Kolumbien: Koloniale Städte und durchtanzte Nächte

 

4720800847_4881d5a5b9_b

In Cartagena wurde kolumbianische Geschichte geschrieben.

Als das Schiff nach links schwankt, setzt die Band einen Moment aus. „Uuuff“ stöhnt die tanzende Menge, die sich barfuß zu den Klängen kolumbianischer Volksmusik wiegt und weicht Taschen, Schuhen und leeren Bierdosen aus, die Richtung Fenster rollen. Doch eine Sekunde später hat der Trommelspieler die Finger wieder auf den Bongos und die Tänzer die Arme um die Hüften ihrer Partner gelegt.

Wir sind auf dem Weg zu den Islas de Rosarios, einer kleinen Inselgruppe vor der Karibikküste Kolumbiens. Vor unseren Augen zieht eine exotische Landschaft vorbei. Kleine strohgedeckte Hütten, erbaut auf Korallenriffen, inmitten von türkisblauem Wasser. Dazwischen dümpeln Fischerboote, die für einen Spottpreis Delikatessen verkaufen: im Plastikbecher wird rohes Garnelen- oder Langustenfleisch angeboten, das der Verkäufer mit gehackten Zwiebelchen, Limettensaft und scharfer Soße verfeinert. Unsere Mitreisenden sind von Panorama und Meeresfrüchten allerdings wenig beeindruckt. Sie wollen sich amüsieren und das bedeutet in Kolumbien in erster Linie: tanzen und trinken. Wer hier nicht die Hüften schwingt, fällt auf.

La Heroica

Schon bevor wir in Cartagena, dem Ausgangshafen der Tagesreise, anlegen, sind die dicken Mauern zu erkennen, die die Stadt ringförmig umschließen. Zu Kolonialzeiten war Cartagena eines der wichtigsten Handelszentren der neuen Welt: Von hier wurden die im Kampf erbeuteten und von den Indios abgepressten Schätze nach Spanien verschifft. Nachdem 1586 der legendäre Pirat Francis Drake Cartagena überfallen und die spanische Krone um Tausende von Golddukaten erleichtert hatte, ließ Philipp II. den Bau einer Festungsanlage um die Stadt anordnen. Über 200 Jahre dauerte die Errichtung des steinernen Bollwerks, das vielen Angriffen erfolgreich standhielt. Zum Schluss mussten sogar die Erbauer vor ihrer eigenen Anlage kapitulieren. Als die Spanier nach der Unabhängigkeitserklärung von Cartagena im Jahre 1811 die abtrünnige Kolonie wieder zurückerobern wollten, scheiterte die Flotte an der Festung. Die Stadt musste in jahrelanger Belagerung ausgehungert werden. Die heldenhafte Verteidigung trug Cartagena den Beinamen „La Heroíca“ ein. Berühmt wurde sie aber vor allem, weil im Schutz ihrer Mauern der Unabhängigkeitsgedanke Gestalt annahm.

Hier schrieb Simón Bolívar sein berühmtes Manifest, in dem er die Freiheit Amerikas proklamierte. 1986 erklärte die Unesco Cartagena wegen ihres historischen Zentrums und der kolonialen Bedeutung zum Kulturerbe der Menschheit. In Kolumbien heißt die Stadt schlicht „La Reina“, die Königin. Lange hängende Balkone mit überquellendem Blumenschmuck zieren die prächtigen Herrenhäuser. Hinter den ockerfarbenen, meerblauen und sienagelben Fassaden fällt der Blick durch kunstvoll verzierte Eingangsportale: Dahinter verbergen sich schattige Innenhöfe, voll gestellt mit tropischen Pflanzen, die das Sonnenlicht filtern.

Die Architektur, die an Sevilla oder Granada erinnert, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass man sich im karibischen Teil Kolumbiens befindet. Hier spielt sich das Leben nicht hinter ehrwürdigen Häuserfassaden ab, sondern auf der Straße. „A la orden!“ „Stets zu Diensten!“ Dieser Ruf begleitet den Besucher, während er durch die Gassen flaniert. „Frisch gepresste Säfte, Banane, Guyabana, Ananas“. Stakkatoartig preisen die Händler ihre Ware an. „Brombeere, Tomate, Möhre“, fallen die Konkurrenten ein. Hier werden alle Sinne gleichzeitig angesprochen: Bauchladenverkäufer bieten Lose, Kaugummis und Zigaretten feil, auf wackligen Grills rösten Fleischspießchen, Maistortillas und fettglänzende Würste, aus großen Thermoskannen wird der stark gesüßte schwarze Kaffee in daumengroßen Pappbechern ausgeschenkt. Es riecht scharf nach Gebratenem, würzig nach gemahlenem Kaffee, süß nach Kokosplätzchen, salzig nach Meer, aber auch nach verdorbenen Lebensmitteln, Hundekot, Schweiß und billigem Deodorant. Und überall ist Musik. Aus jeder Bude, aus jedem Laden hämmert, trommelt und schmachtet es, in jedem Bus, Taxi oder eben auf dem Schiff: Salsa, Rumba, Merengue und Vallenato. Wenn die Sonne untergeht – jeden Tag pünktlich um sechs Uhr – schwillt die Lautstärke auf den Straßen noch einmal an. Dann werden riesige Lautsprecher auf die Veranda geschleppt oder in die offenen Fenster gestellt.

Wir sitzen in einem Eckrestaurant bei gegrilltem Fisch und Salat und beobachten die ersten Nachtschwärmer: Die Frauen aufregend zurechtgemacht in engen Röcken, hohen Plateauschuhen und knappen Blüschen, die Männer brav in Jeans und T-Shirt. In Kolumbien soll die Frau dem Mann gefallen und nicht umgekehrt. Die Nacht hat gerade erst begonnen. Aus dem Lautsprecher schallen Liedfetzen, irgendetwas mit Liebe. Ein paar Stunden später, auf dem Weg in unser Hotel, läuft an der Ecke immer noch Musik. Jetzt ist sie schnell und grell, der Rhythmus lässt Beine und Hüfte zittern, es läuft ein Song der bekanntesten Merengue-Hip-Hop- Band in diesem Land, ein Song von Proyecto Uno. Auf der Straße tanzen Pärchen, die Musik wird noch einen Tick schneller, steigert sich, jetzt kommt der Refrain und alle singen mit: „Somos Latinos.“

Ulrike Schattenmann

 

Kolumbien: Gewinnspiel

Mit viventura nach Kolumbien

Fantastische Naturerlebnisse vom Regenwald bis zu den Gipfeln der Anden, Eintauchen in die multikulturelle Vielfalt des Stadt- und Landlebens und Begegnungen mit archäologischen Kunstwerken sowie kolonialer Architektur. Beim Berliner Lateinamerikaspezialisten viventura kann man noch bis zum 7. Januar einen Urlaub in Kolumbien gewinnen. Voraussetzung ist die Teilnahme an einer „Glücksbringersuche“ auf der Internetseite des Reiseveranstalters www.viventura.de. Um einen der fünf ausgelobten Hin- und Rückflüge nach Kolumbien zuzüglich 1.000 Euro Taschengeld zu gewinnen, müssen die Teilnehmer auf kreative Weise ihre Teilnahme am Gewinnspiel kommunizieren.

Die Gewinner werden von einer professionellen Jury (viMarketing Team, Proexport, Lufthansa und Canon) ausgewählt und am 21. Januar 2013 bekannt gegeben.

1.-5. Platz jeweils Hin- und Rückflug nach Kolumbien (Reisezeit: Februar-Mai 2013 – minimum Aufenthalt 2 Wochen) + 1.000 Euro Taschengeld.

Das Team vom Weltreisejournal wünscht viel Glück!