Österreich: Werfenweg – echter Schnee, ganz ohne Kanonen

 

K1024_K800_WerfenwengWerfenweng mit der Bahn zu erreichen geht „schneeflockenleicht“. Selbst aus Berlin ist der kleine Ort im Salzburger Land mit nur einmal Umsteigen zu erreichen. Vor dem Bahnhof wartet der Shuttelbus-Fahrer. Und der kennt dich schon beim Vornamen. Dieser Service ist gratis.

Wer seinen Autoschlüssel an der Tourismus-Info-Theke der freundlichen Karin in die Hand drückt, bekommt einen dicken Bonus. Die SAMO Card. Mit dieser Scheckkarte in der Hosentasche kann man zu jeder Zeit das „Gratis-Taxi-Lois“ herbeirufen. Einmal in der Woche, an einem Tag, den man selbst bestimmt, steht jedem Gast ein E-Auto für Ausflüge zur Verfügung.

 

Ab dem ersten Ankunftsmorgen…

…ticken die Uhren anders, freundlicher, langsamer, und doch mobil. In dem gerade einmal 900 Seelenort regiert ein entspanntes E-Konzept.

K1024_E-FlotteVor 20 Jahren wurde Peter Brandauer mit 28 Jahren zum Bürgermeister gewählt. Der damals jüngste und zugleich innovativste Amtsträger setzte sich hinter seinen Schreibtisch, und dachte nach. Hatte Visionen, die heute wie ein Spinnennetz mancherorts die österreichische Bergregion überzieht. „In der Ruhe liegt die Kraft“ lautete sein Motto. Und seine Gedanken gingen auf. Als er herausfand, dass das österreichische Umweltministerium einen Modellort für sanfte Mobilität suchte, konnte er die Beamten überzeugen, dass Werfenweng, die Almregion der Werfener Bauern, der ideale Ort dafür ist. 1996 war es so weit. Von da ab stand eine kleine Elektroflotte hinterm Dorfplatz für die Gäste bereit. Heute stehen 70 Prozent der gastronomischen Betriebe hinter dem sanften Ferienkonzept.

 

Die Selbstoptimierung setzt auf den liebevollen Umgang

Wer sich sanft bewegen möchte, leiht sich gratis Langlaufski, und gleitet auf einer der drei Runden um das Tal. Abgeschiedenheit-Suchende könnenden Winter-Zauber abseits der Wanderwege erleben, und – wenn sie wollen – auf ebenfalls gratis verliehene Schneeschuhe zugreifen. Auch von Waltraud geführte Wanderungen in kleinen Gruppen haben ihren Reiz. Sie Frau versteht es, eine fröhliche Atmosphäre zu verbreiten. Außerdem erklärt sie das Bergpanorama, wie es nur Einheimische können.
Wer Leistung anregend empfindet, kann sich auf Abfahrten von 1800 bis ins Tal vergnügen, sich von der lichtblauen bis zur grauschwarzen Piste ausprobieren. Und das sind immerhin über 32 Kilometer.

 

Mit Alpakas und Fackeln durch den Winterwald.

K1024_Lama und KindDer Alpaka-Vater heißt Gerhard (www.bikehike-Salzburgerland.at). Sein braunes Lama hört auf den Namen Ibor, das schwarze auf Issidor. Gerhards prächtige Laune überträgt sich schnell auf uns. Wie bei der Fackelübergabe.

Anfangs sind die Tiere etwas störrisch, die kurze geräumte Asphaltstrasse schätzen sie nicht. Erst als ihre Hufe den weichen Schnee berührten, bewegen sie sich freudig. Sie an ihrem Hinterteil zu kraulen, wie von Gerhard empfohlen, verlangt Zärtlichkeit. Die darin nicht „Geübten“ erlebten, dass der schwarze Issidor mal kurz nach hinten auskeilte. Eindeutiger als Worte es können, drückte diese Reaktion aus, dass Issidor den Entspannungsgrad der „Streichler“ für noch verbesserungswürdig hielt.

 

Auf der Alm kann man leicht lustig sein.

Werfenweng liegt auf schneesicheren 1200 Metern. Einst war es das Almgebiet der Werfen Bauern. Die Zufahrtswege hatten gerade mal Karrenbreite. Jeder kannte jeden. Für die ersten Urlauber in den dreißiger Jahren brauchte die Pferdekutsche vom Bahnhof Pfarrwerfen noch eineinhalb Stunden. Der erste Ski-Lift wurde 1956 aus zweiter Hand gekauft. Von da ab tröpfelte der Tourismus. Von Mund zu Mund verteilte sich die Werbung. Langsamkeit bemerkte man nicht, sie war die Norm. Und mit der war man glücklich.

Einen Hauch dieser Zeit spürt man im 400 Jahre alten „Hochhäusel“ am Rande des Ortes. Solange man zurückdenken kann, war es das „Wirtshaus hoch oben“. Vor fünfzehn Jahren änderte sich das Geschick. Christine Huber machte aus ihrem Heimathaus eine Fremdenpension. Resch und lustig sorgt sie seither für ein gutes Frühstück, fragt nach Vorlieben und erfüllt sie auch. Die gepflegten haben Zimmer noch moderate Preise.

 

Fotos Tourismusverband Werfenweng. Text: Veronika Zickendraht

Deutschland: Sonneninsel Usedom

Usedom (Seebrücke in Herinmgsdorf)Mit einer „Zeitreise in die Vergangenheit“ feiert Heringsdorf am 6./7. Juni 2020 sein 200jähriges Jubiläum. Hans Peter Gaul nimmt uns im Vorfeld mit auf eine kleine Inselrundfahrt.

Einer Legende nach soll im Jahr 1820 der Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV. mit seinem Vater, Preußenkönig Friedrich Wilhelm III., Fischer beim Heringe puhlen und salzen am Strand der kleinen Siedlung unterhalb des Kulms beobachtet haben. Dieser Moment in der Geschichte ist die Geburtsstunde des Ortes Heringsdorf. Durch kaiserliche Anordnung vom 4.6.1879 wurde Heringsdorf zum Seebad. Der erste deutsche Kaiser und König von Preußen, Wilhelm I., hatte das Dekret auf Schloss Babelsberg unterzeichnet. Sein Enkelsohn, Wilhelm II., letzter Deutscher Kaiser und König von Preußen kam in den Jahren 1909 bis 1912 regelmäßig nach Heringsdorf, um mit Elisabeth Staudt, Witwe des Konsuls Wilhelm Staudt, im Haus „Miramar“ Tee zu trinken.

Usedom (Sven Brümmel am Denkmal Wilhelm I. in Heringsdorf)Mit der abwechslungsreichen Geschichte der Kaiserbäder hat uns im Seebad Heringsdorf der „Insulaner“ Sven Brümmel als Wilhelm von Rummelsburg bekanntgemacht. Der 34jährige Lehrer für Deutsch und Geschichte, Heimatkunde und niederdeutsche Sprache an der Grundschule Heringsdorf sowie Co-Vorsitzender des Geschichtsvereins der Kaiserbäder Ahlbeck –  Heringsdorf – Bansin lässt bei einem Rundgang mit historischem Wissen und Anekdoten die Entstehungszeit des Kaiserbades wieder lebendig werden. In seiner Uniform als Offizier vom Füsilier Regiment Nr. 34 „Königin Viktoria von Schweden“ (Pommersches Nr. 2) aus dem Jahre 1909 verkörpert er den Zeitabschnitt von 1871 – 1910.

An der längsten Seebrücke Deutschlands und dem lt. Guinnessbuch größten Strandkorb der Welt erfahren wir von ihm, dass zum Jubiläum „200 Jahre Heringsdorf – von der namenlosen Fischerkolonie zum Weltbad“ auch ein Stationsbetrieb mit historischen Szenen aus der Geschichte Heringsdorfs im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert geplant ist. Sven Brümmel wird dann natürlich wieder in Uniform mit dabei sein.

Usedom (Riesen-Strandkorb in Heringsdorf)Bevor wir uns in Europas erstem Kur- und Heilwald gleich hinter der Heringsdorfer Strandpromenade mit ihren u. a. durch die einstigen Bewohner und prominenten Gäste berühmt gewordenen Villen im Stil der Bäderarchitektur umsehen, erleben wir im historischen Strandcasino den Marc O’Polo Concept Store mit einem smarten Gastronomiekonzept inmitten lässiger Mode und zeitlosem skandinavischen Design. Entlang der mit 12,5 km längsten europäischen Küsten-Promenade, die sich von Bansin über Heringsdorf und Ahlbeck grenzüberschreitend bis ins polnische Swinemünde erstreckt, laden ganzjährig diverse Restaurants zu vielfältigen kulinarischen Genüssen und Entdeckungen ein. Vom 6. – 8. März 2020 wird es zudem ein Schlittenhunderennen in den Kaiserbädern geben.

Der Usedom-Tourismus möchte die Potentiale der Sonneninsel als ein attraktives Ganzjahresziel für in- und ausländische Touristen noch bekannter machen. Bei einem kulinarischen Streifzug mit Pressesprecherin Karina Schulz im Herbst gab‘s da auch jenseits leckerer kulinarischer Spezialitäten zwischen Ostsee und Achterwasser viel Interessantes zu entdecken.

Fisch frisch auf den Tisch

Usedom (Hotel Aurelia Heringsdorf 1)Perfekter Auftakt im Aurelia Hotel St. Hubertus mit der „Neuen Pommerschen Küche“ im „Restaurant 1900“. Es gab traditionelle pommersche Gerichte aus Großmutters Zeiten, die der langjährige Küchenchef Jörg Gleißner in Archiven der Region entdeckt hatte. Auf der Speisenkarte findet sich neben den „Klassikern“ Apfelfleisch mit Schweinefilet und Backpflaumen sowie Honig-Krustenbraten auch „Zander auf Haferstroh“, wie ihn sich die Fischer einst am Strand von Usedom zubereitet haben. Die meisten Zutaten der „Gerichte mit Geschichte“ kommen frisch aus nachhaltiger Zucht vom hauseigenen Gutshof Varchentin und aus der Ostsee.

Usedom (Rankwitz-HafenFrischen Fisch von den Fischern gibt’s auch in der Alten Fischräucherei im Hafen von Rankwitz. Spezialität des familiengeführten Unternehmens ist Matjes, der u. a. nach einem eigenen Rezept maximal 72 Stunden in Rote Beete-Saft eingelegt wird. Geräuchert wird in Rankwitz nach alter Tradition mit Buchen- und Erlenholz. Vom idyllisch am Peenestrom gelegenen Hafen u. a. mit einigen Ferienhäusern und Hausbooten – hier kommen im Sommer auch moderne Fluss-Kreuzfahrtschiffe auf ihrer Fahrt von Stralsund nach Potsdam vorbei – starten wir zu einer Rundfahrt über den noch wenig bekannten Lieper Winkel.  Unseren „Reiseleiter“ Dr. Klaus Kögler aus dem Ruhrpott hat es durch Zufall vor einigen Jahren nach Usedom „verschlagen“. Hier fühlt er sich als Mitglied der Gemeindevertretung, 2. stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender des Heimatvereins längst sichtlich wohl. Im Achterland, der reizvollen Landschaft hinter der Ostsee, will er auch seinen Lebensabend verbringen. Über holprige und teils naturbelassene Wege sind wir mit ihm im idyllischen Lieper Winkel unterwegs, der wie eine Halbinsel in das Achterwasser und in den Peenestrom ragt.
Usedom (Fischerboote im Lieper Winkel)Ins Auge fallen immer wieder reetgedeckte Fischerkaten und imposante Backsteinscheunen. „Jahrhunderte lang waren die beschaulichen Fischerdörfer nur über das Achterwasser zu erreichen“, so Klaus Kögler, der sich auch um den Erhalt eines dörflichen Museums im einstigen Gemeindeamt kümmert. Hier kann man u. a. heute kaum noch bekannte landwirtschaftliche Gerätschaften bewundern. In Liepe lernen wir die älteste Kirche Usedoms mit ihrem typisch freistehenden Glockenstuhl und umgeben von Kunstwerken aus Granit kennen.  Vom Warther Haken sticht Falk Bialowons, einer der letzten der etwa 20 noch aktiven Usedom-Fischer mit seinem Boot in See. In der von ihm belieferten „Bauernstube Morgenitz“ treffen wir ihn dann später wieder und lassen uns von den Wirten Carolin und Rene Bobzin in einer Riesenpfanne traditionell zubereitete leckere Fischgerichte schmecken – eine wahre kulinarische Entdeckung. Wer hier fangfrischen Fisch (je nach Angebot Barsch, Zander, Aal oder Schnäpel) genießen möchte ist gut beraten, rechtzeitig zu reservieren. Falk Bialowons fährt im Sommer ab vier Uhr und im Winter solange es noch kein Eis auf dem Peenestrom und Achterwasser gibt zu seinen Fisch-Reusen raus. Sorgen machen nicht nur ihm die immer wieder diskutierten Fischquoten.

Vom Waldladen zum Wasserschloss Mellenthin

Kontrastprogramm wenig später bei einer Rundfahrt mit MS Jessica auf den Achterwasser. Die etwa zweistündigen Fahrten der Ückeritzer Personenschifffahrt vom Hafen Stagnieß sind bei den Usedom-Urlaubern sehr beliebt.

Usedom (MS Jessica im Hafen Stagnieß) Im Gespräch mit Karina Schulz vom Usedom-Tourismus, die in Koserow ihr Büro hat, erfahren wir mehr über Usedom, die besonders im Sommer gut gefüllte „Badewanne der Berliner“, lernen in ihrer Begleitung immer wieder kulinarische Köstlichkeiten der Sonneninsel kennen und schätzen. Während übrigens die Schiffe der ADLER-Fahrgastschifffahrt vor allem auf der Ostsee zwischen den Seebrücken und dem polnischen Swinemünde bei teils bewegter See unterwegs sind, ist Seekrankheit auf dem Achterwasser kaum ein Problem.
Bei einem Spaziergang mit dem engagierten Forstamtsleiter Felix Adolphi macht er uns mit den Besonderheiten des Usedomer Küstenwaldes und der Jagd auf der zu den wildreichsten Gegenden Deutschlands zählenden Insel bekannt. Die perfekte Einstimmung auf die alljährlich besonders gefeierten Usedomer Wildwochen, die wir ebenfalls bei unserem kulinarischen Streifzug erleben konnten. Einen kleinen Vorgeschmack bot da bereits der Besuch des Waldladens im Forstamt Neu Pudagla. Hier kann man u. a. Wildprodukte wie Hirschpastete, Wildsalami, Hirschschinken oder Rehrillette, aber auch diverse Bio-Produkte aus den heimischen Wäldern erwerben – Verkostung inklusive.

Usedom (Wasserrschloss Mellenthin 1)Nur wenige Kilometer sind es bis zum prächtig erleuchteten wiederbelebten Wasserschloss Mellenthin am Mittelpunkt der Insel Usedom.  Eine Attraktion der Schlossanlage aus dem Jahre 1575 ist die Gasthausbrauerei, die u. a. neben Hell und Dunkel auch Sorten wie Mellenthiner Weizen, Eis-Bock, Rauch, Schwarz und Alt anbietet. So lange der Vorrat reicht sind im stimmungsvollen Gewölbekeller des Wasserschlosses auch Bier mit Kaffee, Ingwer oder Bernstein im Angebot. Schlossherr Jan Fidora legt zusammen mit seinem Braumeister besonderen Wert auf kreative Biervielfalt und Experimente mit besonderen Aromen. Selbst kaltgehopfter Wein „Wine & Hops“ zählt zum beliebten Angebot. Wir gehörten zu den ersten Gästen, an deren Tischen Philipp Fournes von der hauseigenen Destille von uns selbst zusammengestellte Obstaromen zum Verkosten gebrannt hat.

Pralinen, Kräuter und Kaiserbäder

In Wolgast, dem Tor zur Insel Usedom, lernen wir Torsten Riel aus Sachsen-Anhalt kennen. Als Urlauber hatte er die Region kennen- und schätzen gelernt und 2019 nach 14jähriger Tätigkeit in den Halloren-Werken in Halle/Saale in der traditionsreichen Konditorei Biedenweg Wolgast seine Schokoladen-Manufaktur eröffnet. Sein Mut wurde belohnt. Getreu dem Motto „Hier läuft nichts vom Band, hier fertigt man mit Herz und Hand“ hat sich der umtriebige Konditormeister mit seinen traditionell gefertigten Pralinen sowie Schokoladenpräsenten längst einen guten Namen gemacht.

Usedom (Kräuterexpertin Ina Schirmer 1)Wieder auf die Insel zurückgekehrt empfängt uns Kräuterexpertin Ina Schirmer in ihrem Refugium, bestehend aus Hofladen und Kräutergarten, mitten im Wald bei Prätenow. Bei geführten Touren durch ihren Kräutergarten mit rund einhundert verschiedenen Duft-, Heil- und Küchenkräutern und den Wald kann man mehr über die Naturschätze und ihre Verwendung erfahren und sich auch an der Zubereitung eines leckeren 3-Gänge- Wildkräutermenüs beteiligen. Für uns hatte Ina nach der Führung aus Zeitgründen bereits einen besonderen Kräuter-Imbiss vorbereitet – eine weitere interessante kulinarische Erfahrung auf der Sonneninsel, an die uns die im Hofladen gekauften Pestos, Kräuter- und Gewürzmischungen sicher zu Hause erinnern werden.

Wild Fashion Dinner

Eine Initiative der IG „Wildwochen auf Usedom“ hat 2019 Jubiläum gefeiert. Zum 15. Mal wurden unter dem Motto „schmecken, staunen, erfahren, erfühlen und genießen“ die beliebten Wildwochen auf Usedom zelebriert. Von der Berliner Acksteiner-Eventagentur organisiert gab es dazu zum Auftakt bereits zum 10. Mal das exklusive „Wild Fashion Dinner“ im Hotel Forsthaus Damerow.
Von Sylvia Acksteiner moderiert erwartete die Gäste des stimmungsvollen Gala-Abends ein exzellentes Fünf-Gänge-Menü mit korrespondierenden Weinen vom sächsischen Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe sowie eine hochkarätige Modenschau u. a. mit Stoffen im Lichterglanz von Moon Berlin, ein Highlight der Fashionshows. Frische regionale Küche prägt auch hier das Hotel-Angebot während des ganzen Jahres.
Mein Fazit: Essen und Trinken liegen auch auf Usedom als Reisemotiv für einen Ganzjahresbesuch voll im Trend. Qualitätsvolle regionale Speisen an authentischen Orten innovativ angeboten schmecken nicht nur gut, sondern laden zum Wiederkommen, Entdecken und Genießen – vor allem außerhalb der Bade-Saison – ein.

 

Österreich: Salzburg leicht verschneit

K1024_Altstadt_Salzburg_im_SchneeWer sich in Salzburg die stille Nacht wünscht, sollte noch vor der Weihnachstsaison koimmen, In der Zeit wo alle auf den Spuren von Franz Grubers „Stille Nacht“ Salzburg und die Umgebung nach einer Heiligen Atmosphäre absuchen, ist Stille wegen des hohen Andrangs nur schwer zu finden.

Blick vom Kapuzinerberg Salzburg cathedral in winter

Für stressgeplagte und eventmüde Besucher bietet das Kapuzinerkloster hoch oben auf dem Kapuzinerberg eine besondere Art der „inneren Einkehr“ an. Um sich ein Bild zu machen wie sich eine selbstauferlegte, bescheidene Auszeit anfühlt, lohnt es sich die steilen Stufen auf den Berg zu erklimmen. Die Anstrengung wird mit der grandiosen Aussicht belohnt.

Des weiteren empfehle ich an der Pforte den Klingelknopf zu drücken und nach Pater Karl zu fragen. Mit Sicherheit wird sich das Gespräch bezüglich Unterkunft anders entwickeln als mit einem Hotelportiere. Er strahlt die Ruhe aus, die man sich für sich selbst wünscht. Ohne anzupreisen erzählt er von den Einkehrtagen: Wir nennen sie „die Vater unser Tage“. Sie finden sieben mal statt im Jahr statt. Es gibt zehn Einzelzimmer. Geräumige Zellen mit Dusche und WC. Feste Preise gibt es nicht, Paterc Karl bittet, nach Selbsteinschätzung mit Spenden das Kloster zu unterstützen.Täglich nach dem entspannten Frühstück gibt es einen geistlichen Impuls aus dem Vater unser. Danach sollte man in einer stillen Zeit den eigenen Gedanken dazu, nachgehen. Nachmittags kann jeder ins Ambiente Salzburgs eintauchen, ganz wie es ihm gefällt. Die Gedanken vom Vormittag gehen dabei mit: Egal ob beim Schaufensterbummel, in einer Kirche, im Rummel der Touristen oder beim Wandern: die Impulse und Ideen aus dem Vater-Unser-begleiten. Am Abend gibt es die Möglichkeit zum Gedankenaustausch: Wie habe ich, wie haben die anderen den Tag erlebt? Was braucht es noch an diesem Abend?

Einen Tag im Pulverschnee

Bild 4Flachau_

Jeden Morgen fährt im Winter am Mirabellgarten der Snow Space Salzburg Ski-Shuttle ab und bringt die Gäste die eine Salzburgcard vorzeigen, innerhalb einer Stunde  zu den Pisten in Flachau. Mit an Bord der modernen Ski-Busse sind erfahrene und mehrsprachige Guides, die sich um die Organisation von Skipässen, Ausrüstung oder Kursen kümmern! Das Skigebiet verfügt über 120 bestens präparierte Pistenkilometer, modernste Lift- und Seilbahnanlagen, gemütliche Skihütten und flächendeckende Beschneiungsanlagen.

Mozart lebt!

 

K1024_Bild 5 Ronaldo Vilazon

Der Indenant Ronaldo Villazón gestaltet in den Jahre von 2019 bis 2023 das Programm.

In den kalten Winterwochen von Ende Januar bis Anfang Februar, schwingt er den Taktstock in Salzburg.„Meine intensive Reise mit Mozart begann eigentlich 2011, als ich meinen ersten Don Ottavio sang“, schwärmt Villazón.
Bei der Vorbereitung der Rolle hatte ich nicht nur die wunderbare Partitur im Blick, sondern begann, Mozarts Briefe zu lesen und bald zu verschlingen. Im ungefilterten Fluss seiner Gedanken gibt Mozart einen einzigartigen Blick in seine Seele frei: ein Genie, ein tiefernster Musiker und Denker, eine verspielte Seele. Mozart ist ein Mann der Aufklärung; Mozart ist auch ein liebenswerter Spaßvogel. Mozart ist tiefsinnig, reif und intelligent. Mozart ist zugleich verspielt, witzig und kindisch. Mozart ist so groß wie seine Unsterblichkeit und so nah bei uns wie die Liebe, die er für die Menschen empfand.Die Mozartwoche 2020 bietet rund 50 Veranstaltungen, darunter drei szenische Bühnenprojekte, eine konzertante Opernaufführung, Orchesterkonzerte, Kammermusik, Tanz und vieles mehr. „2020“, sot Villazón, „nähern wir uns auch den besonderen Freundschaften Mozarts an. Wir tauchen ein in Mozarts Welt. Dabei können wir all die wundervollen Schätze entdecken. Das weiß ich aus persönlicher Erfahrung.“

Veronika Zickendraht

 

 

 

 

 

 

An einem Tag von Berlin zum Nordpol und zurück

Nordpolflug 2017 (Bildschirm-Info am Check in-Schalter in Tegel k)Obwohl die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft und Namenspatronin unserer Hauptstadt seit dem 27. Oktober 2017 Geschichte ist, erinnert man sich doch gern immer wieder an schöne, unvergessliche Erlebnisse mit Air Berlin. Dazu gehört unbedingt der weltweit einzigartige Jubiläumsflug zum Nordpol. Selbst für weitgereiste Leute war dieser Polarflug AB 9669 am 1. Mai 2017 von Berlin-Tegel via Nordpol nach Berlin Tegel ein ganz besonderes Erlebnis. 243 Passagiere aus 13 Ländern (u. a. aus Dubai) konnten an Bord eines Air Berlin-Langstreckenjets A 330-200 die Nordpolregion einmal so sehen und fotografieren wie bisher nur wenige Menschen. AirEvents-Geschäftsführer Dr. Sven Maerten: „Seit nunmehr zehn Jahren sind wir weltweit der einzige Anbieter solcher spektakulärer Polarflüge nördlich von Spitzbergen bis zum geographischen Nordpol auf 90 ° N“. Was damals bei diesem erfolgreichen Jubiläumsflug (am 1. Mai 2007 war der erste Polarflug gestartet) keiner wissen konnte: wenige Monate später musste der bewährte AirEvents-Partner Air Berlin Insolvenz anmelden.

Familiäre Atmosphäre an Bord

Ungläubiges Staunen an diesem sonnigen Maimorgen vor der großen Anzeigetafel im Terminal A des Airports Berlin-Tegel. AB 9669 Start 9.20 Uhr – Ziel Berlin-Tegel steht dort. Erst am Check-in-Schalter im Terminal B klärt sich das auf, denn da zeigt der Bildschirm tatsächlich den Polarflug mit Air Berlin an. Begleitet von Kamerateams und weiteren Medienvertretern haben sich hier die Teilnehmer des außergewöhnlichen Langstreckenflugs, darunter auch Familien mit Kindern und eine Ordensschwester, alle ausschließlich mit Handgepäck, eingefunden. Auch für die Flughafenmitarbeiter ein besonderer Moment beim Ausstellen der Bordkarte.

Nordpolflug 2017 (Routenplan auf Monitor)kEin letztes Winken und dann geht es zu Fuß in den Air Berlin-Jet. Freundliche Begrüßung durch die Crew. Es gibt Informationen zum geplanten Flugverlauf und schon geht es los. Bald ist zu merken, dass dies kein normaler Langstreckenflug ist. Die Passagiere haben sich schnell miteinander bekannt gemacht und die extra freigehaltenen Sitz-Reihen (mit perfekter Fotogelegenheit an den Bordfenstern) inspiziert. Man bewegt und fühlt sich wie eine große Familie an Bord. Denn alle haben das gleiche Ziel: das Polargebiet unseres Planeten aus einer ganz besonderen und nicht alltäglichen Perspektive sehen zu können.
Und während die ersten nordisch inspirierten Snacks serviert werden, freut sich unser maritimer Journalisten-Experte Peer Schmidt-Walther, seine Heimatstadt Stralsund beim Überflug und guter Sicht einmal aus der Vogelperspektive erleben zu können. Später werden dann bei ihm Erinnerungen an seine Fahrt vor etlichen Jahren mit einem Eisbrecher Kurs Nordpol wach.

Kürzeste Weltumrundung

Immer wieder vermitteln die mitgereisten Experten ihr Wissen. Spannend auch die Live-Schaltung mit einer Forschungsstation auf der „Bäreninsel“. Nach einzigartigen (Aus)Blicken auf den weitgehend wolkenfreien nördlichen Teil von Spitzbergen steuert der erfahrene Flugkapitän Wilhelm Heinz (er hat 9 der bisherigen zehn Polarflüge von AirEvents perfekt gemeistert) den Nordpol direkt an.

Nordpolflug 2017 (Flugkapitän Wilhelm Heinz im Cockpit k) Zuvor waren noch die notwendigen Überfluggenehmigungen von etlichen Ländern eingegangen. erst am Morgen des Abflugs konnte die exakte Flugroute festgelegt werden. Aber auch hier waren u. a. wetterbedingt durchaus noch Änderungen möglich. Spontaner Beifall der Passagiere für die Ansage aus dem Cockpit: „Wir tun alles Mögliche, um die optimale Route für unvergessliche Eindrücke der Arktis auszumachen und gegebenenfalls auch spontan noch anzupassen“. Dann der Höhepunkt des ungewöhnlichen Langstreckenflugs nur mit Handgepäck: nach dem für alle spannenden, unvergesslichen Countdown in 930 m Höhe über dem nördlichsten geografischen Punkt der Erde (Nordpol 90°) startet bei Champagner die kürzest mögliche Weltumrundung. Mit einer 360 Grad-Kurve werden in einer Minute alle 360 Längengrade und Zeitzonen durchflogen. „Ein erhebendes Gefühl“, so die Berliner Verlegerin Regina J. Schwenke, die ihr Buch „Kreuzfahrt ins Land der Mitternachtssonne“ mit an Bord hat. Wir haben bei diesem Jubiläums-Polarflug ausgesprochenes Wetterglück, was in dieser Region nicht selbstverständlich ist. Bei Sonnenschein und auf wiederum verringerter Flughöhe ist später die zerklüftete Küste Ost-Grönlands prächtig zu sehen.

Nordpolflug 2017 (über Ost-Grönland 20)kRiesige Eisschollen, imposante vereiste Fjorde und hohe Berge faszinieren die begeisterten internationalen Passagiere ebenso wie die „Geburtsstätte“ der Eisberge… Und als die Sonne langsam glutrot hinter dem Horizont verschwindet, passieren wir die Nordküste Islands, dann die Faröer- sowie Shetland-Inseln und steuern Berlin-Tegel an. Nach etwa 9800 Flugkilometern und 12,5 Stunden landen wir pünktlich und sicher. 243 glückliche Polarflieger treten mit vielen unvergesslichen Eindrücken und ihrem Zertifikat die Heimreise an.Nordpolflug 2017 (über Ost-Grönland 22)k
Inzwischen hat AirEvents signalisiert, dass es im Frühjahr 2019 einen weiteren Nordpolflug, diesmal mit der Fluggesellschaft Edelweiss ab Zürich geben wird.

Text und Photos Hans-Peter Gaul

Deutschland: Zur Friesengeistmeile nach Carolinensiel

IMG_9726-Friesengeistmeile 2017-C. NowakAlljährlich versucht das ostfriesische Carolinensiel im Rahmen des Wintermarktes die längste Friesengeistmeile der Welt noch ein Stück länger zu machen. Geboren aus einer Schnapsidee, ist die Veranstaltung mittlerweile Kult und lockt Neugierige aus ganz Deutschland an.

IMG_9807-Friesengeistmeile 2017-C. NowakOrtsbrandmeister Jens Fremy kennt auch im 12. Einsatzjahr kein Pardon: „För de Jugendfüerwehr is dat nix“, so der Ortsbrandmeister mit einem Augenzwinkern. Fremy setzt im ostfriesischen Carolinensiel beim wohl skurrilsten Feuerwehreinsatz der Republik zwischen Weihnachten und Silvester ganz auf bewährte Routine. Gestandene Frauen und Männer entsprechen eher seinem Anforderungsprofil für den Großeinsatz an der Friesengeistmeile am 29. Dezember. Bis es ans „Löschen“ geht, ist aber noch einiges zu tun. Zu beiden Seiten des historischen Hafens werden schmale Tischvorrichtungen aufgebaut, auf denen dann die Holzschuhe mit den Friesengeistgläsern abgestellt werden. Da – wie jedes Jahr – eine neue Weltrekordfriesenmeile erwartet wird, müssen es mehr als 131 m sein, denn dies ist der aktuelle Rekord.

IMG_9800-Friesengeistmeile 2017-C. NowakWas vor zwölf Jahren entstand, war im wahrsten Sinn des Wortes eine „Schnapsidee“. Damals war die „Meile“ nur gut 30 m lang, heute ist sie nicht nur deutlich länger, sondern auch Kult. Nicht nur langjährige Stammgäste, sondern auch neugierige Besucher aus ganz Deutschland möchten inzwischen aktiv dabei sein und Teil der Meile werden. Voraussetzung für das kultige Spektakel ist der Kauf eines Holzschuhs, in den entweder zwei oder sechs Gläser passen. Echte Friesengeistenthusiasten lassen sich auf ihrem Schuh natürlich jedes Jahr eine neue Gravur einbrennen.

IMG_9761-Friesengeistmeile 2017-C. NowakWenn es dunkel wird, stehen die Menschen dann dicht gedrängt an den langen Tischen und warten darauf, dass ihre Gläser mit Hochprozentigem gefüllt werden. So bleibt genug Zeit für ein Schwätzchen mit dem Nachbarn, alle sind gut drauf und es herrscht eine friedliche, fast mystische Stimmung. Gegen 18.30 Uhr brennt dann der Friesengeist in allen Gläsern, dann murmeln alle andächtig den obligatorischen Trinkspruch: „Wie Irrlicht im Moor, flackert´s empor, lösch aus, trink aus, genieße leise, auf echte Friesenweise, den Friesen zur Ehr, vom Friesengeist mehr.“ So ist es seit 50 Jahren in Friesland Tradition. Danach steht man noch ein wenig zusammen, plaudert mit dem Nachbarn, schlendert über den Wintermarkt oder geht in einem der Restaurants essen – und freut sich schon auf das nächste Jahr im winterlichen Carolinensiel, um Teil des neuen Rekords zu sein.

Die Legende vom Friesengeist

Jedes Restaurant und jede Kneipe in Ostfriesland hat Friesengeist auf der Karte. Wer einen bestellt, bekommt das Glas mit dem Hochprozentigen in einem Holzschuh serviert. Während die Bedienung den klaren Kräuterschnaps mit der streng geheimen Kräutermischung entzündet, muss sie den Trinkspruch aufsagen. Nur mit diesem Ritual ist der Genuss perfekt.

Erfunden hat den Friesengeist in den 1950er Jahren Johann Eschen, der damalige Inhaber des Hotels Friesenhof im Ort Wiesmoor. Angeblich hat er beim Torfstechen im Moor ein kleines Fass mit schwarzgebranntem Schnaps gefunden. Dessen Inhalt schmeckte ihm so vorzüglich, dass er jahrelang herumexperimentierte, bis er schließlich hinter das Geheimnis des Geschmacks und der Ingredienzien kam. Den edlen Tropfen schenkte er von nun an in seiner Gaststätte aus und nannte ihn anfangs „Geist vom Friesenhof“, später dann „Friesengeist“. Ob er sich den Fund des Fässchens nur ausgedacht hatte? Wenn ja, war es ein genialer Einfall, denn bald verkaufte er seinen Friesengeist auch außerhalb Ostfrieslands und sogar in Dänemark, Schweden, Frankreich und den Niederlanden.

Drei Häfen, eine Geschichte

IMG_9636-Friesengeistmeile 2017-C. NowakIn den meisten alten Sielhäfen entlang der ostfriesischen Küste ist im Winter wenig los, anders in Carolinensiel da ist Hochsaison, und das nicht nur wegen der Friesengeistmeile. Schon seit 25 Jahren schwimmt zur Adventszeit ein stattlicher Weihnachtsbaum auf einem Ponton im Museumshafen. Vor gut zehn Jahren beschloss man dann, vom ersten Adventswochenende bis ins Neue Jahr, Carolinensiel in ein Lichtermeer zu verwandeln. Vom Museumshafen über die zwei Kilometer lange Harle-Promenade bis zum Harlesiel wurden Bäume und Häuser mit Lichterketten geschmückt. Die stimmungsvolle Kulisse kann man seitdem besonders gut vom Wasser aus bei Glühwein und Grog an Bord des Raddampfers Concordia II erleben.

IMG_9511-Friesengeistmeile 2017-C. NowakMit dem Weihnachtsbaum kommt auch der Wintermarkt in den Museumshafen. Rund zwei Dutzend Buden reihen sich dann zu beiden Seiten des Wassers und tauchen den Hafen bei Dunkelheit in ein warmes Licht. Bratwurst, Fischbrötchen, Glühwein, Grog und Friesengeist sorgen für das leibliche Wohl. Fehlen dürfen natürlich auch die frisch ausgebackenen Prülkers nicht. Immer der Nase nach, dann kann man das ostfriesische Hefegebäck, das andernorts als Ochsenaugen, Broden Klüten oder Krapfen bekannt ist, nicht verfehlen.

IMG_9603-Friesengeistmeile 2017-C. NowakDer Museumshafen

Carolinensiel-Harlesiel ist wegen seiner drei Häfen einmalig an der Nordseeküste. Vom Außenhafen legen die Fähren zur Insel Wangerooge ab, nehmen die Krabbenkutter Kurs auf die Fanggründe und starten die Ausflugsschiffe zu den Seehundbänken. Landeinwärts an der Harle kommt man zum Jachthafen und zum Museumshafen, dem Schmuckstück der Stadt. Eingerahmt von typischen Friesenhäusern liegen hier zahlreiche historische Segelschiffe vor Anker, die von ihren Besitzern liebevoll in Schuss gehalten werden. Rund um den Alten Hafen befindet sich in drei Häusern das Deutsche Sielhafenmuseum. Im Groot Hus, einem ehemaligen Kornspeicher, erfährt man alles über Siele, Häfen, Deiche und Küstenfischerei, im Kapitänshaus geht es um das Leben an Land und in der Alten Pastorei über die teils längst vergessenen Handwerke, die nötig sind, um einen Sielhafen am Laufen zu halten.

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Text und Fotos: Christian Nowak

 

Österreich: Gmunden – Kultur,Kunst und 76 Seen

Zicken gmunden

Im Salzkammergut kann man wahrlich gut lustig sein,….wie Rolf Benatzky die Wirtin in seiner Operette „im weißen Rössel am Wolfgangsee“ trällern lies. Sommerfrische mit prickelnder  Lebensqualität .Morgens Frühstück unterm Apfelbaum, tagsüber abtauchen im See und abends Konzert, Theater oder spritzige Lesung.

„See-hoping“, das ganze Salzkammergut ist eine Wellness Oase. 76 Seen mehr oder weniger warme Seen gibt es. Von glasklaren, gebirgsbachkalten bis pudelig warmen Moor-Seen. Beim Eintauchen spült sich der Stress weg. Wer ausdauernd schwimmt, fühlt, dass sie wahrlich Jungbrunnen sind.

1862 wurde Gmunden, das Herz der Lebenskunst, zur Kurstadt. 1872 überraschte der Salzburger Theaterdirektor Josef M. Kozian, genannt Kotzky, die Bürger der Stadt mit dem Bau eines Saisontheaters. Das prächtige Haus mit den intimen, plüschig-roten Logen und dem funkelnden Kristallleuchter wurde Mittelpunkt des Kulturgeschehens. Beschwingte Operetten erheiterten fortan die Kurgäste. Nestroys „Lumpazivagabundus“, Jaques Offenbachs „Zehn Mädchen und kein Mann“, was im Wiener Frühling Furore machte, erfreute im Sommer das Gmundner Provinzpublikum.

Zicken Historusche

Mit dem Dampfer unterwegs

Nicht nur der Wiener Hof erfrischte sich hier. Schauspieler, Sänger, Dichter und Musiker folgten ihren Mäzenen. Man lebte und liebte wie in den Operetten. Abends wurde schmalzig auf der Bühne besungen, was das „gute Sommer-Leben“ tagsüber hergab. Gmunden am Traunsee war mit seiner eleganten Seepromenade, den stimmungsvollen Weinlokalen und der guten Küche wie geschaffen für diese Szenerie.

Die Stadt galt als Kulturmekka. An der Flaniermeile am See zeigten die Damen der Gesellschaft ihre Luxusgardarobe. Ein mit Absicht verlorenes Spitzentüchlein konnte der Beginn einer Liebesaffäre sein. Die stimmungsvollen Weinlokale, in denen man sich näher kam, sind originalgetreu und auf die heutigen Gäste eingestellt. Die kulinarische Tradition von fangfrischen Seefischen über Semmelknödeln, Kaiserschmarrn und Apfelstrudeln wird von den Traunseewirte mit Stolz hochgehalten.

Tiefer Traunsee

Anspruchsvoll war man hier schon immer. Ob in Kultur, Küche oder kaltem Wasser. Der Traunsee, mit 191 Meter der tiefste See Österreichs, punktet mit „Tafelwasserqualität“. Übrigens schwamm die Gmunder Gesellschaft schon immer oben auf. Hier war der Sitz der Salzbörse, wurde gehandelt, was in den Salzbergwerken hart abgebaut wurde. Noch heute ist man so reich, dass man es sich erlauben kann, den Massentourismus an der Stadt vorbei zu leiten.

Zicken TraunseeKur stand für das, was man heute Wellness nennt. Man ließ sich Zeit. Kurte von der Apfelblüte bis zur Apfelernte. Diese lustvollen Jahre endeten jäh am 28. Juli 1914. Franz Joseph unterzeichnete in seiner kaiserlichen Villa in Bad Ischl (30km von Gmunden entfernt) die Kriegserklärung gegen Serbien. Von da an ging‘s bergab mit der Donau Monarchie.

Festspiele  am See

1987 entsannen sich zwei mutige Wiener (Johannes Jockel und Alfred Werner) der Festspiel-Tradition. Mit einer glanzvollen Operngala öffneten sie ein neues Kapitel der Gmundner Kultur. (www.festwochen-gmunden.at). Seither stehen allsommerlich an die hundert Aufführungen auf dem Programm, Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen… Dies alles auf internationalem Niveau. Kulturgenüsse, die selbst dem Kaiser geschmeichelt hätten. Heute kommen die Sponsoren aus der Industrie. Übrigens werden zu Vorstellungsbeginn – ganz im Stil der K.&K Monarchie – die Besucher im Foyer von der Intendantin Jutta Skokan persönlich willkommen geheißen.

Zickendraht Lesung im Schloss OrthDas Festwochenprogramm wird jedes Jahr neu gestaltet und mit überraschend sozialkritischen Lesungen gewürzt. Eine heftige Prise Salz lieferte der weltweit verehrte Literat Thomas Bernhard. Der österreichkritische Autor, für so manche ein „Nestbeschmutzer“, hat mit seinen bissigen Schriften und Theaterstücken bei etlichen Politikern für zornesrote Köpfe gesorgt. In seinem Wohnhaus, einem alten Vierkant-Bauernhof im Vorort Ohlsdorf, wo er von 1965 bis zu seinem Tod 1989 wirkte, liest man jedes Jahr vor ausverkauftem Haus (www.thomasbernhard.at).

Zickendraht Schloss OrthDas berühmteste Gebäude von Gmunden ist das 1626 erbauten Seeschloss Ort(h), das Wahrzeichen der Stadt. In ihm befinden sich eine bezaubernde Kapelle und das Standesamt. So manche Liebe wird hier besiegelt. Traumhochzeiten haben zurzeit Hochkonjunktur. Übrigens, die Fernsehserie „Schlosshotel Orth“ wurde von 1996 bis 2004 genau hier produziert. Auch in China strahlt man sie aus.

Noch ziehen aber die chinesischen Touristenströme vorüber ins 60 Kilometer entfernte Hallstatt, wo sie der „Magic-Place“ erwartet. Noch wird hier kein „Dirndl to go offeriert“ Trotzdem ist Gmunden ein Geheimtipp für kulturorientierte Genießer.

Text: Veronika Zickendraht, Fotos: Bernd Siegmund

Mehr Österreuch gibts u.a. hier:

Österreich: Die Rückkehr der Murmeltiere am Hochkönig

 

Schweiz: Rhätische Bahn: Halt auf Verlangen!

K1024_Bernina Express (2)144 Kilometer nur sind es vom schweizerischen Chur ins italienische Tirano. Für die Hochgebirgsfahrt durch 55 Tunnel und über 196 Brücken benötigt der Bernina-Express volle vier Stunden. Und bietet ein grandioses Seh-Vergnügen!

K1024_Bernina Express (30)Die Reise zum Thema Rhätische Bahn ist auf die Minute genau geplant. Militärisch knapp kommen die Anweisungen per E-Mail. Zürich Hbf an: 11.59. Zürich Hbf ab: 12.07. Chur an: 13.22. Und wirklich… Bei Einfahrt des Zuges in den Bahnhof springt der Minutenzeiger in sekundengenauer Arbeitserfüllung auf die zweiundzwanzig. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte man wahrscheinlich sofort die Uhr ausgewechselt. Auf die Idee, der Zug könnte sich verspätet haben, kommt kein Schweizer. „Bei uns“, sagt Michael Christ, der Marketing-Chef von Chur-Tourismus, „kann man die Uhr nach dem Zug stellen.“ Er ist, wie alle Eidgenossen, stolz auf die helvetische Eisenbahn.

K1024_Chur (9)Wir sind in Chur. Die schöne Bischofsstadt residiert am Fuße imposanter Berggipfel. Sie hat 37 106 Einwohner, davon sind 21 930 steuerpflichtig und 7 372 Ausländer. Von denen die meisten auch steuerpflichtig sind. Offensichtlich lebt man gut in Chur. Im verkehrsberuhigten Zentrum gibt es schöne Cafés, Buchläden, Juweliere, Weinlokale, die Sonne sitzt vergnügt auf den Dächern der alten Häuser und taucht so manch kleine städtische Unvollkommenheit in mildes, warmes Licht. Mit über 5000 Jahren auf dem „Buckel“ ist Chur die älteste Stadt der Schweiz. Doch sie wirkt frisch und temperamentvoll. Vielleicht liegt das auch an den vielen modernen Kunstobjekten, die auf den Straßen und Plätzen der Innenstadt überraschen. Sie sind ein magischer Gegenpol zum Alter. Aber Chur ist nicht nur alt und liebenswert, Chur ist auch Verwaltungszentrum des Kantons Graubünden. Und Hauptsitz einer roten rollenden Schmalspur-Legende, der Rhätischen Bahn.

K1024_Chur (13)Von hier streben die Gleise in alle Himmelsrichtungen. Westwärts geht es durch das Felsentor des Vorderrheins nach Disentis, nördlich bis Landquart, in den Osten nach Arosa, Kloster oder Davos, südlich durch den Albula-Tunnel ins Engadin. Und über den Bernina-Pass hinab ins italienische Veltin. Soweit aber wollen wir nicht. Wir wollen nur von Chur nach Tirano. Viele Eisenbahn-Liebhaber halten diese Strecke für die schönste der Welt.

Die Reise beginnt am nächsten Morgen. Planmäßig! Chur ab: 08.32 Bernina Express. Tirano an: 12.45. Dazwischen liegen kühne Viadukte, Bergseen und Gletscher, tiefe Schluchten und schroffe Felswände, Dorfstraßen, wichtige Bahnhöfe und einsame Haltepunkte, an denen der Bernina Express auf ganz persönlichen Wunsch einer einzelnen Person seine Fahrt stoppt. Für Herrn Müller. Oder Frau Hagedorn. „Halt auf Verlangen“ nennt sich dieser Service, der oft wahrgenommen wird, um von hier aus durchs Gebirge zu wandern, in die Berge zu kraxeln oder ein kleines Kirchlein zu besuchen, dass eine Stunde Fußmarsch von der Bahn entfernt liegt, und einen Zwischenstopp wert ist. Mal wird der Halteknopf gedrückt, mal nicht. Diese Ungewissheit ist natürlich im Fahrplan eingepreist, der Bernina Express wird deswegen nie unpünktlich sein. Hoffentlich!

K1024_Bernina Express (42)Denn schnell ist er nicht gerade. Kein Wunder bei dieser atemberaubenden Gebirgslandschaft. Schade eigentlich, dass man im Zug sitzt, von innen nach außen gucken muss. Sicher wäre es bei einigen Passagen interessanter, von außen zu beobachten, mit welcher Fitness, mit welchem Mut sich der rote Bernina Express im Hochgebirge bewegt. In engen Schleifen geht es den Berg hinauf, durch schroffe Täler und Trassen, die an steile Felswände geklebt sind. Kurz bevor der Zug die Station Filisur erreicht, drängen sich die Fahrgäste schon an den Panoramafenstern. Was es jetzt zu sehen gibt, ist einmalig. Der unmittelbar an eine senkrechte Felswand gebaute Viadukt über die 65 m tiefe Landwasserschlucht.

K1024_Bernina Express (26)Kaum hat man Zeit, einen Blick in den schwindelerregenden Abgrund zu werfen, da ist der Bernina Express auch schon im Tunnel verschwunden. 1901/02 wurde diese architektonische Sensation gebaut. Ohne Gerüst! Nur mit zwei Kränen. Was Mut zum Risiko, Bautechnik und Linienführung anbelangt, macht den Schweizern keiner etwas vor. Die Trasse über den Bernina-Pass wurde 2008 von der UNESCO als Welterbe anerkannt.

K1024_Poschiavo (26)Nach so viel Aufregung ist es schön, am Ende des Tages in Poschiavo aussteigen zu dürfen. Nicht nur am Stand der Sonne merkt man, dass sich hier etwas verändert hat, die Schweiz ist italienisch geworden. Der warmherzige Ort Poschiavo hat 3 500 Einwohner, 5 Bäckereien, 4 Metzgereien, 1 Bierbrauer, 1 Spaghetti-Fabrik, 5 Weinproduzenten, 1 Schwimmbad, 1 Spital, 3 Coiffeure, 3 Allgemein-Mediziner, das ehrwürdige Hotel Albrici à la Poste und mit Wolfgang Hildesheimer (1916-1991) einen bekannten deutschen Dichter, der hier seine Heimat gefunden hat. Und sein Grab. 30 Jahre hat er in Poschiavo gelebt, 1982 wurde er Ehrenbürger. Was ihm hier besonders gefallen hat? „Das hier das Kleinkarierte, Spießbürgerliche, Engherzige fehlt, das Hosenträgerische, Hemdsärmlige.“

Text und Fotos: Bernd Siegmund

Mehr Graubünden gibt es hier.

Schweiz: Die Schatzalp, Thomas Mann’s Zauberberg

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Die Fahrt mit der Zahnradbahn, von der unterirdischen in die oberirdische, 1900 Meter hohe Graubündner Bergwelt, begann unerwartet gastfreundlich. Breit lächelnd sah mich der Mann im Kassenhäuschen an und fragte in typisch kehligem Schwyzerdütsch: „Warum wollen Sie bei mir bezahlen? Moment mal, erst einmal suche ich Sie auf der Gästeliste.“
Und Schwups, ohne weitere Worte, drehte sich die elektronische Schranke auf. Die Fahrt war kostenlos. Nach knappen sechs Minuten erreichte ich die Bergstation, und die Kabinentür zog sich wiederum wie durch Geisterhand beiseite. Dann Hopps, sechs Stufen, links durch die Schwingtür, und zehn Sekunden später tat sich ein atemberaubendes, zauberweißes Bergpanorama vor mir auf. Eine gigantische Bühnenkulisse.

Bild 2Das Einsinken im Neuschnee verlangsamte meinen Schritt, als wäre ich bereits Sanatoriums-Patient. Die abrupte Umstellung auf die dünne Höhenluft fühlte sich an wie Schwindel, wie auf Watte -Wolken wandern.
Vor hundert Jahren pries man die würzige Höhenluft der Schatzalp wie anderswo die Heilquellen. Wieder beschwerdefrei frei atmen zu können war für Tuberkulose-Patienten ein Zeichen von Freiheit und Genesung.
Bis zu Thomas Mann’s luxuriöser Sanatorienwelt war es ein Katzensprung. Keine hundert Meter. Über einen Wandelgang. Hier mussten täglich hüstelnde Kranke, zum Beispiel das von Thomas Mann so makaber beschriebene Grüppchen “Halbe Lunge“, auf und ab getappt sein.
Durch die bogenförmige Glastür warf ich einen Blick in die prachtvolle Jugendstil-Lobby. Auf der marmornen Theke, da wo einst illustre bourgeoise Patienten ihren Pass vorlegten oder ihre Rechnungen mit Geldbündeln beglichen, lag tatsächlich, behaglich ausgestreckt, ein echter schwarze Kater. Er schnurrte, als hätte man ihn mit der Gästebegrüßung beauftragt. Als ich durch die weiteren Glastüren rechts und links in die weißen Salons spähte, dachte ich unwillkürlich: Kein Wunder, das Thomas Mann tausend Romanseiten brauchte, um dieses mystische Berg-Jugendstil-Milieu so ausschweifend zu huldigen.

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Die Kategorisierung in Sterneklassen, ließ man mich wissen, würde das Gros der feinsinnigen Gäste als schnöde Normierung empfinden. Auf Perfektion pocht man nicht. Jede Restaurationsarbeit wird mit Bedacht überlegt, um den morbiden Charme nicht zu unterwandern.
Die Gästezimmer sind schlicht. Wie einst die Krankenzimmer. Die Messinglampen, die bollrigen Heizkörper und die eingebauten Kleiderschränke hat man im Original erhalten. Nur Bäder wurden im Zuge der Modernisierung in die Räume gezwängt. Ein kleines hölzernes Radio am Nachtkästchen ist für die Unterhaltung gedacht. Ein Flachbildschirm im Zimmer würde das Ambiente verfälschen.
Die Loggia mit Panorama-Bergblick ist der Schatz der spartanischen Zelle. Sechs Stunden am Tag, so lautete die Verordnung, hatte jeder Patient die Liegekur einzuhalten. Bei Wind und Wetter lag man eingehüllt in braune Kamelhaardecken, und sog die Luft wie Medizin ein.

Bild 4 Beim Bau von 1898 bis 1900, errichtete man hundert Meter oberhalb des Sanatoriums ein eigenes Kraftwerk. Jedes Zimmer verfügte vom ersten Tag an über elektrisches Licht. Vom Keller bis zum Dachboden wurde zentralgeheizt. Telefone installierte man auf allen Fluren.
Kaiser Wilhelm ließ sich in prophylaktischer Weitsicht, sollte er einmal Tuberkulose bekommen, eine noble Suite reservieren. Er kam nie nach Davos, aber man bezahlte über Jahrzehnte. In diesen Räumen ist heute noch das  damalige Mobiliar unberührt erhalten.
Die einstige Pracht ist in den Raucher-, Schach- und Musiksalons zu bewundern. Die meterhohen Jugendstilfenster, volle bunter Ranken und Blumen, sind im Original erhalten. Auf einige malte man Wolkengardinen, weil plüschig Textiles aus Hygienegründen nicht erlaubt war. Die Ölgemälde mit ihren romantischen Motiven sollten beruhigend auf die Psyche der Patienten einwirken.

 

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Nur die kuschlig weißen Sofas sind neu. Ab 16.00 Uhr knistert das Kaminfeuer, und am Flügel klimpert eine bezaubernde rumänische Pianistin – mit und ohne Gäste – entspannt vor sich hin. Wer in der verträumt himmlischen Atmosphäre nüchterne Nachrichte aus der „Welt von unten“ möchte, kann sie im ehemaligen Röntgenzimmer auf einer Riesenleinwand sehen.

Wo denn tatsächlich der original Schauplatz für den Zauberberg war, hat Thomas Mann in weiser Voraussicht verschlüsselt. Das Luxussanatorium Schatzalp hat er als einzigen Handlungsort im Roman beim richtigen Namen genannt. Im „Berghof“, dem heutigem „Waldhotel“, litt und lebte nachweislich sein Protagonist Hans Castorp. Das Haus wurde 1911 als „Wald- Sanatorium Professor Jessen“ eröffnet.

Katja Mann begann hier am 22. März 1912 ihre sechsmonatige Kur auf Grund einer Lungenschwäche. Der Professor vermutete bei Thomas Mann während seines Davos Aufenthalts auch eine Tuberkulose. In seinen Aufzeichnungen steht: „Ich befand mich etwa zehn Tage dort oben, als ich mir bei feuchtem und kaltem Wetter auf dem Balkon einen lästigen Katarrh der oberen Luftwege zuzog.“ Na, was lag näher, als den Literaten umgehend als Patienten zu integrieren. Der Literat aber wehrte sich vehement. Sein Ansinnen war einzig und allein, das Milieu zu studieren, und die detaillierten Schilderungen seiner Frau noch illustrer zu Papier zu bringen.

Er schrieb: „Diese Krankenwelt dort oben ist von einer Geschlossenheit und einer einspinnenden Kraft, die Sie ein wenig gespürt haben werden, indem Sie meinen Roman lasen. Es ist eine Art von Lebens-Ersatz, der den jungen Menschen in relativ kurzer Zeit dem wirklichen, aktiven Leben vollkommen entfremdet. Luxuriös ist oder war alles dort oben, auch der Begriff der Zeit. Bei dieser Art von Kuren handelt es sich stets um viele Monate, die sich oft zu Jahren summieren.

Seine Anmerkung, wonach man im Winter die Leichen gefroren über die Bobbahn zu Tal schlitterte, sorgte in ganz Davon für Entrüstung. Dass es mit zur Kur gehörte, so eine Art Seelenklempner wie Dr. Korokowski zu konsolidieren, wollte man verschwiegen wissen. Fünfmaliges Fiebermessung als Lebensinhalt zu reduzieren, das ging zu weit. Die literarische Verarbeitung der amourösen Patienten-Episödchen fanden Sanatoriumsbetreiber ebenso geschmacklos. Bis sie merkten, dass der 1924 erschiene Roman „Der Zauberberg“ zum Muss der Gesellschaftsliteratur avancierte, Davos zum magnetischen Anziehungspunkt aufstieg.

Von 1950 bis 1954 ging es mit der Sanatoriumskultur steiler abwärts als auf der Bobbahn.

Die Erfindung des Penicillins brachte raschere Heilerfolge. Das Höhenklima war nicht mehr von Nöten und keiner wollte sich stundenlangen Liegekuren mit ungewissem Ausgang unterziehen. Mit der Erfindung von Antibiotika wurden die Sanatorien zu einem Schwanengesang einer Epoche, die sich überlebt hatte.

 

Text: Veronika Zickendraht

Fotos: Hotel Schatzalp

Deutschland: Brandenburg für alle. Barrierefrei reisen

Zeuthen 06.06.2016 Fotos : YORCK MAECKE TMB Barrierefrei auf dem Boot.

Foto : Yorck Maecke, TMB Barrierefrei auf dem Hausboot

 

 

 

 

Ausgabe 2017des Magazins  für barrierefreies Reisen in Brandenburg erschienen

Neu in der diesjährigen Ausgabe, die jetzt im sechsten Jahr in Folg erschienen ist, sind Erlebnisberichte von Gästen, die den barrierefreien und für jedermann erreichbaren Ausflugszielen der einzelnen Reiseregionen Brandenburgs vorangestellt wurden. So berichtet der stark sehbehinderte Berliner Yannick von seiner Tour mit einem Oldtimer-Tandem und dem SUP-Board in Potsdam. Und die Rollstuhlfahrerin Judyta Smykowski beschreibt ihr unvergessliches Gefühl von Freiheit, als sie im Sommer das barrierefreie Hausboot Febomobil 990 von Kuhnle-Tours über die Gewässer des Dahme-Seenlandes steuerte. Aktuell nimmt das Heft auch Bezug auf das Lutherjahr 2017. So kann man sich beispielsweise in Jüterbog barrierefrei auf die Spuren der Reformation begeben. Pfarrer Bernhard Gutsche von der evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai gibt in dem Heft und bei einem Besuch lebendige Einblicke in die außergewöhnlichen Geschehnisse jener Zeit.
Insgesamt werden auf rund 100 Seiten ausgewählte Angebote für Rollstuhlnutzer, Gäste mit Seheinschränkungen, für gehörlose Menschen und Besucher mit Lernschwierigkeiten sowie Infos für Allergiker für einen erlebnisreichen Ausflug oder einen entspannten Urlaub im Bundesland Brandenburg und in der angrenzenden Mecklenburgischen Seenplatte präsentiert.
Noch mehr barrierefreie Urlaubsangebote – insgesamt über 800 – sind detailliert beschrieben im Internetportal www.barrierefrei-brandenburg.de. Hier kann die Broschüre auch als barrierefreies pdf kostenlos heruntergeladen werden, das auch für Leser mit Sehbehinderung gut geeignet ist. Ebenso ist die Broschüre auch kostenlos bei der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH erhältlich. Telefon: 0331 – 200 47 47. Darüber hinaus wird das Spezial-Magazin ab März bundesweit über den Zeitschriftenhandel  zum Preis von 2,80 Euro vertrieben.

Deutschland: Harz – Die steilste Abfahrt nördlich der Alpen

K1024_Brockenbahn_in_Winterlandschaft__Harzer_TourismusverbandSchneesicher sind die Harzer Wintersportorte nicht. Doch sobald sich die weiße Pracht einstellt, bieten Harzer Loipen und Pisten, Rodelbahnen und Natureisflächen jede Menge Winterspaß.

Der erste Schnee fällt oft schon im Oktober. Zumindest auf dem höchsten und berühmtesten Berg des Harzes, dem 1141 Meter hohen Brocken. So auch in diesem Jahr. Bereits Mitte Oktober meldeten die Meteorologen von der Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes auf dem Brocken eine dünne Neuschneeschicht und posteten launig das Foto vom ersten Schneemann der Saison. Bis sich der ganze Oberharz in ein weißes Wintermärchenland verwandelt, gehen meistens noch etliche Wochen ins Land. Ein Garant für weiße Weihnachten ist auch der Oberharz mit Höhenlagen um 800 Meter schon seit den 1960er Jahren nicht mehr. Im Januar und Februar aber stehen die Chancen auf weiße Pracht noch immer ziemlich gut. Und wenn die Fremdenverkehrsbüros auf der Wintersport-Website die passenden Schneehöhen melden, zieht es nicht nur die Niedersachsen und Sachsen-Anhaltiner in ihre Berge. „Unsere Loipen und Pisten locken auch Hamburger und Berliner “, weiß Christin Faust vom Harzer Tourismusverband in Goslar. Mit dem Auto und auch mit Bahn oder Bus lassen sich die Wintersportorte in dem südlich von Braunschweig und Magdeburg gelegenen Mittelgebirge von Berlin aus in etwa drei Stunden erreichen. Spontan ein Hotelzimmer oder eine Ferienwohnung zu bekommen, ist in der Regel nicht schwer. „Die typischen Winterurlauber im Harz sind ja die Kurzentschlossenen“, so Christin Faust. „Die meisten buchen erst, wenn der Wetterbericht für die nächsten Tage Neuschnee und dann knackigen Frost und strahlenden Sonnenschein verspricht. Und denen können die Vermieter vor allem in den kleineren Orten immer noch Fremdenzimmer oder Appartements anbieten.“

K1024_Brockenkuppe_Winter__E._RonkainenWenn man Harzfans nach ihren Winterfavoriten befragt, fallen die Antworten ganz unterschiedlich aus. Für die einen gibt es nichts schöneres, als durch die verschneiten Wälder zu wandern, zum Beispiel auf dem sechs Kilometer langen Rundwanderweg bei Hohegeiß, der vorbei an der Alten Bobbahn durchs Wolfsbach- und durchs Gretchental führt. Andere, die mehr Action wollen, zieht es an den Wurmberg bei Braunlage. Hier liegt das größte Skigebiet des Harzes. Weil die Winterklientel heute anspruchsvoller ist, als noch vor 20 oder 30 Jahren, haben die Harzer hier vor ein paar Jahren die Infrastruktur nachgerüstet und der Natur hier und da nachgeholfen, um den Abfahrtspaß vielseitiger und attraktiver zu machen. Nun gibt es eine neue 1,2 Kilometer lange Piste am Osthang. Kenner loben die ideale Neigung, die zu flotten Carvingschwüngen animiert, Skiläufern und Snowboardern aber auch ganz gemütlich talwärts brettern lässt. Steil und „schwarz“ dagegen ist die neue Piste am Hexenritt, diese Direktverbindung vom Wurmberggipfel zur Mittelstation und ist selbst für Könner kein Spaziergang. Mit einem Gefälle von 60 Prozent sorgt sie – als steilste Skiabfahrt nördlich der Alpen – zumindest bei Nordlichtern für Adrenalinschübe. Anfänger können sich auf einer eigenen Piste ausprobieren, Snowboarder finden ihr Revier am Sonnenhang auf einen Freestyle-Parcours mit verschiedenen Features. Weil sich das größte Harzer Skigebiet vor allem als Freizeitziel für Familien empfehlen will, fehlt auch eine Snow-Tubing-Anlage nicht. In Schlauchreifen rutschen dort schon die Jüngsten jauchzend in den Abhang runter und liefern Bilder, wie sie die regionalen Fernsehsender lieben, wenn sich der norddeutsche Winter einstellt.

Ein Zug der Harzer Schmalspurbahn HSB fŠhrt zum Brocken (Aufgenommen am 7.2.10) Die Strecke zum hšchsten Harzgipfel ist das Zugpferd der HSB. Rund 700000 FahrgŠste nutzen jŠhrlich das Angebot mit dem Zug zum Brocken zu fahren. Auf der Pressekonferenz der HSB werden am Donnerstag den 11.02.10 die neuesten Zahlen des GeschŠftsjahres 2009 prŠsentiert.

Schnelles Gipfelglück

Lange Wartezeiten an den Wurmberg-Liften gehören erst einmal der Vergangenheit an. Eine neue Vierer-Sesselbahn verbindet Mittelstation und Gipfel. Seit dem Ausbau kann die Anlage nun 3000 bis 4000 Menschen pro Stunde auf den mit 971 Metern höchsten Berg Niedersachsens befördern. Um die weiße Saison ein wenig zu verlängern, haben die Betreiber der Wurmberg-Seilbahnen zudem in eine Beschneiungsanlage investiert. Sobald die Temperaturen unter null Grad sinken, können innerhalb von 72 Stunden fünfeinhalb  Pistenkilometer wintersporttauglich machen, ohne dass eine Flocke Naturschnee fällt.
Weniger idyllisch geht es bisweilen auf dem Parkplatz an der Mittelstation zu. Im Zuge der Modernisierung wurden hier 600 PKW-Stellplätze geschaffen. Doch an Wochenenden mit Bilderbuch-Winterwetter reichen die bei weitem nicht aus. Ab zehn Uhr ist meistens schon alles dicht. Zusätzliche Stellflächen will man aber nicht schaffen. Konflikte mit Umweltschützern wären vorprogrammiert. Wer sich den Parkstress ersparen will, muss frühaufstehen oder, wenn das keine Alternative ist, mit der Seilbahn anreisen, die den Ort Braunlage mit der Wurmberg-Mittelstation verbindet.

K1024_Am_Wurmberg_Braunlage__Wurmberg_AlmWer auf die Harzer Superlative verzichten kann, weder die steilste noch die – mit vier Kilometern längste Abfahrt zum Winterglück braucht, kann andere Orte ansteuern. Bad Sachsa, Hahnenklee, Hohegeiß, Sankt Andreasberg und Schulenberg betreiben ebenfalls Liftanlagen und präparierte Abfahrt-Pisten. Darüber hinaus locken, über den gesamten Harz verteilt, rund 500 Kilometer gespurte Langlaufloipen, Natureisflächen, Rodelberge und Rodelbahnen, auch solche, die abends beleuchtet werden. Eine der längsten Naturrodelbahnen kann Bad Harzburg für sich reklamieren, 1500 Meter lang ist das Vergnügen auf der alten Harzburger Molkenhaus Chaussee. Die Bergstation von Torfhaus, einem Ortsteil der Bergstadt Altenau, liegt in 820 Metern Höhe. Ski-Alpin- und Rodelpisten sind  hier zwar nur wenige hundert Meter lang. Dafür bietet sich bei der Talfahrt – klare Sicht vorausgesetzt – ein herrlicher Blick auf den Brocken. Den sagenumwobenen Hochharzgipfel kann man auch im Winter ganz bequem erreichen. Ab Schierke zuckelt die Schmalspurbahn durch die verschneite Märchenlandschaft. Oben angekommen hilft eine heiße Erbsensuppe gegen die klirrende Kälte.

Text: Susanne Kilimann
Fotos: Harz Tourismus

 

Deutschland: Katalog – Reiseziele für Menschen mit Körperbehinderung

k1024_titelbildUrlaub mit dem Rollstuhl – kein Problem: neue und bewährte Reiseziele für Menschen mit Körperbehinderung stellt der  Bundesverbandes  Selbsthilfe Körperbehinderter in seinem kostenlosen Katalog „BSK-Urlaubsziele 2017“ vor. In diesem Katalog werden betreute Gruppenreisen sowie eine große Auswahl an Individualreisen in Deutschland, Europa und Übersee angeboten.
Der aktuelle Katalog kann gegen Zusendung eines adressierten und mit € 1,45 frankierten DIN A4-Rückumschlag angefordert werden beim: BSK e.V., Reiseservice, Altkrautheimer Straße 20, 74238 Krautheim . Weitere Infos auch unter www.reisen-ohne-barrieren.eu oder telefonisch: 06294 428150.

Viele weitere Informationen zum Thema finden Sie in unserer Rubrik Barrierefrei Reisen

Österreich: Im Ötztal die Kraft aus der Natur schöpfen

K1024_therme_02_1Bei Längenfeld im Tiroler Ötztal warten gleich sieben Kraftplätze. Und ein sagenhafter Wanderweg durch die Wälder mit einem wunderbaren Blick ins Tal.

Die Worte sprudeln aus  Martin Santer heraus. Er erzählt vom Feuerstein, dem wilden  Mannle und den Feuerreitern. Sagengestalten im Ötztal, deren fantastische Erzählungen  in einem kleinen Büchlein gesammelt worden sind. Dort sind sie lebendig – aber auch in den Skulpturen auf dem Ötztaler Sagenweg zwischen dem kleinen Örtchen Huben und der Berghütte am Feuerstein. Aus der ehemaligen Almhütte ist ein stattlicher Anlaufpunkt für Wanderer und Naturfreunde geworden, die das Ambiente der Bergwelt oder einfach nur eine Jause nach der Wanderung genießen.
Begleitet werden sie bei ihrem mehr als einstündigen Aufstieg von den Kunstwerken, die von den Ötzler Künstlern Fahnes geschaffen wurden. Imposant erhebt sich der schaurige Drache in die Höhe, dem vom Riesen besiegt wird, während die Feuerreiter im Galopp ins Tal preschen, vorbei am verwunschenen Hasen. Alle insgesamt 15 Skulpturen entstanden aus Altmetallteilen der Autozulieferer, erzählt Santer, auf dessen Initiative bis 2010 der komplette Wanderweg durch die Bergwelt neu gebaut worden ist.  Schattige Waldpartien wechseln sich mit offenem Gelände ab. Der Bach gurgelt gemächlich auf seinem Weg ins Tal. „Die Natur ist wie ein Park“, sagt der Visionär. Man habe nur einen Weg hindurch führen müssen.

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Eine weitere Vision Santers ist ein Wanderweg rund um Längenfeld, dem Nachbarort von Huben. Eine Hängebrücke, die zwei Berge miteinander verbinden, hat er schon bauen lassen. Doch ganz umrunden kann man Längenfeld noch  nicht.
Muss man auch nicht. Abschalten, auftanken und entspannen kann man hier trotzdem wunderbar. Und in der Ruhe der Natur die Seele baumeln lassen.  Als reinigendes Energiefeld ist das medizinische Höhenzentrum Längenfeld bekannt. Einer dieser Kraftplätze ist die kleine Pestkirche, 1661 im Wald am Kropfbühel errichtet. An der Lichtung vor dem Gebäude ist die tiefe Ruhe spürbar.  Wenn nicht gerade Peter Droessel mit einer Gruppe TBB, Taiji Bailong Ball,  spielt. Bis das innere Gleichgewicht und der Rhythmus der Zweiergruppen gefunden ist, dauert es einige Minuten. Dann aber scheint der kleine gelbe Ball seinen Weg von der Hand des einen Partners in die des anderen fast von selbst zu finden. Die Schläger nehmen die Energie der Kugel auf und geben sie im nächsten Moment wieder ab. So findet sich  Spielfluss und Balance und der Gast seine innere  Ruhe.

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Rund um den kleinen Ort, unterhalb von Sölden,  recken sich die Ötztaler Alpen in den Himmel, deren Spitzen in den Abendstunden erglühen. Genießen kann man dieses Naturschauspiel besonders in der Tirol Therme Längenfeld und dem angeschlossenen Aqua Dome, als Hotel- und Tagungszentrum. Helle, lichtdurchflutete Räume und jede Menge Holz und Naturmaterialen sorgen schnell für die typische Tiroler Gemütlichkeit.
Aus dem kleinen Bauernbad an einer Schwefelquelle hat sich in den vergangenen Jahren eine stattliche Thermenlandschaft entwickelt, die auch von Tagesgästen gerne frequentiert wird. Der Gegensatz von hohen Gipfeln und tiefen Schluchten ist auch hier erlebbar. Das moderne Thermenresort bietet auf über 50.000 Quadratmetern  ein außergewöhnliches Wellness-Konzept, das die Heilkraft der Natur und die Ressourcen der Alpen verbindet. Erholsam nach der Wanderung auf den mehr als 1300 Kilometer langen Wegenetz oder zum Stuibenfall, den höchsten Wasserfall Tirols, sind nicht nur die schwebenden Schalenbecken mit Sole und Schwefelwasser. Auch die Saunalandschaft, bei der die Natur Pate stand, sorgt für Entspannung.
Die heißen Quellen des besten Thermenresorts der Alpen versetzen Tages- und Hotelgäste in höchste Entspannung und Wohlbefinden. Für die Hotelgäste des Aqua Dome gibt es zudem noch Wellness auf höchstem Niveau.  Auf zwei Stockwerken verteilt, wartet eine besondere Ruhe- und Erholungsoase, die ihresgleichen sucht. Im Spa 3000 warten Saunen und Kräuterpeelings, Ruhezonen und ein wunderbarer Blick auf die herrliche Bergwelt.

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Wer stattdessen lieber körperliche Anstrengung braucht,  für den hat Fitnesstrainer Peter Droessel noch jede Menge Tipps. Oder man findet den ultimativen Adrenalinkick im Outdoorpark „Area 47“ am Eingang des Tals.

Text und Fotos. Diana Seufert

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