Estland: Urwüchsige Natur auf Saaremaa und Hiiumaa

Auf den beiden größten estnischen Inseln Saaremaa und Hiiumaa ist die Natur noch intakt. Urwüchsige Strände und schroffe Küsten, weite Wälder und kleine Dörfer werben wieder um Besucher. Es gibt aber auch ein Kurbad mit Tradition und die schönste Burg des gesamten Baltikums.

Ein Sommertag wie eine Postkarte, mit einem blauen Himmel, der im unvergleichlichen Licht des Nordens strahlt. Ohne Knitter und Falten breitet sich die glitzernde Folie des Meeres bis zum Horizont aus. Im Schritttempo manövriert die Fähre durch das seichte Wasser der Ostsee, immer in der Hoffnung auf die nötige Handbreit Wasser und dem Kiel. 1500 Inseln soll es vor Estlands Küste geben, einige von durchaus stattlicher Größe, die meisten jedoch nur namenlose Winzlinge. Vom Eis polierte Schärenbuckel, die kaum die Nase aus dem Wasser bekommen. Unser Ziel Hiiumaa zählt zu den Großen, ist nach Saaremaa die Nummer Zwei der estnischen Inselwelt.

Insel der Riesen

Hiiumaa, die Insel der Riesen, so lautet eine der Deutungen des Namens, ist zu drei Vierteln von Sand, Wäldern und Mooren bedeckt. An der Küste mischt sich das Salz des Ostseewindes mit dem Duft von Wacholder zu einem belebenden Cocktail. Mit dem Auto schafft man die Inselrunde bequem an einem Tag. Doch wer will das schon? Estnische Inseln verführen zur Langsamkeit und so bleibt man besser ein oder zwei Wochen. Selbst der Hauptort Kärdla, nicht mehr als ein großes Dorf, strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Jubel, Trubel, Heiterkeit und laute Disconächte – Fehlanzeige. Die Esten stört es nicht, sie leisten sich ein kleines Häuschen irgendwo inmitten der Natur und lassen sich von der Langsamkeit des Inseldaseins verwöhnen. An den sonnigen Tagen des Jahres gehen sie an die fast menschenleeren, urwüchsigen Sandstrände, spazieren entlang der Klippen oder genießen von der Terrasse den Blick in die Ferne.

Auf den Spuren eines Riesen

In die Ferne zur Nachbarinsel Saaremaa zog es auch den Riesen Leiger. Deshalb machte er sich daran, einen Damm zu bauen. Stein auf Stein warf er ins Wasser, doch irgendwann verlor er die Lust. Mehr als zwei Kilometer ragt Leiger’s Werk, der Sääretirp, im Süden Hiiumaas ins Meer. Wer sich bis zum letzten Stein der Landzunge vorwagt, ist zwar noch lange nicht auf Saaremaa, kann aber das unbeschreibliche Gefühl genießen, mitten in der Ostsee zu stehen.

Kuren in Kuressaare

Estlands liebste Ferieninsel ist Saaremaa. Immerhin ein wenig größer als das Saarland, doch nur von 40 000 Menschen bewohnt – da bleibt genügend Platz für Wiesen, Wald und Wacholder. Fünfzig Jahre Dornröschenschlag als militärisches Sperrgebiet haben ihr die sowjetischen Besatzer verordnet. Während dieser Zeit brauchten selbst die Esten für ihre Lieblingsinsel eine Sondergenehmigung. Keine leichte Zeit für die Insulaner, aber die Natur hat profitiert. Wurde verschont von Bausünden und Industrieanlagen und konnte so ihren herben nordischen Charme kultivieren.

Früher waren hier alle Fischer oder Seeleute, heute liegt für viel die Zukunft im Tourismus. Mit Besuchern hat man schließlich Erfahrung, denn schon vor 100 Jahren war die Inselhauptstadt Kuressaare ein nobles Kurbad, in dem man sich mit Heilschlamm von allerlei Wehwehchen kurieren lassen konnte. Das geht auch heute wieder, wobei schon lange nicht mehr nur Heilschlamm auf dem Programm steht. Wellness ist mittlerweile auch in Kuressaare das Maß der Dinge. Vom herben Charme der Sowjetzeit befreit, haben die Kurhotels längst Sternekomfort und können nun wieder auf dem internationalen Markt mithalten.

Das Drumherum ist allemal konkurrenzfähig: Die Promenade direkt am Meer, einige Dutzend pittoreske alte Holzhäuser, ein runder Marktplatz mit Restaurants und Kneipen, eingerahmt von uralten Gassen mit winzigen Häusern. Und natürlich die Bischofsburg aus dem 14. Jahrhundert, wie aus dem Bilderbuch, mit fensterlosen, abweisenden Mauern, umgeben von Wällen und Wassergräben. Sie darf sich getrost „Schönste Burg des Baltikums“ nennen.

Eiderenten und Findlinge

Und der Rest der Insel? Ländlich verträumt, erstaunlich groß und mehr als nur einen kurzen Ausflug wert. Mehr als 800 Windmühlen gab es einst auf Saaremaa, keine 100 Jahre ist es her. Eine Handvoll ist geblieben, doch sie taugen nur noch als Fotomotiv, denn Mehl mahlen sie schon lange nicht mehr. Der Meteoritenkrater von Kaali, immerhin der größte Europas, gibt sich, versteckt zwischen Bäumen, geheimnisvoll und mystisch. Beim Einschlag des dicken Brockens vor wahrscheinlich 4000 Jahren müssen sich die Menschen gewaltig erschrocken haben. Seitdem gilt Kaali in der Mythologie als „Grab der Sonne“.

Nicht mystisch sondern einfach nur schön breitet sich die Inselwelt des Nationalparks Vilsandi vor der Westküste Saaremaas aus. Ein Paradies für Eiderenten, Gänse, Kegelrobben, Orchideen – und Naturliebhaber. Und auch hier liegen wieder unzählige Findlinge im flachen Wasser. Ein Riese hat wohl Murmeln gespielt. Nur das Aufräumen hat er vergessen. Man muss ihm dankbar für diese Unordnung sein, denn dies ist der schönste Platz, um auf den Sonnenuntergang zu warten. Und darauf hoffen, dass die Steine im spiegelglatten Wasser anfangen, rot zu leuchten.

Christian Nowak

 

Baltikum: Drei Länder auf einen Streich

Drei Länder – Litauen, Lettland, Estland – drei Metropolen, drei Kulturhauptstädte und vieles mehr in einem Urlaub

Auftakt und wahrhaftig eine Augenweide ist Vilnius. Wie in einem Freilichtmuseum scheint hier alles Geschichte zu atmen. Mit einem Gewirr malerischer Gassen und Straßen, verwinkelten Innenhöfen, liebevoll restaurierten Bürger- und Kaufmannshäusern und prächtigen Kirchen bezaubert die Altstadt. Nicht von ungefähr wird Vilnius als eine der schönsten Barockstädte Europas Gepriesen. Am intensivsten spürt man ihr Herz am Kathedralenplatz. Da treffen sich Einheimische und Touristen, Liebespaare und Straßenmusikanten, Pflastermaler und Skateboarder.

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Mit ihrer Säulenhalle sieht die strahlend weiße klassizistische Kathedrale eher wie ein Tempel aus. Von hier sind es nur ein paar Schritte zum Burgberg mit dem Gediminas-Turm, dem Wahrzeichen der Stadt. Ein Aufstieg auf den 48 Meter hohen Berg lohnt sich. Weit geht der Blick über die in Grün eingebetteten Dächer der Altstadt und über das breite Flußband der Neris auf die Hochhäuser der Neustadt. Mehr als vierzig Kirchen stehen in der Altstadt auf engstem Raum beieinander. Die berühmteste und schönste ist die backsteinrote Annakirche. Man kann sich nicht sattsehen an ihren filigranen Türmchen, Erkern und Spitzbogenbändern. Selbst Napoleon war bei seinem Russlandfeldzug so fasziniert von ihr, dass er sie am liebsten nach Paris mitgenommen hätte. Ein eigener Stadtteil in der Altstadt ist die Universität. Beim Bummel durch das Campusgelände beeindruckten Fassaden in barocker Pracht, Innenhöfe und piazzaartige Freiflächen.

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Unweit von Vilnius gelegen gehört Trakai zu den bedeutenden Sehenswürdigkeiten Litauens. Einst war das Städtchen – auf einer malerischen Halbinsel im Galve-See gelegen und umgeben von einer herrlichen Wald- und Seenlandschaft – die Hauptstadt des Landes. Heute ist es mit der der ältesten erhaltenen Wasserburg ein Schauplatz litauischer Geschichte. In den Sommermonaten locken Musikveranstaltungen, Theateraufführungen und ein Mittelalterfestival Heerscharen von Besuchern an. Durch  eine weite, ebene Landschaft von sanfter Schönheit führt der Weg nordwärts zum Berg der Kreuze. Seit mehr als sechshundert Jahren ist er ein Symbol für Nationalstolz, Widerstand und Frömmigkeit: nur ein Hügelchen von höchstens zehn Metern Höhe, aber übersät mit einem Dschungel von zehntausenden großen und kleinen Kreuzen, behängt mit Bildern, Rosenkränzen und Botschaften. 

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Fast unbemerkt ist aus Litauen Lettland geworden. Und in Rundale bleibt Zeit, ein barockes  Prachtschloß zu besichtigen. Die einstige Sommerresidenz für die kurischen Herzöge wird auch oft als „Versailles an der Ostsee“ bezeichnet. Dann ist Riga erreicht, das sich nicht nur als Kulturhauptstadt 2014 fein herausgeputzt hat. Die größte Stadt des Baltikums ist eine charmante Melange aus hanseatischer Backsteingotik und der schwelgerischen Pracht von mehr als achthundert Jugendstilhäusern. Alle Sehenswürdigkeiten der historischen Altstadt lassen sich bequem zu Fuß erkunden. Man schlendert durch die kopfsteingepflasterten Straßen und enggedrängten Gassen, genießt die Pracht der alten Wohn- und herrschaftlichen Gildehäuser. Ein Juwel und das wohl meistfotografierte Bauwerk ist das Schwarzhäupterhaus aus dem 14. Jahrhundert mit seiner fantastischen niederländischen Renaissancefassade.

Seiffert, Schwarzhäupterhaus in Riga

In backsteinrotem Glanz erstrahlt das palazzoartige Gebäude der imposanten Rigaer Börse. Unweit davon in einer schmalen Seitengasse sind drei kleine Häuser die Attraktion. Die sogenannten „Drei Brüder“ sind ein bezauberndes Ensemble von drei Wohnhäusern aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Das prächtigste ist der „mittlere“ Bruder, der 1646 erbaut wurde. Der größte und stets belebte Platz der Altstadt ist der Domplatz, an dem sich ein großer Biergarten und die beliebtesten Straßencafés befinden. An seinem Rand erhebt sich die Kathedrale, der größte Kirchenbau des Baltikums, die für ihre wertvolle Walker-Orgel berühmt ist. Hier ein Konzert zu hören oder an der Uferpromenade der Daugava den Sonnenuntergang zu erleben, könnte der krönende Abschluss eines erlebnisreichen Tages sein. Zu den restaurierten Kleinoden gehört auch das historische Speicherviertel, das in ein modernes Kulturzentrum mit Galerien, Restaurants und trendigen Cafés verwandelt wurde. Doch das Schönste, das Riga unverwechselbar macht, sind seine Boulevards, die von vierstöckigen Jugendstilbauten gesäumt sind.

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Der Faszination dieser mit Feen, Fratzen und Drachen überreich verzierten Fassaden kann sich niemand entziehen. Viele dieser herrlichen Art-Nouveau-Prunkbauten sind vorbildlich restauriert, allein zwanzig von ihnen hat der berühmte Architekt Michail Eisenstein gebaut. Nach soviel Sehenswertem im „Paris des Ostens“ bietet ein Ausflug in den wildromantischen Gauja-Nationalpark mit einer Kanu- oder Floßfahrt auf der Gauja eine willkommene Abwechslung.

Immer an der Rigaer Bucht entlang geht die Fahrt weiter nach Estland. Es ist die kleinste der drei Baltenrepubliken, doch ihre Küste ist 3.800 Kilometer lang und hat Tausendfünfhundert vorgelagerte Inseln. Saaremaa, die größte von ihnen und nur per Fähre oder Flugzeug erreichbar, ist ein Paradies für Naturliebhaber: unberührte Wälder, Wacholderheiden, schroffe Küsten, Sandstrände an kleinen Buchten, idyllische Abgeschiedenheit.

Seiffert, Windmühlen auf SaaremaaDas beschauliche Kuressaare ist die einzige Stadt – ein kleines Kurbad mit schönen alten Holzhäusern und der mächtigen Bischofsburg aus dem 14. Jahrhundert. Einst waren die hölzernen Windmühlen das Wahrzeichen von Saaremaa, heute sind nur noch einige erhalten. Als Touristenattraktion gilt auch der große Kaali-Meteoritenkrater. Zurück auf dem Festland und weiter quer durchs Land. Ein Bummel durch Tartu, die zweitgrößte Stadt und geistiges Zentrum des Landes mit ihrer Universität, die zu den ältesten Nordeuropas zählt. Dann ist der Peipussee erreicht, durch den die Grenze zu Russland verläuft, so groß wie ein Meer. Endlose Kilometer fährt man an seinem Westufer entlang, vorbei an kleinen Dörfern und Buchten versteckt in Dünen. Hoch im Norden erstreckt sind Lahemaa, der älteste Nationalpark. Ein Naturkleinod mit dichten Wäldern, Seeen, Mooren und zahlreichen Buchten und Halbinseln, die wie Finger ins Meer ragen. In dieser einzigartigen Landschaft sind einige der alten deutschbaltigen Gutshäuser  aufwendig restauriert worden. So auch das Vihula Manor, ein charmantes und luxoriöses Ensemble aus Herrenhaus und 26 Gebäuden in einem großen Landschaftspark mit gigantischen Bäumen, einem Seerosenteich mit kleinen Inseln und weißen Holzbrücken. Hier ist Zeit, die Seele baumeln zu lassen, spazieren zu gehen, mit dem Fahrrad oder in der Kutsche die Umgebung zu erkunden. 

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Eine knappe Autostunde weiter betört Tallinn mit mittelalterlichem Charme und skandinavischem Flair. Nur eine kleine Metropole, aber reich an hanseatischer Geschichte und mit einer Altstadt, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Der Domberg mit dem Langen Hermann, dem größten erhaltenen Turm der alten Burg, mit der ehrwürdigen Domkirche aus dem 13. Jahrhundert und zahlreichen Stadtpalästen, ist Schauplatz estnischer Geschichte und Gegenwart. Denn im ehemaligen Schloss tagt heute das Parlament. Daneben lockt die Alexander-Newski-Kathedrale mit ihren markanten Zwiebeltürmen Gläubige und Schaulustige an. Unverzichtbar ist ein Gang zur Domberg-Aussichtsplattform. Von hier bietet sich ein atemberaubender Blick über die Dächer und Türme der Altstadt und die Skyline der Moderne  bis zum Meer. Vom Domberg kann man auf der PIKK, einer der ältesten und längsten Straßen, bis zum Hafen laufen. Immer wieder fesseln dabei die prächtigen Fassaden der alten Kaufmanns- und Gildehäuser – eine schöner als die andere – den Blick. Damals wie heute ist der Rathausplatz mit dem prächtigen gotischen Rathaus und umgeben von zahlreichen Restaurants und Straßencafés der quirlige Mittelpunkt der Altstadt. Nur ein fünf-Minuten-Spaziergang von der Altstadt entfernt liegt das Geschäftsviertel mit Wolkenkratzern aus Glas und Stahl, Shopping-Centren, unzähligen Restaurants und Bars.

Text und Fotos: Christel Seiffert

Deutschland: 200 Wege über das Meer

VFF Fährfolder 2014

Auf über 200 Seerouten bringen die europäischen Fährgesellschaften Urlauber und Geschäftsreisende bequem, sicher und entspannt an ihr Ziel. Für die schnelle Reiseplanung hat der Verband der Fährschifffahrt und Fährtouristik e. V. die praktische Broschüre „Fähren, Routen, Reedereien“ für 2014 neu aufgelegt. Das Streckennetz von 26 Reedereien ist darin übersichtlich auf Routenkarten dargestellt: über Nord- und Irische See, Ostsee, durch das Mittelmeer und jetzt neu: über das Schwarze Meer.

Deutschland wird auf 17 Fährrouten mit Skandinavien, Russland und dem Baltikum verbunden, die Passagen starten unter anderem in Kiel, Travemünde und Rostock. Insgesamt 95 Strecken im Norden listet die Broschüre auf, dazu gehören auch die Nordsee-Verbindungen ab Dänemark, Holland, Belgien und Frankreich mit Kurs auf die Britischen Inseln, nach Norwegen sowie bis nach Island. Für das westliche und östliche Mittelmeer gibt die Broschüre einen Überblick über 90 internationale und nationale Fährpassagen. Neu aufgenommen wurden Fährverbindungen im Schwarzen Meer, zum Beispiel ab Odessa über Sotschi, die Stadt der Winterolympiade 2014, bis ins georgische Batumi.

Viele Wege führen zum Fährticket: Die Übersicht der Reedereien wird ergänzt um Buchungstelefonnummern, E-Mail-, Internet- und Facebook-Adressen der Fährreedereien. Smartphone-Nutzer werden über QR-Codes direkt auf die Seiten der Fährgesellschaften gelotst oder auf die Homepage des VFF: Hier sind unter dem Navigationspunkt „Buchung“ gleich mehrere reedereiübergreifende Buchungsportale zu finden.

VFF Fährfolder 2014_Die Routen im Norden

VFF Fährfolder 2014_Die Routen im Süden

Reise-Handbuch Baltikum

Litauen – Dunkle Wälder, stille Seen und weiße Dünen: So zeigt sich das größte der drei baltischen Länder. Handelsstädtchen, weite Moore, aber auch Burgen und Kirchen setzen Akzente. Ein Ziel auf der Kurischen Nehrung ist der Künstlerort Nida. – Lettland – Das vitale Riga beeindruckt mit seiner Geschichte, seiner Altstadt und den Jugendstilbauten. Im Landesinneren sind Nationalparks und das „Land der blauen Seen“, aber auch Schlösser und Burgen zu entdecken. Aktivurlauber schätzen den Gauja-Nationalpark in seiner Vielfalt. – Estland – Das kleinste und am nördlichsten gelegene Land im Baltikum besitzt eine lange Küste mit schönen Stränden und dichte Wälder. Tallinn ist Wirtschaftszentrum sowie kultureller Mittelpunkt und Ganzjahresziel. Die Inseln Saaremaa und Hiiuma bezaubern mit herbem Charme.

Christian Nowak: DuMont Reise-Taschenbuch Reiseführer Estland

Der Reiseführer im Taschenbuchformat Seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion im Jahr 1991 hat die kleinste und nördlichste der drei baltischen Ostseerepubliken einen bemerkenswerten Aufschwung erlebt. Entstanden ist ein moderner europäischer Staat und ein attraktives Reiseziel. Motor der Erneuerung ist die Hauptstadt Tallinn, deren mittelalterlich geprägter und meisterlich restaurierter Altstadtkern mit nordischem Charme und pulsierendem Nachtleben lockt. Außerhalb der Städte besitzt Estland viel unverbrauchte Natur und bodenständige Ursprünglichkeit – Massentourismus ist hier noch ein Fremdwort. Um Fauna, Flora, Menschen und Städte zu erleben, bietet sich das DuMont Reise-Taschenbuch Estland als unentbehrlicher Begleiter an. Umfassend und sachkundig werden die schönsten Reiseziele präsentiert – von der zerklüfteten Inselwelt im Westen über das dynamische Tallinn bis hin zur Hermansfestung an der Narva im estnisch-russischen Grenzgebiet. Darf es eine Wanderung durch dichte Kiefernwälder oder ausgedehnte Moorlandschaften im Endla-Naturschutzgebiet oder lieber eine Kanutour im Soomaa-Nationalpark sein? Oder sind vielleicht doch eher ein Altstadtbummel in Tallinn oder Baden am Bärensee angesagt? Wonach Ihnen auch der Sinn stehen mag, Estland wird Sie mit seiner frischen, etwas anderen Art überraschen. Skandinavien-Experte Christian Nowak bereist die baltischen Länder seit rund zehn Jahren regelmäßig. Dabei sind zahlreiche Reiseführer, Artikel und ein stattliches Bildarchiv über die Region entstanden. Besonders Estland hat es ihm aufgrund seiner Ähnlichkeit mit Skandinavien angetan. Daher sind Sie bei unserem Autor in allerbesten Händen, um sich gezielt zu den Highlights der Region führen zu lassen. Und zu seinen ganz persönlichen Lieblingsorten! Auf 10 Entdeckungstouren können Sie aktiv Neues entdecken, hinter die Kulissen schauen, eine ganz persönliche Beziehung zum Land entwickeln. Ausgewählte Adressen, jeweils mit einem aussagekräftigen Schlagwort bewertet, und zahlreiche Infos für alle, die Wert auf eine aktive und kreative Reisegestaltung legen, bieten das Rüstzeug für jeden, der individuell unterwegs sein möchte. Der Magazinteil beleuchtet mit frischer journalistischer Kompetenz die für das Reiseziel relevanten Themen und vermittelt ein lebendiges, aber auch kritisches Porträt Estlands. 10 x Auf Entdeckungstour ! Tallinner Design-Highlights – Kreativszene und coole Locations Marzipan aus Tallinn – begehrte Köstlichkeit mit Tradition Der estnische Nationalstein prägt Landschaft und Architektur Auf den Spuren des estnischen Goethe – Anton Hansen Tammsaare Die Altgläubigen am Peipus-See – Leben nach alten Riten Tartu – Stadt der Denkmäler Der Energiepfad in Rõuge – Umwelttechnik mit einfachen Mitteln Zu Fuß und per Kanu durch den Soomaa-Nationalpark Berühmtheiten in Haapsalu – wo Peter Tschaikowski komponierte Die Kirche von Karja – Skulpturen, die Geschichten erzählen Die Karten Satellitenaufnahme von Estland Übersichtskarte mit den Highlights des Landes 4 Citypläne und Detailkarten: sämtliche Adressen sind darin anhand eines farbigen Nummernsystems verortet Plus: Extra-Reisekarte zum Herausnehmen

Christian Nowak: DuMont Bildatlas Baltikum – Estland, Lettland, Litauen

Estland, Lettland, Litauen – Der DUMONT Bildatlas stellt die baltischen Hauptstädte vor, die modern sind, zugleich aber kostbare Schätze ihrer Vergangenheit bergen. Alle drei Länder sind dünn besiedelt und mit ihren wunderbaren Landschaften und herrlichen Küsten ein Traumziel für Naturliebhaber. Sechs Kapitel beinhalten eine Vielzahl an reisepraktischen Tipps rund um Ausflüge und Märkte, Museen und Wellness sowie ausgesuchte Hotels und Restaurants mit allen wichtigen Anschriften, Öffnungszeiten und Internet- Links. Fundierte Hintergrundreportagen und Specials greifen aktuelle und interessante Themen auf. Dazu erleichtern detaillierte Reisekarten die Orientierung vor Ort. Die Topziele sind zusätzlich mit Hinweisnummern versehen, die sich im Text der Infoseiten eines jeden Kapitels wiederfinden. Das abschließende Servicekapitel bündelt noch einmal alle wichtigen Fakten zur Reise.

Estland: Harmonie von Mittelalter und Moderne in Tallinn

Tallinns Altstadt ist UNESCO Weltkulturerbe

Quicklebendiger Mittelpunkt der Altstadt ist der Raekoja Plats mit dem gotischen Rathaus aus dem 15. Jahrhundert und einem Ensemble gut erhaltener, mittelalterlicher Häuser. Wer sich die Mühe macht, die dunkle und nach oben hin immer schmaler werdende Wendeltreppe des schlanken Rathausturmes zu besteigen, wird mit einem schönen Blick auf das mittelalterliche Städtchen, den Hafen und die Bucht von Tallinn belohnt. Das Gewirr der roten Dächer wird von mehreren Kirchtürmen durchstoßen, von denen die Olaikirche und die Nikolaikirche ihre Türme am weitesten in den Himmel recken. Auch die prächtigen Kuppeln der Alexander-Nevski-Kathedrale auf dem Domberg sind gut auszumachen. Von oben erkennt man auch die Reste der Stadtmauer, die Tallin früher zu einer der mächtigsten Festungen in Nordeuropa machte. Heute ist der Verteidigungsring löchrig, denn nur noch rund die Hälfte der einst 46 Verteidigungstürme ist erhalten geblieben. Trotzdem erfüllt die Stadtmauer auch heute noch ihren Zweck und grenzt die Altstadt gegen das moderne Tallinn ab.

Unterstadt und Domberg

Das sommerliche Tallinn ist eine Stadt zum Schlendern, Shoppen und Genießen. Die engen, mit Kopfsteinen gepflasterten Gassen sind gesäumt von wunderschönen alten Häusern. In den verwinkelten Altstadtgassen finden Besucher unzählige Antiquitätenhändler, Galerien, Kunsthandwerksbetriebe, Cafés, Kneipen und Restaurants. Über das Kurze Bein, eine steile Rampe, oder das Lange Bein, die nicht ganz so steile Aufstiegsvariante, erreicht man von der Unterstadt den Domberg. Früher lebten nur die Ritter auf dem 50 Meter hohen Felsen der Oberstadt. Unten wohnten die Kaufleute und das gemeine Volk, denen jeden Abend die Tore zur Oberstadt vor der Nase zugeknallt wurden. Kein Wunder, dass blutige Auseinandersetzungen zwischen Ober- und Unterstadt keine Seltenheit waren. Eindrucksvoll präsentieren sich heute auf dem Domberg die St. Marienkirche, die Alexander-Nevski-Kathedrale und das Schloss.

Für Schlemmer und Genießer

Im Sommer ist das Angebot an Restaurants, Kneipen und Cafés in der Tallinner Altstadt überwältigend. Draußen sitzen ist angesagt, auf hölzernen Terrassen, die in fast jeder Straße und auf jedem Platz zu finden sind. Stimmungsvoll mittelalterlich geht es im Olde Hansa zu. In dem dreistöckigen Restaurant stimmt einfach alles, vom Ambiente bis zum Essen. Dunkle Räume, nur spärlich von Kerzen erhellt, die Bedienung in mittelalterlichen Kostümen, die Speisekarten mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Schon das Brot und die Vorspeisen sind ein Gedicht, gewöhnungsbedürftig dagegen das Honigbier und der Kräuterwein.

Ins Balthasar sollte man nur gehen, wenn man keine Angst vor Mundgeruch hat, denn hier wird vom Appetizer bis zum Dessert reichlich Knoblauch serviert. Das erste und einzige Knoblauch-Restaurant Tallins ist in einem der ältesten Gebäude der Stadt untergebracht und überzeugt durch ein dezentes und edles Interieur mit viel Holz. Seinen Namen bekam es von dem Schriftsteller und Historiker Balthasar Russow, der hier gewohnt und viel Wissenswertes über die Geschichte Estlands vom 12. bis zum 16. Jahrhundert zusammengetragen hat.

Das Café Tristan und Isolde im Erdgeschoss des Rathauses wirkt innen auf den ersten Blick beengt und durch die Steinmauern etwas düster, doch bei schlechtem Wetter wird es bei ruhiger Musik und Kerzenlicht hier richtig gemütlich. Bei schönem Sommerwetter sind die Tische zwischen den Rathaussäulen der bessere Platz, denn von hier aus kann man dem Treiben auf dem Rathausplatz zuschauen.

Immer einen Besuch wert ist auch das Maiasmokk, das älteste Café der Stadt. Auf der kleinen Terrasse sitzt man etwas abseits des Trubels und auch innen ist das Maiasmokk, was soviel wie süßer Zahn bedeutet, klein und gemütlich. Die Kuchenauswahl ist eher bescheiden, dafür sind die Piroggen wirklich lecker.

Weiße Nächte und Altstadtfestival

Aus historischen Aufzeichnungen weiß man, dass die Tallinner schon im 14. Jahrhundert Stadtfeste gefeiert haben, bei denen die besten Bogenschützen und die schönsten Frauen gekürt wurden. Dann geriet diese Tradition lange in Vergessenheit, bis sie 1982 wiederbelebt wurde. Seitdem gibt es jedes Jahr Anfang Juni wieder ein Altstadtfestival. Für die Tallinner ist es der Beginn des Sommers, denn Anfang Juni steigen die Temperaturen schon auf sommerliche Werte und die berühmten weißen Nächte lassen die Stadt in einem samtweichen Licht erstrahlen. Für das Altstadtfest wird auf dem Rathausplatz eine große Bühne aufgebaut, auf der bis spät in den Abend live Musik gespielt wird. Dann schlendern unzählige Besucher durch die Gassen und die Freiluftcafés und Restaurants machen einen Großteil ihres Jahresumsatzes. Kunsthandwerker bieten Mittelalterliches an, Schmuck und Schmiedewaren, eigenwillige Hüte und allerlei Krimskrams.

Jenseits der Altstadtmauern

Verlässt man die Altstadt und geht zum Viruplatz, taucht man in das moderne Tallinn ein. Statt enger Gassen und ruhiger Fußgängerzonen rollt hier der Berufsverkehr auf breiten Straßen. Statt mittelalterlicher Architektur fast nur nüchterne, stark von der Sowjetzeit geprägte Plattenbauweise. Einige dieser architektonischen Sünden haben mittlerweile ein Facelifting erhalten. Doch bei einer Fahrt in die Trabentenstädte bleibt die Schönheit endgültig auf der Strecke, hier zeigt Tallinn sein zweites Gesicht. Überall fallen die Versäumnisse der letzten 50 Jahre ins Auge, hier wartet noch vieles auf die Sanierung.

Trotzdem gibt es auch außerhalb der Altstadtmauern einiges Sehenswerte. So das Freilichtmuseum Rocca al Mare, das nordöstlich vom Zentrum direkt am Meer liegt und seinen eigenwilligen Namen einem reichen Tallinner Kaufmann und Italienliebhaber verdankt. Auf dem weitläufigen Gelände stehen rund 70 historische Gebäude aus allen Teilen Estlands. Richtig Leben kommt in das Freilichtmuseum am Wochenende, wenn die farbenprächtigen Trachtengruppen kommen und zu traditioneller Musik tanzen.

Nicht weit vom Freilichtmuseum entfernt befindet sich der ehemalige Sommersitz von Zar Peter I., den er zu Ehren seiner Frau Katharina „Jekaterinental“ genannt hat. Das mittlerweile prachtvoll renovierte Schloss Kadriorg gilt als einer der schönsten Barockbauten im ganzen Baltikum. Auch das Interieur ist sehenswert, besonders der Raum über dem Foyer mit seiner Stuckdecke und den Wand- und Deckengemälden. Von dem umgebenden Park ist erst ein Teil wieder im Originalzustand, sonst herrscht noch Wildwuchs.

Auf dem Weg zum Piritafluss kommt man an der riesigen Sängerbühne vorbei, auf der 30.000 Sänger gleichzeitig auftreten können. An der Mündung des Piritaflusses ist das Olympische Segelzentrum zu besichtigen, das allerdings seit den Spielen von 1980 viel von seiner Attraktivität verloren hat. Gleich nebenan stehen die Ruinen des Birgittinenklosters, einst das größte Nonnenkloster Estlands. Besonders beeindruckend präsentiert sich die Ruine der dreischiffigen Klosterkirche, die im 16. Jahrhundert während der Belagerung der Stadt zerstört wurde. Heute stehen zwar nur noch die Außenmauern, aber der Westgiebel ragt beeindruckend in den Himmel.

Christian Nowak

Estland: Weihnachtsmärkte in Tallinn und Tartu

Tallinn und Tartu erstrahlen im festlichen Glanz

Zur Weihnachtszeit verwandelt sich das nördlichste Land des Baltikums in eine zauberhafte Landschaft und taucht in eine feierliche Adventsstimmung zwischen Tradition und Moderne ein. Zuletzt von der britischen Times zum „Besten Weihnachtsmarkt Europas“ und von Travel Intelligence als „einer der Top 10 Weihnachtsmärkte in Europa“ gekrönt – ist der Weihnachtsmarkt der estnischen Hauptstadt Tallinn immer eine Reise wert. Die Universitätsstadt Tartu versprüht in der festlichen Jahreszeit einen besonderen weihnachtlichen Geist, den Besucher auf dem Markt mit zahlreichen Attraktionen erleben können.

Tallinn in weihnachtlicher Vorfreude

Bereits zum 10. Mal eröffnet der Weihnachtsmarkt in Tallinn auf dem historischen Rathausplatz der Stadt in festlicher Beleuchtung. Vom 26. November 2011 bis 8. Januar 2012 können Besucher neben traditionellen Weihnachtsköstlichkeiten auch regionale Handwerkskunst entdecken, in einem märchenhaften Haus nimmt der Weihnachtsmann die Wünsche der Kinder entgegen. Doch nicht nur auf dem Rathausmarkt sondern in der gesamten Stadt ist die feierliche Stimmung zugegen. Im westlich von der Innenstadt gelegenen Freilichtmuseum „Rocca al Mare“ können Familien im Weihnachtsdorf vom 16. bis 18. Dezember 2011 in die Vergangenheit blicken und landestypische Weihnachtstraditionen wie das Schmücken des Baumes originalgetreu kennenlernen. Musikalisch begleitet wird die festliche Zeit in Tallinn von v erschiedenen Konzerten –wie dem Christmas Jazz Festival – in Kirchen, Sälen und mittelalterlichen Türmen der Stadt. Dieses Jahr feiert der Markt zudem ein besonderes Ereignis: Tallinns Weihnachtsbaumtradition zählt seinen 570. Geburtstag und ist mehr als ein halbes Jahrtausend später noch immer Mittelpunkt des weihnachtlichen Geschehens.

Weihnachtlicher Geist in Tartu

Ein festlicher Höhepunkt ist auch der Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz der Stadt Tartu, dem geistigen Zentrum des Landes. Für Abwechslung sorgen verschiedene Attraktionen. Ab dem ersten Advent werden die Rathausfenster mit Bildern von alten Volksgeschichten und Märchenkalendern geschmückt sein. Vom 1. bis 23. Dezember 2011 führen abendlich um 18.00 Uhr bekannte Tartuer Schauspielern Märchen aus vergangenen Zeiten auf. Dabei können Besucher kulinarische Leckerbissen genießen und im Pfefferkuchenhaus selber backen.

Ein besonderes Ereignis ist das jährliche Wintertanzfest, das am 17. Dezember 2011 auf dem Rathausplatz von Tartu stattfindet. Wie im letzten Jahr werden rund 200 Tänzer auftreten und das Publikum zum Mittanzen auffordern. Männer haben die Möglichkeit, ihre Kräfte in einem Holzsägen- und Holzhacken-Wettbewerb zu messen.

Vom 16. bis 17. Dezember 2011 ist die Antoniusgilde der „Hof für Geschmackserlebnisse“, denn dort können Gäste hautnah bei der Zubereitung eines typisch estnischen Weihnachtsabendessens dabei sein.

Für weihnachtlich-musikalische Unterhaltung ist ebenso gesorgt. Nicht nur an den Adventssonntagen auf dem Rathausmarkt, sondern auch in den Kirchen und Konzertsälen der Stadt wird es verschiedene Aufführungen geben.

Weitere Informationen gibt es unter: www.tourism.tallinn.ee, www.visittartu.com, www.visitestonia.com