Indien: Ladakh – weiter Schulweg im Land der Götter

© Rasso Knoller

Abstieg nach Lingshed © Rasso Knoller

Mein Atem geht schwer, der Schweiß rinnt mir am Körper hinunter. Langsam setze ich einen Schritt vor den anderen. Kehre um Kehre schleppe ich mich den Berg hinauf. Die Höhe macht mir zu schaffen. Ein junger Mann überholt mich, mit „Tschulleh“ freundlich grüßend. Kurz hinter ihm eine Frau mit einem Kleinkind an der Hand. Auch die beiden schmettern mir ein „Tschulleh“ entgegen und marschieren dann zügig an mir vorbei. Bis ich endlich zu Atem gekommen bin und zur Antwort ansetzen kann, sind sie schon hinter der nächsten Kehre verschwunden.
Ich bin im Hochland von Ladakh unterwegs, wandere über mehrere 4000 Meter hohe Pässe hinweg nach Lingshed, einem kleinen abgelegen Dorf in mitten majestätischer Berge. Ladakh liegt in Nordindien und zählt zu den höchsten bewohnten Gebieten der Erde.
An meiner Seite wandert Christian Hlade. Er ist Geschäftsführer des österreichischen Reiseveranstalters „Weltweitwandern“, eine Art Botschafter für Ladakh und so etwas wie der gute Geist von Lingshed.

Eine Schule am Ende der Welt

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Es klingt ein bisschen wie im Märchen. Ein junger Mann aus Österreich macht sich auf den Weg in die Welt. Nach langer Reise kommt er in ein armes Dorf und wird dort mit großer Gastfreundschaft aufgenommen. Das beeindruckt ihn so sehr, dass er beschließt, den Menschen zu helfen. Und weil er Architekt ist, will er für die Kinder in dem Dorf eine Schule errichten. Geld hat er zwar keines, aber dafür umso mehr Begeisterung und Überzeugungskraft. Und so gelingt es ihm schließlich, viele Leute in seiner Heimat für sein Projekt zugewinnen.
Die Geschichte ist aber kein Märchen und hat einen realen Hauptdarsteller. Christian Hlade, der einstige Architekt, ist inzwischen Reiseunternehmer und führt seine Gäste dorthin, wo er vor mehr als 15 Jahren die Schule baute – in die kleine Ortschaft Lingshed. Selbst heute muss man noch mehr als vier Stunden über steile Pässe wandern, bevor man vom Ende der Straße aus das Dorf erreicht. Zumindest ich bin so lange unterwegs. Die Einheimischen legen die Strecke in weniger als der Hälfte der Zeit zurück. Als Hlade das erste Mal hierher kam, war er fünf Tage lang zu Fuß unterwegs. Und auch als man die Schule baute, musste das gesamte Baumaterial über Pässe und durch Täler herangeschleppt werden.

© Rasso Knoller

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Jetzt wird eine Straße nach Lingshed gebaut. Eigentlich sollte sie schon seit Jahren fertig sein, weil der Bauunternehmer aber mit dem indischen Staat über die Bezahlung streitet, ruhen die Arbeiten nun seit geraumer Zeit. Noch endet die Straße deswegen einige Kilometer vor dem Ort. Irgendwann aber wird sie nach Lingshed führen. Schon jetzt bedeutet sie eine enorme Erleichterung für die Menschen.
Fast scheint es so, als bedauere Christian Hlade die Veränderung ein wenig. Er gibt offen zu, dass er als Veranstalter von Wanderreisen mit Einbußen rechne, wenn die Autos durch die Berge rasen und der Zanskar Treck, die bisher beliebteste Himalayaüberquerung, an der auch Lingshed liegt, seinen Ruf verliert. Denn parallel zur Straße wandert keiner gerne. Doch auch der Österreicher sieht die Vorteile für die Menschen – die Zivilisation und damit auch Ärzte, Krankenhäuser und Einkaufsmöglichkeiten rückt näher. Wie überall stellt sich aber die Frage nach Nutzen und Gefahren, die die Moderne mit sich bringt. Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft – Eigenschaften, die für die Ladakhis so typisch sind und die das Überleben in dieser unwirtlichen Region erst möglich gemacht haben – werden sie erhalten bleiben, wenn plötzlich Touristen in Massen durch das Dorf spazieren?

Mönchsspeisung im Kloster Lingshed

Mönchsspeisung im Kloster Lingshed © Rasso Knoller

Wer heute nach Lingshed reist, kann Hlades Befürchtung nur zum Teil verstehen. Denn der bisher ausgebaute Teil der Straße ähnelt immer noch sehr einem Wanderweg. Befahrbar ist er nur mit starken Nerven und einem vierradbetriebenen Fahrzeug. Touristenbusse, die das Kloster von Lingshed als Fotostopp anfahren, kann man sich momentan noch schwer vorstellen.
Dorfspaziergang als Tagesausflug
Als wir in Lingshed ankommen, wird Hlade schon von den Honoratioren und den Kindern erwartet. Die stehen am Dorfeingang Spalier für den Mann, der durch den Schulbau das Leben vieler Menschen im Dorf verändert hat.

Christian Hlade vor der Schule in Lingshed © Rasso Knoller

Christian Hlade vor der Schule in Lingshed © Rasso Knoller

Die Beliebtheit des groß gewachsenen Österreichers färbt auch etwas auf seine Begleitung ab. Auch ich werde von allen Kindern des Dorfes begrüßt und bekomme einen Katak umgehängt, einen Schal, den man in Ladakh besonders willkommenen Gästen zur Begrüßung schenkt. Seit einigen Jahren werden die Kinder in einem größeren Schulgebäude unterrichtet – indirekt hat aber Hlade auch zu dessen Bau beigetragen. Er erzählt, dass „seine Schule“ damals die indische Regierung herausgefordert habe. Die wollte sich nicht von einem irgendeinem Österreicher übertrumpfen lassen – und was jahrelang nicht möglich war, in Lingshed eine große Schule zu bauen nämlich, wurde nun innerhalb kürzester Zeit realisiert. Auch Stanzin Thinless, der junge Guide, der uns her geführt hat, drückte hier die Schulbank. Er ist ein Beispiel dafür, was Bildung bewirken kann. Der junge Mann verdient mittlerweile gutes Geld im Tourismus und kann damit seine Familie unterstützen.
Inzwischen bringt Hlade regelmäßig Reisegruppen nach Ladakh – und oft genug auch nach Lingshed. Damit sorgt er dafür, dass sich die Menschen Geld verdienen können – als Guides, Träger, Köche oder indem sie ihre Pferde und Maultiere für den Lastentransport vermieten.

Guide Stanzin Thinless © Rasso Knoller

Guide Stanzin Thinless, © Rasso Knoller

Lingshed ist ein kleines Dorf, in dem ein paar hundert Menschen leben. 60, vielleicht 70 Häuser liegen verstreut in dem Hochtal. Wer einen „Dorfspaziergang“ unternimmt, ist locker einen halben Tag unterwegs und legt dabei auf und ab sicher tausend Höhenmeter zurück. Die grün leuchtenden Felder bilden einen deutlichen Kontrast zu den kargen Bergen, steile Hänge rahmen das Dorf ein. Erhaben mag man die Landschaft nennen – Wölfe durchstreifen die Gegend, auch wenn einem Bergschrate oder Yetis auf den Bergpfaden entgegenkämen, würde das niemanden wundern.
Keine Eile für die Wiedergeburt
Lingshed liegt in einem Hochtal und bietet spektakuläre Fotomotive. Jeder Tourist kehrt von hier mit beeindruckenden Bildern nach Hause zurück. Zum Leben haben sich die Menschen von Lingshed aber eine der unwirtlichsten Gegenden unseres Planeten ausgesucht. Im Winter sinkt das Thermometer auf minus 30 Grad, im Sommer steigt es auf den gleichen Wert der Plusskala. Das schwere Leben und das Klima haben tiefe Furchen in die Gesichter der Menschen gezogen.

Auf dem Weg zur Schule. © Rasso Knoller

Auf dem Weg zur Schule. © Rasso Knoller

Und anders als man es aus den im Himalaya spielenden Bergsteigerfilmen kennt, türmen sich hier auch keine meterhohen Schneemassen auf. Lingshed liegt auf der Nordseite des Himalayahauptkamms und bis dahin schaffen es die Wolken meist nicht. Schnee oder Regen fällt fast ausschließlich auf der Südseite der Berge. Und deswegen haben die Menschen ein riesiges Problem: Wassermangel. Früher speisten die Gletscher im Frühjahr und Sommer Flüsse und Bäche. Inzwischen sind sie – Stichwort Klimawandel – fast abgeschmolzen, die meisten Wasserläufe zu Rinnsalen verkommen. Die Felder können oft nicht mehr ausreichend bewässert werden und so fällt die Ernte von Jahr zu Jahr spärlicher aus. Selbst die Gerste, das Hauptnahrungsmittel in den Hochlagen des Himalayas, wird knapp. Fleisch von Yaks, Ziegen oder Schafen gibt es ohnehin nur an hohen Feiertagen.
Dann tritt der nepalesische Schlachter des Ortes in Aktion. Er ist vor Jahren als Bauarbeiter ins Dorf gekommen und geblieben. Wenn auch die Menschen in Ladakh arm sind, so gibt es doch noch Ärmere. In der Regel heuert man Nepalis als Bauarbeiter an. Dass einer von ihnen dann als Metzger blieb, hat einen ganz praktischen Grund. Buddhisten, und das sind die Bewohner Lingsheds allesamt, dürfen zwar Fleisch essen, selbst schlachten dürfen sie aber nicht. Da war es durchaus willkommen, dass für hinduistische Nepalis dieses Tabu nicht gilt.

© Rasso Knoller

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Der Weg von Lingshed zurück in die Hauptstadt Leh ist auch heute noch eine Zweitagesreise. Eilig hat es hier in den Tälern zwischen den Himalayagipfeln ohnehin niemand. Die Straßen sind holprig, die Berge steil und meist nur zu Fuß zu bezwingen. Die Langsamkeit aber gibt einem die Möglichkeit, viel genauer hinzusehen. Die grandiose Landschaft rast nicht vor dem Autofenster dahin, man muss sie Schritt für Schritt erobern. In den Klöstern bleibt Zeit, den Gebeten der Mönche zu lauschen oder mit ihnen in die Meditation zu versinken. Ladakh ist ein Land, das seine Bewohner und Besucher zur Langsamkeit erzieht. Hier zählen nicht Minuten und Stunden, hier geht es um Größeres – um die sich beständig wiederholende Reise aus Leben, Tod und Wiedergeburt.

Text+Fotos: Rasso Knoller

Hongkong: Der Flughafen und die Delfine

Als Naturreiseziel ist Hongkong nicht gerade bekannt, trotzdem kann man dort eine Tierart beobachten, die es sonst nirgends gibt – die rosaroten Delfine von Lantau.

Es eilt. Der Autor meines Reiseführers drängt seine Leser zur Fahrt nach Hongkong. Baldmöglichst solle man aufbrechen, um eine der größten Sehenswürdigkeiten der Stadt noch bestaunen zu können: die rosaroten Delfine vor der Insel Lantau. Lange wird man die Tiere dort wohl nicht mehr sehen können. Sie sind vom Aussterben bedroht.
Die Wellen schlagen heftig gegen das Boot als ich an einem schwülen Sonntagmorgen das Rundfahrtboot der „Hong Kong Dolphinwatch Society“ besteige. Mit mir klettern 30 weitere Touristen an Bord. Erwartungsfrohe Kinder, ernsthafte Fotografen mit langen Linsen. Naturliebhaber und Stadttouristen.

Nur noch 60 von 180
Ich war schon einmal hier. Bereits vor mehr als zehn Jahren bin ich mit den Delfinfreunden hinausgefahren. Damals war ihr Boot noch kleiner und die Meeressäuger waren noch keine Topsehenswürdigkeit. Nur wenige Gäste wollten die Tiere sehen. Dafür aber schwammen noch 180 Rosa-Delfine durchs Meer vor Hongkong. Wenig genug schon damals, aber heute sind es kaum mehr als 60. Für den rapiden Rückgang des Bestandes gibt es mehrere Gründe. Der offensichtlichste ist die miserable Wasserqualität. Um die festzustellen, braucht es keine großen Tests, dazu genügt es, sich über die Reling des Rundfahrtbootes zu lehnen und nach unten zu schauen. Dass in der Brühe des Hafenbeckens überhaupt Tiere leben können, überrascht ohnehin. Die Stadtverwaltung versichert zwar, dass kaum noch ungeklärtes Abwasser ins Meer geleitet wird. Trotzdem zählt die Wasserstraße vor Hongkong zu den schmutzigsten Gewässern weltweit.
Das Rundfahrtboot tuckert an riesigen Landaufschüttungen vorbei. An kaum einem anderen Ort der Erde leben so viele Menschen auf so engem Raum. Jeder Quadratmeter bebaubares Land ist kostbar. Deswegen arbeiten sich die Hongkonger Meter für Meter ins Meer hinein vor und ringen ihm neuen Lebensraum ab. Mehr Platz für die Menschen bedeutet aber gleichzeitig weniger für die Delfine. Für die sesshaft lebenden Tiere wird langsam der Raum knapp.


Auch das Land für den 1998 erbauten riesigen Flughafen wurde dem Meer abgetrotzt. Wo heute Jumbos und Airbusse aus aller Welt landen, zogen noch vor wenigen Jahren Delfine ihre Bahnen. Trotz seiner Größe: Inzwischen ist der Flughafen schon wieder zu klein. Eine neue Piste muss her. Und wieder rollen die Lastwagen heran und schütten ihre Kiesladungen ins Meer. Wieder schafft sich der Mensch den Platz, den er braucht. Tak Ching Ho von „Hong Kong Dolphin Watch“ warnte zwar im Chinesischen Fernsehen: „Wenn ihr Lebensraum einmal zerstört ist, haben die Tiere keine Chance mehr.“ Die neue Piste zerschneidet einen natürlichen Wanderungskanal der Delfine, erklärt der Tierschützer. Auch der WWF hat für den Fall, dass die neue Startbahn gebaut wird, den Tod der Delfine vorausgesagt. Die Politiker kümmert das nicht. Klar wollen auch sie nicht, dass die Delfine sterben – immerhin sind sie ja sogar eines der Wahrzeichen der Stadt. Aber deswegen ein milliardenschweres Bauprojekt stoppen? Das kommt dann doch nicht in Frage.
Mit einem Passagieraufkommen von 60 Millionen pro Jahr ist der Flughafen von Hongkong der zweitgrößte Chinas. 60.000 Menschen finden hier Arbeit. Da zählen sechzig, allenfalls siebzig Delfine nicht viel. Zumal an anderer Stelle ohnehin bereits in deren Revier gebaut wird: Zwischen Hongkong und Macao entsteht eine 42 Kilometer lange Megabrücke und auch die durchschneidet den Lebensraum der Delfine. Vermutlich könnten sich die Meeressäuger sogar mit der Brücke arrangieren – wenn sie denn mal steht. Bis es soweit ist, werden hier keine Delfine mehr leben. Sprengungen, Erdarbeiten und Baulärm werden sie vertrieben haben. Die Frage ist nur: Wohin?
Als wäre all das nicht schon schlimm genug – den rosa Delfinen drohen noch mehr Gefahren. Das Meer vor Hongkong gehört zu den am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt. „Zusammenstöße“ zwischen Delfinen und Schiffen sind häufig. Vor allem junge und unerfahrene Tiere werden von den Schiffsschrauben regelrecht zerhäckselt. Oder aber sie enden in den Fangnetzen eines Fischkutters. Am liebsten halten sich die rosa Delfine in Küstennähe auf – genau da, wo auch die meisten Schiffe fahren. Weil die Delfine von Lantau, im Gegensatz zu den meisten anderen Delfinarten, sehr langsame Schwimmer sind, können sie den Schiffen nur schwer ausweichen.
„Die Fischer von Hongkong haben nichts gegen die Delfine“, betont Lucie, die unsere Tour als Guide begleitet. Das kann man ihr durchaus glauben, doch Sympathie allein hilft den Delfinen wenig. Zumal Mensch und Tier in den überfischten Gewässern vor den Toren der Millionenstadt auch um die knappen Nahrungsressourcen wetteifern. Schon des Öfteren habe es Kadaver verhungerter Tiere an Land geschwemmt, erzählt unsere Führerin weiter.
Ausfahrt mit Sichtungsgarantie
Trotz alledem: Wer an einer Delfinsafari teilnimmt, wird mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit auch Tiere sehen – dass jedenfalls sagt die Statistik und das verspricht auch Lucie. Warum man denn so sicher sein könne, die seltenen rosaroten Delfine zu sehen, frage ich. Die Antwort ist so einfach wie deprimierend. „Das liegt nicht daran, dass sich die Population erholt“, sagt Lucie. Die Lebensgewohnheiten der Tiere machen es vielmehr leicht, sie aufzuspüren. „Die Delfine halten sich immer in einer bestimmten Region des Perlflussdeltas auf und da fahren wir jetzt hin.“
Nach knapp einer Stunde Bootsfahrt ist es dann soweit. „Delfine um zehn“, gibt der Kapitän von der Brücke in Seemannssprache den Hinweis. „Halb links vor dem Schiff“ heißt das übersetzt für uns Landratten. Dort soll man in ungefähr 200 Meter Entfernung zwei Delfine sehen können. Und wirklich am Horizont … nein, das ist nur eine Plastiktüte, und da noch eine … der erste Kontakt mit den Meeressäugern fällt enttäuschend aus. Inmitten der Plastiktüten und leeren Flaschen, die vor Hongkong im Meer schwimmen, sind mir die beiden Delfine entgangen. Lucie zeigt mir später ein Foto von einem Tier, das eine Plastiktüte über dem Kopf hat. „Wir haben versucht, es von der Tüte zu befreien“, erklärt sie. „Leider haben wir es nicht geschafft, das Tier ist erstickt.“ Und weiter: „Es werden immer wieder tote Delfine an Land geschwemmt. Die meisten davon sind Babys.“

Ein Ruf vom Ruder unterbricht ihre Ausführungen. Der Kapitän hat erneut einige Delfine gesichtet und diesmal sind sie auch deutlich zu erkennen. Eine Gruppe von vier oder fünf Tieren taucht nur etwa hundert Meter vor dem Schiff auf. Erst recken sie nur vorsichtig ihre Köpfe aus dem Wasser, so als würden sie sich vergewissern wollen, dass wir ihnen nichts Böses wollen. Dann schwimmen sie langsam Richtung Boot. Immer wieder tauchen Flossen aus dem Wasser. Bald sind die Delfine so nahe, dass man deutlich ihre lange Schnauze sehen kann. Um sie nicht zu stören, drosselt der Kapitän die Geschwindigkeit. Unter vielen „Ohs“ und „Ahs“ klicken an Bord die Kameraauslöser. Jetzt ist auch Lucie plötzlich aufgeregt. Sie streckt den Finger in Richtung der Tiere und ruft: „Baby, Baby!“ Und dann lacht sie und sagt: „So lange wir Babys sehen, gibt es noch Hoffnung.“

Text: Rasso Knoller, Fotos: Rasso Knoller (1), Fung Shun On/ Hong Kong Dolphinwatch Society (2)

Hongkong: Mehr als Tee und Wasser – die Teezeremonie

„Eine chinesische Teetasse mag klein aussehen, sie enthält jedoch viel mehr als nur Tee und Wasser“. Diese und viele weitere Weisheiten lernen Hong Kong Besucher im Lock Cha Tea Shop, während sie in die Geheimnisse der traditionellen Teezeremonie eingeweiht werden. Der Kurs „Chinese Tea Appreciation Class“ ist fester Bestandteil des „KulturellenKaleidoskop Programmes“, mit dem das Hong Kong Tourism Board Touristen größtenteils kostenlose Einblicke hinter die Kulissen der asiatischen Metropole bietet.

„Es gibt drei Regeln, die bei der Zubereitung von Tee unbedingt eingehalten werden müssen“, erklärt der Kursleiter, während er die filigranen Teetassen vor sich aufreiht. Tee, so sagt er, sei das Lebenselixier der Hong Kong Chinesen und allein die Zubereitung eine Kunst für sich. Wenn man ihm zusieht, wie konzentriert er bei der Sache ist, gibt man ihm unweigerlich recht und hat dabei das Gefühl, sogleich an der Essenz jahrhundertealter chinesischer Kultur zu nippen.

„Wichtig ist vor allem die richtige Menge an Teeblättern. Es hängt natürlich auch vom persönlichen Geschmack ab, aber wir verwenden etwa fünf Gramm für normalen und acht Gramm für stärkeren Tee“, so Tang weiter. „Ebenso wichtig ist die richtige Temperatur. Nicht alle Teesorten werden mit kochendem Wasser übergossen. Grüner Tee darf maximal mit 40 bis 70 Grad heißem Wasser zubereitet werden. Die dritte Regel ist das richtige Timing. Greenish Oolong Tee darf nur kurz ziehen, andere Teesorten sind da flexibler zu handhaben. Zieht ein Tee jedoch zulange, wird er schnell bitter“.

Während des Unterrichts lernen Besucher sechs unterschiedliche Teetypen kennen, die sich vor allem durch ihre Fermentierung unterscheiden. Dazu gehören grüner, weißer, gelber, grünlicher, chinesischer schwarzer sowie roter Tee. Abgerundet wird der Kurs durch einen Besuch im angrenzenden Flagstaff House, dem Museum of Tea Ware, in dem seltenes und teilweise antikes Teegeschirr ausgestellt wird.

 

 
 

Mit 6237 Fotos in fünf Minuten um die Welt

Kien Lam war 343 Tage unterwegs, hat 17 Länder besucht und 6237 Fotos gemacht. Schauen Sie sich die Höhepunkte seiner Reise  in knapp fünf Minuten an.

Japanische Etikette: Höflichkeit, Respekt und Pünktlichkeit

Japan National Tourism Organization

©Japan National Tourism Organization

 

Gerade in einem Land wie Japan, mit einer im Vergleich zum Westen so andersartigen Kultur, ist das Risiko recht groß, ins Fettnäpfchen zu treten. Die Japanische Fremdenverkehrszentrale in Frankfurt gibt einige Tipps zum parkettsicheren Umgang im Land der aufgehenden Sonne:

Höflichkeit ist das wichtigste Bindemittel im japanischen Zusammenleben und wird tagtäglich überall praktiziert. Jeder Tourist, der in Japan einen Zug besteigt, wird erstaunt sein, wie ruhig und gesittet es auf den Bahnsteigen zugeht. Kein Drängeln, kein Schubsen – das Aus-und Einsteigen verläuft völlig problemlos und unaufgeregt. Wenn jemand einen Platz gebucht hat, weiß er auch genau, in welchen Wagen er einsteigen muss, und wo dieser auf dem Bahnsteig halten wird. Als legendär gilt die Pünktlichkeit der Züge, allen voran der berühmte Shinkansen. In den Zügen ist es übrigens verpönt zu telefonieren, um die Mitreisenden nicht zu stören. Das Versenden von SMS ist jedoch mittlerweile üblich und auch allgemein akzeptiert. In einigen Bussen und U-Bahnen gibt es einzelne Sitze mit anderen Farben. Diese sind für Hilfsbedürftige und ältere Menschen reserviert und werden auch nicht von anderen Fahrgästen in Beschlag genommen.
Besonders Englisch sprechende Japaner zeigen sich gegenüber Ausländern sehr hilfsbereit. Verirrten Touristen wird gern der Weg ohne besondere Aufforderung gewiesen. Dahinter sollte man auch keine böse Absicht vermuten, denn Japan gehört weltweit immer noch zu den Ländern mit der niedrigsten Kriminalitätsrate. Tokio wurde erst wieder in diesem Jahr im Ranking des britischen Magazins Economist als die sicherste Stadt der Welt knapp vor Singapur eingestuft. Osaka steht an dritter Stelle. Touristen zeigen sich deshalb auch stets überrascht, wenn sie liegen gelassene Wertgegenstände wie Kameras oder ähnliches selbst nach einiger Zeit noch am Ort des Geschehens wiederfinden. Frauen können in Tokio allein durch das Rotlichtviertel schlendern, ohne Schlimmes befürchten zu müssen.

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© Japan National Tourism Organization

Ausländische Gäste nutzen ihren Japan-Aufenthalt gern für einen Besuch im Onsen, einer heißen Quelle. Hier ist es ganz wichtig, sich vor dem eigentlichen Bad gründlichst zu waschen und darauf zu achten, sämtliche Seifen-/Duschgel-Reste abzuspülen. Dies gilt ebenso für Besucher der öffentlichen Bäder, genannt „sento“. Menschen mit größeren Tattoos sollten sich darüber im Klaren sein, dass diese Art von Körperbemalung in Japan der Yakuza, dem organisierten Verbrechen zugeordnet wird und damit zu unliebsamem Aufsehen führen kann.
Pünktlichkeit spielt im Geschäftsleben eine ganze große Rolle. Zwischen fünf Minuten vor dem Termin bis auf den Punkt genau, gilt dabei als Regel. Wer sich nur um einige Minuten verspätet, sollte dies telefonisch vorher mitteilen.
Beim Essen mit Japanern schenkt man sich nie etwas selbst zu trinken ein. Erst wird immer dem Nachbarn etwas angeboten, der dem anderen dann im Gegenzug etwas nachschenkt. Sobald ein Glas geleert ist, wird es nachgefüllt. Möchte man nichts mehr trinken, sollte immer ein Rest im Glas verbeiben. Zu den „No-Go‘s“ beim Essen gehört es, die Stäbchen aufrecht in den Reis zu stecken. Auf diese Weise wird der Reis nämlich ausschließlich am buddhistischen Hausaltar den Geistern der verstorbenen Vorfahren als Speiseopfer dargeboten.
Da in Japan der Kunde wirklich der König ist, dessen Wohl den Dienstleistern am Herzen liegt, ist Trinkgeld unüblich und gilt fast als Beleidigung.
Der Austausch von Aufmerksamkeiten bildet einen bedeutenden Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Japan. Präsente haben als Ausdruck der Verbundenheit, Dankbarkeit und auch als Zeichen des Respekts einen hohen Stellenwert. Es muss nichts großartiges sein – Süßigkeiten oder etwas zu Knabbern reichen aus. Auch ein Mitbringsel aus dem Heimatland des Gastes erfreut sich immer besonderer Beliebtheit.
Da in Japan Visitenkarten „Leute machen“, ist es für Geschäftsreisende unbedingt erforderlich, entsprechende Karten bei sich haben, und zwar am besten beidseitig bedruckt: auf der einen Seite in Englisch oder Deutsch, auf der anderen Seite in Japanisch. Der Austausch von Visitenkarten macht es nicht nur leichter, die zahlreichen fremdländischen Gesichter auseinander zu halten, sondern ermöglicht den Japanern zugleich die hierarchische Einordnung eines Fremden. Es ist üblich und gilt als besonders höflich, die Visitenkarte mit beiden Händen zu überreichen und entgegenzunehmen. Die Karte sollte dann aber nicht weggesteckt werden, sondern sie wird genau studiert oder vor sich auf den Tisch gelegt, um immer wieder darauf zurückgreifen zu können.

Text: Japan National Tourism Organization

Vietnam: Eine Rundreise durch ein Land auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

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Im Expresszug – mit Übernachtung im 4-Personen-Abteil – erreichen wir Hanoi. Die tausendjährige Hauptstadt am Roten Fluss empfängt uns mit einem strahlenden Tag. Unser erster Weg führt ins Ho-Chi-Minh-Mausoleum. Geduldig reihen wir uns ein in die lange Schlange Einheimischer und Touristen, die dem Nationalhelden ihre Referenz erweisen. Auf dem Platz vor dem protzigen Bau aus grauem Marmor hatte „Onkel Ho“ am 2. September 1945 die Unabhängigkeit Vietnams erklärt. Gleich daneben erhebt sich der ockerfarbene Präsidentenpalast in dem herrlichen Botanischen Garten, der schon 1890 angelegt wurde.

P1040762Das Herz Hanois schlägt am Hoan Kiem-See – einer grünen Oase mitten im Großstadttrubel. An der Uferpromenade schlendert man oder sitzt in einem der netten Cafes, treffen sich Frühsportler zum Tai Chi, junge Leute und Liebespaare zum Stelldichein. Südlich des Sees erstreckt sich das einstige Französische Viertel mit Prunkhäusern und restaurierten Villen im Stil der Art deco. Keine andere Stadt Vietnams habe einen so großen Schatz an architektonischen Perlen aus der Kolonialzeit, erzählt Reiseleiter Thang. Schicke Boutiquen, Galerien und trendige Cafes ziehen besonders ein junges Publikum an. Ein magischer Ort ist die historische Altstadt mit ihrem Labyrinth aus Straßen und Gassen, den oft nur handtuchbreiten Häusern mit ihren unzähligen Geschäften, Läden und Lädchen. Hier wuselt das Leben, die Minibürgersteige sind vollgeparkt, überall wird gebrutzelt und gekocht. Dazwischen rasen knatternd und stinkend die zweirädrigen „Tiger“ durch den Dschungel der Altstadt. Ein Verkehrsgewühl das chaotisch und gleichzeitig faszinierend ist. Hanoi ist in Bewegung. Die sieben-Millionen-Metropole wuchert unaufhaltsam in die Höhe und Breite. Im Umland wachsen Hochhäuser, Neubauviertel und Appartementanlagen empor, wurden neue Ring- und Ausfallstraßen gebaut.
Bei den Bergvölkern
Zwei Stunden südwestlich von Hanoi tauchen wir ein in eine reizvolle Bergwelt mit fruchtbaren Ebenen und sanften Hügeln. Aus dem vielfarbigen Grün ragen bewaldete Kegel, Felsspitzen und Bergrücken empor und vermitteln uns eine Vorahnung von der Schönheit der Ha-Long-Bucht, die wir in einigen Tagen besuchen werden. Von der Passstraße bietet sich ein weiter Blick in das idyllische Mai-Chau-Tal. P1040867 - KopieIn Mai Chau, einem kleinen Ort und unserem Ziel, leben die Weißen Thai, eine der 54 Volksgruppen Vietnams. Wandernd und per Rad erkunden wir das beschauliche Landleben der Bergvölker, sehen Bauern auf dem Feld, Frauen in den Reisfeldern, Wasserbüffel bei der Arbeit. Immer wieder genießen wir herrliche Ausblicke in die üppig grüne Landschaft, in der Bambushaine hoch wie zweistöckige Häuser sind. Bei einer Wanderung führt uns der einheimische junge Guide auch zum Haus seiner Eltern, einem der traditionell auf hohen Holzpfählen stehenden Häuser, in dem wir spontan zu einem kleinen Imbiss eingeladen werden. Bunt und lebendig ist der Sonntagsmarkt, bei dem sich die verschiedenen Bergminderheiten aus den umliegenden Dörfern in ihren Trachten einfinden um ihre Webarbeiten, Stickereien und Schnitzereien anzubieten. Mit einer Vorführung traditioneller Tänze werden wir am Abend in unserer idyllisch gelegenen Eco-Lodge überrascht.
Größtes Naturwunder
„Ein Wunder der Erde, das in den Himmel ragt“, so besang ein vietnamesischer Literat schon im 15. Jahrhundert die Ha-Long-Bucht. Wir sind angekommen – am größten Naturwunder Vietnams und Weltnaturerbe. Und sind sofort gefangen vom Charme dieser einzigartigen Inselwelt. P1040959An Bord unseres traditionellen Schiffes – acht Doppelkabinen, mit Klimaanlage und Dusche/WC – genießen wir die Fahrt durch diese einzigartige Welt aus Felsen, die wie versteinerte Zuckerhüte schroff und kahl oder grün bewachsen aus dem smaragdgrünen Wasser aufragen. Ha Long bedeutet wörtlich „herabsteigender Drache“, und so mag einem beim Anblick der 2000 Felsen die Legende vom untergehenden Drachen wie ein Tatsachenbericht erscheinen. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt, immer wieder entdecken wir neue bizarre Formationen, denen die Einheimischen passende Namen wie Schildkröten- oder Kamelinsel gegeben haben. Zahlreiche schwimmende Fischerdörfer bevölkern die Bucht und sind neben den vielen weißen Schiffen malerische Farbtupfer. Für die Nacht geht unser Käpt´n in einer ruhigen Bucht vor Anker. Wir machen es uns an Deck gemütlich und erleben, wie die untergehende Sonne goldene Reflexe aufs Wasser zaubert. Auch auf den anderen Schiffen in der Ferne gehen nun die Lichter an und leuchten wie Glühwürmchen durch die Nacht.
Text und Fotos: Christel Seiffert

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Thailand: Koh Samui – Captain Miguel und seine Crew

Rasso Knoller Ankern vor Koh Mae Koh

© Rasso Knoller

 

Der Ang Thong Meeresnationalpark im Süden Thailands ist das perfekte Segelrevier. Profis erfreuen sich an optimalen Bedingungen, und wer nicht segeln kann, mietet sich zum Boot einfach den Skipper mit dazu.

Miguel steuert das Boot hinein in die Bucht von Ao Thong Nai Pan Yai auf der Insel Koh Pangan. Die Sonne ist eben untergegangen und das Schwarz der Nacht legt sich wie ein Seidentuch über den Süden Thailands. Die Sterne funkeln am klaren Himmel, der Mond spiegelt sich im wellenlosen Meer und vom Ufer her locken Strandfackeln Yachttouristen wie uns an. Ein Restaurant reiht sich dort ans andere, der Duft von Massaman Curry weht herüber auf unser Boot. Dass man auch in der Hochsaison immer einen Platz in einem der Lokale findet, liegt daran, dass die Schmetterlingsbucht, wie der lange Name ins Deutsche übersetzt heißt, vom Land her nur schwer zu erreichen ist. Die rumplige Piste, die dorthin führt, ist für Ausflugsbusse tabu.

Segeln im Ang Thong Nationalpark:  Katamaran

© Rasso Knoller

Miguel setzt uns mit dem Beiboot über, der laue Abendwind streichelt die Haut und als wir ins Wasser springen, um das Dinghi an Land zu schieben, umschmeichelt warmes Wasser unsere Beine. Vor der Yai Bar ziehen wir unser Boot auf den Strand. Lampions, Lichterketten und Fackeln zaubern eine Stimmung, als sei das Restaurant einem Märchenbuch entstiegen und man erwartet fast, dass Elfen und Feen an den Tisch schweben, um die Bestellung aufzunehmen. Ganz entspricht die junge Kellnerin zwar nicht dem Märchenklischee, doch auch von ihr serviert, schmeckt das Chang, das Bier mit dem Elefanten auf der Dose, ganz ausgezeichnet. Nach dem wir den ersten Durst gestillt haben, ziehen wir weiter ins nächste Restaurant. Es wurde eben erst neu eröffnet und gehört einem österreichischen Aussteiger. Der ist im Stress und hat keine Lust auf ein Gespräch. Zu viel zu tun.

Aussicht auf grüne Perlen und Haifischflossen

Skipper Miguel

© Rasso Knoller

Miguel ist da cooler. Er hat den europäischen Stress auf dem alten Kontinent zurückgelassen und sich schon ganz an die entspannte thailändische Lebensweise angepasst. Der 31- jährige Portugiese mit Vollbart ist eigentlich Architekt. Jetzt aber steuert er Segelboote durch den Golf von Thailand, ist mit den Gästen eines Yachtvermieters zu Touren durch die Inselwelt des Ang Thong Nationalparks unterwegs. 42 Inseln zählen zu dem Schutzgebiet, und ein jede von ihnen weist gleich ein paar Sandstrände auf – paradiesische Zustände für Wasserratten also.
Ausgangspunkt der Reisen ist Koh Samui, eine Insel, von der Thailandneulinge schwärmen. Die alten Hasen aber beklagen, dass dort inzwischen der Massentourismus angekommen sei und erinnern sich wehmütig an Zeiten, als man noch allein vor seinem Bungalow saß und den ganzen Strand für sich hatte.
Die einen mögen die Veränderung, die anderen bedauern sie – wer mit dem Boot unterwegs ist, dem kann die Diskussion egal sein. Denn sobald die Yacht den Hafen verlassen hat, ist man mit sich und dem Meer allein, und man geht dort vor Anker, wo es einem passt.

Austieg zum höchsten Berg auf Koh Wua Talap

© Rasso Knoller

Nur zweimal auf unserer Reise durch die thailändische Inselwelt, als wir Koh Wua Talap und Koh Mae Koh anlaufen, müssen wir unsere selbstgewählte Einsamkeit aufgeben und die Schönheit der Natur mit anderen teilen. Beide Inseln locken mit atemberaubenden Aussichtspunkten und sind deswegen Ziel vieler Tagesausflügler aus Koh Samui.
Auf Koh Wua Talap – der Insel der schlafenden Kuh – steigt man, skeptisch beäugt von Brillenlanguren, hinauf zum höchsten Berg der Insel. Brillenlanguren sind gut einen halben Meter große Affen mit bräunlich-schwarzem Fell und einem langen Ringelschwanz. Ihren Namen hat man ihnen wegen der weißen Haut verpasst, die ihre Augen einfasst und sie aussehen lässt, als bräuchten sie eine Sehhilfe.
Der Marsch den Berg hinauf ist ziemlich schweißtreibend und führt die letzten Meter über steile Felsen. Über die schwierigsten Stellen helfen Seile hinweg, trotzdem ist der Weg nichts für die Badelatschenfraktion.

Gipfelblick in KohWua Talap

© Rasso Knoller

Es ist aber nicht der anstrengende Aufstieg, der einen oben angekommen den Atem stocken lässt. Der Blick von der Aussichtsplattform ist schlichtweg gigantisch. Überdimensionale grüne Haifischflossen, sonderbare einarmige Giganten und stachelige Igel scheinen ist drunten aus dem Wasser zu erheben. Wer auch immer die Inseln des Ang Thong Nationalparks geschaffen hat, er hat es an einem besonders kreativen Tag getan.
Zum Aussichtspunkt auf der benachbarten Insel Koh Mae Koh führen praktischerweise Treppen hinauf. Oben angekommen weiß man gar nicht, wohin man zuerst blicken soll – hinaus aufs Meer und die Inselwelt des Nationalparks oder hinab auf einem kleinen Inlandsee, der wie eine blaue Perle vom Grün des Dschungels eingerahmt wird. Angeblich hat er die Macher von „The Beach“ zu ihrem Drehbuch inspiriert. Gedreht wurde der Film dann auf Koh Phi Phi, einer anderen Insel vor der Küste Südthailands.

Ausblick von Koh Mae Koh

© Rasso Knoller

Miguel sagt wie es geht

In Koh Tao liegt die Schönheit vor allem unter Wasser. Die Insel bzw. das Meer davor gilt als Tauchparadies. Gelb, blau, rot – die Fische scheinen allesamt durch den Farbtopf geschwommen zu sein, bevor sie den Weg ins thailändische Wasser gefunden haben. Und dort tummeln sich viele von ihnen in geringer Tiefe – um sie zu sehen, muss man nicht tauchen zu können. Schnorchel und Taucherbrille genügen. Ebenso wenig braucht man einen Segelschein, um in Thailand eine Yacht zu chartern. Wer keine Segelerfahrung hat, mietet sich den Skipper einfach mit dazu. Leute wie Miguel sorgen dann dafür, dass auch Landratten Spaß haben. Der bärtige Portugiese ist bei uns der Chef an Bord. Er hat seine ungelernte Crew gut im Griff, schickt sie zum Anker lichten, Segel setzen oder überlässt einem Rookie auch schon mal das Ruder.

© Rasso Knoller,  Segeln im Ang Thong Nationalpark: Yacht

© Rasso Knoller

Alles aber nur, wenn seine Gäste das auch wollen. Denn Miguel kann das Boot auch alleine segeln und dann können sich die Passagiere ganz auf die Szenerie oder die kalten Biere konzentrieren. Das aber passiert nur selten, erzählt Miguel. Die meisten Gäste wollen mithelfen und denen gibt er dann, wie uns, immer gut gelaunt, seine Anweisungen. Obwohl ich auch nach Tagen immer noch überlegen muss, wo nun genau Luv und Lee liegen und mir Begriffe wie Großsegel, Vorsegel oder Spinnaker noch lange nicht flüssig über die Lippen kommen, fühle ich mich nach einer Woche an Bord doch ein wenig wie Captain Cook, oder na ja, wenigsten wie einer seiner Matrosen.

Text und Fotos: Rasso Knoller

Nepal: Spenden für die Erdbebenopfer. Ärzte gesucht.

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Leider können wir im WeltreiseJournal nicht immer nur schöne Nachrichten vermelden. Die Katastrophe in Nepal erfordert weltweite Solidarität.Viele von unseren Lesern waren sicher schon in Nepal und fragen sich, wie sie den Menschen dort am besten helfen können.
Deswegen veröffentlichen wir hier eine Pressemeldung von weltweitwandern, einem österreichischen Anbieter der besonders im Himalaya Gebiet aktiv ist und dorthin nicht nur Reisen organisiert, sondern auch Hilfsprojekte in Ladakh und Nepal unterstützt.
Mit weltweitwandern haben wir vom WeltreiseJournal schon mehrfach zusammengearbeitet und haben den Enthusiasmus und die Hilfsbereitschaft von  Christian Hlade und seinen Leuten persönlich kennengelernt.

Hier die Pressemeldung: 
Der Reiseveranstalter Weltweitwandern sucht Ärzte (Notfallmediziner oder/und Chirurgen), die jetzt in Nepal helfen wollen. Der nepalesische Partner von Weltweitwandern, Sudama Karki, richtet in der Provinz Langtang nördlich von Kathmandu mit seinem Team eine voll funktionsfähige Hilfs-Infrastruktur ein. Das örtliche Team von Weltweitwandern hat bereits seine Depots geöffnet und verteilt Zelte, Schlafsäcke, Matten etc. an die Bevölkerung. Was fehlt, sind Ärzte, aber auch Medikamente zur Versorgung der Verletzten und Mittel zur Trinkwasserinfektion.
Weltweitwandern übernimmt Kosten
„Wir übernehmen für die Ärzte die Organisation vor Ort und auch die Organisation und Kosten für den Flug“, sagt Weltweitwandern-Chef Christian Hlade. Interessierte (bitte KEINE UNQUALIFIZIERTEN HELFER!) wenden sich rasch per E-Mail an christian.hlade@weltweitwandern.at.
Jetzt bitte spenden!
Auch Geldspenden, die direkt an die Betroffenen gehen – das Kinderheim „Bottle Houses“, die Familien betroffener Guides und Soforthilfe für die Erdbebenopfer in Nepal – werden dringend benötigt. Bitte keine Sachspenden.

Spendenkonto für das Kinderheim in Kathmandu
Kontoname: Weltweitwandern Spendenkonto
IBAN AT37 6000 0000 7361 5501
BIC: OPSKATWW
Kennwort: WWW-Erdbebenhilfe Nepal

Laufend aktualisierte Infos von den Weltweitwandern-Partnern in Nepal gibt es auf dem Blog von Christian Hlade: http://blog.hlade.com/

 

Indien: Ladakh – das Land der Langsamkeit

Knoller Das Hochland von Ladakh

Ladakh, die Region im Norden Indiens, ist kein Ziel für eilige Reisende. Wer hierher kommt, muss sich Zeit nehmen, und lernt, die Dinge anders zu sehen.
Der Flughafen der Hauptstadt Leh liegt 3600 Meter über dem Meer. Schon der Anflug lässt empfindlichen Passagieren den Atem stocken. Verwegen stürzt sich der Pilot zwischen den Gipfeln des Himalayas in das enge Tal hinab, die Flügelspitzen scheinen fast die Berghänge zu streifen. Die Aussicht ist grandios. Die Gipfel des mächtigsten Gebirgszuges der Welt sind zum Greifen nah. Das Flugzeug folgt unbeirrbar seinem Weg und setzt sicher auf der Landepiste auf. Angst muss man trotz der waghalsigen Manöver keine haben. Zumindest wenn man der Statistik glaubt. Zu gefährlichen Zwischenfällen, geschweige denn Abstürzen, ist es hier noch nie gekommen. Das mag auch daran liegen, dass alle Piloten die auf dem Flughafen in Leh landen, eine Zusatzausbildung absolvieren müssen. Oder daran, dass sich die Ladakhis darauf verstehen, böse Geister zu vertreiben. Obwohl der Buddhismus weit verbreitet ist, spielt hier der animistischen Volksglaube nämlich nach wie vor eine große Rolle.

Knoller, Chörte mit Gebetsfahnen
Kaum angekommen, ergreift den Reisenden Schwindel. Jeder Meter, den man zurücklegt, scheint ein Kilometer zu sein. Selbst wenn man sich nur die Schnürsenkel binden will, wird das zur Herausforderung. Doch auch hier muss sich der Reisende nicht sorgen. Es sind keine bösen Geister, die ihn schwächen, es ist die Höhe, die ihm Probleme macht. Und wer seinem Körper Zeit zur Anpassung gönnt, den macht bald nur noch die Schönheit des Landes schwindelig.

Knoller Wandern in Ladakh
Ohnehin ist Ladakh ein Land, das seine Besucher zur Langsamkeit erzieht. Die Straßen sind holprig, die Berge steil und meist ohnehin nur zu Fuß zu bezwingen. Die Langsamkeit gibt einem aber die Möglichkeit, viel genauer hinzusehen. Die grandiose Landschaft rast nicht vor dem Autofenster dahin, man muss sie Schritt für Schritt erobern. Auf den Wanderpfaden begegnet man nur wenigen Touristen, dafür Einheimischen, die gerne anhalten, um mit dem Fremden ein paar Worte zu wechseln. In den Klöstern – wie dem in Thiksey, nur wenige Kilometer von Leh entfernt – bleibt Zeit, den Gebeten der Mönche zu lauschen oder mit ihnen in die Meditation zu versinken. Hier zählen nicht Minuten und Stunden, hier geht es um größere Zusammenhänge – die sich beständig wiederholende Reise aus Leben, Tod und Wiedergeburt.

Text und Bild: Rasso Knoller

 

Vietnam: Ein Land zwischen Tradition und Moderne

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Mopeds, überall Mopeds ….ist unser erster Eindruck von Saigon. Wie Bienenschwärme ergießt sich eine endlose Zweiradkarawane durch die Stadt. Als Fußgänger eine Straße zu überqueren wird zum Hindernislauf. Bleiben Sie ruhig und zusammen, beruhigt Reiseleiter Thang und schleust uns wohlbehalten durch das knatternde Chaos. Mehr als 5 Millionen Mopeds, Motorräder, Luxuskarossen und Autobusse verstopfen die Straßen der acht Millionen Metropole, die offiziell Ho-Chi-Minh-Stadt heißt. Doch die Einheimischen nennen sie nur selten bei ihrem Namen, weiß Thang. Sie sagen Saigon. Wie ein Magnet zieht die größte Stadt des Landes immer mehr Menschen an, schon jetzt lebt fast jeder zehnte Vietnamese hier.

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Jung und bunt, glitzernd und laut, atemlos und leichtlebig – so ist Saigon. Aufregend und unglaublich faszinierend. Wolkenkratzer und Hochhäuser ragen in den Himmel, breite freundliche Boulevards schmücken sich mit Designerläden, Nobeldiskotheken und trendige Cafes sind Symbole wirtschaftlichen Booms. Jüngstes Wahrzeichen Saigons ist der 265 Meter hohe Bitexo Tower mit Helikopter-Landeplatz. In den schmalen Straßen der alten Chinatown mit ihren Tempeln und Pagoden brodelt das Leben, staut sich der Verkehr. Dennoch ist etwas vom Charme des ehemaligen „Paris des Ostens“ zu spüren. Beim Bummel durch die quirligen Straßen bezaubert manch koloniales Schmuckstück: so die geschichtsträchtigen Nobelherbergen Majestic und Continental, die türmchenreiche Fassade des Hotel de Ville, in dem heute das Volkskomitee tagt. Unweit davon die Oper, erbaut nach dem Vorbild des Pariser Petit Palais und die backsteinrote Kathedrale Notre Dame mit ihren schlanken Zwillingstürmen. Sie sollten unbedingt einen Blick in das Hauptpostamt werfen, empfiehlt Thang. Mit seiner himmelhohen gusseisernen Deckenkonstruktion nach Gustave Eiffel, alten Landkarten und Kronleuchtern ist es wirklich beeindruckend. Wenn es Abend wird, erstrahlt Saigon in gleißendem Neonlicht, Menschentrauben bevölkern Straßen und Plätze, das bunte Leben geht weiter.
Im Mekongdelta
Von der Hektik der Riesenstadt ist im nahen Mekondelta nichts mehr zu spüren. Hier entfaltet sich der ganze Zauber dieser alten Kulturlandschaft mit ihrer üppigen Vegetation, tropischen Früchten und endlosen Reisfeldern. An einem der unzähligen Kanäle und Nebenarme des mächtigen „Fluss der neun Drachen“ besteigen wir unser Longtailboot, gleiten entlang des grünen Mekonufers, sehen Häuser die auf Pfählen im Wasser stehen und erleben, wie auf dem schwimmenden Markt von Boot zu Boot gehandelt wird. Dicht an dicht liegen Lastkähne, Haus- und Longtailboote, schwer beladen mit Gemüse, Früchten und vielem anderen, was täglich gebraucht wird.

P1040624 An einer der Inseln gehen wir an Land, wandern bei Saunatemperaturen auf schmalen Pfaden durch Palmen- und Bananenplantagen, durch kleine Dörfer und mitten durch das Leben der Menschen, die hier vom und mit dem Wasser leben.
Ein Kapitel junger vietnamesischer Geschichte wird lebendig, als wir Cu Chi besuchen. Nordwestlich von Saigon erstreckt sich die vielleicht größte unterirdische Stadt der Welt: ein 200 Kilometer langes, bis zu zehn Meter tiefes weitverzweigtes Geflecht von Tunneln und Gängen mit Schulen, Krankenhäusern, Büros und Schlafgelegenheiten, das in den 60ger und 70ger Jahren von Partisanen gegraben wurde. Im Schutz der Tiefe hatten Männer, Frauen und Kinder sich dort oft wochenlang aufgehalten. Nach einem Rundgang durch das riesige Gelände in Begleitung eines Guide im Vietcong-Look kann man verstehen, wie das kleine Vietnam den mächtigen Gegner USA mit all seinem Napalm besiegen konnte.
Stadt der Lampions
Nach gut einer Flugstunde ist Da Nang erreicht, das wirtschaftliche Zentrum in der Mitte Vietnams mit Tiefseehafen und internationalem Airport. Touristisch hat die Stadt nicht viel zu bieten außer einigen Luxushotels an palmengesäumten Stränden. Doch an dem fast fünfzig Kilometer langen China Beach drehen sich unzählige Kräne und so wird dort schon in kurzer Zeit ein neues Urlauberparadies aus dem Boden gestampft sein. Mit mediterranem Flair bezaubert das unweit gelegene Hoi An, ein Städtchen wie aus dem Bilderbuch. Einst war es eine bedeutende Hafenstadt, in der chinesische und japanische Kaufleute einen schwungvollen Handel mit Gewürzen, Edelhölzern und Stoffen betrieben. Mit seinen mehr als 800 historischen Gebäuden aus dem frühen 17. Jahrhundert ist Hoi An ein architektonisches Kleinod und Weltkulturerbe. Es macht Spaß, durch die engen Gassen zu schlendern in denen unzählige Geschäfte, Souvenirshops, Galerien und Kunsthandwerkläden zum shoppen locken.

P1040628Seinen Ruf als „Schneiderwerkstatt“ hat sich Hoi An bewahrt – über Nacht kann man sich in Maßarbeit Seidenanzüge, Kleider und Hosen anfertigen lassen. Doch am Schönsten ist es am Abend, wenn die Uferpromenade voller Menschen ist und die Stadt in einem Meer aus bunten Laternen und Lampions erstrahlt.
Königliches Hue
Weiter nordwärts über den Wolkenpass, der uns aus der Höhe traumhafte Aussichten über die Lagune im Norden und die weite Bucht von Da Nang beschert. Dann ist Hue erreicht, die alte Königsstadt, eingebettet in eine malerische Hügel- und Gebirgslandschaft. Glanz und Pracht der einstigen Herrscher der Ngujen-Dynastie werden lebendig bei einem Spaziergang durch die Zitadelle. Die 520 Hektar große Anlage – eine Stadt in der Stadt mit Palästen, Tempeln, Pagoden, Ziergärten, Hallen und umschlossen von einer 11 Kilometer langen Mauer – war jahrhundertelang für das Volk verschlossen. Heute strömen Touristen aus aller Welt durch das prächtige Mittagstor in die Königsstadt mit dem Kaiserpalast in der „Verbotenen Stadt“. In leuchtendem Rot und Gold, den Farben der Ngujen-Herrscher, erstrahlen die Halle der Höchsten Harmonie, der Thron, das herrschaftliche Theater, Flure und Gänge.

P1040701Seitdem die UNESCO 1993 die wichtigsten Anlagen in die Welterbeliste aufgenommen hat, ist vieles aufwendig restauriert worden. Dennoch sind die Wunden, die der Krieg in diesem riesigen Areal geschlagen hat, deutlich sichtbar. Bis 2020 soll das Palastgebäude wieder in alter Pracht zu besichtigen sein, weiß Reiseleiter Thung, einiges werde jedoch wohl für immer verloren sein. Nach einem Bummel über den quirligen Straßenmarkt gehen wir an Bord unseres Hausbootes auf dem Parfümfluss und erleben eine stimmungsvolle Landschaft mit üppig grünen Ufern. Bei einer Fahrradtour an Land sehen wir Pagoden und Tempel, in den kleinen Dörfern begleiten uns Kinder mit ihren Hello-Hello-rufen. Abends werden wir bei einem Kochkurs an Bord in die Geheimnisse der vietnamesischen Küche eingeweiht.
Text und Fotos: Christel Seiffert

 

Mongolei: Partnerland der ITB in Berlin 2015

Zu Gast beim Nationalfest Naadam

Alljährlich treffen sich Mitte Juli in der Hauptstadt Ulan Bator Wettkämpfer zum traditionellen Naadam, dem Nationalfest der Mongolen.

Bei der Veranstaltung handelt es sich um einen Wettkampf, bei dem sich die Teilnehmer beim Pferderennen, Bogenschießen und Ringen messen. Optisch wird viel Wert auf Tradition und Rituale gelegt. Kein Wunder, dass sich Zuschauer an die großen Zeiten eines Dschingis Khan erinnern. Für die meisten Mongolen hat das Naadam-Fest eine vergleichbare Bedeutung wie für uns die Olympischen Spiele. Naadam-Sieger genießen in der Mongolei großes Ansehen und werden wie Popstars verehrt.

Unser Autor Ralf Niemzig begleitete eine Gruppe von Ringern bei ihren Vorbereitungen in der Steppe bis zum großen Wettkampfauftritt in der Hauptstadt Ulan Bator.

 

 

Thailand: Im Himmelszug durch Bangkok

BTS Skytrain,  Bangkok

Skytrain, Bangkok, Foto: Fremdenverkehrsbüro Thailand

Thailands Metropole ist berühmt-berüchtigt für ihre Staus. Deshalb empfiehlt sich für das Stop-over-Ziel Bangkok eine Stadtrundfahrt in luftiger Höhe – im Skytrain.

Tuk-Tuk-Knattern, Hupkonzerte an jeder Ecke, ein verwinkelter Urwald aus Häusern, der von verstopften Straßen durchschlungen wird, rauchende Garküchen, Dunst und Lärm. Der Moloch Bangkok schlürft dich ein und doch hat die Stadt ihre Reize; es gibt Sehenswürdigkeiten von Weltrang, grandiose Fünfsterne-Hotels, jede Menge gute Restaurants, eine Clubszene und Shopping-Center vom Feinsten. Man muss nur wissen, wie man da am besten rankommt.

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Die wendigen Tuk-Tuks fahren durch die kleinste Gasse, Foto: Katharina Büttel

Lassen Sie Taxi und Tuk-Tuk stehen, und nehmen Sie den Skytrain, jene hypermoderne Hochbahn, von der sich seit der Eröffnung 1999 zwei Linien auf Stelzen durch die Hochhausschluchten ziehen und mühelos jeden Stau überholen – schnell, sauber, sicher, pünktlich auf die Sekunde, gut gekühlt auf 18 Grad mit Duft von Zitronengras in der Luft – und aussichtsreich. Man fährt Skytrain in Bangkok, wo immer es geht.

BTS Skytrain,  Bangkok

Skytrain, Bangkok, Foto: Fremdenverkehrsbüro Thailand

Rund 60 Stufen tiefer, unter den mächtigen, fast 15 Meter hohen Stelzen der Trasse ducken sich alte Häuschen, drängeln sich Menschen vor Garküchen, von denen die Stadt an die 40.000 hat. Eine Köchin brutzelt im Wok gebratenen Reis mit Krabben; die Portion zu 30 Baht – keine zwei Euro. In die verlockenden Gerüche von den kleinen Ständen wabern von den alten Stadtbussen schwarze Rußwolken. Auf acht- bis zwölfspurigen Straßen tost der Verkehr, Tuk-Tuk-Fahrer bieten ihre Dienste an. Aber die meisten Passanten gehen an ihnen vorbei und nach oben – zum Skytrain.

Oben boomt Bangkok. Oben wird gebaut, was das Zeug hält: Hotels, Shopping-Center, Bürogebäude, zum Himmel strebende Türme wie der 319 Meter hohe Baiyoke Sky Tower. Oben spiegeln sich Glasfassaden, glitzern Paläste moderner Architektur, rollt der Verkehr auf mautpflichtigen Hochautobahnen mitten durch die Stadt. Oben ist Bangkok auf dem Weg vom faszinierend-chaotischen Moloch zur geordnet-funktionierenden Metropole. Kurz gesagt: unten kocht die Stadt, oben kühlt der Skytrain Kopf und Körper.

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Shopping von Boot zu Boot auf Bangkoks Khlongs, Foto: Katharina Büttel

Wer das alte, traditionelle Bangkok sehen will, fährt bis Saphan Taksin, der westlichen Endstation der Silom-Linie direkt am Central Pier. Hier legen im Minutentakt Boote an, die den River Chao Phraya flussaufwärts fahren. Liegender Buddha, die Kultstätten Wat Arun und Wat Phra Keo, der Königstempel, das Häusergewirr von Chinatown und die berühmte „Writer’s Lounge“ im legendären „Oriental Hotel“ sind vom Fluss aus bequem zu Fuß zu erreichen.

Wer noch Zeit hat, jagt von hier aus in einem der bunt geschmückten Longtail-Boote durch die Klongs nach Thonburi zum Königlichen Barkenmuseum. Bereits im 14. Jahrhundert fuhren bis zu 200 dieser kostbar geschnitzten Barken zu Ehren des Königs in Prozession auf dem Fluss; heute sind von den noch 50 rot lackierten Booten nur 15 ständig zu sehen.

Am späteren Abend lässt es sich von der Memorial Bridge aus über den nächtlichen Blumenmarkt Pak Klong Talad bummeln – die tropische Blütenpracht ist überwältigend.

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Der 45 Meter lange Buddha in Wat Pho, Foto: Katharina Büttel

Der von Siemens gebaute Skytrain, ein Milliardenprojekt, rauscht völlig schadstofffrei mit 35 Kilometern/Stunde an den Dächern Bangkoks vorbei – von sechs Uhr morgens bis Mitternacht. Fahrtzeit für die Gesamtstrecke: keine Stunde; mit dem Taxi das Dreifache. Dazu der Preis: Kurzstrecke kostet 80 Cent, zwischen den Endstationen Mo Chit und On Nut um die zwei Euro; dieselbe Strecke per Taxi nicht unter zehn Euro.

Apropos Mo Chit: hier liegt Bangkoks Wochenmarkt Chatuchak – samstags und sonntags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Markt der Märkte ist ein gigantisches Warenlager, ein labyrinthischer Albtraum und Fundgrube für alles, was das Herz begehrt. Chatuchak ist heiß, stickig und stets überfüllt – aber es lohnt sich! Im Gewühl der 15.000 Marktstände gibt es Hunde, Kleidung, Möbel, Garküchen, Seidenstoffe, Kunsthandwerk. In Sektion 26, bei den Antiquitäten- und Stoffhändlern, findet man – schöne Souvenirs! – Schalen aus Mangoholz und glänzend lackierte Rattankörbe.

Jim Thompson kennt in Bangkok jeder, obwohl er seit 50 Jahren nicht mehr gesehen wurde. Es ist jener Amerikaner, der nach dem zweiten Weltkrieg die Thai-Seide international bekannt, ja berühmt machte, und der in den 60er-Jahren unter mysteriösen Umständen spurlos im Dschungel von Malaysia verschwand. Sein original erhaltenes Wohnhaus in schönster, alter Thai-Architektur – das Jim Thompson’s House – ist heute Museum mit Seiden-Shop und luftigem Restaurant – ein paar Schritte nur von der Station National Stadium entfernt.

Wer an der Thong Lo-Station, müde vom lauten Banglampoo-Markt und vom Großstadtstress, aussteigt, hat es nur fünf Gehminuten auf der Sukhumvit Road bis zum „Marriott Hotel‘“, einer modernen Oase inmitten der Hektik von Downtown Bangkok. Das Restaurant „The District“ – fünftbestes von 7000 in Bangkok – ist ein echter Geheimtipp und die Dachterrassen-Bar in luftiger Höhe bietet neben guten Cocktails einen spektakulären Rundblick über die „Stadt der Engel“, wie „Bangkok“ übersetzt heißt.

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Open-air-Restaurant des Marriott-Hotels, Foto: Katharina Büttel

Bangkoks Nachtleben hat viele Facetten: die Station Nana befindet sich im Zentrum des nächtlichen Geschehens. Schicke Clubs und angesagte Bars sind vor allem entlang der ellenlangen Sukhumvit Road zu finden. Hot Spot im 65. Stock des State Tower in der Silom Road ist das “Sirocco“; auf seiner Dachterrasse trifft sich ganz Bangkok zum Dinner oder auf einen Drink an der sensationellen Bar. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte den Platz auf dem gläsernen Boden über dem „Abgrund“ meiden und die himmlischen Aussichten auf die Stadt besser aus sicherer Entfernung von der Terrassenmitte aus genießen. Hier oben, mit einem Glas Thai Rumba in der Hand, sind Lärm und Chaos vergessen: Bangkok ist eine Stadt zum Verlieben – aber erst auf den zweiten Blick.

Text: Katharina Büttel