Kuba: Segeln ist die beste Medizin gegen Stress

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Wir sind gestresst, wollen raus aus dem Alltag, rein ins karibische Abenteuer. Endlich Urlaub. Abschalten, Baden, Energie tanken. Da ist Segeln auf Kuba die beste Medizin. Vor der Küste der größten Antillen-Insel kommt die Entschleunigung von ganz allein.
Unser Katamaran liegt in Cienfuegos, der alten Hafenstadt im südlichen Zentral-Kuba. Hier gibt es den bislang einzigen Yachtcharter-Hafen der Insel. Schon heute platzt er aus allen Nähten. Bald wird die Marina wachsen, 300 Liegeplätze sind geplant, alles soll moderner werden. Die Zukunftsmusik klingt so: Die Uferpromenade wird erneuert, ein Hotel- und Apartment-Komplex wird entstehen, Cafés und Einkaufmöglichkeiten ergänzen das neue Ensemble zwischen dem Hafen und dem in die Jahre gekommenen Hotel Jagua. Allen ist klar: es gibt viel zu tun.

 

k1024_car_purple_cienfuegos_loKeine Zeit zum Faulenzen

Bevor es aufs Meer „geht“ heißt es zunächst Wasser tanken, Proviant besorgen und die Ausschiffungsformalien erledigen. Das geschieht im Büro des freundlichen Hafenkapitäns, und nimmt einige Stunden in Anspruch. Am nächsten Morgen endlich setzen wir Segel. Ausgestattet mit Bade- und Schnorchel-Equipment führt uns ein guter Wind zu Trinidads stadtnahem Hafen Casilda. Trotz bröckelnder Fassaden hat die kunterbunte, koloniale Welterbe-Stätte den Glanz vergangener Tage nicht verloren. Einige Gebäude entlang der alten Pflasterstraßen sehen hellwach aus, andere scheinen zu schlafen. Die Fenster der Häuser bestehen aus beweglichen, um die Längsachse drehbaren Holzleisten. Wie Augenlider kann man sie auf- und zuklappen. Diese natürliche Air-Kondition lindert die Hitze, die über Trinidad liegt.

Robinson-Crusoe-Land

Auf dem Meer ist es viel angenehmer. Selbst unter weitgereisten Fahrensleuten gilt Kuba als unvergleichliches Segelrevier. Der große Vorteil gegenüber anderen Karibik-Inseln ist die Tatsache, dass die einsamen Buchten und palmengesäumten Strände mit keiner Yacht, mit keinem anderen Segelboot geteilt werden müssen. Hier ist Robinson-Crusoe-Land pur. Es „regiert“ das Gefühl von absoluter Freiheit.
k1024_catamaran_2_family_varadero_loFischen und Segeln gehören auf unserer Reise zusammen. Wir sind gut ausgerüstet. Doch leider taugen unsere mitgebrachten Angeln nicht viel. Das merken wir schon nach kurzer Zeit. Immer wieder wird der Köder abgebissen und verschwindet in den Weiten des Meeres. Zurück bleibt nur ein Stück Angelschnur. Alberto, unser Skipper, betrachtet milde lächelnd unsere „Angelkünste“. Als die Angst über ein wahrscheinlich ausbleibendes Abendessen zu groß wird, packt er endlich sein Hochsee-Gerät aus. Doch auch das bietet keine Garantie fürs Dinner. Als schon kaum noch Hoffnung besteht, nähern sich wie aus dem Nichts Fischer-Freunde von Alberto. Pablo, ein älterer, drahtiger Mann mit zerlöchertem Unterhemd, schwingt sich zu uns herüber. Die Männer begrüßen sich herzlich. Mit einer Büchse „Cristal“, dem beliebtesten Bier der Kubaner, wird zünftig auf die Begegnung angestoßen. Dann erzählt Pablo von seinem Fang: Ein Fünf-Kilo-Red-Snapper und zwei Kilo Scampi sind ihm ins „Netz“ gegangen. Uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Es kommt zum Tauschgeschäft.

Bier gegen Fisch
Rum und eine Palette Cristal gegen ein zünftiges Abendessen. Die Freude ist gegenseitig. Schließlich kommt man auf See nicht alle Tage so leicht zum Bier. Und wir? Wir sind glücklich über fangfrischen Fisch mit Meeresfrüchten.
Es ist nicht leicht, außerhalb der größeren Ortschaften einzukaufen. Auf Kuba ist immer noch Improvisationstalent sehr gefragt. Es mangelt an vielen Dingen. Gleichwohl steht das Land erfolgreicher da als die meisten Nachbarinseln. Neben einem sehr hohen Standard im Bildungs- und Gesundheitswesen, gelingt es Kuba immer besser, die eigene Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Kindersterblichkeit ist geringer als in den USA. Und trotz der allgegenwärtigen Engpässe gibt es hier die geringste Kriminalitätsrate in der Karibik.
k1024__mg_3883__Aber wir sind nicht zum Politisieren nach Kuba gekommen, von jetzt an gehört unsere ungeteilte Aufmerksamkeit dem Meer. Gerade das Segelrevier vor der Südküste bietet den Abenteuerlustigen, den Freizeitmatrosen, Tauchern und Anglern ein aus 660 unbewohnten kleinen Koralleninseln bestehendes Naturparadies. Ein sehr schönes Eiland ist das Cayo Iguana, die Insel der Leguane. Bewohnt von einem kubanischen Ehepaar, zirka 10.000 Leguanen und einer Million Einsiedler-Krebsen. Gott sei Dank vermieten die beiden alles, was es braucht, um die Insel zu erkunden.

k1024_kayak_cayo_iguana Uns genügt dazu ein knallgelbes, nagelneues Kajak. Es bringt uns um das kleine Stück Erde im Meer. Nach drei Stunden wird es Zeit für den Katamaran. Voller tierischer Eindrücke steigen wir in das Schlauchboot. Es muss nur noch angelassen werden.
Optimistisch nimmt unser Freund Thomas die Startschnur in die Hand. Kraftvoll zieht er am Starter. Der Motor gluckert kurz und bleibt stumm. Eine solche Art von Ungehorsam ist Thomas nicht gewöhnt. Er zieht ein zweites Mal. Noch kräftiger. Karibisch gelassen sagt der Motor wieder nichts. Nun platzt Thomas der Kragen. Mit Brachialgewalt reißt er die Schnur nach oben … und hat sie in der Hand.
Katamaran adieu!
Wie sollen wir nur zu unserem schwimmenden Zuhause kommen? Zu allem Unglück geht auch noch der Tag zur Neige, die Dämmerung bricht herein und unser Skipper ermahnt uns per Nebelhorn zur Eile.
Jetzt ist guter Rat teuer. Als die anwesenden Damen sich bereits auf interessante Stunden mit ihren Leguanen eingerichtet haben, tauchen überraschend bärtige Lebensretter auf. Sie entpuppen sich als freundliche Fischer. Tatkräftig nehmen unser Schlauchboot an die Hand und ziehen es die 500 Meter übers Meer bis zu unserem Ankerplatz. Kaum an Bord bedauern die Damen das nicht vollzogene Iguana-Abenteuer. Aber der Abend wird noch groß! In echt kubanischer Manier feiern wir mit Rum die Salsa-Nacht.
Am nächsten Morgen blicken wir wie Kolumbus in ein grünes Panorama mit menschenleeren, weißen Sandbänken. Mangrovenhölzer zieren wie Kunstwerke den Strand. Rund um unseren Katamaran tanzen kleine Schaumkronen, fordern uns auf, ins salzige Nass zu springen. Ausgelassen und frei wie Kinder. Die Welt unter Wasser ist Lebensraum für rund fünfzig Korallenarten und über 500 Fisch-Gattungen. Die bekanntesten sind unter ihnen: Barracudas, Snappers und Thunfische. Das Segeln im vollen Wind lockt zum süßen Nichtstun. Einschlafen mit der Musik des Meeres, den ganzen Tag auf dem Schiff herumturnen, sich keinem Dresscode unterwerfen. Das ist der wahre Luxus eines modernen Menschen…
Beiß, Bonito, beiß
Und es geht noch besser, plötzlich ist da der erste Fisch an der Angel. Zuerst ein vorsichtiges Rucken, dann ein energischer Biss, ein Bonito, eng verwandt mit den Thunfischen, hängt am Haken. Was für ein Hochgefühl! Wie eine Trophäe tragen wir ihn kurz später zum Grill. Selbst ungewürzt schmeckt er köstlich.
Weniger begeistert zeigt sich unser Skipper. Die umherfliegenden Grillkohle-Partikeln haben den weißen Bootsbelag in ein rußig-graues Schlachtfeld verwandelt. Nach zwei Stunden Schrubben ist der Katamaran wieder sauber, und wir haben uns einige Runden Domino-Spiel im Mondschein verdient.
k1024__mg_5632-2__Auch der nächste Tag gehört der Entspannung, es wird geschnorchelt und wer Lust hat, döst im Schatten der Palmen. Ein Tag vergeht wie der andere. Und doch kommt keine Langeweile auf. Das liegt auch daran, dass diese unvergleichliche Insel ein gesundes Herz hat. In seinen beiden Kammern leben unterschiedliche Zeitgefühle. Und doch funktionieren sie als Ganzes. In der einen Kammer lebt das typische Alltagsleben, die andere enthält eine gesunde Portion Aufbruchsstimmung, drückt aufs Tempo! Solange das kubanische Herz in diesem Rhythmus schlägt, ist einem um Kuba nicht bange.

Text: Kornelia Doren

Fotos: Marketing Cuba (5), K. Doren (1)

Ausführliche Infos zum Segeln auf Kuba finden Sie hier:

Kuba: Reiseinfos für Segler

Kuba: Reiseinfos für Segler

k1024__mg_3883__Reiseinformationen:

Kuba ist (noch) ein sehr ursprüngliches, aufregendes Segelrevier  – ob zum Mitsegeln auf  dem Katamaran mit Skipper oder für Selbstfahrer-Crews auf Yachtchartern.

Anreise
Condor hält Kuba seit 25 Jahren die Treue und hat die Anzahl seiner Flüge und Flugstrecken nach Kuba expandiert. Die Airline bietet Direktflüge nach Havanna, Varadero, Holguin und Santa Clara.

Die Marina von Cienfuegos ist ca. 250 km (3 Std.) vom Flughafen Havanna und ca. 60 km (1 Std.) vom Airport Santa Clara entfernt. Die Transfers zur Marina können bei spezialisierten Reisebüros wie Cuba Star Travel (www.cubastartravel.com) oder bei den Yacht-Charterfirmen gebucht werden.

Wind und Wetter
Kuba bietet ein subtropisches Klima und wird vom milden Nordost-Passat beeinflusst. Mit meist beständigen Winden zwischen 10-15 Knoten ist Kuba ist ein ganzjähriges Revier. Im Juli-August ist es meist sehr heiß mit über 30° Celsius. Im Januar wird es nie kälter als 18° Celsius. Die Wassertemperatur liegt meist bei 24 ° Celsius.

Einreisebestimmungen
Zur Einreise benötigen Sie einen noch 6 Mon. gültigen Reisepass und eine Touristenkarte.
Segeln ab Cienfuegos: Interessierte mit und ohne Segelerfahrung können in der „Marina Marlin“ Katamarane des Veranstalters „Dream Yacht Charter“ über die Firma „MASTER YACHTING“ buchen. Da das Segeln in diesem Revier anspruchsvoll ist, empfiehlt sich ein Skipper. Auch ein glänzender, amüsanter Koch wie Hugo steht auf Wunsch bereit. Das Chartern einzelner Kabinen ist ebenfalls möglich. Alle Einschiffungs- und Übernahme-Formalitäten werden in der „Marina Marlin“ schnell, charmant und professionell erledigt. Charter-Preisbeispiel: Eine „Nautitech 40 Open“ von Dream Yacht Charter kostet pro Woche zwischen 2600€ (Oktober 2016) und 4100€ (Mai 2017). Ein Skipper kostet am Tag zwischen 80€ und 95€.
Kontakt: Master Yachting GmbH, Yachtcharter 1a, 97286 Sommerhausen, Tel.: 09333/90 440

Weitere Anbieter in der Marina Cienfuegos:

ALBORAN-BLUESAIL, CON-IMPEX Touristik GmbH & Co. KG, www.alboran-bluesail.com / www.alboran-charter.com

PLATTEN SAILING CUBA, http://www.platten-sailing.de,

Cienfuegos: Empfehlenswert ist für die Voranreise eine Übernachtung in der original erhaltenen Kolonialvilla „Casa Azul“, die sich gleich neben dem Yacht-Hafen befindet. Buchbar bei www.cubastartravel.com

Trindidad: Restaurant “Sol Ananda”, Calle Real # 145, Plaza Mayor. Feine Küche, argentinische Weine und Degustationen. Tel. + 53-528 146 12,

Allgemeine touristische Infos:
Kubanisches Fremdenverkehrsamt: www.cubainfo.de

Zusammengestellt von Kornelia Doren

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Kuba: Auf leeren Straßen durch den Westen der Zuckerinsel

 

 

Kuba: Salsa, Sonne, Sinnlichkeit mit ärztlicher Begleitung erkunden

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Mit seinen alten Kolonialbauten, nostalgischen Autos und mitreißenden Salsa-Rhythmen ist Kuba Sehnsuchtsort vieler Reisender. Für Best Ager auf der Suche nach dem besonderen Flair der Karibikinsel bietet der Reiseveranstalter Tour Vital die 14-tägige Rundreise „Die Perle der Karibik“ mit ärztlicher Begleitung ab/bis Deutschland an. Geschäftsführer Hans Emde: „Kuba ist für Best Ager ein sehr attraktives Reiseland, für das keine Impfungen vorgeschrieben sind. Viele unserer Gäste können die Zuckerinsel unter den geschulten Augen eines mitreisenden Mediziners noch ein wenig mehr genießen.“

Als Spezialist für sanftes Reisen sorgt Tour Vital auf dieser Rundreise für tiefe Einblicke in das Leben der Einheimischen, beispielsweise beim Besuch der Zuckerrohrplantagen von Valle de los Ingenios, die seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen. Auch spannend: Klassiker wie das Wohnhaus des berühmten Schriftstellers Ernest Hemingway. Beim zweitägigen Aufenthalt in der kolonial geprägten Hauptstadt Havanna kommen besonders Kulturinteressierte auf ihre Kosten, ebenso wie bei der Besichtigung der Wallfahrtsbasilika El Cobre in Bayamo. Als besonderes Highlight wartet eine Kanonenschuss-Zeremonie am Hafen von Morro Castle auf die Gäste.
Per Nonstop-Flug geht es mit Condor von Frankfurt nach Holguín und von Varadero zurück nach Frankfurt. Sicherheit und Qualität stehen wie bei allen Reisen von Tour Vital an erster Stelle: Die Gäste sind in guten Mittelklassehotels und Vier-Sterne-Unterkünften untergebracht, und ein deutscher Arzt begleitet die Gruppe ab/bis Deutschland und ist rund um die Uhr verfügbar. Die Rundreise ist bereits ab 1.949 Euro pro Person im Doppelzimmer erhältlich.
Wer seine Kuba-Reise mit ein paar entspannten Strandtagen abrunden möchte, hängt einen fünftägigen Badeaufenthalt an den langen Sandstränden von Varadero, dem berühmtesten Badeort der Zuckerinsel, an. Die verlängerte, 19-tägige Rundreise gibt es schon ab 2.358 Euro pro Person.

Kuba: Auf leeren Straßen durch den Westen der Zuckerinsel

Fidel Castro war ein Mann der Visionen. Die breiten Autobahnen, die Havanna mit den großen Städten im Osten und Westen der langgestreckten Insel verbinden, könnten täglich problemlos einige Hunderttausend Autos verkraften. Davon hat er zumindest mal geträumt. Aber durch Embargo und Benzinmangel bleiben die sechs- und achtspurigen Betonpisten gespenstisch leer.

So tummeln sich mehr Radfahrer und Pferdefuhrwerke auf den Schnellstraßen als Autos, Lastwagen und Busse. Der private und öffentliche Verkehr ist auf der Zuckerrohrinsel schon lange zusammengebrochen. Im Schatten der Brücken warten die Kubaner geduldig auf eine Mitfahrgelegenheit. Sie hoffen auf einen altersschwachen Bus, einen rostigen Lastwagen mit offener Ladefläche oder einen der wenigen Mietwagen. Niemand weiß, wann eine dieser wackligen Stützen des öffentlichen Transports vorbeikommt. Kubanischer Alltag mehr ein halbes Jahrhundert nach der Revolution. „Die Massen müssen spüren, dass die Grundlage für Wunder existiert“, hat der Comandante einmal gesagt. Die Kubaner warten immer noch auf das ein oder andere Wunder, auch wenn der große Fidel schon seit einiger Zeit nicht mehr an der Macht ist.

Ein grünes Paradies

Auf dem Weg in den Westen Kubas, wird es jenseits der Drei-Millionen-Stadt Havanna schnell ländlich. Am Horizont erstreckt sich eine sanft gerundete Bergkette, davor liegen endlose Zuckerrohr- und Tabakplantagen. Kuba ist eine von der Natur verwöhnte, üppig grüne und fruchtbare Insel. Nahe der Straße zwischen Havanna und Pinar del Rio liegt das kleine Städtchen Soroa an den Ausläufern der Sierra del Rosario. Hier hat der Spanier Tomas Felipe Camacho in den 1950er Jahren einen riesigen Orchideengarten angelegt. An dem steilen Berghang wachsen tropische Bäume, Bromelien und Begonien und ungefähr 700 verschiedene Orchideenarten. Etwa 200 dieser Orchideen kommen nur auf Kuba vor.

Besonders lohnend ist der Besuch des Orquideario zwischen November und April, wenn die meisten Pflanzen in voller Blüte stehen. Nicht weit vom Orchideengarten führt ein kurzer, aber schweißtreibender Pfad zum Wasserfall El Salto. Aus der dichten, tropischen Vegetation schießen die Wassermassen hervor, stürzen ungefähr 20 Meter in die Tiefe und sammeln sich in einem felsigen Becken. Das kühle und kristallklare Wasser am Fuße des Wasserfalls ist bei den Kubanern ein beliebter Badeplatz.

Biosphärenreservat Soroa

Einst gehörte fast die gesamte Gegend Don Ignacio Soroa, der hier eine florierende Kaffeeplantage betrieb. Nach Ende des Kaffeebooms wurde Soroa vor 15 Jahren von der UNESCO wegen der einmaligen Flora und Fauna zum Biosphärenreservat erklärt. Seit einigen Jahren versuchen die Kubaner in dem Biosphärenreservat und der Sierra del Rosario den ökologischen Tourismus zu fördern. Zentrum dieser Bemühungen ist der Komplex Las Terrazas mit dem Moka Hotel. Das Hotel liegt inmitten der tropischen Vegetation und wirkt mit den Schatten spendenden Arkaden und den geschnitzten Geländern und Fenstergittern wie eine luxuriöse Dschungel Lodge. Die nach allen Seiten offene Bar ist um einen alten Baum gebaut und eine angenehm luftige Oase in dem feuchtheißen Klima. Vom Hotel kann man auf verschiedenen Wanderwegen wie dem Buenavista Coffee Plantation Trail die Umgebung erkunden.

Ein verschlafenes Nest

Die Provinzhauptstadt Pinar del Rio liegt ungefähr 200 Kilometer von Havanna entfernt und ist das Zentrum von Kubas Westen. Trotz seiner gut 130.000 Einwohner wirkt die Stadt wie ein verschlafenes Nest. Da sie keine spektakulären Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, kann man gemütlich über die Hauptstraße schlendern und ein wenig am Alltag der Einheimischen Teil nehmen. Eine ganze Schulklasse tobt in dem kleinen Park vor der strahlend weißen Kirche herum und freut sich über die Abwechslung, die jeder Fremde bringt. Albern, aber auch stolz, versuchen sie, mit ihren paar Brocken Englisch den Kontakt herzustellen. Ansonsten verströmt die Stadt Ruhe und Gelassenheit. Ein paar Fußgänger und Radfahrer teilen sich friedlich die Straße mit den wenigen uralten Autos. Rush-Hour wird in Pinar del Rio wohl noch für lange Zeit ein Fremdwort bleiben. Bemerkenswert ist die Architektur der Stadt. Fast jedes Haus hat ein weit heruntergezogenes Vordach, das von mehreren Säulen gestützt wird. Als ob alle eine stille Übereinkunft getroffen haben, ist Blau die vorherrschende Farbe. Oft sind es kleine, ärmliche Häuser mit verwitterten Dachziegeln, die zu dieser fast lückenlosen Arkadenreihe beitragen. Dazwischen gibt es aber immer wieder stattliche Gebäude, die sich mit einer klassisch-griechischen Säulenreihe schmücken. Neben dem obligatorischen Blau fallen die goldenen Kapitelle sofort ins Auge.

Die Mural de la Prehistoria

Von Pinar del Rio geht es in Richtung Norden zum Valle de Vinales. Schon von Ferne fallen seltsame Bergrücken ins Auge, die Mogotes. Zwischen den beiden Bergmassiven, der Sierra de los Organos im Westen und der Sierra del Rosario im Osten erinnern sie an riesige, grüne Elefantenrücken. Diese stark verwitterten und dicht bewachsenen Kalksteinfelsen prägen eine der eindrucksvollsten Landschaften Kubas. Zuvor staunen wir aber noch über ein seltsames Kunstwerk: Die Mural de la Prehistoria. In den 1960er Jahren hat der Künstler Leovigildo Gonzales Morillo eine ganze Felswand von Pflanzen gesäubert und ein 120 Meter hohes und 180 Meter breites Monumentalgemälde geschaffen. Mit seinen plakativ bunten Figuren wollte er die Evolutionsgeschichte des Menschen darstellen. Biologisch ist seine Geschichte nicht ganz korrekt, denn sonst müssten unsere direkten Vorfahren riesige Schnecken und Dinosauriern sein. Die Erkenntnisse Darwins sind wohl der künstlerischen Freiheit zum Opfer gefallen.

Die Mogotes im Valle de Vinales

Das Hotel Los Jazmines liegt auf einer kleinen Anhöhe mit einem atemberaubenden Blick auf die Mogotes und das Valle de Vinales. Stundenlang kann man auf der Terrasse sitzen, den rosafarbenen Kolonialbau und den Pool im Rücken, und beobachten, wie sich die Landschaft mit dem Sonnenstand verändert. Schon für diesen Ausblick hätte das Hotel mindestens fünf Sterne verdient. Frühaufsteher werden mit den schönsten Lichtstimmungen belohnt. Dann wirken das Tal und die Mogotes wie eine chinesische Tuschezeichnung, die alle paar Minuten neu gemalt wird. Im fahlen Morgenlicht kriecht Nebel über den Talboden und hüllt alles ein. Nur die Spitzen der Palmen ragen aus der weißen Watte heraus. Dann wird der Nebel lichter und enthüllt immer mehr vom Tal. Tabakpflanzungen, rote Erde und ein paar Schuppen tauchen auf. Lautlos ziehen die Truthahngeier ihre Kreise, lassen sich von den Aufwinden am Hang tragen und kommen dabei so dicht heran, dass man ihnen in die Augen schauen kann. Dann gewinnt die Sonne immer mehr Kraft und zerstört das monochrome Bild. Das Grün der Vegetation wird kräftiger, die tief stehende Sonne steuert jetzt kräftige Gelbtöne bei. Ewig könnte man hier sitzen und die vielleicht schönste Landschaft Kubas genießen.

Christian Nowak