Jordanien: Land der Wüste und des Meeres

 

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Biblische Orte, ein Freiluft-Spa der besonderen Art, grüne Wälder, weite Wüste, fantastische Tauchgründe und eine köstliche Küche: Das macht Jordanien aus. Ein weiterer Vorzug des Landes im Nahen Osten ist die sehr offene und gleichzeitig unaufdringliche Freundlichkeit der Menschen.

Man benötigt ein etwa zwei Meter tiefes Erdloch, ein mehrstöckiges Stahlgestell, Holzkohle, einen feuerfesten Deckel etwas Lehm zum Abdichten sowie ein ganzes Lamm, ein halbes Dutzend Hühner und kiloweise Gemüse. Danach braucht es Geduld, sehr viel Geduld. Denn fast einen ganzen Tag garen die Zutaten im eigenen Saft luftdicht abgeschlossen in dem traditionellen Erdofen der Nomaden. Dazu gibt es die landestypischen Mezzeh, kalte Vorspeisen wie etwa Houmus, ein Kichererbsenpüree oder Tabbouleh, ein Petersiliensalat. Und zwar bis der Tisch sich biegt. Dazu arabische Gesänge mit Sternenhimmel über dem Wüstenzelt, ein Blick über das im Mondschein glitzernde Tote Meer und in fast greifbarer Nähe die Lichter Jerusalems. So sieht ein traditioneller arabischer Abend aus, etwa im Fünf-Sterne-Haus Evason Main Hotel östlich des Toten Meeres.

Größtes Freiluftspa der WeltFloating auf dem Toten Meer

Das ist das größte Freiluft-Spa der Welt mit einem extremen Salzgehalt von durchschnittlich 28 Prozent. Ein Wert, der alle anderen Meere um das Zehnfache übertrifft. Seit der Antike zieht das Tote Meer am tiefsten Punkt der Erde Menschen an. Der Grund ist das gesundheitsfördernde Wasser und das Klima des seit Jahrtausenden genutzten rund 400 Meter unter dem Meeresspiegel gelegenen Gewässers zwischen Jordanien und Israel. Wissenschaftler schätzen, dass darin über 40 Milliarden Tonnen Mineralien gelöst sind. Dazu zählen Magnesium, Kalzium, Brom, Kalium und Schwefel, die für Menschen eine heilende Wirkung haben.Badende im Toten Meer

Ein Umstand, den etwa das Kempinski Hotel Ishtar nutzt. Das Haus ist eines der größten Hotels in Jordanien. Dazu gehört ein Anantara-Spa, der größte Indoor-Spa im Nahen Osten mit mehr als 20 Behandlungsräumen. Geboten wird dort auch ein so genanntes Kleopatra-Bad mit Milch und Rosen. Doch seit einigen Jahren sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres jedes Jahr um bis zu 70 Zentimeter. Der Grund: Das Wasser des Flusses Jordan, Zulauf des Toten Meeres, wird von Jordanien wie auch von Israel etwa für die Landwirtschaft benötigt. Nun soll möglicherweise ein Tunnel vom Golf von Aqaba, einem der schönsten Schnorchel- und Taucherparadiese der Welt, hin zum Toten Meer Abhilfe schaffen. Verschiedene Machbarkeitsstudien sollen in Auftrag gegeben werden, damit das einzigartige Naturphänomen Totes Meer erhalten bleibt.

Der haschemitische König Abdullah II. und Königin Rania besuchen diesen außergewöhnlichen Ort regelmäßig. Der im Land sehr beliebte Herrscher und seine Frau sind im In- wie auch dem Ausland nicht weniger angesehen. Königin Rania wurde jüngst vom Forbes Magazin für ihr Engagement für Bildung und Menschenrechte auf die Liste der hundert mächtigsten Frauen der Welt aufgenommen. Das Königspaar herrscht über das Land mit sechs Millionen Einwohnern. Jordanien hat keine nennenswerten Öl- oder Gasvorkommen, anders etwa als der Nachbarstaat Saudi-Arabien. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung sind Moslems, viele davon palästinensischer Herkunft. Sie begegnen Besuchern des Landes von der vergleichbaren Größe von Bayern und Baden-Württemberg mit Toleranz, Interesse und Freundlichkeit. In dem Königreich befinden sich viele archäologisch wichtige Stätten, die auch für Christen von Bedeutung sind.

UNESCO Weltkulturerbe

Etwa der Berg Nebo, den man bei einer Tour in den Süden nach Petra passieren kann. Von dort aus soll Moses das gelobte Land gesehen haben, ohne es je zu betreten. Der Überlieferung nach befindet sich auch Moses Grab auf der das Tal des Jordan überragenden Anhöhe. Weiter Richtung Süden gelangt man nach Petra. Hufgeklapper der Kutschenpferde hallt durch die Schlucht, dem Siq, der rosaroten Felsenstadt der Nabatäer wieder. Sie war ein Knotenpunkt lukrativer Handelsrouten, die China im Osten mit Rom im Westen verband. Petra ist mehr als 2000 Jahre alt und ist von der UNESCO als Weltkulturerbestätte geadelt. Nach der Wanderung durch die rund einen Kilometer langen bisweilen nur zwei Meter breiten und 80 Meter in die Höhe ragenden Felswänden eröffnet sich ein Blick auf prachtvolle Felsengräber, Tempelfassaden, Totenhallen und Felsreliefs. Nach dem Besuch sollte man Zeit einplanen, um das jordanische Nationalgericht in einem der Lokale der Stadt zu probieren, etwa im Sun City Restaurant. Mansaf heißt das Gericht aus Lammfleisch, Joghurtsoße sowie Reis und wird traditionell auf großen runden Platten für mehrere Personen serviert. Gegessen wird mit den Fingern. Jordanisches Essen

So gestärkt geht die Reise zu einer bedeutenden religiösen Ausgrabungsstätte am Toten Meer vorbei in Richtung Norden weiter. Dort liegt Madaba, die Stadt der Mosaike. In der zeitgenössischen griechisch-orthodoxen Kirche St. George befindet sich die aus kleinen Steinen zusammengesetzte älteste Karte des Heiligen Landes als antikes Bodenmosaik aus dem sechsten Jahrhundert. Höher im Norden befindet sich die Stadt Jerash, eine der am besten erhaltenen römischen Städte der Welt. Säulenhaine, Tempel und Amphitheater prägen diesen Touristenmagneten.  Pinien, Pistazien und Eichen gehören zum Bild des unweit von Jerash gelegenen Ajloun Naturschutzgebietes. Dort können Aktivurlauber verschiedene Touren durch das Forstgebiet machen, in dem die jordanische Nationalblume, die schwarze Iris, vorkommt.

Jordanische Datteln

Charakteristisch für die Landwirtschaft in Jordanien sind Oliven, Mandeln, Feigen, Aprikosen, Pfirsiche und Datteln – diese Früchte werden in einer hervorragender Qualität produziert, gelten etwa die jordanischen Datteln der Sorte Medjoul als die Besten der Welt. Sie gedeihen auf verschiedenen landesweiten Farmen, wie etwa der Al Baraka Farm unweit von Amman. In der Metropole werden sie beispielsweise bei Zalatimo Sweets verwendet. Dort versteht man das Geschäft mit der Produktion von Baklava aus Blätterteig, Feigen, Pistazien und Datteln. Und das bereits in der dritten Generation. Die landestypischen Süßigkeiten findet man in der Altstadt und den Souks, den bunten Basaren, an jeder Ecke. Auch beim Genuss einer Wasserpfeife werden die süßen Speisen gerne in einem der vielen Cafés der Hauptstadt gereicht. Sie ist bekannt für den Zitadellenhügel mit einer Festungsanlage, in der Spuren neolithischer, hellenistischer, spätrömischer und islamischer Zeit zu sehen sind. Und noch etwas bietet die Erhebung – einen fantastischen Blick über die so genannte „Weiße Stadt“ bei Sonnenuntergang.

Sabine Kwapik

Jordanien: Gesundheitsdestination 2014

Vor allem das Tote Meer gehört zu einer der beliebtesten Regionen für Gesundheitsreisende. Bildrechte Jordan Tourism Board

Bei der diesjährigen Verleihung der IMTJ Medical Travel Awards wurde Jordanien von der anwesenden Fachjury zur „Gesundheitsdestination 2014“ gekürt. Der Preis wird jährlich im Rahmen der Medizinfachmesse IMTEC durch das International Medical Travel Journal verliehen, dem internationalen Leitmedium für Medizintourismus.

Jordanien zählt international zu den führenden Ländern für Gesundheits- und Wellnesstourismus. Der Anteil des Medizintourismus wird mit rund einer Milliarde US-Dollar auf vier Prozent des jordanischen Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Rund 42.000 Mediziner arbeiten in dem modernen, arabischen Land.

Vor allem das Tote Meer gehört zu einer der beliebtesten Regionen für Gesundheitsreisende und die einzigartigen klimatischen Bedingungen in Kombination mit den Elementen Sonne, Wasser, Schlamm und Luft bieten hervorragende Behandlungsmöglichkeiten für eine große Bandbreite chronischer Beschwerden. Die Kliniken mit internationalen Teams aus Fachärzten und Experten sowie hervorragend geschultem Pflegepersonal, sind vor allem auf die Heilung von Haut-, Gelenk-, Augen-, und Atemwegserkrankungen sowie Bluthochdruck spezialisiert. Ein medizinischer Aufenthalt wird von einer Auswahl deutscher Krankenkassen unterstützt.

 

Jordanien: Petra und andere Wunder

Aus dem Fels gehauene Königsgräber

Die gelb-braun-bunte Felsenstadt ist zweifellos Jordaniens bedeutendste touristische Sehenswürdigkeit. Doch ebenso einzigartig ist die grandiose Wüstenlandschaft des Wadi Rum

Unterwegs auf der Straße der Könige von Amman bis Aqaba am Roten Meer. Einst ein Karawanenweg und wichtiger Handelspfad durch drei Königreiche, verbindet  sie heute einige historische Stätten wie Madaba, Kerak und Petra. Wer sich Amman, das neben Jericho und Damaskus zu den ältesten Städten der Welt gehört, als orientalische Stadt mit einem Gewirr von Gassen und Basaren vorstellt, wird überrascht sein. Denn er lernt eine moderne, saubere Zwei-Millionen-Metropole mit mehrspurigen breiten Straßen und Häusern aus hellem Sandstein kennen, die sich über 21 Hügel erstreckt. Unweit von Amman führt die Königsstraße nach Madaba, das für seine Mosaiken berühmt ist. Staunend steht man vor dem großen Palästina-Mosaik. Diese im 6. Jahrhundert aus zwei Millionen winzigen Steinen zusammengesetzte Landkarte gilt als die erste erhaltene geografische Darstellung der Region. Auch in der Apostelkirche und dem archäologischen Freiluftmuseum können wunderbare Bodenmosaiken mit verspielten Pflanzen- und Tierdarstellungen bewundert werden. Petra, Jordanien

Zehn Kilometer westlich von Madaba befindet sich einer der  wichtigsten christlichen Pilgerorte des Landes – der Berg Nebo. Es heißt, Moses sei kurz vor seinem Tod auf den 840 Meter hohen Berg gestiegen, um noch einmal ins Gelobte Land sehen zu können. Weit geht der Blick hinunter ins fruchtbare Jordantal, das schon seit biblischen Zeiten Siedler angezogen hat. Bei klarer Sicht sind in der Ferne das Tote Meer und sogar Jerusalem am Horizont zu erkennen. Weiter südwärts führt die Straße der Könige durch eine überwältigende Berglandschaft. In unzähligen Serpentinen windet sie sich durch eine mit spärlichem Grün bewachsene, später karge gelbbraune und menschenleere Weite nach oben. Beim Halt am Aussichtspunkt Mammana Man bietet sich ein Schwindel erregender Blick in das Tausend Meter tiefer liegende Tal Wadi Mujib. Und weil alle Autos und Busse hier einen Stop machen um die Aussicht zu genießen, sind immer auch Beduinen zur Stelle, die ihre Waren anbieten: Felle, gewebte Teppiche, traditionellen Schmuck und anderes. Abwärts reiht sich dann wieder Serpentine an Serpentine bis Karak erreicht ist, das von der imponierenden Kreuzfahrerburg überragt wird. Im 12. Jahrhundert errichtet, ist sie ein beeindruckender Zeuge aus der Zeit der Kreuzritter. Obwohl die oberen Stockwerke nur noch Ruinen sind, beeindrucken bei einem Rundgang die vor einigen Jahren komplett wieder hergestellten unterirdischen Bankettsäle.

Noch ein paar Stunden, dann ist Petra erreicht, der Höhepunkt jeder Jordanienreise. Und die geheimnisvolle Welt eines längst untergegangen Volkes öffnet sich. Was die Nabatäler vor mehr als 2000 Jahren in den weichen Fels gemeißelt haben, ist atemberaubend. Bis zu Hundert Meter  hoch ragen die Wände am Eingang der schmalen Felsklamm, des Siq, empor. An manchen Stellen ist sie so eng, dass kein Sonnenstrahl bis in die Tiefe dringt. Immer wieder faszinieren die Gelb, Braun, Violett und Rosa Farbschattierungen, in denen der Sandstein schimmert. Überwältigend ist der Augenblick, wenn am Ende des Siq aus dem Dunkel der Felswände ein schmaler rosafarbener Streifen leuchtet. Nur noch wenige Schritte  dann erstrahlt die 43 Meter hohe, kunstvolle Fassade des Schatzhauses im gleißenden Sonnenlicht. Im 1. Jahrhundert vor Chr. als Grabmal für einen mabatäischen König errichtet, verdankt es seinen Namen der Urne auf seiner Spitze, in der wertvolle Schätze vermutet wurden. Obwohl einem das Bauwerk aus Fotos bereits bekannt ist, hat das Original eine magische Wirkung, der sich niemand entziehen kann. Hier möchte man verweilen und den wunderbaren Anblick einfach genießen. Hinter dem Schatzhaus erweitert sich die Schlucht und führt zu den Königsgräbern, die teilweise übereinander in den Fels gemeißelt wurden. Mehr als 500 sollen es in der Felsenstadt sein. Eines der Schönsten ist das Seidengrab, das mit seinem Grau, Weiß, Blau und Rosa gemaserten Gestein einem expressionistischen Gemälde gleicht. Mit vier Toren und achtzehn Säulen beeindruckt das Palastgrab, eines der größten Monumente der Felsenstadt. Über die Kolonnadenstraße, einst das Herz der Stadt, führt der Weg zum Halbrund des Theaters, das Siebentausend Menschen Platz bot. Wer bis auf die letzten Sitzreihen nach oben steigt, dem liegt der ganze Talkessel Petras zu Füßen, das als eines der „Sieben neuen Weltwunder“ gilt.       Petra, Jordanien

Schon geht es weiter zum nächsten Highlight – der einzigartigen Wüstenlandschaft des Wadi Rum. Jetzt heißt es: umsteigen in Jeeps. Erster Stop am Besucherzentrum „Die sieben Säulen der Weisheit“, benannt nach der Autobiographie von E.T. Lawrence, der als „Lawrence von Arabien“ berühmt wurde. Teile des 1962 gedrehten gleichnamigen Films mit Peter O´Toole in der Hauptrolle entstanden hier im Wadi Rum. Unermesslich, vom Echo widerhallend, göttlich – so hat Lawrence diese Wüstenlandschaft beschrieben. Mächtige Steinkolosse in allen Rotschattierungen, Säulen, steinerne Brücken und Orgelpfeifen ragen aus dem feinen Sand. Wind und Wetter haben in Millionen Jahren diese Zauberlandschaft geschaffen. Und über allem wölbt sich ein azurfarbener Himmel. Stille, Weite, Einsamkeit. Mittendrin eine rote Sanddüne und geheimnisvolle Felsritzungen, die vom Leben der Beduinen erzählen. Als die Schatten länger werden und die Sonne tiefer steht, ist das Captains Desert Camp erreicht. Denn die Krönung dieses unvergesslichen Tages ist eine Übernachtung im Beduinenzelt. Unterhalb einer großen Felsgruppe stehen die Zwei-Personen-Zelte aus Ziegenhaar. Zwei große Betten mit warmen Decken und Moskitonetzen, Tisch, Stuhl, elektrisches Licht und ein Gemeinschaftszelt mit Duschen, Toiletten, Waschbecken und Spiegeln bieten rustikalen 3-Sterne-Komfort. Beim Beduinendinner mit traditionellen Speisen und Lagerfeuerromantik trinkt man Unmengen des süßen Tees, der immer frisch zubereitet wird. Wenn um 22 Uhr das elektrische Licht ausgeht, werden in den Zelten die Kerzen angezündet. Draußen erhellen Fackeln an den Felswänden die Nacht und über allem spannt sich ein unendlicher Sternenhimmel.

Christel Seiffert

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