Italien: Turin – viel mehr als nur Fiat

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Wer bei Turin zuerst an Fiat denkt, kommt fünfzehn Jahre zu spät. In der Tat beherrschte Fiat zur Zeit der „Motorblüte“ fünfzig lange Jahre das wirtschaftliche Geschehen. Die 200 000 Mitarbeiter in den Siebzigern schrumpften zu einer Belegschaft von 10 000. Und die Roboter machen sich weiter breiter. Dass sich der Fokus so uneingeschränkt auf Autos konzentrierte, ist erstaunlich. Den barocken Reichtum der Altstadt kennt kaum einer. Dass man 18 Kilometer unter Marmor und Granitverzierten Arkaden sonnengeschützt wandeln kann, steht in keinem Shopping Guide.

bild-2-torino-palazzo-realeBei der Vereinigung Italiens 1861, wurde Turin zur Hauptstadt ernannt.

Abertausend Edle und Günstlinge zog es nach Turin. Allesamt  suchten sie die Nähe von König Viktor Emanuel II. Unversehrt prunken noch heute kilometerweit ihre historischen Palazzi und Residenzen. 14 Lust- und Jagdschlösser reihen sich wie Perlen auf. Der königliche Savoyen Palazzo an der Piazza Castello ist die kostbarste Krönung.
Apropos Perlen: Der Sohn König Umberto I. beschenkte seine streng religiöse Gattin Margherita nach jedem königlichen „Fehltritt“ mit einer Perlenkette. Sechzehn zählte man zuletzt an ihrem stolzen Hals. In einer freundlicheren Legende heißt es, dass anlässlich ihres Besuchs im armen Neapel, ihr zu Ehren ein Gericht kreiert wurde mit den Nationalfarben. Rot die Tomate, grün das Basilikum und weiß der Mozzarella.Die Pizza Margherita.
Kaum bekannt ist, dass sie als glühende Nationalistin den Aufstieg von Benito Mussolini, kurz bekannt als „Duce“, protegiert hatte. Der Ehrlichkeit halber sollte man auch erwähnen, dass Turin das Privileg Königssitz zu sein, schon vier Jahre später an Florenz abgeben musste.

bild-3-torino-palazzo-madamaDie Schönheit Turins schleicht sich langsam ins Herz

Vielleicht liegt es an den vielen autofreien Fußgängerzonen, dass man den Großstadtstress nicht spürt. Oder an der Harmonie der morbiden Farben, den pastellblauen verblichene Fensterläden und kunstvoll verzierten Balkongeländern. Von manchen Dachgärten rankt es grün. Aus brüchigen Mauerritzen sprießen Gräser. Die alten Kandelaber-Gaslaternen hat man gefühlvoll auf warmfarbene LEDs umgerüstet. Die Altstadt wurde schachbrettartig konzipiert, wie New York aufgebaut. Weniger hoch – dafür barock. Die Strassen haben klangvolle Namen wie Via Roma, Via Garibaldi, Via Cavour. Die Alleen nennen sich Corso.
Die Palazzi wie della Republica, Castello, Carlo Emanuele, Solferino beeindrucken durch die Eleganz der Arkaden und der großzügigen, für die Paraden gestalteten Weiten. Die schönste, im 17 Jh. erbaute Piazza San Carlo erinnert an den Markus Platz in Venedig. Es gibt nur weniger Touristen. Und die flatternden Tauben fehlen.

bild-4-caffe-fiorioDas „Turiner-Leben“ kann man wie in Wien in den Kaffeehäusern studieren. Im bekannten Café San Carlo oder das Café Torino kehrten in früheren Epochen Adelige und Politiker ein, um Ränke zu schmieden oder sich einfach nur dem Genuss von „Dolci“ kalorienunbeschwert hinzugeben.
Verzaubernd Italienisch, Sizilianisch wird’s, wenn Samstagabend Luigi schräg gegenüber vom Cafe Torino auf der Parkbank seine Mandola auspackt und vor sich hin zupft. Sein grauhaariger Freund Guiseppe, von Süden und Amore träumend, zu „Santa Lucia“ mit ihm summt.
Vor dem Cafe Torino glänzt ein aus Messing im Boden eingelassen Stier (Toro). Das Symbol der Stadt. Wer sich noch mehr Glück wünscht, sollte nicht versäumen sich darauf zu stellen. Kurz an den speziellen Wunsch denken und sich einmal um den Absatz drehen. Nebenbei, ein Espresso (Italienisch schlicht „il caffè“) passt zu jeder Tages- und Nachzeit. Den gibt es für einen Euro, inklusive charmantem Schwätzchen, im Stehen an der Bar.

bild-5-bicerin Auf Verführung war man in allen Epochen spezialisiert

Das Turiner Traditionsgestränk heißt „Bicerin“ (piemonteisch Gläschen). Heiße Schokolade, Espresso und obenauf Milch/Sahne, alles in einem im Gläschen. Seit 1763 trinken die Damen sonntags nach der Kirche auf der Piazza Consolata im Cafè Al Bicerin dies „Verwöhnungsschlückchen“. Selbst Friedrich Nietzsche und Alexandre Dumas waren zu Gast und sollen sich im Cafe den Morgen versüßt haben.
Auf Schokoladenkreationen und feinste Pralinen ist man besonders stolz. Sie sind und waren ein Teil der Turiner Lebenskunst. Die Haselnüsse wurden zu den besten der Welt gekürt.
Nicht verschämt braucht man Nutella erwähnen. Die Milchhändler der Stadt erzählten, dass der große Konditor, Pietro Ferrero, 1946 seine Kreation einem Missgeschick verdankte. Es handelte sich um Schokolade, die in der Hitze des Schaufenster schmolz und ungewollt zu Nutella zerfloss. Die Nougatcreme wurde einige Jahre später vom Sohn, Michele Ferrero im großen Stil produziert und wird heute auf jeden Frühstückstisch serviert.

bild-6-turin-und-die-alpen165 000 Bäume, davon 30 000 Jahrhunderte alte Platanen sorgen für Schatten und frisches Klima. Ein „grüner Spaziergang“ könnte an der Promenade des Po beginnen.Der längste Fluss Italiens zieht sich wie ein grünes Band durch Turin. Wo einst die Gerbereien, Wäschereien und Dockwerkstätten lagen, beleben heute trendige Bars und Discotheken das Nachtleben. Ab von der Via Murazzi del Po gondeln eineinhalb Kilometer zwei romantische Ausflugsboote Valentina & Valentino und legen am Steg des Borgo Medievale an. Ein Schloss im nostalgischen Stil des 15Jh. erbaut um 1884. In den Museumsräumen wird gezeigt, wie sich das Leben im Mittelalter abspielte. Im Garten drum herum pflanzte man vor einigen Jahren neu, was eine medievale Apotheke an Kräutern, Heilpflanzen, Obst und verträglichem Gemüse brauchte. Und wie einst, für die sinnliche Erbauung, Duftrosen dazu.

bild-7-verliebt-in-turinParco Valentino für Verliebte oder die, die es noch werden möchten

Zirka einen Kilometer vom Stadtkern entfernt, am linken Po-Ufer, liegt Turins beliebtester Landschaftspark. Voller exotischen Bäume., kleinen Bächlein, Steingärten, lauschigen Ecken und romantischen Lauben. Sich einfach in die Wiese legen und nur in die Wolken gucken, öffnet die Sinne. Man riecht den Duft der Akazien süßer, spürt sanfter das Gras schmeicheln und entdeckt die schön geformten Beine der vorbei spazierenden Italienerinnen Müßiggang nannten sie diesen Luxus, der nur den „Edlen“ vorbehalten war. Vielleicht der richtige Moment, um entspannt auf www.turismotorino.org zu gucken. Zu entscheiden, ob das heilige Grabtuch von Turin, das klassische Ägyptische Museum oder das Fussball Juventus-Museum spontan das Richtige wäre. Falls Regentropfen fallen sollten, keine Sorge, die Mole Antonelliana – das Filmmuseum hat nicht nur eine 167m hohe Aussichtsplattform, es ist dafür gemacht einen ganzen Tag interaktiv die Filmwelt zu erleben.

Text: Veronika Zickendraht

 

Lieber Alfa Romeo, statt Fiat? Dann ist dieser Italientext der Richtige für Sie

Italien: Targa Florio – Volksfest mit Motorengebrüll

Trüffel aus dem Piemont gibt es hier:

Italien: Trüffel – das weiße Gold des Piemonts

 

Italien: Targa Florio – Volksfest mit Motorengebrüll

Foto. rasso knoller Giulietta auf Strecke

Mit dem modernen Alfa Romeo Giulietta auf der alten Strecke der Targa Florio

„Kinder und Haustiere einsperren“ So lautete die Anweisung, bevor die Boliden bei der Targa Florio auf Sizilien an den Start gingen. Das Weltreisejournal traf Nino Vaccarella, Schulleiter, Ex-Rennfahrer und Held der Sizilianer, der das legendäre Straßenrennen dreimal gewann.

 

Foto: Knoller,  Nico Vaccarella

Nino Vaccarella

Wir haben eine Verabredung morgens um elf Uhr. „Signor Vaccarella kommt sicher gleich zurück“, sagt der Portier am Eingang eines Mietshauses am Stadtrand von Palermo. „Er ist nur mal kurz raus, einen Kaffee trinken.“ Und dann kommt er uns entgegen, der Mann, der in den 1960er und 70er Jahren vor allem auf den Motorsportseiten italienischer Zeitungen gefeiert wurde: Nino Vaccarella. Inzwischen ist der Ex-Rennfahrer 80 Jahre alt. Aber wer einmal alte Fotos von ihm gesehen hat, erkennt ihn schon von weitem: Grazile Figur, schmales Gesicht, markante Nase. Und noch immer trägt er das gleiche Sonnenbrillenmodell, das er schon damals trug, als er mit Ferrari- und Alfa Romeo-Boliden um Ruhm, Ehre und Preisgelder fuhr. Der kleine alte Herr ruft den Fahrstuhl, bittet uns in eine Drei-Zimmer-Wohnung, deren größter Raum einem privaten Rennsportmuseum gleicht: Wände, Regale, Schreibtisch und Beistelltischchen sind über und über mit Pokalen, Urkunden, Fotos und gerahmten Zeitungsausschnitten dekoriert.
In Italien und vor allem auf Sizilien ist der 80-jährige ein Held – ein „ganz Großer“, sagen Menschen, die jung waren, als Vaccarella in Le Mans und auf dem Nürburgring Erfolge feierte – und natürlich bei der Targa Florio, jenem legendären Straßenrennen auf Sizilien, das Vaccarella dreimal gewann – 1965 mit einem Ferrari 275 P2, 1971 mit dem Alfa Romeo T33/3, seinem Lieblingswagen, und 1975 noch einmal mit einem Alfa. Wenn er von alten Zeiten und der Targa spricht, gestikuliert Vaccarella, fast so, als säße er nicht in der Ecke seines weichen Sofas – sondern just in einem jener Boliden, die er einst mit Geschick und einer gewissen Todesverachtung über die Pisten jagte.

Foto: rasso knoller, Plakat mit Vaccarella Autogramm

Wer genau hinschaut findet es: Nico Vaccarellas Autogramm auf einem alten Poster

Sein Bein zuckt und der Fuß scheint auf ein Pedal unsichtbares zu drücken. Auch den rechten Arm hält er nicht lange still. Während er den Konkurrenzkampf zwischen Porsche- und Alfa-Piloten schildert, macht er sich an einem imaginären Schaltknüppel zu schaffen. Die Targa Florio-Strecke gehörte zum härtesten, was man einem Rennfahrer abverlangen konnte, sagt Vaccarella. Pro Rennen wurde die 72 Kilometer lange Runde etwa ein Dutzend Mal gefahren. Insgesamt waren rund 900, zum Teil haarnadelspitze Kurven zu meistern. „Wir bekamen blutige Hände vom Schalten und weil das Lenkrad kaum zu halten war“, erinnert sich der Sizilianer. „Job der Fahrer-Frauen war es, die geschundenen Hände des Liebsten beim Boxenstopp mit Mullbinden zu bewickeln.“

Foto: rasso knoller,  Strecke der Targa Florio

Durch diese Landschaft rasten die Helden der Targa mit ihren Sportwagen

Nino Vaccarella gehörte nie zur Garde der Profi-Fahrer. Im Hauptberuf war der hochtalentierte Rennpilot, den Porsche seinerzeit gern ins Team geholt hätte, Direkter eines Gymnasiums in Palermo. Und wenn Ferrari oder Alfa die Teams zu Testfahrten einbestellte, nahm er sich ein paar Tage frei.

Foto: Rasso Knoller Vaccarella schreibt Autogramme

Vaccarella schreibt ein Autogramm. Foto aus dem Museo Targa Florio.

 

Als Direktor Vaccarella in den 1950er Jahren seine erste Targa fuhr, hatte die schon eine lange Tradition. 1906 hatte Vicenzo Florio, ein sizilianischer Industrieller, das Rennen ins Leben gerufen. Bei der ersten Targa waren gerade mal zehn Wagen am Start. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Rennen zu einer der wichtigsten Rennsportveranstaltungen in Europa. Alles, was in der Automobilszene Rang und Namen hatte, kam, um auf den schmalen Straßen der Madonie-Bergregion das Können von Mensch und Material zu demonstrieren: Fiat, Bugatti, Peugeot, Mercedes, Ferrari, Maserati, Lancia und Porsche nahmen an der Markenmeisterschaft teil, und die Sieger-Liste der Targa-Florio liest sich wie ein Lexikon einstiger Rennfahrer-Berühmtheiten: Achile Varzi, Stirling Moss, Joakim Bonnier, Hans Herrman und Graham Hill, Jo Stiffer, Willy Mairesse – auch „Kamikaze-Willy“ genannt, Vic Elford und Herbert Müller. Enzo Ferrari wurde zum Chefwerksfahrer der Alfa-Crew ernannt, nachdem er 1920 den zweiten Platz bei dem renommierten sizilianischen Rennen hatte.
K1024_Museo Vincenzo FlorioFür die Sizilianer war das Rennen vor allem ein großes Volksfest, das mit südländischerLeidenschaft gefeiert wurde. Schon Tage vor dem großen Rennen pilgerten Tausende zur Strecke, campierten an Plätzen mit besonders guter Sicht. Zuvor waren Gemeindebedienstete mit Trommeln durch die Dörfer gezogen: „Kinder und Haustiere einsperren“, lautete die Aufforderung, die praktisch die einzige Sicherheitsvorkehrung war, bevor die Renngeschosse mit heulenden Motoren durch die sonst so beschauliche Bergregion donnerten. Am Renn-Sonntag schließlich säumten Hunderttausende die Strecke und bildeten lebendige Leitplanken. „Die Zuschauer standen so dicht am Straßenrand, dass sie unsere Wagen mit ihrer Kleidung polierten“, erinnert sich Vaccarella. „Manche Fans waren so verrückt, dass sie sich auf den Boden legten, um jedes Mal, wenn ihr Lieblingsfahrer vorbeikam, einen seiner Autoreifen zu berühren.“ Das Herz der Sizilianer schlug für die italienischen Teams. „Aber wenn ein Rennfahrer von der Piste abkam, war’s ganz egal, welche Marke er fuhr“, beteuert er: „Dann packten ein paar starke Männer an und hievten den Wagen auf den Asphalt zurück.“
Gründer Vicenzo Florio hatte seine „Targa“ stets als eines der sichersten Rennen deklariert – und begründete das mit den vergleichsweise geringen Geschwindigkeiten, die den schmalen kurvenreichen Bergstraßen geschuldet waren.

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Mit 300 km/h und mehr konnten die Fahrer hier nur auf der rund sechs Kilometer langen Gerade nahe des Start- und Zielpunkts bei Buonfornello brettern. Dennoch kostete auch das sizilianische Rennspektakel einigen das Leben: 1926 verlor Giulio Massetti, ein italienischer Adliger die Kontrolle über seinen französischen Delage. 1971 raste Fulvio Tandoi mit seinem Renault Alpine gegen einen Baum. Nachdem 1977 zwei Zuschauer bei einem Unfall ums Leben kamen, wurde die Serie – nach 61 ausgetragenen Rennen – eingestellt.
„Das war gut so“, sagt Vaccarella. „Im Nachhinein betrachtet, war das der reine Irrsinn, wie wir da mit dem Leben gespielt haben.“ Er selbst ist glimpflich davon gekommen, obwohl er in den 1970ern auf dem Nürburgring schwer verunfallte. Eine Armamputation drohte, dann aber konnte der Arm doch noch gerettet werden.

Foto: Rasso Knoller, Giulietta und alter Lancia vor Tribüne

Die alte Tribüne bei Cerda

In den Bergdörfern der Madonie ist es wieder still geworden. Die Boxenanlagen und die Tribüne nahe dem Städtchen Cerda sind Überbleibsel aus den glorreichen Tagen. In Cerda und in Collesano halten Targa-Florio-Museen die Erinnerung an das Spektakel und die Rennfahrerprominenz wach (http://www.museotargaflorio.it/ und http://www.targaflorio.info) „Gewöhnliche“ Touristen kommen selten hier her. Aber Porsche-, Ferrari- und Alfa-Clubs fahren – in Markenhistorie schwelgend und teilweise mit Schrittgeschwindigkeit – öfter mal die inzwischen reichlich ramponierte Targa-Strecke ab. Nino Vaccarello, der heute einen Fiat Punto fährt, zieht es nur noch selten hierher.

Text: Susanne Kilimann
Fotos: Rasso Knoller

 

Italien: Trüffel – das weiße Gold des Piemonts

Trüffelsuchhund, Foto: Susanne Kilimannwein

Jedes Jahr im Herbst dreht sich im piemontesischen Städtchen Alba alles um „tartufi bianchi“, die begehrten weißen Trüffel. In diesem Jahr sind sie mit Kilopreisen ab 2000 Euro so günstig, wie lange nicht.
Wir treffen die beiden in einem Eichenwäldchen unweit des piemontesischen Städtchens Alba: Gianni Monchiero, ein Mitfünfziger mit wettergegerbtem Gesicht und Silberschläfen, Cordhose und jägergrüner Allwetterjacke und Lilla, seine Kollegin – eine weiße Jagdhündin mit milchkaffeebraunen Flecken im Fell. Gemeinsam wollen wir auf Trüffelsuche gehen. Denn jetzt, im Herbst, sprießen sie wieder, die begehrten weißen Trüffel, Edelpilze, für die Feinschmecker in aller Welt ein kleines oder größeres Vermögen zahlen. „Beika bin, Lilla! Beika bin“, ruft Gianni seiner Hündin zu, das ist Piemontesisch und heißt so viel wie „Schau schön hin“. Mit wedelndem Schwanz setzt sich die Hündin in Bewegung, schnüffelt in dem herabgefallenen Laub, entfernt sich immer mehr von ihrem Begleiter, der ihr mit seinem Werkzeug, einer Art Hammer, folgt. Plötzlich fängt Lilla an zu buddeln, zunächst sacht, dann mit Eifer, der Blätter und den Waldboden klümpchenweise aufwirbeln lässt. Die Hündin hat einen Trüffel aufgespürt und jetzt muss sich Gianni sputen, damit das Tier den edlen Pilz nicht selber aus der Erde holt und frisst. Ein Spurt und der Gianni packt seine Hündin, lobt und steckt ihr ein paar Hundecracker zu. Die kosten ein paar Cent. Der Fund, von dem Lilla nun ablässt, ist e Zehntausend mal mehr wert.
K1024_sk trueffel1Ganz vorsichtig und auf Knien hockend stochert der zierliche Mann den Trüffel aus der Erde. Nach ein paar Minuten hält er eine bräunliche Knolle in der Hand. Etwa fünfzig Gramm wiegt sie wohl. Auf dem Trüffelmarkt in Alba zahlt die Kundschaft in diesem Herbst etwa 100 Euro für einen „Tuber magnatum pico“ dieser Größe. Verglichen mit anderen Jahren ist das wenig. Aber Angebot und Nachfrage regulieren den Preis und in diesem Herbst ist das Trüffelangebot groß – denn der Sommer war ziemlich verregnet im Piemont, was zwar schlecht für den Wein aber gut für Pilze und somit auch für Trüffel ist. „In dem Moment, im dem der Trüffel reif ist, will er gefunden werden“, erklärt uns der Profi. „Und deshalb verströmt er einen intensiven Duft.“ Den kann die menschliche Nase nicht wahrnehmen, solange der Pilz noch in der Erde steckt. Hundeschnauzen aber werden vom Aroma regelrecht betört. Trotzdem eigne sich nicht jeder Hund für die Trüffelsuche, sagt Gianni. Der Hund müsse ein Faible für Pilze haben. „Sie müssen ihm schmecken, sonst hat das ganze Training keinen Sinn“, sagt der Trüffelsucher, der nicht nur mit seiner mit Lilla durch die Nuss- und Eichenhaine streift rund um Alba, sondern im nahegelegenen Roddi auch eine Schule für Trüffelhunde betreibt. Bis aus dem talentierten Welpen dann ein perfekter Trüffelhund geworden ist, dauert es drei bis vier Jahre, fügt er hinzu. Die Frage, ob man im Piemont auch mit Schweinen nach den Edelpilzen sucht, verneint der Trüffelsucher. Hunde seinen viel umgänglicher. „Und außerdem kann man sie mit ins Auto nehmen – und die Schweine nicht. “
Rund 5000 Trüffelsucher schwärmen im Piemont, dem nordwestlichen Zipfel Italiens, von etwa Ende September bis Januar aus, um nach dem „weißen Gold“ zu suchen. Die meisten tun das in der Nacht. Und das hat mehr als einen Grund. Zum einen gehen viele tagsüber noch einem anderen Beruf nach. Zum anderen wollen Trüffelsucher vermeiden, dass sich ein Kollege an seine Fersen heftet. Fundstellen werden so geheim gehalten. Denn es geht um viel Geld und die Konkurrenz ist groß.

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Wer ein paar Knollen gefunden hat, verkauft sie an Restaurants und Feinkostgeschäfte der Region– oder bietet sie der Kundschaft auf dem Trüffelmarkt in Alba an. Der findet von Mitte Oktober bis Mitte November statt und dann kommen Zehntausende von Feinschmeckern aus dem In- und Ausland in das schmucke 35 000-Einwohner-Städtchen, darunter immer mehr Touristen aus Fernost. In der Markthalle kann man an Dutzenden Ständen frische Pasta mit Trüffel und Trüffelsalami verkosten – und bei Gefallen kaufen. Für diese Produkte werden allerdings die schwarzen Sommertrüffel verwendet. „Tartufi bianchi“ werden nicht gekocht, nicht in Teig- und nicht in Wurstwaren gemischt. Sie werden ausschließlich roh gegessen – in hauchdünnen Scheibchen über die Pasta, über feinstes Schabefleisch oder über eine Suppe gerieben. Auf einer warmen Basis entfaltet sich ihr Aroma optimal, erklärt Maurilio Garola, einer der Spitzenköche des Piemonts, die das interessierte Publikum bei Workshops an Messewochenenden in die Kunst der Trüffelküche einweihen. Sein Tipp ist eine pürierte Gemüsesuppe mit pochiertem Ei. „So wie sie schon meine Großmutter gekocht hat“, sagt Garola. Gekrönt wird die einfache, bäuerliche Speise mit paar Gramm des „weißen Golds“. Workshop-Teilnehmer dürfen probieren und dazu an einem ausgezeichneten Rotwein, einem 2010er Barbaresco, nippen.

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Nebenan, im Trüffelseminar, erklären Experten, wie man gute von nicht so guten Trüffeln unterscheiden kann. Die Oberfläche des perfekten Edelpilzes gibt beim Druck mit dem Daumen ein kleines bisschen nach. Wichtigster Qualitätsindikator aber ist der Geruch. Der soll möglichst komplex sein, gleichzeitig an Pilz und Knoblauch, Honig und Heu erinnern. Am besten verzehrt man den weißen Trüffel sofort. Wenn es sein muss lässt er sich aber in Papier gewickelt und in den Kühlschrank gepackt bis zu zehn Tage konservieren. Dann ist es mit der Herrlichkeit in jedem Fall vorbei. Wer sich nicht sicher ist, ob die erworbene Ware frisch und ihren Preis wert ist, kann auf dem Trüffelmarkt von Alba die Trüffeljury befragen.

K1024_sk trueffel3Die Juroren schauen und schnuppern und wenn den Juroren die Ware für zu alt und überbezahlt befinden, geht man gemeinsam zum Verkäufer – der muss den zu teuer verkauften Pilz zurücknehmen und der Kunde bekommt sein Geld zurück. „Das kommt nicht oft vor“, beteuert Trüffel-Juror Giovanni de Castelli. Aber ab und zu versuche der ein oder andere Verkäufer eben doch, der ahnungslosen Kundschaft alte Ware anzudrehen.
Abends, wenn der Stände der Trüffelhändler abgeräumt und die Tore der Messe geschlossen sind, herrscht Hochbetrieb in den einfachen Trattorien und den schicken Restaurants. Auch im „Piazza Duomo“, dem einzigen Restaurant im Piemont, das sich mit drei Michelin Sternen schmücken kann. In dem Gourmet-Tempel wird das Trüffel-Menü für 150 Euro angeboten – wobei die Trüffelmenge, die man sich dabei über Fleisch oder Nudeln reiben lässt, noch nicht inbegriffen ist. Dass die Trüffel der Region heute bei Feinschmeckern in aller Welt so hoch im Kurs stehen, hat nicht nur mit ihrer Qualität, sondern auch mit kreativem Marketing zu tun. Seit den 1940er Jahren wird in Alba ein Trüffelpreis an eine illustre Persönlichkeit vergeben. Die amerikanische Aktrice Rita Hayworth war die erste, der die Ehre zuteil geworden ist. Auch Alfred Hitchcock hat den Preis einst bekommen. Für den Trüffelpreis 2014 hat man den deutschen Regisseur Werner Herzog auserkoren.

Text und Fotos: Susanne Kilimann

Italien: Die schönsten Weihnachtsmärkte

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Weihnachtsmärkte in Südtirol

Der größte Weihnachtsmarkt Italiens findet seit nunmehr 20 Jahren in Bozen statt. Prächtig geschmückte Plätze und romantisch-winterliche Gassen locken alljährlich zahlreiche Besucher in die Landeshauptstadt Südtirols, um dieses einzigartige Flair rund um den Waltherplatz zu genießen. Neben dem Christkindlmarkt in Bozen finden auch in zahlreichen anderen Städten traditionelle Weihnachtsmärkte statt: In Brixen beeindruckt der Weihnachtsmarkt durch die prächtige Kulisse des Doms und die Jahrhunderte alten Bauten der Stadt. Der Weihnachtsmarkt in der bekannten Kurstadt Meran gilt als besonders malerisch und in Sterzing, in 1000 Metern Meereshöhe gelegen, erlebt man die urigen Gassen und Plätze festlich geschmückt, an den Ständen stellen einheimische Handwerker ihre Kunstwerke aus. Authentisches wird dem Besucher bei der Bergweihnacht am Pragser Wildsee vom 4. bis zum 8. Dezember geboten: 30 Handwerker aus dem Hochpustertal stellen ihre traditionellen Produkte beim Weihnachtsmarkt aus, feierliche Weihnachtsklänge erklingen von Bläserkapellen und kleineren Chören.

Infos: www.suedtirol.info/Erlebe-Suedtirol/Christkindlmaerkte.html 

 

Größter künstlicher Weihnachtsbaum weltweit erstrahlt in Gubbio

Am Hang des Monte Ingono wird auch in diesem Jahr wieder ein 800 m hoher und 400 m breiter Weihnachtsbaum aus hunderten farbigen Lichtern erstrahlen. Der Lichterbaum des mittelalterlichen Ortes Gubbio wurde 1991 als größter unnatürlicher Weihnachtsbaum ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. Nachdem im letzten Jahr Papst Franziskus die Lichtinstallation von seiner Residenz im Vatikan aus mithilfe eines Tablet-Computers einschaltete, wird in diesem Jahr der internationalen Organisation Ärzte ohne Grenzen, die 1999 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, diese Ehre zu teil. Die Zeremonie, die sich weit über die Grenzen des umbrischen Städtchens hinaus großer Beliebtheit erfreut, wird am 7. Dezember live im italienischen Fernsehen übertragen.

Infos: www.alberodigubbio.com 

 

Christkindlmarkt und Krippenausstellung in Verona

Verona-Besucher können vom 20. November bis 27. Dezember die besonders romantische Atmosphäre des Christkindlmarkts in der Stadt von Romeo & Julia genießen und an rund 30 Ständen auf der Piazza dei Signori vorbei zu schauen. Kein geringerer als der Nürnberger Christkindlmarkt stand Pate für die Ausgabe in Verona und lockt nicht nur Einheimische, die Nürnberger und Veroneser Leckereien zu probieren.

Eine Besonderheit ist die Krippenausstellung in der berühmten Arena di Verona, dem Wahrzeichen Veronas. Die internationale Krippenausstellung findet dieses Jahr bereits zum 32. Mal mit Krippen aus aller Welt statt Während der Weihnachtszeit wird die Arena außerdem von einem hellen Weihnachtsstern erleuchtet, der aus dem Amphitheater heraus scheint und die Besucher verzaubert.

Infos: www.tourism.verona.it/de/events

 

Arezzo – Città di Natale

Vom 4. bis 27. Dezember findet zum ersten Mal “Città di Natale“ (Stadt der Weihnacht) in Arezzo statt. Die Straßen und Plätze der toskanischen Stadt werden mit weihnachtlichen Motiven erleuchtet, Stände mit Spezialitäten, Konzerte und Aufführungen beleben das historische Zentrum. Rund 70 Veranstaltungen stehen in der Vorweihnachtszeit und über die Feiertage auf dem Programm. Auch der bekannte Markt für Antiquitäten, Fiera Antiquaria, ist Teil des Events ebenso eine Krippenausstellung und eine Fahrt mit der Dampflock von 1905, die in die malerische Umgebung Arezzos führt.

Infos: www.arezzocittadelnatale.it 

Italien: Weihnachtszeit und Dreikönigsfest

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Weihnachten wird am 25. Dezember im Kreise der Familie gefeiert und ist das wichtigste Fest in Italien. Es wird die Geburt Jesu gefeiert, die Familien versammeln sich, um gemeinsam zu essen, zu spielen und Geschenke auszutauschen.

Die Kinder schauen am Weihnachtsmorgen nach, ob der Weihnachtsmann (ein alter Mann mit weißem Bart, der auf einem Schlitten reist) – „Babbo Natale“ genannt – ihnen die Geschenke gebracht hat, die sie in den an ihn adressierten Briefchen aufgezählt hatten.

Das Abendessen an Heiligabend („Vigilia“) ist genauso wichtig wie das am Weihnachtstag und wird „Cenone“ (großes Abendessen) genannt: Zu diesem Anlass wird sehr viel gekocht, vor allem Fisch. Typische Gebäcke, wie z.B. „panettone“, „pandoro“ (traditionelle Kuchen) oder „torrone“ (Süßigkeit aus Zucker, Honig, Nüssen oder Mandeln in Barrenform), werden sehr geschätzt.

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Der Weihnachtsbaum wird oft zusammen mit der Krippe (Darstellung der Geburt Jesu) am 8. Dezember aufgebaut – am Tag der Unbefleckten Empfängnis. In Italien gibt es viele Krippenausstellungen, die berühmteste ist die Ausstellung in Neapel.

Der 26. Dezember, der Tag nach Weihnachten, nennt sich „Santo Stefano“ und wurde nach dem ersten christlichen Märtyrer benannt. An diesem Abend werden oft die Reste der vorherigen beiden Abendessen aufgetischt. Am 31. Dezember („San Silvestro“) wird das vergangene Jahr mit den Neujahrsfeierlichkeiten („Capodanno“) abgeschlossen und mit „panettone“ sowie Sekt gefeiert. Das Dreikönigsfest

Die Weihnachtszeit endet am 6. Januar mit dem Dreikönigsfest („L’Epifania“). Für Christen ist es der Tag, an dem die Heiligen Drei Könige Jesus sahen und ihn als Gott wiedererkannten.

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Der 6. Januar ist besonders für die Kinder von Bedeutung, da die Tradition besagt, dass eine Hexe (alt, hässlich, mit Buckel, einer großen Nase und einem spitzen Kinn, einem Schultertuch, einem langen Rock mit vielen Flicken und einem Hut auf dem Kopf) – „Befana“ genannt – von Haus zu Haus fliegt, um die Strümpfe der lieben Kinder mit vielen Bonbons zu füllen, während die bösen Kinder stattdessen Kohle bekommen!

Die „Befana“ ist eine typisch italienische Tradition, noch nicht ganz von der „fremden“ Figur des Weihnachtsmanns verdrängt, die auch die Gelegenheit bot, den mageren Familienhaushalt zu ergänzen. Dabei trugen viele Leute in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar die Kleidung der alten Hexe und gingen von Haus zu Haus, um Gaben zu bekommen – meist in Form einer Sachspende. Im Gegenzug sprachen sie Glückwünsche aus und trugen ein Lächeln im Gesicht.

Nach einer Zeit, in der die Befana in Vergessenheit geraten war, erlebt sie nun ihre zweite Jugend, die an die Wiederentdeckung und Aufwertung der antiken Wurzeln, Traditionen und der Authentität gebunden ist. Woher kommt die Befana? Ihr Name leitet sich von Epifaniam ab, das aus dem griechischen Wort „Epiphaneia“ stammt und „Erscheinung“ bedeutet. Es bezieht sich auf das Ereignis der Heiligen Drei Könige, denen Jesus als Gott erschienen ist. Der Ursprung der Befana, wie wir sie in Italien kennen, könnte in den nordischen Völkern (den Kelten) liegen. An diesen Ursprung wäre die Tradition gebunden, die noch heute in vielen italienischen Städten befolgt wird: Eine Puppe in Form der Befana wird als Symbol der ganzen Schwierigkeiten, die während des Jahres aufgetreten sind bzw. noch aus dem Winter hervorgehen werden, auf dem Marktplatz verbrannt.

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In der Tat ist die Befana in der ländlichen Welt sehr verwurzelt: Sie erschien im Winter, in der schwierigsten Zeit für die Bauern. Auch die Gaben, die heute sehr verschieden ausfallen, waren für eine lange Zeit die Früchte dieser Jahreszeit: Orangen, Mandarinen und Nüsse. Auch die Kohle ist ein Winterprodukt.

Es gibt auch Menschen, die behaupten, die Befana habe ihren Ursprung in der Bibel. Sie beziehe sich auf die Begegnung der Heiligen Drei Könige, die vom Kometen geführt wurden, aber den Weg zum Jesuskind nicht fanden und eine alte Frau um Auskunft baten. Die alte Frau verweigerte ihre Hilfe und wollte ihnen nicht folgen, um das Jesuskind zu besuchen. Später bereute sie, nicht mitgegangen zu sein, und nachdem sie einen Korb mit Gebäck vorbereitet hatte, verließ sie das Haus und suchte die drei Könige, jedoch ohne Erfolg. Somit hielt sie an jedem Haus an, das auf ihrem Weg lag, um den Kindern, die sie dort antraf, die Süßwaren zu geben, in der Hoffnung, dass eines von ihnen der kleine Jesus sei. Seither reise sie durch die Welt, gebe allen Kindern Geschenke und bitte um Verzeihung für ihr Verhalten. Mit der Befana wird die Weihnachtszeit beendet: Man sagt, dass das Dreikönigsfest der Abschluss aller Festlichkeiten ist.

Das Lied der Befana

Sie kommt, sie kommt, die Befana
sie kommt aus dem Gebirge in finsterer Nacht.
Wie erschöpft sie ist!
Schnee, Frost und Nordwind umgeben sie.
Sie kommt, sie kommt, die Befana.
Sie hat die Hände auf der Brust gekreuzt,
und der Schnee ist ihr Mantel
und der Frost ihr Schild
und der Wind ihre Stimme.
Sie hat die Hände auf der Brust gekreuzt.
Sie nähert sich langsam, langsam
dem Landhaus, dem abgelegenen Haus
um zu sehen, um zuzuhören
nun etwas näher, nun etwas ferner.
Langsam, langsam, langsam, langsam.
Was befindet sich in diesem Landhaus?
Ein leichtes reibendes Geräusch.
Alles ist ruhig, alles ist schwarz.
Ein Lämpchen kommt vorbei und leuchtet.
Was befindet sich in diesem Landhaus?
Sie schaut und schaut…drei Bettchen
mit drei schlafenden Kindern, lieben Kindern.
Sie schaut und schaut…auf die Fensterrahmen
dort sind drei Strümpfe, lang und dünn

Von Giovanni Pascoli

 

Italien: Bergsteigerlegende Reinhold Messner wird 70

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Reinhold Messner (geb. 17.9.1944)

Der Elan des ehemaligen Extrembergsteigers ist immer noch ungebrochen. Reinhold Messner sprüht immer noch vor Ideen. Die letzten Jahre hat er damit verbracht, in seiner Heimat Südtirol außergewöhnliche Museen zu eröffnen. Andere wären mit einem Museum zufrieden gewesen, er wollte gleich fünf und hat sie mit der ihm eigenen Beharrlichkeit gegen teils erhebliche Widerstände durchgesetzt. „Hier kann ich nicht umkommen, sondern nur pleite gehen“, sagt er über die Messner Mountain Museen. Voller Elan arbeitet er Termine ab, gibt pausenlos Interviews, erklärt seine Sicht der Welt, die für ihn zum Großteil immer noch aus hohen Bergen besteht. Aber auch damit ist sein Lebenswerk noch lange nicht vollendet, denn bald kommt noch ein neues Museum dazu – das letzte, wie er versichert.

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Unterwegs mit Reinhold Messner zu seinen Museen

Wolkenfetzen wabern aus dem Tal hinauf und geben das gewaltige Panorama der Dolomitengipfel nur für wenige Augenblicke preis. Donnergrollen bricht sich immer wieder an den Felswänden von Monte Pelmo, Marmolada, Monte Civetta und Tofana di Rozes, die uns wie ein Amphitheater umgeben. Wir sind auf dem 2181 m hohen Monte Rite, stehen auf dem Dach der ehemaligen Festung aus dem Ersten Weltkrieg und lassen und von Reinhold Messner erklären, wie sein Museum in den Wolken entstanden ist. Aus der Not heraus. Denn in seiner Heimatprovinz Südtirol wollten sie ihm nicht Schloss Sigmundskron überlassen, waren von seiner – im Nachhinein genialen – Idee der Messner Mountain Museen so gar nicht begeistert. In der Provinz Belluno, zu der der Monte Rite gehört, wurden ihm dagegen alle Türen geöffnet. Daraufhin hat er die historische Bausubstanz der Festung, die sich nach Kriegsende hartnäckig jeder Zerstörung widersetzte, restaurieren lassen und sie mit drei unregelmäßigen Glaskuben, die Dolomitkristalle symbolisieren sollen, gekrönt.

Auf dem Monte Rite

Wir sind aus einem ganz besonderen Anlass hier, denn Reinhold Messner, der wie immer einen tibetischen Dzi-Stein, den Glücksbringer der Buddhisten, um den Hals IMG_1618trägt, gibt sich die Ehre und zeigt seine Museen. Eloquent, detailreich, aber immer ein wenig distanziert erklärt der Medienprofi, wie er das Innere der ehemaligen Festung, das aus einem fast 90 m langen, schmalen Korridor, von dem 15 kleine Räume abgehen, gestaltet hat. Jeden Raum hat er in eine kleine Galerie mit chronologisch angeordneten Dolomitenbildern von der Romantik bis zur Gegenwart verwandelt. Den restlichen Platz ist mit Ausstellungsstücken gefüllt, die die Entwicklung des Felskletterns schildern. Er erklärt aber auch, warum aus dem einstigen Glücksfall Monte Rite ein Problemfall geworden ist: Wegen der schmalen Zufahrtstraße und der Höhenlage kann das Museum nur vier Monate im Jahr besucht werden, viel schlimmer ist jedoch die Feuchtigkeit in dem alten Gemäuer, auf Dauer zerstört sie die Bilder.

Man kann sich ihm nicht entziehen, denn er schafft es wie kein anderer, das Thema Berge zu verdichten und zu überhöhen. Fast ein ganzes Leben betreibt er Selbstdarstellung und die so überzeugend, dass bis jetzt rund fünf Millionen seiner Bücher verkauft wurden und wer bei Google seinen Namen eingibt, bekommt über eine Million Treffer. Kann man ihm wirklich glauben, wenn er behauptet: „Die Museen sind nicht über mich, das wäre mir peinlich.“ Selbst nach langen Gesprächen im Verlauf mehrerer Tage zeigt er fast ausschließlich den öffentlichen Messner, an den privaten Messner ist nur ganz schwer heranzukommen.

Auch wenn er ein Museum über sich als peinlich bezeichnet, findet man doch in allen Ausstellungen einige wenige persönliche Dinge, oft sind sie aber nicht auf den ersten Blick zu sehen. Im Fort auf dem Monte Rite gibt es ein Portrait von ihm, gezeichnet von Walter Angerer IMG_1977und über die Dolomiten schreibt er: „Schon im Kindesalter war ich überrascht und erstaunt über so viel Vielfalt. Eindrücke, die nie mehr übertroffen wurden, meine Heimkehr ist also auch eine Liebeserklärung an die Dolomiten.“ Und auch diese Huldigung in der alten Festung stammt von ihm: „Der Name meiner Mutter ist Troi und Troi bedeutet Weg; ihr Vater ist als Kind über diese Berge gegangen, barfuss, um Arbeit zu suchen. Über die Berge hat mich mein Weg in die Dolomiten zurückgeführt.“ Im Museum Ortles, das dem Thema Eis gewidmet ist, kann man den dick vermummten Messner sehen, wie er seinen schwer bepackten Schlitten in Richtung Südpol zieht. Und auch in den alten Mauern von Schloss Sigmundskron ist – wenn auch nicht an prominenter Stelle – eine Messner Reliquie ausgestellt: der Daunenanzug, der ihn auf dem Everest warm gehalten hat.

Schloss Juval

IMG_1586Im Sommer lebt Reinhold Messner mit seiner Familie auf Schloss Juval hoch über dem Tal der Etsch. Dann ist das Museum geschlossen und der Schlossherr kann in Ruhe den Blick über Berge, Wiesen und Wälder genießen. Den Rest des Jahres lässt er Besucher in seine Burg und gibt ihnen einen kleinen Einblick in sein privates Leben. Im Expeditionskeller häufen sich die Ausrüstungsgegenstände zahlreicher Expeditionen, gleich nebenan, akkurat in Regalen aufgereiht und beschriftet, stehen dutzende Gläser mit selbstgekochter Marmelade. Ein kleines Aquarell hat er mit einer seiner Weisheiten versehen: „Wir gehen eines Tages kaputt, wenn wir zu faul sind, um zu Fuß zu gehen.“ In der wunderschön mit Holz getäfelten Bibliothek, vollgestopft mit Büchern bis unter die Decke, ist wohl so manches seiner Bücher entstanden. Dass er auch zur Selbstironie fähig ist, zeigt die kleine Installation an der Wand kurz vor dem Ausgang mit dem Titel: Hier habe ich einen kapitalen Bock geschossen. Die Erklärung liefert er gleich mit: Hier ist Reinhold Messner abgestürzt: 1995, nachts, auf dem Heimweg. Fersenbeinbruch! Seit damals ist der Bergsteiger Invalide. Aber nicht untätig.

Christian Nowak

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Italien: Sizilien, Blutorangen und Mars-Roboter

© "Parco dell'Etna" ,Colata lavica Etna cratere sud est  luglio 2006

Ein Ausflug in die Gipfelregion ist ein faszinierendes Erlebnis –selbst wenn es gerade keine Lavafontänen und kein Traumpanorama zu bestaunen gibt.

„Was für ein Pech mit dem Wetter, wie schade für euch.“ Pietro Coniglio, Direktor des Ätna-Nationalparks, beschreibt mit dem ausgestreckten Arm einen Halbkreis und deutet auf einen Punkt in der imaginären Ferne. Dort unten liegen Dörfern, Weinhänge und ausgedehnte Zitrusplantagen, dahinter  die Küstenstadt Taormina und wäre der Himmel klar, dann könnte man von hier oben weit hinaus übers Mittelmeer sehen. Doch an diesem Tag im April beträgt die Sicht nur wenige Meter. Die wenigen Besucher, die sich an diesem Tag von Seilbahn und Bussen auf fast 3000 Meter Höhe in die Gipfelregion des Ätna haben bringen lassen, müssen sich mit Nebelschwaden, die wie dichte Schleier zwischen Himmel und Erde liegen, arrangieren – oder umkehren.

Die Autorin am Ätna, © Anke SademannEs weht ein frostiger Wind und Vulkanführer Gian Battista mahnt sein Trüppchen wieder und wieder,  Spur zu halten auf dem steinigen Lava-Terrain, damit es keine Fehltritte, keine Ausrutscher  und keine verstauchten Knöchel gibt. Faszinierend ist der Ausflug auf den höchsten und aktivsten Vulkan Europas aber auch ohne Panoramablick. Dass es hier in der Tiefe seit mehreren Hunderttausend Jahren brodelt, dass man hier auf einem Berg spaziert, der im Laufe der Zivilisationsgeschichte für verheerende Zerstörungen und für übermäßige Fruchtbarkeit gesorgt hat, ist schon ein besonderes, ein erhabenes Gefühl. Auch wenn der Ätna ganz friedlich ist und sich durch den Ausstoß heißer Gase nur sanfte Wölkchen über seinem Gipfel bilden, ist die glühende Kraft im Inneren spürbar – dafür muss man nur die bloßen Hände auf den schwarzen Boden legen.

Die Ausbrüche des sizilianischen Vulkans sind spektakulär und ziehen ambitionierte Profi- und Hobby-Fotografen und andere Schaulustige in ihren Bann. „Sie glauben gar nicht, wie oft mich Leute aus dem In- und Ausland, Reiseveranstalter und Touristen, anrufen  und fragen, wann mit dem nächsten großen Ausbruch zu rechnen ist“, erzählt Pietro Coniglio. „Die Leute wollen ein genaues Datumhören, zu dem sie anreisen und das Schauspiel miterleben können. „Denen antworte ich dann: Oh, da bin ich der falsche Ansprechpartner. Da müssen Sie beim lieben Gott nachfragen“, lacht der Direktor des 1987 gegründeten Nationalparks und schüttelt den Kopf über soviel naive Technikgläubigkeit. Der Ätna werde zwar rund um die Uhr bewacht. Geologen analysieren die chemische Zusammensetzung der vulkanischen Gase, werten mit  Seismometern ermittelte Erdstöße und Erschütterungen aus. Dank dieser modernen Messmethoden könne man Zonen, die bei einer Eruption betroffen sind, rechtzeitig evakuieren. „Aber einen Ausbruch Wochen im  Voraus zu prognostizieren, gar ein konkretes Datum zu benennen, das ist unmöglich“, ereifert sich der kleine Mann mit dem kurzen grauen Haar. Gerade diese Unberechenbarkeit  sei ja das Faszinierende. „Ein Vulkan weist den Menschen in seine Schranken, macht deutlich, dass Naturgewalten letztlich nicht kontrollierbar sind.“

© "Parco dell'Etna" , Attivit+á parossistica  Etna settembre 2011 bocca orientale cratere sud estDie Chancen, dass man während eines Urlaubs auf Sizilien einen Ätna-Ausbruch miterleben kann, stehen dennoch nicht schlecht. Leichtere Eruptionen kommen häufiger vor, im Jahr 2012 brach der Vulkan sechsmal aus, 2013 hat sogar 16 Mal stundenlang Lava und Asche in die Luft geschleudert. Der letzte bedrohliche  Ausbruch ereignete sich 1992. Damals war die Kleinstadt  Zafferana am Osthang des Ätna in Gefahr. Die Armee musste anrücken, um den zerstörerischen Lavastrom durch Sprengungen umzulenken und vom Ort fernzuhalten.

© Anke SademannDie weitaus meiste Zeit  präsentiert  sich Siziliens majestätischer Vulkan als gutes Terrain für leichte Wanderungen oder anspruchsvollere, mehrtägige Trekkingtouren. Überall in dem 59 000 Hektar großen Naturschutzgebiet gibt es markierte Wege. Auf der kürzesten Tour, dem Sentiero Natura Monti Sartorius, werden vier Kilometer und 100 Höhenmeter zurückgelegt, was in zwei Stunden gut zu schaffen ist. Drei Tage sollte man einplanen, wenn man den Gipfel auf dem Hochgebirgsweg einmal umrunden will. Mehrere Schutzhütten bieten sich dabei als Nachtquartiere an.

© "Parco dell'Etna"  Sie liegen auf einer Höhe von 1500 bis knapp 2000 Metern. Während in den unteren Regionen Orangen-, Zitronen-, Feigen- und Pistazien- und Olivenbäume gedeihen, prägen ab 1000 Meter Höhe Birken, Eichen, Kastanien und Kiefern das Bild – und Ätna-Ginster, der als eine der ersten Pflanzen auf der verwitterten Lava  Fuß fasst. Oberhalb von 2000 Metern präsentiert sich der Vulkanlandschaft vegetationslos, schwarz und steinig und wirkt fast ein wenig außerirdisch. Das fanden offenbar auch die Mitarbeiter der NASA, die  auf dem Ätna kürzlich Roboter für den Einsatz auf dem Mars getestet haben.

Weil der Nebel immer dichter wird, drängt Naturparkführer Gian Battista zum Aufbruch. Kurz darauf sitzen seine Schutzbefohlenen wieder in den Gondeln zur Talstation und  noch etwas  später  am Fuße des Vulkans  in einem  Straßencafé, wo man nicht nur Espresso und Cappuccino serviert, sondern den frisch gepressten Saft der Blutorangen, die hier, an den Hängen des Ätna, besonders gut gedeihen.

Susanne Kilimann

Italien: Almauftrieb und Wanderwoche mit Reinhold Messner

Suedtirol, Vinschgau, Ortlergebiet, Sulden, Jakauftrieb mit Reinhold Messner,

Am 26. Juni 2014 können Interessierte im Vinschgau bei einem Almauftrieb der anderen Art dabei sein. Denn bei der „tierischen“ Bergtour erleben Mitwanderer neben Seven-Summits-Bezwinger Reinhold Messner auch seine Yaks, die er vor 25 Jahren aus Tibet in seine Südtiroler Heimat importierte und immer noch stets höchstpersönlich in ihr Sommerquartier begleitet.

Beim Yakauftrieb kann jeder mitlaufen, die Teilnahme ist kostenfrei. Los geht’s pünktlich um 9 Uhr an der Talstation in Sulden am Ortler, von dort werden die zotteligen Himalaya-Rinder auf die Madritschalm unterhalb der Königsspitze getrieben.

Passend zum Thema ist die Pauschale Messner Mountain Week buchbar: Von 26. Juli bis 2. August verbringen Naturfreunde und Messner-Fans gleich eine ganze Wanderwoche mit der Bergsteiger-Legende. Das Package kostet ab 400 Euro im 4-Sterne-Hotel, in der 3-Sterne-Pension ab 250 Euro pro Person und beinhaltet je 7 Übernachtungen, eine begleitete Wanderung mit Reinhold Messner durchs Ortlergebiet, eine Multivisions-Show, ein Gespräch mit dem Abenteurer sowie freien Eintritt ins Messner Mountain Museum (MMM) Ortles.

Italien: Triests süße Melancholie

 

Dichter liebten ihren besonderen Charme – und für die Regenten in Wien war sie einst  strategisch wichtiger Hafen. Triest ist Italiens „österreichische“ Stadt. Und bis heute pflegen die Triester ihre Kaffeehauskultur und das süße Erbe aus Habsburger Zeit.

Ein Spaziergang auf der Mole Audace bei Sonnenuntergang. Ein Bummel durch die Altstadt. Stöbern in den ungezählten Antiquitätenläden. Shopping in schicken Boutiquen rund um den Corso Italia. Zwischendurch ein Mußestündchen in einem der berühmten Kaffeehäuser. Im „Caffè degli Specchi“ zum Beispiel. Im „Tommaseo“, dem ältesten Kaffeehaus der Stadt. Oder im „Pirona“, wo schon James Joyce gesessen und über seinen Roman „Ulysses“ nachgesonnen hat.

Triest, die italienische Stadt an der slowenischen Grenze, will in kleinen Schritten erobert werden. Schlösser, Theater, Museen, die Börse, das Opernhaus – es gibt viel zu entdecken. Etwas jedoch spürt auch ein Fremder sofort: Architektur und Atmosphäre – alles ist hier irgendwie anders als im übrigen Italien. Triest ist wirkt eher mitteleuropäisch als mediterran. Wer diese Stadt verstehen will, muss ein wenig in den Geschichtsbüchern blättern.

Schmelztiegel der Kulturen

Ein Schmelztiegel der Völker ist Triest einst gewesen: Nicht nur Italiener, auch die slawischen Nachbarn und eine große jüdische Gemeinde prägten und bereicherten die Kultur. Den größten Einfluss aber übten die Österreicher aus. Jahrhunderte lang stand die kleine Siedlung an der Adriaküste unter ihrem Schutz. Im Laufe der Zeit wurde Triest zum strategisch bedeutenden Hafen der Habsburger Monarchen. Konflikte gab es immer wieder mit der Stadtrepublik Venedig. Lange Zeit blieb die schillernde Nachbarin die ungeschlagene Nummer eins – der wichtigste Handelshafen der nördlichen Adria.

Ende des 18. Jahrhunderts  aber- als Napoleon Venedig erobert – wendet sich das Blatt. In einem Friedensabkommen wird die Lagunenstadt schließlich der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn zugesprochen. Damit beginnt Venedigs Abstieg – und der Aufstieg von Triest. Die einstige Nummer Zwei übernimmt die führende Rolle beim Handel mit dem Nahen und Fernen Osten. Kaffee, Zucker, Eisen, Baumwolle, Öle und Gehölz – alles wird nun hier umgeschlagen.

Rebellen und Poeten

Mitte des 19. Jahrhunderts kippt die Stimmung. Während sich die vielen italienischen Fürstentümer zum Nationalstaat vereinen, wird auch in Triest die pro-italienische Bewegung immer stärker. Demonstrationen gegen die Habsburger Herrschaft häufen sich. Und als Kaiser Franz Josef I Triest besucht, entkommt er nur knapp einem Attentat. Die Adriastadt ist plötzlich einer der heißesten Krisenherde im österreichischen Kaiserreich. 1919 – nach dem Ersten Weltkrieg – ist es soweit: Triest mit seiner überwiegend italienischen Bevölkerung wird Italien angegliedert.

Die aufregende Umbruchzeit mit ihren politischen Spannungen war aber auch die Zeit der kulturellen Blüte. In den Jahrzehnten vor und nach 1900 lebten und arbeiteten die großen italienischen Schriftsteller Italo Svevo und Umberto Saba in Triest. Auch viele ausländische Dichter zog es hierher: Die Briten James Joyce und Richard Francis Burton, die deutschsprachigen Dichter Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal und viele andere.  In Triest war der morbide Charme der Epoche  besonders deutlich zu spüren – und die Literaten sogen ihn begierig auf. Rilke war Gast des kulturbeflissenen Prinzen Torre e Tasso und logierte höchst feudal im „Castello Duino“ vor den Toren der Stadt. Seine „Duineser Elegien“ sind das literarische Andenken an diese Zeit.

Genau wie damals schlägt das Herz der Stadt noch heute an der großen Piazza, die seit fast 90 Jahren „Piazza dell‘ Unità d’Italia“ – Platz der Einheit Italiens – heißt. Das langgezogene Rechteck wird von Prachtbauten gesäumt. An einer Seite aber öffnet sich die Piazza eindrucksvoll zum Meer. Von hier aus muss man nur  die „Punta del Forno“ durchqueren – und gelangt in eines der ältesten Stadtviertel von Triest.

Die Namen der engen Straßen verraten noch heute, was hinter den kleinen Fenstern der Ladenlokale vor Jahrhunderten verkauft wurde: Salz, Öl und Fisch. Doch ein Großteil der historischen Gassen wurde auf Befehl Mussolinis abgerissen. Italiens faschistischer Diktator wollte an ihrer Stelle lieber die Reste antiker Ruinen sehen. Bei den Ausgrabungen unterhalb des Stadthügels San Giusto kam ein römisches Amphitheater aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert zum Vorschein, das heute besichtigt werden kann.

Sachertorte, Apfelstrudel, Palatschinken

Die steinernen Zeugnisse der bewegten Geschichte lässt sich ein Fremder am besten auf einem geführten Rundgang zeigen. Die süßen Seiten der Stadt entdeckt man  dagegen lieber auf eigene Faust. Köstliche Sachertorte, wunderbarer Apfelstrudel und Topfenpalatschinken – in den Konditoreien von Triest leben die Habsburger Traditionen bis heute fort. „Chifeletti“   – süße Krapfen aus frittiertem Kartoffelteig – sind dagegen eine einheimische Spezialität. Man bekommt sie bei jedem Triester Bäcker – doch für den ultimativen Genuss sollte man sich die Konditoreien „La Bomboniera“, „Pirona“ und „Penso“ auf die Adressenliste schreiben.

Zu welcher Jahreszeit Triest am schönsten ist – da scheiden sich die Geister. Der Frühling, wenn sich der Kaffeehausbetrieb wieder auf die Straßen und Plätze verlagert. Der Sommer, wenn die Adriastrände locken und ganz Triest zum Baden geht. Der Herbst, der meist angenehm milde Tage beschert. Die Dichter der Jahrhundertwende aber liebten vor allem die melancholische Stimmung, die sich an kalten Wintertagen über der Stadt ausbreitet – wenn „Bora“, der kräftige Fallwind aus dem bergigen Hinterland, durch die Straßen fegt und die Wellenkämme der Adria ganz schaumig peitscht.

Susanne Kilimann

Italien: Medical-Spa-Woche in der Vinschgauer Bergwelt

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Nahrungsmittel-Check „fürs gute Bauchgefühl“

Lebensmittel-Intoleranzen rufen Beschwerden wie unreine Haut und Magenprobleme hervor. Doch die meisten Menschen wissen nicht einmal von einer Unverträglichkeit. Das „Dolce Vita Hotel Preidlhof“ in Naturns, Tor zum Vinschgau in Südtirols sonnigem Westen, hat ein passendes Arrangement aufgelegt: Das Package „Medical Spa – Großer Nahrungsmittelunverträglichkeitstest“ im 4-Sterne-Superior-Haus nahe der Kurstadt Meran beinhaltet den Check von 166 Proteinen, 77 Kohlenhydraten, 61 Gemüsesorten, 55 Früchten, 23 alkoholischen Getränken, 13 Zuckerarten sowie zwölf Ölen und Fetten. Durchgeführt wird die Untersuchung von Dr. Alexander Angerer, Leiter des hausinternen Medical Spa. I

Italien: Die Top 10 Sehenswürdigkeiten von Venedig

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1 Campo di Santa Margherita

Ein Platz als Bühne venezianischen Lebens. Platz nehmen und schauen.

2 Galleria dell’Accademia

Selbst im an Kunstschätzen so reichen Venedig ist diese Sammlung herausragend – und eines der wichtigsten Museen der Welt.

3 Piazza San Marco und Basilica di San Marco

Trotz der Besuchermassen ist dies einer der schönsten Plätze der Welt – gekrönt vom einzigartigen Dom.

4 Palazzo Ducale/Dogenpalast

Der Sitz der Dogen erzählt die Geschichte der Stadt und birgt Kunstschätze von Tizian über Tiepolo bis Tintoretto.

5 Campanile di San Marco

Der Glockenturm des Doms bietet einen fantastischen Blick auf den Markusplatz.

6 Ponte di Rialto

Niemand sollte Venedig ohne ein Foto von der berühmtesten und schönsten Brücke der Stadt verlassen.

7 Scuola Grande di San Rocco

Etwa 60 Gemälde von Tintoretto machen diese Scuola aus dem frühen 16. Jahrhundert zu einem absoluten Highlight.

8 Collezione Peggy Guggenheim

Eine der interessantesten Sammlungen moderner Kunst überhaupt, untergebracht in einem wunderschönen Palast am Canal Grande.

9 Santa Maria della Salute

Die weiß leuchtende, barocke Kirche mit der runden Kuppel auf der Inselspitze wacht über die Zufahrt des Canal Grande und ist ein Wahrzeichen der Lagunenstadt.

10 Venedigs Gondeln und Gondelfahrt

Der Blick auf Stadt und Seufzerbrücke von der Gondel aus, dem stilgerechten venezianischen Fortbewegungsmittel, macht die Venedig-Erfahrung erst vollständig.

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Italien: Ladinische Popmusik – Zauberhaftes für die Ohren aus Südtirol

Langsam verhallt der letzte Ton, die jungen Frauen setzen die Violinen ab, lassen die Mikrophone los, senken die Schultern, heben ihre Blicke und lächeln. Gerade haben die drei Südtirolerinnen auf einer Berliner Bühne das kulturverwöhnte Hauptstadtpublikum verzaubert – mit, man möchte es kaum glauben, ladinischer Popmusik, deren Inhalte so geheimnisvoll erscheinen wie das ganze Konzert dieser märchenhaften Formation namens Ganes. Dann beginnt der lang anhaltende Applaus.

Aber die Geschichte von Ganes beginnt natürlich in Südtirol, in dem Bergdorf Wengen, im Südtiroler Gadertal. „Unser Haus in La Val, wie man Wengen auf italienisch und ladinisch nennt, heißt Rumestluns”, hatte Marlene Schuen in Berlin noch gesagt und dann folgte eine längere Beschreibung, wie man es erreicht, Abzweigungen kamen darin vor, ein Sportplatz, Brücken, Wiesen und schließlich „ein Gebäude unterhalb der Straße“. Dahinter sind nur noch Wälder und Berge, Wolken ziehen darüber hinweg, und für einen kurzen Moment fällt ein Sonnenstrahl auf das Haus, ein „Rai de Sorëdl“, wie die erste Ganes-CD heißt.

Hilda Schuen, die fröhliche Mutter von Marlene und Elisabeth erwartet uns schon. Sie hat die gleichen dunklen Augen und Haare, sowie das gleiche rollende R wie ihre Töchter, und schon an der Türe hängen Ganes-Zeitungsausschnitte und -Konzertankündigungen. Hilda deutet darauf und sagt: „Das ist für mich, als ob sie hier wären.“ Ganes, das sind die drei Cousinen aus La Val: Elisabeth Schuen (30), Marlene Schuen (31) und Maria Moling (26).

Und es liegt an ihrem Erfolg, dass sie nun in Berlin, 1.000 Kilometer weiter nördlich, erzählen, wie es dazu kam. „2007 bis 2009 waren wir gemeinsam mit Hubert von Goisern auf seinem Schiff auf der Donau unterwegs“, beginnt Elisabeth kurz vor dem Konzert zu erzählen. „Wir gaben jeden Abend am Flussufer ein Konzert und haben dabei unglaublich viel dazugelernt“, ergänzt Marlene. Sie spielten Geige und Gitarre und sangen im Hintergrund. „In unserer Freizeit probierten wir dann eigene Songs“, sagt schließlich Maria, und eigentlich war das schon der Anfang von Ganes.

Als dann Hubert von Goiserns Manager ihre Musik hörte und ihnen begeistert seine Unterstützung versicherte, dachten sie darüber nach, wie es wäre, eine CD mit ladinischer Popmusik einzuspielen. Im Mai 2010 ist sie erschienen, und seither touren sie durch Europa. „Jetzt stehen wir halt vorne auf der Bühne“, sagt Marlene als wäre nichts gewesen.

Die Ganes, die der Formation den Namen gaben, wohnen in dem Bach, der am Haus der Eltern in La Val vorbeifließt. Es sind magische Märchenwesen aus der ladinischen Mythologie, fabelhafte Frauen, mal Feen, mal Nixen, mal Hexen, die die Menschen unter anderem mit ihren schönen Geräuschen verzaubern. Und dieser Ganes-Bach weist zugleich den Weg zum Haus der Molings. Als wir auch dort anklopfen, bittet Hildas Schwester Rita in die Bauernstube und auch ihr sieht man die Ähnlichkeit zu ihrer Tochter an. „Gestern hat Maria angerufen – ich glaube sie war in Belgien“, erzählt sie und gesteht, dass sie während der Tournee manchmal nicht so genau weiß, wo ihre Tochter steckt. „Wir sind aber schon sehr froh, dass sie so erfolgreich sind“, erzählt sie weiter. „Es gehört ja auch Mut dazu, so etwas Unsicheres wie ladinische Popmusik zu machen.“ Die Stimmung in der Stube ist herzlich und natürlich, ganz so, wie die drei Mädels sich nun der Welt präsentieren.

Der Konzertzauber in Berlin beginnt gegen acht Uhr abends: Die drei betreten die Bühne, und sehr schnell hat die Solostimme von Maria das Publikum erfasst. Wenig später erzeugen die dreistimmigen Harmoniegesänge, Instrumente- und Gesangsoli eine Gänsehaut. Die populäre, aber doch auch anspruchsvolle und komplexe Musik hat Einflüsse aus Jazz, Funk, Soul und auch Klassik. Und als wäre all das nicht schon außergewöhnlich genug, klingen die Texte mal portugiesisch, mal italienisch, mal osteuropäisch und dann doch wieder wie nichts von alledem. Nach dem Lied „Da sòra“ (alleine) wendet sich Maria Moling lachend ans Publikum und fragt: „Nutella und Mortadella habt ihr verstanden, oder?“ Wohl wissend, dass der Rest geheimnisvoll unbestimmt bleibt. „Das ist nun mal unsere Muttersprache und in der können wir Gefühle am besten äußern“, hatte Maria zuvor gesagt, und Elisabeth meinte: „Unsere Songs funktionieren auch deswegen so gut, weil Ladinisch eine sehr melodische Sprache ist.“

Infos

Die ladinische Sprache: Ladinisch wird ausschließlich von 30.000 Menschen in  Talschaften Norditaliens verwendet und ist als anerkannte sprachliche Minderheit von der EU gefördert. Die Ladiner, auch Dolomitenladiner genannt, gelten als eigene Ethnie und machen 4 % der Südtiroler Bevölkerung aus (entspricht 18.000 Menschen). Das Ladinische gehört zu den rätoromanischen Sprachen, die eine Untergruppe des Romanischen bilden. Der ladinische Sprachraum erstreckt sich über fünf angrenzende Talschaften. In der nördlichsten Region Italiens sind diese das Grödnertal und das Gadertal in der Provinz Bozen-Süd-tirol sowie das Fassatal im Trentino. Ladinisch spricht man auch in der Provinz Belluno in Venetien, im Buchensteintal sowie zum Teil in Cortina d’Ampezzo. Weiters sprechen die angrenzenden Talschaften Comelico, Agordino und Cadore Ladinisch.

Museum Ladin: Das Museum Ladin in St. Martin in Thurn stellt die ladinische Kultur dar und verdeutlicht besonders die Beziehungen zwischen Landschaft und Lebensweisen  des Volkes.

Musik in Südtirol: Musik hat in Südtirol eine lange Tradition: Es gibt über 212 Musikkapellen in 116 Gemeinden. Die Klangwelt wird durch Kirchenchöre,  Männergesangsvereine und Musikgruppen geprägt, die sich mit überlieferten Südtiroler Volksweisen befassen. Ein Beispiel dafür ist die vierköpfige Band „Opas Diandl“, die die traditionelle Volksmusik der Region durch akustische Instrumente, Jodler und Mundart neu interpretiert. Auch das Trio „Herbert Pixner Projekt“ steht für musikalische Unterhaltung, die neue Rhythmen mit alpenländischer Volksmusik kombiniert, wie etwa mit Jazz und Blues.