Griechenland: Spinalonga – Die Insel des Todes

GR Kreta Spinalonga 9

Die Leprakranken haben Spinalonga bei Kreta längst verlassen

Als Annika Zeferis und Alan Haldane zum ersten Mal ihr neues Boot ausprobieren, wählen sie den Weg rund um die Insel Spinalonga. Die gute Stimmung verfliegt, als Annika zwei Falken entdeckt, die über dem venezianischen Kastell ihre Kreise drehen. Ihr schaudert. „Spinalonga beunruhigt Dich?“ fragt Haldane, „das ist doch nur eine alte Lepra-Kolonie.“ Annika schüttelt den Kopf: „Es ist ein Platz des Todes.“ Und wieder schauderte ihr.

Der Dialog ist eine Schlüsselszene einer Fernsehserie, die vor Jahrzehnten in Großbritannien zum Straßenfeger wurde. Wenn sie lief, lief nichts mehr zwischen Dover und Land’s End. Die Manager der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in London und Athen rieben sich die Hände. Denn die Fernsehserie „Wo Pays the Ferryman?“ spielte auf Kreta und spülte eine Unmenge britischer Touristen auf die Insel, die mit eigenen Augen sehen wollten, wo Annika, die Griechin, und Haldane, der Brite, um ihr Glück kämpften. Der Titel des Films spielt auf den Fährmann Charon an, der in der griechischen Mythologie in der Unterwelt die Toten über den Fluss Acheron bringt und dafür Geld fordert. Im Archäologischen Museum von Agios Nikolaos, nicht weit von Spinalonga entfernt, ist ein antiker Schädel ausgestellt, der zwischen den Zähnen eine Silbermünze trägt – Lohn für den Fährmann.

Spinalonga gibt es zweimal

Eigentlich gibt es Spinalonga in der weiten Bucht des Ferienortes Elounda an Kretas Nordostküste gleich zweimal. Zum einen das kleine Eiland, das heute als Ausflugsziel unter diesem Namen bekannt ist und von den Griechen auch Kalidona genannt wird. Zum anderen die benachbarte große Halbinsel gleichen Namens. Die Venezianer waren es, die letztere „Spina longa“ nannten, „langer Dorn“. Wesentlich früher als die Herrschaft der Venezianer über Kreta lag die Blütezeit der Halbinsel, die mit dem Festland durch einen Damm verbunden ist. Hier lag in klassisch-griechischer Zeit die Stadt Oulos, die heute im Wasser versunken ist. Aber ihre Reste sind vom Land aus gut zu erkennen.

GR Kreta Spinalonga 1

Das Eiland Spinalonga dürfte wohl durch einen Vulkanausbruch von der Halbinsel getrennt worden sein. Seine strategische Bedeutung wurde von den Venezianern erst 375 Jahre, nachdem sie Kreta erobert bzw. buchstäblich erkauft hatten, erkannt. Erst 1579 besiedelten sie die Insel und errichteten dort eine Festung – bestes venezianisches Festungshandwerk wie an so vielen Stellen auf Kreta, das über vier Jahrhunderte ohne nennenswerte Schäden überstand. Die Venezianer ließen sich auch etwas einfallen, um den schwächsten Punkt der Insel zu umgehen: Auf Spinalonga gab und gibt es keine Brunnen. So versahen sie die Hausdächer mit Wasserscheiden und sammelten das Regenwasser in großen Zisternen. Sie sind heute noch zu sehen.

GR Kreta Spinalonga 11

Niemand weiß, ob es die Furcht vor dem mit 35 Kanonen ausgestatteten Bollwerk war oder pure Nachlässigkeit: Die Insel wurde von den Türken erst besetzt, als es für sie auf Kreta seit Jahrzehnten nichts mehr zu erobern gab: 1715. Zum Vergleich: Heraklion fiel nach 20-jähriger Belagerung bereits 1669. Über 1000 türkische Familie machten es sich in den Häusern der Venezianer bequem. Mit der Idylle war es vorbei, als Kreta 1889 einen autonomen Status erhielt. 1903 beschloss die Inselregierung, Spinalonga zur Leprakolonie zu machen. Kranke aus ganz Griechenland wurden hierher gebracht, die bis dahin als Ausgestoßene völlig isoliert in Erdlöchern, Höhlen oder primitiven Hütten gelebt hatten. Es gab für sie keine Arbeit und keine medizinische Versorgung.

Geborgenheit in der Gruppe

Auf Spinalonga dagegen fanden sie die Geborgenheit in einer Gruppe. Zwar mussten sie auch hier jahrzehntelang ohne Arzt auskommen, und Wasser und Essen wurde nur unregelmäßig vom Festland herübergebracht. Aber dieses karge Leben musste ihnen lebenswerter vorkommen als das als Aussätzige fernab der dörflichen Gemeinschaft. Eine solche schufen sie sich auf der nur 440 Meter langen und 250 Meter breiten Insel. Paläste aus venezianischer Zeit wurden als Krankenhäuser genutzt, die kleineren Baute zu Wohnhäusern und Geschäften ausgebaut. Schließlich gab es auf Spinalonga Tavernen, eine Kirche, eine Theatergruppe und eine eigene Zeitung. Der schriftstellernde Soldat Erhart Kästner („Kreta“) besuchte die Insel im Zweiten Weltkrieg und stellte fest: „Die Kranken haben sich im Alten zurechtgenistet. Es hat sich so etwas wie ein Dorf in der alten Festung entwickelt, eine Gemeinde, die für sich dahinlebt.“

GR Kreta Spinalonga 4

Das Leben in der Leprakolonie war seit den 30iger Jahren leichter geworden. Die Regierung ließ elektrisches Licht installieren, baute Labors und ein regelrechtes Krankenhaus. Jetzt kamen regelmäßig Ärzte auf die Insel, um die Kranken zu betreuen. 1948 wurden die zweistöckigen Wohnblöcke errichtet, die Besucher heute noch sehen. Sie wirken wie Fremdkörper zwischen venezianischen und türkischen Bauresten.

Neuer Hype mit Hislop

Die letzten Leprakranken verließen die Insel 1957 und wurden in ein Athener Krankenhaus gebracht. Seitdem ist Spinalonga unbewohnt. Die Gebäude verfallen, aber einige sind bemerkenswert gut erhalten. An einigen Stellen wirken die schmalen Gassen der Insel so, als wären die Bewohner erst kürzlich fortgezogen. Bei gutem Wetter erwacht die Insel zu neuem Leben. Hunderte von Ausflüglern, die von Agios Nikolaos mit großen Ausflugsbooten anreisen, durchstreifen die Gassen, blicken in alte Handwerksläden und bewundern die von wild wachsenden Pflanzen überwucherten Festungsbauten. In den letzten Jahren sind auch viele Griechen unter den Ausflüglern. Denn war es ein paar Jahre ruhig geworden um die Leprainsel, entfachte der Roman „The Island“ von Victoria Hislop, der auf Spinalonga spielte einen neuen Ansturm. Das Buch wurde in 20 Sprachen übersetzt und ist auch auf Deutsch mit dem Titel „Insel der Vergessenen“ erschienen. Seitdem das griechische Fernsehen die Geschichte der Britin Alexis Fielding , die die Wurzeln ihrer griechischen Mutter sucht, in 26 Folgen verfilmte, interessiert sich auch fast jeder Grieche für Spinalonga.

GR Kreta Spinalonga 17

Wer allerdings die verwunschene Insel auf eigene Faust entdecken möchte, sollte die großen Ausflugschiffe meiden. Er findet im kleinen Ort Plaka, der Spinalonga genau gegenüber liegt und fast nur einen Steinwurf weit entfernt ist, ein Motorboot und einen Ex-Fischer, der ihn hinüberbringt. In früheren Jahren musste man suchen und fast betteln, um einen Bootsführer zu finden, was natürlich die Preise in die Höhe trieb. Heute haben die Männer von Plaka aus der Krise ihre Lehre gezogen: Sie haben eine Genossenschaft gegründet und verkaufen Tickets zu Einheitspreisen, wobei sich die Verkäufer nach einem festen Plan abwechseln. Nur alleine und nicht in lärmenden Gruppen lässt sich die Atmosphäre der Insel erfassen. Für den, der allein durch das Geisterdorf schlendert, wird der Tod begreifbarer als auf irgendeinem Friedhof. Bei der Rückfahrt lassen vielleicht auch ihn die Falken, die über der Festung kreisen, schaudern. Und er ist froh, dass der Fährmann nicht Charon heißt, sondern Nikos, Jannis oder Kostas.

Text und Fotos: Horst Schwartz

 

Griechenland: Die Insel Skiathos – Populär durch Mamma Mia!

Foto: Skiathos, Attika Reisen

Der Musikfilm Mamma Mia! mit Hits der Popgruppe ABBA hat Skiathos bekannt gemacht. Das Eiland war mit der Nachbarinsel Skopelos Schauplatz der Komödie. Beide gehören zur Inselgruppe der Nördlichen Sporaden. Es ist nicht so, dass die 15 Kilometer nordöstlich von Euböa liegende Insel Skiathos vorher ein Geheimtipp gewesen wäre. Aber sie fiel in den letzten Jahren immer wieder in den Dornröschenschlaf. Meryl Streep und Pierce Brosnan haben sie wachgeküsst.

Aber die nur elf Kilometer lange und fünf Kilometer breite Insel Skiathos ist nicht mehr das Skiathos von früher. Vor der Krise war sie eines der beliebtesten Wochenendziele der Hauptstädter, die in Scharen aus Athen einfielen. Sie wurden von den Gastgebern auf der Insel geschätzt, denn sie waren anspruchsvolle Gäste. „Das hat sich dramatisch geändert“, sagt Nikolas Maimanakos, „heute kommen fast keine Griechen mehr.“ Nikolas‘ Eltern betreiben seit über 30 Jahren auf Skiathos die Appartementanlage Villa Karina, in der sie viele deutsche, aber noch mehr österreichische Gäste begrüßen. Die Insel ist von München aus gut mit Condor zu erreichen und ab Wien mit Air Berlin.

Nikolas MaimanakosDerzeit besuchen auch viele Serben und Rumänen die Insel, die sie mit der Fähre erreichen. „Skiathos wechselt mit den Monaten den Charakter, “ sagt Nikolas Maimanakos, „im Mai kommen die typischen Griechenlandurlauber, die Gäste von Juni bis August haben andere Ansprüche: Sie suchen reinen Badeurlaub.“ Dabei kommen sie auf ihre Kosten. 62 Strände mit feinstem Sand, die meisten davon mit angrenzenden Pinienwäldern, gruppieren sich rund um die Insel. Am Banana-Strand war schon FKK an der Tagesordnung, als an anderen griechischen Stränden noch der Dorfpope mit der Mistgabel Nacktbadende vertrieb. „Schön ist heute die kleine Banana-Beach für FKK-Anhänger“, betont Nikolas Maimanakos, „die große Banana-Beach ist zum Partystrand mit lauter Musik mutiert.“

Skiathos bietet viel mehr als Bade- und Partyspaß. Weite Teile der Insel sind unter Naturschutz gestellt. Im Meer rund um die Insel leben Delphine, Seerobben und Meeresschildkröten. Deshalb wurde hier schon vor über 20 Jahren der größte Meerespark Europas geschaffen.

Auch die Gastgeber auf Skiathos arbeiten an der Saisonausweitung. Immerhin bietet die Insel 25 gepflegte, mit gelben Täfelchen gut markierte Wanderstrecken – von leicht bis mittelschwer, von einer Stunden bis sechs Stunden Gehzeit und einer Gesamtlänge von knapp 200 Kilometern. Sie sind das Werk von Ortwin Widmann, deutscher Staatsbürger, Philhellene und Aussteiger, der seit 1997 mit Frau Ursula, einem Hund und sechs Katzen auf Skiathos lebt. „Als begeisterter Wanderer habe ich in den Jahren so ziemlich jeden Quadratmeter der Insel erforscht“, sagt er. Beim mühseligen Anlegen des Wandernetzes haben ihm alte Karten geholfen – „und viele meiner griechischen Freunde: Ziegenhirten, Fischer und Jäger“. Ortwin Widmann ist auch Verfasser eines Insel- und Wanderführers. Der bezeichnende Titel: „Wandern im Paradies der Ägäis“.

Horst Schwartz

 

Griechenland: Karnevalhochburg Xanthi

 Xanthi Karneval_Marketing Greece

Kulinarische Köstlichkeiten und griechischer Wein stehen im Fokus des Xanthi Karnevals im Nordosten des Landes. Dort zieht außerdem eine prächtige Parade durch die Straßen und tausende Jecken tanzen und feiern die ganze Nacht zur Musik. Die Stadt Rethymno auf Kreta veranstaltet auch eine Reihe an unterhaltsamen Feiern zur närrischen Zeit. Während bei den Kostümen ein venezianischer Einschlag unverkennbar ist, sind die ausgelassenen Feste zweifelsohne kretischer Natur.

Griechenland: Kos – die Insel der Strände

Die meisten Leute liegen den ganzen Tag am Pool, obwohl wir hier die schönsten Strände der Welt haben“, wundert sich Dia Toggas über die Verhaltensweise vieler Touristen.

Dia sieht mit ihrer markanten Hakennase, den langen schwarzen Haaren, den dunklen Augen und den strahlend weißen Zähnen ein bisschen wie die Fleisch gewordene Karikatur einer hellenistischen Schönheit aus. Die überaus sympathische, gertenschlanke 42-jährige betreibt mit ihrem Mann Dimitrios einen kleinen Kiosk in Kardámena an der Südküste der griechischen Ferieninsel Kos. Nein, reich werde sie davon nicht. Doch in den sieben, acht Monaten während der Saison von Mai bis Oktober verdienten sie genug, um den Rest des Jahres gut davon leben zu können, beteuert Dia.

Ob Kos wirklich über die schönsten Strände der Welt verfügt, sei dahin gestellt. Fest steht, es gibt entlang der 112 Kilometer langen Küstenlinie einige großartige Buchten und Strände wie den Paradise Beach, Camel Beach, Sunny Beach oder die Bucht von Kamari. Kardámena selber gehört sicherlich nicht dazu. Im Gegenteil. Die Strandabschnitte sind relativ schmal und bestehen noch dazu aus einem Gemisch aus Sand und Kies. Dafür avanciert das 2.000-Seelen-Nest in punkto Nachtleben zur (heimlichen) Partyhauptstadt der Insel. Entlang der Promenade am Hafen und in der Fußgängerzone drängt sich Nachtclub an Nachtclub, locken Bars, Cafes und Restaurants.

Und wie überall auf Kos wird mit Broschüren, Handzettel und großen Reklametafeln für Ausflüge auf die Nachbarinseln, nach Rhodos oder nach Bodrum in der nahe gelegenen Türkei geworben. Gemessen an der Zahl der Anbieter, ein scheinbar durchaus lohnendes Geschäft. Doch wie merkwürdig ist dies: Da reist man auf ein Sonnen verwöhntes Island, um dann zu einem anderen zu entfliehen? Zumal Kos selber allerhand zu bieten hat. Sonne, Sand und herrliche Badetemperaturen lassen das Island in der südlichen Ägäis zu einem Paradies für alle Sonnenanbeter, Feierlustigen, Sandburgenbauen und Familien avancieren.

Die bedeutendste archäologische Ausgrabungsstätte und bekannteste Sehenswürdigkeit der Insel ist die Heilstätte Asklepíon (auch Asklepíeion genannt). Das antike Sanatorium, das als eine der ersten Kurkliniken der Menschheit gilt, liegt rund vier Kilometer südwestlich von Kos-Stadt auf einem von Zypressen bewaldeten Hügel. Die terrassenförmige Anlage, deren Ebenen über imposante Freitreppen miteinander verbunden sind, wurde im Jahre 1902 vom deutschen Archäologen Rudolf Herzog entdeckt und in den Jahren bis 1904 freigelegt.

„Hippokrates hat hier seinen Eid verfasst haben“, beteuert Dia Toggas, die nicht müde wird, die Sonnenseiten ihrer Heimat herauszustellen. Ob der Urvater der modernen Medizin tatsächlich in Asklepíon seinen berühmten Schwur begründet hat, darf allerdings bezweifelt werden. Wahrscheinlicher ist, dass die Heilstätte erst nach seinem Tod errichtet wurde. Gleichwohl sind die Insulaner permanent bestrebt, das Gedenken an den berühmtesten Sohn auf mannigfaltige Art und Weise aufrecht zu halten. Da ist zum Beispiel jene Platane in Kos-Stadt, die Hippokrates angeblich selber gepflanzt hat und unter der er zu sitzen pflegte. Der Baum ist so altersschwach, dass er nur dank eines riesigen Gerüstes überhaupt noch aufrecht steht. Und natürlich sind an jeder Ecke Hippokrates-Devotionalien käuflich zu erwerben. Zum Verkaufsschlager avancieren neben Büsten mit dem Kopf des Gelehrten vor allem Nachdrucke seines Eides, der noch heute den Ehrenkodex für die Ärzte weltweit beschreibt.

Der überaus charmante und blitzsaubere Kern der Inselkapitale erstreckt sich rund um Mandráki, den fast runden Hafen. Dieser diente schon in der Antike als wichtigster Handels- und Kriegshafen der Insel. Um ihre Flotte zu schützen, errichteten die Johanniter-Ritter hier im frühen 14. Jahrhundert die Burg Nerátzia. Um den Freiheitsplatz, den Platiá Elefetheriás, gruppieren sich die elegante Markthalle, die 1725 erbaute Defterdar-Moschee, in der heute kleine Geschäfte und ein Café untergebracht sind, sowie das Archäologische Museum der Insel. Nur einen Steinwurf entfernt lädt das östliche Ausgrabungsfeld, die Agorá, zu einer Zeitreise in die Antike ein. Das beeindruckende Areal war durch Zufall entdeckt worden, nachdem ein schweres Erdbeben am 23. April 1933 weite Teile der Innenstadt zerstörte. Ein schicksalhaftes Ereignis, das sich zumindest aus Sicht der Archäologen als Glücksfall erwies. Denn unter den Trümmern des Stadtzentrums entdeckten sie die Reste einer antiken Stadt. Noch größer und besser erhalten ist das westliche Ausgrabungsfeld, an dessen Rand ein 1.800 Jahre altes römisches Amphitheater, das Odeon, für fast eine halbe Million Euro wieder errichtet wurde. Entlang der Odós Plessa, Odós Ifestoú und der Odós Apelloú reihen sich Souvenirgeschäfte, Restaurants, Tavernen, Bars und Diskotheken aneinander. Hier soll es angeblich mehr Diskos geben als nirgendwo sonst in Griechenland.

Wesentlich beschaulicher geht es derweil in den nahe gelegenen Bergdörfern wie Asfendioú oder Pylí im Schatten des 846 Meter hohen Dikéos Massivs zu. Steinalte Griechen sitzen hier auf unbequemen Holzschemeln vor ihren weiß getünchten Häusern. Streunende Katzen huschen um die Ecken, in schwarz gehüllte Frauen palavern wild gestikulierend in den verträumten Gassen. Vielleicht erzählen sie von ihren Vor-Vorvätern, die einst in Paléo Pilí zuhause waren. Das ursprüngliche Dorf in den Bergen wurde im Jahre 1830 nach einer Choleraepidemie verlassen und entpuppt sich heute als Geisterstadt. Die Bewohner gründeten in drei Kilometern Entfernung mit dem heutigen Pylí einen neuen Ort. Hoch über den Ruinen des alten Dorfkerns thronen die Reste eins byzantinischen Kastells aus dem 11. Jahrhundert. Von hier bieten sich herrliche Blicke auf den Inselnorden und die türkische Küste.

Überall auf Kos wird einem auch eine Tour nach Ziá dringend ans Herz gelegt. Griechenland in seiner ursprünglichen Form sei dort zu finden. Zudem würden sich von dem Bergdorf aus herrliche Blicke auf den Nordosten von Kos auftun. Das mit den Blicken stimmt. Doch ansonsten erwartet einen Ziá vornehmlich mit einem Kulturschock: Voll gestopfte Reisebusse schlängeln sich die Serpentinen hinauf, wo Souvenirhändler neben Souvenirhändler Kitsch feilbietet. Daneben finden sich noch eine Handvoll Restaurants, während die schmalen Gassen zur sehenswerten Kirche Kimissis tis Theotókou mit ihren herrlichen byzantinischen Wandmalereien und zur ältesten Wassermühle in Kos führen.

Ungleich lohneswerter ist da ein Abstecher auf die Halbinsel Kéfalos im Südwesten der Insel. Hier liegen mit dem Ágios Stéfanos und Paradise Beach zwei der besten Strände der Insel. Bei Letzterem durchbrechen Blasen aus dem vulkanischen Untergrund die Meeresoberfläche und sorgen so für ein natürliches Sprudelbad. Am Ágios Stéfanos liegen die frei zugänglichen Ruinen einer Basilika aus der Frühzeit des Christentums. Zusammen mit der Insel Kastri mit der kleinen Kirche des Àgios Nicolaos, die rund 100 Meter vor der Küste liegt und halb gehend, halb schwimmend bequem zu erreichen ist, bildet die Ausgrabungsstätte einen der prächtigsten Blickfänge der Insel, die auch noch über ein ganz besonderes Naturschauspiel verfügt: Im Südosten von Kos lädt die Embrós Therme zu einem ganz besonderen Badevergnügen ein. Aus einem Felsspalt dringt hier das bis zu 49 Grad Celsius heiße Wasser einer Heilquelle und läuft in ein fast kreisrundes natürliches Becken. Die Wellen der Ägäis schlagen über die niedrige Steinmauer und mischen das heiße Wasser mit dem Meereswasser. Eine heiße Wohltat, die auch noch nachweislich gegen Haut-, Augen, Atemwegs- und Muskelerkrankungen sowie Rheumatismus und Arthritis hilft – und das bei freiem Eintritt.

Karsten-Thilo Raab

Griechenland: Zu den Drehorten des Kinofilms „Before Midnight“

Restaurant auf dem Peloponnes

Die Schönheit Griechenlands ist der heimliche Star in der romantischen Liebesgeschichte „Before Midnight“, die gerade in den deutschen Kinos angelaufen ist. Gedreht wurde die Hollywoodproduktion unter anderem auf dem Peloponnes. Vor allem der ursprüngliche Süden des Peloponnes begeistert mit kilometerlangen Sandstränden, den einladenden Häusern im traditionellen Máni-Stil und der herzlichen Gastfreundschaft der Menschen.

In „Before Midnight“ verbringen die Hauptdarsteller Julie Delpy und Ethan Hawke ihren Sommerurlaub in Griechenland und lassen sich von dem griechischen Flair und dem mediterranen Lebensgefühl mitreißen. Die kontrastreiche Szenerie mit traditionellen Natursteinhäusern in sanft geschwungenen bewaldeten Tälern zum einen und hohen schroffen Bergen zum anderen macht auch beim Zuschauer Lust auf mehr.

AT136B05

Die gegensätzliche Landschaft ist für ihre kilometerlangen Sandstrände, zerklüfteten Felsküsten und verträumten Bergdörfer bekannt. Neben den Küstenstreifen und weiten Ebenen wird die hügelige Landschaft im Landesinneren durch das Kyllíni-Massiv im Norden und das 2.407 Meter hohe Taygetos-Gebirge im Süden geprägt. Zudem ist der Besuch der Region ebenfalls eine Reise in das historische Griechenland, denn nirgendwo anders können Gäste so viele antike Stätten entdecken wie auf dem Peloponnes: das berühmte Sparta, das ehemalige Machtzentrum Korinth mit seinen bedeutenden Ausgrabungen, Olympia – die Geburtsstätte der Olympischen Spiele, und Epidaurus mit dem am besten erhaltenen griechischen Theater, sind nur einige der geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten. Byzantinische Kirchen, mykenische Gräber und charismatische Städte runden das vielfältige kulturelle Angebot der Region ab.

Gedreht wurden die Filmszenen von „Before Midnight“ unter anderem im Süden des Peloponnes und im Hotel Kalamitsi bei Kardamíli. Das Drei-Sterne-plus Hotel liegt umgeben von großen Olivenbäumen direkt am Meer und verfügt über eine eigene idyllische, kleine Kiesbucht. Die im Máni-Stil gehaltenen Häuser der Hotelanlage sind aus Naturstein erbaut und strahlen einen warmen, ursprünglichen Charakter aus. Das traditionelle Dorf Kardamíli ist zu Fuß in etwa 10 Minuten zu erreichen.

 

Griechenland: Gibt es ein touristisches Comeback für das angeschlagene Land?

C. Nowak

Michael Karavas hat immer an die Deutschen geglaubt. Der Gründer und Besitzer des Griechenlandspezialisten Attika-Reisen, schon fast 40 Jahre im Geschäft, war auch in der größten Krise davon überzeugt, dass seine Stammkunden „nur mal ein, zwei Jahre aussetzen und dann wiederkommen“. Jetzt hat er die Gewissheit: Die Buchungen liegen derzeit 40 Prozent über den Zahlen im Frühjahr vorigen Jahres. „Wir spüren stärker als die Mitbewerber, dass Griechenland bei den Deutschen eine Renaissance erlebt“,  freut er sich, „aber wir hatten als Spezialist auch die stärksten Rückgänge.“ Die letzten Jahre, so Karavas, „waren das absolute Drama“. Aber das ist vorbei. Es gibt kaum einen Griechenland-Anbieter, Großveranstalter wie kleine Spezialisten, deren Buchungszahlen nicht deutlich zweistellig im Plus liegen. Um Ostern herum hat es eine kleine Buchungsdelle gegeben, jetzt gehen die Zahlen wieder steil nach oben.

C. Nowak

Die Anbieter – allen voran der Veranstalter Alltours – haben mit dieser Entwicklung gerechnet und entsprechend Hotelbetten und Flugsitze eingekauft. Allein Attika, mit noch nicht einmal 40.000 Buchungen ein Winzling unter Deutschlands Reiseveranstaltern,  hat 46 neue Hotels im Griechenland-Katalog – und 24 weitere neue Häuser im Internet-Angebot. Auf 71 zusätzliche griechische Hotels bringt es Neckermann Reisen/Thomas Cook. Selbst Schauinsland Reisen, auch nicht gerade ein Reisegigant, hat 40 neue Hellas-Hotels unter Vertrag. Die meisten Angebote betreffen die Massenziele Kreta, Rhodos, Kos und Korfu. Aber auch kleinere Inseln und unbekanntere Destinationen tauchen in den Programmen vermehrt auf,  auffallend häufig die Ionische Insel Zakynthos.

Kein Engpass bei den Flugsitzen

Im Gegensatz zum Vorjahr, als die ab Juli/August wieder verstärkt einsetzende Nachfrage wegen gekürzter Flugkontingente zu griechischen Zielen nur teilweise bedient werden konnte, sind die Flugkontingente zur Sommersaison laut Karavas „vernünftig geplant und können bei Bedarf auch erhöht werden“. Die Carrier bieten auch ab Berlin mehr Abflüge an als im  Vorjahr. Das gilt nicht nur für Charter-, sondern auch für Linienflüge. Air Berlin hat die bestehende Verbindung von Berlin nach Thessaloniki von zwei auf drei Abflüge pro Woche aufgestockt. Germanwings bedient ein- bis zweimal pro Woche die Strecke Tegel-Heraklion auf Kreta. Ende des Monats kehrt Aegean Airlines, die größte Fluggesellschaft Griechenlands, nach Berlin zurück: Jeweils am Dienstag, Donnerstag und Samstag verbindet der Carrier Berlin-Tegel nonstop mit seinem Drehkreuz Athen. Die Flugzeiten sind auf das breite innergriechische Flugangebot der Fluggesellschaft abgestimmt, wodurch günstige Anschlussverbindungen nach und von Heraklion und Chania auf Kreta, Rhodos, Kos Mykonos, Mytilini, Thessaloniki und Larnaca auf Zypern bestehen.

C. Nowak

Die Russen haben’s gerichtet

Es wird also aller Voraussicht nach ein gutes Jahr für die griechische Tourismusbranche. So schlecht, wie es schien, ist es ihr im letzten Jahr gar nicht ergangen. Die Russen haben’s gerichtet, unterstützt von Briten und Türken. Griechenland kam letztes Jahr in den Genuss so großer Zuwächse aus diesen Ländern, dass – Krise hin, Krise her – die Gesamtzahl internationaler Besucher laut der Griechischen Fremdenverkehrszentrale EOT konstant bei 16,5 Millionen lag. Bei der Auswertung von Statistiken aus Griechenland muss immer eine gewisse Unschärfe einkalkuliert werden; mitunter verschwindet eine halbe Million Urlauber im Datendschungel. So spricht SETE, der griechische Verband der Reiseanbieter, von 16 Millionen Auslands-Ankünften letztes Jahr. Die Latte für dieses Jahr hängt der Verband hoch: 17 Millionen Urlauber sollen es sein, die Griechenland den größten touristischen Erfolg aller Zeiten bescheren.

C. Nowak

Viele griechische Anbieter, allen voran die Hoteliers, freuen sich über die Renaissance auf dem deutschen Markt. Denn die Deutschen gelten als pflegeleicht. „Sie sind anspruchsvoll und auch an Menschen, Kultur und Kunst interessiert“, bringt es ein kretischer Hotelier auf den Punkt. Aber dem russischen Reisepublikum sind die Griechen dankbar. „Ohne den russischen Markt wäre ich nicht sicher, ob ich heute noch existierte“, sagt Nikos Halkiadakis, Chef dreier Hotels mit dem Namen Cactus im kretischen Ort Stalis. Wie seine Kollegen überall auf der Insel betont er, die Russen seinen „reiseerfahrener“ geworden. Das heißt:  „Sie trinken nicht mehr so viel, sind nicht mehr so laut, und sie sind gut angezogen.“ Das Publikum habe sich von Geldwäschern zu Familien gewandelt.

Automatik-Autos sind gefragt

Aber in einem Punkt machen die Russen den griechischen Touristikern immer noch Sorgen: „Sie essen doppelt so viel wie andere Urlauber“, schmunzelt Aristidis Stratakis, Chef der Griechischen Fremdenverkehrszentrale EOT auf Kreta. Auch die Autoverleiher haben Probleme: Die russische Kundschaft fährt daheim Automatik-Wagen und erwartet solche auch in Griechenland. Die Verleiher müssen umrüsten.

H. Schwartz, Griechischer Strand

Panagiotis Skordas, Deutschland-Statthalter von EOT, rechnet mit 2,5 Millionen deutschen Touristen in dieser Saison – auch dies so viele wie noch nie. Für ihn liegt der Erfolg auf der Hand: „Griechenland ist eines der schönsten Länder der Welt mit einer  qualitativ hochwertigen touristischen Angebotspalette  und einem optimalen Preis-Leistungsverhältnis.“ In der Tat scheinen die griechischen Hoteliers dazu entschlossen, Preisdisziplin zu wahren. Thorsten Kühne, Leiter des Produktmanagements Griechenland bei TUI Deutschland, bestätigt das: „Obwohl die Hoteliers mit steigenden Kosten zu kämpfen haben, ist es uns mit ihrer Unterstützung gelungen, die Preise für 2013 stabil zu halten.“

Horst Schwartz

 

Griechenland: Wandern auf Korfu

Korfu: Zum Faulenzen zu schade

So verlockend die Strände auch sind – das Landesinnere mit seinen sanften Hügeln, grünen Wäldern und Tälern, mit schattigen Wegen und urwüchsigen Dörfern ist ein reizvolles Wanderparadies

„Habt ihr an genügend Wasser, Sonnenschutz und Kopfbedeckung gedacht“, fragt Reiseleiterin Petra Kiel. Heute wollen wir den Norden erkunden. Ziel unserer Wanderung ist das kleine Bergdorf Giannades. Schon die Busfahrt von Daccia, das an einer halbkreisförmigen Bucht im Osten liegt, ist ein Erlebnis. Kurve für Kurve windet sich die schmale Bergstraße in die Höhe, vorbei an weißen Häusern, versteckt im dichten Grün, aus dem Zypressen wie spitze Nadeln herausragen. Am Dorfplatz in Giannades – mit weitem Blick auf die Ropa-Ebene – werden die Stiefel geschnürt. Auf sanft ansteigendem Hügelland wandern wir an vorbei  blühenden Sommerwiesen und durch Olivenhaine. Es sind keine Plantagen, auf denen die Bäume in Reih und Glied stehen, die oft uralten knorrigen Stämme haben in einer ursprünglichen Landschaft Wurzeln geschlagen. Und  jeder Olivenhain ist anders, der eine durchflutet von Licht, der andere erinnert an einen dunklen, verwunschenen Wald. Unter den Bäumen sind schwarze Netze auf dem Boden ausgelegt, die bei der Ernte von November bis März die Oliven auffangen sollen. Nahezu sechs Millionen Olivenbäume prägen seit Jahrhunderten die Landschaft der Insel, weiß unsere Reiseleiterin.Bergdorf Giannades

Unterdessen hat sich der Himmel bewölkt. Als die ersten Tropfen fallen und der Himmel plötzlich alle Schleusen öffnet, erreichen wir gerade noch die kleine Taverna am Kirchplatz eines Dörfchens. In wahren Sturzbächen strömt das Wasser durch die engen Gassen bergab. Wir sitzen fest, mehr als eine Stunde. Trinken griechischen Kaffe und anderes, warten. Wandern ins Bergdorf Liapades, wo wir erwartet werden, ist jetzt nicht möglich. Doch dann lernen wir griechische Gastfreundschaft kennen. Spyros, Chef der Taverna The Cricketer, kommt mit seinem Minivan und bringt uns trocken nach Liapades, wo wir uns mit korfiotischen Spezialitäten verwöhnen lassen. Ein kurzer Spaziergang führt zu dem kleinen Badestrand. Selbst der grau verhangene Himmel kann den Reiz dieser von Felsen umgebenen Bucht nicht mindern. Doch die Liegen und Boote sind verwaist. Die kleine Beachbar ist geöffnet, aber Gäste sind nicht in Sicht. Liegt es am Wetter oder an den fehlenden Urlaubern?

Zurück im Hotel ist auf der von Weinlaub umrankten Außenterrasse die Tafel gedeckt und der stets zu Scherzen aufgelegte Costas serviert uns das leckere Vier-Gänge-Abendessen. Und wieder einmal genießen wir die bevorzugte Lage dieses Hauses unmittelbar am Meer. Als Michalis Kantarou Anfang der 70ger Jahre sein Hotel erbaute, gab es noch kein Gesetz, das für Hotelbauten einen Mindestabstand von fünfzig Metern zum Wasser vorschreibt. Und so ist das kleine Daccia Beach wahrscheinlich das einzige Hotel, das nur zehn Meter vom Strand entfernt steht. Noch heute sorgen Michalis und seine Frau Margarita für das Wohl der Gäste, Tochter Xanthi erfüllt an der Rezeption alle Wünsche und Sohn Alexander mixt an der Bar auch verführerische Cocktails. Komplett ist die freundliche Familie jedoch erst mit Bruna, den jungen Mischlingshund, der gern mit den Gästen „anbandelt“. Korfu

Strand mit Liegen und Sonnenschirmen

Am nächsten Tag sind die Badesachen im Rucksack verstaut, denn bei unserer Wanderung an der felsigen Nordost-Küste werden wir uns öfter mal erfrischen können. Von Nisaki wandern wir direkt am Meer entlang, auf einem Kies-Steinstrand, der nur von wenigen Sonnenanbetern bevölkert ist. Dann führt der Weg vom Strand auf einem kaum sichtbaren Trampelpfad durchs Gebüsch hinauf und wieder hinunter zur nächsten Bucht. Immer wieder begeistert uns der Blick aufs Meer, das am Ufer  in herrlichstem Türkis leuchtet. Nur ein weißes Segelboot ankert in der kleinen Bucht, als wir uns ins feuchte Nass stürzen. Eine der schönsten Buchten ist die von Kalami. Der nur 250 Meter lange Strand mit Liegen und Sonnenschirmen ist schmal aber idyllisch. Das einstige Fischerdorf Kalami hat eine gewisse Berühmtheit erlangt durch die Familie Durell, die in den 1930ger Jahren hier gelebt hat. In seinem Buch „Meine Familie und anderes Getier“ schildert Gerald Durel, der bekannte Tierfilmer, seine Kindheitserlebnisse auf Korfu, sein noch berühmterer Bruder Lawrenz schrieb über diese Zeit  den Korfu-Klassiker „Schwarze Oliven“. Das weiße Haus am Ufer mit Erinnerungstafeln an die Durells kann heute als Ferienhaus gemietet werden. Nach einer Mittagspause in der Beach Taverna erwandern wir noch einige romantische, winzige oder stille Buchten, bevor am lang gestreckten menschenleeren Strand von Agios Stefanos noch einmal Zeit zum Baden ist.

Italiengefühl in Korfu-Stadt

Von Daccia aus fährt der Linienbus in gut einer halben Stunde nach Korfu-Stadt. Dort hat man das Gefühl, ein bisschen in Italien zu sein. In dem verwirrenden Labyrinth der schmalen Gassen mit ihren italienischen Häusern, schmiedeeisernen Balkonen und schattigen Plätzen streunen Hunde und Katzen herum. Zwischen den Häusern ist Wäsche zum Trocknen aufgehängt, über bröckelnden Fassaden ranken blühende Sträucher.

Korfu Die kleine Hauptstadt ist eine charmante Melange aus griechischer und italienischer Lebensart – denn 400 Jahre lang hatten die Venezianer hier ihre Spuren hinterlassen. Die Altstadt – seit 2007 UNESCO-Weltkulturerbe – gilt als eine der schönsten Griechenlands. Unverzichtbar ist ein Besuch der Alten Festung, dem Wahrzeichen der Stadt. Innerhalb ihrer mächtigen Mauern habe bis zum 16. Jahrhundert ganz Kerkyra gelegen, erzählt unsere Reiseleiterin. Steigt man auf den 60 Meter hohen Hügel hinauf, liegt einem die ganze Stadt zu Füssen. Schönster Platz ist die weitläufige Esplanade, an der sich ein Cafe an das andere reiht. Vollgestopft mit Souvenirgeschäften sind die engen Gassen. Es macht Spaß, dort zu schlendern, in einem der zahlreichen Restaurants zu sitzen und die lebendige Atmosphäre der Stadt auf sich wirken zu lassen.

Heute geht es Richtung Süden, verkündet Petra. Während sich im Norden ein Gebirgszug mit dem fast tausend Meter hohen Pantokrator quer über die ganze Insel zieht, sei der Süden insgesamt flacher. Aber eine Gipfelbesteigung werde es dennoch geben, verrät sie. Im Bergdorf Strongili beginnt unsere Wanderung. Neben ausreichendem Wasser hat jeder auch einen Imbiss im Rucksack, denn heute werden wir ein Picknick machen. Von der Hochebene geht der Blick weit über dicht bewaldete Hügel, aus denen kleine und größere Dörfer wie helle Flecken hervor leuchten. Dann ist der höchste Berg des Südens, der Pantokratoras erreicht. Der „kleine Bruder“ des großen im Norden ist nur 464 Meter hoch. Aus unserer Sicht wirkt er eher wie ein großer Hügel, aber der Weg hinauf muss durch stachliges Gestrüpp erkämpft werden. Auf schmalen Eselspfaden wandern wir bergab, bergauf, ohne einen Menschen zu begegnen. Nur in dem winzigen Dorf Dafnata treffen wir einen alten Mann, der uns überrascht und freundlich begrüßt. Die Sonne brennt von einem wolkenlosen Himmel, der Weg ist meist schattenlos. Unser Ziel, die kleine weiße Kapelle hoch oben auf einem steil abfallenden Felsen scheint noch weit. Doch dann ist es geschafft. Wir sehen in dem winzigen Inneren liebevoll geschmückte Heiligenbilder und Ikonen. Wer mag sie in dieser Einsamkeit aufgestellt haben? Darauf weiß unsere sonst so kundige Reiseleiterin keine Antwort. Gestärkt nach dem Picknick machen wir uns auf den langen Rückweg bergab nach Benitses, einem Ferienort direkt am Meer. Doch noch ist der erlebnisreiche Tag nicht zu Ende. Auf unserem Programm steht nun Korfus wohl bekannteste Sehenswürdigkeit, das Achillion. Hoch über der Ostküste hat die österreichische Kaiserin Elisabeth ihr weißes Schloss in einem herrlichen Park errichten lassen. Gemeinsam mit Besuchern aus vielen Ländern pilgern wir durch die kleinen Räume im Erdgeschoss, durchs prächtig ausgestattete Treppenhaus und genießen von der Terrasse den Blick aufs Meer, der einst Sisi und später auch Kaiser Wilhelm II. bezaubert haben mag.

Ostküste von Korfu

Das Beste kommt zum Schluss

Es heißt ja, das Beste kommt zum Schluss. Und so werden wir nun den Ort sehen, der für viele Korfioten als der schönste auf Erden gilt. Auf uraltem Steinpfad wandern wir bergab nach Lakones an der Nordwest-Küste. Das Bergdorf wird auch als „Balkon des Ionischen Meeres“ bezeichnet, denn von den Terrassen der Cafes und Restaurants blickt man auf Paleokastritsa. Und das Panorama ist tatsächlich überwältigend. Über das grün der Oliven, Zypressen und den gelbblühendem Ginster blickt man hinunter auf das Blau des Meeres mit seinen türkisfarbenen Buchten, die von weißen Steilküsten umrahmt sind. Kein Maler könnte dieses Bild schöner komponieren. Über einen schmalen Fußweg gelangen wir hinunter in den beliebten Urlaubsort an der großen, stark zergliederten Bucht mit ihren kleinen goldgelben Stränden. Einen grandiosen Ausblick bietet auch das hoch über dem Meer thronende kleine Kloster Theotoku mit seiner schönen Kirche und dem blumengeschmückten Innenhof. Wenige Kilometer nordwärts stehen auf einem steil zum Meer abfallenden Bergkegel die Burgruinen von Angelokastro. Die sogenannte „Engelsburg“, die nie erobert werden konnte, war bis ins 18. Jahrhundert immer wieder Zufluchtsort für die Bevölkerung. Unsere letze Wanderung führt wieder durch unendlich scheinende Olivenwälder – teilweise auf dem Corfu-Trail, dem einzigen Fernwanderweg, der 220 Kilometer lang kreuz und quer über die Insel führt. „Die Idee dazu hatte die auf Korfu lebende Britin Hilary Whitton“, erzählt Petra. Seit 2002 gäbe es den durch ein gelbes Symbol an Bäumen und Felsen markierten Weg. Dass er nicht immer leicht zu finden ist, habe sie selbst feststellen müssen, bekennt unsere versierte Wanderleiterin. Aber meist sei das nächste Dorf ja nicht weit. Für uns ist es nun nicht mehr weit bis zum langen Sandstrand von Agios Georgios, an dem wir ein letztes Mal im Ionischen Meer baden können.

Christel Seiffert

Infos: Wikinger Reisen GmbH, Kölner Str. 20, 58125 Hagen, hat eine 8- und 15-tägige Gruppenreise sowie eine 8-Tage-Individualreise auf Korfu im Programm. www.wikinger.de