Thailand: Im Himmelszug durch Bangkok

BTS Skytrain,  Bangkok

Skytrain, Bangkok, Foto: Fremdenverkehrsbüro Thailand

Thailands Metropole ist berühmt-berüchtigt für ihre Staus. Deshalb empfiehlt sich für das Stop-over-Ziel Bangkok eine Stadtrundfahrt in luftiger Höhe – im Skytrain.

Tuk-Tuk-Knattern, Hupkonzerte an jeder Ecke, ein verwinkelter Urwald aus Häusern, der von verstopften Straßen durchschlungen wird, rauchende Garküchen, Dunst und Lärm. Der Moloch Bangkok schlürft dich ein und doch hat die Stadt ihre Reize; es gibt Sehenswürdigkeiten von Weltrang, grandiose Fünfsterne-Hotels, jede Menge gute Restaurants, eine Clubszene und Shopping-Center vom Feinsten. Man muss nur wissen, wie man da am besten rankommt.

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Die wendigen Tuk-Tuks fahren durch die kleinste Gasse, Foto: Katharina Büttel

Lassen Sie Taxi und Tuk-Tuk stehen, und nehmen Sie den Skytrain, jene hypermoderne Hochbahn, von der sich seit der Eröffnung 1999 zwei Linien auf Stelzen durch die Hochhausschluchten ziehen und mühelos jeden Stau überholen – schnell, sauber, sicher, pünktlich auf die Sekunde, gut gekühlt auf 18 Grad mit Duft von Zitronengras in der Luft – und aussichtsreich. Man fährt Skytrain in Bangkok, wo immer es geht.

BTS Skytrain,  Bangkok

Skytrain, Bangkok, Foto: Fremdenverkehrsbüro Thailand

Rund 60 Stufen tiefer, unter den mächtigen, fast 15 Meter hohen Stelzen der Trasse ducken sich alte Häuschen, drängeln sich Menschen vor Garküchen, von denen die Stadt an die 40.000 hat. Eine Köchin brutzelt im Wok gebratenen Reis mit Krabben; die Portion zu 30 Baht – keine zwei Euro. In die verlockenden Gerüche von den kleinen Ständen wabern von den alten Stadtbussen schwarze Rußwolken. Auf acht- bis zwölfspurigen Straßen tost der Verkehr, Tuk-Tuk-Fahrer bieten ihre Dienste an. Aber die meisten Passanten gehen an ihnen vorbei und nach oben – zum Skytrain.

Oben boomt Bangkok. Oben wird gebaut, was das Zeug hält: Hotels, Shopping-Center, Bürogebäude, zum Himmel strebende Türme wie der 319 Meter hohe Baiyoke Sky Tower. Oben spiegeln sich Glasfassaden, glitzern Paläste moderner Architektur, rollt der Verkehr auf mautpflichtigen Hochautobahnen mitten durch die Stadt. Oben ist Bangkok auf dem Weg vom faszinierend-chaotischen Moloch zur geordnet-funktionierenden Metropole. Kurz gesagt: unten kocht die Stadt, oben kühlt der Skytrain Kopf und Körper.

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Shopping von Boot zu Boot auf Bangkoks Khlongs, Foto: Katharina Büttel

Wer das alte, traditionelle Bangkok sehen will, fährt bis Saphan Taksin, der westlichen Endstation der Silom-Linie direkt am Central Pier. Hier legen im Minutentakt Boote an, die den River Chao Phraya flussaufwärts fahren. Liegender Buddha, die Kultstätten Wat Arun und Wat Phra Keo, der Königstempel, das Häusergewirr von Chinatown und die berühmte „Writer’s Lounge“ im legendären „Oriental Hotel“ sind vom Fluss aus bequem zu Fuß zu erreichen.

Wer noch Zeit hat, jagt von hier aus in einem der bunt geschmückten Longtail-Boote durch die Klongs nach Thonburi zum Königlichen Barkenmuseum. Bereits im 14. Jahrhundert fuhren bis zu 200 dieser kostbar geschnitzten Barken zu Ehren des Königs in Prozession auf dem Fluss; heute sind von den noch 50 rot lackierten Booten nur 15 ständig zu sehen.

Am späteren Abend lässt es sich von der Memorial Bridge aus über den nächtlichen Blumenmarkt Pak Klong Talad bummeln – die tropische Blütenpracht ist überwältigend.

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Der 45 Meter lange Buddha in Wat Pho, Foto: Katharina Büttel

Der von Siemens gebaute Skytrain, ein Milliardenprojekt, rauscht völlig schadstofffrei mit 35 Kilometern/Stunde an den Dächern Bangkoks vorbei – von sechs Uhr morgens bis Mitternacht. Fahrtzeit für die Gesamtstrecke: keine Stunde; mit dem Taxi das Dreifache. Dazu der Preis: Kurzstrecke kostet 80 Cent, zwischen den Endstationen Mo Chit und On Nut um die zwei Euro; dieselbe Strecke per Taxi nicht unter zehn Euro.

Apropos Mo Chit: hier liegt Bangkoks Wochenmarkt Chatuchak – samstags und sonntags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Markt der Märkte ist ein gigantisches Warenlager, ein labyrinthischer Albtraum und Fundgrube für alles, was das Herz begehrt. Chatuchak ist heiß, stickig und stets überfüllt – aber es lohnt sich! Im Gewühl der 15.000 Marktstände gibt es Hunde, Kleidung, Möbel, Garküchen, Seidenstoffe, Kunsthandwerk. In Sektion 26, bei den Antiquitäten- und Stoffhändlern, findet man – schöne Souvenirs! – Schalen aus Mangoholz und glänzend lackierte Rattankörbe.

Jim Thompson kennt in Bangkok jeder, obwohl er seit 50 Jahren nicht mehr gesehen wurde. Es ist jener Amerikaner, der nach dem zweiten Weltkrieg die Thai-Seide international bekannt, ja berühmt machte, und der in den 60er-Jahren unter mysteriösen Umständen spurlos im Dschungel von Malaysia verschwand. Sein original erhaltenes Wohnhaus in schönster, alter Thai-Architektur – das Jim Thompson’s House – ist heute Museum mit Seiden-Shop und luftigem Restaurant – ein paar Schritte nur von der Station National Stadium entfernt.

Wer an der Thong Lo-Station, müde vom lauten Banglampoo-Markt und vom Großstadtstress, aussteigt, hat es nur fünf Gehminuten auf der Sukhumvit Road bis zum „Marriott Hotel‘“, einer modernen Oase inmitten der Hektik von Downtown Bangkok. Das Restaurant „The District“ – fünftbestes von 7000 in Bangkok – ist ein echter Geheimtipp und die Dachterrassen-Bar in luftiger Höhe bietet neben guten Cocktails einen spektakulären Rundblick über die „Stadt der Engel“, wie „Bangkok“ übersetzt heißt.

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Open-air-Restaurant des Marriott-Hotels, Foto: Katharina Büttel

Bangkoks Nachtleben hat viele Facetten: die Station Nana befindet sich im Zentrum des nächtlichen Geschehens. Schicke Clubs und angesagte Bars sind vor allem entlang der ellenlangen Sukhumvit Road zu finden. Hot Spot im 65. Stock des State Tower in der Silom Road ist das “Sirocco“; auf seiner Dachterrasse trifft sich ganz Bangkok zum Dinner oder auf einen Drink an der sensationellen Bar. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte den Platz auf dem gläsernen Boden über dem „Abgrund“ meiden und die himmlischen Aussichten auf die Stadt besser aus sicherer Entfernung von der Terrassenmitte aus genießen. Hier oben, mit einem Glas Thai Rumba in der Hand, sind Lärm und Chaos vergessen: Bangkok ist eine Stadt zum Verlieben – aber erst auf den zweiten Blick.

Text: Katharina Büttel

 

Jordanien: Land der Wüste und des Meeres

 

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Biblische Orte, ein Freiluft-Spa der besonderen Art, grüne Wälder, weite Wüste, fantastische Tauchgründe und eine köstliche Küche: Das macht Jordanien aus. Ein weiterer Vorzug des Landes im Nahen Osten ist die sehr offene und gleichzeitig unaufdringliche Freundlichkeit der Menschen.

Man benötigt ein etwa zwei Meter tiefes Erdloch, ein mehrstöckiges Stahlgestell, Holzkohle, einen feuerfesten Deckel etwas Lehm zum Abdichten sowie ein ganzes Lamm, ein halbes Dutzend Hühner und kiloweise Gemüse. Danach braucht es Geduld, sehr viel Geduld. Denn fast einen ganzen Tag garen die Zutaten im eigenen Saft luftdicht abgeschlossen in dem traditionellen Erdofen der Nomaden. Dazu gibt es die landestypischen Mezzeh, kalte Vorspeisen wie etwa Houmus, ein Kichererbsenpüree oder Tabbouleh, ein Petersiliensalat. Und zwar bis der Tisch sich biegt. Dazu arabische Gesänge mit Sternenhimmel über dem Wüstenzelt, ein Blick über das im Mondschein glitzernde Tote Meer und in fast greifbarer Nähe die Lichter Jerusalems. So sieht ein traditioneller arabischer Abend aus, etwa im Fünf-Sterne-Haus Evason Main Hotel östlich des Toten Meeres.

Größtes Freiluftspa der WeltFloating auf dem Toten Meer

Das ist das größte Freiluft-Spa der Welt mit einem extremen Salzgehalt von durchschnittlich 28 Prozent. Ein Wert, der alle anderen Meere um das Zehnfache übertrifft. Seit der Antike zieht das Tote Meer am tiefsten Punkt der Erde Menschen an. Der Grund ist das gesundheitsfördernde Wasser und das Klima des seit Jahrtausenden genutzten rund 400 Meter unter dem Meeresspiegel gelegenen Gewässers zwischen Jordanien und Israel. Wissenschaftler schätzen, dass darin über 40 Milliarden Tonnen Mineralien gelöst sind. Dazu zählen Magnesium, Kalzium, Brom, Kalium und Schwefel, die für Menschen eine heilende Wirkung haben.Badende im Toten Meer

Ein Umstand, den etwa das Kempinski Hotel Ishtar nutzt. Das Haus ist eines der größten Hotels in Jordanien. Dazu gehört ein Anantara-Spa, der größte Indoor-Spa im Nahen Osten mit mehr als 20 Behandlungsräumen. Geboten wird dort auch ein so genanntes Kleopatra-Bad mit Milch und Rosen. Doch seit einigen Jahren sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres jedes Jahr um bis zu 70 Zentimeter. Der Grund: Das Wasser des Flusses Jordan, Zulauf des Toten Meeres, wird von Jordanien wie auch von Israel etwa für die Landwirtschaft benötigt. Nun soll möglicherweise ein Tunnel vom Golf von Aqaba, einem der schönsten Schnorchel- und Taucherparadiese der Welt, hin zum Toten Meer Abhilfe schaffen. Verschiedene Machbarkeitsstudien sollen in Auftrag gegeben werden, damit das einzigartige Naturphänomen Totes Meer erhalten bleibt.

Der haschemitische König Abdullah II. und Königin Rania besuchen diesen außergewöhnlichen Ort regelmäßig. Der im Land sehr beliebte Herrscher und seine Frau sind im In- wie auch dem Ausland nicht weniger angesehen. Königin Rania wurde jüngst vom Forbes Magazin für ihr Engagement für Bildung und Menschenrechte auf die Liste der hundert mächtigsten Frauen der Welt aufgenommen. Das Königspaar herrscht über das Land mit sechs Millionen Einwohnern. Jordanien hat keine nennenswerten Öl- oder Gasvorkommen, anders etwa als der Nachbarstaat Saudi-Arabien. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung sind Moslems, viele davon palästinensischer Herkunft. Sie begegnen Besuchern des Landes von der vergleichbaren Größe von Bayern und Baden-Württemberg mit Toleranz, Interesse und Freundlichkeit. In dem Königreich befinden sich viele archäologisch wichtige Stätten, die auch für Christen von Bedeutung sind.

UNESCO Weltkulturerbe

Etwa der Berg Nebo, den man bei einer Tour in den Süden nach Petra passieren kann. Von dort aus soll Moses das gelobte Land gesehen haben, ohne es je zu betreten. Der Überlieferung nach befindet sich auch Moses Grab auf der das Tal des Jordan überragenden Anhöhe. Weiter Richtung Süden gelangt man nach Petra. Hufgeklapper der Kutschenpferde hallt durch die Schlucht, dem Siq, der rosaroten Felsenstadt der Nabatäer wieder. Sie war ein Knotenpunkt lukrativer Handelsrouten, die China im Osten mit Rom im Westen verband. Petra ist mehr als 2000 Jahre alt und ist von der UNESCO als Weltkulturerbestätte geadelt. Nach der Wanderung durch die rund einen Kilometer langen bisweilen nur zwei Meter breiten und 80 Meter in die Höhe ragenden Felswänden eröffnet sich ein Blick auf prachtvolle Felsengräber, Tempelfassaden, Totenhallen und Felsreliefs. Nach dem Besuch sollte man Zeit einplanen, um das jordanische Nationalgericht in einem der Lokale der Stadt zu probieren, etwa im Sun City Restaurant. Mansaf heißt das Gericht aus Lammfleisch, Joghurtsoße sowie Reis und wird traditionell auf großen runden Platten für mehrere Personen serviert. Gegessen wird mit den Fingern. Jordanisches Essen

So gestärkt geht die Reise zu einer bedeutenden religiösen Ausgrabungsstätte am Toten Meer vorbei in Richtung Norden weiter. Dort liegt Madaba, die Stadt der Mosaike. In der zeitgenössischen griechisch-orthodoxen Kirche St. George befindet sich die aus kleinen Steinen zusammengesetzte älteste Karte des Heiligen Landes als antikes Bodenmosaik aus dem sechsten Jahrhundert. Höher im Norden befindet sich die Stadt Jerash, eine der am besten erhaltenen römischen Städte der Welt. Säulenhaine, Tempel und Amphitheater prägen diesen Touristenmagneten.  Pinien, Pistazien und Eichen gehören zum Bild des unweit von Jerash gelegenen Ajloun Naturschutzgebietes. Dort können Aktivurlauber verschiedene Touren durch das Forstgebiet machen, in dem die jordanische Nationalblume, die schwarze Iris, vorkommt.

Jordanische Datteln

Charakteristisch für die Landwirtschaft in Jordanien sind Oliven, Mandeln, Feigen, Aprikosen, Pfirsiche und Datteln – diese Früchte werden in einer hervorragender Qualität produziert, gelten etwa die jordanischen Datteln der Sorte Medjoul als die Besten der Welt. Sie gedeihen auf verschiedenen landesweiten Farmen, wie etwa der Al Baraka Farm unweit von Amman. In der Metropole werden sie beispielsweise bei Zalatimo Sweets verwendet. Dort versteht man das Geschäft mit der Produktion von Baklava aus Blätterteig, Feigen, Pistazien und Datteln. Und das bereits in der dritten Generation. Die landestypischen Süßigkeiten findet man in der Altstadt und den Souks, den bunten Basaren, an jeder Ecke. Auch beim Genuss einer Wasserpfeife werden die süßen Speisen gerne in einem der vielen Cafés der Hauptstadt gereicht. Sie ist bekannt für den Zitadellenhügel mit einer Festungsanlage, in der Spuren neolithischer, hellenistischer, spätrömischer und islamischer Zeit zu sehen sind. Und noch etwas bietet die Erhebung – einen fantastischen Blick über die so genannte „Weiße Stadt“ bei Sonnenuntergang.

Sabine Kwapik

Vereinigte Arabische Emirate: Sharjah – Dubais ruhige Schwester

Sharjah - Blue Souk

Wenn Sharifa Madgwich zu sprechen beginnt, kann sich niemand ihrem Redefluss entziehen. Von Kopf bis Fuß eingehüllt in den traditionellen schwarzen Umhang Abaya, den Kopf züchtig bedeckt, erzählt die PR-Managerin des Sharjah Centre for Cultural Communication lebhaft von „ihrer“ Moschee. Es ist die Al Noor-Moschee, die einzige von 400 Moscheen des Emirats Sharjah, die Fremde besuchen dürfen. Dazu hat Sharifa Madgwich ein Programm entworfen, das den Besuchern den Islam und die Funktion einer Moschee näher bringen soll. „Sie können mich alles fragen“, verspricht sie und lässt keinen Zweifel daran, dass sie auch auf Fragen, die von Vorurteilen geprägt sind, keine Antwort schuldig bleibt.

Die gebürtige Britin kennt diese Vorurteile zu genau, die sie Tag für Tag erdulden musste, nachdem sie zum Islam konvertierte und bevor sie der Liebe wegen nach Sharjah zog. Zur einstündigen Führung durch die Moschee, bei der Urlauber sogar fotografieren dürfen, lädt das Sharjah Centre for Cultural Communication stets zu Montag, 10 Uhr ein. Wer nicht sittsam genug angezogen ist, erhält Leihkleidung zum Überstreifen.

Zurück zum Flair der 50-er Jahre

Sharjah   Sheria MadgwickDas Sharjah Centre for Cultural Communications mit einem winzigen Büro in der Altstadt von Sharjah-Stadt ist typisch für Dubais Nachbarland: Das Emirat besinnt sich konsequent auf seine Vergangenheit und steht mitten in der Gegenwart. Die Vergangenheit: Alle Staatsgebäude sind im traditionellen orientalischen Stil errichtet, und das Historische Viertel soll im millionenschweren Programm „Heart of Sharjah“ bis 2025 „zurück zum Flair der 1950-er Jahre“ finden, wie es in einem Prospekt heißt. Damals war Sharjah reich durch die Perlenfischerei.

Die Gegenwart: Der Einfluss des rasant wachsenden Nachbar-Emirats Dubai ist unübersehbar. Auch Sharjah besitzt viele Hochhäuser, doch nicht ganz so viele und so bizarre wie Dubai. In Sharjah wohnt knapp eine Million Menschen; acht von zehn – in Dubai sind es neun von zehn – stammen aus anderen Ländern rund um den Globus, sind also Gastarbeiter und deren Angehörige. Schätzungsweise jeder zweite Bewohner arbeitet in Dubai, wohnt aber wegen der niedrigeren Mieten und Immobilienpreise in Sharjah. Das führt regelmäßig zu gewaltigen Staus auf der Verbindungsstraße zwischen den zwei Emiraten.

Es gibt zu wenige Hotels

Touristen sind erwünscht, aber die Hotelkapazität ist begrenzt. Es gibt zwar über 70 Quartiere, aber nur ein Dutzend internationaler Großhotels. Doch weitere große Hotelketten drängen ins Emirat. Im wertvollsten historischen Gebäude der Altstadt soll bis 2015 ein Boutique-Hotel mit 56 Zimmern eröffnet werden – ein Tropfen auf den heißen Stein. Es handelt sich um das nach seinem früheren Besitzer benannte Majlis Al Midfaa-Haus, einst Treffpunkt für Wissenschaftler und Kaufleute, um über Literatur und Politik zu diskutieren. Ibrahim Al Midfaa diente bis in die achtziger Jahre vier Herrschern des Emirats als Sekretär. Sein Haus wurde auch wegen des runden Windturms berühmt, dem einzigen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die normalerweise viereckigen Türme fingen früher frische Winde ein und kühlten so die Wohnungen.

Sharjah - teilsanierte Altstadt„Sharjah ist Dubais ruhige Schwester“, sagt Ute Köstle, deutschsprachiger Tourguide mit Lizenz für die gesamten Vereinigten Arabischen Emirate , „hier verläuft die Entwicklung etwas langsamer und konservativer.“ So sollten sich Touristen – auch die Männer – trotz der Hitze relativ bedeckt halten. Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit sind verpönt. Und Alkohol ist auch in Hotels strengstens verboten. Da wundert’s, dass Russen das Hauptkontingent der Besucher stellen. „In einer Viertelstunde sind sie in einer Bar in Dubai,“ stellt Ute Köstle dazu lakonisch fest. Während die Russen „eher Sonne und Sand suchen, genießen die Deutschen, zweitstärkste Besuchernation, auch die Kultur“, sagt sie.

Die fünf Säulen des Islam

Sharjah gilt als das Kulturzentrum der Vereinigten Arabischen Emirate. Der 15. Herrscher des Emirats, Dr. Sultan bin Mohammed al Quasimi, ist der einzige Akademiker unter seinen Kollegen der Golfstaaten. Er ist sehr an Kunst interessiert. In Sharjah gibt es 22 Museen, darunter im größten Altstadt-Haus das intime Heritage-Museum. Schmuck, Keramik, Münzen und Puppen in traditionellen Kostümen erzählen vom Leben in der Region vor der Entdeckung des Öls, als noch Landwirtschaft, Fischerei und Handel das Leben der Araber bestimmte. In einem früheren riesigen Bazargebäude ist das Museum für Islamik untergebracht, das in eine Welt einführt, die den meisten Deutschen fremd ist. Die 5000 Exponate – auch hier wieder Schmuck und Trachten, aber auch Manuskripte, Maschinen und Modelle – dokumentieren die fünf Säulen des Islam und geben, unterstützt von interaktiven Monitoren und klugen Testtafeln auch in Englisch, einen Überblick über 14 Jahrhunderte islamische Kunst. „Wer sich auf das Dargebotene näher einlässt, spürt, wie auch die letzten Vorurteile dahinschmelzen“, sagt Ute Köstle.

Sharjah   Flag IslandNoch in Betrieb ist der erst 1979 eröffnete, in islamischer Bautradition errichtete Blue Souk mit 800 Geschäften auf zwei Etagen. Mit seinen Kuppeldächern, traditionellen viereckigen Windtürmen, ornamentalen Rundbogenfenstern und Mosaiken gehört der Hallenmarkt zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten auf der Arabischen Halbinsel.

Ganzkörperfön für die Kleinen

Sharjah besitzt drei künstliche Lagunen, feine Sandstrände und noch schönere, schier endlose Strände an den Küsten dreier Enklaven, die im Osten am Golf von Oman liegen. Es gibt kaum eine Urlaubersportart, die hier nicht ausgeübt werden kann. Im Sharjah Ladies Club können Urlauber sogar Schlittschuh laufen. Männliche Kinder müssen dort allerdings jünger als neun Jahre sein. Bei allen anderen Attraktionen sind Jungen jeden Alters zugelassen, im Fort der Hauptstadt, im Oldtimer-Museum oder im Streichelzoo. Kinder sind ausdrücklich willkommen, die Regenten von Sharjah setzen bei Bewohnern und Besuchern betont auf Familien. Das belegen auch Details: Am Riesenrad in der Vergnügungsmeile Al Qasba steht ein „Ganzkörperfön“, mit dem sich kleine Besucher trocknen können, die in den Wasserfontänen der Anlage gespielt haben.

Horst Schwartz

Türkei: Der Taurus Trail – Über Stock und Wein

©Achim Chwaszcza/DAV

Bislang kannte man die Türkische Riviera als Badedestination. Jetzt kann man dort auch auf dem Taurus-Trail durch unberührte Natur wandern.

Ein bisschen lädiert sieht er aus, der Kerl. Trotz der prächtigen Muskeln. Kein Wunder: Herkules – oder besser „Herakles von Perge“ – hat eine weite Reise hinter sich. Zumindest seine obere Hälfte. Der Torso der Gottheit lag viele Jahre in einem Museum in Boston/USA, bevor er an die türkische Südküste zurückgebracht wurde. Grabräuber hatten ihn zuvor über deutsche Hehler an die Amerikaner verschachert. Nicht so den Teil ab Bauchnabel abwärts: Beine, Po und Hüfte des steinernen Griechen sind seit ihrem sensationellen Fund 1980 im antiken Perge im Archäologischen Museum von Antalya ausgestellt. Erst 2011 wurden beide Teile wieder zusammengefügt.Wackelig wirkt die Statue aus dem zweiten Jahrhundert nach Christi dennoch nicht. Anders so mancher Wanderer, der das Taurus-Gebirge quert. Das Bergmassiv zieht sich entlang der türkischen Südküste und lockt mit 3 000er-Gipfeln. Sie zu erklimmen, braucht es allerdings nicht der göttlichen Kraft und übernatürlichen Fähigkeiten, die Herakles, dem unehelichen Sohn des Zeus, einst zugeschrieben wurden.

©Achim Chwaszcza/DAV

Nur Kondition. Gutes Schuhwerk. Trinkwasser. Und vor allem braucht man einen Guide, der sich auskennt. Einen Mann wie Ömer Faruk Gülsen, 60 Jahre alt, Herkules-Statur mit Bauch und eine Stimme wie ein Reibeisen. „Ich habe jeden Berg der Türkei bestiegen“, sagt Gülsen, nicht prahlend, aber stolz, und wer einen Tag mit ihm gewandert ist und seinen Erzählungen lauscht, die Volkan Asli, der Reiseleiter vom DAV Summit Club, übersetzt, glaubt ihm das gerne. Mit 15, sagt Gülsen, ist er losgewandert, „schon der Vater lief als Postbote viel und noch mehr an den Wochenenden.“ Auch wegen dieser Kenntnis hat ihn der Deutsche Alpenverein (DAV) angeheuert, die Taurus-Trails mit zu entwickeln und die Gruppen zu führen. Gülsen kennt auch die Probleme: die fehlende Wegmarkierung, kaum Übernachtungsmöglichkeiten in den Bergen. Auch Wanderkarten gibt es keine. Die erste soll in diesem Jahr auf den Markt kommen. Selbst der rund 500 Kilometer lange Lykische Weg, der erste markierte Fernwanderweg in der Türkei, den die Taurus-Trails an zwei Stellen kreuzen, bietet nur auf einigen Etappen eine Infrastruktur, wie Wanderer sie wünschen: Mit Läden für Verpflegung.Und günstigen Gästebetten mit warmer Dusche.
Und doch könnte sich das Billig-Badeland Türkei mit seinen landesweit 30 Millionen Touristen im Jahr hier, im Taurusgebirge, zu einem Wander- und Bike-Paradies mausern. Es liegt inmitten von kleinen bewirtschafteten Almen. Seine Wege sind von Orchideen, Alpenveilchen oder Pfingstrosen gesäumt. Es ist damit ein Urlaubsziel, bei dem sich zwischen April und November Chillen am Strand und Aktivurlaub in kühler Höhe wunderbar verbinden lassen – in absolut unberührter Natur. Die Voraussetzungen erfüllt das Taurusgebirge: Unterhalb der Vegetationsgrenze liegen Almen und dichte Zedernwälder – vor allem von der Libanon-Zeder „gibt es an anderen Orten nicht mehr viele“, sagt Gülsen.

©Achim Chwaszcza/DAVOberhalb der Vegetationsgrenze locken Karstberge und Ausblicke bis hin zum Gipfel des Olympos (2 318 Metern), zum Mädchengipfel Kizlarsivrisi (3 086 Meter) oder zur weißen Küstenlinie südlich von Kemer. Wanderwege gibt es in der Türkei, die zweieinhalbmal so groß ist wie Deutschland, zuhauf: „Hier, im östlichen Mittelmeerraum, wo sich Afrika, Asien und Europa treffen, verliefen schon in der Antike viele Handelswege“, sagt Yusuf Örnek, in Deutschland habilitierter Philosoph und Chef der türkischen Partneragentur TrailTravel. „Perser,Hethiter, Alexander der Große, das hellenistische, römische, byzantinische und osmanische Reich – sie alle haben Kleinasien geprägt und in Architektur, Essen, Sprache, Landwirtschaft ihre Spuren hinterlassen“. Auch das, sagt Örnek, mache die Region so spannend. Es sind Leute wie Gülsen, Örnek oder Volkan, die dem Gast eine Türkei zeigen, wie man sie aus den Abendnachrichten nicht kennt. Oder aus dem nahen Deutschland – der Flug ab München dauert keine drei Stunden – zumindest nicht erwartet: Ein Land jenseits der Touristenhochburgen und Allinclusive-Armbändchen. Ein Land auch jenseits religiöser Klischees: In den Dörfern,die wir passieren und in denen der Muezzin fünfmal am Tag vom Minarett der Moschee aus zum Gebet auffordert, schlendern junge Mädchen in Jeans und T-Shirt mit gleichaltrigen Jungs durch die Gassen.Verkauft der Besitzer eines Kiosk Bier an die durstigen Wanderer. Kichern drei ältere Frauen in langen schwarzen Röcken, ein Kopftuch überm Haar, mit dem heftig flirtenden, kaum jüngeren Gülsen. Hier trifft man auch auf dem Land, fern der Metropolen wie Istanbul oder Ankara, auf die Moderne: Auf neu asphaltierte Straßen oder kleine Einkaufszentren, Folgen eines Wirtschaftsbooms, der auch Mädchen dazu animioerte zu studieren. Etwa Yüksel. Drei Monate im Sommer arbeitet die 20-Jährige auf der Alm ihrer Eltern. Melkt dort Kühe, schleudert Honig, hütet 200 Schafe und Ziegen – und verkauft Käse an die Wanderer.

©Achim Chwaszcza/DAV

Im Hinterland von Antalya wird lecker und scharf gekocht –eben nicht nur Dürum oder Döner.Ackerbau und Viehwirtschaft: Das Leben der Bauern im Taurusgebirge ist hart. Pausiert wird über Mittag im Schatten. Zeit studiert sie Betriebswirtschaftslehre in Isparta. Ein Leben in zwei Welten. Für Yüksel kein Problem. Im Gegenteil: „Ich will meine Wurzeln pflegen“. Zu diesen Wurzeln zählt auch die Religion. Im bergigen Hinterland von Antalya spürt man derzeit durchaus die Entwicklung hin zu einem strengeren Islam – kontrolliertvon einem Staat, der 2013 erstmals seit Ende der Diktatur wieder sein herrisches Gesicht zeigte. Nicht in den sauberen, von Cafés gesäumten Gassen der pittoresken Altstadt von Antalya – „hier blieb es selbst ruhig, als der Taksim-Platz brannte“, sagt Reiseleiter Volkan. Aber etwa in Elmali,ein geschäftiges Städtchen mit vollem Bazar und vielen Apfelplantagen, wohlhabend auch, „kaum einer wohnt zur Miete“,sagt Asli. Hier, 120 Kilometer von Antalya entfernt, liegt das Weingut Likya. Noch vor wenigen Monaten hielten täglich Busse mit Touristen an. Jetzt ist Ruhe eingekehrt. Nicht in den Hallen, in denen Frauen und Männer Flaschen für den Export etikettieren. Sondern auf der Terrasse mit herrlichem Blick auf die Rebstöcke. An den Holztischen nehmen kaum mehr Gäste Platz. Die Regierung hat im Sommer jede öffentliche Weinverkostung verboten. Was würde Atatürk dazu sagen? Das Porträt des ersten Präsidenten der nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Osmanischen Reich hervorgegangenen modernen Republik hängt im Speisesaal des Gül Mountain Hotels, in der Nähe des Orts Ovacik. Alles im Haus ist mit Holz vertäfelt, zum Abendessen werden leckere Speisen aufgetischt: Käsestangen, Pitabrot, Hühnchen, Lamm, Fisch. Auch Salate, Nüsse undWassermelone. Früchte und Gemüse wachsen en masse in der Türkei. Atatürk, sagt Volkan, „war ein Visionär.“ Er setzte auf Industrie. Und mit ihm das Land – zuerst auf die Herstellung von Lebensmitteln, dann von Autoteilen, Kleidung, Ferienressorts.

Panoramablick_im_Zedernwald_2Es ist kühl auf 1 300 Metern Höhe, die Nacht wird sternenklar. Acht verschiedene Klimazonen, 65 Prozent des Landes Gebirge, eine Durchschnittshöhe von 1 132 Metern – auch das ist die Türkei.
Wir blicken müde, satt und zufrieden auf den Olympos, der sich in der Ferne am Horizont abzeichnet, und denken: Nur eines hat Atatürk, der Visionär und Vater aller Türken, damals vergessen: Die Wanderer.

Martina Hahn

 

 

 

Ostasien: Die AIDAdiva – Eine Kleinstadt auf See

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Gut 30 Grad ist es am Abend. Die Lichter der Skyline glitzern im Meer. Ein lauer Wind weht in der Tropennacht und leise vibriert der Schiffsdiesel. Die AIDAdiva verlässt den Hafen und nimmt Kurs aufs offene Meer.

Auf Deck 11 steht Kapitän Sven www.aida.de Laudan mit den vier goldenen Streifen. Er hat noch Dienst. Mit nur zwei Joysticks und den Blick auf die Monitore navigiert er die schwimmende Kleinstadt durch das nächtliche Meer. Er zeigt auf die Öltanker, deren Lichter wie verschüchternde Glühwürmchen leuchten. „Da vorbeizukommen ohne etwas zu beschädigen ist immer wieder eine Herausforderung. Der Hafen ist zu eng und zu befahren“, erzählt er.

IMG_1014Über 2000 Passagiere hat das Kreuzfahrtschiff „AIDA diva“ in seinem Bauch verschluckt hat. Das schwimmende Hotel ist 252 Meter lang, 32,2 Meter breit, mit eigenem Wasser- und Stromwerk, Shops, Galerien, Biertanks und sogar einem Casino. Am Frühstückstisch sitzen Ruth und Hannelore, die sich an vergangene Zeiten erinnern, als es noch Tischordnungen gab, die Passagiere sich fürs Dinner fein machten. Der Ober mit den weißen Handschuhen noch Eclairs zum Tee reichte. Der Cluburlaub auf See mit der AIDA bricht mit einigen Traditionen. Den Bug ihrer bisher neun Schiffe ziert ein roter Kussmund. Man lockt  jüngere Paare und Familien.  42 Jahre ist das Durchschnittsalter an Bord. Es gibt kein Captain´s Dinner, kein Schlips und Smoking. Dafür Saunawelt, Badespaß, Decksliege oder Joggingpfad, alles ist inklusive. Ebenso die Büfetts. Wer es gediegener haben möchte, wählt eins der a la carte Restaurants. Natürlich gegen Aufpreis.

IMG_0801Börsen Stammtisch auf hoher See? Nein, wie eh und je ruft es über den Lautsprecher: Bingo Time. Meist laufen dann doch betagte Herrschaften über flauschige Teppiche dem versprochenen Spaß entgegen. Bezahlt wird mit Bordkarte. Ganz gleich, ob Spielscheine, oder in der Kunstgalerie, Fotoladen oder Bar, einfach die Kabinenkarte vorzeigen, unterschreiben und alles wird abgebucht. Ein Bier kostet 3.50 Euro, ein Glas Champagner 7 Euro. Über sein Soll kann sich der Passagier später auf dem Flachbildschirm seiner Kabine informieren. Am Ende der Reise steckt dann die komplette Rechnung im Briefumschlag. Darauf wirft so mancher der Gäste einen ernüchterten Blick.

IMG_0975Der Schiffskapitän lässt keinen Zweifel daran, wie sehr ihn das Konzept dieses Kreuzfahrtschiffes verbindet. Es ist das Gefühl der Freiheit. Man verschafft sich einen Überblick über ferne Länder und andere Kulturen gewissermaßen im Vorbeifahren. Es gibt kaum Wartezeiten beim Auschecken zu den Landgängen. Die 600 Mann starke Mannschaft hat die Logistik fest im Griff. Morgens können die Gäste gelassen auf die Pier eines fremden Ortes blicken. Bei Ausflügen warten zwischen den hoch aufragenden Wolkenkratzern Pagoden, Tempel, Moscheen und Kahnfahrten. Einige Gäste verzichtet auf solche Trips. Sie gönnen sich das Bordleben. Genau wie die Crew, die schon über Jahre auf See viel gesehen hat.

IMG_1321In Vietnam, dem letzten Landausgang der Reise kreuzen Mopeds hupend den Weg. Der Blick in die exotischen Länder lässt die Reisenden erkennen, dass sie in der fernen Fremde gelandet sind. Es bleibt wenig Zeit für das trubelige Großstadtleben. Schon am frühen Nachmittag fahren die Busse zurück zum Kai, wo kurz darauf das Schiffssignal dröhnt und der Dampfer pünktlich wieder ablegt. In den kühlen Kabinen liegt das gedruckte Programm für den kommenden Tag auf See. Gymnastik mit Musik auf dem Sportsdeck, Kunstauktion und Verkauf des fertig gestellten Reisefilms im Theatrium. Nicht, dass man es eilig hätte. Auf Heimatkurs drosselt der Kapitän mehrmals die Schiffsdiesel, damit der zweiwöchige Törn nicht zu früh zu Ende geht. Bald taucht Bangkok auf, diesmal an Steuerbord. Dort warten schon die neuen Passagiere auf ihren Traumtrip durch die ostasiatische Welt.

Heidrun Lange

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Indonesien: Auf dem Segelschiff durchs Land der Drachen

Heinke, Indonesien-Ombak Putih

Ob es an der „inneren Uhr“, den abenteuerlichen Träumen oder einfach nur am Rasseln der Ankerkette lag – an diesem Morgen sind einige Passagiere der Ombak Putih schon vor Sonnenaufgang wach. Um die Ankunft  im „Land der Drachen“ nicht zu verpassen, haben sie die Nacht unter freiem Himmel auf dem Deck des Segelkreuzfahrtschiffes verbracht.
Nach Exkursionen auf den Inseln Lombok, Sumbawa, Moyo und Satonda sowie unzähligen Schwimm- und Schnorchel-Stopps liegt der hübsche Zweimaster mit den tiefblauen Segeln vor der Küste von Komodo – für Bärbel aus Bonn und die Norwegerin Mona neben den Ausflügen in die schillernde Unterwasserwelt ein Höhepunkt dieser zehntägigen Seereise durch Indonesien.

Heinke, indonesien-fischeDass die Insel Bali wie auf fast jeder Route der Ombak Putih nur als Start- oder Zielpunkt erscheint, ist Absicht. Schiffseigner Dick Bergsma, der die Fahrt begleitet, liebt die Vielfalt des Landes. Und er zeigt sie gerne seinen Gästen. „Seit ich 1976 zum ersten Mal als Backpacker hierher kam, kann ich nicht verstehen, dass es 17 500 indonesische Inseln gibt, aber fast jeder immer nur von Bali spricht“, erzählt der sympathische 67-Jährige. „Bis heute ist es das bekannteste Stück Indonesiens, wohl aber auch das mit den meisten Touristen – ohne Frage wunderschön, doch eben nur einer von den vielen traumhaften Plätzen hier.“

Und da man das tropische Inselreich zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean am besten auf dem Wasserweg erkundet, tat sich Dick eines Tages mit Freunden zusammen. Sie kauften ihr erstes Schiff und luden Gleichgesinnte zum Insel-Hopping ein. Bei aller Sorge um Technik und Sicherheit sowie professionelle Abläufe in jeder Hinsicht sieht Dick als wichtigste Zutat für sein erfolgreiches Reiserezept „eine gute Atmosphäre“. Damit diese stimmt, verzichtet er schon mal auf einen Gast, der eher auf einen Luxusliner gehört als auf ein Segelschiff. „Auch wenn die Ombak Putih Viersterne-Komfort bietet, geht es bei uns doch recht leger zu“, sagt der erfahrene Seereisende.

Heinke, Indonesien-Ombak PutihMit den 24 Passagieren ist der Schoner komplett belegt. Zwölf bequeme Kabinen mit Bad, WC und Klimaanlage stehen ihnen zur Verfügung. Für eine angenehme Reise sowie ein spannendes Programm sorgt die 17-köpfige Crew, allen voran Frans Huneker. Offiziell ist der Niederländer Kreuzfahrtdirektor, eigentlich aber die gute Seele des Schiffes. In seiner Heimat arbeitet der fröhliche Mann in den 50ern halbjährig als Englischlehrer. In Indonesien, wo er ebenfalls seit vielen Jahren zu Hause ist, verbringt der Weltenpendler die meiste Zeit auf der „Weißen Welle“ – Indonesisch: „Ombak Putih“. Wie Frans berichtet, wurde der fast komplett aus Teak-, Bangkirai- und Eisenholz bestehende Zweimaster 1996/97 in Südsulawesi im Stil der traditionellen ‚Pinisi’ gebaut. „Diese Schiffsform, nach dem Volk seiner Erfinder auch ‚Bugi-Schoner’ genannt, wird seit Jahrhunderten für Fischfang und Handelstransporte genutzt“, weiß der seefahrende Holländer. Noch etwas schlaftrunken, aber voller Abenteuerlust, hocken die beiden Kreuzfahrerinnen Mona und Bärbel auf ihren Liegen, schmecken – mitten im europäischen Winter – frische Sommerluft und schauen fasziniert auf die zerklüftete Silhouette von Komodo.

Heinke, Indonesien-Ombak PutihWie Scherenschnitte aus dem Schattentheater bauen sich die schwarzen, zackigen Felsen auf. Gleich einem Höllenschlund scheinen sie aus ihrer Mitte das Sonnenfeuer auszuspeien. Erst färbt sein Licht den Himmel lila und orange, die Berge blau, dann golden… Im Handumdrehen ist es hell und  wenig später auch schon heiß. „Frühstück!“, ruft Frans. Und: „Langt gut zu – heute braucht ihr viel Energie!“ Überflüssige Worte. Wie bei jeder Mahlzeit leert sich das Buffet im Nu wie von allein. Seeluft macht hungrig, und außerdem können Schiffskoch Irham und seine Smutjes verdammt gut kochen.

Auf einem Eiland vor unserer Zeit

Das Boot legt an. Willkommen in Loh Liang auf Komodo! Die eben in der Dämmerung noch so bedrohlich wirkende Insel, Heimat der nach ihr benannten Warane oder „Drachen“, entpuppt sich bei Tageslicht und aus der Nähe als recht freundliches und vor allem sonniges Plätzchen. Dennoch: Die Gewissheit, dass hier menschenfressende Urzeitechsen frei herumspazieren, verleiht der idyllischen Szenerie eine gewisse düstere Note.

Heinke, Komodo-Waran

„Normalerweise greifen sie Menschen nicht an, meiden den Kontakt zu ihnen und reißen manchmal sogar aus“, erklärt Arif, der einheimische Führer. Normalerweise. Mit einem Stock bewaffnet, ermahnt er seine Gäste, stets hinter ihm zu bleiben.Und da, wie platt auf den trocknen Boden gedrückt, liegen in einer Lichtung zwei erwachsene, knapp zwei Meter lange Komodowarane – absolut bewegungslos. Doch nein, einer hebt den Kopf, öffnet sein breites Maul und züngelt. Offenbar macht er sich nichts aus Menschenfleisch und legt sich wieder hin.
„Der letzte Unfall ist zwei Jahre her. Ein Junge aus dem Dorf wurde gebissen und starb ein paar Wochen später an dem Gift und den Bakterien“, berichtet Arif. Von einem Touristen aus der Schweiz, der vor Jahren bei einer Inseltour verloren ging, wurden später nur ein Schuh und seine Kamera gefunden.

Heinke, Komodo Waran

Menschen stehen offenbar nur selten auf der Speisekarte der Komodowarane. Allerdings soll es schon vorgekommen sein, dass Leichen ausgegraben und verzehrt wurden. Bei den großen Exemplaren gibt es meistens Wild – wie Büffel, Hirsch und Wildschwein, ebenso Hühnchen, Ziege oder Kalb, gerne auch mal Aas. Die kleinen, die noch in den Bäumen leben, fressen Eidechsen, Vögel und Insekten. Insgesamt begegnen den Wanderern an diesem Tag sechs Komodowarane. Wie flink sie sein können, bekommt die leichtsinnige Mona zu spüren, als sie einem zu nahe kommt. Zum Glück ist die junge Touristin schneller.

Fallende Sterne und fliegende Hunde

Zurück an Bord geht es weiter Richtung Osten. Als die Sonne sich dem Horizont zuneigt, ruft Dick: „Kommt schnell an Deck!“ Riesige Scharen von Flughunden ziehen wie Vogelschwärme über das Schiff hinweg auf dem Weg zu ihren Schlafplätzen. Die  Kreuzfahrer sind schon da, wo sie heute wieder übernachten – auf dem Sonnendeck. Trotz Müdigkeit kommen sie lange nicht zur Ruhe. Dafür ist der klare Sternenhimmel viel zu schön. Fünf zu drei für Bärbel stand es beim Sternschnuppenzählen, bevor dann endlich alle schlafen.
Mehr Drachen sowie Affen, Mähnenhirsche und wilde Wasserbüffel sieht man bei einer langen Wanderung auf Rinca, der wohl schönsten Insel im Komodo-Nationalpark. Ihre höchste Erhebung, der 667 Meter hohe Berg Doro Ora, bietet eine fantastische Sicht auf die südliche Bucht und auf West-Flores. Dort, im Bergdorf Melo nahe Labuan Bajo,  wird die Besatzung der Ombak  Putih am nächsten Tag mit einem Gästeritual empfangen – mit selbstgebranntem Palmenschnaps, Betelnüssen und „Caci“, einem Kampftanz mit Masken, Schellen, Schild und Peitsche.

Heinke Indonesien Flores

Musik und Tanz zum Abschied gibt es auch am letzten Abend dieser Reise, bei einem Strand-Grillfest im Fackelschein – mit der kompletten Schiffscrew als singendes Orchester. An solche Tage wie auf der Ombak Putih will man sich gern gewöhnen…

Casten Heinke Indonesien-Flores

Text und Fotos: Carsten Heinke

 

Service-Informationen Indonesien

 Anreise-Tipp: Die vielfach ausgezeichnete Fluggesellschaft Singapore Airlines verbindet Deutschland und Indonesien. Ab Frankfurt haben Reisende zweimal täglich die Möglichkeit ab Frankfurt und einmal täglich ab München, nonstop nach Singapur zu fliegen. Von dort aus bietet Singapore Airlines zusammen mit Silk Air, der Tochtergesellschaft, insgesamt 169 Flüge zu vierzehn indonesischen Zielen an. Bali, die berühmte Insel der Götter mit ihrem Zielflughafen Denpasar wird von Singapur aus in der Hauptreisezeit viermal täglich angeflogen, Jakarta, die Hauptstadt Indonesiens, neunmal täglich. SilkAir, die Tochtergesellschaft von Singapore Airlines, steuert von Singapur aus zwölf Ziele in Indonesien an: Bandung, Balikpapan, Makassar, Manado, Medan, Palembang, Pekanbaru, Semerang, Solo City, Surabaya, Yogyakarta sowie dreimal wöchentlich Balis Schwesterinsel Lombok. Die Flotte von Singapore Airlines besteht derzeit aus 101 Flugzeugen modernsten Typs, mit einem Durchschnittsalter von sechs Jahren und vier Monaten. Bereits 48 Stunden vor Abflug können sich gebuchte Passagiere online einchecken und einen Sitzplatz buchen. Auf jedem Flug von und nach Deutschland befinden sich Deutsch sprechende Flugbegleiter an Bord.  Flug mit Singapore Airlines ab/bis Frankfurt nach Lombok ab 980 Euro. Die Airline fliegt dreimal täglich ab/bis Deutschland nach Singapur. Tochtergesellschaft SilkAir fliegt fünfmal wöchentlich die Strecke Singapur – Lombok. Weitere Informationen unter www.singaporeair.com
Einreise: mit noch mindestens sechs Monate gültigem Reisepass. Ein Visum für bis zu 30 Tage (Gebühr 25 USD) wird direkt bei der Einreise erteilt.
Kreuzfahrt-Tipp: Mit SeaTrek Sailing Adventures auf dem Viersterne-Zweimaster-Segelschiff Ombak Putih – zum Beispiel 7 Tage ab Bali bis Flores je Person in der Doppelkabine mit Vollpension ab 1.950 USD. Highlight des Veranstalters in diesem Jahr ist eine zwölftägige „Segel-Kreuzfahrt auf der maritimen Seidenstraße“ mit dem Schoner Katharina von Singapur nach Java mit wissenschaftlicher Experten-Begleitung ab 5.495 USD. Weitere Informationen unter Telefon +62 (0) 361 270 604 oder unter www.seatrekbali.com
Hotel-Tipps: Novotel Coralia Lombok (4 Sterne) – 7 Nächte ab/bis Frankfurt je Person im DZ ab 1.435 Euro, Verlängerungs-Nacht im DZ/ÜF ab 35 Euro, www.novotellombok.com
Puri Mas Boutique Resort & SPA (4 Sterne plus)  – 7 Nächte ab/bis Frankfurt je Person im DZ ab 1.560 Euro, Verlängerungs-Nacht im DZ/ÜF ab 58 Euro, www.purimas-lombok.com
Ayodya Resort Bali (5 Sterne) – 7 Nächte ab/bis Frankfurt je Person im DZ ab 1.244 Euro, Verlängerungs-Nacht im DZ/ÜF ab 40 Euro, www.ayodyaresortbali.com
Alle genannten Hotels sind buchbar zum Beispiel bei Thomas Cook Reisen, Telefon 06171/ 6500, www.thomascook.de
Für gehobene Ansprüche: das Luxus-Zeltresort Amanwana (Moyo Island) mit eigener Yacht, zum Beispiel bis 30.4. kostet das Ocean Tent 950, das Jungle Tent 850 US-Dollar pro Nacht (für jeweils eine oder zwei Personen) zzgl. 125 US-Dollar pro Person und Tag für alle Mahlzeiten, nichtalkoholische Getränke, Wäschereiservice, Kurzwanderungen und nichtmotorisierte Wassertsportaktivitäten. Telefon (kostenfrei aus Deutschland) 0800/ 181 3421 oder (kostenfrei aus der Schweiz) 00 800/ 2255 2626, www.amanresorts.com Restaurant-Tipp: Die international erfahrenen Köche des “Square Restaurant & Lounge”, eines der besten Lokale auf der Insel Lombok, bieten ihren Gästen sowohl indonesische Speisen als auch Gerichte der westlichen Küchen von exzellenter Qualität – zum Beispiel „Gegrillte Garnelen & Mahi Mahi“ mit sautiertem Gemüse und Knoblauch-Zitronenbutter-Sauce für 6,70 Euro oder australisches Striploin-Steak mit gemischtem Grillgemüse, Anchovisbutter und Pommes Frites für 9 Euro. Senggigi Square Blok B-10, Jl. Raya Senggigi, Lombok, Telefon +62 370/ 6644 888, 693 688, www.squarelombok.com
Wellness-Tipp: Das Puri Mas Boutique Resorts & Spa auf Lombok bietet Pevonia Botanica Treatments wie entgiftende, reinigende und belebende rituelle Körpermassagen mit Algen Body Scrub (120 Minuten mit Fußbad und Body Moisturizer) für 50 Euro. www.purimas-lombok.com
Auf der Ombak Putih geben Matrosen traditionelle Massagen für 10 Euro. Im Ayodya Resort auf Bali kostet eine Mandara Massage 77 USD, eine 80-minütige balinesische Massage 65 USD.
Geld: Die nationale Währung ist die Rupiah. In Hotels und vielen Geschäften und Restaurants in größeren Touristenzentren werden Kreditkarten und oft auch US-Dollar akzeptiert. Geldwechselstuben tauschen die meisten Währungen, aber nicht immer Traveller Checks.
Gesundheit: Das Auswärtige Amt empfiehlt die Standardimpfungen wie gegen Tetanus, Diphterie, Polio und Hepatitis A. Ausreichend Sonnen- und Mückenschutz mitnehmen!

Sri Lanka: Gesund essen nach Vata, Pitta oder Kapha

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Eine Ayurveda-Ärztin erklärt den Ernährungs- und Behandlungsplan, der individuell an den
Konstitutionstyp angepasst ist (Foto: Barberyn Ayurveda Resorts).

In der ayurvedischen Gesundheitslehre besitzt jeder Mensch von Geburt an eine nur ihm eigene Konstitution, beeinflusst von den drei Doshas Vata, Pitta und Kapha. Ihr Zusammenspiel reguliert alle körperlichen und geistigen Funktionen. Bei einer Kur in den beiden Häusern der Barberyn Ayurveda Resorts auf Sri Lanka lernen Gäste ihre Veranlagung sowie die Zusammensetzung einer typgerechten Ernährung kennen. Denn ein speziell ausgerichteter Speiseplan kann Mangelerscheinungen oder Überfluss ausgleichen und so helfen, die Gesundheit entscheidend zu verbessern. Kurz: Der Körper bleibt oder kommt in Balance.

Wer seine Konstitution weiß, hat durch die Wahl seiner Nahrungsmittel vielfältige Möglichkeiten, sein Wohlbefinden zu beeinflussen. In den Barberyn Resorts helfen die Ärzte des eigenen Ayurveda Gesundheitszentrums dabei. Nach einer eingehenden Untersuchung mit Bestimmung der Doshas erhält jeder Gast einen persönlichen Plan. Eigens zubereitete Kräutermedizin und spezielle Treatments ergänzen die Heilbehandlung. So unterschiedlich die Speisepläne sind: Jedes ayurvedische Gericht ist ein bewusster Versuch, alle Geschmacksrichtungen in einer Mahlzeit zu treffen. Neben süß, sauer, salzig, scharf und bitter bezeichnet die jahrtausendealte Gesundheitslehre eine weitere als „herb und zusammenziehend“. Die Eigenschaften von Nahrungsmitteln werden mit heiß oder kalt, ölig oder trocken und schwer oder leicht typisiert. Ziel ist eine ausgewogene Mischkost, für manche Lebensmittel oder Getränke gilt es, sie zurückhaltend oder in kleinen Mengen zu konsumieren. Während des Aufenthalts in den Barberyn Resorts lernen Gäste, wie sie verschiedene Nahrungsmittel am besten kombinieren können, auch für zu Hause in der eigenen Küche.

Die Barberyn Ayurveda Resorts sind Vorreiter des Ayurveda-Tourismus auf Sri Lanka. Heute vereint der Name zwei einzigartige Hotels an der Südwestküste, die gleichermaßen von der langen Tradition und dem Erfahrungsreichtum der Betreiber profitieren. Beide Häuser, das 1968 eröffnete „Barberyn Reef Ayurveda Resort“ nahe Beruwela und das neuere „Barberyn Beach Ayurveda Resort“ bei Weligama, liegen an langen palmengesäumten Tropenstränden. Herzstück der Hotels ist jeweils das Ayurveda Gesundheitszentrum. Beide gehören zu den angesehensten Sri Lankas und bieten eine große Auswahl an Ayurveda-Kuren sowie Yoga und Meditation. Wiederholt wurden die Barberyn Ayurveda Resorts vom sri-lankischen Tourismusamt als bester Ayurveda-Anbieter des Landes ausgezeichnet.

Preisbeispiel: 2 Wochen Kur im Barberyn Reef Ayurveda Resort kosten pro Person ab 1.505 Euro im Doppelzimmer (ohne Flug). Im Preis enthalten sind ayurvedische Vollpension, Anwendungen, Medikamente, ärztliche Betreuung, Akupunktur, Yoga, Meditation, Ausflüge und die Transfers vom und zum Flughafen. Damit Ayurveda seine Wirkung voll entfalten kann, empfiehlt sich ein Mindestaufenthalt von 2 Wochen.

Thailand: Nachhaltiges Stress- und Burnout-Coaching auf Koh Samui

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Nicht nur einen vorübergehenden Wohlfühleffekt, sondern eine heilsame Wirkung auch nach dem Aufenthalt erzielen die ganzheitlichen Gesundheits-Programme des südthailändischen Healing-Resorts Kamalaya. „Balance & Revitalize“ etwa hilft dabei, langfristig einem Burnout vorzubeugen. Eigens entwickelt von Karina Stewart, Master der Traditionellen Chinesischen Medizin, liegen die Schwerpunkte der Therapie auf gesunder Ernährung, natürlicher Lebensweise und persönlichem Stress-Management. Denn die Kamalaya-Mitgründerin weiß, dass „wir unseren Stress oft selbst kreieren“. Mithilfe von professionellen Coaches gehen Gäste den Ursachen auf den Grund: Sie hinterfragen Gewohnheiten, unrealistische Erwartungen an sich selbst und lernen, zur Ruhe zu kommen. Unterstützend wirken Behandlungen aus Alternativmedizin und asiatischen Heilansätzen.

Karina Stewart (Foto), Mitgründerin des Healing-Resorts Kamalaya auf Koh Samui, ist selbst Master der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Indien: Ladakh – Das letzte Shangri La im Himalaya

Die Zähne gefletscht, Gift und Galle kläffend, schießt der Wachhund des Klosters Thardot Chöling auf uns zu. Mit einigen gezielten Steinwürfen halten wir uns die aggressive Töle vom Leib. Gottlob pfeift eine Nonne das geifernde Ungeheuer zurück. Schlagartig verwandelt es sich in einen sanften, schwanzwedelnden Schoßhund. Dieser Zwischenfall wird während unseres Aufenthaltes hier oben im Himalaja das einzige unangenehme Erlebnis sein.

Wir sind im nördlichsten Zipfel Indiens, in Ladakh, einer Region die nicht in das Klischee von indischen Palästen und Maharadschern passt. Ladakh, vormals ein eigenständiges Königreich, ist hingegen eine Miniaturausgabe Tibets und gehört heute zu Indien. Noch vor 25 Jahren war das Land durch die umgebenden hohen Berge des Himalaja hermetisch von der Außenwelt abgeschnitten. Viele Namen wurden für das karge, wüstenartige Bergland erfunden: Mondland, Klein-Tibet , einige nennen diese Oase der Ruhe sogar „Das letztes Shangri La“. All‘ diese Bezeichnungen enthalten ein Quäntchen Wahrheit. Trocken und karg ist das Land, nur einigen spezialisierten Pflanzen gelingt es, an den steilen, staubigen Berghängen Fuß zu fassen. Vor allem entlang der kleinen Bäche trotzen die Ladakhis, in gemeinsamer, harter Arbeit, den Böden ihr tägliches Brot ab.

Momente betörender Schönheit

Im Kloster Thardot Chöling lebten früher 25 bis 30 Nonnen. Heute sind es gerade noch vier Frauen, die sich hier der Meditation widmen. In ihre traditionellen aus Jakwolle gewebten, schweren Mäntel gehüllt, sitzen sie bei unserer Ankunft im Hof, vor sich einen Berg aus Aprikosenkernen. Entspannt miteinander plaudernd, knacken sie die Kerne, um die darin enthaltenen Samen anschließend zu rösten. Der Hof ist erfüllt von den knisternden Geräuschen der auf einer riesigen, verrußten Pfanne berstenden Samen, ein appetitlicher Duft umschmeichelt unsere Nasen. Am Boden sitzt eine kurzgeschorene Nonne, lacht uns herzerfrischend zu und stimmt ein altes Volkslied an. Gesänge begegnen uns in Ladakh zu jeder Gelegenheit. In den Klöstern, in den Dörfern, und selbst auf den Feldern. Häufig kündigt sich auf Wanderungen das nächste Dorf bereits durch die weit schallenden Arbeitsgesänge an. Die Ankunft in den Oasen sind Momente betörender Schönheit. Der Kontrast zwischen der ausgedörrten Berglandschaft und den fruchtbaren Oasen könnte kaum größer sein. Während sich aus den geröllübersäten Tälern steile, kahle Bergflanken erheben, die Landschaft in einer Sinfonie aus Braun- und Ockertönen vibriert, werden die Sinne in den Oasen durch saftiges Grün, sanft plätschernde Bäche, von dem durch Pappelkronen rauschenden Wind verzaubert. Über allem die Rufe, Pfiffe und Lieder der Ladakhis. Ladakh ist Balsam für die Seele!

Im Kloster Lamayuru

Am 4100 Meter hohen Fatu Pass liegt das Kloster Lamayuru. Es ist stürmisch und regnerisch, als wir den märchenhaften Ort erreichen. Obgleich auf der Passstraße die moderne Welt in Form sich dröhnend den Berg hinauf quälender Lastwagen vorbei flaniert, hat der Ort seinen Zauber bewahren können. Hoch über dem Dorf thront das annähernd tausend Jahre alte, weiß getünchte Kloster auf einem von Wind und Wetter zerfressenen, sandfarbenen Felsen. Tiefe Rinnen und hohe Felssäulen sind im Laufe der Jahrhunderte durch Erosion entstanden. In einem Nebenraum der Klosterbibliothek treffen wir auf Lobsang Gandlin. Sein weithin hörbarer murmelnder Gebetsgesang, das Dröhnen einer „Trommel“ und der helle Klang einer Glocke hatten uns angelockt. Lobsang führt uns bereitwillig durch die Räume, zeigt die wertvollen, teilweise mehrere hundert Jahre alten Bücher, an den Wänden und Säulen des Gebetsraumes hängen farbenprächtige Rollbilder, sogenannte Thanka. Das Tal, so erzählt uns Lobsang lächelnd, lag der Sage nach unter einem heute längst vergangenen See. Am Ufer betete zu jener Zeit ein einsamer Mönch dafür, dass an diesem Ort ein Kloster gegründet werde. Er opferte den Geistern geweihtes Korn, bis das Wasser ablief. Das geopferte Korn wuchs mysteriöserweise in Form eines Yung Dung, eines Hakenkreuzes, das in der buddhistischen Religion ein Glückssymbol ist. Im späten 10. Jahrhundert kam dann der tibetische Yogi Naropa, Mitbegründer des Drugpa-Ordens, auf seiner Wanderung an diesen abgelegenen Ort. Mehrere Jahre meditierte er hier in einer Höhle. Um diese Höhle entstand das Kloster Lamayuru. Die Höhle in der Naropa meditierte ist noch heute der Kern des Klosters. Lobsang lässt uns einen Blick durch ein kleines Fenster in die Höhle werfen. Eiskalte Luft strömt uns entgegen. Die Größe des dunklen Raumes lässt sich kaum abschätzen. Im flackernden Licht einer Butterlampe tanzen die Schatten einiger Buddhafiguren hin und her. Es ist kaum vorstellbar, wie ein Mensch in dieser winzigen, zugigen Höhle kauernd die bitter kalten Winter überstehen konnte.

Karge Felder, glückliche Menschen

Es wird eine kalte Nacht in der unbeheizten Klosterherberge. Doch als am nächsten Morgen die Sonne über den Bergen aufgeht, ein lauer Wind aus der Ferne die Lieder, Rufe und Pfiffe der Bauern herauf weht, ist unsere Welt wieder in Ordnung. Da die Temperaturen im Sommer tagsüber bis auf über 30° C steigen, werden vor allem die Morgen- und Abendstunden für die Feldarbeit genutzt. Unten im Tal dreschen Bauern bereits die Gerste, treiben ihre zotteligen Dzos, eine Mischung aus Yak und Rind, über die Halme. Mit beeindruckendem Gleichmut drehen die Tiere ihre Kreise. Die verbleibenden Familienmitglieder sind damit beschäftigt, immer neue Bündel unter den Hufen der Tiere zu verteilen. Man arbeitet harmonisch Hand in Hand, selbst als eines der Tiere seinen Schwanz hebt, eilt ohne besondere Aufforderung ein kleiner Junge heran, greift sich etwas Stroh und fängt den fallenden Haufen geschickt auf. In der vegetationsarmen Hochwüste Ladakhs ist Brennmaterial rar, so landet der Dung sofort in einem extra Korb. Später wird er dann in der Sonne getrocknet und zum Befeuern des Küchenofens genutzt. Obgleich sehr arm, strahlen die Menschen eine ungewöhnliche Zufriedenheit aus.

Das Klima mit extremen Temperaturunterschieden, mit chronischer Trockenheit sowie der annähernd acht Monate anhaltende Winter schaffen Rahmenbedingungen, unter denen die Bevölkerung nur äußerst mühselig ihr Dasein sichern kann. Die Aufgabe, in nur vier Monaten zu säen, zu bewässern und zu ernten, lässt sich nur in der Gemeinschaft bewältigen. Von Jung bis Alt wird jeder gebraucht. Im Laufe von Jahrhunderten haben die Menschen die ökologischen Zusammenhänge ihrer Umwelt erkannt und ihren Alltag daran angepasst. Das Gefühl gebraucht zu werden, einen sicheren Platz in der Gemeinschaft zu haben und sicherlich auch der buddhistische Hintergrund scheinen den Ladakhis ihren beneidenswerten Seelenfrieden zu geben. In unseren westlichen Augen sehen sie in ihren abgetragenen Kleidern arm aus. Wer jedoch versucht, hinter dieses Bild zu schauen, entdeckt schnell den Frieden, den sozialen und spirituellen Reichtum dieser Menschen.

Auf dem Dach eines Lasters fahren wir auf einer schwindelerregend ausgesetzten Straße zurück zur Hauptstadt Leh. Wiederholt passieren wir Kontrollposten und Lager der indischen Armee. Es sind vor allem die Militärs, die aus Angst vor dem riesigen Nachbarn China und wegen des jahrzehntelangen Konflikts mit Pakistan diese unwirtliche Region durch Straßen erschließen und besser kontrollieren wollen. In den wenigen schneefreien Wochen des Jahres schuften hunderte junge Männer aus dem Süden Indiens, nur mit Schaufeln und Hacken bewaffnet, bis in Höhen über 5000 Meter, um den Bergen eine wenige Meter breite, halbwegs befahrbare Piste abzuringen. Der schützende Wall der das Land umgebenden Berge ist damit durchbrochen. Mit den über die Pässe in das Industal strömenden Soldaten, Händlern und Touristen, den von ihnen importierten Moral- und Wertvorstellungen hat Ladakh begonnen, sich zu verändern.

Bernd Leideritz

Mückenschutz wird für Reisende immer wichtiger

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Während der Kampf gegen Malaria in den letzten Jahren deutliche Erfolge verzeichnen konnte, sind andere mückenübertragene Infektionskrankheiten weltweit auf dem Vormarsch. So wurde etwa Dengue-Fieber noch in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts nur vereinzelt registriert. Heute zählt das Fieber zu den häufigsten Infektionskrankheiten und ist in etwa 100 Ländern verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit jedes Jahr etwa 50 bis 100 Millionen Menschen daran erkranken.

Grund ist die zunehmende Ausbreitung der Überträgermücke. Vor allem für Reisende in tropische und subtropische Regionen wird umfassender Mückenschutz deshalb immer wichtiger. Darauf weist das CRM Centrum für Reisemedizin anlässlich des Weltgesundheitstages der WHO hin. Dieser wird in diesem Jahr zum Schwerpunktthema „vektorübertragene Erkrankungen“ veranstaltet.

Obwohl Malaria mit geschätzten 200 Millionen Fällen pro Jahr noch immer zu den relevantesten und häufigsten Infektionserkrankungen gehört, konnte die Erkrankung – und ihre Überträgerin, die Anopheles-Mücke, – in den vergangenen Jahren deutlich zurückgedrängt werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind die Fallzahlen seit dem Jahr 2000 um etwa 29 Prozent gesunken.

Eine andere Mückenart hingegen breitet sich weltweit immer weiter aus: Die ägyptische und asiatische Tigermücke. Sie überträgt sowohl Dengue- als auch Chikungunya- Fieber. „Diese Mücken sind sogenannte ‚Kulturfolger‘ – sie siedeln in städtischen Gebieten und können problemlos in verschmutztem Wasser brüten, etwa in Abwasserkanälen, auf Müllhalden oder in Slums“, sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. „Mit der Ausdehnung der Städte und Slums, vor allem in Schwellenländern, gewinnt auch die Tigermücke zunehmend an Lebensraum.“ Durch den Klimawandel und mit Hilfe des weltweiten Handels- und Tourismusverkehrs wandert das anpassungsfähige Insekt heute auch in Länder außerhalb der Tropen und Subtropen ein und siedelt sich dort an.

Ausbrüche von Dengue-Fieber treten in fast allen Ländern der Tropen und Subtropen regelmäßig auf. Schwerpunkte liegen im süd- und südostasiatischen Raum sowie in Lateinamerika, Zentralafrika und in der Karibik. Auch in Europa ist Dengue-Fieber inzwischen angekommen: 2010 wurde das Virus erstmals in Kroatien und Südfrankreich übertragen. Im Winter 2012/13 brach die Krankheit auf der Atlantikinsel Madeira aus.

Chikungunya-Infektionen treten vorwiegend in Afrika, Südostasien, dem indischen Subkontinent und auf den Inseln im Indischen Ozean auf. Im Dezember 2013 hat das Virus den Atlantik überwunden und ist erstmals auf den amerikanischen Kontinenten aufgetreten. Ebenfalls zu den mückenübertragenen Infektionen zählen West-Nil-Fieber und Japanische Enzephalitis. Diese Erkrankungen sind jedoch deutlich seltener.

„Durch die zunehmende Verbreitung der Vektoren und die gestiegene Reiseaktivität stellen mückenübertragene Infektionen – und insbesondere Dengue-Fieber und auch immer noch Malaria – für Reisende ein relevantes Gesundheitsrisiko dar“, sagt Jelinek. So nimmt die Zahl der importierten Dengue-Fieber-Infektionen seit Jahren zu: 2001 registrierte das Robert Koch-Institut noch 60 eingeschleppte Fälle in Deutschland, im Jahr 2010 schon 595. 2013 wurde die Erkrankung bereits bei 879 Reiserückkehrern diagnostiziert.

Gegen viele mückenübertragene Infektionen, etwa Dengue-, Chikungunya-, oder West Nil-Fieber, existieren keine Impfungen. Auch Prophylaxe-Medikamente, wie etwa gegen Malaria, gibt es nicht. Deshalb ist bei Reisen in Verbreitungsgebiete konsequenter Mückenschutz wichtig. Dafür eignen sich etwa Mückenschutzmittel mit dem Wirkstoff DEET (Diethyl-m-Toluamid). Da die Überträgermücken auch tagsüber aktiv sind, sollten Reisende zu heller und geschlossener Kleidung greifen. Weil Moskitos durch dünne Materialien hindurch stechen können, kann es sinnvoll sein, feines Gewebe zusätzlich mit einem Insektenschutz zu imprägnieren. Moskitonetze über dem Schlafplatz und an Fenster und Türen sind nachts als Schutz vor den Insekten unverzichtbar.

Usbekistan: Unterwegs auf der Seidenstraße und den Spuren Marco Polos

 

Als der venezianische Kaufmann Marco Polo 1271 nach China aufbrach, lagen mehr als drei mühselige Reisejahre vor ihm, bis er den Hof des Kublai Khan in der Nähe von Peking erreichte. Nach seiner Rückkehr schrieb er den ersten Reiseführer, der sofort zum Bestseller wurde. Unfassbar waren seine Erlebnisse für das mittelalterliche Europa, sagenhafte Schätze und gigantische Städte hatte er unterwegs gesehen. Durch ihn gelangte die 7000 Kilometer lange Seidenstraße, die uralte, abenteuerliche Verbindung zwischen Orient und Okzident erstmals ins Bewusstsein der Europäer.

Heute sind es nur noch rund sechs Flugstunden von Frankfurt nach Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans, das noch lange nach Marco Polo zu den sagenumwobensten Ländern Asiens gehörte. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurden die ehemalige Sowjetrepublik Usbekistan und auch die Nachbarrepubliken in die Freiheit entlassen, seitdem verbessern sich die Reisemöglichkeiten zwar langsam aber doch spürbar.

Inmitten der Wüstengebiete Zentralasiens grenzt das Land im Norden an Kasachstan, im Süden an Turkmenistan und Afghanistan. Im Osten trennt Usbekistan ein kompliziertes Grenzsystem von Tadschikistan und Kirgisistan. Das weckt Assoziationen an galoppierende Reiterhorden und Mongolenfürsten wie Dschingis Khan, die in einer Staubwolke durch die unendliche Steppe jagen. An Geschichten und Legenden aus 1001 Nacht, an Namen, die auf der Zunge zergehen und die Neugierde wecken – hier also liegen das sagenhafte Samarkand, Buchara, Chiwa und Kashgar.

Noch liegt ein Großteil des touristischen Potential des Landes brach, bei geschätzten 4000 Architekturdenkmälern ist so manches Kleinod noch unentdeckt. Doch schon jetzt zählen einige der usbekischen Sehenswürdigkeiten wie die Altstädte von Samarkand, Buchara oder Chiwa zum Weltkulturerbe.

Sozialistisches Architekturmuseum Taschkent

Am 26.4.1966 und in den Tagen danach erschütterten mehr als 1000 Erdstöße die usbekische Hauptstadt Taschkent und legten große Teile der Stadt in Schutt und Asche. Diese Verwüstungen bedeuteten das unwiderrufliche Ende der orientalischen, türkisch geprägten Altstadt mit ihren verschachtelten Lehmhäusern. Denn in den Jahren nach dem Beben wurden das Stadtzentrum und ganze Satellitenstädte nach sowjetischem Vorbild komplett neu aufgebaut.

Noch heute wirkt die zwei Millionen Stadt Taschkent deshalb wie ein riesiges sozialistisches Architekturmuseum. Langweilige, phantasielose Plattenbauten säumen schnurgerade, sechs- und achtspurige Strassen. Nur noch wenige Baudenkmäler aus dem islamisch geprägten Mittelalter verstecken sich zwischen den Betonbauten der Sowjet-Ära. Die meisten Straßen sind überdimensioniert, die paar alten Ladas und winzigen Daewoos rollen reichlich verloren über die breiten Asphaltbänder.

Wohl jede andere Millionenstadt wäre froh über so viel Platz und die gemütliche Rushhour. Auffallend sauber und grün präsentiert sich das Zentrum, Alleen spenden Schatten, ein Segen in der unerträglichen Sommerhitze, und unzählige Springbrunnen plätschern in den Parks. Sozialistisch modern auch der riesige Platz der Völkerfreundschaft, mit Marmorpalast, gewaltigen Heldendenkmälern und dem einer Moschee mit blauer Kuppel nachempfundenen Parlament. Intimer der Theaterplatz, mit dem kleinen Freiluftcafé, den Buchhändlern und dem obligatorischen Springbrunnen.

Das alte Taschkent

Wer das alte Taschkent sucht, muss schon genauer hinschauen. Aber es gibt sie noch, die Altstadt mit ihren engen Gassen und den flachen Häusern aus Lehm. Ärmlich sehen die fensterlosen Behausungen aus, doch hinter den hohen Mauern verbergen sich oft geräumige, schattige Innenhöfe. Vom Erdbeben verschont blieben auch einige Kleinodien wie die Medrese Barak Khan und das kleine Mausoleum Kaffal Schaschi aus dem 16. Jahrhundert. Nur ein paar Schritte weiter der orientalische Basar, der aus allen Nähten platzt. Selbst die riesige runde Halle mit der blauen Kuppel ist viel zu klein für die unglaubliche Warenfülle. Hier wird alles bergeweise angeboten: getrocknete Aprikosen, Nüsse, Rosinen, Obst, Gemüse, Gewürze, kleine scharfe Schafskäsekügelchen. Usbeken, Tadschiken, Kirgisen, Turkmenen und Russen sorgen für ein unauflösbares Menschenknäuel.

Buchara: Minarette, Moscheen und Medresen

Der erste Eindruck von Buchara gleicht dem von Taschkent, doch sobald man sich innerhalb der alten Stadtmauer befindet, hat die Stadt mehr als nur trostlose sozialistische Einheitsarchitektur zu bieten. Buchara war über Jahrhunderte ein für Ungläubige gefährlicher Platz, doch die wenigen Abenteurer, Kaufleute, Künstler und Geschichtsschreiber, die lebend nach Europa zurück kamen, waren tief beeindruckt und gaben der Stadt den Beinamen Die Edle. Zumindest der Altstadt Bucharas hat die jüngere Geschichte nicht viel anhaben können. Über dem lehmfarbenen Gewirr aus verschachtelten Häusern und Basaren erheben sich schlanke Minarette, leuchten die Kuppeln der Moscheen in kräftigem Blau und die riesigen, mit Fayencen verzierten Portale der Medresen.

Wie in einem Geschichtsbuch reiht sich eine Epoche an die andere. 1000 Jahre hat das Mausoleum der Samaniden überdauert, wurde selbst von den alles zerstörenden Horden des Dschingis Kahn verschont, vielleicht um der Nachwelt zu zeigen, welch kunstvolles Bauwerk man aus schlichten, ungebrannten Lehmziegeln errichten kann. Die ungemein plastische Fassade besteht aus perfekten Rauten, Bögen und Durchblicken, filigran, fast wie Flechtwerk wirken die Außenwände des Würfels, und bestehen doch nur aus Lehm.

Die Festung in der Stadt

Auf einem Hügel inmitten der Stadt thront der Ark, eine mächtige Festung, einst Regierungssitz und Palast der Herrscher Bucharas. Über eine Rampe und einen kurzen Tunnel betritt man den Ark, passiert das Spalier der Souvenirhändler. Hier haben die Emire Aufmüpfige und unerwünschte Fremde eingekerkert und zum Tode verurteilt. Auch das weithin sichtbare Wahrzeichen Bucharas, das fast 50 Meter hohe Kalan Minarett, wurde vielen zum Verhängnis. Der wunderbar schlanke Turm diente den Muezzins als Sprachrohr, wies den Karawanen schon von Ferne den Weg in die Stadt, von seiner Spitze wurden aber auch zum Tode Verurteilte in die Tiefe gestürzt. Zwei Dollar extra verlangt der junge Bursche am Fuße der Treppe als Eintritt, lässt nicht mit sich handeln, weiß, dass der Blick von oben auf die Moschee Kalan, die genau gegenüber liegende Medrese Mir-e Arab und das Gewirr der Altstadthäuser den Preis wert ist.

Für Buchara sollte man sich viel Zeit nehmen. Mit Muße durch die Gassen schlendern, staunend die historischen Bauwerke zählen, das Kunsthandwerk in den überkuppelten Basaren bestaunen, die goldenen Samoware, die sonderbaren Pelikanscheren, die klassischen Bucharateppiche und natürlich die wunderbar luftige Seide durch die Finger gleiten lassen. Irgendwann kommt man dann zum Lab-e Haus, dem schönsten Platz im alten Buchara. Jetzt ist man wirklich im Orient angekommen, darf bei grünem Tee und frisch gegrillten Schaschlikspießen unter uralten Maulbeerbäumen auf den eigentümlichen Sitzbetten von 1001 Nacht träumen.

Samarkand: Goldene Vergangenheit am Registan

Im Mittelalter waren die Kamelkarawanen fünf bis sechs Tage von Buchara nach Samarkand unterwegs. Heute legt man die knapp 300 Kilometer in fünf bis sechs Stunden auf einem zwar holprigen, aber gut befahrbaren Asphaltband zurück. Das ist also die legendäre Seidenstraße auf der früher Kaufleute und Pilger, Heilsbringer und Glücksritter ihre Waren transportierten. Stundenlang das gleiche Bild beim Blick aus dem Autofenster: Soweit das Auge reicht, nur plattes Land, fast vegetationslose Steppe ohne Reiz. Weiße, salzige Flecken auf dem geschundenen Boden offenbaren die Härte des Lebens. Hier wehrt sich die Natur trotz künstlicher Bewässerung hartnäckig gegen grüne Oasen. Trostlose Fabriken, namenlose Dörfer inmitten des Nichts, die Weite Zentralasien wird nirgendwo spürbarer.

Dann endlich die ersten Häuser von Samarkand. Ein Name der auf der Zunge zergeht, das Ziel aller Träume. Eine der ältesten Städte der Welt. Wen hat dieser Name nicht schon zum Fabulieren und Schwärmen gebracht. Mit schmückenden Attributen und Superlativen überhäuft, als „schönste Stadt des Mittelalters“ oder „goldene Stadt“ wurde sie während ihrer Blütezeit gelobt. Hier gabelte sich die Seidenstraße, war einer der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte der Karawanenwege. Heute ist der erste Eindruck eher enttäuschend, denn auch im Paradies des Ostens haben 70 Jahre Sozialismus tiefe Spuren hinterlassen.

Erst der Registan Platz im Abendlicht lässt Bewunderung und Staunen aufkommen. Die drei rechtwinklig angeordneten Medresen Ulughbek, Tella-Kari und Schir-dar lassen Menschen auf dem zentralen Platz zu Ameisen schrumpfen. Gewaltige Portale, flankiert von schlanken Türmen, blaue Fayencenkuppeln blähen sich zu riesigen Ballons und im Innern, verschwenderisch verzierte, goldene Wände. Viele der schönsten Bauwerke in Samarkand hat der legendäre Timur errichten lassen. Erst nach der Unabhängigkeit wurde der Nationalheld wiederentdeckt, nicht als skrupelloser Eroberer gebrandmarkt, sondern als Gründer Usbekistans gelobt, der Samarkand zu seiner Hauptstadt erkoren hatte. Bei der kolossalen Moschee Bibi Hanim hat er sich allerdings übernommen, nach und nach stürzte sie in sich zusammen und noch heute versucht man, sie zu rekonstruieren. Auch der Allmächtige Timur durfte nicht ungestraft die Grenzen der damaligen Baukunst überschreiten.

Christian Nowak

 

Expertentipps für reiselustige Best Ager

Indien (c) indisches Fremdenverkehrsamt

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Katrin Grünwald, Leiterin des Rundreise-Portals e-kolumbus verrät Tipps und Tricks

Kurkonzerte, Bingo-Nachmittag und Tanztee – das war gestern, die Generation 50Plus ist statistisch gesehen aktiv und reiselustig. Der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg zufolge wollen zwei Drittel der Über-60-Jährigen ihren Urlaub aktiv gestalten. Der große Vorteil der Altersgruppe: Sie verfügen über mehr Zeit und Geld. Viele Reiseveranstalter haben entsprechend reagiert und Best-Ager-Reisen in ihr Repertoire aufgenommen. Die Experten von e-kolumbus, dem umfassenden Buchungs- und Vergleichsportal für Rundreisen weltweit, helfen Reiselustigen dabei, die passende Reise zu finden. Katrin Grünwald, die seit 2012 das Rundreise-Portal e-kolumbus leitet, verrät Tipps und Tricks für aktive Best Ager.

Indien (c) pixabay.com

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F: Welche Zielgruppe nutzt die umfangreichen Dienste von e-kolumbus hauptsächlich?

A: Aufgrund der Vielfältigkeit der Produkte können wir praktisch jeder Zielgruppe eine passende Reise anbieten. Unser Angebot geht von Young-Line-Reisen (speziell für Reisende zwischen 20 und 35 Jahren) über Selbstfahrertouren bis hin zu ärztlich begleiteten Urlauben. Unsere Hauptzielgruppe liegt jedoch bei den sogenannten „Best Agern“, der 50plus-Generation. Im Jahr 2014 lag das Durchschnittsalter der e-kolumbus-Bucher bei 51 Jahren.

Afrika_509239 (c) pixabay.com

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F: Gibt es besondere Angebote für ältere Reisende? Welche Urlaubsformen sind bei den Best Agern besonders beliebt?

A: Vor allem unsere ärztlich begleiteten Reisen in ferne Zielgebiete, wie zum Beispiel nach Indien oder Südafrika, sind bei älteren Kunden sehr beliebt. Hier reist ein ausgebildeter Arzt als Teil der Reisegruppe mit und hilft bei gesundheitlichen Problemen. Man darf diese Form des Reisens aber nicht falsch verstehen. Die Teilnehmer sind meist sehr fit, fühlen sich jedoch einfach sicherer, wenn sie rund um die Uhr einen Deutsch sprechenden Arzt um Rat fragen können. Wichtig ist den Best Agern vor allem Freizeit für individuelle Interessen, kleine Gruppengrößen und eine garantierte Durchführung.

Afrika_427138 (c) pixabay.com

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F: Viele ältere Menschen leben alleine und haben Bedenken, solo in den Urlaub zu fahren. Gibt es für sie spezielle Angebote?

A: Es gibt viele Veranstalter, die sich auf Alleinreisende spezialisiert haben. Dies kann sich unterschiedlich bemerkbar machen: Zum einen gibt es Reisen, zum Beispiel in die Toskana, eigens für Leute, die allein unterwegs sind. Spezielle Programmpunkte, gemeinsame Essenstische und weitere Aspekte ermöglichen ein schnelles Kennenlernen der Reisegruppe. Zum anderen gibt es auch reguläre Gruppenreisen, zum Beispiel nach Dalmatien, für die Alleinreisende keinen Einzelzimmeraufschlag zahlen müssen.

Toskana_504303 (c) pixabay.com

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F: Wie finden Interessierte die passende Reise auf e-kolumbus und was müssen sie beachten?

A: Um unseren Kunden schnell und gezielt das richtige Angebot präsentieren zu können, arbeiten wir bei e-kolumbus mit verschiedenen Suchfiltern. Suchen lässt sich außer nach einer Destination auch nach verschiedenen Themen, wie Aktivreisen, ärztlich begleitete Reisen, Studienreisen, oder nach Merkmalen, wie „inklusive Flug“, „kleine Reisegruppe“ sowie „garantierte Durchführung“. Wichtig ist jedoch immer, den Verlauf und die Leistungen einer Reise genau zu lesen, um zu sehen, ob die Reise auch wirklich den Vorstellungen entspricht. Leider machen wir immer wieder die Erfahrung, dass die Reisedetails nicht oder nur ungenau gelesen werden.

Toskana (c) e-kolumbus

Toskana (c) e-kolumbus

F: Warum sollten Urlaubsreife über das Portal e-kolumbus buchen?

A: Unser großer Vorteil gegenüber den traditionellen Reisebüros ist, dass wir an allen sieben Tagen der Woche erreichbar sind. Als Buchungs- und Vergleichsportal bieten wir außerdem die Möglichkeit, Reisen von verschiedenen Veranstaltern miteinander zu vergleichen – sowohl inhaltlich wie auch preislich. Auch eine intensive Beratung vor der Buchung ist uns sehr wichtig: Unsere erfahrenen Serviceteam-Mitarbeiter stehen den suchende Kunden mit Rat und Tat zur Seite, recherchieren individuell passende Angebote und sind gerne bei der Buchung behilflich. e-kolumbus bietet zudem zusätzliche Leistungen an, wie die Bereitstellung von Hintergrundinformationen über die Zieldestinationen, Hilfe bei der Visabeschaffung und Unterstützung bei der Suche nach einer passenden Reiseversicherung.

Katrin Grünwald (30) ist seit 2009 bei der e-domizil GmbH tätig und leitet seit 2012 das Rundreise-Portal e-kolumbus. Sowohl privat als auch beruflich erkundet sie auf Rundreisen die Welt, wobei es ihr vor allem der afrikanische Kontinent angetan hat. Weitere Informationen zu den Afrika-Rundreisen von e-kolumbus finden Sie unter: www.e-kolumbus.de/rundreisen/afrika.