit in Motivation verwandelt hat: Beatriz will Kinderärztin werden, Adrian zieht es zum Fußball. “Ein Projektteilnehmer kämpft bereits mit der Nationalmannschaft der Ruderer um internationale Medaillen”, berichtet Fernanda nicht ohne Stolz. “Das spornt an und in Erwartung der Fußball-WM rechnen wir mit einer noch stärkeren Nachfrage von Kindern und Eltern aus unserem Stadtteil.”

Das würde sicher auch Christus gefallen.

Text und Fotografie: Michael Juhran

Brasilien: Vorsorge bei Reisen zur WM und zum Karneval

Forum1

Pressekonferenz des Centrum für Reisemedizin im Vorfeld des 15. Forums Reisen und Gesundheit im Rahmen der ITB Berlin 2014

Sowohl der Karneval als auch die Fußballweltmeisterschaft werden Massen von Touristen in die jeweiligen Hochburgen Brasiliens locken. Der Karneval 2012 zählte allein in Rio circa 1,1 Millionen Besucher (davon ein Drittel Ausländer) und 425 „street parties“ mit 5,3 Millionen Teilnehmern (die bestbesuchte Einzelveranstaltung hatte 2,2 Millionen Teilnehmer). Der damit allein in Rio de Janeiro erzielte Umsatz betrug circa 850 Millionen US-Dollar.

Der Karneval findet von Ende Februar bis Anfang März statt. Hauptattraktion sind natürlich die Umzüge in Rio de Janeiro, wiewohl auch andernorts Karneval gefeiert wird. So gibt es bei organisierten Reisen beispielsweise auch Kombiangebote (zum Beispiel mit Salvador da Bahia). Orientierend rechnet man mit ähnlichen Zahlen wie in den Vorjahren.

Für die Fußballweltmeisterschaft werden laut aktuellen Schätzungen circa 600 000 Ausländer (also etwa doppelt so viele wie zum Karneval) in Brasilien erwartet. Ergänzend dazu sollte man auch nicht außer Acht lassen, dass die Olympischen Sommerspiele 2016 vom 5. bis 21. August 2016 in Rio de Janeiro (und Umgebung) stattfinden werden. Grundsätzlich gilt es, zwischen „INCOMING“ und „DOMESTIC“ TRAVEL/TOURISM zu unterscheiden. Einerseits bedeuten manche Aspekte dieser Massenveranstaltungen auch für den Binnentourismus ein (zusätzliches) Risiko, andererseits steuern die nationalen Reiseströme auch bestimmte Facetten zum Gesamtrisiko der internationalen Reisenden bei. Die folgenden Ausführungen sollen sich auf jene Personen beziehen, die aufgrund dieser Großereignisse (von Europa/Deutschland) nach Brasilien einreisen. Zwar mag es zwischen März (Karneval) und Juni/Juli (Fußball-WM) gewisse saisonale Unterschiede geben (Regenfälle, Temperatur), grundsätzliche Empfehlungen haben aber für beide Gruppen Gültigkeit. Zu berücksichtigen ist auch, dass (Fern-)Reisen dieser Art, abgesehen vom spezifischen Event, oftmals ja auch dafür genützt werden, zusätzliche Ausflüge zu unternehmen. Diese schließen häufig beliebte Touristenattraktionen wie die Wasserfälle in Iguazú oder das Amazonasgebiet mit ein, insofern gilt es, diese Tatsache in die Vorsorgeüberlegungen miteinzubeziehen.

Verletzungen und Unfälle

Das Hauptrisiko hinsichtlich ernst zu nehmender Gesundheitsgefahren sind zweifellos Verletzungen: im Straßenverkehr, durch kriminelle Übergriffe, bei Massenansammlungen durch Panik (Stampede) oder durch andere Unglücke (rezentes Beispiel vom Karneval 2013: Feuer in einem Nachtclub mit 238 Toten). Auch wenn es schwierig ist, hier allgemein gültige und in der Praxis auch umsetzbare Empfehlungen abzugeben, sollte man sich folgender Probleme bewusst sein:

+ Straßenverkehr (besondere Aufmerksamkeit, auf eigene Verkehrstüchtigkeit achten, keine leichtsinnigen Aktionen wie Fahren ohne Sturzhelm, bevorzugt öffentliche Verkehrsmittel/ Taxi, mit Mietwagen auf „guten“ Straßen bleiben)

+ Warnungen ernst nehmen (riskante Stadtgebiete meiden, in der Gruppe bleiben, keinen Reichtum demonstrieren [wertvoller Schmuck, Uhren, Unterhaltungselektronik, Fotoapparat, Filmkameras], Getränke im Auge behalten, nur so viel Geld bei sich führen, wie man auch bereit ist, bei Bedrohung ohne Widerstand abzugeben, schnittfeste Rucksäcke/Taschen; Frauen: ggf. Pfefferspray)

+ Massenansammlungen (Aufenthalt vor/im „Flaschenhalsbereich“ meiden, bei Stau frühzeitig ausscheren, ausreichend Zeit einrechnen, nicht drängeln, jederzeit Fluchtwege sondieren, unsicher empfundene Bereiche wie zum Beispiel überfüllte Räume, Bauelemente, die unter Belastung zu schwingen beginnen, Kontaktfelder „verfeindeter“ Fans/Konfliktzonen bei Demonstrationen meiden beziehungsweise ehestmöglich verlassen, wenn Krankheitswellen zu erwarten sind oder gerade laufen: Kontakte mit offensichtlich Kranken vorbeugen [Taxi statt öffentliche Verkehrsmittel, häufig Hände waschen/desinfizieren, ggf. Mundschutz], Vernunft walten lassen [notfalls Ticket verfallen lassen, Anweisungen des Sicherheitspersonals Folge leisten], Weitsicht [Gruppengröße, ortskundige erste Person/größte letzte Person, ständiger Körperkontakt, zum Beispiel Händehalten obligat, Notfalltreffpunkt vorab vereinbaren])

+ offensichtlich riskante Szenarien (überfüllter Raum mit offenem Feuer, Mitfahren in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln und mit betrunkenem oder Drogen-beeinträchtigtem Fahrer, einspurige Fahrzeuge [insbesondere Verzicht auf persönliche Schutzausrüstung], Einladung durch Fremde [Essen, Trinken, Mitfahren], offene, unbeaufsichtigte Getränke [K.-o.- Tropfen, Drogen], neue „Freunde“ [mit „nach Hause“ gehen], inoffizielle Deals „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“, Mitnahme von „Geschenken“ [Drogen!], Mutproben jeder Art [spezielles Risiko: Drogen-, übermäßiger Alkoholkonsum, Imponiergehabe], gewaltsame Auseinandersetzungen [sich nicht provozieren lassen!], als Einzelreisender [im Finstern auf schlecht beleuchteten Straßen unterwegs sein, Gepäcksbeaufsichtigung])

Infektionsprophylaxe

Auch bei der Infektionsprophylaxe ist korrektes Verhalten die wichtigste Maßnahme. Hierzu zählt die Nahrungshygiene, das Meiden von Tierkontakten einschließlich Mückenschutz (Dengue-Fieber!) und so weit möglich des Kontaktes mit möglicherweise/offensichtlich infizierten Personen (sexuell übertragbare Krankheiten, Atemwegsinfektionen [Tuberkulose!], Blutkontakt). All diese Maßnahmen setzen ein Mindestmaß an Zurechnungsfähigkeit voraus, insofern sollte Drogenkonsum gemieden und Alkohol nur in vernünftigen Mengen genossen werden.

Impfungen

In Ergänzung zu den Standardimpfungen ist ein Impfschutz gegen Hepatitis A, Typhus und Influenza (sowie bei Risikopersonen Pneumokokken) zu empfehlen. Je nach Sicherheitsbedürfnis, Reisestil und -modalitäten können, unter Berücksichtigung der Gesamtreiseplanung, auf individueller Basis die Impfungen gegen Meningokokken (Brasilien zuletzt deutliche Zunahme des Anteils von Serotyp C), Gelbfieber, Tollwut und Cholera (wegen Parallelschutz gegen ETEC) sinnvoll sein. Sowohl der Karneval als auch die WM findet im urbanen Umfeld statt – dieses gilt (auch im Amazonasgebiet wie zum Beispiel in Manaus) grundsätzlich als Malaria-frei (beziehungsweise mit minimalem Risiko, das den prophylaktischen Einsatz von Medikamenten nicht rechtfertigt). Konsequenter Moskitoschutz (tags und nachts) ist ohnedies angezeigt, abgesehen von Abenteuertrips in den Amazonas-Dschungel erscheint darüber hinaus eine medikamentöse Malariaprophylaxe in beiden Situationen verzichtbar.

Ergänzung

Für Reisende aus Europa bedeutet die Reise nach/von Brasilien jeweils einen Langstreckenflug. Hier ist eine Bewertung des Thromboserisikos und gegebenenfalls eine entsprechende Prophylaxe sinnvoll. Reisen in die Tropen bedeuten für die Haut (bedingt durch Wasser, Luft und Sonne) einen hohen Stressfaktor: Hautpflege und UV-Schutz haben einen hohen Stellenwert. Es kann immer etwas passieren – nicht die Reiseapotheke (einschließlich einer entsprechenden Reserve, wenn man regelmäßig Medikamente nimmt) vergessen. Die medizinische Versorgung kann je nach Region dürftig beziehungsweise in guten Einrichtungen auch sehr teuer sein. Nicht auf den Abschluss einer entsprechenden Reiseversicherung verzichten.

Schlussbemerkung

Die fünf Grundprinzipien der Vorsorge lauten:

DONʼT GET BIT! (keinerlei Tierkontakte, weder Hund noch Stechmücke)

DONʼT GET HIT! (Verhütung von Unfällen und Verletzungen)

DONʼT GET LIT! (kein übermäßiger Alkoholkonsum – und natürlich auch keine Drogen)

DONʼT DO IT! (kein direkter Blut- oder ungeschützter Sexualkontakt)

DONʼT EAT SHIT! (auf Nahrungshygiene achten)

Schon mit der Einhaltung dieser wichtigsten Verhaltensregeln lässt sich ein enormer Beitrag zu einem schönen Aufenthalt und einer gesunden Heimkehr leisten.

Professor DDr. Martin Haditsch
Ärztlicher Leiter der Labor Hannover MVZ GmbH und des TravelMedCenter Leonding, Österreich