Schweiz: Rhätische Bahn: Halt auf Verlangen!

K1024_Bernina Express (2)144 Kilometer nur sind es vom schweizerischen Chur ins italienische Tirano. Für die Hochgebirgsfahrt durch 55 Tunnel und über 196 Brücken benötigt der Bernina-Express volle vier Stunden. Und bietet ein grandioses Seh-Vergnügen!

K1024_Bernina Express (30)Die Reise zum Thema Rhätische Bahn ist auf die Minute genau geplant. Militärisch knapp kommen die Anweisungen per E-Mail. Zürich Hbf an: 11.59. Zürich Hbf ab: 12.07. Chur an: 13.22. Und wirklich… Bei Einfahrt des Zuges in den Bahnhof springt der Minutenzeiger in sekundengenauer Arbeitserfüllung auf die zweiundzwanzig. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte man wahrscheinlich sofort die Uhr ausgewechselt. Auf die Idee, der Zug könnte sich verspätet haben, kommt kein Schweizer. „Bei uns“, sagt Michael Christ, der Marketing-Chef von Chur-Tourismus, „kann man die Uhr nach dem Zug stellen.“ Er ist, wie alle Eidgenossen, stolz auf die helvetische Eisenbahn.

K1024_Chur (9)Wir sind in Chur. Die schöne Bischofsstadt residiert am Fuße imposanter Berggipfel. Sie hat 37 106 Einwohner, davon sind 21 930 steuerpflichtig und 7 372 Ausländer. Von denen die meisten auch steuerpflichtig sind. Offensichtlich lebt man gut in Chur. Im verkehrsberuhigten Zentrum gibt es schöne Cafés, Buchläden, Juweliere, Weinlokale, die Sonne sitzt vergnügt auf den Dächern der alten Häuser und taucht so manch kleine städtische Unvollkommenheit in mildes, warmes Licht. Mit über 5000 Jahren auf dem „Buckel“ ist Chur die älteste Stadt der Schweiz. Doch sie wirkt frisch und temperamentvoll. Vielleicht liegt das auch an den vielen modernen Kunstobjekten, die auf den Straßen und Plätzen der Innenstadt überraschen. Sie sind ein magischer Gegenpol zum Alter. Aber Chur ist nicht nur alt und liebenswert, Chur ist auch Verwaltungszentrum des Kantons Graubünden. Und Hauptsitz einer roten rollenden Schmalspur-Legende, der Rhätischen Bahn.

K1024_Chur (13)Von hier streben die Gleise in alle Himmelsrichtungen. Westwärts geht es durch das Felsentor des Vorderrheins nach Disentis, nördlich bis Landquart, in den Osten nach Arosa, Kloster oder Davos, südlich durch den Albula-Tunnel ins Engadin. Und über den Bernina-Pass hinab ins italienische Veltin. Soweit aber wollen wir nicht. Wir wollen nur von Chur nach Tirano. Viele Eisenbahn-Liebhaber halten diese Strecke für die schönste der Welt.

Die Reise beginnt am nächsten Morgen. Planmäßig! Chur ab: 08.32 Bernina Express. Tirano an: 12.45. Dazwischen liegen kühne Viadukte, Bergseen und Gletscher, tiefe Schluchten und schroffe Felswände, Dorfstraßen, wichtige Bahnhöfe und einsame Haltepunkte, an denen der Bernina Express auf ganz persönlichen Wunsch einer einzelnen Person seine Fahrt stoppt. Für Herrn Müller. Oder Frau Hagedorn. „Halt auf Verlangen“ nennt sich dieser Service, der oft wahrgenommen wird, um von hier aus durchs Gebirge zu wandern, in die Berge zu kraxeln oder ein kleines Kirchlein zu besuchen, dass eine Stunde Fußmarsch von der Bahn entfernt liegt, und einen Zwischenstopp wert ist. Mal wird der Halteknopf gedrückt, mal nicht. Diese Ungewissheit ist natürlich im Fahrplan eingepreist, der Bernina Express wird deswegen nie unpünktlich sein. Hoffentlich!

K1024_Bernina Express (42)Denn schnell ist er nicht gerade. Kein Wunder bei dieser atemberaubenden Gebirgslandschaft. Schade eigentlich, dass man im Zug sitzt, von innen nach außen gucken muss. Sicher wäre es bei einigen Passagen interessanter, von außen zu beobachten, mit welcher Fitness, mit welchem Mut sich der rote Bernina Express im Hochgebirge bewegt. In engen Schleifen geht es den Berg hinauf, durch schroffe Täler und Trassen, die an steile Felswände geklebt sind. Kurz bevor der Zug die Station Filisur erreicht, drängen sich die Fahrgäste schon an den Panoramafenstern. Was es jetzt zu sehen gibt, ist einmalig. Der unmittelbar an eine senkrechte Felswand gebaute Viadukt über die 65 m tiefe Landwasserschlucht.

K1024_Bernina Express (26)Kaum hat man Zeit, einen Blick in den schwindelerregenden Abgrund zu werfen, da ist der Bernina Express auch schon im Tunnel verschwunden. 1901/02 wurde diese architektonische Sensation gebaut. Ohne Gerüst! Nur mit zwei Kränen. Was Mut zum Risiko, Bautechnik und Linienführung anbelangt, macht den Schweizern keiner etwas vor. Die Trasse über den Bernina-Pass wurde 2008 von der UNESCO als Welterbe anerkannt.

K1024_Poschiavo (26)Nach so viel Aufregung ist es schön, am Ende des Tages in Poschiavo aussteigen zu dürfen. Nicht nur am Stand der Sonne merkt man, dass sich hier etwas verändert hat, die Schweiz ist italienisch geworden. Der warmherzige Ort Poschiavo hat 3 500 Einwohner, 5 Bäckereien, 4 Metzgereien, 1 Bierbrauer, 1 Spaghetti-Fabrik, 5 Weinproduzenten, 1 Schwimmbad, 1 Spital, 3 Coiffeure, 3 Allgemein-Mediziner, das ehrwürdige Hotel Albrici à la Poste und mit Wolfgang Hildesheimer (1916-1991) einen bekannten deutschen Dichter, der hier seine Heimat gefunden hat. Und sein Grab. 30 Jahre hat er in Poschiavo gelebt, 1982 wurde er Ehrenbürger. Was ihm hier besonders gefallen hat? „Das hier das Kleinkarierte, Spießbürgerliche, Engherzige fehlt, das Hosenträgerische, Hemdsärmlige.“

Text und Fotos: Bernd Siegmund

Mehr Graubünden gibt es hier.

Schweiz: Die Schatzalp, Thomas Mann’s Zauberberg

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Die Fahrt mit der Zahnradbahn, von der unterirdischen in die oberirdische, 1900 Meter hohe Graubündner Bergwelt, begann unerwartet gastfreundlich. Breit lächelnd sah mich der Mann im Kassenhäuschen an und fragte in typisch kehligem Schwyzerdütsch: „Warum wollen Sie bei mir bezahlen? Moment mal, erst einmal suche ich Sie auf der Gästeliste.“
Und Schwups, ohne weitere Worte, drehte sich die elektronische Schranke auf. Die Fahrt war kostenlos. Nach knappen sechs Minuten erreichte ich die Bergstation, und die Kabinentür zog sich wiederum wie durch Geisterhand beiseite. Dann Hopps, sechs Stufen, links durch die Schwingtür, und zehn Sekunden später tat sich ein atemberaubendes, zauberweißes Bergpanorama vor mir auf. Eine gigantische Bühnenkulisse.

Bild 2Das Einsinken im Neuschnee verlangsamte meinen Schritt, als wäre ich bereits Sanatoriums-Patient. Die abrupte Umstellung auf die dünne Höhenluft fühlte sich an wie Schwindel, wie auf Watte -Wolken wandern.
Vor hundert Jahren pries man die würzige Höhenluft der Schatzalp wie anderswo die Heilquellen. Wieder beschwerdefrei frei atmen zu können war für Tuberkulose-Patienten ein Zeichen von Freiheit und Genesung.
Bis zu Thomas Mann’s luxuriöser Sanatorienwelt war es ein Katzensprung. Keine hundert Meter. Über einen Wandelgang. Hier mussten täglich hüstelnde Kranke, zum Beispiel das von Thomas Mann so makaber beschriebene Grüppchen “Halbe Lunge“, auf und ab getappt sein.
Durch die bogenförmige Glastür warf ich einen Blick in die prachtvolle Jugendstil-Lobby. Auf der marmornen Theke, da wo einst illustre bourgeoise Patienten ihren Pass vorlegten oder ihre Rechnungen mit Geldbündeln beglichen, lag tatsächlich, behaglich ausgestreckt, ein echter schwarze Kater. Er schnurrte, als hätte man ihn mit der Gästebegrüßung beauftragt. Als ich durch die weiteren Glastüren rechts und links in die weißen Salons spähte, dachte ich unwillkürlich: Kein Wunder, das Thomas Mann tausend Romanseiten brauchte, um dieses mystische Berg-Jugendstil-Milieu so ausschweifend zu huldigen.

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Die Kategorisierung in Sterneklassen, ließ man mich wissen, würde das Gros der feinsinnigen Gäste als schnöde Normierung empfinden. Auf Perfektion pocht man nicht. Jede Restaurationsarbeit wird mit Bedacht überlegt, um den morbiden Charme nicht zu unterwandern.
Die Gästezimmer sind schlicht. Wie einst die Krankenzimmer. Die Messinglampen, die bollrigen Heizkörper und die eingebauten Kleiderschränke hat man im Original erhalten. Nur Bäder wurden im Zuge der Modernisierung in die Räume gezwängt. Ein kleines hölzernes Radio am Nachtkästchen ist für die Unterhaltung gedacht. Ein Flachbildschirm im Zimmer würde das Ambiente verfälschen.
Die Loggia mit Panorama-Bergblick ist der Schatz der spartanischen Zelle. Sechs Stunden am Tag, so lautete die Verordnung, hatte jeder Patient die Liegekur einzuhalten. Bei Wind und Wetter lag man eingehüllt in braune Kamelhaardecken, und sog die Luft wie Medizin ein.

Bild 4 Beim Bau von 1898 bis 1900, errichtete man hundert Meter oberhalb des Sanatoriums ein eigenes Kraftwerk. Jedes Zimmer verfügte vom ersten Tag an über elektrisches Licht. Vom Keller bis zum Dachboden wurde zentralgeheizt. Telefone installierte man auf allen Fluren.
Kaiser Wilhelm ließ sich in prophylaktischer Weitsicht, sollte er einmal Tuberkulose bekommen, eine noble Suite reservieren. Er kam nie nach Davos, aber man bezahlte über Jahrzehnte. In diesen Räumen ist heute noch das  damalige Mobiliar unberührt erhalten.
Die einstige Pracht ist in den Raucher-, Schach- und Musiksalons zu bewundern. Die meterhohen Jugendstilfenster, volle bunter Ranken und Blumen, sind im Original erhalten. Auf einige malte man Wolkengardinen, weil plüschig Textiles aus Hygienegründen nicht erlaubt war. Die Ölgemälde mit ihren romantischen Motiven sollten beruhigend auf die Psyche der Patienten einwirken.

 

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Nur die kuschlig weißen Sofas sind neu. Ab 16.00 Uhr knistert das Kaminfeuer, und am Flügel klimpert eine bezaubernde rumänische Pianistin – mit und ohne Gäste – entspannt vor sich hin. Wer in der verträumt himmlischen Atmosphäre nüchterne Nachrichte aus der „Welt von unten“ möchte, kann sie im ehemaligen Röntgenzimmer auf einer Riesenleinwand sehen.

Wo denn tatsächlich der original Schauplatz für den Zauberberg war, hat Thomas Mann in weiser Voraussicht verschlüsselt. Das Luxussanatorium Schatzalp hat er als einzigen Handlungsort im Roman beim richtigen Namen genannt. Im „Berghof“, dem heutigem „Waldhotel“, litt und lebte nachweislich sein Protagonist Hans Castorp. Das Haus wurde 1911 als „Wald- Sanatorium Professor Jessen“ eröffnet.

Katja Mann begann hier am 22. März 1912 ihre sechsmonatige Kur auf Grund einer Lungenschwäche. Der Professor vermutete bei Thomas Mann während seines Davos Aufenthalts auch eine Tuberkulose. In seinen Aufzeichnungen steht: „Ich befand mich etwa zehn Tage dort oben, als ich mir bei feuchtem und kaltem Wetter auf dem Balkon einen lästigen Katarrh der oberen Luftwege zuzog.“ Na, was lag näher, als den Literaten umgehend als Patienten zu integrieren. Der Literat aber wehrte sich vehement. Sein Ansinnen war einzig und allein, das Milieu zu studieren, und die detaillierten Schilderungen seiner Frau noch illustrer zu Papier zu bringen.

Er schrieb: „Diese Krankenwelt dort oben ist von einer Geschlossenheit und einer einspinnenden Kraft, die Sie ein wenig gespürt haben werden, indem Sie meinen Roman lasen. Es ist eine Art von Lebens-Ersatz, der den jungen Menschen in relativ kurzer Zeit dem wirklichen, aktiven Leben vollkommen entfremdet. Luxuriös ist oder war alles dort oben, auch der Begriff der Zeit. Bei dieser Art von Kuren handelt es sich stets um viele Monate, die sich oft zu Jahren summieren.

Seine Anmerkung, wonach man im Winter die Leichen gefroren über die Bobbahn zu Tal schlitterte, sorgte in ganz Davon für Entrüstung. Dass es mit zur Kur gehörte, so eine Art Seelenklempner wie Dr. Korokowski zu konsolidieren, wollte man verschwiegen wissen. Fünfmaliges Fiebermessung als Lebensinhalt zu reduzieren, das ging zu weit. Die literarische Verarbeitung der amourösen Patienten-Episödchen fanden Sanatoriumsbetreiber ebenso geschmacklos. Bis sie merkten, dass der 1924 erschiene Roman „Der Zauberberg“ zum Muss der Gesellschaftsliteratur avancierte, Davos zum magnetischen Anziehungspunkt aufstieg.

Von 1950 bis 1954 ging es mit der Sanatoriumskultur steiler abwärts als auf der Bobbahn.

Die Erfindung des Penicillins brachte raschere Heilerfolge. Das Höhenklima war nicht mehr von Nöten und keiner wollte sich stundenlangen Liegekuren mit ungewissem Ausgang unterziehen. Mit der Erfindung von Antibiotika wurden die Sanatorien zu einem Schwanengesang einer Epoche, die sich überlebt hatte.

 

Text: Veronika Zickendraht

Fotos: Hotel Schatzalp

Schweiz: Die stärksten Männer kommen aus Engelberg

Die stärksten Seilzieher kommen aus Engelberg -Titis  Bildnachweis: Engelberg-Titlis

Die stärksten Seilzieher kommen aus Engelberg -Titis Bildnachweis: Engelberg-Titlis

Die stärksten Seilzieher der Welt kommen aus Engelberg in der Zentralschweiz. Auch in Deutschland wird Tauziehen, das von 1900 bis 1920 sogar olympische Disziplin war, in verschiedenen Gewichtsklassen betrieben. Doch in der Liste der seit 1975 ausgetragenen Weltmeisterschaften liegt die Schweiz klar vorne – im Land selbst haben die Burschen vom Engelberger Seilziehclub schon 35 Schweizermeistertitel geholt. Derzeit trainieren sie für die kommende Saison, die Ende April beginnt. Das öffentliche Heimturnier findet vom 17. bis 19. Juli 2015 im Sporting Park Engelberg statt. Als erster Seilziehclub der Schweiz kann die Mannschaft auf eine lange Tradition zurückblicken, dabei begann alles mit einer gemeinen List …

Das Seil am Weidepflock

Herbst 1970. Die Engelberger messen sich auf heimischem Grund mit den Seilziehern aus Beckenried vom Vierwaldstättersee. Davor hatten die Burschen vom Klosterdorf dort beim Feuerwehrball haushoch verloren und wollen nun die Revanche unbedingt gewinnen. Je acht Mann auf beiden Seiten stemmen sich fest in die Erde und versuchen, das 32 Meter lange Seil über die Mittellinie zu ziehen. Vier Meter müssen sie insgesamt schaffen, doch die Markierung rückt kaum einen Zentimeter näher. Schon ewig scheint der Kampf zu dauern, die Kräfte schwinden. Als es allmählich dunkel wird, greifen die Engelberger zu einer List: Der erschöpfte Ankermann, der sich als Letzter des Teams das Seil normalerweise um den Körper legt, entdeckt hinter sich einen Weidepflock – und schlingt das Seilende darum. „Niemand hat’s bemerkt“, erinnert sich Hans Bünter, „die Beckenrieder zogen und zogen, konnten aber nichts mehr ausrichten.“ Am Tag danach gründet er mit seinem Team den SZC Engelberg, den ersten Seilziehclub der Schweiz.
Bünter, inzwischen über 70 Jahre alt und viele Jahre Geschäftsführer der Brunni-Bahnen Engelberg, war damals Skilehrer. Als Trainer der Mannschaft beschäftigte er sich aber zunehmend mit dem Seilziehen und 1974 trug das eigene Dorf sogar die Europameisterschaft aus. Schnell breiteten sich landesweit weitere Seilziehclubs aus, Bünter wurde Bundestrainer und sollte dies rund 20 Jahre lang bleiben. Seinem Team, das im Winter bei den Bergbahnen und im Sommer als Bauern arbeitete, stand damit plötzlich die weite Welt offen: Europa- und Weltmeisterschaften, Einladungen nach Israel, Südafrika oder in die Türkei. Das ist bis heute so.

Europameisterschaft in Belfast
Die diesjährigen Europameisterschaften 2015 finden Anfang September in Belfast statt. Doch dafür müssen sich auch die erfolgsverwöhnten Engelberger erst qualifizieren – entsprechend hart ist das Training: Bereits seit Dezember stählen die kräftigen, hochgewachsenen Burschen des SZC Engelberg ihre Muskeln. Beim Zirkeltraining in der Turnhalle vor den Toren des Benediktinerklosters stemmen sie Gewichte oder reihen zahllose Klimmzüge aneinander. Beim abschließenden Hockeyspiel geht’s recht derb zu, so dass Verletzungen schon mal vorkommen können.
Am Seil trainieren sie derzeit auf der Sandbahn in einer Halle: mit Baumharz an den Händen, stahlbesetzten Stiefeln und einem Bauchgurt. Denn beim Startkommando „Pull“ muss die Wirbelsäule einer enormen Belastung standhalten, wie bei einem Gewichtheber. Wenn Ende April die Meisterschaftsturniere beginnen, zählen aber nicht nur Kraft, Ausdauer und mentale Stärke sondern auch der Blick auf die Waage: In diesem Jahr tritt das Team in der Kategorie 640 Kilo, der sogenannten Königsklasse, an. Liegt das Mannschaftsgewicht nur ein Kilo darüber, werden alle acht Athleten disqualifiziert. Da hilft nur noch schnelles „Abschwitzen“ bis zum Nachwiegen.

„Gwunnä hemmr!“
Club-Mitgründer Hans Bünter feuert beim öffentlichen Heimspiel vom 17. bis 19. Juli 2015 im Sporting Park Engelberg auf jeden Fall „sein“ Team mit den grün-weißen Trikots und den kurzen schwarzen Hosen an. Einziger Haken: Es wird bei Tageslicht gezogen – keine Chance also für den Trick mit dem Weidepflock. Mit den Beckenriedern haben sich die Engelberger übrigens noch einmal gemessen – und gewonnen, diesmal ganz ohne List. Und dann erklang wieder ihr inzwischen gewohntes: „Gwunnä hemmr!“

Liechtenstein: Unbekanntes Weinland

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Weinland Liechtenstein? Das überrascht. Doch wer sich ein wenig Zeit nimmt, wird sich über die Vielfalt der Weinkultur in Liechtenstein wundern. 99 Winzer und die Hofkellerei des Fürsten von Liechtenstein pflegen über 20 verschiedene Rebsorten. Im klimatisch begünstigten Rheintal lässt der Föhn ausgezeichnete Weine reifen. Der Blauburgunder und der Müller-Thurgau bilden landesweit die Hauptsorten. Zusammen machen sie rund 75 Prozent der Erntemenge aus. Zweigelt und Blaufränkisch neben Regent, Maréchal Foch und Léon Millot sind weitere wichtige rote Rebsorten. Chardonnay, Sauvignon Blanc und Weiss- und Grauburgunder bringen ausgezeichnete sortentypische Weine hervor. Mit nur 26 Hektar Anbaugebiet ist die Menge an liechtensteinischen Weinen begrenzt. Weniger als ein Prozent wird exportiert.
Von den zahlreichen Winzern sind nur vier Berufswinzer. Erste Anlaufstelle für Weinkenner ist die Fürstliche Hofkellerei in Vaduz, wo man in der Vinothek die Eigenbauweine aus den fürstlichen Weinbergen verkosten und erwerben kann. Degustationen und individuelle Eigenkreationen bieten auch die Weingüter Castellum und Hoop in Eschen sowie Harry Zechs Weinbau Cantina in Schaanwald an.

Liechtensteiner Winzerfeste

Um auch in den Genuss der Weine der vielen Winzer, die im Nebenerwerb kleine Flächen bewirtschaften und ihre eigenen Weine keltern, lohnt sich ein Besuch der zahlreichen Winzerfeste im Herbst. Beispielsweise beim Weinfest der Winzergenossenschaft Triesen bei der historischen Kapelle St. Mamerta, am Unterländer Winzerfest mit der Krönung der Weinkönigin oder beim traditionellen Liechtensteiner Winzerfest im Vaduzer Städtle. Hier kann die ganze Vielfalt des Weinbaus in Liechtenstein verkosten. Ein wahrlich fürstlicher Genuss.

 

Schweiz: Winterwunderland Oberengadin

Winterwanderungen auf zugefrorenen Seen

Auf den bis zu 150km gepflegten Winterwanderwegen kann sowohl gemütlich als auch in sportlicher Manier die Region Engadin St. Moritz erkundet werden.  Die Winterwanderwege sind zudem auch Kinderwagen tauglich. Zu den einmaligen Winter-Wandererlebnissen gehört das Wandern inmitten der gefrorenen Engadiner Seen-landschaft. Bei einem Spaziergang auf dem St. Moritzersee trifft man während diverser Top-Events wie zum Beispiel dem Cartier Polo Turnier reges Treiben auf der dicken Eismasse. Ein Naturspektakel lässt sich bei einer Wanderung über den Silsersee von Sils nach Maloja erleben, wenn die tiefstehende Sonne ihr Abendlicht auf den gefrorenen See wirft.

ENGADIN St. Moritz - Rustikale Huette im Skigebiet Corvatsch direkt an der Snow Night Piste mit grosser Sonnenterrasse. Rustic mountain hut and spacious sun terrace in the Corvatsch ski area, right next to the Snow Night Piste. Rifugio rustico nel comprensorio sciistico di Corvatsch direttamente sulla pista Snow Night con grande terrazza soleggiata. Copyright by ENGADIN St. Moritz By-line: swiss-image.ch/Gian Andri Giovanoli

ENGADIN St. Moritz – Rustikale Huette im Skigebiet Corvatsch direkt an der Snow Night Piste mit grosser Sonnenterrasse.
Copyright by ENGADIN St. Moritz By-line: swiss-image.ch/Gian Andri Giovanoli

Idyllische Seitentäler

In den Seitentälern Val Roseg und Val Bever findet man archaische Natur, Ruhe und speziell für Wanderer angelegte Winterwege. Das Val Roseg ist zudem bekannt für seine vielen Wildtiere, welche sogar mit blossem Auge gesehen werden können. Am Ende des Roseg-Tals wartet das Hotel Roseg Gletscher auf die hungrigen Wanderer.

Aussicht auf das Oberengadin

In der Wander- und Schlittelregion Muottas Muragl  hat man eine Aussicht auf nahezu alle Engadiner Gipfel, Seen und Täler. Auf den Spuren bedeutender Philosophen führt der täglich präparierte Philosophenweg über das Hochplateau von Muottas Muragl. Weisheiten grosser Philosophen finden sich an den Wegmarkierungen. Für das Schneevergnügen der Kleinen sorgen auf dem Bergrücken der Kinderspielplatz und die anschliessende Abfahrt auf der mit 4km längsten Schlittelbahn im Engadin.

Mit Schneeschuhen duch den Tiefschnee

Wer in die weisse Stille eintauchen will, der schnallt am besten die Schneeschuhe an und wagt den Aufstieg zu abgelegenen Aussichtspunkten. Geführte Schneeschuhtouren können vor Ort bei den zuständigen Infostellen von Engadin St. Moritz organisiert und gebucht werden. Dabei kann zwischen einer zweistündigen Schnuppertour, einer Kurz- und Tagestour ausgewählt werden. Ein besonderes Highlight ist die nächste Schneeschuh-Tour bei Vollmond um den 9. Februar. Empfehlungen zu individuellen Touren und ausgeschilderten Wegen sowie Informationen zur Materialmiete erhält der Gast ebenfalls bei der örtlichen Infostelle Engadin St. Moritz.

ENGADIN ST. MORITZ - Abendstimmung auf Muottas Muragl mit Blick ueber das erleuchtete Hochtal des Oberengadins. ENGADIN ST. MORITZ - evening ambience on Muottas Muragl, with view of the lit-up high-lying valley of the Upper Engadin. ENGADIN ST. MORITZ - Atmosfere serali sul Muottas Muragl, con vista sull'altopiano illuminato dell'Alta Engadina. Copyright by: ENGADIN St. Moritz By-line: swiss-image.ch/Christof Sonderegger

ENGADIN ST. MORITZ – Abendstimmung auf Muottas Muragl mit Blick ueber das erleuchtete Hochtal des Oberengadins.
Copyright by: ENGADIN St. Moritz By-line: swiss-image.ch/Christof Sonderegger

Loipen für klassisch und skaten

Neben der 42 Kilometer langen Strecke locken insgesamt 190 Loipenkilometer Nordic Sportler in dieRegion Engadin St. Moritz. Zwei Nachtloipen, eine Hundeloipe, die Gletscherloipe und weitere Nordic-Highlight bietet die Destination.

Alles in allem bietet Engadin St. Moritz 190 Loipenkilometer unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. In Maloja, der obersten Ortschaft des Engadins, beginnen die legendärsten 42 km – gemeint ist die Spur der Marathonloipe, die durch das ganze Tal nach S-chanf führt. Seit kurzem ist auch die Seestrecke und somit die gesamte Loipe befahrbar. Der Durchführung des Engadin Skimarathon steht also nichts mehr im Wege. Jährlich zieht der Langlaufanlass zehntausende Breiten- und ambitionierte Spitzensportler an. Der 10. Frauenlauf findet bereits eine Woche früher statt und wird über eine Distanz von 17 Kilometern von Samedan nach S-chanf ausgetragen.

Auch abseits vom Wettkampf hat das Loipenangebot in Engadin St. Moritz einige Geheimtipps zu bieten. Ein besonderes Erlebnis bietet die Gletscherloipe Morteratsch: Auf einer Länge von 2,5 Kilometern erhalten die Langläufer einmalige Einblicke ins ewige Eis des Berninagebietes. Wer die kräftige hochalpine Frühjahrssonne geniessen möchte, ist auf der 7 bis 10 Kilometer langen Höhenloipe Alp Bondo am Berninapass richtig, die erst ca. Mitte März gespurt wird und ab der Talstation Diavolezzabahn in abwechslungsreichem Gelände verläuft. Keinen Sonnenschutz braucht man dagegen auf der 1.5 Kilometer langen Nachtloipe in Pontresina, oder auf der 2 km Nachtloipe in St. Moritz Bad, die jeweils von 17.00 bis 21.00 beleuchtet sind. Wer mit dem Vierbeiner gemeinsam das Langlaufvergnügen geniessen möchte, dem steht von La Punt bis Zuoz eine Hundeloipe zur Verfügung.

Auf den meisten Loipen der Destination Engadin St. Moritz ist sowohl die klassische als auch die Skating-Technik möglich. Egal, welcher Stil bevorzugt wird – alle Langläufer finden geheizte Wachs- und Umkleideräume vor.

ENGADIN ST. MORITZ - Snownight auf dem Corvatsch - Blick von Silvaplana auf die laengste beleuchtete Skipiste (4.1 km) der Schweiz. Die beleuchtete Piste beginnt an der Mittelstation Corvatsch und geht ueber die Waldkerbe der Surlej-Piste zur Talstation, oberhalb des Ortes Surlej. Im Vordergrund die Lichter des Ortes Silvaplana. Snow-night at Corvatsch - View from Silvaplana towards the longest illuminated ski slope of Switzerland (4.1 km). The illuminated slope begins at the middle station of Corvatsch and goes along the tree notch of the Surlej slope down to the station at the bottom which is just above the houses of Surlej. In the foreground the lights of the village of Silvaplana. Snownight al Corvatsch - Vista da Silvaplana sulla piu lunga pista da sci illuminata della Svizzera (4.1 km). La pista illuminata comincia nella stazione intermedia del Corvatsch e va lungo il bosco della pista Surlej fino alla stazione nella valle al di sopra del paese di Surlej. In primo piano l'illuminazione di Silvaplana. Copyright by ENGADIN St. Moritz By-line:swiss-image.ch/Robert Boesch

ENGADIN ST. MORITZ – Snownight auf dem Corvatsch – Blick von Silvaplana auf die laengste beleuchtete Skipiste (4.1 km) der Schweiz. Die beleuchtete Piste beginnt an der Mittelstation Corvatsch und geht ueber die Waldkerbe der Surlej-Piste zur Talstation, oberhalb des Ortes Surlej. Im Vordergrund die Lichter des Ortes Silvaplana.
Copyright by ENGADIN St. Moritz By-line:swiss-image.ch/Robert Boesch

Mit dem Schneefall verwandelt sich das Tal Engadin St. Moritz in ein glitzerndes Winterparadies. Ob auf dem Berg oder im Tal, auf Skiern oder zu Fuss – Familien mit Kindern profitieren in diesem Winter von ganz besonderen Konditionen in der Ferienregion Engadin St. Moritz. Im Angebot sind das «Familien Winter Special», die «Familienkarte» und das «Ferienwohnung Winter Special». Ganz auf die individuellen Bedürfnisse des Gastes zugeschnitten, sind die Angebote für jedes Budget erhältlich.

Familien Winter Special
Mit dem Angebot «Familien Winter Special» geniessen Familien die unglaubliche Vielfalt an Wintersportmöglichkeiten im schneesicheren Engadin mit einmaligen Konditionen. Fünf bis sieben Übernachtungen in einem der teilnehmenden Hotels, mit Frühstück, sowie Skipass der Oberengadiner Bergbahnen und die freie Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im Oberengadin. Und das Beste dabei ist, zwei Kinder bis zwölf Jahre übernachten im Zimmer der Eltern gratis.

Familienkarte
Aktiv-Urlauber kommen mit der Familienkarte voll und ganz auf ihre Kosten. Denn hier steht der Ski- und Snowboardspass an oberster Stelle. Bei diesem Angebot bezahlen beide Elternteile den offiziellen Tarif, das älteste der Kinder (bis 17 Jahre) bezahlt den offiziellen Kinder- oder Jugendtarif, das zweite Kind (bis 17 Jahre) erhält 30 Prozent Reduktion auf den Kinder- oder Jugendtarif und das dritte Kind (bis 17 Jahre), wie auch jedes weitere Kind, fahren gratis.

Ferienwohnungen Winter Special
Das Oberengadin entdecken und das in absoluter Freiheit. Nichts einfach als das, mit dem Ferienwohnungsspecial. Das Angebot beinhaltet sieben Übernachtungen in einer Ferienwohnung nach Wahl (Freitag bis Freitag oder Samstag bis Samstag) sowie die Nutzung der Bergbahnen und der öffentlichen Verkehrsmittel im Oberengadin. Von Low-Budget bis Luxus, das Angebot ist in allen Kategorien buchbar.

ENGADIN ST. MORITZ - Kempinski Grand Hotel des Bains: Junges und sportliches Luxushotel mit grosszuegigem Wellness-& Beautybereich. Vielfaeltiges gastronomisches Angebot, Kindergarten, moderne Konferenzsaele und Casino. Direkte Anbindung zu Bahnen, Skipisten, Langlaufloipen und Tennisplaetzen. 3 Golfplaetze in der Region. www.kempinski-stmoritz.ch. Young and sporty luxury hotel with generous wellness- and spa areas. Varied culinary offer, kindergarten, modern conference rooms and Casino. Direct access to funiculars, ski areas, cross country slopes and tennis courts. 3 Golf courses nearby. www.kempinski-stmoritz.ch. Copyright by: ENGADIN St. Moritz By-line: swiss-image.ch/Benno Thoma

ENGADIN ST. MORITZ – Kempinski Grand Hotel des Bains: Junges und sportliches Luxushotel mit grosszuegigem Wellness-& Beautybereich. Vielfaeltiges gastronomisches Angebot, Kindergarten, moderne Konferenzsaele und Casino. Direkte Anbindung zu Bahnen, Skipisten, Langlaufloipen und Tennisplaetzen. 3 Golfplaetze in der Region. www.kempinski-stmoritz.ch.
Copyright by: ENGADIN St. Moritz By-line: swiss-image.ch/Benno Thoma

Sterne, Michelin-Punkte und „Master Best of Swiss Gastro“
Mit dem Gourmetrestaurant Cà d’Oro in St. Moritz (Kempinski Grand Hotel des Bains) und dem Kronenstübli in Pontresina (Grand Hotel Kronenhof) wurden dieses Jahr gleich zwei neue Restaurants in Engadin St. Moritz mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet – neben Bumanns Chesa Pirani, welches wiederum zwei Michelin-Sterne erhalten hat. Zudem sind mit Rolf Fliegauf (Ristorante Ecco on Snow, Hotel Giardino Mountain) und Martin Dalsass, der das Talvò in Champfèr von Roland Jöhri übernommen hat, seit Dezember zwei neue Köche in der Region, welche bereits mit Michelin-Sternen ausgzeichnet wurden. 34 Restaurants mit insgesamt 481 GaultMillau-Punkten sowie das Restaurant Vivanda in Brail mit der Auszeichnung „Master Best of Swiss Gastro“ machen Engadin St. Moritz definitiv zum Hochtal für Feinschmecker.

Lokale Spezialitäten
Wer es lieber etwas rustikal mag und einmal typisch Bündnerische Spezialitäten ausprobieren möchte, wird in Engadin St. Moritz fündig. Besonders urchig ist das Restaurant Dorta in Zuoz: Im einem der ältesten Bauernhäusern des Engadin werden im typischen Bündner-Dorf lokale Gerichte wie Capuns, Plain in Pigna und Maluns serviert. Und das Restaurant Bellavista in Surlej ist bekannt für seine Wildgerichte aus eigener Jagd.

In den Saisonrandzeiten reisen – und profitieren
Wer in der Vor-, Zwischen- oder Nachsaison reist und den Gourmet-Ausflug nach Engadin St. Moritz mit Skifahren verbinden will, kann vom Ski & Snowboard Special und einem Preisvorteil von bis zu 30 Prozent profitieren. Die Pauschale ist mit zwei bis sieben Hotelübernachtungen (inkl. Frühstück) buchbar und beinhaltet den Skipass der Oberengadiner Bergbahnen sowie die freie Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im Oberengadin.

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S-Chanf St. Moritz Tourismus AG Foto: Fabian Gattlen

Christian Nowak

 

 

Schweiz: Der Engadiner Skimarathon

Das Massenphänomen Engadiner Skimarathon

Der Engadiner Skimarathon ist die größte Skilanglaufveranstaltung der Schweiz, weltweit ist nur der berühmte Wasalauf in Mittelschweden noch größer. Seit 1969 treffen sich mittlerweile mehr als 10 000 Skiverrückte an jedem zweiten Sonntag im März zum Marathon auf Skiern.

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Xcountry_06_byFilipZuan

Nur 1991 wurde das Rennen wegen Wärme und Schneemange abgesagt, in allen anderen Jahren lag dank der Lage zwischen 1600 und 1800 m. ü. d. M. immer genügend Schnee. Los geht es in Maloja, das Ziel ist in S-chanf.

Die ersten Kilometer geht es über das Eis von Silsersee und Silvaplanersee – bretteben und im Geschwindigkeitsrausch, angetrieben durch Adrenalin, Motivation und Tausende Mitläufer, die gefühlt alle an einem vorbeilaufen. Die erste Gemeinheit ist der Anstieg zur olympischen Sprungschanze von St. Moritz. Hier wird gedrängelt, gegrätscht, geflucht und im hinteren Feld staut es sich. Doch das ist nur der Vorgeschmack auf die Schlüsselstelle, den Stazer Wald.

Freeride_09_byFilipZuan

Freeride_09_byFilipZuan

Nach einer kurzen, steilen Abfahrt, die aber fast alle elegant nehmen, geht es beständig bergauf, idyllisch durch den Wald und mit Blick auf einen kleinen See – wenn man denn noch schauen mag oder doch lieber vor Anstrengung nur noch den Blick auf die Skispitzen gerichtet hat. Dann wird es eng, buckelig und kurvig, die Bäume am Rand lassen nur eine schmale Piste frei, mit einer tückischen Mischung aus Eisplatten und Tiefschnee. Die Zuschauer freut es, denn hier gibt es jede Menge Stürze zu sehen. Im Sekundentakt fällt jemand kopfüber in den Tiefschnee, verhaken sich Skier, brechen Stöcke, gut, dass die Bäume am Streckenrand mit orangefarbenen Matten gepolstert sind.

MistyMornings_06_byFilipZuan

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Hat man sich aufgerappelt, geht es in schneller Fahrt hinunter nach Pontresina. Hier hat man dann „schon“ die Hälfte geschafft. Der Sieger und auch die Siegerin sind jetzt vermutlich schon im Ziel, in weniger als 1 ½ Stunden haben sie den Marathon geschafft. Für die Volksläufer geht es aber noch am Flughafen von Samedan entlang, dann nach Zuoz und S-chanf. Zwar eigentlich immer leicht bergab, aber gerade zum Schluss gibt es noch eine zermürbende Wellenschaukel mit kurzen, knackigen Anstiegen und Abfahrten und zu allem Überfluss hängt der Hang auch noch nach links.

ClassicRoseg_01_byFilipZuan

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Hat man sich aufgerappelt, geht es in schneller Fahrt hinunter nach Pontresina. Hier hat man dann „schon“ die Hälfte geschafft. Der Sieger und auch die Siegerin sind jetzt vermutlich schon im Ziel, in weniger als 1 ½ Stunden haben sie den Marathon geschafft. Für die Volksläufer geht es aber noch am Flughafen von Samedan entlang, dann nach Zuoz und S-chanf. Zwar eigentlich immer leicht bergab, aber gerade zum Schluss gibt es noch eine zermürbende Wellenschaukel mit kurzen, knackigen Anstiegen und Abfahrten und zu allem Überfluss hängt der Hang auch noch nach links.

Text: Christian Nowak

Schweiz: Hermann Hesse am Luganer See

Lugano

Spaziergänge auf den Spuren Hesses

Lugano: Zwischen Schnee bedeckten Gipfeln und üppig sprießenden Palmen im südlichen Tessin

Gegensätze ziehen sich an am Luganer See: Die üppig sprießenden Palmen und die schneebedeckten Berge, uralte Kirchlein und modernste Architektur, Dolce Vita und Extremsport. Das Tessin, die südlichste Region der Schweiz, ergänzt sich durch die Nähe zu Italien zu einer harmonischen Symbiose, die den Gast schnell gefangen nimmt und ihn nicht wieder loslässt.

Dieser Faszination ist bereits Hermann Hesse Anfang der 20. Jahrhunderts erlegen. Als „heruntergekommener Literat auf der Suche nach einer Bleibe“ kam der Deutsche 1919 nach Lugano und dessen Nachbarort Montagnola. Das kleine Örtchen bot ihm Inspiration für meisterliche Werke wie „Siddharta“, „Klingspors letzter Sommer“ oder auch „Steppenwolf“. Aber auch das nötige Maß an Ruhe und Erholung in der Natur. Weit konnte Hesse seinen Blick auf den Luganer See und die beiden Berge, den Monte San Salvatore und den Monte Brè schweifen lassen oder zu ausgedehnten Spaziergängen durch die Hügel rund um den See und die heutige Bankenmetropole in der Bucht wandern. Hesse in Lugano

Auf seinen Spuren sind zahlreiche Hesse-Fans Jahr für Jahr unterwegs. Und in diesem Jahr werden zu seinem 50. Todestag wohl noch mehr kommen. Sie pilgern nach Montagnola und ins Hesse-Museum, das unter der Leitung von Regina Bucher viel Wissenswertes über den Menschen, den Künstler und sein Werk zusammen getragen hat. Direkt neben der Casa Camuzzi, wo der Schriftsteller und Maler eine Bleibe fand, ist auf mehreren Stockwerken eine umfassende Schau mit Manuskripten und Briefen, Gemälden und seiner alten Schreibmaschine zu sehen. Und sie werden in Scharen an sein Grab auf dem kleinen Friedhof des Ortes pilgern. Per Audioguide mit Hesse im Ohr darf man sich aber auch zu „seinen“ Spaziergängen durch den Ort aufmachen, vorbei an Olivenbäumen, Zypressen und Maronenbäumen und mit seiner Faszination der Landschaft im Herzen.

Sicherlich hat bereits Hesse den faszinierenden Ausblick vom Monte Brè, den Hausberg der Luganesen genossen. Ob er auch des öfteren mit der Standseilbahn zum Gipfel auf 933 Metern Höhe gefahren ist? Seit 100 Jahren befördert die Bahn die Besucher nach oben, um von dort einen atemberaubenden Blick auf den Ceresio, das „Horn“ wie bereits die Etrusker den See bezeichneten, zu genießen. Und zum gegenüberliegenden Monte San Salvatore, den bereits seit 1890 eine Seilbahn für Ausflügler erschließt.

Ob Hesse bei seinen Besuchen in Lugano auch am traditionsreichen Grand Hotel Villa Castagnola, am Fuße des Monte Brè, vorbeigekommen ist? Das Haus, das 1880 von einer russischen Adelsfamilie als Winterresidenz erbaut worden war und schon wenige Jahre später als Hotel fungierte, bietet mit seinem fünf Sternen jeden nur erdenklichen Komfort. Und zudem noch von fast allen Zimmern aus einen herrlichen Blick auf den Luganer See und einen wunderbaren Park. Duftende Kamelien und das frische Gelb der Forsythien umgeben gerade im Frühling die hoch in den Himmel ragenden Palmen und die verschiedenen Kunstwerke im Park. Denn Familie Zorloni bietet Künstlern immer wieder die Gelegenheit, nicht nur im Freien, sondern bei wechselnden Ausstellungen auch im nahe gelegenen Restaurant „Arté“ ihre Werke bei kulinarischen Genüssen von Sternekoch Frank Oerthle zu präsentieren. Übrigens stammt er wie Hermann Hesse aus Calw im Schwarzwald.

Kunst trifft man in der Stadt am See auf vielfältige Weise. Und wer sich die Gassen der Altstadt oder den Park Giani, die grüne Lunge Luganos, nicht selbst erschließen möchte, hat mit Christa Branchi eine kompetente Führerin. Vorbei an moderner Architektur, vor allem aus der Feder des berühmten Mario Botta, geht es über den Markt- und Festivalplatz durch die Gässchen der Altstadt. Beim ehemaligen Nonnenkloster, das heute das Grand Café al Porto beherbergt, bekommt man Lust auf verführerische Schokoladenkreationen, wenige Meter weiter baumeln zahlreiche Riesensalami in der Eingangstür eines Geschäfts. Das Ziel ist aber die fast unscheinbare Kirche Santa Maria degli Angioli. Jede Kirche sei ein Schmuckkästchen, sagt Branchi. Aber dieses ist ein ganz besonderes: Der Lettner ist mit einem kompletten Kreuzigungsfresko von Bernardino Luini ausgemalt. Und ein „Abendmahl“-Fresko vervollständigt das Werk. Lugano

Das milde Klima am Luganer See hat schon vor Jahrzehnten wohlhabende Winterfrischler angelockt. Und in diesem Klima genießen nicht nur Tessiner und Touristen. „Die Region hat von allen Kontinenten Vegetation“, zählt Christa Branchi von der Bananenstaube bis zur Zaubernuss viele exotischen Pflanzen auf, die sich hier heimisch fühlen. Das Tessin ist aber schon immer eine arme Gegend gewesen, wo man aß, was die Natur einem bot. Diesem Grundsatz der regionalen, bodenständigen Küche haben sich auch viele der typischen Grotti verschrieben, wie das Grotto Morchino von Pier und Marion Olgiati in Pazzallo, hoch über Lugano. Selbst Hesse soll hier auf seinem Weg nach Carona gespeist haben. Nach einem kräftigen Risotto mit Zinkarlin-Käse aus dem Valle di Muggio und einer aromatischen Kastanienrolle darf man sich noch ein „Mez‘ e Mezzo“ gönnen. In einer Tessiner Tazzina, einer breiten Tasse, wird Rotwein mit Limo gemischt. So ist man gut gestärkt für eine Wanderung auf Hesses Spuren.

Diana Seufert

Weitere Informationen unter www.ticino.ch oder  www.villacastagnola.com

 

 

 

 

Schweiz: Auf Bärenpirsch in den Alpen

Im Schweizerischen Nationalpark sind wieder Luchse, Bartgeier und Braunbären heimisch – darunter Verwandte des berühmt-berüchtigten „Problem-Bären“ Bruno.

EmJay war unartig. Dieser Kerl hat keine Manieren! Vor allem, wenn ihm der Duft seiner Leibspeise in die Nase steigt: frischer Honig. Dann können auch verschlossene Fenster und Türen den Jungbären nicht zurückhalten. „Da möchte ich nicht dabei gewesen sein“, sagt der erzürnte Imker beim Anblick seines zerstörten Bienenhauses: die Scheiben zerbrochen, Holzbohlen zerfetzt, Türen aus den Angeln gerissen. Rund um den Schweizerischen Nationalpark im Engadin ist dieser Anblick keine Seltenheit mehr: Seit einigen Jahren ziehen wieder Braunbären durch den östlichsten Winkel des Landes. Sie stammen aus dem italienischen Trentino, wo die letzten Alpenbären überlebt haben – verstärkt durch ausgesetzte Tiere aus Slowenien, die den Bestand sichern sollen. Inzwischen wächst die Population und Jungtiere wandern ab, um sich ein eigenes Revier zu suchen.

Brotzeit mit Murmeltieren

„Dabei kommen bei manchen Urängste hoch“, sagt Nationalparkchef Prof. Dr. Heinrich Haller. „Die Leute fragen, warum wir jetzt wieder Bären brauchen, die wir doch eigentlich ausgerottet hatten.“ Im Jahr 1904 hatten Jäger den letzten Bären der Schweiz erlegt. Auch dieses Jahr erwarten die Ranger im Schweizerischen Nationalpark wieder pelzigen Besuch. Der 1914 gegründete, einzige Nationalpark der Schweiz ist ideal zur Tierbeobachtung: Rothirsche, Gämsen, Steinböcke, Adler und Murmeltiere lassen sich in der Hochgebirgsregion ungestört erleben. Mehrere Bartgeier-Paare brüten wieder rund um den Park. Seit einigen Jahren werden auch Luchse gesichtet, und im vorletzten Winter hinterließen Wölfe zum ersten Mal ihre Spuren. Sitz des Parks ist Zernez, auf den ersten Blick ein typisches Alpendorf, mit Bauernhöfen und weidenden Kühen, geraniengeschmückten Hotels und einer kleinen Kirche mit Spitzturm. Inmitten des Idylls fällt ein Fremdkörper ins Auge: zwei ineinander verschmolzene Würfel aus Beton, mit breiten, symmetrischen Fenstern und einem flachen Dach: das neue Besucherzentrum. Hier kann man sich einer geführten Wanderung anschließen oder ein Tagesprogramm maßschneidern lassen: Zum Frühstück einen Blick auf weidende Gämsen, zur Brotzeit eine Alm mit Murmeltieren, und später einen Bären.

Mutprobe Ameisenhaufen

„Gämsen und Murmeltiere sind kein Problem“, sagt Exkursionsleiter Peter Roth zu Beginn der Tour auf einem alten Saumpfad zur Alp Grimmels. „Einen Bären kann ich Ihnen aber nicht versprechen.“ Eigentlich könnte der ehemalige Parkranger seinen Ruhestand genießen. Stattdessen stapft Roth immer noch hin und wieder mit schmauchender Pfeife an der Seite von Besuchern durchs Gelände. Wo Städter zunächst nur Bäume und Berge sehen, entdeckt der Experte unzählige Spuren von Mensch und Tier: Er fokussiert sein Fernglas auf Schmelzöfen aus dem Mittelalter und Geschützstellungen des letzten Krieges, erklärt die wechselseitige Abhängigkeit zwischen dem Tannenhäher und den Zirbeln und pirscht vorsichtig an die scheuen Gämsen heran. Nach einer Weile können seine Zuhörer die Losung der Waldbewohner unterscheiden: Hell und rund? Ein Schneehase! Groß und dunkel? Ein Rothirsch! Klein und bröckelig? Eine Gams! Erst als es darum geht, die Hand in einen wuselnden Ameisenhaufen zu legen, um dann an der Ameisensäure zu schnuppern, geben einige auf.

Bruno und seine Familie

Roth war auch Zeuge, als 2005 der erste Braunbär auftauchte – mit Hunderten von Fans im Gefolge, die zum Public-Bären-Viewing anrückten. Sie tauften das Tier Lumpaz, Lausbub. Für die Wissenschafter war der Bär nur „JJ2“, englisch JayJay ausgesprochen. Die Initialen stehen für die Namen der Elterntiere Joze und Jurka. Doch Lumpaz verschwand noch im gleichen Jahr spurlos, vermutlich ein Opfer von Wilderern. Im folgenden Jahr nahm auch sein Bruder JayJay 1 ein unrühmliches Ende: Er ging als Problembär Bruno in die Geschichte ein – 2006 wurde er in Bayern erlegt. „Jurka hat Schuld“ hieß es danach: Die Bärenmutter war auf Nahrungssuche immer wieder in Ortschaften eingedrungen und hatte dieses Verhalten auch ihrem Nachwuchs beigebracht.

Die Alp Grimmels

Nach einer Stunde ist die Alp Grimmels erreicht. Schrill pfeifen die Murmeltiere zur Warnung und tauchen in ihre Höhlen ab. Die Wandergruppe lässt den Blick über das Postkarten-Panorama schweifen. „Die Entwicklung der Natur ohne menschliche Einflüsse nehmen wir hier besonders ernst“, sagt Roth. Für den Besucher bedeutet dies: keine Zelte, keine Hunde, keinen Lärm, kein Verlassen der Wege. Durch die strengen Regeln gibt es noch Täler, die seit Jahrzehnten von keinem Menschen betreten wurden. Nach dem Picknick folgt der Abstieg. Der letzte Winter sei besonders hart gewesen, erklärt Roth angesichts der verbliebenen Schneefelder am Wegesrand. Die aufmerksamen Blicke der Wanderer nach Bärenspuren bleiben heute jedoch vergeblich. „Das Engadin hat sich inzwischen gegen durchziehende Bären gewappnet“, sagt der Wanderführer: mit bärensicheren Mülleimern, besonders wehrhaften Hütehunden und Elektrozäunen für Bienenhäuser.

© Oliver Gerhard

Infos:

Anreise: Swiss Air fliegt von zahlreichen deutschen Städten nach Zürich (www.swiss.com). Weiter mit der Bahn nach Landquart. Von dort mit Rhätischer Bahn und Postauto bis nach Zernez. Die meisten Ausgangspunkte der Wanderungen sind mit dem Postbus erreichbar.

Hotels/Restaurants: Hotel Parc Naziunal, historischer Gasthof mitten im Nationalpark, Restaurant mit Wildgerichten und Bündner Küche, am Ofenpass, Zernez, Tel. 0041-81-856 12 26, www.ilfuorn.ch.

Hotel Bär & Post, familiäres Traditionshaus im Zentrum von Zernez, Restaurant mit internationaler und regionaler Küche, Tel. 0041-81-851 55 00, www.baer-post.ch.

Hotel Crusch Alba, frisch renovierte Zimmer in einem Haus aus dem 15. Jahrhundert, Restaurant mit Bündner Spezialitäten in historischen Räumen, Sta. Maria im Münstertal, Tel. 0041-81-858 51 06, www.hotel-cruschalba.ch.

Auskunft: Schweiz Tourismus, Rossmarkt 23, 60311 Frankfurt, Tel. 00800-100 200 30 (kostenlos), www.myswitzerland.com.

Schweiz: Silvesterchlausen

 

Nur im Appenzellerland wird der Beginn des neuen Jahres zwei Mal gefeiert – aus alter Tradition auch mit dem Silvesterchlausen

Um fünf Uhr in der Früh ist die Winternacht im Appenzellerland noch stockdunkel und klirrend kalt. Doch in einigen Wirtshäusern brennt schon Licht, denn hier machen sich die Silvesterchläuse fertig. Jede Gruppe besteht aus fünf bis acht Männern, die Einheimischen sagen dazu Schuppel. Die Männer schlüpfen in Frauenkleider mit weißen Spitzenschürzen oder in bunte Kniebundhosen aus Samt. Baumwollhauben werden gebunden, weiße Handschuhe angezogen, die lächelnde Larve mit der kleinen Blume im Mundwinkel gerichtet. Zum Schluss müssen noch die gewichtigen Kuhglocken, die Rollen und Schellen, geschultert und die riesigen Hüte aufgesetzt werden. Auf diesem Kopfschmuck – groß wie ein Wagenrad – ist ein ganzes bäuerliches Leben en miniature zu sehen. Kleine geschnitzte Figuren sind bei der täglichen Arbeit zu beobachten, manchmal tragen die Männer sogar ganze Almen auf dem Kopf. Der Vorrolli, der Anführer des Schuppel, trägt 13 Glocken vor Brust und Rücken und hat einen solch gewaltigen Kopfschmuck, das er nur noch im Entengang durch die Tür ins Freie kommt. Wenn dann endlich alles gerichtet ist, bricht die Truppe noch bei völliger Dunkelheit im Gänsemarsch auf und macht sich im Laufschritt auf den Weg zum ersten Bauernhof. Für die Chläuse wird es ein langer und anstrengender Tag, denn Masken und Glocken bringen es auf 30 Kilo und der Weg von Hof zu Hof, berauf, bergab durchs Tal und bis hinunter ins Dorf, ist weit.

Ein uralter Brauch

Hier in Urnäsch, einem kleinen Dorf mitten im schweizerischen Appenzellerland, am Fuße des Säntis, gehen die Uhren anders. Denn wenn überall woanders das neue Jahr schon fast zwei Wochen alt ist, wird hier noch einmal Silvester gefeiert und das obendrein noch mit einem einzigartigen Brauch, dem Silvesterchlausen. Die Wurzeln dieses Brauchtums kennt hier niemand mehr, vielleicht stammt es aus dem Mittelalter, vielleicht hat es aber auch einen heidnischen Ursprung. Die Kirche jedenfalls hat das Chlausen nie gerne gesehen. Früher lebten sie hier nach dem julianischen Kalender, doch als irgendwann der Papst, den sie als Protestanten sowieso nicht besonders mochten, den gregorianischen Kalender einführte und sich damit der Beginn des neuen Jahres verschob, feierten sie Silvester kurzerhand zwei Mal: Nach dem neuen Kalender am 31. Dezember, aber auch weiterhin nach dem alten am 13. Januar.

Gesang und Geläut

Auf jedem Hof werden die Chläuse freundlich empfangen, denn es ist eine besondere Ehre, ein Schuppel auf dem Hof zu Gast zu haben. Anfangs werden die Glocken und Schellen zum Klingen gebracht und dann stimmen sie ihr Zäuerli an, einen hohen Männergesang, der weit durchs Tal schallt und noch am ehesten einem Jodler ohne Worte ähnelt. Der Hausherr und seine Familie lauschen andächtig und ergriffen, auch die wenigen Zuschauer können sich der Faszination dieses eigenartigen Gesanges nicht entziehen. Drei Mal wiederholt sich das Schauspiel von Gesang und Geläut, dann wünschen die Chläuse allen mit kräftigem Händedruck ein gutes Neues Jahr. Zum Dank bekommen sie Glühwein, den sie mit einem Strohhalm durch die Maske trinken. Dezent nach Schweizerart wechselt bei dieser Gelegenheit ein Geldschein den Besitzer.

Schöne und wüste Chläuse

Gegen Mittag haben die Chläuse alle Einzelgehöfte besucht und nähern sich dem Dorf. Immer noch sieht man die einzelnen Gruppen von Haus zu Haus ziehen, mittlerweile aber unter den Augen vieler Zuschauer. Die feierliche Stimmung der dunklen, kalten Morgenstunden verwandelt sich immer mehr in ein Volksfest. Nun treffen auch die einzelnen Gruppen zusammen, die schönen Chläuse wetteifern mit den Schö-Wüschten und den Wüsten. Die wüsten Chläuse sind wahrscheinlich die ursprünglichsten und am spektakulärsten anzuschauen. Die Gesichter hinter Furcht einflößenden Masken verborgen, gleichen sie in ihren Umhängen aus Heu, Stroh, Reisig oder Ästen laufenden Bäumen und Büschen. Doch wenn sie ihre Glocken läuten und den melodischen Gesang anstimmen, geht von ihnen die gleiche Faszination aus. Die Schö-Wüschten schließlich sind eine Mischung aus den beiden anderen, bei ihren Kostümen sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Doch alle Kostüme bestehen aus Naturmaterialien, die Gesichter sind hinter Tannenzapfenmasken verborgen, die Umhänge bestehen aus Moos, Flechten oder Rinde. Am Nachmittag verlagert sich das Geschehen dann immer mehr in die Gasthäuser, wo die Schuppel mit den Gästen bis weit nach Mitternacht trinken und feiern und immer mal wieder ein Zäuerli zum Besten geben.

Christian Nowak

 

Schweiz: Beim Kaiser vom Bodensee

Thurgau Tourismus,  Ermatingen am Untersee

„Echt Schweiz – ganz ohne Berge“ ist das Motto des Kantons Thurgau am Ufer des Bodensees. In dieser uralten Kulturlandschaft haben seit Jahrhunderten Mönche ihre Klöster gebaut, Könige sich Residenzen und Künstler ihre Ateliers errichtet.

Die Landschaft ist licht und hübsch…Sie sollten einmal kommen“, schrieb Hermann Hesse, der viele Jahre in Gaienhofen auf der deutschen Seite am Untersee, dem westlichen Teil des Bodensees, lebte. Eine Empfehlung, die ebenso für den Kanton Thurgau gilt. Die liebliche Landschaft mit malerischen Dörfern und Schlössern, mit Obstplantagen und  Weinbergen hat einen eigenen Zauber.

Auf einer Landzunge gegenüber der Insel Reichenau liegt Ermatingen am Ufer des Untersee. Dass der beliebte Ferienort über Jahrhunderte ein Fischerdorf war, daran erinnern die sechzig Jahre alten und elf Meter langen Fischerkähne an der Uferpromenade. Heute fahren nur noch sieben Berufsfischer zum Netzfischen auf den See. Felchen, Egli oder Hecht und Seeforelle kann man dennoch in einem der zahlreichen Restaurants genießen – so im Fischerlokal „Seegarten“ oder dem mehr als 500 Jahre alten Hotel Adler. Ch. Seiffert, Hotel AdlerDas prachtvolle Fachwerkhaus mit einem bunten Freskenband, das1926 von einem spanischen Maler gemalt wurde, gilt als ältestes Restaurant der Schweiz. Im Gästebuch sind Namen vieler Prominenter zu finden – so Königin Hortense, die Schriftsteller Dumas und Hesse, Graf Zeppelin. Beim Bummel durch die schmalen Gassen bezaubern immer wieder die schönen Fachwerkhäuser, die Behäbigkeit oder Gemütlichkeit ausstrahlen. Manch idyllischer Winkel ist zu entdecken und über die kleinen Gärten am Ufer geht der Blick auf den See, auf dem unzählige weiße Segel in der Sonne blinken.

Bekannt geworden ist Ermatingen besonders durch den nahen Arenenberg, auf dem sich ein kleines Stück Weltgeschichte ereignete. Seit dem Mittelalter war der Arenenberg einer der begehrtesten Landsitze am Bodensee. Es war das Frühjahr 1816, als Königin Hortense de Beauharnais, Stieftochter und Schwägerin Napoleons I., nach ihrer Flucht aus Frankreich dieses bezaubernde Fleckchen Erde kennen lernte und beschloss, hier ihren kleinen Exil-Hofstaat zu errichten. Durch den Umbau der alten Schlossanlage entstand eine „Insel“ französischer Kultur am Bodensee. Nach dem Vorbild der berühmten Pariser Salons ihrer Mutter, der Kaiserin Josephine, gelang es ihr, auf dem Arenenberg ein internationales gesellschaftliches Leben im sonst so provinziellen Bodenseegebiet zu etablieren. Bedeutende Wissenschaftler, Politiker, Künstler wie List und Schriftsteller wie Chateaubriand, Duma und Delavigne waren hier zu Gast.

Thurgau Tourismus, Napoleonmuseum

 Rund um das Schloss ließ die botanisch interessierte Königin einen für damalige Verhältnisse spektakulären Park nach den wichtigsten Elementen zeitgenössischer Gartenbaukunst anlegen. Nach seinem Vorbild entstanden entlang des Bodensees bis nach Schaffhausen zahlreiche herrschaftliche Parkanlagen, die als „Cote Napoleon“, die napoleonische Küste bezeichnet wurden. In diesem Umfeld erlebte der junge Prinz Louis Napoleon und spätere Kaiser Napoleon III. einen Teil seiner Kindheit und Jugend. Später kehrte der letzte Monarch Frankreichs mit seiner Frau Eugenie hierher zurück, bevor er 1873 im Exil in England starb. Bis 1906 war der Arenenberg im Besitz der Bonapartes, dann schenkte Kaiserin Eugenie Schloss und Park dem Kanton Thurgau.

Als Napoleonmuseum lockt das schönste Schloss am Bodensee nun Besucher aus aller Welt an. Seinen französischen Charme hat das Ensemble bis heute bewahrt. Mehr als dreißig Räume können besichtigt werden. Und so flanieren die Gäste in Filzpantoffeln durch den Wintergarten und die Salons, das Boudoir und Schlafzimmer der Königin Hortense, bewundern die wertvollen Bücher in der Bibliothek und die mit edlem Porzellan gedeckte Tafel im Speisesaal, können am Schreibtisch des Kaisers Platz nehmen und vom prächtigen Salon der Kaiserin Eugenie die Aussicht auf den See genießen. Erst vor einigen Jahren entdeckt und frisch restauriert präsentiert sich das Kaiserbad im Prinzenflügel. Krönender Abschluss des Museumsbesuchs ist ein Spaziergang durch den Park mit seinen Fontänen, Grotten, dem Nymphäum und Wasserfällen. Immer wieder bezaubert der traumhafte Blick auf den See und die Insel Reichenau. Obwohl nur 12 Hektar groß, gehört der Park durch seine einzigartige Lage und Schönheit zu den bedeutenden europäischen Landschaftparks.

Christel Seiffert

 

Schweiz: Ladies Week in Engelberg

Skipass gratis

Egal ob mit der besten Freundin oder sogar dem Ehemann – in Engelberg befahren Frauen die Pisten des Schweizer Skidorados vom 18. bis 26. Januar 2014 gratis. So einfach geht’s: Weibliche Gäste, die ihre Unterkunft (Hotel oder Ferienwohnung) während der so genannten „Ladies Week“ für vier oder mehr Nächte in Engelberg buchen, bekommen einen Voucher zugesandt, mit dem sie ihren kostenlosen Skipass dann direkt im Tourist Center vor Ort abholen können und so mindestens 206 Schweizer Franken (166 Euro) sparen. Beim Ausleihen von Ski oder Snowboard erhält Frau ebenso einen Vorzugspreis und bezahlt anstatt dem Preis für vier Tage nur eine Gebühr für zwei Tage (analog dazu: fünf Tage mieten, drei bezahlen, sechs Tage mieten, vier bezahlen). Das macht eine weitere Ersparnis von 50 Schweizer Franken (40 Euro) pro Tag aus. Einzige Bedingung: Die Buchung muss für den oben genannten Zeitraum erfolgen und kann nur über Engelberg-Titlis Tourismus abgeschlossen werden.

Schweiz: Der Rheinfall von Schaffhausen

Micha L. Rieser

Zwei Perlen am Strom

Sie gehören zu den schönsten und besterhaltenen mittelalterlichen Städten im Land der Eidgenossen: das bezaubernde Schaffhausen und das märchenhafte Stein am Rhein

Da müssen wir rauf, sagt Patricia Seif und zeigt nach oben, wo die Turmspitze des Munot in den zartblauen Himmel ragt. Hoch über der Stadt gelegen, ist die Festung ist das Wahrzeichen Schaffhausens und ein beliebter Treffpunkt von Einheimischen und Touristen. Eine Autostraße und ein Treppengang führen nach oben. Wir gehen zu Fuß  treppauf und genießen immer wieder den Blick auf die Dächer der verwinkelten Altstadt . Ein Burggraben, auf dessen Rasen ein Rudel Hirsche weidet, umgibt den kreisrunden wuchtigen Bau. 25 Jahre habe es gedauert, bis die in Fronarbeit der Schaffhausener Bürger errichtete Festung 1589 fertig war, weiß unsere Stadtführerin zu berichten. Vom Innern der mächtigen Halle aus vier bis sechs Meter dicken Sandsteinquadern führt ein Wendelgang nach oben – keine Treppe, sondern ein breiter Weg, denn einst sollten Menschen und Güter durch Pferde auf die Zinne befördert werden.

Blick auf Schaffhausen  Foto: Christel Seiffert

 400 Jahre Tradition

Von jeher war der Turm bewohnt, und wenn der Munot-Wärter jeden Abend um neuen Uhr das „Glöggli“ schlug, war es das Zeichen, das die Stadttore geschlossen wurden. Mehr als vierhundert Jahre hat sich diese Tradition erhalten. Heute ist es Christian Beck, der genau um 21 Uhr fünf Minuten lang von Hand die Glocke schlägt. Mit seiner amerikanischen Frau und dem Pudel bewohne er die fünfeinhalb Zimmerwohnung im Turm, sagt Patricia. Von der Zinne bietet sich ein herrlicher Blick auf die Stadt, den Rhein und das Umland. Hier oben werde auch gern gefeiert – es gibt open-Air-Kino, Konzerte und Kinderfeste unter freiem Himmel. Ein besonderes Ereignis sei immer der Munotball in historischen Kostümen, schwärmt sie. Schon seit dem 19. Jahrhundert gibt es einen Munotverein, der sich um die Pflege und Erhaltung dieses Wahrzeichens kümmert. An seinen Gründer erinnert eine Gedenktafel auf der Zinne. Durch Weinberge führt eine schmale Treppe zur Unterstadt und zur Schifflände, an der Ausflugsdampfer für eine Rheinfahrt ankern. Dort ist der Güterhof ein neuer Treffpunkt der Schaffhausener. In einer ehemaligen Lagerhalle wurde vor fünf Jahren ein attraktives Restaurant mit offener Küche eröffnet. Von der großen Terrasse kann man wunderbar den Sonnenuntergang beobachten, weiß Frau Seif. Seit 2004 begleitet sie Gäste in deutsch, englisch, französisch und spanisch zu den Sehenswürdigkeiten Schaffhausens. Nach Jahren mit Mann und Kind im hektischen London genießt sie jetzt das Leben in der kleinen Stadt. Ganz bewusst hat sich die Familie das bezaubernde Schaffhausen als neue Heimat gewählt – hier sei es beschaulich, ländlich und der Weg zur Großstadt nicht weit. Patricias Mann arbeitet in Zürich und fährt täglich dorthin.

Stadt der 171 Erker

Einer der schönsten Erker  Foto: Christel SeiffertLebendiger Mittelpunkt Schaffhausens ist der blumen- und brunnengeschmückte Fronwagplatz. Im Mittelalter standen hier die Marktstände der Bauern, Bäcker und Metzger, im Fronwagturm mit der astronomischen Uhr befand sich die große Messwaage, mit der Güter gewogen wurden, die vom Schiff ausgeladen und unterhalb des Rheinfalls wieder aufgeladen werden mussten. Hier beginnt die autofreie Vordergasse, die nicht nur längste sondern auch schönste Straße der Altstadt. Mit ihren pastellfarbenen Häusern aus Spätgotik, Renaissance, Barock und Rokoko bezaubert sie jeden. Und es fällt schwer, den Blick von den prächtigen stuckverzierten Erkern zu lösen, die Ausdruck des Reichtums ihrer Hausbesitzer waren. Allein in der Vordergasse können 121 der insgesamt 171 Erker bewundert werden. Und die Plätze in den Erkern der Restaurants sind stets heiß begehrt, weiß die Stadtführerin.  „Die Lust zu sehen ohne gesehen zu werden treibt in dieser Stadt seltsame Blüten“, soll schon Goethe bei seiner Reise durch die Schweiz festgestellt haben. Jeden Sonnabendvormittag lockt der große Bauernmarkt Besucher aus der ganzen Umgebung in die Vordergasse. Dann flaniert man auch am prächtigsten Bürgerhaus, dem Haus der Ritter, vorbei. Seine  Fassadenbemalung gehört zu den bedeutendsten Renaissancefresken nördlich der Alpen. Mitte der 1930ger Jahre wurden die Originalfresken abgelöst, konserviert und sind nun im Museum zu Allerheiligen ausgestellt. Doch auch mit der meisterhaft neu erstellten Bemalung ist das Haus eine Augenweide und beliebtes Fotomotiv. Etwas Zeit sollte man sich auch nehmen für den Münsterplatz mit dem berühmten Kreuzgang und Münster zu Allerheiligen, dessen Turm als einer der schönsten Kirchtürme der Schweiz gepriesen wird.

Grandioses Schauspiel

Doch was wäre ein Besuch in Schaffhausen ohne die erfrischendste Touristenattraktion – den Rheinfall bei Neuhausen. Schon von Weitem hört man sein Donnern und Rauschen. Und es ist ein atemberaubendes Schauspiel zu sehen, wie sich gewaltige Wassermassen über die Felsen stürzen. Einem Vergleich mit den Victoriafällen würde er nicht Stand halten, aber immerhin – er ist der größte Wasserfall Europas: 150 Meter breit, 23 Meter hoch und rund 600.000 Liter Wasser fließen in jeder Sekunde hinunter. Nur der einsame Felsen in der Mitte, auf dem stolz die rote Fahne mit dem weißen Kreuz flattert, kann der tosenden Wasserkraft dauerhaft widerstehen. Dorthin fahren im Minutentakt die kleinen, meist überdachten Boote, nah an den zischenden und sprühenden Hexenkessel heran. Mutige steigen dann über Leitern ganz nach oben und erleben eine erfrischende „Dusche“. Für den Rückweg nach Schaffhausen empfiehlt Patricia Seif den Rhyfall-Express, einen kleinen roten Zug, der gemächlich bis zum Herrenacker in der Altstadt tuckert.

Wie aus einem Märchenbuch

Fronwagplatz   Foto: Christel SeiffertEs heißt, die Rheinfahrt von Schaffhausen nach Konstanz sei eine der schönsten Schifffahrten Europas. An Bord eines der eleganten Ausflugsschiffe zieht die grüne Flusslandschaft beschaulich langsam vorbei. Nach zwei Stunden ist Stein am Rhein erreicht. Ein Städtchen, als sei es einem Märchenbuch entstiegen. Kopfgepflasterte Straßen, um den Rathausplatz stehen dichtgedrängt reich bemalte Bürgerhäuser, benannt nach den Bildern, die sie schmücken. Da gibt es die Sonne, das Schwarze Horn, den Weißen Adler, Rothen Ochsen und Steinerner Trauben. Und Lore Vetterli weiß zu jedem eine Geschichte zu erzählen. So sei der Rothe Ochsen die älteste Taverne, der Weiße Adler dürfe sich rühmen, die frühesten erhaltenen Fassadenmalereien der Renaissance zu haben und der Lindwurm, das einzige Haus mit Empirfassade und einem Museum für bürgerliche Wohnkultur im 19. Jahrhundert, sei als „Europäisches Museum 1995“ ausgezeichnet worden. Ein eigenes kleines Stadtviertel bildet das Klostermuseum St. Georgen, bekannt als eine der besterhaltenen Klosteranlagen der Schweiz. Hoch über dem Städtchen thront die Burg Hohenklingen. Im 13. Jahrhundert von den Freiherrn von Klingen als Wehrburg erbaut, spielte sie im Dreißigjährigen Krieg eine wichtige Rolle als Wachposten. Trotz mehrfacher Restaurierung hat sie sich ihr mittelalterliches Aussehen bewahrt. Vom hölzernen Wehrgang bietet sich ein wunderschöner Blick auf das von seiner Stadtmauer umschlossene Städtchen am Rheinufer.   

Christel Seiffert