Australien: Ein Krankenhaus für Fledermäuse

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Queensland-Urlauber können mit dem Tolga Bat Hospital eine Krankenstation besuchen, in dem sich alles nur um Fledermäuse dreht. Die Patienten werden hauptsächlich von freiwilligen Helfern aufgepäppelt.
1.100 Tiere – von den ganz kleinen Exemplaren, die maximal 20 Gramm wiegen, bis zu den großen Fledermäusen, die bis zu 950 Gramm schwer sind und eine Flügelspanne von bis zu einem Meter haben – werden im Tolga Bat Hospital in großen Gehegen gehalten und betreut. Eine der schwierigsten Aufgaben ist die Resozialisierung und die Auswilderung der Patienten. Tolga Bat Hospital_Junges
Die vier am häufigsten vertretenen Fledermausarten, die es in Australien gibt, sind die sogenannten Little Red, Grey-headed, Black und Spectacled Fledermaus. Insgesamt leben auf dem fünften Kontinent mehr als 90 Arten, auf der ganzen Welt gibt es rund 10 Mal so viele. Fledermäuse gelten als nachtaktiv und bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von 25 km/h in einem Radius von 30 Kilometern von ihrem Schlafplatz entfernt. Sie orientieren sich durch eine Art Echo-Ortung, um ihre Beute wie kleine Insekten und die Umwelt wahrzunehmen. Eine andere Hauptnahrungsquelle sind kleine Beeren oder Tropenfrüchte.

Das Tolga Bat Hospital befindet sich sechs Kilometer außerhalb von Atherton in den Tablelands. Die etwa 2 Hektar große, gemeinnützige Einrichtung hat mittwochs bis sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt liegt bei umgerechnet 10 Euro. 

 

Australien: Melbourne lebenswerteste Stadt der Welt

Tourism VIctoria, Melbourne & Southbank at dawn

Das australische Melbourne im Bundesstaat Victoria freut sich über den Hattrick des Titels als lebenswerteste Stadt der Welt im EIU Ranking der britischen Zeitung „The Economist“. Auf ihrem Spitzenplatz erreicht die Vier-Millionen-Metropole wiederum 97,5 von 100 möglichen Punkten. Auch die weitere Reihenfolge bleibt zum letzten Jahr unverändert. Platz zwei geht an die österreichische Hauptstadt Wien, Platz drei an Vancouver in Kanada. Die vielbeachtete Einstufung vergleicht 140 Großstädte rund um den Globus. Die Juroren beurteilen Stabilität, Gesundheitswesen, Kulturangebot und Umgebung, Ausbildung sowie Infrastruktur.
Melbourne an der Südküste Australiens ist für seine lebendige Kultur- und Restaurantszene, trendigen Szenenbars und Galerien sowie einen konträren Architekturmix aus viktorianischen und modernen Gebäuden bekannt. Die Stadt ist Austragungsort weltbekannter Sportevents wie den Australian  Formel 1 Grand Prix, die Australian Open sowie das Pferderennen Melbourne Cup. Nur wenige Kilometer entfernt liegen beliebte Naherholungsgebiete und Ausflugsziele wie Phillip Island, die Mornington Peninsula, das Weinanbaugebiet Yarra Valley und die Great Ocean Road mit der Felsenformation 12 Apostel.

Lesertext: Studieren und Surfen in Australien

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Verglichen mit den heimatlichen Breitengraden betätige ich die Snoozetaste meines 20 Euro Telefons lediglich einmal, bevor ich um 5.30 Uhr in den Tag starte. Um diese Uhrzeit beginnen sich die Sonnenstrahlen ihren Weg zu bahnen um den Horizont in ein kristallklares Blau zu verwandeln. Es sind bereits 22 Grad und der erste Weg geht vorbei an der Toilette heraus auf die hauseigene Dachterrasse, die einen ersten Blick über die morgendlichen Wellenbedingungen zulässt.

Die Vorhersage und das Resultat lassen kein ausgiebiges Frühstück zu und so schwinge ich mich mit Surfbrett unter dem Arm und einer halben Banane im Mund auf mein Skateboard. Die Straße hinunter zum Strand ist steil und lang und manchmal etwas knifflig, wenn ich Barfuss vom Board springen muss, weil ich in der morgendlichen Aufregung mal wieder vergessen habe den Linksverkehr zu beachten.

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Man trifft um diese Uhrzeit bereits so viele Jogger, wie auf dem Campus der Deutschen Sporthochschule. Und ich bin nie der Erste im Wasser. So früh am Morgen ist es windstill und die Sonne ist noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte, was einem die alltägliche Einbalsamierung erspart. Nach gut zwei Stunden im Wasserwird es allmählich Zeit sich den Pflichten zu widmen. Die Uni startet erst 11 Uhr, aber ich muss vorher noch eine Stunde unterrichten.

Mein Arbeitsplatz befindet sich direkt 50 m den Strand hinunter. Je nach Tide gebe ich hier für eine der besten Surfschulen, in denen ich je gearbeitet habe, Surfunterricht. Heute ist es ein australisches Pärchen aus Cairnes, das noch nie zuvor auf einem Brett gestanden hat. Sie machen sich gut und kurz bevor die Stunde endet, haben sie die entscheidende Welle. Die Welle, die sie mit einem Lächeln in den Tag starten lässt. Diese Welle die auch mich jeden  Tag mit einem Lächeln in den Tag starten lässt.

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Doch nun heißt es unter Zeitdruck, den Hügel auf dem ich wohne, hinaufsprinten. Ich habe lediglich Zeit für eine der existenziellen Sachen die sich Duschen oder Frühstücken nennen. Ich entscheide mich für Letzteres und schneide mir schnell noch ein paar Früchte in mein rosinenverseuchtes Müsli. Die nächste Bushaltestelle ist zwar nur zwei Gehminuten entfernt, doch hoffe ich jeden Morgen, dass er wie ich, einige Minuten später kommt. Was er in der Regel auch tut.

22 Minuten später bin ich da, wo ich in der Regel öfter sein sollte. Auf dem Campus der University of the Sunshine Coast. Zwischen hektischem Treiben, australischem Englisch und unzähligen Kangaroos bahne ich mir den Weg zu meinem Photographie Workshop. Als ich in den Seminarraum komme ist es bereits nach 11, doch der Dozent ist eher damit beschäftigt sich das Kaugummi unter seinen Flip Flops wegzukratzen und das vergangene AFL Grant Final Revue passieren zu lassen.

Foto Belen Estrella

Studieren in Australien ist anders. Auf keinen Fall einfacher, weil man sich einem enormen Workload stellen muss, der es einem nicht erlaubt lediglich die finale Klausur in Betracht zu ziehen. Dennoch ist der akademische Alltag von einer Gelassenheit bestimmt, der die deutschen Hochschulen wie eine Bildungsmaschinerie dastehen lässt. Nach drei Stunden praktischer Portraitarbeit schreit mein Körper nun nach der nächsten Mahlzeit.

Auf dem Weg zur unieigenen Community Kitchen treffe ich Thomas, einen australischen Surfer, mit dem ich einige meiner Kurse habe. Bei einem Tunfisch Sandwich entscheiden wir die nächste Vorlesung zu vertagen und sein Auto mit unseren Surfboards zu beladen. Der Wind hat mittlerweile gedreht, was das Surfen an den offenen Stränden unmöglich macht.

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Wir fahren einige Headlands weiter südlich und suchen uns eine abgeschottete Bucht, in der man um die Nachmittagszeit ein paar hohlbrechende Wedges findet, die schon das ein oder andere Board entzweit haben. Das Wasser ist klar und wild. Abund zu taucht eine Schildkröte auf und lässt sich einige Sekunden von den Wellen umhertragen, bevor sie sich wieder ihrem Leben unter Wasser widmet. In solchen Situationen erlebt man das eindrucksvollste, dass dieses Land zu bieten hat. Die greifbare Natur.

An glücklichen Tagen surfe ich mit Schildkröten, Delphinen und Walen die wie ozeaneigene Springbrunnen am Horizont vorbeiziehen. Ein einziges Mal sahen die Flossen, die sich aus der Wasseroberfläche hervortaten nicht allzu einladend aus, als zwei kleine Haiedas Treiben der Surfer unterbrachen. Die Regel ist einfach: Schnell in Richtung Strand paddeln, umdrehen, auf das Meer schauen, um dann zu entscheiden sich lieber beißen als sich die Wellen entgehen zu lassen.

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Mit etwas Adrenalin und Fokus auf die hereinkommenden Set-Wellen vergeht der Gedanke an die majestätischen Raubfische relativ schnell. Mindestens genauso schnell wie die zweite Session dieses Nachmittages. Ich dränge Thomas dazu noch an einem öffentlichen Grillplatz stopp zu machen. Wir werfen grausame australische Würstchen auf den Grill und genießen den Sonnenuntergang mit einem Gingerbeer in barfuss.

Es ist mittlerweile halb sechs Uhr abends und mein Zweitjob wartet bereits. Jeden Abend kellnere ich in einem thailändischen Restaurant direkt am Strand. Es ist ein anstrengender Job, da das Restaurant gut besucht ist und ich manchmal am liebsten nach Kilometern bezahlt würde. Doch die Anstrengung legt sich meistens schon gegen 22.30 Uhr wenn mich der vietnamesische Chefkoch fragt, was ich mir denn heute zum Abendbrot wünsche. Seit dem ich hier arbeite, sind die abendlichen Portionen für die Mitarbeiter rapide gewachsen.

Meine Residenz

Ganz zur Liebe meines Chefs, der durch seine feine englische Art graue Haare bekommt, wenn er die unästhetisch, überfüllten Teller sieht. Auf meinem Heimweg ist es bereits dunkelste Nacht. Ich hoffe, dass mich mein Mitbewohner noch mit einem kühlen Bier empfängt. Doch von der Straße aus kann ich bereits die erloschenen Lichter unseres Apartments erkennen. Australien ist ein Land, dass sich trotz westlicher Leistungsgesellschaft noch voll und ganz den Tageszeiten hingibt.

Vor allem die erste Zeit nach der Ankunft macht es einem der Jetlag nicht gerade einfach, sich dieser Tradition unterzuordnen. Doch die Vorfreude auf die morgige Surfsession lässt einen ins Bett fallen, wie einen Zehnjährigen der am nächsten Tag Geburtstag hat. Ich checke noch schnell meine Mails und schicke meiner Mum und meiner Freundin noch ein Lebenszeichen.

Mittlerweile wissen sie, dass ich durch mein Leben hier nicht gerade der berichterstattungsfreudigste Mensch bin. Vielleicht hätte ich auch nie diesen Artikel geschrieben, wenn ich mir nicht vor einigen Tagen beim Surfen die Rippe angeknackst hätte…Have a good one!

Konstantin Arnold

Picus Reportage: Australien – Im Land der Regenbogenschlange

Knoller, AustralienKeine lebende Kultur ist älter als die der australischen Aborigines. Auf seinen Reisen durch den fünften Kontinent besucht Rasso Knoller deren Vertreter in vielen Teilen des Landes. Die Kuku Yalanji in Queensland bringen ihm bei, wie man einen Woomera benutzt, mit den Nugal Warra besichtigt er die heiligen Stätten ihres Stammes und mit den Bunuba in Westaustralien macht er sich auf die Suche nach Yarrada, dem Krokodil aus der Traumzeit. Und er fiebert mit den Rugbyspielern von Palm Island, der Insel, auf der Olympiasiegerin Cathy Freeman aufgewachsen ist. Rasso Knoller spricht mit Aborigines über ihren Zorn und ihre Hoffnungen: den Zorn über die Diskriminierung, der sie auch heute noch unterworfen sind, und die Hoffnung auf Aussöhnung. Rasso Knoller nimmt sich viel Zeit für seine Begegnungen und versucht, sich dabei auf die Regeln der Aborigines einzulassen. Seine fesselnden Reportagen zeigen aber immer wieder auch einen Ausschnitt aus dem Leben der weißen Australier. Sie erzählen von den Winzern im Barossa Valley, den Goldgräbern in Westaustralien und einem Einsiedler in den Kimberleys.

Picus Lesereise: Papua Neuguinea

Knoller.Papua-NeuguineaAuf seinen Reisen durch Papua-Neuguinea, das sich das Land der Überraschungen nennt, hat Rasso Knoller alte Männer besucht, die als Kinder mit dabei waren, als in den dreißiger Jahren die ersten Weißen ins Hochland kamen, er hat sich mit Kannibalen darüber unterhalten, wie Menschenfleisch schmeckt, und hat die Freundlichkeit von Straßenräubern auf dem Highlands Highway erlebt. Auf der Suche nach seltenen Paradiesvögeln bereiste er mit dem Boot die Sepikregion und erlebte dort die alten Bräuche der Flussbewohner mit. Er war beim »sing-sing« in Goroka – einem der größten Tanzfestivals des Landes – und erfuhr in den Dörfern des Hochlands, warum Schweine in Papua-Neuguinea mehr wert sind als Frauen und warum es zum Krieg führt, wenn Frauen untreu sind. Er bummelte über Märkte, bezahlte dort mit Muschelgeld und kaute mit den Einheimischen Betelnuss. Und er hat sich auf die Suche nach dem »Sanguma« gemacht, einem bösen Geist, der von Menschen Besitz nimmt und den man nur vertreiben kann, indem man den Menschen tötet, in dem er wohnt – weshalb Hexenverbrennungen in Papua-Neuguinea heute noch an der Tagesordnung stehen.

Australien: Wandjinas und Yarrada

Bevor man die heiligen Stätten der Bunuba – ein Aboriginevolk im Norden Westaustraliens –  besuchen darf, muss man sich einer Rauchzeremonie unterziehen.  Nur so können die Geister sicher sein, dass der Gast ohne böse Absichten kommt.

Dicke Rauchschwaden hüllen mich ein. Dillon hat zur Begrüßung ein Feuer entfacht, er will mich den Geistern vorstellen. Ich sei in friedlicher Absicht gekommen, erklärt er ihnen in seiner Sprache. Und, dass ich sie während meines Besuchs mit Respekt behandeln würde. Einer „Smoking Ceremony“ muss sich jeder unterziehen, der das Gebiet eines Aboriginestammes betritt, und dort die heiligen Stätten besuchen will.

So unspektakulär die Zeremonie ist – im Wesentlichen besteht sie darin, dass man langsam eine stark qualmende Feuerstelle umrundet – so wichtig ist sie.
Wer sich den Geistern ohne vorherige Zeremonie nähert, zieht sich deren Zorn zu. Es gibt unzählige Geschichten von Menschen, die krank wurden oder sogar starben, weil sie sich einer heiligen Stätte respektlos genähert hatten.


Dillon zeigt mir das Land seines Stammes, den Bunuba, zwischen Derby und Fitzroy Crossing im Norden Westaustralien. Er gehört zu den respektierten älteren Männern in Biridu, einem Dorf mitten im Nichts. Außer ihm leben dort noch 20 weitere Menschen. Über sechs Stunden braucht Dillon in seinem klapprigen alten Jeep zum nächsten Supermarkt. In der Regenzeit ist sein Dorf völlig von der Außenwelt abgeschlossen. Im Notfall bleibt dann nur noch das Buschflugzeug als Verbindung. Das sei aber kein Problem, sagt Dillon. Eine Flugpiste hat in Australien fast jede Outbackfarm. Die Startbahn von Biridu ist aber etwas besonders. Hier kann man auch während der Regenzeit landen. Wer die sintflutartigen Regenfälle des australischen Nordens schon einmal erlebt hat, versteht, warum Dillon auf die Landebahn seines Dorfes stolz ist.

Als erstes gehen wir zu den Ruinen einer alten Farm. Dort ist Dillon aufgewachsen dort hat als junger Mann gearbeitet. Meine Frage, wo die Wohnhäuser der Farmarbeiter gestanden hätten, beantworten Dillon in der ihm eigenen Ernsthaftigkeit. Er zeigt in einer weiten Handbewegung über das weite Land und sagt: „Wir Aborigines haben nicht in Häusern gewohnt. Nach der Arbeit haben wir im Busch geschlafen.“ Neben der Ruine sprudelt heute eine Quelle, die im Laufe der Jahre ein beachtliches Wasserloch gefüllt hat. Doch das war nicht immer so. „Als ich noch ein Kind war, war hier alles trocken“, sagt Dillon, und erklärt, dass ein Regenmacher aus seinem Volk mit Hilfe der lebensspendenden „Rainbow serpent“, der Regenbogenschlange, diese Quelle geschaffen habe.

Die Regenbogenschlange ist eine der wichtigsten mythologischen Figuren in Nord- und Nordwestaustralien. Sie bringt Regen in die Wüste und schafft Leben. Doch wenn jemand die Gesetze bricht, schickt sie verheerende Fluten und tötet Menschen. Sie verschlingt dann ihre Opfer, würgt deren Knochen aber wieder hervor. Die verwandeln sich zu Stein und dienen so der Nachwelt als Warnung.

Ein Dingo aus der Traumzeit

Nur ein paar hundert Meter weiter deutet Dillon auf eine versteinerte Spur im Fels. „Der Pfotenabdruck eines Dingos aus der Dreamtime“, erklärt er. Dieser sei Teil einer Songline, dem für Weiße unsichtbaren „Wegenetz“ der Aborigines. Sie ende wie alle anderen Songlines am Uluru, dem heiligen Berg im Zentrum des Landes.
Dreamtime, das sei die Schöpfungszeit, erklärt Dillon. Anders als in der christlichen Mythologie ist die Schöpfung bei den Aborigines kein abgeschlossener Zeitraum. Die Traumzeit hat keinen Anfang und kein Ende – sie reicht vom Beginn der Zeit über das heute bis in die ferne Zukunft.
Eine halbe Stunde Jeepfahrt über holprige Outbackpisten entfernt, erreichen wir einen kleinen Hügel. Dillon stellt seinen Wagen am Straßenrand ab, die letzten Meter steigen wir zu Fuß den Berg hinauf – begleitet von ein paar Millionen Fliegen. Wir gehen auf eine Höhle zu, in der mir Dillon ein zehntausend Jahre altes „Rockpainting“ zeigen will. Langsam nähert er sich dem heiligen Platz, leise Begrüßungsformeln murmelnd. Er teilt den Geistern unsere friedliche Absicht mit. Doch trotz aller Formeln kann ich in der Höhle zunächst kein Gemälde entdecken. Erst als ich mich, wie von Dillon aufgefordert, auf den Höhlenboden lege, entdecke ich die ausgebleichten Wandjina-Figuren an der niedrigen Decke. Wandjinas sind Geistwesen aus der Traumzeit, die immer ohne Mund dargestellt werden. Sie sind die Schöpfer des Lebens und haben im Glauben der Aborigines die Erde und die Menschen erschaffen. „Ohne die Wandjinas gäbe es uns nicht“, sagt Dillon und erklärt auch gleich, warum die Geistwesen keinen Mund haben. Dazu hat er gleich mehrere Geschichten parat.

Die eine besagt, die Wandjinas seine so mächtig, dass sie es keine Münder bräuchten. Sie können ihre Befehle auch wortlos übermitteln. Nach einer anderen hatten die Wandjinas einst Münder. Vor langer Zeit aber waren sie so wütend über das rücksichtslose Verhalten der Menschen, dass sie ihre Münder öffneten, aus denen dann unendliche Fluten von Wasser strömten. Die Menschen wurden getötet und das Land zerstört. Danach schufen die Wandjinas neuen Menschen und halfen ihnen das Land neu aufzubauen. Damit aber nicht noch einmal vernichtende Wasserfluten aus ihren Müderen kommen könnten, verschlossen die Wandjinas diese auf ewig. Und im Laufe der Zeit verschwanden die Münder dann ganz. Am besten gefällt mir aber die Dillons Geschichte, nach der die Wandjinas ihre Münder selbst entfernt haben, als sie feststellten, dass die Menschen nicht auf ihre Ratschläge hören.

Das Wasserloch von Yarrada

In dieser Höhle erlaubt mir Dillon zu fotografieren. In der Schlucht, die wir als nächstes besuchen ist er in dieser Frage weniger entspannt. Sie gilt als besonders heilig und verlangt von ihren Besuchern entsprechenden Respekt. Die Gemälde an der steilen Felswand sind riesig und farbenprächtig. Eine der Malereien erinnert mich an ein Krokodil, und ich will von Dillon wissen, ob ich mir meiner Vermutung richtig liege. „Du kannst es nennen, wie du es willst, für uns ist das Yarrada“, antwortet er. Nur wenige Meter entfernt liegt ein großer Billabong, ein Wasserloch, das ganzjährig Wasser führt.

An seinem Ufer spenden Eukalyptusbäume Schatten, und Seerosen erinnern an ein Monet-Gemälde. „Hier kannst du baden“, sagt Dillon. Dass man in einem Wasserloch baden kann, scheint selbstverständlich, im Norden Australiens ist es das aber nicht. In manchen der einladend aussehenden Billabongs leben Krokodile.
Obwohl die Sonne unerbittlich vom Himmel sticht, ist das glasklare Wasser im Schatten des kleinen Bergrückens überraschend kühl. Jowe-Schlucht nennt Dillon diesen geheimnisvollen Platz. Als ich später auf einer Landkarte nachsehe, suche ich den Namen vergebens. So geht es mir mit vielen Orten, die mir Dillon zeigt, eingezeichnet sind sie nur auf der Landkarte in seinem Kopf, auf den Karten der „white fellows“ hingegen kommen sie nicht vor.

Essbares in der Wüste
Auf dem Weg zurück aus der Schlucht zupft Dillon mal hier, mal da an einem Busch und hält mir mal eine kleine Frucht, mal ein paar Samen hin. Sie sind alle essbar. Das unwirtlich wirkende Land hält ausreichend Nahrung für seine Bewohner bereit – vorausgesetzt, man weiß, wo und wonach man suchen muss. Viele europäische Entdecker verhungerten oder verdursteten während ihrer Expeditionen durchs Landesinnere. Sie starben quasi vor dem prall gefüllten Vorratsschrank der Natur, zu dem aber nur die Aborigines den Schlüssel besitzen.


Eine Delikatesse der Bunubaleute bereitet Dillon dann eigenhändig für mich zu: Känguruschwanz. Kängurufleisch ist sehr schmackhaft und deswegen freue ich mich über seine Einladung. Känguruschwanz ist aber eine ganz andere Sache. Schon die Zubereitung ist abenteuerlich: Zunächst entzündet Dillon ein Feuer, hält dann den behaarten Schwanz in die Flamme und brennt das Fell ab. Was danach an Haaren übrigbleibt, schabt er mit einem Messer von der Haut. So vorbereitet, beginnt der eigentliche Kochvorgang: Der Schwanz wird in die Glut gelegt und mit Erde bedeckt. Nach knapp zwei Stunden ist der Braten fertig. „Känguruschwanz ist meine Leibspeise“, schwärmt Dillon. „Früher durften nur die Stammesältesten Känguruschwanz essen.“ Geduldig sitze ich unter einem Baum und warte darauf, den Leckerbissen endlich ausgraben zu dürfen. Dann endlich geht es ans Essen. Dillon ist begeistert. Genüsslich zieht er die Haut vom Fleisch, etwa so als schäle er eine Banane. Bald steht er mit fettigen Fingern da. Genau das Fett sei es, was den Känguruschwanz besonders schmackhaft mache, sagt Dillon. Mir aber verdirbt es den Appetit. Als Dillon das bemerkt, lacht er nur und sagt, er sei froh, wenn ich den Känguruschwanz nicht esse. So bliebe mehr für ihn übrig.

Abends im Camp grillen wir ganz normales Steak und dort lerne ich auch einige junge Männer aus Dillons Dorf kennen. Aboriginefrauen treffe ich keine. Sie kümmern sich um ihr „women’s business“ . In vielen Bereichen ist die Welt der Aborigines streng nach Geschlechtern getrennt. So sind viele heilige Plätze entweder Männern oder Frauen vorbehalten. Selbst Lieder werden nach Geschlechtern getrennt gesungen. Dillon erzählt die Geschichte einiger junger Männer aus Fitzroy Crossing, die im Suff traditionelle Männerlieder vor Frauen gesungen haben. Nur einige Wochen später starben sie alle auf mysteriöse Weise. „Sadly but truly they died“, sagt Dillon mit ernster Miene.

Das Didgeridoo, das typische Instrument der Aborigines, dürfen nur Männer spielen. Es ist ein Phallussymbol, und als deswegen führt es bei Frauen, die darauf spielen zu Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburten. Dillon erzählt von einer weißen Frau, die von den Gefahren des Didgeridoospiels nichts wusste, das Instrument erlernte und es bald sogar ausgezeichnet beherrschte. Viele Jahre hatte sie vergeblich versucht, ein Kind zu bekommen. Schwanger wurde sie erst, als sie vom Fluch des Didgeridoos erfuhr und von diesem Augenblick an das Instrument nie mehr berührte.

Rasso Knoller

 

Australien: Hoch hinaus in Surfers Paradise

Sky Point Climb in Surfers Paradise, Queensland

Auf Australiens höchsten Turm klettern

Die im Süden Queenslands gelegene Gold Coast ist um eine spektakuläre Attraktion reicher. Auf dem Q1 Tower in Surfers Paradise wurde der SkyPoint Climb eröffnet. Dabei können Teilnehmer bis auf 270 Meter hinauf klettern und die Spitze des höchsten Turmes Australiens erklimmen. Mit einem Spezialanzug bekleidet und mit Karabinerhaken abgesichert geht es unter freiem Himmel 240 Stufen auf einer Glaskuppel steil bergauf. Der Aufstieg beginnt vom Observation Deck auf 230 Metern Höhe.Der SkyPoint Climb dauert rund 90 Minuten.

Der Q1 Tower misst einschließlich Antennenspitze 322,5 Meter. Er ist damit nicht nur der höchste Turm Australiens, sondern auch eines der weltweit höchsten Wohngebäude.

Australien: Abgetaucht

Auf dem Schiff „Reef Encouter“ kann man den Tauchschein machen, man muss es aber nicht – im Great Barrier Reef vor der Küste Queenlands entdeckt selbst ein Schnorchler mehr als anderswo ein Tiefseetaucher.

Der Neopren-Anzug sitzt so eng wie die Jeans, in die ich mich vor dreißig Jahren als Teenager gezwängt habe. Ich arbeite mich schwitzend in die Anzugbeine, ziehe das Gummiteil über die Hüfte, presse meine Fäuste in die Ärmel – und fühle mich in diesem Wetsuit letztendlich dennoch sicherer als im Bikini. Nicht wegen der Seewespe, dieser giftigen Würfelqualle, die sich zwischen Oktober und Mai nicht auf hoher See, aber vor den Stränden der Nordostküste Australiens breit macht. Sondern wegen der Temperaturen: Obgleich die Sonne heiß aufs Deck unseres Schiffes, der Reef Encounter, scheint, beginnen Schnorchler und Taucher spätestens nach einer Stunde im Wasser zu frösteln. Und wer möchte dieses Unterwasserparadies schon so schnell wieder verlassen, nur um sich aufzuwärmen? Gibt es doch kaum einen anderen Ort auf der Welt, an dem selbst ein Schnorchler mehr entdecken und bestaunen kann als anderswo ein Tiefseetaucher.

Seit 24 Stunden sind wir auf der Reef Encounter. Haben dort unsere geräumige Kabine bezogen, sämtliche Schuhe verstaut – auf dem Boot gilt Barfußpflicht -, die Düsen der Aircondition mit Papiertaschentücher zugestopft – der Australier mag es gerne eisig frisch –, und das erste leckere Mittagsessen in der rund 50 Mann fassenden Speiseraum zu uns genommen. Und wir sind vor allem eins: gedanklich ganz weit weg von allem. Dank dem sanften Schaukeln des Bootes. Der Meeresbrise, die über unsere Haut streichelt. Und weil wir  in eine andere, so ganz stille Welt abtauchen: In die Welt des Great Barrier Reefs, dieser grandiosen Aneinanderreihung von rund 3.000 korallenbestückten Kleinriffen und unzähligen Sandbänken vor der Küste von Queensland, dem Sunshine State Australiens.

Das größte Korallenriff der Erde

2.200 Kilometer zieht sich das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Erde, parallel zur Küste des fünften Kontinents entlang. Es ist mehrere Millionen Jahre alt und seit 1981 auch UNESCO-Weltkulturerbe. Manche nennen es ein Weltwunder – was angesichts der Tier- und Pflanzenwelt des Riffs keine Übertreibung ist: Hunderte Korallenarten, die in allen Farben leuchten und sich in unzähligen Formen und Verästelungen präsentieren, finden Taucher und Schnorchler dort. Dazu unzählige bunte Fische wie Limefishes – und harmlose Riff-Haie. Aber auch Schwämme, Seesterne, Moränen und riesige Mantarochen machen diesen Ort zu einem einmaligen. Mitunter ziehen riesige Meeresschildkröten an den Menschen vorbei – hier im Great Barrier Reef leben sechs von insgesamt sieben weltweit vorkommenden Arten. Im August und Oktober kommen noch Buckelwale vorbei, und im November blühen die Korallen besonders prächtig.

Doch auch auf dem Wasser, nämlich an Bord des Schiffes, ist das Great Barrier Reef ein Paradies für Erholungssuchende. Etwa am Hastings Reef, wo wir am zweiten Tag ankern. Hier draußen, auf dem Meer, scheint die meiste Zeit des Jahres über die Sonne. Über Cairns, wo wir am Tag zuvor an Bord gegangen sind, hingen noch schwere Regenwolken. Doch schon nach den ersten Seemeilen drangen die ersten Sonnenstrahlen zu uns. Jetzt, 40 Kilometer vom Festland entfernt, schmieren sich die Gäste der Reef Encounter mehrmals täglich dick Sonnenschutzcreme auf Nase und Stirn.

Nicht jeder darf ankern  

Vier Riffe werden wir während der dreitägigen Cruise besuchen – und keines gleicht dem anderen. Wir ankern mit zwei weiteren Schiffen an einem Ponton; etliche davon wurden speziell für Touristenschiffe im Außenriff eingerichtet. Um das Riff zu schützen, ist die zahl der auslaufenden Schiffe, aber auch der Ankerplätze streng begrenzt worden. Streng reglementiert sind auch die Tauch- und Schnorchelgänge. Vier Stück von je etwa einer Stunde gibt es täglich. Eine Glocke an Bord läutet sie ein – und beendet sie auch. Die Wassergänge derart zu regeln, ist sinnvoll – zum Schutz des Great Barrier Reefs, aber auch, um einer Erschöpfung der Wasserratten vorzubeugen.

Außerdem wird, wer nicht am Oberdeck faulenzt und sonnt, sondern sich im Wasser tummelt, von der Besatzung vom Schiff aus wie von einem Lifeguard am Strand beobachtet. „Gebt uns sofort Bescheid, wenn etwa nicht in Ordnung ist – etwa wenn Ihr müde seid oder Panik bekommt“, hatte uns Alex Hunt, einer der Tauchlehrer an Bord, während des erste Briefings an Bord eingetrichtert. „Wenn Ihr Angst habt zu ertrinken, fuchtelt einfach mit den Armen – und wir holen Euch raus.“ Vor jedem Schwimmgang müssen wir uns zudem in eine Liste eintragen – und werden abgehakt, wenn wir wieder an Bord der Reef Encounter klettern – „sonst fahren wir noch ohne Dich zum nächsten Riff – und bis dahin ist es recht weit zu schwimmen“, sagt Alex und grinst dabei breit. „Doch dank der Liste geht uns niemand verloren“.

Atmen, strampeln, Druckausgleich

Derart gut betreut, trauen sich selbst einige Tauchnovizen an Bord – ich bin einer von ihnen – zu einem ersten Versuch mit der Flasche. Auf der Reef Encounter kann man bei längerem Aufenthalt auch den Tauchschein erwerben. Etwas neidisch hatte ich zuvor die Könner unter den Tauchern an Bord beobachtet, wie sie binnen weniger Sekunden im tiefen Wasser verschwinden – und in der Tiefe wohl noch wundervollere Korallen und Fische zu sehen bekommen als Schnorchler wie ich.

Doch zuerst steht eine Einweisung durch Tauchlehrer Alex an. Der junge Australier hält eine Sauerstoffflasche hoch und sagt: „Es ist ganz simpel: Atme einfach, strample mit Deinen Beinen und mach den Druckausgleich im Ohr“. Dass Tauchen doch um etliches schwerer ist, wird in den kommenden 30 Minuten des Briefings klar: Alex erklärt, wie die komprimierte Luft aus der Flasche entweicht, wie das Mundstück zu bedienen ist oder der Druckausgleich im Ohr funktioniert – dabei hält er sich die Nase mit Daumen und Zeigefinger zu und simuliert ein „plopp“.

Der junge Australier demonstriert uns, welche Handzeichen unter Wasser was bedeuten – „den Arm in die Luft gestreckt, die Hand zur Faust geballt, bedeutet Hilfe“, welche Gefahren ein zu schnelles Ab- und Auftauchen oder ein Tauchgang mit Erkältung oder Bronchitis birgt, und dass wir niemals „ohne Buddie“ unterwegs sein sollten. Später dann, draußen auf der Reling, stöhnen wir über  das Gewicht der 20 Kilo-Sauerstoffflasche auf dem Rücken und lachen über den unbeholfen tapsenden Gang der Mit-Ersttaucher – dabei hatte uns Alex ausdrücklich aufgefordert, die Schwimmflossen erst kurz vor dem Sprung ins Wasser über die Füße zu streifen.

Irgendwann hatte uns Alex ein „Ready? Dann springt jetzt“ zugerufen. Sekunden später wundere ich mich über meine Schwerelosigkeit im Wasser – und über die Leichtigkeit, mit der mich das Mundstück zwischen den Lippen mit Sauerstoff aus der Flasche auf dem Rücken versorgt.

Ich lasse mich von den leichten Wellen schaukeln – untergehen kann ich ja nicht, Alex hat die Schwimmweste mit ausreichend Wasser gefüllt. Mein Nachbar blickt etwas panisch, doch Alex beruhigt ihn, nimmt ihm die Angst: „Relax. Du kannst jetzt gar nicht untergehen!“ Er möchte, dass wir uns erst einmal im Wasser treiben lassen, wir uns an die ungewohnte Ausrüstung gewöhnen. Dann lässt Alex per Knopfdruck die Luft aus den Westen entweichen. Das Gewicht der Flasche zieht den Körper nun leicht in die Tiefe; fast amüsiert beobachte ich, wie die Wasseroberfläche an meinem Brillenglas vorbei zieht; zuerst sehe ich noch das Boot und zur Hälfte schon die Welt unter Wasser, dann nur noch das glasklare Blau. Welch grandioses Gefühl, in diese fremde Welt einzutauchen – und einfach weiterzuatmen!

Am Seil in die Tiefe

Anfänger lassen sich erst einmal an einem dicken Seil in die blau wirkende Tiefe hangeln – was in meinem Fall allerdings keine zwanzig Zentimeter Meter bedeutet. Ich blicke nach oben, über mir reflektiert das Licht der Sonne auf der Wasseroberfläche, ich verharre an dieser Stelle, denn im rechten Ohr funktioniert der Druckausgleich schon nicht mehr. Außerdem dringt mir immer wieder Salzwasser in die Maske – ich habe an Bord die Haare  nicht ausreichend zusammengebunden. Ich bin von meinem ersten Tauchgang dennoch begeistert, schwebe und blicke auf die Taucher unter mir, die langsam und bedächtig mit den Fischschwärmen ziehen und ihre Luftblasen zu mir nach oben schicken. In dieser fremden Welt auch mal zu verharren, das hat uns Alex schon beim ersten Schnorcheln geraten: „Schwimmt nicht zu schnell durchs Wasser“, hat er gesagt. „Bleibt auch mal länger an einer Stelle. Dann vertreibt ihr keine Fische – und seht auch die vielen Fische, die sich wunderbar tarnen.“

Doch wie lange wird das Taucherparadies Great Barrier Reef noch existieren? Das empfindliche Ökosystem droht von Klimaerwärmung und Tropenstürmen gestört zu werden. „Korallen können nur in einem Gewässer zwischen 18 und 30 Grad Celsius überleben“, erklärt Alex.

Sie brauchen den Algenbewuchs, der sie mit Nährstoffen versorgt und auch für die Farbe zuständig ist – doch ist das Wasser zu warm, sterben die Algen ab. Pflanzenschutzmittel und Nährstoffe aus den Düngemitteln von den Feldern, Bananen- und Zuckerrohrplantagen, die vom Regen ins Meer gespült werden, aber auch Abwässer, Treibstoff der Schiffe und Schadstoffe aus den Städten und Ferienressorts an der Küste richten weiteren Schaden an den Korallen an. Die Folge konnte man Anfang des neuen Jahrtausends sehen: Damals waren bis zu 80 Prozent des Riffs geschädigt. Inzwischen, sagen manche, habe sich das Great Barrier Reef wieder weitgehend erholt – Australien hat zum Schutz dieses Welterbes einen Umwelt-Plan entwickelt und auch die Zahl der Ausflugsboote und Ankerstationen reduziert.

An einer der Stationen machen wir für die Nacht Halt. Es ist fast dunkel, die Sonne ist vor wenigen Minuten am Horizont verschwunden. Die 20 Über-Nacht-Gäste der Reef Encounter sind nach einem langen Tag im Wasser angenehm müde und nach dem üppigen Abendessen satt. Wir beugen uns über die Reling, denn nun sind die Haie an der Reihe. Charlie, der chilenische Koch, wirft ein paar Fische über Bord – und sofort versammeln sich Backbord sechs, sieben, acht mächtige Exemplare. Sie sind ungefährlich, aber dennoch faszinierend. Ich wende meinen Blick nach vorne, zur Spitze des Boots. Dort machen sich fünf Tauchprofis für den night-dive bereit. „Das Meer ist nachts nochmals eine komplett andere Welt“, hatte mir einer von ihnen beim Abendessen begeistert erzählt. Und grinsend hinzu gefügt: „Und nachts sind die Haie noch aktiver“.

Martina Hahn

 

Australien: Das Paradies der Aborigines

Fraser Island ist die größte Sandinsel der Welt, für die australischen Aborigines ist sie aber noch mehr. Für sie ist sie das Paradies.

Fraser Island fasziniert ihre Besucher mit langen Sandstränden,  tiefblauen Süßwasserseen, dichtem Tropenwald und seltenen Tieren. Fraser Island ist ein Wunder der Natur. Das wussten schon die Aborigines – sie nannten die Insel: K´gari – Paradies.

Auf Fraser Island, der riesigen Sandinsel vor der Küste Queenlands, sollte man nur mit reinem Gewissen wandern. Das jedenfalls sagten die australischen Ureinwohner, die Aborigines, die die Insel einst besiedelten. Heute lebt keiner mehr von ihnen auf Fraser Island, sondern dauerhaft nur etwa 100 Menschen. Die meisten von ihnen arbeiten in einem der beiden Hotels oder sind Rentner.

Die Weisheiten der Aborigines gelten aber immer noch: Sie glaubten, dass der vom Weg abkommt, der etwas Böses getan hat. Dann nämlich sei man gedanklich so auf die Tat fixiert, dass man sich nicht mehr auf seine Schritte konzentrieren könne. Strenge Sitten bei den Ureinwohnern – wir sind auf jeden Fall gewarnt.

Sandige Autobahn

Vom Weg abkommen wollen wir auf keinem Fall und vor allem wollen wir nicht stecken belieben. Wir wagen uns nämlich mit einem Jeep auf die Pisten der weltgrößten Sandinsel. Unser Trip über die Insel beginnt an der Mietstation beim Kingfisher Bay Resort. Wer früh aufbricht, sich auf die Hauptrouten beschränkt und sich an den großen Sehenswürdigkeiten nur einen kurzen Fotostopp gönnt, kann die Jeeptour an einem Tag bewältigen. Wir aber lassen uns Zeit und planen für den Trip entspannte drei Tage ein.

Von Kingfisher Bay aus fahren wir zunächst quer über die Insel. Für die Anfänger unter den Offroadhelden stellt schon der erste kleine Anstieg nach dem Ressort eine Hürde dar. Mit kleinem Gang und großem Mut hat es aber noch jeder den Hügel hinauf geschafft. Langsam geht es weiter – 20 Stundenkilometer sind auf den sandigen Tracks der Insel eine realistische Höchstgeschwindigkeit.

Der Lake McKenzie mit seinem tiefblauen Wasser und dem weißen Sandstrand ist unser erstes Ziel. Anders als die Tagesausflügler haben wir hier Zeit ein paar Runden zu schwimmen und den Wasserschildkröten hinterher zu tauchen.

Schneller als im Landesinneren geht es dann auf der „Autobahn“ der Insel voran, dem „75-Mile-Beach“ an der Ostküste. Der endlos scheinende, sehr breite Sandstreifen zieht sich fast über die gesamte Länge der Insel. Weil viele Touristen auf dem ebenen Strand so richtig das Gaspedal durchdrücken, gibt es dort inzwischen das, was auf  richtigen Autobahnen üblich ist: Geschwindigkeitskontrollen.

Roger Williams heißt der Mann, der auf  Fraser Island Jagd auf Raser macht. Lässig lehnt der gemütliche Mitfünfziger, mit einer Radarpistole bewaffnet, an seinem Streifenwagen und genießt während der Arbeit Sonne und Meer. Dass man ihn so schon von weitem sieht, stört ihn nicht. „Mir geht es nicht darum, möglichst viele Verkehrssünder zu ertappen. Ich will einfach, dass die Leute langsam fahren“, sagt Williams. Binnen der vergangenen drei Monate hat er gerade einmal 15 Strafzettel ausgestellt. Oft muss er die Leute auch ermahnen, den Sicherheitsgurt anzulegen. „Das ist gerade auf dem Strand wichtig“, sagt Williams. Auch wenn der bretteben wirkt, kann ein Teil vom Meerwasser unterspült sein – und das kann gefährlich werden.  Immer wieder kommt es zu Unfällen.

Dennoch hat Williams eigentlich nicht viel zu tun. „Viele Kollegen beneiden mich um meine Dienststelle am Strand“, sagt er.  Und von seinem Büro aus muss er auch nur wenige Schritte laufen, um seinem Lieblingshobby nachgehen zu können: dem Fischen.

Haie und Rochen

Wenngleich das Meer lockt: baden sollte man hier nicht Denn starke Strömungen und die zahlreichen Haie schränken das Badevergnügen doch arg ein.

Wer der Sache mit den Haien nicht glaubt, der sollte vom Indian Head, einem 40 Meter hohen Aussichtsfelsen direkt am Meer, nicht nur über die weiten Sandstrände der Insel blicken, sondern auch hinunter ins Wasser. An windstillen Tagen, wenn das Meer glatt wie ein Spiegel vor einem liegt, kann man sie dann schwimmen sehen: die Schildkröten, Rochen – und eben auch Haie.

Ein beliebter Fotostopp an der Ostküste ist das Wrack der S.S. Maheno. Die Luxusjacht war in den 1930er Jahren außer Dienst gestellt und zum Schrottwert nach Japan verkauft worden. Als das Schiff dorthin geschleppt werden sollte,  geriet es vor Fraser in einen Sturm. Um eine Katastrophe zu verhindern, mussten die Schleppseile gekappt werden – das führerlose Schiff trieb auf den Strand. Seitdem rostet das Wrack vor sich hin, und wird allmählich vom Salzwasser zerfressen.

Weit weniger gefährlich als die Haie sind die auf der Insel lebenden Dingos – vorausgesetzt, man bringt ihnen den nötigen Respekt entgegen. Viele Touristen hatten in der Vergangenheit die Wildhunde gefüttert – und sie so an den Menschen gewöhnt. Die Tiere verloren ihre Scheu und es kam immer wieder zu Zwischenfällen. 2001 wurde sogar ein Kind von Dingos tot gebissen. Uns begegnen Dingos auf  unser Fahrt über die Insel immer wieder. Und vom Auto aus geben sie ein hervorragendes Fotomotiv ab.  

Haie hin, Strömung her – die Aborigines hatten einst schon recht, als sie Fraser Island den Namen gaben. K´gari, nannten sie die Insel  – Paradies. Auch warum die Insel so beeindruckend ist, lässt sich aus den Sagen der Ureinwohner leicht erklären. K´gari ist nämlich die Tochter eines Gottes. Sie fand die Erde so schön, dass sie nicht mehr in den Himmel zurück wollte. Als Mensch aber durfte sie nicht bleiben. Und so wurde sie in eine Insel verwandelt – genauer gesagt, in die größte Sandinsel der Welt.

Auch die UNESCO hat erkannt, das Fraser ein besonderes Juwel ist – allerdings erst 1992. Seitdem zählt  die Insel zum Weltnaturerbe der Menschheit.

Rasso Knoller

 

Australien: Ein Countrysong für die Prinzessin

Das fruchtbare Delta des Murray River, dem längsten Fluss Australiens, lässt sich am besten per Schiff erkunden.

Klammheimlich hat sich die Prinzessin nachts neben uns gelegt. Erst am Morgen bemerken wir sie. Und weil es noch in aller Frühe ist und bis auf einen einsamen Angler alle Welt noch schläft, haben wir ausgiebig Zeit, sie in ihrer edlen und majestätischen Schönheit zu betrachten. Ihre Würde zu bewundern, mit der sie tief im Wasser liegt. Nur ein Pelikan, der auf den riesigen Schaufelrädern sitzt, zeigt wenig Respekt – und verursacht immer dann ein leises Klack Klack, wenn er mit seinem Schnabel gegen das alte Eisen pickt.

Ein Sonnenaufgang am Murray River, Australiens längstem Fluss, ist an sich schon ein Erlebnis. Mit den ersten warmen Strahlen, die den steilen Sandsteinfelsen am Ufer der Schlucht und die fast im Wasser stehenden Trauerweiden berühren, erwacht auch eine ganz eigene Welt fernab jedes Stresses und Straßenlärms. Wer in diesem Augenblick des Tages dazu noch auf die Murray Princess stößt, einen alten Schaufelraddampfer, glaubt sich zudem in eine andere Zeit versetzt. Fast erwartet man, dass Huckleberry Finn jeden Augenblick die Reling betreten könnte – wäre da nicht das hypermoderne, von Glasfenstern umrahmte und mit mehreren Antennen bestückte Hausboot, das just in diesem Moment leise an der Prinzessin vorbeizieht.

Der Murray, ein launischer Fluss

Eine Cruise auf dem 2.670 Kilometer langen und kurvenreichen Murray River ist für viele Besucher Südaustraliens ein Höhepunkt der Reise – und ähnlich begehrt wie eine Fahrt auf dem Nil, dem Mississippi oder Amazonas. Zwar sind die meisten Orte am Ufer des weder besonders breiten noch reißend schnellen Stroms auch mit dem Auto zu erreichen. Doch nur über den Wasserweg – sei es auf einem Kreuzschiff oder einem privat gemieteten Hausboot – erschließt sich dem Besucher wirklich die grandiose Natur dieses vogelreichen und mit vielen Zuflüssen versehenen Wassersystems, das – gemeinsam mit dem angrenzenden Darling River – rund 15 Prozent des gesamten australischen Kontinents ausmacht. Der Murray River entspringt in den Snowy Mountains und mündet östlich von Adelaide ins Meer. Und er berührt auf seinem Weg drei Bundesstaaten: New South Wales, Victoria und South Australia. Von der Größe her würde die Bundesrepublik dreimal in dieses Gebiet passen.

Wer dann noch das Glück hat, von David Farron, Kaptain des Schiffes Murray Expedition, über den Fluss geschippert zu werden, erfährt die spannende Geschichte dieser Region. Farron lebt seit 25 Jahren auf dem Murray River, und hier, sagt er, „gleicht kein Tag dem anderen.“ Damit meint Farron nicht nur das Licht, das das Delta je nach Tages- und Jahreszeit in die unterschiedlichsten Farbschattierungen taucht. Er meint auch nicht nur die Natur, die sich während einer Reise auf dem Fluss täglich wandelt – von satten Weiden und dichten Eukalyptuswäldern über steile Klippen bis hin zu ausgetrockneten Böden abzweigender Flüsschen samt abgestorbener Baumstümpfe. Nein, wenn Farron davon spricht, dass hier, am Murray Delta, sich alles in stetem Wandel befindet, so meint er den Fluss selbst: Seinen launischen Wasserpegel, der fast täglich schwankt. Und das Extrem, in das der Murray River etwa alle fünf Jahre fällt, wenn er, wie während des verheerenden Hochwassers von 1956, entweder Häuser, Weiden und Straßen überflutet – oder nahezu austrocknet. In solchen Monaten der Dürre dringen Meerwasser samt Delphine bis in das Städtchen Morgan vor, 320 Kilometer vom Ozean entfernt – um dann in der Regenzeit wieder zurückgespült zu werden. Der Regen verhindert, dass die Böden nicht versalzen.

Früher Regen, heute (zu viel) Sonne

Lange Zeit waren diese natürlichen Wetterzyklen ein Segen für die Natur des Deltas. Doch seit ein paar Jahren überwiegen die Phasen der Trockenheit. Die zunehmende Dürre und die exzessive Bewässerung der Felder stören die natürliche Balance und Wasserversorgung der Region empfindlich. Doch noch wächst auf den fruchtbaren Böden der Wetlands Getreide, gedeihen Trauben, Orangen, Äpfel oder Zwiebeln und finden Kühe ausreichend Gras. Wie fruchtbar das Land hier im Delta ist, haben auch die Siedler – darunter viele deutsche Auswanderer und Ex-Häftlinge – sowie die Händler erkannt, die Mitte des 19. Jahrhunderts begannen, die Ufer des Murray River zu bevölkern und den Fluss als Handelsweg zu nutzen: Dank der Schifffahrt konnten sich Farmer nun immer tiefer im Delta niederlassen. Sie konnten ihre Möbel, Vieh, Bretter für den Hausbau, Landwirtschaftsgeräte oder Lebensmittel in die neuen Siedlungen bringen, mit dem Wasser des Stroms ihre Felder bewässern – und auf dem Murray River außerhalb der Trockenzeit und des Niedrigwassers ihre Erzeugnisse wie Fleisch, Wolle, Obst oder Getreide zu den Märkten und Häfen in Murray Bridge oder Adelaide transportieren. „Der Murray hat Australien aus der Abhängigkeit von England befreit“, ist Kaptain Farron überzeugt.

Doch der Fluss hat auch eine neue Abhängigkeit geschaffen, und zwar vom Tourismus. Anfangs des 20. Jahrhunderts wurden im ganzen Süden des Kontinents Schienen verlegt. Züge übernahmen nun die Getreide- oder Viehfracht. Der neue Konkurrent der Schiffe schaffte dies  nicht nur günstiger und schneller, sondern vor allem auch zwölf Monate im Jahr. Der Verkehr von Handelsschiffen auf dem Murray River brach zusammen – und im Gegenzug nahm der von Cruisern und Hausbooten zu. Heute ist der Murray River eine wunderschöne Ferienlandschaft – und der Besucher hat die Wahl, entweder einsam im Kanu oder in Gesellschaft auf einem der hochmodernen Cruiser oder Nostalgiedampfer wie die Murray Princess über den Fluss zu schippern. Er kann wahlweise in der Sonne dösen, am Ufer campen oder sich in einem der teils sehr exklusiven Holiday-Resorts oder auch einfachen Feriendomizile oder Stelzenbauten in den schnuckeligen, aber auch etwas langweiligen Städtchen entlang des Rivers einmieten – um von dort aus Wasserski zu fahren, sich auf´s Rad zu setzen, zu Wasserfällen zu wandern oder den Golfschläger zu schwingen.

Wir ziehen dem eine Kreuzfahrt auf der Murray Expedition vor. Drei Tage und zwei Nächte werden wir auf dem Schiff in recht engen Kabinen mit Fenster schlafen, in einer behaglichen Lounge essen, auf einer breiten Reling faulenzen oder von hier mit dem Fernglas Komerane oder Wombats beobachten. Oder mit Kaptain Farron – er hat sein weißes Kapitänsdress hierfür gegen ein khaki-grünes Ranger-Outfit und seinen Kahn gegen ein kleines Motorboot ausgetauscht – einen Ausflug zu den mächtigen Sandsteinkliffen unternehmen. Imposant ragen sie vor uns auf, und das Wissen, dass sie vor vielen Millionen Jahren alle einmal unter dem Wasser des Ozeans lagen, macht das Ganze noch eindringlicher. Den Abdruck von Muscheln und Krebsen und anderen Fossilien finden sich im Sandstein überall.

Die Cruise, ein Lebenstraum

Erstaunlich jung sind hingegen die meisten Gäste unserer Cruise: Wir sind verwundert, dass von den rund 30 Schiffspassagieren mindestens ein Drittel unter 40 ist. Dass wir eine ungewöhnlich junge Gruppe sind, bekräftigt auch Kapitain Farron. Selbst Eileen aus Sydney, mit 74 die älteste an Bord, versteht jede Menge Spaß, was das gängige Durchschittsalter auf den meisten Kreuzschiffen betrifft. Breit grinsend erzählt sie am Abendessentisch: „Vor vierzig Jahren hab ich immer über die alten Leutchen gegrinst, die so einen Trip unternehmen – und jetzt sitz ich selbst hier!“

Eileen ist dennoch eine der lebhaftesten Gäste an Bord – vielleicht, weil sie sich mit dieser Cruise „einen Lebenstraum“ erfüllt hat, wie sie sagt. Und so singt sie am Abend, beim romantischen Lagerfeuer am Ufer, mit einer unerwartet guten Stimme besonders laut, besonders glücklich australische Countrysongs. Diese haben die sieben Crewmitglieder kurz vor Mitternacht, nach einem leckeren Barbeque mit Steaks, Folien-Kartoffeln und Salaten, angestimmt. Danach wird es ruhiger in der kleinen Gruppe, die sich in dieser klaren, lauen Nacht unter Millionen von funkelnden Sternen zusammengefunden hat. Ein paar der Gäste sprechen leise miteinander. Doch die meisten halten es wie Kaptain Farron, der sich in einem der Regiestühle niedergelassen hat und mit geschlossen Augen dem Knistern des glutroten Holzes und dem Zirpen der Grillen lauscht – und den leisen Geräuschen, die der Wind vom Fluss zu ihm trägt. Als wolle der Kapitän keinesfalls die Ankunft der Prinzessin verpassen.

Martina Hahn

 

Australien: Schlammschnorcheln in Julia Creek

Dirt and Dust Festival in Julia Creek

Beim „Dirt and Dust Festival“ in Julia Creek findet vom 11. bis 13. April 2014  der härteste Triathlon Australiens statt. Weitaus lustiger, aber dennoch mit dem nötigen Ernst geht es bei diesem Outback-Festival beim Pferderennen, Bullenreiten und Schlammschnorcheln zu. Mit Schnorchel und Flossen ausgerüstet, treffen sich Schlammtaucher aus ganz Australien, um den „flinkesten Schmutzfink“ zu ermitteln. Die Regeln sind einfach: Der Teilnehmer, der den Schlammgraben-Parcours am schnellsten durchquert, gewinnt. Erlaubt sind dabei Flossen und Schnorchel, verboten hingegen ist alles, was an einen herkömmlichen Schwimmstil erinnert. Anfänger paddeln und planschen daher eher hilflos durch die braune Brühe.