Australien: Queensland – Reise in alte Wunderwelten

12. Weißer geht's nicht - Binnensee McKenzie auf Fraser Island.Queensland an der Ostküste Australiens: Ja, natürlich, die Wasserwelten des Barrier Reefs! Aber die Trails und die Kunst der Aborigines, die Tropenwälder und Fraser Island mit XXL-Strand sind mindestens ebenbürtig.

Man hat sich wahrlich nicht gelangweilt bisher. Hat die Glass House Mountains gesehen, für die Aborigines von spiritueller Bedeutung; hat auf Australiens größtem Markt „Eumundi“ gestöbert nach Kunst der Aborigines und bunter Kleidung; hat versucht, den Didgeridoo zu blasen. Auf dem Coastal Track im Noosa National Park hielt man Ausschau nach Koalas im Eukalyptuswald. In der Hervey Bay wurde jeder auftauchende Buckelwal euphorisch beschrien und beklatscht. Den Fotografen zuliebe zog die Cessna Extraschleifen über Fraser Island im smaragden- bis azurschimmernden Pazifik, flog über die kristallklaren Seen, über unberührte Flüsse und Creeks, so sauber wie vor Jahrtausenden. Aber die nächsten Tage übertrafen alles.

22. Der Koalabär - das süßeste Tier Australiens.Das Kreischen der Vögel ist eindringlicher Weckruf. Rasch ist das Moskitonetz aufgerollt, die Hängematte auf dem Campground Rainbow Beach gespannt, der Good-morning-Tee serviert. Die Sonne zeichnet die Uferlinien am Inskip Point messerscharf; weißer Sand und blaues Wasser, soweit das Auge reicht. In Gedanken sind wir aber beim Vorabend: bei den Delphinen, die vor uns übers Wasser sprangen; den Brillenpelikanen, die sich am Strand in den glutroten Strahlen der untergehenden Sonne in Szene setzten. Als nach einem Barbecue mit Meeresgetier und heimischem Chardonnay uns der Himmel leuchtete und wir Camp-Gäste – die Zeltbetten verschmähend – draußen saßen ums Lagerfeuer bis tief in die Nacht. Unter dem hellen, breiten Band der Milchstraße, fern von Europas Industriedunst, in den Himmel träumend. Ungebändigtes Australien, hier, ja hier, scheint die Freiheit noch grenzenlos.

3. Brillenpelikane im Sunset vor Fraser Island.Scott Harvey, ein gutgelaunter Aussi, lädt die Gruppe in sein schwarzes, panzerähnliches Allrad-Geländefahrzeug ein. Bevor er das ‚Monster‘ auf die winzige Fähre nach Fraser Island jongliert, fährt er noch zur Sand Blow-Düne am Ende des Rainbow Beach. Sensationell die Masse an Sand, wunderschön der Panoramablick auf die weite, im Morgenlicht golden schimmernde Sichelbucht!

Endlich rollen wir auf die größte Sandinsel der Welt am Südende des Barrier Reefs. Sie ist 120 Kilometer lang und sieben bis 25 Kilometer breit, Nationalpark und Unesco-Weltnaturerbe. Mangroven, Regenwald und bis zu 250 Meter hohe Dünen überziehen die Insel. Wohl nirgendwo sonst kann man eine Wanderdüne, einen Süßwassersee und den Pazifik gleichzeitig sehen.

1.Maxistrand auf Fraser Island.Auf und ab geht es über die zerfurchte Sandpiste des berühmten ‚75 Mile Beach‘ – das ist Spaß pur! Jetzt weiß jeder, warum hier einzig Jeeps zugelassen sind. Der circa 100 Meter breite Strand an der östlichen Küste ist in den Landkarten offiziell als Highway ausgewiesen, ohne Asphalt, ohne Verkehrsschilder! Aber es gelten Linksverkehr und 80 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Strand aus besonders festem, goldgelben Sand ist der einzige Highway des Landes, der nur alle sechs Stunden für weitere sechs Stunden genutzt werden kann, denn bei Flut schluckt das Meer weite Teile der Piste. Nur das Wrack der „Maheno“, eines vor 80 Jahren hier gestrandeten Passagierdampfers, zeichnet sich scharf gegen die leuchtend rotbraunen Sandklippen ab.

So herrlich, so einzigartig der pudrig-weiße Sandstrand ist: hier badet niemand. „Die Hai-Gefahr ist zu groß“, sagt Scott. Aber der beliebteste Strand liegt ohnehin im Inselinnern: schneeweißer feiner Sand, auf dem die türkisblauen Mini-Wellen des Lake McKenzie ausrollen, das Wasser weich und warm – ein Traumstrand ganz ohne Risiko.

Scott führt uns zu Fuß durch den 800.000 Jahre alten Regenwald im Pile Valley. Er ist der älteste auf Sand, der Daintree im Norden Queenslands der älteste der Welt. Vorbei geht es an leuchtendgrünen Parasitenpflanzen, riesigen Farnen und Würgefeigen, die sich mit skurril aussehenden Schlingästen um Bäume wickeln und sie irgendwann ersticken. Aus dem Dickicht schreien Papageien, bunte Schmetterlinge flattern lautlos um die weißen Stämme der Rosegum-Gummibäume.

6a. siehe 6.Gut zwei Stunden braucht’s für den Luftsprung von Brisbane nach Cairns, nördlicher Boomtown an Queenslands Küste. Das Großartige dieses Kontinents erfüllt uns, die unendliche Weite, ja, die Rückkehr in die verlorene, die alte heile Welt. Ohne Ängste vor Tropenkrankheiten, Terror und Kriminalität. Himmlisch ist der Blick nach unten auf undurchdringlichen Regenwald, auf riesige Zuckerrohrfelder und Bananenhaine unten in der Ebene, auf einen endlosen, beigefarbenen Strand davor, auf die Kräuselung über dem Barrier Reef. In der Ferne schieben sich die Whitsundays unter Wattewolken.

Das Ineinander von Wasser- und Urwaldwelten ließ die Unesco die „Wet Tropics“, Queenslands „feuchte Tropen“, und die Korallengärten des Riffs auf die Weltnaturerbeliste setzen.

Zwischen Cairns und Townville, eine knappe Autostunde südwestlich der Weltklassestrände um Mission Beach, beginnt der Janbanbarra Jirrbal Dschungel im Tully Valley. Die Wandergruppe folgt Caroline, einer Aborigine vom Stamm der Jirrbal, hinein in die Wildnis, an Sandpapierfeigen vorbei und stockgeraden Walkingstick-Palmen. Mit jedem Schritt auf dem schmalen One-way „Acre Creek Trail“ bringt uns die 35-Jährige die Natur und das Leben ihrer Ahnen näher. Sie pflückt Blätter, die Seifenschaum erzeugen, wenn man sie zerreibt; Halme, aus deren Saft eine Art Sprühpflaster wird. Mit der weißen Milch des Milky Pine-Baumes haben sie Totems auf ihre Körper gemalt. Fisch wurde in ein Blatt des blauen, aromatischen Ingwer eingepackt. Die Rinde des Umbrella Trees hilft gegen Zahnschmerzen. „Der Regenwald sicherte meinen Vorfahren Leben und Überleben in der harschen Natur“, erzählt die Guide von Aboriginal Ingan Tours. Und schlägt dabei wieder und wieder mit ihrer Machete auf Baumstämme, die quer auf dem Pfad liegen. „So verjage ich Schlangen“.

30. Abenteurlicher Wildwasser-Überquerung.Unser Ziel ist der 40 Meter hohe „Echo Creek Fall“. Über Felsstufen werden die Steigungen bewältigt, beim Durchqueren der Wasserläufe von Stein zu Stein sind Mut und Geschicklichkeit gefragt. Und oben wird auch uns der Wasserfall in der ursprünglichen Natur zum magischen Ort. Caroline setzt sich abseits auf einen Felsen, schaut verloren auf das herabstürzende, tosende Wasser, versinkt augenscheinlich in die „Dreamtime“ – Traumzeit, die Vergangenes beschwört und ins Gegenwärtige bindet. Wir erahnen den engen Kontakt der Ureinwohner zur Natur.

Oft sind es nur wenige Schritte aus dem undurchdringlichen Dschungel an den Pazifik. Von Port Douglas, nördlich von Cairns, braucht das Schnellboot gut zwei Stunden in die tropische Inselwelt. Und dann Schnorcheln oder Tauchen am Great Barrier Reef, dem größten Korallenriff der Welt! Schwärme von papageienbunten Fischen, die sich anfassen lassen. Mit Algen bewachsene Riesenmuscheln, die sich majestätisch öffnen und schließen. Königsblaue Seesterne. Bei köstlichem Seafood an Bord gleiten die Gedanken zum Anfang der Reise – zum Eumundi Market…auf der Suche nach einem Bumerang

Text und Fotos: Katharina Büttel

Australien: Zu den Felsenkrokodilen im Arnhemland

Tommo Nganjmirra erklärt die Felsenmalereien am Injalak Hill

Tommo Nganjmirra erklärt die Felsenmalereien am Injalak Hill

Viele Felsenmalereien australischer Aborigines sind nichts anderes als „Speisekarten“. Ihrem künstlerischen Wert tut dies aber keinen Abbruch.

Rostrot kriecht eine meterlange Schlange über den Fels. Ein Känguru in zarten Ockerstrichen betrachtet sie von der Seite. Gelbe Ameisenigel und braune Leguane, große und kleine Fische stehen Spalier. Sie alle bevölkern eine mächtige, drei Meter überhängende Felsplatte und sind natürlich nicht echt, sondern gezeichnet. Das aber erstaunlich lebensnah: Vor Tausenden von Jahren haben auf dem Felsplateau im australischen Busch die Aborigines ihre Lieblingsspeisen an den Fels gepinselt: Barramundis, noch heute die beliebtesten Speisefische des Nordens, Krokodile, Schlangen und Fische.

Blick vom Injalak Hill auf Gunbalanya

Blick vom Injalak Hill auf Gunbalanya

Tommo Nganjmirra ist mit mir hinaufgestiegen zum Injalak Hill, dem Hausberg seiner Heimatgemeinde Gunbalanya. Der Mittfünfziger lebt im Arnhemland im äußersten Norden Australiens. Das von den Aborigines selbst verwaltete Gebiet ist etwas größer als Portugal. Allerdings wohnen dort nur 20000 Menschen. Weiße dürfen Arnhemland nur mit einer speziellen Genehmigung betreten, es sei denn sie sind mit einem Reiseveranstalter unterwegs.

Felsenmalereien am Injalak Hill

Felsenmalereien am Injalak Hill

„Don’t touch“ – „Fass das nicht an“, ermahnt mich Tommo als ich den ockerfarbenen Gemälden zu nahe komme. Warum ich die Finger von den Bildern lassen soll, hat aber keine spirituellen, sondern allein konservatorische Gründe. Die Wandmalereien sollen auch für kommende Generationen erhalten bleiben.
Normalerweise nehmen es die australischen Aborigines sehr genau, wenn es darum geht, heilige Plätze vor den Blicken von Fremden zu schützen. Die Felszeichnungen am Injalak Hill darf ich aber sehen, denn hier haben Tommos Vorfahren einfach ihre Leibspeisen auf den Felsen gemalt, so wie wir heute Handyfotos von einem besonders guten Essen machen.
Neben den ganzen Leckereien kann man auch ein Bild eines Tasmanischen Tigers erkennen. Die Abbildung des größten fleischfressenden Beuteltiers in historischer Zeit ist deswegen interessant, weil es bereits vor 4000 Jahren auf dem australischen Festland ausgestorben ist, die Malerei somit einen Rückschluss auf das Alter der Kunstwerke am Felsen gibt. Tommo schätzt, dass die meisten Felsmalereien am Injalak Hill sogar über 10000 Jahre alt sind.

Ballander im Northern Territory
Die Bilder an Tommos Hausberg können es, was die Qualität angeht, problemlos mit der zum Weltkulturerbe ernannten Kunst am Ubirr Rock im benachbarten Kakadu Nationalpark aufnehmen. Es gäbe am Injalak Hill sogar noch viel mehr zu sehen. Die heiligen Plätze bleiben für „Ballander“ wie mich aber tabu. „Ballander“ ist eine Verballhornung des Wortes „Hollander“ und in der Sprache der Arnhemland-Aborigines ein Synonym für alle Weißen; waren es doch die Holländer, die im 17. Jahrhundert als erste Europäer im Norden Australiens auftauchten.

Der Barramundi ist für viele Aboriginemaler ein beliebtes Motiv

Der Barramundi ist für viele Aboriginemaler ein beliebtes Motiv

Die Felsenbilder aus der Höhle nimmt Tommo als Vorlage für seine eigene Kunst. Wie viele Männer aus seinem Dorf malt auch er. Anders als seine Vorfahren allerdings nicht mehr auf Felsen, sondern auf Papier, Pappe oder Holz. Das hat den Vorteil, dass Touristen die Kunstwerke einfach in den Koffer packen können. Aborigine-Kunst steht hoch im Kurs und für die Gemälde bekannter Maler sind schnell ein paar zehntausend Euro fällig. Ganz so viel bekommt Tommo nicht; seine Werke landen nicht in Museen und Galerien, sondern in den Wohnzimmern vieler seiner Wandergäste. Diejenigen, die mit ihm auf den Injalak Hill hinaufgestiegen sind, können auf diese Weise Motive aus der Höhle mit nach Hause nehmen. „Am liebsten male auch ich Barramundis“, sagt Tommo, „denn diese Fische schmecken einfach am besten.“

Texte und Fotos: Rasso Knoller

Australien: Going North to Cooktown

Pub bei Cooktown

Auf dem Weg nach Cooktown

Manche Städtenamen haben für australische Ohren eine magischen Klang. Cooktown ist einer von ihnen.

Es gibt Städte, die  muss man einmal in seinem Leben gesehen haben! Für richtige Australier sind das aber nicht Weltmetropolen wie New York, Rom, Paris oder gar Berlin. Deren Traumdestinationen heißen Bourke, Birdsville, Broken Hill und Cooktown. Für den romantischen Großstadtaustralier haftet diesen Namen das Flair der großen Freiheit an, für ihn symbolisieren sie „the last great frontier“ – die letzte Grenze der Zivilisation.

Natürlich gibt es diese Grenze schon lange nicht mehr. Schon längst ist auch in Australien jeder Zipfel des Landes entdeckt, jede Region erforscht. Als Symbol für die Zeit des alten Australiens, als sich tapfere Männer eine unwirtliche Natur untertan machten, taugen die Namen aber immer noch.Cooktown

Heute ist Cooktown nichts weiter als ein verschlafenes Städtchen im Norden Queenslands. Gut eineinhalbtausend Menschen leben hier. Man kann sich nur noch schwer vorstellen, dass Cooktown einst mehr als 30 000 Seelen zählte. In den fast 100 Pubs flossen Bier und Rum  durch durstige Kehlen. Damals in der Mitte des 19. Jahrhunderts war Cooktown  die zweitgrößte Stadt Queenslands und Zentrum des Goldrauschs in Nordaustralien. Hier feierten  die Goldgräber bevor sie hinauszogen zum Palmer River um Gold zu schürfen, und hier feierten wenn  sie zurückkamen und in den Banken der Stadt ihre Nuggets verkauft hatten. Spielbanken und Bordellbesitzer nahmen den Goldsuchern das Geld dann wieder ab – sie  waren die wirklichen Gewinner des Goldrauschs.

Ein paar Gebäude im Kolonialstil entlang der Hauptstraße erinnern noch an diese Zeiten. Und auch das James Cook Historical Museum hält noch die Erinnerung an die alten Tage aufrecht. Es erzählt von den Forschungsreisen des englischen Entdeckers, aber auch von den großen und wilden Zeiten Cooktowns und der Geschichte der Aborigines. Sie hatten die Gegend um Cooktown schon lange besiedelt, als  Cook 1770 vor der Küste vorbeisegelte. Als die Goldsucher in ihre Land kamen wehrten sich die Ureinwohner gegen die Fremden. Immer wieder kam es zu kleinen und großen Gefechten, bei denen 500 europäische und chinesische Einwandere ums Leben kamen – und mehr als zehn mal so viele Aborigines.

An James Cook erinnert aber nicht nur das Museum, sondern auch einen Statue in der Nähe des Endeavour River, der – wie sich gehört – nach dem Schiff des britischen Entdeckers benannt wurde. Cooktown, James Cook Statue

Obwohl es in Cooktown heute nur noch eine handvoll Pubs gibt, ist die Bar immer noch der spannendste Ort der Stadt. Denn hier erzählen die australischen Cowboys – die  Stockmen – ihre Geschichten von Abenteuer und Freiheit. Und genau deswegen kommen die meisten Touristen schließlich hierher in den „wilden Norden Australiens“.

Von Rasso Knoller

Australien: Melbourne zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt

Melbourne, Tourism Victoria  Bereits zum vierten Mal in Folge freut sich das australische Melbourne im Bundesstaat Victoria über die begehrte Auszeichnung als lebenswerteste Stadt der Welt. Das EIU Ranking der britischen Zeitung „The Economist“ bewertetet jährlich insgesamt 139 Großstädte weltweit in den Kriterien Stabilität, Gesundheitswesen, Infrastruktur, Bildung, Sport- und Kulturangebot. Auch die weitere Reihenfolge bleibt zum letzten Jahr unverändert. Platz zwei geht an die österreichische Hauptstadt Wien, Platz drei an Vancouver in Kanada.
Begründet wird die Entscheidung vor allem mit dem kontinuierlichen Investment in Melbournes Infrastruktur. So ist es die einzige Stadt der Welt, in der die Straßenbahn das meistbenutzte Verkehrsmittel ist. Investitionen von mehr als 14,9 Milliarden australischen Dollar (circa 10,4 Milliarden Euro) ins Gesundheitssystem und 9,2 Milliarden australischer Dollar ( ca. 6,4 Milliarden Euro) in den Bildungssektor sicherte Melbourne die volle Punktzahl in diesen Kriterien. Melbourne ist bekannt für seine lebendige Kultur- und Restaurantszene, trendigen Szenenbars und Galerien sowie einen konträren Architekturmix aus viktorianischen und modernen Gebäuden. Die Stadt ist Austragungsort weltbekannter Sportevents wie den Australian Formel 1 Grand Prix, die Australian Open sowie das Pferderennen Melbourne Cup. Nur wenige Kilometer entfernt liegen beliebte Naherholungsgebiete und Ausflugsziele wie Phillip Island, die Mornington Peninsula, das Weinanbaugebiet Yarra Valley und die Great Ocean Road mit der Felsenformation 12 Apostel.
Der Bundesstaat Victoria mit seiner trendigen Hauptstadt Melbourne zeigt Australiens große Vielfalt auf kleiner Fläche: lange Sandstrände und Steilküsten mit Felsformationen wie den Zwölf Aposteln, fruchtbare Weinregionen und alpines Hochland sowie das einsame Outback. In Victoria liegt rund ein Drittel aller Nationalparks des fünften Kontinents. Melbourne ist mit 3,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Australiens und ein Schmelztiegel. Hippe Bars, Restaurants und Boutiquen, moderne Galerien und weitläufige Parks bieten Kulisse für Sport-, Mode- und Kulturveranstaltungen von Weltformat.

Australien: Kunstausstellung am Strand

GCT Scoot Insiders Guide

Vom 12. bis 21. September verwandelt sich der südliche Küstenabschnitt der Gold Coast in eine große Kunstausstellung. Beim „Swell Sculpture Festival“ werden am Strand von Currumbin Beach im Süden Queenslands über 50 faszinierende Skulpturen lokaler, nationaler und internationaler Künstler gezeigt.

Swell Sculpture Festival 2012Mit seiner ausgedehnten Küstenlandschaft umgeben von zwei Landzungen ist Currumbin Beach für eine solche Ausstellung förmlich perfekt. Verschiedenste vergängliche und ortsspezifische Kunstwerke mit enormer Wirkungskraft werden hier Teil der Landschaft. Die kostenfreie Ausstellung ist 24 Stunden am Tag geöffnet, wodurch sich die Skulpturen je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen dem Besucher immer wieder anders erschließen.  Die Veranstalter rechnen mit mehr als 200.000 Besuchern.

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Australien: Sonnenurlaub in Townsville

Townsville Beach

Koalas, Haie und viel Sonnenschein

Lange lag Townsville als Touristenzentrum im Schatten von Cairns. Industrie und Militär bestimmten das Leben. Das aber hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren grundlegend geändert: Die mit fast 145.000  Einwohnern drittgrößte Stadt Queenslands ist inzwischen ein fester  Punkt auf dem Reiseplan der meisten Touristen die in den tropischen Norden kommen. 

Am besten beginnt man den Stadtrundgang durch Townsville am Castle Hill. Von hier aus blickt man weit über die Stadt und erkennt schnell, was deren Charme ausmacht: die Lage am Meer.

Es ist fast egal, in welchem Monat man unterwegs ist – mit großer Wahrscheinlichkeit scheint die Sonne in Townsville. Denn die Stadt ist das Zentrum der “trockenen Tropen” und kann mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr prahlen. Selbst während der Regenzeit von Dezember bis März, in der heftige Tropengewitter niedergehen, ist der Himmel immer wieder blau.

Weil das Meer das Leben in Townsville bestimmt, ist die wichtigste Straße der Stadt auch die Strandpromenade. Sie heißt “The Strand” und führt auf einer Länge von zwei Kilometern an einem breiten Sandstreifen entlang.Beach Townsville

Am Nordende der Strandpromenade erreicht man die zweitwichtigste Straße der Stadt: die Flinders Street mit ihrer Fußgängerzone. Neben Geschäften und Restaurants liegen hier auch einige der ältesten Gebäude. Sie stammen aus dem späten 19. Jahrhundert und waren schon kurz nach der Stadtgründung gebaut worden. Damals, im Jahre 1864, war Townsville von den Herrn Black und Towns gegründet worden – und  vom Letztgenannten stammt auch der Name.

Auch die größte Sehenswürdigkeit der Stadt, das Reef Headquarter, widmet sich ganz dem Thema Meer. So nennt sich nämlich das Aquarium der Stadt. Wobei das Wort Aquarium in diesem Fall eine starke Untertreibung ist: im Reef Headquarter spaziert der Besucher in einem langen Plexiglastunnel durch die riesige Becken. Diese fassen insgesamt zweieinhalb Millionen Liter Salzwasser. Über und neben den Besuchern schwimmen Rochen und Haie; er sieht auch eine Vielzahl bunter Korallenriffe. Selbst  große Wasserschildkröten schweben schwerelos durchs Wasser.

Townsville Reef Encounter

Noch beeindruckender ist es nur, wenn man die Fische draußen im Meer beobachten kann. Auch das ist kein Problem in Townsville: unzählige Touroperator bieten Schnorchel- und Tauchausflüge zum Great Barrier Reef an.

Ein besonders interessanter Tauchspot ist das Wrack der SS Yongala. Der gut erhaltene, 109 Meter lange Dampfer sank 1911 in einem Orkan, und liegt heute in einer Tiefe zwischen 14 und 28 Metern. Inzwischen ist das Schiff von Korallen bedeckt und beheimatet eine bunte Fischwelt. Experten halten die SS Yongala für den besten Wracktauchplatz in Australien.

Ein Trost für alle Nichttaucher: Ein Nachbau des Wracks liegt am Grunde des Raubfischbeckens im Reef Headquarter in Townsville .

Magnetic Island

Sehr gefragt sind die Touren nach Magnetic Island. Die Insel ist vor allem wegen ihrer langen Sandstände beliebt. 22 große und kleine Badebuchten säumen die Küste der knapp acht Kilometer breiten Insel. Selbst in der Hochsaison findet hier jeder ein Plätzchen nach seinem Geschmack – zum Sonnenbaden, Schwimmen und Schnorcheln.

Im heißen australischen Sommer fühlen sich im Wasser vor Magnetic Island aber nicht nur Badegäste wohl, sondern auch der gefährliche Box Jellyfish. Damit man auch dann unbesorgt schwimmen kann, werden in der Zeit von Oktober bis April einige Strände mit Schutznetzen abgesperrt.Magnetic Island

Auf „Maggie“, wie die Einheimischen das Eiland liebvoll nennen, kann man auch wandern. Sehr beliebt ist der zwei Kilometer lange Spaziergang zu den Forts,  Beobachtungstürmen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Von hier aus hat man eine gute Sicht über die Insel. Trotzdem sollte man hier den Blick nicht nur in die Ferne  schweifen lassen, sondern sich die Eukalyptusbäume am Wegesrand  einmal genauer ansehen: auf ihnen  leben nämlich die meisten Koalas der Insel. Die Chance, eines der Tiere schlafend oder fressend im Geäst sitzen zu sehen, ist sehr hoch. Falls dennoch keiner zu sehen ist: Auf Magnetic Island liegt auch ein Koalapark. Dort bekommen Besucher die knuddeligen Tierchen dann auf jeden Fall zu Gesicht.

Rasso Knoller

 

Australien: Ein Krankenhaus für Fledermäuse

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Queensland-Urlauber können mit dem Tolga Bat Hospital eine Krankenstation besuchen, in dem sich alles nur um Fledermäuse dreht. Die Patienten werden hauptsächlich von freiwilligen Helfern aufgepäppelt.
1.100 Tiere – von den ganz kleinen Exemplaren, die maximal 20 Gramm wiegen, bis zu den großen Fledermäusen, die bis zu 950 Gramm schwer sind und eine Flügelspanne von bis zu einem Meter haben – werden im Tolga Bat Hospital in großen Gehegen gehalten und betreut. Eine der schwierigsten Aufgaben ist die Resozialisierung und die Auswilderung der Patienten. Tolga Bat Hospital_Junges
Die vier am häufigsten vertretenen Fledermausarten, die es in Australien gibt, sind die sogenannten Little Red, Grey-headed, Black und Spectacled Fledermaus. Insgesamt leben auf dem fünften Kontinent mehr als 90 Arten, auf der ganzen Welt gibt es rund 10 Mal so viele. Fledermäuse gelten als nachtaktiv und bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von 25 km/h in einem Radius von 30 Kilometern von ihrem Schlafplatz entfernt. Sie orientieren sich durch eine Art Echo-Ortung, um ihre Beute wie kleine Insekten und die Umwelt wahrzunehmen. Eine andere Hauptnahrungsquelle sind kleine Beeren oder Tropenfrüchte.

Das Tolga Bat Hospital befindet sich sechs Kilometer außerhalb von Atherton in den Tablelands. Die etwa 2 Hektar große, gemeinnützige Einrichtung hat mittwochs bis sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt liegt bei umgerechnet 10 Euro. 

 

Australien: Melbourne lebenswerteste Stadt der Welt

Tourism VIctoria, Melbourne & Southbank at dawn

Das australische Melbourne im Bundesstaat Victoria freut sich über den Hattrick des Titels als lebenswerteste Stadt der Welt im EIU Ranking der britischen Zeitung „The Economist“. Auf ihrem Spitzenplatz erreicht die Vier-Millionen-Metropole wiederum 97,5 von 100 möglichen Punkten. Auch die weitere Reihenfolge bleibt zum letzten Jahr unverändert. Platz zwei geht an die österreichische Hauptstadt Wien, Platz drei an Vancouver in Kanada. Die vielbeachtete Einstufung vergleicht 140 Großstädte rund um den Globus. Die Juroren beurteilen Stabilität, Gesundheitswesen, Kulturangebot und Umgebung, Ausbildung sowie Infrastruktur.
Melbourne an der Südküste Australiens ist für seine lebendige Kultur- und Restaurantszene, trendigen Szenenbars und Galerien sowie einen konträren Architekturmix aus viktorianischen und modernen Gebäuden bekannt. Die Stadt ist Austragungsort weltbekannter Sportevents wie den Australian  Formel 1 Grand Prix, die Australian Open sowie das Pferderennen Melbourne Cup. Nur wenige Kilometer entfernt liegen beliebte Naherholungsgebiete und Ausflugsziele wie Phillip Island, die Mornington Peninsula, das Weinanbaugebiet Yarra Valley und die Great Ocean Road mit der Felsenformation 12 Apostel.

Lesertext: Studieren und Surfen in Australien

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Verglichen mit den heimatlichen Breitengraden betätige ich die Snoozetaste meines 20 Euro Telefons lediglich einmal, bevor ich um 5.30 Uhr in den Tag starte. Um diese Uhrzeit beginnen sich die Sonnenstrahlen ihren Weg zu bahnen um den Horizont in ein kristallklares Blau zu verwandeln. Es sind bereits 22 Grad und der erste Weg geht vorbei an der Toilette heraus auf die hauseigene Dachterrasse, die einen ersten Blick über die morgendlichen Wellenbedingungen zulässt.

Die Vorhersage und das Resultat lassen kein ausgiebiges Frühstück zu und so schwinge ich mich mit Surfbrett unter dem Arm und einer halben Banane im Mund auf mein Skateboard. Die Straße hinunter zum Strand ist steil und lang und manchmal etwas knifflig, wenn ich Barfuss vom Board springen muss, weil ich in der morgendlichen Aufregung mal wieder vergessen habe den Linksverkehr zu beachten.

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Man trifft um diese Uhrzeit bereits so viele Jogger, wie auf dem Campus der Deutschen Sporthochschule. Und ich bin nie der Erste im Wasser. So früh am Morgen ist es windstill und die Sonne ist noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte, was einem die alltägliche Einbalsamierung erspart. Nach gut zwei Stunden im Wasserwird es allmählich Zeit sich den Pflichten zu widmen. Die Uni startet erst 11 Uhr, aber ich muss vorher noch eine Stunde unterrichten.

Mein Arbeitsplatz befindet sich direkt 50 m den Strand hinunter. Je nach Tide gebe ich hier für eine der besten Surfschulen, in denen ich je gearbeitet habe, Surfunterricht. Heute ist es ein australisches Pärchen aus Cairnes, das noch nie zuvor auf einem Brett gestanden hat. Sie machen sich gut und kurz bevor die Stunde endet, haben sie die entscheidende Welle. Die Welle, die sie mit einem Lächeln in den Tag starten lässt. Diese Welle die auch mich jeden  Tag mit einem Lächeln in den Tag starten lässt.

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Doch nun heißt es unter Zeitdruck, den Hügel auf dem ich wohne, hinaufsprinten. Ich habe lediglich Zeit für eine der existenziellen Sachen die sich Duschen oder Frühstücken nennen. Ich entscheide mich für Letzteres und schneide mir schnell noch ein paar Früchte in mein rosinenverseuchtes Müsli. Die nächste Bushaltestelle ist zwar nur zwei Gehminuten entfernt, doch hoffe ich jeden Morgen, dass er wie ich, einige Minuten später kommt. Was er in der Regel auch tut.

22 Minuten später bin ich da, wo ich in der Regel öfter sein sollte. Auf dem Campus der University of the Sunshine Coast. Zwischen hektischem Treiben, australischem Englisch und unzähligen Kangaroos bahne ich mir den Weg zu meinem Photographie Workshop. Als ich in den Seminarraum komme ist es bereits nach 11, doch der Dozent ist eher damit beschäftigt sich das Kaugummi unter seinen Flip Flops wegzukratzen und das vergangene AFL Grant Final Revue passieren zu lassen.

Foto Belen Estrella

Studieren in Australien ist anders. Auf keinen Fall einfacher, weil man sich einem enormen Workload stellen muss, der es einem nicht erlaubt lediglich die finale Klausur in Betracht zu ziehen. Dennoch ist der akademische Alltag von einer Gelassenheit bestimmt, der die deutschen Hochschulen wie eine Bildungsmaschinerie dastehen lässt. Nach drei Stunden praktischer Portraitarbeit schreit mein Körper nun nach der nächsten Mahlzeit.

Auf dem Weg zur unieigenen Community Kitchen treffe ich Thomas, einen australischen Surfer, mit dem ich einige meiner Kurse habe. Bei einem Tunfisch Sandwich entscheiden wir die nächste Vorlesung zu vertagen und sein Auto mit unseren Surfboards zu beladen. Der Wind hat mittlerweile gedreht, was das Surfen an den offenen Stränden unmöglich macht.

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Wir fahren einige Headlands weiter südlich und suchen uns eine abgeschottete Bucht, in der man um die Nachmittagszeit ein paar hohlbrechende Wedges findet, die schon das ein oder andere Board entzweit haben. Das Wasser ist klar und wild. Abund zu taucht eine Schildkröte auf und lässt sich einige Sekunden von den Wellen umhertragen, bevor sie sich wieder ihrem Leben unter Wasser widmet. In solchen Situationen erlebt man das eindrucksvollste, dass dieses Land zu bieten hat. Die greifbare Natur.

An glücklichen Tagen surfe ich mit Schildkröten, Delphinen und Walen die wie ozeaneigene Springbrunnen am Horizont vorbeiziehen. Ein einziges Mal sahen die Flossen, die sich aus der Wasseroberfläche hervortaten nicht allzu einladend aus, als zwei kleine Haiedas Treiben der Surfer unterbrachen. Die Regel ist einfach: Schnell in Richtung Strand paddeln, umdrehen, auf das Meer schauen, um dann zu entscheiden sich lieber beißen als sich die Wellen entgehen zu lassen.

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Mit etwas Adrenalin und Fokus auf die hereinkommenden Set-Wellen vergeht der Gedanke an die majestätischen Raubfische relativ schnell. Mindestens genauso schnell wie die zweite Session dieses Nachmittages. Ich dränge Thomas dazu noch an einem öffentlichen Grillplatz stopp zu machen. Wir werfen grausame australische Würstchen auf den Grill und genießen den Sonnenuntergang mit einem Gingerbeer in barfuss.

Es ist mittlerweile halb sechs Uhr abends und mein Zweitjob wartet bereits. Jeden Abend kellnere ich in einem thailändischen Restaurant direkt am Strand. Es ist ein anstrengender Job, da das Restaurant gut besucht ist und ich manchmal am liebsten nach Kilometern bezahlt würde. Doch die Anstrengung legt sich meistens schon gegen 22.30 Uhr wenn mich der vietnamesische Chefkoch fragt, was ich mir denn heute zum Abendbrot wünsche. Seit dem ich hier arbeite, sind die abendlichen Portionen für die Mitarbeiter rapide gewachsen.

Meine Residenz

Ganz zur Liebe meines Chefs, der durch seine feine englische Art graue Haare bekommt, wenn er die unästhetisch, überfüllten Teller sieht. Auf meinem Heimweg ist es bereits dunkelste Nacht. Ich hoffe, dass mich mein Mitbewohner noch mit einem kühlen Bier empfängt. Doch von der Straße aus kann ich bereits die erloschenen Lichter unseres Apartments erkennen. Australien ist ein Land, dass sich trotz westlicher Leistungsgesellschaft noch voll und ganz den Tageszeiten hingibt.

Vor allem die erste Zeit nach der Ankunft macht es einem der Jetlag nicht gerade einfach, sich dieser Tradition unterzuordnen. Doch die Vorfreude auf die morgige Surfsession lässt einen ins Bett fallen, wie einen Zehnjährigen der am nächsten Tag Geburtstag hat. Ich checke noch schnell meine Mails und schicke meiner Mum und meiner Freundin noch ein Lebenszeichen.

Mittlerweile wissen sie, dass ich durch mein Leben hier nicht gerade der berichterstattungsfreudigste Mensch bin. Vielleicht hätte ich auch nie diesen Artikel geschrieben, wenn ich mir nicht vor einigen Tagen beim Surfen die Rippe angeknackst hätte…Have a good one!

Konstantin Arnold

Picus Reportage: Australien – Im Land der Regenbogenschlange

Knoller, AustralienKeine lebende Kultur ist älter als die der australischen Aborigines. Auf seinen Reisen durch den fünften Kontinent besucht Rasso Knoller deren Vertreter in vielen Teilen des Landes. Die Kuku Yalanji in Queensland bringen ihm bei, wie man einen Woomera benutzt, mit den Nugal Warra besichtigt er die heiligen Stätten ihres Stammes und mit den Bunuba in Westaustralien macht er sich auf die Suche nach Yarrada, dem Krokodil aus der Traumzeit. Und er fiebert mit den Rugbyspielern von Palm Island, der Insel, auf der Olympiasiegerin Cathy Freeman aufgewachsen ist. Rasso Knoller spricht mit Aborigines über ihren Zorn und ihre Hoffnungen: den Zorn über die Diskriminierung, der sie auch heute noch unterworfen sind, und die Hoffnung auf Aussöhnung. Rasso Knoller nimmt sich viel Zeit für seine Begegnungen und versucht, sich dabei auf die Regeln der Aborigines einzulassen. Seine fesselnden Reportagen zeigen aber immer wieder auch einen Ausschnitt aus dem Leben der weißen Australier. Sie erzählen von den Winzern im Barossa Valley, den Goldgräbern in Westaustralien und einem Einsiedler in den Kimberleys.

Australien: Wandjinas und Yarrada

Bevor man die heiligen Stätten der Bunuba – ein Aboriginevolk im Norden Westaustraliens –  besuchen darf, muss man sich einer Rauchzeremonie unterziehen.  Nur so können die Geister sicher sein, dass der Gast ohne böse Absichten kommt.

Dicke Rauchschwaden hüllen mich ein. Dillon hat zur Begrüßung ein Feuer entfacht, er will mich den Geistern vorstellen. Ich sei in friedlicher Absicht gekommen, erklärt er ihnen in seiner Sprache. Und, dass ich sie während meines Besuchs mit Respekt behandeln würde. Einer „Smoking Ceremony“ muss sich jeder unterziehen, der das Gebiet eines Aboriginestammes betritt, und dort die heiligen Stätten besuchen will.

So unspektakulär die Zeremonie ist – im Wesentlichen besteht sie darin, dass man langsam eine stark qualmende Feuerstelle umrundet – so wichtig ist sie.
Wer sich den Geistern ohne vorherige Zeremonie nähert, zieht sich deren Zorn zu. Es gibt unzählige Geschichten von Menschen, die krank wurden oder sogar starben, weil sie sich einer heiligen Stätte respektlos genähert hatten.


Dillon zeigt mir das Land seines Stammes, den Bunuba, zwischen Derby und Fitzroy Crossing im Norden Westaustralien. Er gehört zu den respektierten älteren Männern in Biridu, einem Dorf mitten im Nichts. Außer ihm leben dort noch 20 weitere Menschen. Über sechs Stunden braucht Dillon in seinem klapprigen alten Jeep zum nächsten Supermarkt. In der Regenzeit ist sein Dorf völlig von der Außenwelt abgeschlossen. Im Notfall bleibt dann nur noch das Buschflugzeug als Verbindung. Das sei aber kein Problem, sagt Dillon. Eine Flugpiste hat in Australien fast jede Outbackfarm. Die Startbahn von Biridu ist aber etwas besonders. Hier kann man auch während der Regenzeit landen. Wer die sintflutartigen Regenfälle des australischen Nordens schon einmal erlebt hat, versteht, warum Dillon auf die Landebahn seines Dorfes stolz ist.

Als erstes gehen wir zu den Ruinen einer alten Farm. Dort ist Dillon aufgewachsen dort hat als junger Mann gearbeitet. Meine Frage, wo die Wohnhäuser der Farmarbeiter gestanden hätten, beantworten Dillon in der ihm eigenen Ernsthaftigkeit. Er zeigt in einer weiten Handbewegung über das weite Land und sagt: „Wir Aborigines haben nicht in Häusern gewohnt. Nach der Arbeit haben wir im Busch geschlafen.“ Neben der Ruine sprudelt heute eine Quelle, die im Laufe der Jahre ein beachtliches Wasserloch gefüllt hat. Doch das war nicht immer so. „Als ich noch ein Kind war, war hier alles trocken“, sagt Dillon, und erklärt, dass ein Regenmacher aus seinem Volk mit Hilfe der lebensspendenden „Rainbow serpent“, der Regenbogenschlange, diese Quelle geschaffen habe.

Die Regenbogenschlange ist eine der wichtigsten mythologischen Figuren in Nord- und Nordwestaustralien. Sie bringt Regen in die Wüste und schafft Leben. Doch wenn jemand die Gesetze bricht, schickt sie verheerende Fluten und tötet Menschen. Sie verschlingt dann ihre Opfer, würgt deren Knochen aber wieder hervor. Die verwandeln sich zu Stein und dienen so der Nachwelt als Warnung.

Ein Dingo aus der Traumzeit

Nur ein paar hundert Meter weiter deutet Dillon auf eine versteinerte Spur im Fels. „Der Pfotenabdruck eines Dingos aus der Dreamtime“, erklärt er. Dieser sei Teil einer Songline, dem für Weiße unsichtbaren „Wegenetz“ der Aborigines. Sie ende wie alle anderen Songlines am Uluru, dem heiligen Berg im Zentrum des Landes.
Dreamtime, das sei die Schöpfungszeit, erklärt Dillon. Anders als in der christlichen Mythologie ist die Schöpfung bei den Aborigines kein abgeschlossener Zeitraum. Die Traumzeit hat keinen Anfang und kein Ende – sie reicht vom Beginn der Zeit über das heute bis in die ferne Zukunft.
Eine halbe Stunde Jeepfahrt über holprige Outbackpisten entfernt, erreichen wir einen kleinen Hügel. Dillon stellt seinen Wagen am Straßenrand ab, die letzten Meter steigen wir zu Fuß den Berg hinauf – begleitet von ein paar Millionen Fliegen. Wir gehen auf eine Höhle zu, in der mir Dillon ein zehntausend Jahre altes „Rockpainting“ zeigen will. Langsam nähert er sich dem heiligen Platz, leise Begrüßungsformeln murmelnd. Er teilt den Geistern unsere friedliche Absicht mit. Doch trotz aller Formeln kann ich in der Höhle zunächst kein Gemälde entdecken. Erst als ich mich, wie von Dillon aufgefordert, auf den Höhlenboden lege, entdecke ich die ausgebleichten Wandjina-Figuren an der niedrigen Decke. Wandjinas sind Geistwesen aus der Traumzeit, die immer ohne Mund dargestellt werden. Sie sind die Schöpfer des Lebens und haben im Glauben der Aborigines die Erde und die Menschen erschaffen. „Ohne die Wandjinas gäbe es uns nicht“, sagt Dillon und erklärt auch gleich, warum die Geistwesen keinen Mund haben. Dazu hat er gleich mehrere Geschichten parat.

Die eine besagt, die Wandjinas seine so mächtig, dass sie es keine Münder bräuchten. Sie können ihre Befehle auch wortlos übermitteln. Nach einer anderen hatten die Wandjinas einst Münder. Vor langer Zeit aber waren sie so wütend über das rücksichtslose Verhalten der Menschen, dass sie ihre Münder öffneten, aus denen dann unendliche Fluten von Wasser strömten. Die Menschen wurden getötet und das Land zerstört. Danach schufen die Wandjinas neuen Menschen und halfen ihnen das Land neu aufzubauen. Damit aber nicht noch einmal vernichtende Wasserfluten aus ihren Müderen kommen könnten, verschlossen die Wandjinas diese auf ewig. Und im Laufe der Zeit verschwanden die Münder dann ganz. Am besten gefällt mir aber die Dillons Geschichte, nach der die Wandjinas ihre Münder selbst entfernt haben, als sie feststellten, dass die Menschen nicht auf ihre Ratschläge hören.

Das Wasserloch von Yarrada

In dieser Höhle erlaubt mir Dillon zu fotografieren. In der Schlucht, die wir als nächstes besuchen ist er in dieser Frage weniger entspannt. Sie gilt als besonders heilig und verlangt von ihren Besuchern entsprechenden Respekt. Die Gemälde an der steilen Felswand sind riesig und farbenprächtig. Eine der Malereien erinnert mich an ein Krokodil, und ich will von Dillon wissen, ob ich mir meiner Vermutung richtig liege. „Du kannst es nennen, wie du es willst, für uns ist das Yarrada“, antwortet er. Nur wenige Meter entfernt liegt ein großer Billabong, ein Wasserloch, das ganzjährig Wasser führt.

An seinem Ufer spenden Eukalyptusbäume Schatten, und Seerosen erinnern an ein Monet-Gemälde. „Hier kannst du baden“, sagt Dillon. Dass man in einem Wasserloch baden kann, scheint selbstverständlich, im Norden Australiens ist es das aber nicht. In manchen der einladend aussehenden Billabongs leben Krokodile.
Obwohl die Sonne unerbittlich vom Himmel sticht, ist das glasklare Wasser im Schatten des kleinen Bergrückens überraschend kühl. Jowe-Schlucht nennt Dillon diesen geheimnisvollen Platz. Als ich später auf einer Landkarte nachsehe, suche ich den Namen vergebens. So geht es mir mit vielen Orten, die mir Dillon zeigt, eingezeichnet sind sie nur auf der Landkarte in seinem Kopf, auf den Karten der „white fellows“ hingegen kommen sie nicht vor.

Essbares in der Wüste
Auf dem Weg zurück aus der Schlucht zupft Dillon mal hier, mal da an einem Busch und hält mir mal eine kleine Frucht, mal ein paar Samen hin. Sie sind alle essbar. Das unwirtlich wirkende Land hält ausreichend Nahrung für seine Bewohner bereit – vorausgesetzt, man weiß, wo und wonach man suchen muss. Viele europäische Entdecker verhungerten oder verdursteten während ihrer Expeditionen durchs Landesinnere. Sie starben quasi vor dem prall gefüllten Vorratsschrank der Natur, zu dem aber nur die Aborigines den Schlüssel besitzen.


Eine Delikatesse der Bunubaleute bereitet Dillon dann eigenhändig für mich zu: Känguruschwanz. Kängurufleisch ist sehr schmackhaft und deswegen freue ich mich über seine Einladung. Känguruschwanz ist aber eine ganz andere Sache. Schon die Zubereitung ist abenteuerlich: Zunächst entzündet Dillon ein Feuer, hält dann den behaarten Schwanz in die Flamme und brennt das Fell ab. Was danach an Haaren übrigbleibt, schabt er mit einem Messer von der Haut. So vorbereitet, beginnt der eigentliche Kochvorgang: Der Schwanz wird in die Glut gelegt und mit Erde bedeckt. Nach knapp zwei Stunden ist der Braten fertig. „Känguruschwanz ist meine Leibspeise“, schwärmt Dillon. „Früher durften nur die Stammesältesten Känguruschwanz essen.“ Geduldig sitze ich unter einem Baum und warte darauf, den Leckerbissen endlich ausgraben zu dürfen. Dann endlich geht es ans Essen. Dillon ist begeistert. Genüsslich zieht er die Haut vom Fleisch, etwa so als schäle er eine Banane. Bald steht er mit fettigen Fingern da. Genau das Fett sei es, was den Känguruschwanz besonders schmackhaft mache, sagt Dillon. Mir aber verdirbt es den Appetit. Als Dillon das bemerkt, lacht er nur und sagt, er sei froh, wenn ich den Känguruschwanz nicht esse. So bliebe mehr für ihn übrig.

Abends im Camp grillen wir ganz normales Steak und dort lerne ich auch einige junge Männer aus Dillons Dorf kennen. Aboriginefrauen treffe ich keine. Sie kümmern sich um ihr „women’s business“ . In vielen Bereichen ist die Welt der Aborigines streng nach Geschlechtern getrennt. So sind viele heilige Plätze entweder Männern oder Frauen vorbehalten. Selbst Lieder werden nach Geschlechtern getrennt gesungen. Dillon erzählt die Geschichte einiger junger Männer aus Fitzroy Crossing, die im Suff traditionelle Männerlieder vor Frauen gesungen haben. Nur einige Wochen später starben sie alle auf mysteriöse Weise. „Sadly but truly they died“, sagt Dillon mit ernster Miene.

Das Didgeridoo, das typische Instrument der Aborigines, dürfen nur Männer spielen. Es ist ein Phallussymbol, und als deswegen führt es bei Frauen, die darauf spielen zu Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburten. Dillon erzählt von einer weißen Frau, die von den Gefahren des Didgeridoospiels nichts wusste, das Instrument erlernte und es bald sogar ausgezeichnet beherrschte. Viele Jahre hatte sie vergeblich versucht, ein Kind zu bekommen. Schwanger wurde sie erst, als sie vom Fluch des Didgeridoos erfuhr und von diesem Augenblick an das Instrument nie mehr berührte.

Rasso Knoller

 

Australien: Hoch hinaus in Surfers Paradise

Sky Point Climb in Surfers Paradise, Queensland

Auf Australiens höchsten Turm klettern

Die im Süden Queenslands gelegene Gold Coast ist um eine spektakuläre Attraktion reicher. Auf dem Q1 Tower in Surfers Paradise wurde der SkyPoint Climb eröffnet. Dabei können Teilnehmer bis auf 270 Meter hinauf klettern und die Spitze des höchsten Turmes Australiens erklimmen. Mit einem Spezialanzug bekleidet und mit Karabinerhaken abgesichert geht es unter freiem Himmel 240 Stufen auf einer Glaskuppel steil bergauf. Der Aufstieg beginnt vom Observation Deck auf 230 Metern Höhe.Der SkyPoint Climb dauert rund 90 Minuten.

Der Q1 Tower misst einschließlich Antennenspitze 322,5 Meter. Er ist damit nicht nur der höchste Turm Australiens, sondern auch eines der weltweit höchsten Wohngebäude.