Norwegen: Das ruhige Leben der Menschen in Kjerringøy

Einst kamen die Lofotenfischer in Scharen und machten Kjerringøy reich. Als dann der Fischhandel zusammenbrach, verfielen viele Gebäude. Mittlerweile ist aus dem alten Handelsplatz eines der schönsten Freilichtmuseen Norwegens geworden, das an Knut Hamsun und seine Nordlandromane erinnert. Doch die kleine Küstengemeinde inmitten schroffer Berge und der Lofotenwand in Sichtweite lebt nicht nur in der Vergangenheit. Die Kjerringøyer sind ungemein agil, sie malen, töpfern, bauen Nordlandboote, richten Kulturzentren ein und sanieren alte Rorbus.

Der Strandåtind auf Kjerringøy ist Karl Erik Harrs Hausberg. Schon rund 60 Mal hat er das markante Massiv gemalt, zu jeder Jahreszeit und bei allen erdenklichen Lichtstimmungen hat er den Berg auf die Leinwand gebannt. Kein Wunder, dass er gerade den Strandåtind zu seinem Lieblingsmotiv auserkoren hat, denn von der Terrasse seines kleinen, rot gestrichenen Holzhauses hat er einen traumhaften Blick auf die beeindruckende Bergkulisse von Kjerringøy und den alten Handelsplatz auf der gegenüber liegenden Landzunge.

Welch ein Platz zum Leben! In seinem Atelier liegen unzählige ausgedrückte Farbtuben herum, unverkennbar riecht es im ganzen Haus nach Ölfarbe. Harr hat einen unglaublichen Schaffensdrang und arbeitet meist an mindestens einem Dutzend Bildern gleichzeitig. An den Wänden hängen die fertigen und halbfertigen Werke, auf dem Boden stehen die grundierten Leinwände. Doch inmitten dieses Chaos fühlt sich Karl Erik Harr sichtlich wohl, arbeitet konzentriert und strahlt vollkommene Ruhe aus. Wenn er vor seinen Bildern hockt, sieht er mit seinem weißen Bart und der kleinen Brille wie ein alter Seebär aus, der mit haushohen Wellen in unzähligen Blautönen und weißen Schaumkronen kämpft.

Harr zählt schon lange zu den bekanntesten Künstlern Norwegens, mehr als 20 Bücher hat er bisher veröffentlicht, er hat Hamsuns Werke illustriert und schreibt Gedichte. Eine Auswahl seiner Bilder stellt er in seiner Galerie in Henningsvær auf den Lofoten aus. Ohne sein kleines Notizbuch geht Karl Erik Harr nirgendwohin. Computer und Laptops sind nicht seine Welt und so muss sich seine Sekretärin noch immer durch seine handschriftlichen Aufzeichnungen kämpfen. Tag für Tag setzt er sich in sein kleines Boot, das immer auf dem kleinen Sandstrand direkt vor seinem Haus liegt und rudert zum alten Handelsplatz von Kjerringøy hinüber. Bei schönem Wetter findet man ihn dann um die Mittagszeit vertieft in sein Notizbuch Kaffee trinkend und bei einem Stück Kuchen im Garten des Freilichtmuseums. Hier fühlt er sich anscheinend immer noch zu Hause, hat er doch früher in dem Museum gewohnt.

Bergriesen im Meer

Kjerringøy ist ein Platz zum Träumen. Eine Insel der Ruhe vor der nordnorwegischen Küste mit einer grandiosen Landschaft. Hier ist Hektik ein Fremdwort und die Kühe dürfen noch ungestört am Strand spazieren gehen. Auf der Seeseite schweift der Blick und findet erst wieder Halt an den mächtigen Bergen in der Ferne. Dazwischen liegt nur das dunkle Wasser des Vestfjord, das sich bis zur mächtigen Lofotenwand erstreckt. Beim Blick von der Küste ins Inselinnere fallen die schroffen Berge ins Auge, die fast 1000 Meter hoch direkt aus dem Meer aufragen und den Menschen seit jeher nur wenig Lebensraum ließen. Die meisten Besucher kommen zwar im Sommer, aber Kjerringøy hat das ganze Jahr über seine Reize.

Im Sommer lockt die Mitternachtssonne mit ihren unvergesslichen Lichtstimmungen und im Winter erstarrt das Wasser in den kleinen, flachen Buchten zu filigranen Eiswelten. Unentdeckt ist Kjerringøy zwar nicht mehr, dafür lockt das Museum doch zu viele Besucher an, die Insel ist aber noch lange nicht so überlaufen wie die Lofoten. Autos werden von der kleinen Fähre zwischen Festvåg und Misten nur in kleinen Portionen herüber gelassen, sie dosiert den Touristenstrom. So kommen die meisten nur für ein paar Stunden, um sich den alten Handelsort Kjerringøy anzuschauen und am Abend wieder in Richtung Bodø aufzubrechen. Zurück bleiben nur noch die Möwen, die dann die mit Gras bewachsenen Dächer besetzen und mit jedem zetern, der ihnen zu nahe kommt. Allzu Aufdringliche werden von ihnen mit Scheinangriffen in die Schranken gewiesen.

Wie zu Hamsuns Zeiten

Kjerringøy Gamle Handelssted ist ein wunderbar nostalgischer Ort, der sich seit Hamsuns Zeiten nicht verändert hat. Ein gutes Dutzend Holzhäuser in kräftigen Farben auf einer Landzunge, davor eine Landungsbrücke an der auch heute noch die Lofotenfischer anlegen könnten. Doch es dümpeln nur zwei kleine Ruderboote in dem glasklaren, türkisfarbenen Wasser des Fjordes. Früher machten die Fischer auf dem Weg zu den Lofoten hier Station und übernachteten im Handelshaus, dann lagen die Boote dicht gedrängt am Strand.

Das Geschäft mit dem Fischeinkauf und der Fischverarbeitung lief prächtig, die großen Heringsfänge machten den Ort reich. Begonnen hat dieser Aufschwung 1803, als Christian Lorentzen Sverdrup den Betrieb übernahm. Unter seinem Nachfolger Erasmus Benedict Zahl erlebte Kjerringøy dann seine Blütezeit. Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts suchte sich der Handel neue Wege, Kjerringøy verlor an Bedeutung und 1955 musste am Ende auch der Kaufmannsladen schließen. Einige Jahre später übernahm dann die Provinz Nordland den weitgehend verfallenen Komplex und begann mit der Restaurierung der Gebäude.

Heute sind der Laden mit der silbernen Kasse, die gute Stube mit dem kunstvollen Ofen und den feinen Möbeln und die Küche mit Unmengen von feinem Porzellan wieder Schmuckstücke. Hamsun hat hier zwar nie gelebt oder gearbeitet, aber Kjerringøy war für ihn trotzdem ein wichtiger Ort. Erasmus Benedict Zahl war bekannt als Förderer unbekannter Talente, deshalb schrieb der junge Dichter, nachdem er „Der Rätselhafte“ und „Börger“ veröffentlicht hatte, an Nordnorwegens mächtigsten Mann und bat ihn um ein Stipendium. Zahl war nicht abgeneigt und so stand der 20-jährige Hamsun 1879 schließlich vor dem mächtigsten Mann Nordnorwegens. Hamsun wollte hinaus in die Welt und Dichter werden, dafür bekam er von dem Kaufmann als Starthilfe 2000 Kronen, damals eine stattliche Summe. Mit dem Geld in der Tasche fuhr er nach Süden und begann sich seinen Traum vom Schriftstellerdasein zu erfüllen.

Lebendige Filmkulisse

Ulf Mikalsen hat früher als Hausmeister in Kjerringøy gearbeitet. Mittlerweile lebt er mit seiner Frau Ingvild in einem alten Schulgebäude, das sie, nachdem sie jeden Balken und jedes Brett nummeriert hatten, auf einer Nachbarinsel abgebaut und danach in Kjerringøy wieder aufgebaut haben. Ulf ist einer der wenigen Nordlandbootbauer in Norwegen, der in monatelanger Handarbeit nach alten Bauplänen in seiner Werkstatt wahre Kunstwerke aus Holz entstehen lässt. Seine Boote begeistern durch die wunderschön geschwungene Form und mit dem hochgezogenem Bug und Heck wirken sie wie direkte Nachfahren der Wikingerschiffe.

In dem epischen Filmmelodram Jeg er Dina, das in den 1860er Jahren spielt und in Kjerringøy gedreht wurde, waren der alte Handelsplatz und Ulfs Boote unverzichtbare Requisiten. Er selbst durfte sich in dem Film auch als Schauspieler versuchen und zusammen mit Ingvilds Sohn Bjørn die Bootsmänner spielen. Ulf und Ingvild haben auch maßgeblichen Anteil an der Restaurierung und Eröffnung des neuen Kulturzentrums Zahlfjøsen, das gleich neben dem Freilichtmuseum liegt. Das große, wie eine Scheune wirkende rote Gebäude, wurde noch von Erasmus Zahl gebaut und beherbergt heute eine Bibliothek, ein Filmzentrum, eine Galerie und Ulfs Bootswerkstatt. Die zweite Etage dient als Museum, hier werden Filmausschnitte gezeigt, die nach Knut Hamsuns Werken gedreht wurden. Hamsunliebhaber können in rund 20 Ausschnitten schwelgen, von der Rarität aus dem Jahre 1921 bis zu ganz aktuellen Verfilmungen.

Entspricht Ulf ziemlich genau dem Bild des ruhigen, bedächtigen Nordnorwegers ist Ingvild ein überschäumendes Energiebündel mit immer neuen Ideen. Die gebürtige Kielerin, die über Bergen, Trondheim, Stockmarknes und Tromsø nach Kjerringøy kam, könnte mit ihrem Leben ganze Bücher füllen, scheint aber mittlerweile sesshaft geworden zu sein. Ingvild ist sie Keramikkünstlerin, ausgebildet in Bergen, deren Werke mittlerweile über ganz Nordnorwegen verstreut sind. Von den meisten Arbeiten kann sie Besuchern nur noch Fotos zeigen, aber das stört sie nicht weiter, denn in ihrer Werkstatt entstehen laufend neue, eigenwillige Kreationen. In diesem Sommer waren viele ihrer Keramikarbeiten im Kulturzentrum Zahlfjøsen zu sehen.

Text und Fotos: Christian Nowak

Norwegen: Fragmente aus Johan Bojers Roman „Die Lofotfischer“

 

Wenn ganz Norwegen im Winterschlaf liegt, kommt Leben in die Inseln am Polarkreis und die Fischer gehen auf Dorschfang. Dann ist noch ein klein wenig von der hektischen Aktivität zu spüren, die hier Ende des 19. Jahrhunderts herrschte.

Schon seit Menschengedenken kommt im Winter der Dorsch zur Laichablage in die Gewässer vor den Lofoten. Und mit ihm kommen die Fischer aus allen Teilen des Landes. Auch heute noch, selbst wenn durch die jahrelange Überfischung die Quoten drastisch zurückgegangen sind. Wie es einst auf dem Vestfjord zuging, erzählt Johan Bojer in seinem Roman Die Lofotfischer. Es ist die Geschichte vom Kampf der Fischer um die Jahrhundertwende gegen Wind und Wellen, und von ihrer Suche nach Reichtum und Glück. Der Held ist Kristaver Myran, der mit seinem Sohn Lars, Henrik Rabben, Kaneles Gomon, Elezeus Hylla und Arnt Aasan in dem neu gekauften Boot Robbe auf Dorschfang geht. Fragmente aus Johan Bojers Roman Die Lofotfischer und Beobachtungen beim heutigen Dorschfang mischen sich zu einem Kaleidoskop der Lofoten zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

„Für Kristaver Myran war es ein großer Tag. Das, wonach er sich viele Jahre lang in aller Stille gesehnt hatte, war endlich Wirklichkeit geworden. Hier stand er als Führer seines eigenen Lofotbootes. Der bekannte Strand mit den kleinen Häusern verschwand und der frische Landwind trug die “Robbe” durch die Krappseen. Es ging den alten Weg nordwärts, Hunderte von Meilen in Sturm, Frost und Schneegestöber. Denselben Weg, den die Vorfahren seit langen, langen Zeiten gezogen waren.“

Auf Flakstadöya hat man Spuren der ersten Lofotenbewohner gefunden. An der Ostküste der Insel, in der Nähe von Napp, gibt es einen überhängenden Fels, der den Menschen wohl schon vor 6000 Jahren Schutz gegen Schlechtwetter bot. Und in Storbathallaren hinterließen sie eine steinzeitliche Müllkippe, die wie ein offenes Geschichtsbuch ist. So wissen wir heute, daß die Bewohner auf die Jagd gingen, aber auch schon Ziegen und Schafe als Haustiere hielten. Sie waren wahrscheinlich die ersten Lofotfischer, denn in ihrer Müllkippe fanden sich Fischgräten, Angelhaken und primitive Harpunenspitzen. Da die Lofoten zu dieser Zeit noch mit ausgedehnten Kiefern- und Birkenwäldern bedeckt waren, hatten sie auch genug Baumaterial für primitive Boote.

„Auf den Klippeninseln lagen mehrere kleine Hütten mit Rasendach, überragt von der Kirche, dem Krankenhaus, dem Seemannsheim, sowie dem weißen Wohnhaus des “Platzkönigs”. In den Sunden und im Hafen wiegte sich ein Wald von Masten, da lagen Dampfer, Segelschiffe, große und kleine Boote. Mehr als dreißig solcher Fischerplätze gab es auf den Lofoten, in dieser Jahreszeit waren sie alle wimmelnden Städten gleich. Hier waren Fischer von Norden und Süden zusammengeströmt und überwinterten auf einem Küstenstreifen von einigen hundert Meilen.“

Rorbuer gehören wie die wilden Berge und das Meer zum Bild der Lofoten. Es sind bunt gestrichene Holzhäuser, direkt am Wasser oder auf Pfählen über dem Wasser errichtet wurden. Heute werden viele von ihnen als luxuriöse Ferienwohnungen im Sommer an Touristen vermietet. Gebaut wurden sie aber für die Lofotfischer, die ersten wahrscheinlich schon von König Öystein, der im 12. Jahrhundert ein Einsehen mit den Fischern hatte. Trotzdem schliefen auch später noch viele Fischer unter ihren umgedrehten Booten, einen ganzen harten Winter lang. Die Rorbuer wurden von den Besitzern an die Fischer für eine ganze Saison vermietet, als Gegenleistung verkauften sie ihnen ihren Fisch. Die Lebensbedingungen in solch einer Rorbu müssen furchtbar gewesen sein. Sie bestanden aus einem Vorraum für die Gerätschaften und Vorräte und einem Raum, den sich eine ganze Bootsbesatzung, in der Regel 10 Mann, teilte. Hier wurde gekocht, gegessen, geraucht, getrunken und geschlafen. Hygiene war ein Luxus, für den der Lofotenwinter keinen Platz ließ. So stank die Rorbu wohl immer nach nassen Kleidern, Schweiß, Fisch und Tran. Am Abend muß die heiße und feuchte Luft im Innern zum Schneiden dick gewesen sein; am Morgen, wenn der Ofen runter gebrannt war, waren die gefrorenen Sachen von Rauhreif überzogen. Heute wohnen die meisten Fischer zwar beengt, aber doch recht komfortabel, auf ihren Booten.

„Endlich war der erste Fischtag, und lange bevor es hell wurde, lag die Fischerflotte in dichtem Schwarm vor der Ausfahrt in die offene See und wartete, daß die Signalflagge von der Aufsicht gehißt wurde. Die Ruder rieben sich knarrend aneinander, ein Boot rannte gegen den Nachbarn und wurde gleichzeitig von der anderen Seite eingepfercht. Schimpfworte und Flüche erfüllten die Luft, alle wollten zuerst hinaus. Jetzt geht die Flagge hoch, war vorher Gedränge, gibt es jetzt wirklich Spektakel, Ruder werden zerbrochen, Geheul und Geschrei ertönt, hier und da fährt ein Bootshaken in die Höhe, um zu schlagen.“

Der arktische Kabeljau wird von den Norwegern “Skrei” genannt, für uns ist es Dorsch. Nach Neujahr brechen Millionen Fische aus dem Eismeer zu einer Wanderung entlang der norwegischen Küste auf. Erst vor den Lofoten, und besonders im Vestfjord, finden sie ideale Laichbedingungen. Hier werden sie von den Lofotfischern schon erwartet. Einige Fische kommen aber noch zum Laichen und die Eier entwickeln sich zu Larven, die mit der Strömung nach Norden treiben. Ab April ernähren sie sich von Plankton, das sich jetzt sprunghaft vermehrt. Der Zug der Jungfische nach Norden dauert ungefähr drei Jahre, im Alter von sieben bis zehn Jahren werden die Fische geschlechtsreif, und der Kreislauf beginnt von Neuem. Gerät der Kabeljau vor den Lofoten nicht ins Netz, kann er viele Laichzüge unternehmen.

„Die Fischer ziehen mit jedem Angelwurf einen Dorsch an Bord, die Netze sind heute schwer beladen, die Männer ziehen und ziehen, der graue Strom, der über die Rolle geht, ist zottig vor Fischen, hier und da fällt einer herunter und schwimmt mit dem Bauch nach oben. Der Bootsführer stürzt fast kopfüber ins Wasser, wenn er ihn mit der Gaff wieder ins Boot reißt. Heute bleiben sie lange auf See, denn alle Fische müssen aus den Netzen genommen werden, damit diese von Neuem ausgelegt werden können.“

Der gefangene Fisch wurde sofort ausgenommen und paarweise an den Schwänzen zusammengebunden auf große Holzgestelle gehängt. Dort trocknete er in einigen Monaten zu Stockfisch. Die Köpfe wurden ebenfalls zum Trocknen aufgehängt und dann zu Fischmehl verarbeitet. Die Zungen gelten als Delikatesse und wurden traditionsgemäß von den Kindern herausgeschnitten. Aus der Leber wurde Tran gekocht, der Rogen eingesalzen und in Holztonnen gefüllt. Die beste Qualität der Stockfische wird auch heute noch nach Italien exportiert, wo er während der Fastenzeit gegessen wird. Afrika bekommt die minderwertigen Trockenfische und, falls Nigeria, einer der Hauptabnehmer, mal wieder in Finanznöten ist, reicht es nur zum Kauf der getrockneten Fischköpfe. Ein Teil des Fanges wurde früher zu Klippfisch verarbeitet, dazu wurden die Fische ausgenommen, gesalzen und auf den Klippen am Ufer zum Trocknen ausgebreitet. Heute werden zuerst die Kühlhäuser mit Kabeljaufilets gefüllt, bevor die Trockengestelle bestückt werden.

„Sie hatten seit einer Woche kein gekochtes Essen bekommen, sie hatten tagelang gehungert, jetzt mußten sie etwas anderes haben als Kaffee und Fladenbrot. “Mölje!” sagte einer. “Mölje!” stimmten die meisten ein. Das war ein Essen, und es war dieses Jahr noch nicht auf den Tisch gekommen. Henrik trug mehrere Schüsseln mit zerstückeltem Fladbröd herein, dann kam der Topf mit gekochter, dampfender Leber, von der er eine reichliche Portion auf jede Schüssel verteilte. Das Fett glänzte auf den Fladbrödhaufen, jetzt wurde Molkenkäse geschabt und darüber gestreut und schließlich wurde Sirup in langen goldenen Schlangen über das ganze gegossen. Dann wird alles mit dem Löffel verrührt, daß es wie ein Brei wird, Herrgott, das schmeckt!“

Die Lofotfischer brachten ihren Fang nach Bergen und deckten sich danach für ein Jahr mit Vorräten ein. War es ein schlechtes Jahr auf dem Lofot gewesen, mußte der Fischer anschreiben lassen. Da die schlechten Jahre überwogen, waren viele bald hoffnungslos verschuldet. Von 1250 bis 1550 war Bergen fest in der Hand deutscher Kaufleute. Die Hanse lieferte Getreide und diktierte die Preise für Stockfisch. Die großen Zeiten der Lofotfischer sind wohl für immer vorbei. Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts arbeiteten bis zu 30.000 Fischer auf den Lofoten und Fänge von weit über 100.000 Tonnen pro Saison waren keine Seltenheit. Doch bald machte sich der Raubbau bemerkbar, und trotz staatlich limitierter Fangquoten ging es immer weiter bergab. Dann kamen die Seehunde und fraßen den Fischern angeblich die Dorsche weg. Aber die Seehunde verschwanden wieder, und die Dorsche wurden nicht mehr. Ende der achtziger Jahre kamen deshalb nur noch ungefähr 2000 Fischer im Frühjahr auf die Lofoten. Ihnen wurden gerade noch gut 10.000 Tonnen Kabeljau zugeteilt. Wer heute den Lofotfischfang sehen will, der muß genau hinschauen. In jedem Hafen ein paar Boote, eine Handvoll Fischfabriken, aber die hölzernen Gestelle bleiben lange leer. Von der brodelnden Hektik, wie sie um die Jahrhundertwende einst herrschte, ist nicht mehr viel zu spüren. Nur der Geruch nach Fisch ist geblieben und erinnert an bessere Zeiten.

„Konnte der Sturm noch schlimmer werden? Es war, als berste der rauchende Himmel in großen Rissen, aus denen Feuer hervor züngelte. Die langen, gelben Unwetterlichter am Himmel warfen seltsame Flammenstreifen auf das rauchende Meer. Wenn sie auf einen Wellenkamm hinauf pflügten und von der rasenden Fahrt der Wogen mitgerissen wurden, dann schien das Boot selber sich aus dem Meer emporzuheben und in der Luft zu fliegen. Es war, als verliere das Boot den Halt, an den es sich anklammern mußte. Und in einem solchen Augenblick geschah es, daß die “Robbe” vornüber in ein Wellental hinunterfuhr, sich dann gegen den Wind drückte und kenterte. Die Wellen schlugen darüber hin, aber jetzt war der Kiel nach oben gekehrt. Es ertönte ein Aufschrei von fünf Männern, als sie umschlugen. Sturm und Meer verschlang sie, dann war nichts mehr.“

Christian Nowak

 

Norwegen: Urtümliche Gestalten im Dovrefjell

In Europa gibt es heute nur noch einige 100 frei lebende Moschusochsen. Der Großteil von ihnen lebt im norwegischen Nationalpark Dovrefjell.

Die Kongsvold Fjellstue auf der Passhöhe des Dovrefjell ist der beste Ausgangspunkt für die Suche nach den Moschusochsen. Irgendwo zwischen Kongsvold und Reinheim sollen sich einige Tiere aufhalten, so lauten die Tipps aus dem Touristenbüro und von den Veranstaltern der örtlichen Wildnissafaris. Am Anfang der Suche steht aber der Schweiß treibende Aufstieg bis über die Baumgrenze. Der Wanderweg beginnt direkt an der E 6 und führt anfangs durch Birkenwald, der von mehreren Schafherden bevölkert wird.

Oberhalb von 1000 Metern gibt es dann plötzlich keine Birken mehr. Zu beiden Seiten des breiten Tales stehen massige, aber sanft gerundete Berge und am Horizont leuchtet der Schnee auf dem Snöhetta-Massiv. In dieser Gegend sieht man im Sommer immer wieder Moschusochsen. Eigentlich ist es ein ideales Gelände, um sie ausfindig zu machen, denn die Tiere müssten schon von weitem als braune Punkte auf dem mit grün-gelber Rentierflechte überzogenen Boden auffallen. Aber nichts tut sich, und langsam nimmt jeder Felsen die Gestalt eines Moschusochsen an und wir warten gespannt, daß er sich endlich bewegt. Als der Frust schon ziemlich groß ist, sind sie ganz plötzlich da. Gerade noch 50 Meter entfernt grasen drei Tiere vor uns, wir erstarren in der Bewegung und ziehen uns ganz vorsichtig auf eine sichere Entfernung zurück.

Ruhige Zeitgenossen

Überraschend klein sind die Tiere, mit einer Schulterhöhe von vielleicht 1,30 Meter ähneln sie eher Shetlandponys als Bisons, mit denen man sie immer unwillkürlich vergleicht. Moschusochsen bestehen auch im Sommer fast nur aus Fell, das am Hinterteil gut einen halben Meter lang ist und fast bis auf die Erde reicht. In diesem Pelz können ihnen grimmige Kälte und auch die schlimmsten Schneestürme wohl nicht viel anhaben. Aber der Sommer muss in diesem dicken Fell unerträglich sein. Auch Mücken, die uns gerade jetzt, wo Ruhe und vorsichtige Bewegungen nötig sind, in ganzen Schwärmen attackieren, haben bei den Moschusochsen keine Chance.

Im Moment legen sie ihr sprichwörtliches Phlegma und ein totales Desinteresse an ihrer Umwelt an den Tag. Nur wenn sie sich bedroht fühlen, bilden sie eine Wagenburg und warten erst einmal, ob sich der Eindringling zurückzieht. Wenn nicht, gehen sie zu blitzschnell ausgeführten Scheinangriffen über. Wenn auch das noch nicht ausreicht, den Kontrahenten zu beeindrucken, folgt ein ernsthafter Angriff. Dann setzen sich einige hundert Kilo blitzschnell in Bewegung, und die geschwungenen Hörner werden zu gefährlichen Waffen. Unsere drei Exemplare fühlen sich anscheinend nicht bedroht und arbeiten in aller Ruhe weiter am Aufbau ihres Winterspecks.

Ihre Heimat ist Grönland

Moschusochsen sind urtümliche Tiere, die schon während der letzten Eiszeit alle eisfreien Gebiete Europas und Asiens besiedelten. Aber nach dem Abschmelzen des Eises verschwanden sie, wahrscheinlich bekam ihnen das neue Klima nicht, zudem wurden sie Opfer der verbesserten Jagdmethoden des Menschen. In Skandinavien sind bis heute nur wenige Knochen aus dieser Zeit gefunden worden, deshalb wissen wir nicht viel über das Leben der damaligen Moschusochsen. Ihre Neuentdeckung ließ bis 1869 auf sich warten, als eine deutsche Nordpolexpedition sie in Nordostgrönland entdeckte. Nach dieser Entdeckung begann die Jagd gleich von neuem, wobei die Tiere ein Opfer ihres Phlegmas wurden.

Die während der Evolution perfektionierte Wagenburgverteidigung war Jahrtausende lang gegen Wölfe erfolgreich, gegen die Gewehre der Menschen aber hätte ihnen ein ausgeprägter Fluchtinstinkt erheblich mehr genutzt. So wurde ihr Fleisch an die Schlittenhunde verfüttert, die Felle wurden verkauft und die Kälber landeten in zoologischen Gärten. Schnell waren die Moschusochsen akut vom Aussterben bedroht, deshalb wurden sie schon 1917 unter Schutz gestellt, was den Bestand wieder einigermaßen stabilisierte.

In den dreißiger Jahren versuchte man, Tiere aus Grönland auf dem Dovrefjell anzusiedeln, der erste Versuch ging aber schief, alle wurden Opfer des Zweiten Weltkrieges. Zwischen 1947 und 1953 wurde mit 27 Kälbern ein neuer Versuch auf dem Dovrefjell gestartet, die wenigen, die in der neuen Umgebung überlebten, bildeten den Grundstock für den heutigen Bestand von 75 Tieren. Die rauhe Landschaft in dem 256 km 2 großen Nationalpark und die eisigen Winter waren anscheinend genau die richtigen Bedingungen für die Tiere, denn der Bestand hielt sich.

Abwechslungsreicher Nationalpark

Der Dovrefjell Nationalpark gehört zu den abwechslungsreichsten Hochgebirgslandschaften Südnorwegens. Der Park wird vom Drivdalen mit seinem beeindruckenden Canon, der Bahnlinie und der Europastraße 6 in zwei Hälften geteilt. Nicht nur für Moschusochsen-Fans ist das Dovrefjell interessant, auch Botaniker schwärmen von dem Park. Mehr als 400 verschiedene Pflanzenarten haben sie bereits bestimmt. Einige Raritäten wuchsen bereits von der letzten Eiszeit in diesem Gebiet. Schon von der Straße aus kann man den tiefen Canon, den der Fluss Driva ausgehöhlt hat, sehen.

Früher war das Dovrefjell mit seinem reißenden Fluss ein gefährliches Hindernis auf dem Weg von Oslo nach Trondheim. Auf dem alten Königsweg war es, besonders im Frühjahr oft lebensgefährlich, wenn der Fluss Hochwasser führte und den schmalen Weg unterspülte. Heute kann man gefahrlos auf dem „Gamle Kongeveien“, auf der südlichen Seite des Flusses, entlang wandern. So wie es unzählige Könige seit der Zeit der Wikinger auf ihren Pilgerreisen nach Trondheim getan haben.

Gefahren im Moschusochsenland

1971 beschloss eine Gruppe Moschusochsen nach Schweden auszuwandern und ließ sich in der Femundsmarka um den See Rogen nieder. Diese Gruppe besteht heute aus 20 Tieren. Der Bestand, der im Dovrefjell zurück geblieben ist, ist immer noch relativ klein, weil die Herde immer wieder dezimiert wird. So starben 1978 zwölf Tiere durch einen Blitzschlag, im selben Winter grassierte unter ihnen die Hirnhautentzündung, und auch die Zivilisation fordert immer wieder Opfer. Die Dovrebahn, die den Nationalpark in zwei Hälften teilt, ist ebenso eine Gefahr wie der Schießplatz bei Hjerkinn, wo in der Vergangenheit sechs Tiere durch eine Phosphorvergiftung starben.

Christian Nowak

Christian Nowak: Best of Norwegen

51KlM5hk8BLBEST OF … ist eine Bildbandreihe professionell fotografiert von renommierten Reisefotografen — – – Bis zu 200 Bilder auf 140 Seiten – – – Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis – – – Die 66 wichtigsten Sehenswürdigkeiten einer Destination vorgestellt in Wort und Bild – – – Kenntnisreiche Texte – – – Ausführliche Bildunterschriften – – – Farbiger Lageplan zu jedem Highlight – – – Detailliertes Register und Übersichtskarte. Enge, tief in die Küste eingeschnittene Fjorde mit unzähligen Wasserfällen, glasklare Seen und dichte Wälder, schneebedeckte Hochgebirge und weite Täler, die einzigartige Inselwelt der Lofoten die Landschaften Norwegens bieten eine faszinierende Vielfalt. Die höchsten Berge liegen in Jotunheimen, ewiges Eis vor allem in den großen Gletschergebieten des Jostedalsbreen und Svartisen. Das Land im hohen Norden Europas ist Sinnbild für einzigartiges Naturerleben zwischen Meer und Bergwelt. Seinen Reichtum erwarb das Land einst durch Fischerei und Handel, von dem heute noch die Städte entlang der Küste künden, allen voran Bergen und Ålesund. Trondheim mit seiner prächtigen Kathedrale ist bis heute Krönungsort des norwegischen Königshauses. Urbanes Zentrum des Landes ist Oslo, die Hafen- und Hauptstadt im Südosten. Der Reihenband Best of Norwegen stellt die 66 lohnenswertesten Reiseziele vom Kap Lindesnes bis zum Nordkap vor. Dabei dürfen Sehenswürdigkeiten wie der Preikestolen, der Jostedalsbreen und Städte wie Bergen und Oslo natürlich nicht fehlen. Doch es findet sich auch Sehenswertes abseits der typischen Ziele: Etwa die Senja-Insel oder der Fischmarkt von Bergen. Die 66 Highlights geben einen umfassenden Eindruck von der Vielfältigkeit Norwegens.

Norwegen: Hol den Wagen, Harry!

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Mit Skiern und Pulka durch die winterliche Hardangervidda

Es gibt Dinge, die braucht man normalerweise nicht. Doch, was ist normal? Ist es normal freiwillig in den Schnee zu ziehen, zu frieren während sich die ganze Stadt auf den Frühling freut? Tagelang mit einem haarigen Kerl in einem viel zu engen Zelt zu verbringen, seine stinkenden Socken zu ertragen? Kälte ist nicht wirklich mein Ding – ich bin eben ein Normalbürger, bevorzuge es gemütlich. Es gibt aber auch Menschen, die gehören nicht zum Kreis dieser Normalbürger.

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Ein solcher ist Harry, er liebt die Kälte! 600 km Grönland, mit dem Zelt, natürlich im Winter, Herr habe Erbarmen! Harry und ich wir kennen uns schon seit Jahrzehnten. Nach vielen gemeinsamen Jahren beim Klettern, in Höhlen, auf den sommerlichen Gletschern der Alpen verloren wir uns aus den Augen. Karriere, Familie, das Übliche und dann führte uns ein Zufall nach 15 Jahren wieder zusammen. Wir wollten klettern, wandern, ich wollte ganz gewiss nicht in die Kälte.

Und Harry? Warum bestand er darauf bei unserer Winterbegehung der Alpspitz-Nordwand am Einstieg zu zelten, bei -17 °C? Das war ein Test, zugegeben, es war viel weniger unangenehm als erwartet. Im Gegenteil, in der Nacht musste ich mich Schicht für Schicht aus meinen Klamotten pellen, mir war zu warm in all den Dingen die ich mir aus Furcht zu frieren angezogen hatte! Auch die Raureif verzierten Zeltinnenwände, die weiß gepuderte Mütze konnten nichts daran ändern: es hat mir Spaß gemacht!

Auf den Spuren der Polarforscher

2012-03-04 155013 RawTja, und so rückte Harald mit seiner Idee heraus, gemeinsam die Hardangervidda auf Ski zu durchqueren. Die was bitte? Er klärte mich mit leuchtenden Augen auf: Die Hardangervidda ist diese riesige, unwirtliche, menschenarme Hochebene im Süden Norwegens, in der sich schon so berühmte Abenteurer wie Roald Amundsen, Robert Falcon Scott und Fridtjof Nansen auf ihre Arktistouren vorbereitet hatten. Stürme, Whiteouts und Temperaturen von -25  C sind dort ganz normal. Nicht umsonst wird die Region als das am südlichsten gelegene Trainingsgebiet für Arktisaspiranten betrachtet.

So reisten wir also mit 110 Kilo Gepäck, verstaut in zwei Pulken, nach Norwegen, dabei Nahrungsmittel für 14 Tage. Während der Anreise berichtete eine norwegische Bergführerin, dass die 120 km Tour von einigen sportlich ambitionierten jungen Leuten in zwei Tagen gemacht wird – natürlich ohne eine heftig bremsende Pulka an der Ferse. Wir aber wollten uns gemütliche 8-10 Tage Zeit lassen und die Natur genießen. In der Nähe des Valdalsvattnet spuckte uns der Bus von Oslo kommend aus, und da standen wir nun mit all unserem Plunder in der Pampa.

Ich stand hier am Rand der Wildnis das erste Mal vor einer Pulka und fühlte mit allen 2012-03-05 135125 RawLasteneseln der Welt. Hüüüüh, entfuhr es mir unwillkürlich, als ich die ersten Schritte wagte. Ach Harry, hol doch den Wagen, dachte ich mir als wir die Straße langsam hinter uns ließen – er holte ihn aber nicht. Stattdessen sah ich ein Bild vor mir, das sich mir in den kommenden Tagen einprägen sollte. Harry von hinten, die Pulka gemächlichen Schrittes ziehend – aus dem Manager wurde in wenigen Minuten der erfahrene Outdoormensch.

Zelten in Sturm und Schnee

Bereits am ersten Abend weihte er mich in die Routine des Zeltaufbaus ein, jeder Handgriff sollte sitzen. Weder durfte das Zelt im Sturm beschädigt werden, noch durften Teile verloren gehen. Etwa in der Mitte des 10 km langen Sees, bauten wir das Zelt in der Nähe einer kleinen Insel auf. Nur der Navi verriet uns, dass wir auf dem gefrorenen See zelteten. Schon die erste Nacht lehrte mich, welche Kraft der Wind hier entwickeln kann. Am Rande der Hardangervidda strömen Luftmassen von der Hochebene herunter und pfeifen durch das Vivassdalen. Die ganze Nacht zerrte der Wind knatternd an unserem Zelt. Am Morgen lag die große Pulka quer vor unserem Zelteingang, umgeblasen wie ein Ballen Stroh.

Für den zweiten Tag hatte Harry Wald versprochen, die letzten Bäume vor der weiten, baumlosen Hochebene. Gut, Wald ist ein großzügiger Begriff für das was ich zu sehen bekam. Kleinwüchsige, weit verstreute Birken, die Riesen unter ihnen maßen gerade 4 bis 5 Meter. Wir befanden uns auf dem Weg in eine klimatische Extremlandschaft. In der tundraartigen Hardangervidda existieren keine hoch wachsenden Pflanzen mehr, nur Felsen und weit geschwungene Berge prägen das Bild. Am Abend die nächste Ausbildungseinheit: „Wir bauen zum Schutz vor Sturm eine Schneemauer“.

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„Aber es geht doch kein Lüftchen“, beschwerte ich mich mit Blick auf das herrliche Abendlicht. Ich kam mir sehr ungeschickt vor. Während Haralds Schneeblöcke eine perfekte Mauer bildeten, zerbrachen meine immer wieder. Schon in der darauf folgenden Nacht erkannte ich die Notwendigkeit einer solchen Mauer. Nach einem Tag mit herrlichen Landschaftsbildern, ziehenden Wolken und Sonnenschein frischte der Wind am Nachmittag auf. Schneekristalle trieben über den Boden, die Landschaft schien im Gegenlicht zu gleiten. Wir bauten das Zelt in einem schmalen Hochtal auf. Nachts dann, ein fahler Mond beleuchtete die Szenerie, riss und zerrte der Wind so erbarmungslos am Außenzelt, dass wir unsere warmen Schlafsäcke verlassen mussten, um die vorhandene Schneemauer zu erhöhen. Gut geplant Harry!

Auch die kleine Plastikflasche mit der großen Öffnung lernte ich in jener Nacht zu schätzen. Wer verlässt schon gerne das schützende Zelt, zieht sich Schicht für Schicht komplett an, nur weil die Blase voll ist! Man stelle sich die Situation vor: Zwei gealterte Kerle hindern sich am Schlafen, weil im ohnehin engen Zelt die halbe Nacht jemand herumwühlt. Da hilft nur die Pippiflasche! … und das klingt einfacher als es ist! Wir haben Tabus verinnerlicht, zum Beispiel: „Im Schlafsack wird nicht gepinkelt“ ist so eine Regel. Da läuft dann zunächst gar nichts, aber ich will nicht zu sehr mit Details langweilen! Nur so viel: ich lernte meine Peebottle noch sehr zu schätzen – es ist doch so wunderbar warm und kuschelig des Nachts im Schlafsack!

Hütte oder Zelt

Der Lohn für die durchstandenen Nächte war immer ein herrliches Frühstück. Dort, in der Wildnis, lernt man einfache Dinge zu schätzen! Harry übernahm die morgendliche Aufgabe Schnee zu schmelzen und Wasser zu kochen. Das ist in einem engen Zweimannzelt eine logistische Herausforderung. Wenn dann aber der Pulverkaffee dampft, schmecken Knäckebrot und Bacon um so besser. Das abschließende Highlight war Morgen für Morgen die zweite Tasse Kaffee mit einem Stück sehr butterhaltigen Streuselkuchens. Köstlich!

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Der starke Wind blieb uns nahezu immer erhalten. Er blies uns geradezu in Richtung Saundhaug, einer der wenigen Hütten an unserer Route. Ein wunderbares Gefühl, trotz der Felle unter den Ski und der schweren Pulken, ohne viel Zutun über das Land geschoben zu werden. Kurz vor der Hütte schlug das Wetter schlagartig um und der Sturm trieb Schneeregen waagerecht über das Land. Innerhalb weniger Minuten waren wir pitschnass. Nein, Harry, wir suchen ganz gewiss keinen „gemütlichen“ Zeltplatz im Windschatten der Gebäude. In der schnuckeligen Hütte steht ein Ofen, wir können dort die nassen Sachen trocknen, sogar im Stehen kochen! Ich setzte mich durch und so war Haralds Kummer beschlossen. Es folgte ein bemerkenswert behaglicher Abend bei Kerzenlicht und mit leckerem Essen aus der Vorratslager der Hütte – und einem latent schmollenden Harald – ich glaube aber noch immer, dass er den gemütlichen Hüttenaufenthalt ganz tief in seinem Inneren genossen hat!

Whiteout – Nullsicht bei Schneetreiben und Nebel

Auch der nächste Tag brachte keine Verbesserung der Wetterbedingungen: Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 25–30 m/Sekunde trieb Schneefahnen waagerecht über das Land, die nahen Nachbargebäude waren im verwischten Weiß kaum auszumachen! Trotzdem entschieden wir uns diesen anheimelnden Ort zu verlassen und zogen in den Sturm hinaus – mein Alptraumtag begann. Treibender Schnee und Nebel verdichteten sich zu einem ausgemachten Whiteout – alles verschwamm zu weiß – links, rechts, vorne, hinten, oben, unten – überall weiß! Stundenlang kämpften wir uns vorwärts ohne etwas von der Landschaft zu sehen.

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Bloß nicht den Blickkontakt zum Vordermann verlieren, Rufe waren in diesem infernalischen Getöse kaum zu hören. Stimmung auf dem Tiefpunkt. „Dieser Tag kann dafür verantwortlich sein, dass ich so eine Scheiße nie wieder mache!“ brüllte ich Harald in einer der wenigen, kurzen Pausen zu. Ein unachtsamer Moment und meine Lieblingsmütze wurde ein Opfer für die Trolle – vom Sturm weggerissen war sie innerhalb einer Sekunde außer Sichtweite! Warum mache ich das nur? Noch am selben Tag sollte ich es erfahren – es sind die oft kurzen aber magischen Momente die es wert sind loszuziehen.

Am späten Nachmittag stiegen wir einige Höhenmeter in einem weiten, flachen Tal ab. Das reichte um die Sicht deutlich zu verbessern – und dann kam einer dieser unvergesslichen, zauberhaften Momente. Schemenhaft, wie mit Kreide in pastellenen Farben gemalt schälte sich das Bild einer Hirtenhütte aus dem Weiß – das Dach grasgedeckt, die steinernen Wände schneegepudert wie Mutters Käsekuchen. Auf der windgeschützten Ostseite fanden wir einen kleinen aber sicheren Platz für unser Zelt. Geschafft! Endlich Muße zum Ausruhen und Trocknen der nassen Klamotten.

Blick auf den Hardangerjøkulen

Zum Glück gab es während all dieser Tage von allem etwas: Schneefall, Sonnenschein, Kälte, Wärme, ziehende Wolken vor tiefem Blau, unendlich weite Blicke über die verschneite, sich wie ein erstarrtes Meer wellende Landschaft und natürlich immer Wind. So mussten wir uns noch zwei weitere Tage bei unwirtlichem Wetter in Richtung Norden durchschlagen. Doch was für ein Moment, als kurz nach der Kjeldebu Hytta der Wind nachließ, die Wolken aufrissen und den Blick auf den Hardangerjøkulen freigab. Der Hardangerjøkulen ist mit etwa 70 km2 einer der großen Plateaugletscher Norwegens. Ihn galt es in der Schlussetappe zur Hälfte zu umrunden. Während sich in den weiten der Hardangervidda nur selten unser Weg mit der Route anderer Wanderer kreuzte, begegneten wir hier nun häufiger anderen Naturfreunden.

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Eine letzte Nacht im Zelt, in traumhafter Lage, mit Blick auf sanft geschwungene Berge, ein letztes Frühstück im goldenen Morgenlicht. Aber auch die Vorfreude auf  eine ausgiebige Dusche, ein Bett und all den Luxus den wir zuhause im Alltag gar nicht mehr als solchen wahrnehmen. Nicht ohne einen gewissen Stolz es geschafft zu haben erreichten wir bei schönstem Wetter nach 10 Tagen die Bahnstation Finse. Ja, und welche Gedanken gingen mir am Beginn der Tour durch den Kopf? “ Harry, hol doch den Wagen“, ich muss mich revidieren: „Harry, lass die Kiste stehen“, es war grandios!

Bernd Leideritz

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Picus Lesereisen: Inseln des Nordens

Cover Inseln des NordensDas sind Inselträume: Gletscher, die Eisberge ins Meer schicken, Berge, die aus dem Inland-Eis ragen, Pferde mit Mähnen, die im Wind wehen, die Farben des Nordlichts und des Packeises. Jedenfalls dann, wenn die Inseln im hohen Norden liegen und Spitzbergen oder Lofoten, Island, Färöer oder Grönland heißen. Auf den arktischen Inseln erfüllten sich Barbara Schaefer und Rasso Knoller ihre eigenen Träume und befragten die Einheimischen, wie sie leben und wovon sie träumen.
Barbara Schaefer begab sich auf die Spuren starker Frauen in hohen Breiten. So fuhr sie etwa in Grönland mit Hundeschlitten hinaus und ließ sich von Schamanen von früher erzählen. In Spitzbergen hörte sie sich Eisbären-Geschichten an, in Island schleppte sie einen Heißluftballon in einen erloschenen Krater, töltete durch Dauerregen und ließ sich Sagen erzählen.
Rasso Knoller bewunderte zusammen mit einem Maler auf den Lofoten die Farben des Nordlichts, war mit Walfängern unterwegs, besuchte den legendären Torwart der Färöer, der 1990 seinem Land den Sieg gegen Österreich sicherte, und geriet ins Schwärmen, als die beliebteste Sängerin der Inseln ihm ihre schönsten Lieder vorsang.

Pressestimmen

 

»In kurzen Reportagen fangen die Autoren den Reiz des Nordens ein. Eindringlich schildern sie die Schönheit der Landschaften und laden dazu ein, diese Inseln selbst einmal zu besuchen; vielleicht vergisst ja der eine oder andere auch, nach Hause zu fahren.« –Augsburger Allgemeine, 9. Februar 2010»Die Frage danach, was Menschen – insbesondere Frauen – eigentlich hinauszieht ins eisige, lebensfeindliche Weiß der Arktis, beantwortet die bekannte Reisejournalistin Barbara Schaefer zu Beginn des Buches auf fulminante, amüsante und anschauliche Weise mittels eigener Erlebnisse auf Grönland und durch Bezüge zu anderen ›Eisfrauen‹. Nicht nur als Leserin fängt man sofort Feuer und legt das Buch nicht mehr aus der Hand, bis man es verschlungen hat.« –Panorama, 1. Dezember 2009

 

»Die kurzen Geschichten ziehen den Leser in ihren Bann. Und auch nachdem man das Buch geschlossen hat, lassen einen die Eindrücke, die im Norden erlebt werden wollen, nicht mehr los. Sie warten geduldig, wie die stillen blau-weiß glitzernden Kathedralen des Meeres… « –Nordis, 2. November 2009

 

»Dafür weckt das Buch umso mehr die Reiselust, man entwickelt ein Gefühl dafür, was die Reize dieser rauen Gegend wirklich ausmacht.« –ReiseJournal, 15. August 2009

 

 

 

 

 

 

Norwegen: Der weltgrößte Elch wartet im Østerdalen

 

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Ein Rastplatz im norwegischen Østerdalen wird zum Muss für Elchliebhaber

Der Elch ist das Lieblingstier der deutschen Skandinavienurlauber und ziert so manches Heim in unzähligen Varianten. Norwegenreisende können jetzt mit hundertprozentiger Sicherheit dem größten Exemplar der Welt begegnen und ihn sogar von Nahem bewundern. Der 10,1 Meter hohe Elchkoloss aus poliertem Stahl ist die neue Attraktion des ostnorwegischen Østerdalen und steht auf dem Rastplatz Bjøråa an der Straße 3. Sie ist eine der Hauptverbindungen zwischen Oslo und Mittelnorwegen und eine beliebte Alternative zur klassischen Nord-Süd-Verbindung der Europastraße 6.

Verantwortlich für das Design der Elchstatue, die den bisherigen Rekordhalter „Mac the Moose“ in Kanada um 30 Zentimeter überragt, ist die norwegische Künstlerin Linda Bakke. Das Kunstwerk, in dessen Stahl sich die Natur und Landschaft widerspiegeln, ist Teil eines Verkehrssicherheitsprojekts der Norwegischen Straßenbehörde Statens Vegvesen. Durch das Projekt soll die Aufmerksamkeit der Autofahrer bei der Fahrt durch die waldreiche und nur dünn besiedelte Landschaft geschärft werden. Die Statue ist also nicht nur eine Touristenattraktion, sondern soll auch dazu beitragen, das Unfallrisiko zu mindern.

Die offizielle Einweihung der Elchstatue findet am 15. Oktober statt.

Norwegen: Oslo – eine Stadt im Wandel

Schöner kann eine Stadt kaum liegen! Denn das Zentrum Oslos schmiegt sich um den hufeisenförmigen Fjord mit seinen grünen Inseln, die Außenbezirke ziehen sich die Berghänge hinauf und verlaufen sich schließlich im Grün der Wälder. Wie ein Amphitheater zwischen Meer und Wald wirkt die norwegische Hauptstadt, hier lässt es sich gut leben. Kein Wunder, dass die Bevölkerung in den letzten zehn Jahren um rund 150 000 gewachsen ist und Prognosen gehen davon aus, dass dieser Trend auch in den nächsten Jahren anhalten wird.

Ähnlich verhält es sich mit den Touristenzahlen, obwohl Oslo zu den teuersten Städten der Welt zählt, zieht die norwegische Hauptstadt ständig mehr Besucher an. Doch schon lange verlässt sich Oslo nicht mehr nur auf seine einmalige Lage. Die reichlich sprudelnden Öleinnahmen sorgen für gut gefüllte Kassen, Staatsverschuldung ist für die Norweger ein Fremdwort. So bleibt genügend Spielraum für kulturelle Großprojekte und eine Rundumerneuerung der Stadt.

Seit einigen Jahren investiert die Stadt viel Geld in das Projekt Fjordbyen – die Stadt am Fjord. Es ist das größte städtebauliche Konzept, seit König Christian IV. Anfang des 17. Jahrhunderts das alte Kristiania nach einem verheerenden Brand hinter der Festung Akershus neu errichten ließ. Seit dieser Zeit war Oslo zwar die unumstrittene Hauptstadt des Landes, doch das Fjordufer wurde immer mehr zu einer tristen Gegend mit Hafenanlagen, Industriegebieten, Eisenbahngleisen und einem Gewirr von Autobahnen. Dies soll sich in den nächsten Jahren grundlegend ändern. Die Seeseite der Stadt soll zur Schokoladenseite werden und vor allem wieder für die Allgemeinheit zugänglich sein. Diese Revitalisierung der Wasserlagen am Fjord und an den Flüssen, insbesondere entlang der Flüsse Akerselva und Alnaelva, wird das Stadtbild in struktureller, funktioneller sowie ästhetischer Hinsicht komplett verändern.

Das neue Wahrzeichen der Stadt

Seit den 1950er Jahren ist das Rathaus aus rotbraunen Ziegelsteinen das Wahrzeichen der Stadt. Was musste der klobige Bau nicht alles an Kritik einstecken und auch heute noch haben die Osloer ein eher zwiespältiges Verhältnis zu ihrem Wahrzeichen. Mit der Fertigstellung der Oper im Jahr 2008 besitzt Oslo nun ein neues Wahrzeichen an ebenso prominenter Stelle, das im Gegensatz zum Rathaus aber von Anfang an mit Lob überschüttet wurde.

Der von dem international anerkannten Architekturbüro Snøhetta geplante mormorweiße Bau am Fjord hat mittlerweile fast ein Dutzend Preise eingeheimst. Mit der Oper ist den Osloern der große Wurf gelungen, die Vorstellungen sind fast immer ausverkauft, das Haus gilt als architektonisches Meisterwerk und neues Wahrzeichen der Stadt und lädt Besucher zudem noch als begehbares Kunstwerk zum Verweilen und Schauen ein. Im Rahmen des Projektes Fjordbyen spielt die neue Oper als Prestigobjekt zwar eine wichtige Rolle, macht aber nur einen kleinen Teil aus. So soll sich die Umgebung der Oper – der Stadtteil Bjørvika – nach und nach in ein attraktives und lebendiges Viertel mit Wohnungen, Büros, Geschäften und Restaurants verwandeln. Dazu gehört auch die Fertigstellung eines weiteren Tunnels, durch den mehr als 100 000 Autos pro Tag aus der Hafengegend verbannt werden.

Vorbild Aker Brygge

Angefangen hat die Umgestaltung der Stadt mit Aker Brygge. Vor gut 20 Jahren befand sich jenseits des Hafenbeckens Pipervika noch eine der größten Werften des Landes. Als sie schließen musste, entstand aus der ehrwürdigen Schiffswerft ein komplett neuer Stadtteil, der durch seine faszinierende Mischung aus alten Backsteinbauten und moderner Glas- und Stahlarchitektur beeindruckt. Die Osloer, vor allem die Jüngeren, haben diese Vergnügungsmeile begeistert angenommen. Sobald die Sonne sich blicken lässt, schlendern sie über die Uferpromenade, genießen die wärmenden Sonnenstrahlen auf den Bänken, schnuppern die Seeluft vom nahen Fjord, lauschen dem Live-Jazz von den Pontons und genießen ein Bier im Freien. Mittlerweile wird auch in Aker Brygge wieder gebaut, um das Angebot an Wohnungen und Büros, teils auf künstlichen Inseln, zu erweitern.

Man darf gespannt auf die nächsten Jahre sein: 2013 soll das neue Munch/Stenersenmuseum zum 150. Geburtstag des bekanntesten norwegischen Malers in der Nähe der Oper fertig werden. Das 57 Meter hohes Glasgebäude „Lambda“ wurde von dem spanischen Büro Herreros geplant. Dort, wo heute noch die ziemlich hässliche Uferstraße verläuft, wird dann die Dronning Eufemias Gate entlang führen, ein mehr als 40 Meter breiter, begrünter Boulevard mit nur wenig Autoverkehr. 2016 wird auch die neue Deichmannsche Bibliothek zwischen dem Boulevard und der Oper fertiggestellt sein. Ein Besuch in Oslo lohnt sich also in jedem Fall.

Christian Nowak

 

 

 

Christian Nowak: DuMont Bildatlas Hurtigruten

Hurtigruten ChristianDuMont Bildatlas Hurtigrugen – die Bilder des Fotografen Gerald Hänel und die Texte von Christian Nowak zeigen faszinierende Panoramen und stimmen auf die Reise entlang der norweigschen Küste ein. Sechs Kapitel geben einen Überblick über die traditionelle norwegische Postschifflinie. Zu jedem Kapitel gehören Hintergrundreportagen und Specials, die aktuelle und interessante Themen aufgreifen. Eines der DuMont Themen stellt Ihnen zahlreiche, den Jahreszeiten entsprechende Ausflugsprogramme vor: Seekajaktouren, Walsafaris, Konzerte, Wikingerfeste oder abenteuerliche Schlittenhundefahrten. Lesen Sie den Hurtigruten-Steckbrief“ und seien Sie gespannt auf das, was der Kapitän der Lofoten“ zu berichten hat. Den Abschluss eines jeden Kapitels bilden Infoseiten mit allen wichtigen Sehenswürdigkeiten, die auf der nebenstehenden detaillierten Reisekarte leicht zu lokalisieren sind. Besondere Empfehlungen des Autors finden sich in den DuMont Aktivtipps: Bestaunen Sie die in Felsen geritzten Motive am Altafjord, besuchen Sie den Svartisen-Gletscher und den Kjosfos-Wasserfall und lassen Sie sich auf keinen Fall das Nordkap entgehen. Nach so einer lange Anreise ist ein Besuch dort Pflicht! Abgerundet wird der Bildatlas durch das Servicekapitel, das praktische und allgemeine Informationen für die Vorbereitung der Reise beinhaltet sowie Daten und Fakten zur Destination liefert.

Der DuMont Bildatlas bietet ein umfassendes Service-Paket: lebendige Bilder, Top-Sehenswürdigkeiten, zuverlässige Karten, praktische Hinweise, Hintergrundinformationen, Tipps für Aktivitäten und besondere Erlebnisse sowie alle wichtigen Fakten zur Organisation der Reise. Kompakt zusammengefasst und übersichtlich ist der DuMont Bildatlas ideal zum Vorbereiten einer Reise und zur Orientierung vor Ort.

Rasso Knoller: Nordeuropa – Porträt einer Region

785 Nordeuropa USDänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und das weit draußen im Atlantik gelegene Island werden auch unter dem Begriff »Nordeuropa« zusammengefasst: Fünf Länder, die auf eine lange gemeinsame aber nicht immer harmonische politische Vergangenheit zurückblicken können. Ein gut ausgebautes Sozialsystem, lange Zeit vordere Plätze im PISA-Vergleich der Schulen und erfolgreiche Frauen in Politik und Wirtschaft – auf der Habenseite haben die Nordlichter vieles gemeinsam. Aber genauso groß wie die Gemeinsamkeiten sind auch die Unterschiede. Neidisch blicken die klammen Isländer auf den norwegischen Ölreichtum, kopfschüttelnd kommentieren die Schweden die dänische Alkoholpolitik, irritiert reagieren die Finnen auf die dänische Wortgewalt. Und die Rivalität zwischen Norwegen und Finnland auf der einen und Schweden auf der anderen Seite ist ohnehin legendär. Erstmals stellt Rasso Knoller  die nordischen Fünf gemeinsam vor.

Norwegen: Eiskaltes Sommervergnügen in Oslo

ref_pic895_4 Seit dem 1. April lohnt es sich für Oslos Bewohner und Besucher, auch an Sonnentagen warme Kleidung dabei zu haben. Mit der Magic Ice Bar & Gallery mitten im Zentrum verfügt die norwegische Hauptstadt über eine neue, eiskalte Attraktion. Künstler aus aller Welt haben die Eisbar sowie die Galerie aus Licht und Eis ganz in der Nähe des Grand Hotel und des Hotel Bristol geschaffen.

Die Magic Ice Bar & Gallery ist die dritte ihrer Art weltweit. Hinter dem eiskalten Konzept steht das nordnorwegische Unternehmen Magic North. Die erste Magic Ice Bar entstand 2004 in Svolvær auf den Lofoten und zählt heute zu den meist besuchten Attraktionen dort. Im Jahr 2012 eröffnete Magic North sogar eine Magic Ice Bar auf der Insel St. Thomas in der Karibik.ref_pic896_6

 

Barbara Schaefer: Lesereise Lappland

Picus Verlag, Barbara Schaefer, Lappland Barbara Schaefer nimmt uns mit auf eine Reise in den hohen Norden. In ihrem Buch „Nordlicht, Joik und Rentierschlitten“ erzählt die in Berlin lebende Journalistin in 20 Kurzgeschichten von Lappland und seinen Menschen. Wir treffen den „brokkolihassenden“ Rentierschlittenfaher Nils Nutti, einen Wehrmachtsoldaten auf der Suche nach den Liebesbriefen seiner Jugendliebe und einen Backofenhersteller, der viel lieber Dichter wäre. Wir begeleiten die Autorin beim Fliegenfischen, Wandern, Skifahren und Hundeschlittenrennen.

Wer Barbara Schaefers Buch liest, erfährt viel über Lappland. Nach Ende der Lektüre, weiß er aber immer noch nichts über Einwohnerzahlen, Turmhöhen und Flusslängen. Er  keine Ahnung von Stadtgründungsdaten, Baujahren und Arbeitslosenzahlen. Das Buch vermittelt kein Faktenwissen, sondern ein Gefühl für das Land und seine Bewohner. Barbara Schaefer erhebt nicht den belehrenden Zeigefinger und prahlt nicht mit angelesenem Wissen.

Sie steigt herab vom hohen Ross des allwissenden Erzählers und lässt ihre Leser an ihren Erlebnissen, Gefühlen und Empfindungen teilhaben  Sie versucht das Land zu verstehen, indem sie Fragen stellt, zuhört und hinsieht. Man merkt dem Buch an, mit welcher Neugier sich die Autorin ihrem Thema genähert hat. Hier schreibt nicht jemand, der Antworten gibt, sondern jemand, der nach Antworten sucht.

Genau deshalb aber kann der Leser bei der Lektüre des 132 Seiten dicken Bändchens ein Gefühl für Lappland entwickeln und wird wie die Autorin selbst neugierig auf diese scheinbar unwirtliche Region am Ende Europas.  „Nordlicht, Joik und Rentierschlitten“ ist ein einfühlsames Buch und für Nordlandfans ein Muss, aber auch jeder andere, für den Reisen mehr ist als nur die Aufnahme von Informationen, wird von diesem Band begeistert sein. Der Vergleich mit Bruce Chatwin mag hoch gegriffen sein, Barbara Schaefer aber sind  20 Miniaturen gelungen, die weit über das Niveau der Geschichten hinausgehen, die man Woche für Woche auf den Reiseseiten deutscher Tageszeitungen lesen kann.   (rk)

Barbara Schaefer, Lappland, Joik und Hundeschlitten, Picus Verlag, 14,90 Euro