Australien: Queensland – Reise in alte Wunderwelten

12. Weißer geht's nicht - Binnensee McKenzie auf Fraser Island.Queensland an der Ostküste Australiens: Ja, natürlich, die Wasserwelten des Barrier Reefs! Aber die Trails und die Kunst der Aborigines, die Tropenwälder und Fraser Island mit XXL-Strand sind mindestens ebenbürtig.

Man hat sich wahrlich nicht gelangweilt bisher. Hat die Glass House Mountains gesehen, für die Aborigines von spiritueller Bedeutung; hat auf Australiens größtem Markt „Eumundi“ gestöbert nach Kunst der Aborigines und bunter Kleidung; hat versucht, den Didgeridoo zu blasen. Auf dem Coastal Track im Noosa National Park hielt man Ausschau nach Koalas im Eukalyptuswald. In der Hervey Bay wurde jeder auftauchende Buckelwal euphorisch beschrien und beklatscht. Den Fotografen zuliebe zog die Cessna Extraschleifen über Fraser Island im smaragden- bis azurschimmernden Pazifik, flog über die kristallklaren Seen, über unberührte Flüsse und Creeks, so sauber wie vor Jahrtausenden. Aber die nächsten Tage übertrafen alles.

22. Der Koalabär - das süßeste Tier Australiens.Das Kreischen der Vögel ist eindringlicher Weckruf. Rasch ist das Moskitonetz aufgerollt, die Hängematte auf dem Campground Rainbow Beach gespannt, der Good-morning-Tee serviert. Die Sonne zeichnet die Uferlinien am Inskip Point messerscharf; weißer Sand und blaues Wasser, soweit das Auge reicht. In Gedanken sind wir aber beim Vorabend: bei den Delphinen, die vor uns übers Wasser sprangen; den Brillenpelikanen, die sich am Strand in den glutroten Strahlen der untergehenden Sonne in Szene setzten. Als nach einem Barbecue mit Meeresgetier und heimischem Chardonnay uns der Himmel leuchtete und wir Camp-Gäste – die Zeltbetten verschmähend – draußen saßen ums Lagerfeuer bis tief in die Nacht. Unter dem hellen, breiten Band der Milchstraße, fern von Europas Industriedunst, in den Himmel träumend. Ungebändigtes Australien, hier, ja hier, scheint die Freiheit noch grenzenlos.

3. Brillenpelikane im Sunset vor Fraser Island.Scott Harvey, ein gutgelaunter Aussi, lädt die Gruppe in sein schwarzes, panzerähnliches Allrad-Geländefahrzeug ein. Bevor er das ‚Monster‘ auf die winzige Fähre nach Fraser Island jongliert, fährt er noch zur Sand Blow-Düne am Ende des Rainbow Beach. Sensationell die Masse an Sand, wunderschön der Panoramablick auf die weite, im Morgenlicht golden schimmernde Sichelbucht!

Endlich rollen wir auf die größte Sandinsel der Welt am Südende des Barrier Reefs. Sie ist 120 Kilometer lang und sieben bis 25 Kilometer breit, Nationalpark und Unesco-Weltnaturerbe. Mangroven, Regenwald und bis zu 250 Meter hohe Dünen überziehen die Insel. Wohl nirgendwo sonst kann man eine Wanderdüne, einen Süßwassersee und den Pazifik gleichzeitig sehen.

1.Maxistrand auf Fraser Island.Auf und ab geht es über die zerfurchte Sandpiste des berühmten ‚75 Mile Beach‘ – das ist Spaß pur! Jetzt weiß jeder, warum hier einzig Jeeps zugelassen sind. Der circa 100 Meter breite Strand an der östlichen Küste ist in den Landkarten offiziell als Highway ausgewiesen, ohne Asphalt, ohne Verkehrsschilder! Aber es gelten Linksverkehr und 80 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Strand aus besonders festem, goldgelben Sand ist der einzige Highway des Landes, der nur alle sechs Stunden für weitere sechs Stunden genutzt werden kann, denn bei Flut schluckt das Meer weite Teile der Piste. Nur das Wrack der „Maheno“, eines vor 80 Jahren hier gestrandeten Passagierdampfers, zeichnet sich scharf gegen die leuchtend rotbraunen Sandklippen ab.

So herrlich, so einzigartig der pudrig-weiße Sandstrand ist: hier badet niemand. „Die Hai-Gefahr ist zu groß“, sagt Scott. Aber der beliebteste Strand liegt ohnehin im Inselinnern: schneeweißer feiner Sand, auf dem die türkisblauen Mini-Wellen des Lake McKenzie ausrollen, das Wasser weich und warm – ein Traumstrand ganz ohne Risiko.

Scott führt uns zu Fuß durch den 800.000 Jahre alten Regenwald im Pile Valley. Er ist der älteste auf Sand, der Daintree im Norden Queenslands der älteste der Welt. Vorbei geht es an leuchtendgrünen Parasitenpflanzen, riesigen Farnen und Würgefeigen, die sich mit skurril aussehenden Schlingästen um Bäume wickeln und sie irgendwann ersticken. Aus dem Dickicht schreien Papageien, bunte Schmetterlinge flattern lautlos um die weißen Stämme der Rosegum-Gummibäume.

6a. siehe 6.Gut zwei Stunden braucht’s für den Luftsprung von Brisbane nach Cairns, nördlicher Boomtown an Queenslands Küste. Das Großartige dieses Kontinents erfüllt uns, die unendliche Weite, ja, die Rückkehr in die verlorene, die alte heile Welt. Ohne Ängste vor Tropenkrankheiten, Terror und Kriminalität. Himmlisch ist der Blick nach unten auf undurchdringlichen Regenwald, auf riesige Zuckerrohrfelder und Bananenhaine unten in der Ebene, auf einen endlosen, beigefarbenen Strand davor, auf die Kräuselung über dem Barrier Reef. In der Ferne schieben sich die Whitsundays unter Wattewolken.

Das Ineinander von Wasser- und Urwaldwelten ließ die Unesco die „Wet Tropics“, Queenslands „feuchte Tropen“, und die Korallengärten des Riffs auf die Weltnaturerbeliste setzen.

Zwischen Cairns und Townville, eine knappe Autostunde südwestlich der Weltklassestrände um Mission Beach, beginnt der Janbanbarra Jirrbal Dschungel im Tully Valley. Die Wandergruppe folgt Caroline, einer Aborigine vom Stamm der Jirrbal, hinein in die Wildnis, an Sandpapierfeigen vorbei und stockgeraden Walkingstick-Palmen. Mit jedem Schritt auf dem schmalen One-way „Acre Creek Trail“ bringt uns die 35-Jährige die Natur und das Leben ihrer Ahnen näher. Sie pflückt Blätter, die Seifenschaum erzeugen, wenn man sie zerreibt; Halme, aus deren Saft eine Art Sprühpflaster wird. Mit der weißen Milch des Milky Pine-Baumes haben sie Totems auf ihre Körper gemalt. Fisch wurde in ein Blatt des blauen, aromatischen Ingwer eingepackt. Die Rinde des Umbrella Trees hilft gegen Zahnschmerzen. „Der Regenwald sicherte meinen Vorfahren Leben und Überleben in der harschen Natur“, erzählt die Guide von Aboriginal Ingan Tours. Und schlägt dabei wieder und wieder mit ihrer Machete auf Baumstämme, die quer auf dem Pfad liegen. „So verjage ich Schlangen“.

30. Abenteurlicher Wildwasser-Überquerung.Unser Ziel ist der 40 Meter hohe „Echo Creek Fall“. Über Felsstufen werden die Steigungen bewältigt, beim Durchqueren der Wasserläufe von Stein zu Stein sind Mut und Geschicklichkeit gefragt. Und oben wird auch uns der Wasserfall in der ursprünglichen Natur zum magischen Ort. Caroline setzt sich abseits auf einen Felsen, schaut verloren auf das herabstürzende, tosende Wasser, versinkt augenscheinlich in die „Dreamtime“ – Traumzeit, die Vergangenes beschwört und ins Gegenwärtige bindet. Wir erahnen den engen Kontakt der Ureinwohner zur Natur.

Oft sind es nur wenige Schritte aus dem undurchdringlichen Dschungel an den Pazifik. Von Port Douglas, nördlich von Cairns, braucht das Schnellboot gut zwei Stunden in die tropische Inselwelt. Und dann Schnorcheln oder Tauchen am Great Barrier Reef, dem größten Korallenriff der Welt! Schwärme von papageienbunten Fischen, die sich anfassen lassen. Mit Algen bewachsene Riesenmuscheln, die sich majestätisch öffnen und schließen. Königsblaue Seesterne. Bei köstlichem Seafood an Bord gleiten die Gedanken zum Anfang der Reise – zum Eumundi Market…auf der Suche nach einem Bumerang

Text und Fotos: Katharina Büttel

Australien: Zu den Felsenkrokodilen im Arnhemland

Tommo Nganjmirra erklärt die Felsenmalereien am Injalak Hill

Tommo Nganjmirra erklärt die Felsenmalereien am Injalak Hill

Viele Felsenmalereien australischer Aborigines sind nichts anderes als „Speisekarten“. Ihrem künstlerischen Wert tut dies aber keinen Abbruch.

Rostrot kriecht eine meterlange Schlange über den Fels. Ein Känguru in zarten Ockerstrichen betrachtet sie von der Seite. Gelbe Ameisenigel und braune Leguane, große und kleine Fische stehen Spalier. Sie alle bevölkern eine mächtige, drei Meter überhängende Felsplatte und sind natürlich nicht echt, sondern gezeichnet. Das aber erstaunlich lebensnah: Vor Tausenden von Jahren haben auf dem Felsplateau im australischen Busch die Aborigines ihre Lieblingsspeisen an den Fels gepinselt: Barramundis, noch heute die beliebtesten Speisefische des Nordens, Krokodile, Schlangen und Fische.

Blick vom Injalak Hill auf Gunbalanya

Blick vom Injalak Hill auf Gunbalanya

Tommo Nganjmirra ist mit mir hinaufgestiegen zum Injalak Hill, dem Hausberg seiner Heimatgemeinde Gunbalanya. Der Mittfünfziger lebt im Arnhemland im äußersten Norden Australiens. Das von den Aborigines selbst verwaltete Gebiet ist etwas größer als Portugal. Allerdings wohnen dort nur 20000 Menschen. Weiße dürfen Arnhemland nur mit einer speziellen Genehmigung betreten, es sei denn sie sind mit einem Reiseveranstalter unterwegs.

Felsenmalereien am Injalak Hill

Felsenmalereien am Injalak Hill

„Don’t touch“ – „Fass das nicht an“, ermahnt mich Tommo als ich den ockerfarbenen Gemälden zu nahe komme. Warum ich die Finger von den Bildern lassen soll, hat aber keine spirituellen, sondern allein konservatorische Gründe. Die Wandmalereien sollen auch für kommende Generationen erhalten bleiben.
Normalerweise nehmen es die australischen Aborigines sehr genau, wenn es darum geht, heilige Plätze vor den Blicken von Fremden zu schützen. Die Felszeichnungen am Injalak Hill darf ich aber sehen, denn hier haben Tommos Vorfahren einfach ihre Leibspeisen auf den Felsen gemalt, so wie wir heute Handyfotos von einem besonders guten Essen machen.
Neben den ganzen Leckereien kann man auch ein Bild eines Tasmanischen Tigers erkennen. Die Abbildung des größten fleischfressenden Beuteltiers in historischer Zeit ist deswegen interessant, weil es bereits vor 4000 Jahren auf dem australischen Festland ausgestorben ist, die Malerei somit einen Rückschluss auf das Alter der Kunstwerke am Felsen gibt. Tommo schätzt, dass die meisten Felsmalereien am Injalak Hill sogar über 10000 Jahre alt sind.

Ballander im Northern Territory
Die Bilder an Tommos Hausberg können es, was die Qualität angeht, problemlos mit der zum Weltkulturerbe ernannten Kunst am Ubirr Rock im benachbarten Kakadu Nationalpark aufnehmen. Es gäbe am Injalak Hill sogar noch viel mehr zu sehen. Die heiligen Plätze bleiben für „Ballander“ wie mich aber tabu. „Ballander“ ist eine Verballhornung des Wortes „Hollander“ und in der Sprache der Arnhemland-Aborigines ein Synonym für alle Weißen; waren es doch die Holländer, die im 17. Jahrhundert als erste Europäer im Norden Australiens auftauchten.

Der Barramundi ist für viele Aboriginemaler ein beliebtes Motiv

Der Barramundi ist für viele Aboriginemaler ein beliebtes Motiv

Die Felsenbilder aus der Höhle nimmt Tommo als Vorlage für seine eigene Kunst. Wie viele Männer aus seinem Dorf malt auch er. Anders als seine Vorfahren allerdings nicht mehr auf Felsen, sondern auf Papier, Pappe oder Holz. Das hat den Vorteil, dass Touristen die Kunstwerke einfach in den Koffer packen können. Aborigine-Kunst steht hoch im Kurs und für die Gemälde bekannter Maler sind schnell ein paar zehntausend Euro fällig. Ganz so viel bekommt Tommo nicht; seine Werke landen nicht in Museen und Galerien, sondern in den Wohnzimmern vieler seiner Wandergäste. Diejenigen, die mit ihm auf den Injalak Hill hinaufgestiegen sind, können auf diese Weise Motive aus der Höhle mit nach Hause nehmen. „Am liebsten male auch ich Barramundis“, sagt Tommo, „denn diese Fische schmecken einfach am besten.“

Texte und Fotos: Rasso Knoller

Australien: Going North to Cooktown

Pub bei Cooktown

Auf dem Weg nach Cooktown

Manche Städtenamen haben für australische Ohren eine magischen Klang. Cooktown ist einer von ihnen.

Es gibt Städte, die  muss man einmal in seinem Leben gesehen haben! Für richtige Australier sind das aber nicht Weltmetropolen wie New York, Rom, Paris oder gar Berlin. Deren Traumdestinationen heißen Bourke, Birdsville, Broken Hill und Cooktown. Für den romantischen Großstadtaustralier haftet diesen Namen das Flair der großen Freiheit an, für ihn symbolisieren sie „the last great frontier“ – die letzte Grenze der Zivilisation.

Natürlich gibt es diese Grenze schon lange nicht mehr. Schon längst ist auch in Australien jeder Zipfel des Landes entdeckt, jede Region erforscht. Als Symbol für die Zeit des alten Australiens, als sich tapfere Männer eine unwirtliche Natur untertan machten, taugen die Namen aber immer noch.Cooktown

Heute ist Cooktown nichts weiter als ein verschlafenes Städtchen im Norden Queenslands. Gut eineinhalbtausend Menschen leben hier. Man kann sich nur noch schwer vorstellen, dass Cooktown einst mehr als 30 000 Seelen zählte. In den fast 100 Pubs flossen Bier und Rum  durch durstige Kehlen. Damals in der Mitte des 19. Jahrhunderts war Cooktown  die zweitgrößte Stadt Queenslands und Zentrum des Goldrauschs in Nordaustralien. Hier feierten  die Goldgräber bevor sie hinauszogen zum Palmer River um Gold zu schürfen, und hier feierten wenn  sie zurückkamen und in den Banken der Stadt ihre Nuggets verkauft hatten. Spielbanken und Bordellbesitzer nahmen den Goldsuchern das Geld dann wieder ab – sie  waren die wirklichen Gewinner des Goldrauschs.

Ein paar Gebäude im Kolonialstil entlang der Hauptstraße erinnern noch an diese Zeiten. Und auch das James Cook Historical Museum hält noch die Erinnerung an die alten Tage aufrecht. Es erzählt von den Forschungsreisen des englischen Entdeckers, aber auch von den großen und wilden Zeiten Cooktowns und der Geschichte der Aborigines. Sie hatten die Gegend um Cooktown schon lange besiedelt, als  Cook 1770 vor der Küste vorbeisegelte. Als die Goldsucher in ihre Land kamen wehrten sich die Ureinwohner gegen die Fremden. Immer wieder kam es zu kleinen und großen Gefechten, bei denen 500 europäische und chinesische Einwandere ums Leben kamen – und mehr als zehn mal so viele Aborigines.

An James Cook erinnert aber nicht nur das Museum, sondern auch einen Statue in der Nähe des Endeavour River, der – wie sich gehört – nach dem Schiff des britischen Entdeckers benannt wurde. Cooktown, James Cook Statue

Obwohl es in Cooktown heute nur noch eine handvoll Pubs gibt, ist die Bar immer noch der spannendste Ort der Stadt. Denn hier erzählen die australischen Cowboys – die  Stockmen – ihre Geschichten von Abenteuer und Freiheit. Und genau deswegen kommen die meisten Touristen schließlich hierher in den „wilden Norden Australiens“.

Von Rasso Knoller

Papua-Neuguinea: Das Sing Sing in Goroka

Goroka Sing Sing Singen, tanzen, wilde Blicke

Fehden zwischen en einzelnen Stämmen gehören in Papua Neuguinea zum Alltag. Doch wenn die Krieger in Goroka mit bunt bemalten Gesichtern, wilden Masken und spitzen Speeren in die Arena einmarschieren, muss niemand  Angst haben – in der Stadt im Hochland werden nur die besten Tänzer gesucht. Und: Solange in Goroka getanzt wird, schweigen die Waffen der Stammeskrieger.

Die Straße nach Goroka ist hervorragend ausgebaut – das ist selten in Papua Neuguinea. Auf ihr rasen Lastwagen von Exxon durch die Berge. Sie bringen Baumaterial zur größten Baustelle des Landes: Unter dem Dschungel des Hochlands liegt eines der größten Erdgasvorkommen der Welt. Es wird vom amerikanischen Energiekonzern ausgebeutet. Ab 2014 soll das Gas durch die Leitungen an die Küste fließen. Damit wird ein unermesslicher Reichtum ins Land gelangen. Geld, das – wie viele fürchten – nicht der Bevölkerung zu Gute kommen wird. Das Gas wird eher neue Konflikte schaffen denn alte lösen.

Goroka Sing Sing

Von Reichtum ist bis dato in Goroka nichts zu spüren. Ruhig und friedlich liegt die Kleinstadt mit ihren 20.000 Einwohnern inmitten des Hochlands – auf 1600 Meter, umgeben von fruchtbarem Land und gesegnet mit einem geradezu perfekten Klima. Tagsüber steigt die Temperatur regelmäßig bis an die 30 Grad Grenze. Nachts aber sinkt sie wegen der Höhenlage auf angenehme 12 oder 13 Grad.

Auf mich wirkt Goroka wie ein verschlafenes Provinzstädtchen. Für die Papuas aber ist es eines der großen Zentren – und Mitte September der wichtigste Ort des Landes.

Am Tag nach meiner Ankunft bricht der Sturm los: Tausende Menschen – Männer und Frauen, Kinder und Alte – strömen in die Stadt; lagern im Park und kampieren am Stadtrand. Sie alle sind Teilnehmer oder Besucher des Goroka Sing Sings. Bei diesem Tanz- und Kulturfestival kommen die Stämme aus ganz Papua zusammen. Drei Tage – von Freitag bis Sonntag – werden sie in den Straßen der Stadt und auf dem Goroka Show Ground feiern – auf einem riesigen Sportplatz, auf dem sonst das regionale Rugbyteam seine Spiele austrägt. Goroka Festival

Gelb sind die Gesichter der Huli Krieger bemalt, tief schwarz die des Rapako-Stamms. Auf dem Kopf sitzt ihnen eine weit ausladende Kopfbedeckung aus Gras und Moos. Ihre Köper sind mit feuchter Erde beschmiert, um den Hals tragen sie gelbe Ketten – und einen Halsschmuck aus Knochenstäbchen. Ein jedes  symbolisiert zehn geschlachtete Schweine und da die wichtige Statussymbole sind, sind die Rapakokrieger allesamt mächtige Männer. Laut singend und von Trommelschlägen unterstützt tanzen sie ihren rhythmischen Kriegstanz.

Ganz anders geschmückt und bemalt sind die Männer aus der Provinz Enga. Hier dominieren die Farben rot und gelb. Die dichten Vollbärte sind weiß gefärbt. Auf dem Kopf tragen sie eine Art roter Strickmütze, aufgepeppt mit unzähligen Vogelfedern. Die langen bunten Federn der Paradiesvögel  spielen beim Schmuck vieler Stämme eine wichtige Rolle: Je länger und bunter, desto besser. Nur daran, dass ein Stammeskrieger in einer Tanzpause das Handy aus dem Lendenschurz zieht, erkenne ich, dass die  Zivilisation auch hier schon ihre Spuren hinterlassen hat.Goroka Festival

Das erste Sing Sing in Goroka  organisierte die australische Provinzregierung  im Jahre 1957. Australien verwaltete Papua Neuguinea von 1949 bis 1975  als Treuhandgebiet. Das Ziel des Festes: Die verfeindeten Stämme des Hochlands sollten friedlich miteinander feiern. So jedenfalls hatten sich die Australier das vorgestellt. Nicht wer die tapfersten Krieger stellte, sondern  wer die besten Tänzer mit den schönsten Kostümen präsentierte, sollte entscheidend sein. Für die Sieger lobten die Australier stattliche Geldpreise aus.

Allerdings trat das genaue Gegenteil ein: In den Monaten nach der Veranstaltung bekämpften sich die Stämme besonders heftig. Erst nach einigen Jahren verstanden die Weißen, was sie mit den Sing Sing ungewollt angerichtet hatten: Es war der Geldpreise für die Sieger, der Streit auslöste. Den Unterlegenen war das Urteil der Jury egal. Sie forderten – mitunter mit Waffengewalt – den ihnen zustehenden Anteil am Preis. Auch deswegen wird heute allen Teilnehmern des Sing Sings ein Antrittsgeld überreicht, einen Preis für den Sieger gibt es nicht mehr.

Rasso Knoller

Goroka, Enga tribe

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch Lesereisen Papua- Neuguinea.

Australien: Melbourne zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt

Melbourne, Tourism Victoria  Bereits zum vierten Mal in Folge freut sich das australische Melbourne im Bundesstaat Victoria über die begehrte Auszeichnung als lebenswerteste Stadt der Welt. Das EIU Ranking der britischen Zeitung „The Economist“ bewertetet jährlich insgesamt 139 Großstädte weltweit in den Kriterien Stabilität, Gesundheitswesen, Infrastruktur, Bildung, Sport- und Kulturangebot. Auch die weitere Reihenfolge bleibt zum letzten Jahr unverändert. Platz zwei geht an die österreichische Hauptstadt Wien, Platz drei an Vancouver in Kanada.
Begründet wird die Entscheidung vor allem mit dem kontinuierlichen Investment in Melbournes Infrastruktur. So ist es die einzige Stadt der Welt, in der die Straßenbahn das meistbenutzte Verkehrsmittel ist. Investitionen von mehr als 14,9 Milliarden australischen Dollar (circa 10,4 Milliarden Euro) ins Gesundheitssystem und 9,2 Milliarden australischer Dollar ( ca. 6,4 Milliarden Euro) in den Bildungssektor sicherte Melbourne die volle Punktzahl in diesen Kriterien. Melbourne ist bekannt für seine lebendige Kultur- und Restaurantszene, trendigen Szenenbars und Galerien sowie einen konträren Architekturmix aus viktorianischen und modernen Gebäuden. Die Stadt ist Austragungsort weltbekannter Sportevents wie den Australian Formel 1 Grand Prix, die Australian Open sowie das Pferderennen Melbourne Cup. Nur wenige Kilometer entfernt liegen beliebte Naherholungsgebiete und Ausflugsziele wie Phillip Island, die Mornington Peninsula, das Weinanbaugebiet Yarra Valley und die Great Ocean Road mit der Felsenformation 12 Apostel.
Der Bundesstaat Victoria mit seiner trendigen Hauptstadt Melbourne zeigt Australiens große Vielfalt auf kleiner Fläche: lange Sandstrände und Steilküsten mit Felsformationen wie den Zwölf Aposteln, fruchtbare Weinregionen und alpines Hochland sowie das einsame Outback. In Victoria liegt rund ein Drittel aller Nationalparks des fünften Kontinents. Melbourne ist mit 3,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Australiens und ein Schmelztiegel. Hippe Bars, Restaurants und Boutiquen, moderne Galerien und weitläufige Parks bieten Kulisse für Sport-, Mode- und Kulturveranstaltungen von Weltformat.

Australien: Kunstausstellung am Strand

GCT Scoot Insiders Guide

Vom 12. bis 21. September verwandelt sich der südliche Küstenabschnitt der Gold Coast in eine große Kunstausstellung. Beim „Swell Sculpture Festival“ werden am Strand von Currumbin Beach im Süden Queenslands über 50 faszinierende Skulpturen lokaler, nationaler und internationaler Künstler gezeigt.

Swell Sculpture Festival 2012Mit seiner ausgedehnten Küstenlandschaft umgeben von zwei Landzungen ist Currumbin Beach für eine solche Ausstellung förmlich perfekt. Verschiedenste vergängliche und ortsspezifische Kunstwerke mit enormer Wirkungskraft werden hier Teil der Landschaft. Die kostenfreie Ausstellung ist 24 Stunden am Tag geöffnet, wodurch sich die Skulpturen je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen dem Besucher immer wieder anders erschließen.  Die Veranstalter rechnen mit mehr als 200.000 Besuchern.

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Australien: Sonnenurlaub in Townsville

Townsville Beach

Koalas, Haie und viel Sonnenschein

Lange lag Townsville als Touristenzentrum im Schatten von Cairns. Industrie und Militär bestimmten das Leben. Das aber hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren grundlegend geändert: Die mit fast 145.000  Einwohnern drittgrößte Stadt Queenslands ist inzwischen ein fester  Punkt auf dem Reiseplan der meisten Touristen die in den tropischen Norden kommen. 

Am besten beginnt man den Stadtrundgang durch Townsville am Castle Hill. Von hier aus blickt man weit über die Stadt und erkennt schnell, was deren Charme ausmacht: die Lage am Meer.

Es ist fast egal, in welchem Monat man unterwegs ist – mit großer Wahrscheinlichkeit scheint die Sonne in Townsville. Denn die Stadt ist das Zentrum der “trockenen Tropen” und kann mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr prahlen. Selbst während der Regenzeit von Dezember bis März, in der heftige Tropengewitter niedergehen, ist der Himmel immer wieder blau.

Weil das Meer das Leben in Townsville bestimmt, ist die wichtigste Straße der Stadt auch die Strandpromenade. Sie heißt “The Strand” und führt auf einer Länge von zwei Kilometern an einem breiten Sandstreifen entlang.Beach Townsville

Am Nordende der Strandpromenade erreicht man die zweitwichtigste Straße der Stadt: die Flinders Street mit ihrer Fußgängerzone. Neben Geschäften und Restaurants liegen hier auch einige der ältesten Gebäude. Sie stammen aus dem späten 19. Jahrhundert und waren schon kurz nach der Stadtgründung gebaut worden. Damals, im Jahre 1864, war Townsville von den Herrn Black und Towns gegründet worden – und  vom Letztgenannten stammt auch der Name.

Auch die größte Sehenswürdigkeit der Stadt, das Reef Headquarter, widmet sich ganz dem Thema Meer. So nennt sich nämlich das Aquarium der Stadt. Wobei das Wort Aquarium in diesem Fall eine starke Untertreibung ist: im Reef Headquarter spaziert der Besucher in einem langen Plexiglastunnel durch die riesige Becken. Diese fassen insgesamt zweieinhalb Millionen Liter Salzwasser. Über und neben den Besuchern schwimmen Rochen und Haie; er sieht auch eine Vielzahl bunter Korallenriffe. Selbst  große Wasserschildkröten schweben schwerelos durchs Wasser.

Townsville Reef Encounter

Noch beeindruckender ist es nur, wenn man die Fische draußen im Meer beobachten kann. Auch das ist kein Problem in Townsville: unzählige Touroperator bieten Schnorchel- und Tauchausflüge zum Great Barrier Reef an.

Ein besonders interessanter Tauchspot ist das Wrack der SS Yongala. Der gut erhaltene, 109 Meter lange Dampfer sank 1911 in einem Orkan, und liegt heute in einer Tiefe zwischen 14 und 28 Metern. Inzwischen ist das Schiff von Korallen bedeckt und beheimatet eine bunte Fischwelt. Experten halten die SS Yongala für den besten Wracktauchplatz in Australien.

Ein Trost für alle Nichttaucher: Ein Nachbau des Wracks liegt am Grunde des Raubfischbeckens im Reef Headquarter in Townsville .

Magnetic Island

Sehr gefragt sind die Touren nach Magnetic Island. Die Insel ist vor allem wegen ihrer langen Sandstände beliebt. 22 große und kleine Badebuchten säumen die Küste der knapp acht Kilometer breiten Insel. Selbst in der Hochsaison findet hier jeder ein Plätzchen nach seinem Geschmack – zum Sonnenbaden, Schwimmen und Schnorcheln.

Im heißen australischen Sommer fühlen sich im Wasser vor Magnetic Island aber nicht nur Badegäste wohl, sondern auch der gefährliche Box Jellyfish. Damit man auch dann unbesorgt schwimmen kann, werden in der Zeit von Oktober bis April einige Strände mit Schutznetzen abgesperrt.Magnetic Island

Auf „Maggie“, wie die Einheimischen das Eiland liebvoll nennen, kann man auch wandern. Sehr beliebt ist der zwei Kilometer lange Spaziergang zu den Forts,  Beobachtungstürmen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Von hier aus hat man eine gute Sicht über die Insel. Trotzdem sollte man hier den Blick nicht nur in die Ferne  schweifen lassen, sondern sich die Eukalyptusbäume am Wegesrand  einmal genauer ansehen: auf ihnen  leben nämlich die meisten Koalas der Insel. Die Chance, eines der Tiere schlafend oder fressend im Geäst sitzen zu sehen, ist sehr hoch. Falls dennoch keiner zu sehen ist: Auf Magnetic Island liegt auch ein Koalapark. Dort bekommen Besucher die knuddeligen Tierchen dann auf jeden Fall zu Gesicht.

Rasso Knoller

 

Mückenschutz wird für Reisende immer wichtiger

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Während der Kampf gegen Malaria in den letzten Jahren deutliche Erfolge verzeichnen konnte, sind andere mückenübertragene Infektionskrankheiten weltweit auf dem Vormarsch. So wurde etwa Dengue-Fieber noch in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts nur vereinzelt registriert. Heute zählt das Fieber zu den häufigsten Infektionskrankheiten und ist in etwa 100 Ländern verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit jedes Jahr etwa 50 bis 100 Millionen Menschen daran erkranken.

Grund ist die zunehmende Ausbreitung der Überträgermücke. Vor allem für Reisende in tropische und subtropische Regionen wird umfassender Mückenschutz deshalb immer wichtiger. Darauf weist das CRM Centrum für Reisemedizin anlässlich des Weltgesundheitstages der WHO hin. Dieser wird in diesem Jahr zum Schwerpunktthema „vektorübertragene Erkrankungen“ veranstaltet.

Obwohl Malaria mit geschätzten 200 Millionen Fällen pro Jahr noch immer zu den relevantesten und häufigsten Infektionserkrankungen gehört, konnte die Erkrankung – und ihre Überträgerin, die Anopheles-Mücke, – in den vergangenen Jahren deutlich zurückgedrängt werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind die Fallzahlen seit dem Jahr 2000 um etwa 29 Prozent gesunken.

Eine andere Mückenart hingegen breitet sich weltweit immer weiter aus: Die ägyptische und asiatische Tigermücke. Sie überträgt sowohl Dengue- als auch Chikungunya- Fieber. „Diese Mücken sind sogenannte ‚Kulturfolger‘ – sie siedeln in städtischen Gebieten und können problemlos in verschmutztem Wasser brüten, etwa in Abwasserkanälen, auf Müllhalden oder in Slums“, sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. „Mit der Ausdehnung der Städte und Slums, vor allem in Schwellenländern, gewinnt auch die Tigermücke zunehmend an Lebensraum.“ Durch den Klimawandel und mit Hilfe des weltweiten Handels- und Tourismusverkehrs wandert das anpassungsfähige Insekt heute auch in Länder außerhalb der Tropen und Subtropen ein und siedelt sich dort an.

Ausbrüche von Dengue-Fieber treten in fast allen Ländern der Tropen und Subtropen regelmäßig auf. Schwerpunkte liegen im süd- und südostasiatischen Raum sowie in Lateinamerika, Zentralafrika und in der Karibik. Auch in Europa ist Dengue-Fieber inzwischen angekommen: 2010 wurde das Virus erstmals in Kroatien und Südfrankreich übertragen. Im Winter 2012/13 brach die Krankheit auf der Atlantikinsel Madeira aus.

Chikungunya-Infektionen treten vorwiegend in Afrika, Südostasien, dem indischen Subkontinent und auf den Inseln im Indischen Ozean auf. Im Dezember 2013 hat das Virus den Atlantik überwunden und ist erstmals auf den amerikanischen Kontinenten aufgetreten. Ebenfalls zu den mückenübertragenen Infektionen zählen West-Nil-Fieber und Japanische Enzephalitis. Diese Erkrankungen sind jedoch deutlich seltener.

„Durch die zunehmende Verbreitung der Vektoren und die gestiegene Reiseaktivität stellen mückenübertragene Infektionen – und insbesondere Dengue-Fieber und auch immer noch Malaria – für Reisende ein relevantes Gesundheitsrisiko dar“, sagt Jelinek. So nimmt die Zahl der importierten Dengue-Fieber-Infektionen seit Jahren zu: 2001 registrierte das Robert Koch-Institut noch 60 eingeschleppte Fälle in Deutschland, im Jahr 2010 schon 595. 2013 wurde die Erkrankung bereits bei 879 Reiserückkehrern diagnostiziert.

Gegen viele mückenübertragene Infektionen, etwa Dengue-, Chikungunya-, oder West Nil-Fieber, existieren keine Impfungen. Auch Prophylaxe-Medikamente, wie etwa gegen Malaria, gibt es nicht. Deshalb ist bei Reisen in Verbreitungsgebiete konsequenter Mückenschutz wichtig. Dafür eignen sich etwa Mückenschutzmittel mit dem Wirkstoff DEET (Diethyl-m-Toluamid). Da die Überträgermücken auch tagsüber aktiv sind, sollten Reisende zu heller und geschlossener Kleidung greifen. Weil Moskitos durch dünne Materialien hindurch stechen können, kann es sinnvoll sein, feines Gewebe zusätzlich mit einem Insektenschutz zu imprägnieren. Moskitonetze über dem Schlafplatz und an Fenster und Türen sind nachts als Schutz vor den Insekten unverzichtbar.

Die letzten Papua

Literatur über Papua Neuguinea findet man auf dem deutschen Buchmarkt kaum.

Eine Ausnahme ist der farbenprächtige großformatige Bildband des italienischen Fotografen Iago Corazzo.

Er hat das Land bereist und dabei vor allem die Feste und Riten der Ureinwohner fotografiert. Ob der Tanz der Schlammmänner, die Jagd der Skelett-Krieger der Omo Bugamo oder die Brautwerbung bei den Ia Api – überall war Corazzo einfühlsam mit seiner Kamera dabei.

Den farbengewaltigen Hauptteil des Buches nehmen die Bilder des Sing-Sings in Enga ein – einem großen Fest bei dem sich die Stämme aus dem ganzen Land treffen.

Angereichert wird der Bildband durch eine ausführliche Einleitung, einfühlsam geschriebene Zwischentexte und aussagekräftige Bildunterschriften. Da es gegenwärtig keinen deutschsprachigen  Reiseführer über Papua Neuguinea gibt, sind diese Textstellen mehr als  nur Füllmaterial zwischen den Bildern. Für  potentielle Reisende sind sie Quelle interessanter Informationen..  rk

Iago Corazzo: Die letzten Papua, Kunst und Kultur der Ureinwohner Neuguineas, White Star Verlag, 286 Seiten, 38 Euro.

Neuseeland: Ein Land im Mittelerdefieber

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Neuseeland ist im Mittelerdefieber. Seit der neuseeländische Regisseur Peter Jackson “Der Herrn der Ringe” verfilmt hat, gehören Gandalf und Frodo zu den berühmtesten Kiwis.

Hobbits, Elfen oder Orks – die Gestalten aus J.R. Tolkien´s Romanen begegnen einem in Neuseeland fast überall. Jetzt, nachdem der erste Teil der Hobbittrilogie ins Kino gekommen ist, erlebt das Mittelerdefieber einen neuen Höhepunkt. Reisen zu den Drehorten der Tolkien-Verfilmungen sind landesweit die touristischen Highlights, und kaum ein Ort, an dem nicht Touren zu den Drehorten der Filme angeboten werden. Ein neuseeländischer Reiseführer, der zu den Schauplätzen der Filmhandlung führt, wurde fast 500.000 Mal verkauft. Und das in einem Land mit lediglich viereinhalb Millionen Einwohnern.   

Fast muss man fürchten, die Neuseeländer würden ihre Identität verlieren Die nationale Fluggesellschaft Air New Zealand hat einen seiner Flieger mit Figuren aus Peter Jacksons Tolkienfilmen verziert und begrüßt die Passagiere mit einem Sicherheitsvideo, in dem die Bewohner von Mittelerde die Hauptrolle spielen. Der Flughafen von Wellington empfängt die Reisenden mit großen Lettern “in der Mitte von Mittelerde“ und eine riesige Gollumfigur schwebt in der Wartehalle über den Passagieren.

Knoller Hobbiton Mühle

Sogar bis ins Museum haben es die Gestalten aus Mittelerde geschafft – im Ta Papa Museum in der Hauptstadt Wellington – dem Nationalmuseum des Landes – warten schon William, Tom und Bert auf die Besucher. Die Trolle aus Mittelerde stehen hier als riesige Figuren im Eingangsbereich.

Einreisestempel nach Mittelerde    

 Mittelerde scheint überall. Als “Der Herr der Ringe” in die Kinos kam, konnten sich die Touristen am Flughafen sogar ganz offiziell – an Stelle des neuseeländischen Einreisestempels – den von Mittelerde in den Pass stempeln lassen. In Wellington haben sich die Weta Workshops zur beliebtesten Sehenswürdigkeit der Hauptstadt gemausert – das Parlamentsgebäude schaut sich dort kaum noch einer an. Weta  hat unter anderem die fantastischen Kostüme entworfen und produziert die in den Tolkien Verfilmungen verwendet werden. Die behaarten Füße für die Hobbit-Mimen mussten sogar am Fließband hergestellt werden – denn der Verschleiß war enorm,an jedem Drehtag lief jeder Darsteller ein Paar durch.Knoller Touristeninfo von Matamata

Die eigentliche Heimat der Hobbits liegt zwei Fahrstunden südlich von Auckland, in  der Nähe des Städtchen Matamata.

In Hobbiton führen Bilbo, Frodo und ihre Freunde ein ruhiges und friedliches Leben. In ihren winzigen Erdwohnungen mit bunten, kreisrunden Eingangstüren und akkurat gepflegten Vorgärten verbringen sie die Zeit vornehmlich  mit Essen, Trinken und dem Rauchen von Pfeifenkraut. So lange jedenfalls bis das Böse auch in ihr geliebtes Auenland vordringt und die Hobbits mithelfen müssen, die Welt zu retten.  Knoller Gartenpflege in Hobbiton

Tolkien hatte nie Neuseeland im Kopf, als er sich die Handlungsorte für seine Bücher  vorstellte – und doch passt die dortige Landschaft  perfekt zu seiner Fantasiewelt.

Peter Jackson muss warten

Die moderne Geschichte von Hobbiton begann im März 1999. Damals landete ein Hubschrauber auf dem Grundstück der Alexanders – einer Farmerfamilie, die wie so viele in Neuseeland mit Schafzucht ihr Geld verdient. Als der Helikopter landete, stiegen Regisseur Peter Jackson und seine Location Scouts aus der Maschine. Sie waren auf der Suche nach Drehorten für die Verfilmung von Tolkiens Monumentalwerk „Der Herr der Ringe“.  Und von oben sah das Anwesen der Alexanders wie der perfekte Wohnort für die Hobbits aus. Doch Jackson musste  warten, bevor er sein Anliegen vorbringen durfte. DieSchafzüchterfamilie saß nämlich vor dem Fernsehapparat und schaute sich ein wichtiges Spiel der „All Blacks“, der neuseeländischen Rugbynationalmannschaft, an. Die Brüder Craig und Russel Alexander sind begeisterte Rugbyfans und wer während eines Spiels an Ihrer Tür klingelt, wird erst nach dem Abpfiff vorgelassen. Auch für Peter Jackson haben die Jungs keine Ausnahme gemacht. Nach Spielende konnte der Regisseur die beiden dann aber doch überreden, ihm das Einverständnis für den Dreh auf der Farm zu geben.

Neuseeland wird zu Mittelerde

So schön das Anwesen der Alexanders auch war, musste die Szenerie doch noch etwas aufgehübscht  werden, bevor sie als Mittelerde auf die Leinwand kommen konnte. Die Behausungen für die Hobbits mussten gebaut, ein paar Bäume „ausgewechselt“ werden – alles, was typisch neuseeländisch ist, war für die Verfilmung der Tolkien-Bücher nicht gefragt – hatte sich doch der Autor beim Schreiben von der Landschaft seiner Heimat England inspirieren lassen..

 Knoller HobbitonDie Eiche beispielsweise, die auf Bilbo Beutlins Erdhaus wächst, wurde an anderer Stelle gefällt, auf einen Tieflader verfrachtet und auf dem Alexandergrundstück neu „gepflanzt“. Da Bäume ohne Wurzeln aber keine Blätter tragen, wurden die aus Plastik in Taiwan produziert und  dann Stück für Stück an den Ästen angebracht. 

Nach Ende der Dreharbeiten schickte der Filmkonzern fleißige Arbeiter an jeden Schauplatz, um das Set in den Originalzustand zurückversetzten. Egal, ob dort die Elfen ihre Pfeil abgeschossen, Gandalf gegen das Böse gekämpft oder die Orks ihre Gräueltaten verübt haben – den Drehorten sieht man all dies nicht mehr an. Selbst wo für den Film eine neue Teerstraße gebaut werden musste, wurde diese nach Abschluss  der Dreharbeiten zerstört, was vorher Wiese war, wurde nachher auch wieder zu Wiese gemacht.   

Eigentlich sollte sogar Hobbiton wieder verschwinden. Und zur Hälfte war das Hobbitdorf auch schon abgebaut, als ein riesiger Landregen die Arbeiten unterbrach. Den Alexanders kam dies sehr  gelegen, denn inzwischen hatten sie das touristische Potential des Filmsets erkannt und versuchten nun, die Filmleute zu überreden, die  Erdlöcher der Hobbits an Ort und Stelle so zu belassen, wie man sie von der Kinoleinwand kennt.

 Knoller Hobbiton Erdloch von Bilbo BeutlinDie amerikanischen Produzenten waren davon zunächst wenig begeistert. Ihre Filme sollten das einzige Zeugnis von Mittelerde bleiben.  Schließlich aber gaben sie dem Drängen der beiden neuseeländischen Bauern nach. Was schon demontiert war, wurde wieder aufgebaut, was noch stand, wurde renoviert. 

Inzwischen hat sich Hobbiton zu einem Pilgerort für Tolkienfans aus der ganzen Welt entwickelt. Hier können sie einen winzigen Blick in die Welt von Mittelerde werfen. Und wer sich konzentriert und die Ohren spitzt, der kann, wenn er unter dem Partybaum am Rand des Dorfes steht, ganz leise hören, wie die kleinen haarigen Männer ihre Trinklieder singen. 

Text und Photos Rasso Knoller

 

Französisch-Polynesien: Die Aranui 3 steuert Bora Bora an

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Bora Bora – alleine der Name dieses Atolls in Französisch-Polynesien weckt Sehnsucht nach der Südsee. Die Aranui 3, eine Kombination aus Fracht- und Kreuzfahrtschiff,  legt 2014 auch zweimal in Bora- Bora an. Kurz vor Ostern und an Weihnachten, geht das normalerweise im Linienverkehr zwischen Tahiti und den Marquesa- Inseln verkehrende Schiff in der Lagune von Bora-Bora vor Anker. Die Kreuzfahrtgäste werden einen ganzen Tag lang Zeit haben, die Südseeidylle der berühmten polynesischen Trauminsel kennenzulernen.

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Aranui Cruises bietet auf der Aranui 3 ein ganz besonderes Kreuzfahrterlebnis zu den Marquesa-Inseln in Französisch-Polynesien.

Bora BoraDas Schiff versorgt die Inselgruppe der Marquesas mit allen Gütern, die zum Leben auf diesen abgelegenen Südseeinseln notwendig sind. Ausgangspunkt der Reise ist Papeete, die Hauptstadt von Tahiti.

Tahiti: Infos auf dem Smartphone

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Alle Apple- und Android-Nutzer können sich ab sofort die erste Reise-Applikation von „Tahiti Tourisme“ auf ihr Smartphone herunterladen (im App Store bzw. im Play Store erhältlich, Stichwort: Tahiti Tourisme).

Die App verfügt über Augmented Reality und einen Reiseführer mit Informationen über Restaurants, Unterkünfte, Transportmöglichkeiten und Aktivitäten zu den meisten Inseln und Atollen Tahitis. Hierzu gehören ebenfalls Kontaktdaten und Landkarten.
Die App fungiert insbesondere als schnelles Nachschlagewerk für alle Reisenden, die sich auf der Insel aufhalten. Dazu wird kein Internetzugang benötigt, denn sobald die kostenlose App vollständig heruntergeladen wurde, können die Nutzer auf alle Karten und Informationen auch offline zugreifen. Aus diesem Grund wird vorgeschlagen, die App bereits vor Reiseantritt auf dem Smartphone zu installieren.
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