Italien: Stille Stunden abseits vom Touristenrummel in Venedig

Venedig, Canal Grande

Venedig, Canal Grande

Düstere Gassen, geheimnisvolle Gestalten, imposante Villen mit morbidem Charme – was haben wir nicht alles für Bilder  im Kopf, als wir zum ersten Mal nach Venedig fahren? Leinwandklassiker und Literarisches: „Tod in Venedig“ natürlich. Und „Wenn die Gondeln Trauer tragen“.

Und dann stehen wir da. Auf dem Piazzale Roma – dem Busparkplatz und Ausgangspunkt für nicht enden wollende Touristenströme, die sich von hier aus ins Herz der Lagunenstadt zwängen, zu den Hauptattraktionen Rialto-Brücke, Markusplatz und Dogenpalast. Die Reiseleiterin schwört auf ihren karierten Regenschirm: „Diesem bitte immer folgen!“ Damit sich niemand im Labyrinth der Lagunenstadt verrennt.

In der Karo-Schirm-Gruppe schieben wir uns an unzähligen Menschenansammlungen vorbei, während vorn das ganze Informationsprogramm läuft. Kurz hinter Rialto beschließen wir, uns aus dem Staub zu machen. Abzutauchen, weg von den Menschenmassen. Weg vom Karo-Schirm. Ein paar Mal biegen wir um die Ecke, laufen treppauf, treppab über ein paar Brücken und finden eine ganz andere Stadt. Stille Gassen, in denen Schritte lange nachhallen. In denen man manchmal nichts weiter hört als das Glucksen des Wassers, das gegen die Häuser schwappt.

Venedig, Canal Grande

Venedig, Canal Grande

Immer tiefer tauchen wir ein in das Gewirr der Gassen und Kanäle. Ohne Zeitplan und Ziel bestaunen wir pittoreske Winkel und Steinbrücken mit zierlichen Geländern; Fassaden, von denen hier und da der Putz bröckelt, mit liebevoll arrangierten Geranientöpfen davor; Fensterbretter, auf denen Katzen dösen; efeuberankte Balkone und Dachterrassen, auf denen üppiger Oleander blühte. Wer sich einlässt auf das fantastische Labyrinth findet sie von ganz allein, die kleinen Plätze, auf denen sich abseits vom Touristenrummel venezianisches Alltagsleben abspielt. Etwa den Campo Santa Margherita, an Vormittagen wird hier ein kleiner Fisch- und Gemüsemarkt abgehalten, nachmittags treffen sich hier junge Mütter in den Cafés, und abends stellt sich die Studentenszene ein. Oder Campo San Stefano, wo der Schriftsteller Niccolo Tommaseo vom Sockel blickt. Unter den Augen dieses berühmten Kämpfers gegen die Fremdherrschaft der Österreicher speisen die Venezianer gern mal in der Eisdiele Paolin.

Zweitgrößter Platz der Stadt – nach dem Markusplatz – ist der Campo San Polo, wo man auf einer Bank unter Bäumen oder beim Espresso in einem der Cafés verschnaufen kann. Campo San Luca ist für eine Kuchenpause ideal – weil dort die Konditorei Rosa Salva mit vorzüglichen dolci beglückt. Tizian, Tiepolo – in den venezianischen Gotteshäusern ist ganz große Kunst zu Hause. Früher oder später führt der Bummel durch die Gassen von Venedig immer zum Canal Grande, wo die Linienboote verkehren. Mit der Linie 1 geht’s auf der zentralen Wasserstraße vorbei an den imposantesten Palazzi der Stadt. Palazzo Gritti, Palazzo Grassi, weiter durch die Rialto-Brücke, wo in vergangenen Jahrhunderten das Geschäftsleben pulsierte. Auch deutsche Kaufleute hatten hier ihre Handelsniederlassung. Richtung Bahnhof rechter Hand das Ca‘ d’Oro – filigranes Mauerwerk ziert die Fassade. Der Palazzo, das „Goldene Haus“, gilt als der schönste der Stadt.

Blick über Venedig

 

Am Bahnhof steigen wir um – in die Linie 41 und machen noch eine Stadtrundfahrt im Vaporetto. Diesmal tuckert das Boot außen um dieses seltsam schöne, auf Millionen von Holzpfählen errichtete Gebilde herum, zur Glasbläser-Insel Murano und zurück. Wie eine Traumwelt liegt die Lagunenstadt da im blauen Abendlicht. Und als wir an der Station San Zaccaria aussteigen und unten im rosafarbenen Schein der Straßenlaternen am Kanalufer entlang schlendern, ist Venedig Kulisse für Romantiker und Verliebte aus aller Welt.

Venedig, Murano

Glasskulptur auf Murano

Ein paar Minuten später erreichen wir den Markusplatz. Kirche, Campanile, Arkadengänge. Ohne Menschenmassen. Ohne Karo-Schirme. Jetzt ist es Zeit für einen Cappuccino im „Caffè Florian“ oder einen Drink in „Harry’s Bar“. Als gewöhnlicher Abschluß einer außergewöhnlichen Venedig-Tour.

Susanne Kiliman

Italien: Vorsorge ist besser als Nachsorge

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Zeit für einen Neuanfang im Hotel Therme Meran

„Die Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“ – auch wenn der deutsche Philosoph Arthur Schoppenhauer (1788-1860) diesen Satz vor mehr als 150 Jahren aussprach, so ist das Thema auch heute noch hoch aktuell und viel diskutiert. Wollen wir nicht alle gesund, schön und fit sein? Träumen wir nicht alle irgendwann einmal davon, uns eine Auszeit zu nehmen, unsere Batterien aufzuladen und unseren kompletten Gesundheitszustand kontrolliert zu bekommen?

Immer mehr Leute lassen sich ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden im Urlaub etwas kosten. Das gilt übrigens nicht nur für gestresste Firmenchefs oder Abteilungsleiter. Einschlägigen Studien zufolge leidet heute jeder Dritte unter Dauerstress – darunter sowohl Manager als auch Hausfrauen, Schüler und Rentner. Und nun mal ehrlich, gibt es für einen gesundheitlichen Neuanfang einen besseren Moment als den Urlaub?

Wo Prävention und Kur zum Urlaubserlebnis werden

Kein Wunder also, dass sich auch das Wellness-Hotel Therme Meran neuerdings zum Thema Gesundheitsvorsorge ein Rundumpaket ins Leben gerufen hat. Zusammen mit der renommierten Privatklinik Martinsbrunn bietet das Meraner Design & Lifestyle Hotel seinen Gästen die Möglichkeit, sich während des Urlaubs gründlich von Kopf bis Fuß durchchecken zu lassen. Das professionelle Angebot der Ordensklinik reicht vom Gesamt-Check-up über kardiologische Vorsorgeuntersuchungen und dermatologische Visiten bis hin internistischen Vorsorgepaketen.

2012 05 Thermenhotel Meran

Neben den vielseitigen Entspannungsmöglichkeiten im hauseigenen „5 Elements Spa“ buhlt die fantastische Südtiroler Berglandschaft um die Aufmerksamkeit der Urlauber und zu den Streicheleinheiten für die Seele gesellen sich kulinarische Gaumenfreuden. Und das ohne, dass man sich um irgendetwas kümmern muss, denn im Urlaubspaket „Gesamt-Check-up“ ist alles inklusive.

Kuren in mediterranem Ambiente

Es liegt nicht nur am guten Wasser, dass das Kuren in Meran seit dem 19. Jahrhundert Tradition hat. Und zwar für jedermann und jede Frau.

Italien: Freundinnen-Special in Schenna

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Spa-Gutschein bei drei Übernachtungen

Gemeinsam ausspannen vor Bergkulisse und in der Sauna die Wärme genießen, während es draußen ungemütlich wird: Wer sich während der kalten Jahreszeit gemeinsam mit der besten Freundin für mindestens drei Nächte im kleinen, aber feinen 4-Sterne-Hotel Grafenstein in Schenna oberhalb von Meran einmietet, bekommt pro Person einen exklusiven Wellnessgutschein geschenkt. Der Voucher kann für eine Behandlung nach Wahl im hauseigenen Grafenstein-Spa eingelöst werden und hat einen Wert von je 30 Euro. Die Übernachtung kostet ab 78 Euro pro Person im Doppelzimmer und versteht sich inklusive Verwöhnpension mit Frühstück, Nachmittagsbuffet und mehrgängigem Abendessen. Das Angebot ist gültig vom 3. November bis 9. Dezember sowie vom 26. bis 31. Dezember 2013.

Italien: Alpine Wellness in Südtirol

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„Achtsam und g’sund“ in der Naturoase Stegerhof

Endlich mal wieder auf sich selbst achten – das ermöglicht ein Aufenthalt in der Naturoase Stegerhof in Truden. Das bäuerliche Spa-Paradies in Südtirols tiefem Süden ist einer von nur drei zertifizierten Vitalbauernhöfen mit dem Qualitätssiegel „Roter Hahn“. Im Rahmen der dreitägigen Pauschale „Achtsam und g’sund“ (zwei Übernachtungen) ab 150 Euro pro Person genießt Frau neben der frischen Luft im Nationalpark Truden ein Heubad, einmal Schwitzen im Kraxenofen sowie jeden Morgen ein Vitalfrühstück in der Bauernstube. Wer auf fünf Tage (vier Übernachtungen ab 250 Euro pro Person) verlängern will, erlebt zudem noch eine Sabbia-Meditation, einmal Bauernsauna sowie eine Käseverkostung mit heimischen Produkten aus Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch. Alle Wellnessbehandlungen werden von der fachkundigen Bäuerin durchgeführt. Die Marke „Roter Hahn“ garantiert das Einhalten strenger Kriterien wie die ruhige, verkehrsarme Lage des Hofs sowie mindestens zwei Vitalangebote, beispielsweise Schönheitsmasken oder Entschlackungskuren.

Italien: Unikate vom Bauern in Südtirol

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Einst entstanden aus regionalen Rohstoffen Arbeitsgeräte und Alltagskleidung, heute verwandeln die kreativen Bauern einen Holzblock zur Skulptur, ein Wollknäuel zur Filztasche oder Zweige zur Designerlampe. Seiner Philosophie bleibt „Roter Hahn“ dabei treu und setzt weiterhin auf hohe Qualitätsstandards und strenge Kriterien.

Alles aus einer Hand – vom Rohstoff bis zum Unikat

Südtirol ist reich an nachwachsenden Rohstoffen: 45 Prozent des Landes sind mit Wald bedeckt, der wertvolles Holz spendet. Fast 30.000 Schafe auf knapp 1.700 Bauernhöfen liefern regelmäßig weiche Wolle. Die Weiterverarbeitung solch regionaler Naturprodukte auf Bauernhöfen hat Tradition: Aus Schaffellen entstanden wärmende Schuhe, aus Holz Geschirr und mithilfe von Weidenzweigen hat man Körbe und Rechen hergestellt. Vielfach wurden die handwerklichen Fertigkeiten von Generation zu Generation weitergegeben. Vor allem von November bis März, wenn die Felder brach lagen, erschloss sich Bauersfamilien so eine weitere wertvolle Zuerwerbs-Möglichkeit am Hof.

Vom Stall ins Atelier – Bauern mit Kunstsinn

Auch heute freuen sich die bäuerlichen Handwerker der Marke „Roter Hahn“ vor allem in der weniger arbeitsintensiven Winterzeit über Besucher und lassen sich bei ihren Tätigkeiten gern über die Schulter schauen. Erhard Paris vom „Oberhof“ im Ultental ist hauptberuflich Landwirt mit Spezialisierung auf Biofleisch, doch das Flechten hat ihn von Kindesbeinen an fasziniert. Die verwendeten Zweige stammen von Bäumen aus dem eigenen Wald, in einer mehrjährigen Ausbildung im Flechten, Drechseln und Schnitzen holte er sich das nötige Rüstzeug. Mittlerweile umfasst sein Sortiment Deko-Objekte, Lampen und Körbe sowie Taschen und Schmuck, die Interessierte in seiner „Ultner Flechtwerkstatt“ erstehen können.

Wo die Liebe hinfällt – Passion für Naturmaterialien

Die Liebe zu Holz lockt auch Karl Heinz Windegger vom „Lahngut“ in Lana regelmäßig von seinem Obstgarten in die hofeigene Werkstatt. Herzstück ist die Drechselbank, an der der 50-Jährige viel Zeit verbringt. In einem kleinen Ausstellungsraum werden die modern designten Schalen, Teller und Vasen wie Kunstobjekte für Besucher präsentiert.

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Ehrliche Handarbeit – kombiniert mit viel Stil

Auf Hüte, Taschen und „Patschen“ (Hausschuhe) aus der Wolle von den 30 eigenen Schafen hat sich Rita Amort vom „Amort-Hof“ in Altrei spezialisiert. Nach dem Waschen, Trocknen und Kämmen der kuschelweichen Fasern versteht sie sich darauf, nur mit Hilfe von Wasser, Naturseifenlauge und viel Geduld zauberhafte Objekte aus Filz zu gestalten. Die ausgefallenen Dekors fallen der talentierten Bäuerin übrigens spontan während der Arbeit ein.

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Italien: Reinhold Messner und die Dolomiten

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„Ich habe weltweit über 100 Expeditionen unternommen, und je öfter ich in die Heimat zurückkam, desto mehr war ich von den Dolomiten beeindruckt.“ Diesen Satz sagt einer, der es wissen muss, einer, der auf allen Achttausendern dieses Planeten stand und doch immer wieder begeistert an jenen Ort zurückgekehrt ist, wo er das Bergsteigen gelernt hat. Diesen Satz sagt kein anderer als Reinhold Messner. Und er ist sofort in seinem Element, wenn es um die Dolomiten geht, gerät ins Schwärmen und zitiert Geistesgrößen wie den Schweizer Architekten Le Corbusier. Der habe einmal gesagt: „Die Dolomiten sind die schönsten Bauwerke der Welt.“ Das setze natürlich voraus, dass sie einen Schöpfer haben. „Aber wenn dem so ist“, sagt Messner, „dann kann man nichts Schöneres bauen. Denn rein ästhetisch gibt es nirgendwo auf der Welt dieses Spannungsmoment zwischen flachen und grünen Bergwäldern und diesen senkrechten graugelben Felswänden darüber. Der Himalaja“, fügt Messner noch hinzu, „ist zwar höher, aber nicht so schön wie die Dolomiten.“ Reinhold Messner nach den Dolomiten zu fragen, das merkt man schnell, ist wie wenn man ein sehr großes Fass anzapft.

IMG_1383Das liegt daran, dass diese Berge kaum jemand besser kennt als er. Messner ist hier aufgewachsen, hat im Villnösstal erste Klettererfahrungen gemacht, und wenn man heute von diesem Tal aus hinauf zu den Geislerspitzen blickt, dann kann man leicht verstehen, dass die spektakulären Felstürme und Steilwände den Ehrgeiz und die Leidenschaft des jungen Reinhold erweckt haben. Man könnte hier sehr lange auflisten, zu was das alles geführt hat und was Messner in den Dolomiten alles unternommen hat, aber man kann es auch so sagen: Ohne diesen Gebirgszug wäre Reinhold Messners Biografie sicher anders verlaufen.

In den Dolomiten ist Reinhold Messner allgegenwärtig, er besitzt Schlösser, betreibt IMG_2081Museen, schreibt Bücher und diskutiert mit seinen Landsleuten. Messner hat sich auch über Jahre hinweg dafür eingesetzt, dass die Dolomiten von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt werden. Und so fühlte sich für Messner der 26. Juni 2009, der Tag, an dem das Welterbe-Komitee endlich die Ernennung bekannt gab, wie ein weiterer Gipfelsieg an. Aber Reinhold Messner wäre nicht Reinhold Messner, wenn er sich mit diesem Erfolg schon zufriedengeben würde. „Durch die UNESCO-Entscheidung haben wir ganz neue Möglichkeiten“, sagt er und hat dabei vor allem die Landwirtschaft im Sinn. „Man muss nun auch die landwirtschaftlichen Flächen und Bergbauernhöfe mit hinein in das Welterbe nehmen.“ Denn das ist bisher nicht geschehen und ist für ihn ein ganz wesentlicher Punkt.

Schließlich sichern die Bergbauernhöfe gemeinsam mit dem Tourismus die Zukunft der Berge. „Und dann würden die Dolomiten auch zum Weltkulturerbe, weil alles, was der Mensch in die Berge trägt, Kultur ist.“ Behutsamkeit sei dabei allerdings oberstes Gebot. „Wir müssen diese Landschaft nutzen, aber wir dürfen sie nicht opfern“, sagt Messner und zieht einen Vergleich: „Für uns Südtiroler sind die bleichen Berge das, was für die Araber das Öl ist. Nur, dass wir die Berge noch ein bisschen länger haben werden, als die Araber das Öl.“ Reinhold Messner ist heute 66 Jahre alt und blickt auf ein bewegtes und einzigartiges Bergsteigerleben zurück. Das „DenkMal“ Dolomiten zieht sich dabei wie ein roter Faden durch seine Biografie. Denn die Berge seiner Heimat bezeichnet Messner noch immer aus vollster Überzeugung als „die schönsten Berge der Welt“.

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Italien: Die Traumstädte der Toskana

Blick auf Lucca  Foto: Christel Seiffert

Wo kann man in der Toskana auf der größten, längsten und vollständig erhaltenen Stadtmauer spazieren gehen? In Lucca, der schönen mittelalterlichen Stadt. Mehr als vier Kilometer lang und  zwölf Meter hoch ist diese baumbestandene breite Festungsmauer, die der Stadt  über Jahrhunderte ihre Unabhängigkeit bewahrte. Anwohner, Jogger, Radfahrer und Besucher sind hier gern unterwegs und genießen dabei die Sicht in die Altstadt und auf die Apuanischen Alpen in der Ferne. Zeugen einer glanzvollen Vergangenheit sind die herrschaftlichen Häuser und Paläste, die sich durch die Herstellung und den Handel mit kostbaren Stoffen reich gewordene Bürger erbauen ließen. Beliebte Einkaufs- und Flanierstraße ist die von Palästen und Türmen gesäumte Via Fillungo. Auch die Piazza Antiteatro sollte man unbedingt besuchen. Das Oval des römischen Amphitheaters ist begrenzt von Häusern mit eleganten Geschäften und lockt innen mit zahlreichen Restaurants und Cafés unter freiem Himmel. Mit einer bronzenen Statue vor seinem Geburtshaus erinnert Lucca an seinen prominenten Einwohner Giacomo Puccini, der mit seinen Opern La Boheme, Tosca und Madame Butterfly die Welt eroberte. Palmen umgeben die Piazza Napoleone, doch der schönste aller Plätze ist die Piazza Michele mit der Kirche San Michele aus dem 12. Jahrhundert. Mit ihrer prächtigen Fassade aus fünfzig verschieden gearbeiteten Säulen ist sie auch ein begehrtes Fotoobjekt.

Puccini-Statue in Lucca  Foto: Christel Seiffert

Puccini-Statue in Lucca Foto: Christel Seiffert

Skyline des Mittelalters

Seit einigen Tagen sind wir gespannt auf San Gimignano, das als „Manhatten der Toskana“ beschrieben wird. Schon aus der Ferne ist die auf einem Hügel erbaute Stadt mit ihren ins Blau des Himmels ragenden Türmen beeindruckend. Bis zu 54 Meter hoch sind diese festungsartigen Wohntürme, mit denen adlige Familien nach dem Motto „je höher desto mächtiger“ ihren Reichtum präsentierten. Von den einst bis zu 72 Geschlechtertürmen sind 15 erhalten geblieben und machen San Gimignano zu einem der Höhepunkte jeder Toskanareise. Fast vierhundert Busse steuern täglich das kleine Städtchen an, erzählt unser Reiseleiter. Und so flaniert durch die zum Domplatz führende breite Hauptstraße mit ihren kleinen Geschäften und Souvenirläden ständig ein Strom von Schaulustigen. Ruhiger ist es in den schmalen Seitengassen, wo manches mittelalterliche Schmuckstück zu bewundern ist. Zwei der Türme können bestiegen werden und bieten einen traumhaften Blick auf das grüne Hügelland. Bei einer Wanderung durch Weinberge und Olivenhaine um das Städtchen herum lassen wir uns immer wieder von seiner ungewöhnliche Silhouette verzaubern.

Platz der Wunder

Pisa ist vor allem bekannt durch seinen berühmten Schiefen Turm. Doch der steht nicht allein auf dem Campo die Miracoli, dem „Platz der Wunder“. Es sind drei Monumente aus schneeweißem Marmor, die sich auf rasengrünem Grund erheben und täglich das Ziel wahrer Touristenströme sind: Dom, Baptisterium und Campanile.

Platz der Wunder in Pisa  Foto: Christel Seiffert

Platz der Wunder in Pisa Foto: Christel Seiffert

Als größtes Bauwerk Pisaer Gotik beeindruckt der Dom mit seiner prächtigen Fassade aus Streifen von hellem und dunklem Marmor. Mittelpunkt des Interesses und meist fotografiertes Objekt ist jedoch zweifellos der 55 Meter hohe Glockenturm mit seiner Neigung von etwa 4,20 Metern. Da ein weiteres Absinken des Turmes inzwischen gestoppt werden konnte, dürfen jetzt auch wieder Besucher bis auf die Balustrade steigen. Allerdings braucht es dafür viel Geduld, denn die Schlange der Wartenden ist lang. Wer dem fast volksfestartigen Getümmel auf dem Campo die Miracoli entgehen möchte, dem sei ein Bummel durch den kleinen Stadtkern mit seinen stattlichen Palästen empfohlen. Für uns heißt es jetzt, die Wanderschuhe schnüren. Wir wollen den Naturpark Garfagnana in den nahen Apuanischen Alpen erkunden, dessen schneebedeckte Gipfel schon aus der Ferne grüßen. Auf kurvenreicher Strecke kämpft sich der Bus durch das Tal der Carrara-Marmorbrüche. Hinauf in eine wildromantische Landschaft mit dichten Wäldern, tiefen Tälern und kleinen Dörfern, die sich wie Schwalbennester an den Berg schmiegen. Auf alten Maultierwegen wandern wir bergauf und bergab und genießen den Blick auf die schroffen Gipfel über uns.

Rendezvous mit Michelangelo

Weithin sichtbar überragt die mächtige Kuppel des Doms die Silhouette von Florenz, dem geografischen, historischen und kulturellen Herz der Toskana. Keine andere Stadt hat so viele bedeutende Künstler wie Michelangelo, Pisano, Brunelleschi und Donatello hervorgebracht     keine Stadt beherbergt auf so engem Raum eine solche Fülle von Kunstwerken, Palästen, Kirchen und Museen. Florenz ist eine Sehnsuchtsstadt für alle an Kunst und Kultur Interessierten, darüber hinaus jedoch auch eine lebensfrohe und lebendige Stadt zu beiden Seiten des Arno. Nahezu im Halbstundentakt kommen und fahren von hier Züge in alle Richtungen. Vom Bahnhof aus sind es nur wenige Schritte bis zur historischen Innenstadt, dem UNESCO-Welterbe, und bis zur  Piazza della Signoria. Eingerahmt von Cafés und Restaurants überragt der gotische Palazzo Vecchio mit seinem schlanken Turm diesen schönsten aller Plätze. Seit dem 14. Jahrhundert wurde von hier die Stadt regiert, heute beherbergt der Palazzo mit seinen zahlreichen Sälen voller Fresken und Deckenmalereien das Museo Vecchio. Zwei berühmte Skulpturen – links die Marmorkopie von Michelangelos David – „bewachen“ den Eingang zum Palazzo. Mit dem monumentalen Neptun-Brunnen und der grazilen Loggia die Lanzi ist die Piazza della Signoria ein Freilichtmuseum und stets bevölkert von Touristen. Unweit davon befinden sich die Uffizien, die bedeutendste Kunstgalerie Italiens, und der Dom Santa Maria del Fiore, dessen freitragende Kuppel nach Plänen des genialen Baumeisters Brunelleschi als architektonisches Meisterwerk gepriesen wird. Große Teile der Altstadt sind Fußgängerbereich und locken zu einem Einkaufsbummel durch die eleganten Geschäfte und Boutiquen, an der Piazza della Republica laden Caféterrassen zum Verweilen ein. Zum Pflichtprogramm aller Besucher gehört die berühmte Ponte Vecchio.

Blick auf Ponte Vecchio  Foto: Christel Seiffert

Blick auf Ponte Vecchio Foto: Christel Seiffert

Die älteste der zahlreichen Brücken über den Arno ist mehr als ein steinerner Weg übers Wasser. Auf dem im 14. Jahrhundert erbauten Übergang gab es schon immer Werkstätten und Läden. Heute sind es dutzende Gold- und Juweliergeschäfte, die Käufer und Schaulustige anziehen. Von den drei Arkaden hat man einen schönen Blick über den Fluß und auf die südliche Stadtseite mit dem riesigen Palazzo Pitti und dem Giardino di Boboli, dessen Reiz sich schon Goethe nicht entziehen konnte.

Christel Seiffert

Italien: Heubad im Offline-Hotel

im Heu

Wie vieles so verdankt auch das „Heubadln” seine Entdeckung dem Zufall. In manchen entlegenen Gegenden des Gebirges schliefen die Knechte und Bauern nach der Heumahd einfach unter freiem Himmel im Heu. Als sie am Morgen aufwachten, merkten sie, dass sie sich trotz schwerer Arbeit fit und ausgeruht fühlten. Das „Heubadln” als Therapieform war entdeckt. Bald schon wurde es nicht nur bei Verspannungen, sondern auch zur Linderung von Rheuma eingesetzt. Dabei stellte sich heraus: je höher die Almen, desto artenreicher die Flora und desto heilwirksamer das Heu… Frauenmantel, Edelraute, Arnika, Speik, Quecke, Lolch und Schwingel charakterisieren das Dolomitenheu, wie es rund um das Wanderhotel Rosalpina geerntet wird. Die Blätter dieser Gewächse enthalten ätherische Öle und andere wertvolle Wirkstoffe. Sie duften nicht nur gut, sondern fördern, als Spezialpackungen in der Dampfliege angewendet, die Durchblutung. Und wenn man das Idealbild von „Natur“ beschreiben möchte, dann könnte das „Rosalpina“ in Palmschoß das ohne Worte erledigen. Auf knapp 1.800 m Seehöhe, einer Hochterrasse mitten im Wald mit freigemachtem Blick auf die bekannten Geissler-Spitzen liegt dieses geschichtsträchtige Hotel. Kein gewohnter Alltagslärm, keine anderen Gebäude, keine Straßen und Stromleitungen – rein gar nichts stört die Stille und Beschaulichkeit dieses Ortes. Richtig „offline“ kann man hier die Zeit verbringen, nur der Natur begegnen und mit entspannten Menschen ins Gespräch kommen.

Italien: Etruskisches Erbe in der Toskana

Toskana

Das reiche Erbe der Etrusker

Umbrisch-toskanisches Grenzland: In Chiusi und rund um den Trasimenischen See sind noch viele Schätze der alten Hochkultur zu finden

Wenn sich die Abendsonne auf den Dächern der Altstadt niederlässt und die Hitze des Tages langsam vertrieben hat, erwacht in den Gassen von Chiusi wieder neues Leben. Die Älteren zieht es zum Schwätzchen auf die Steinbänke vor die Häuser, um den Blick weit ins Tal schweifen zu lassen. Die Kinder spielen lieber auf der Domplatte begeistert Fußball. Hoch auf den sanften toskanischen Hügeln gelegen thront die Kleinstadt Chiusi, im umbrisch-toskanischen Grenzland. Typisch mittelitalienisch eben. Und sie unterstreicht noch heute ihren Stolz, als Mitglied des antiken Zwölfstädtebundes und ehemaliger Sitz des etruskischen Königs Porsenna noch vor der Vormachtstellung Roms sehr bedeutend gewesen zu sein.
Beim Spaziergang durch die Stadt stößt man auf die Porta Lavinia, das letzte noch erhaltene antike Stadttor. Dicke Stadtmauern aus hellem Tuffstein trutzten vor Jahrhunderten den Fremden. Heute sind die gerne gesehen. Und auch immer mehr deutsche Touristen zieht es an den geschichtsträchtigen Ort, die den Dom als eine der ältesten Kirchen Italiens für sich entdecken. Die römischen Säulen im Mittelschiff datieren aus dem 6. Jahrhundert. Ein „Hingucker“ sind auch die Fresken und Mosaike, die allerdings erst im 19. Jahrhundert angebracht wurden. Chiusi, Porta Lavinia
Ein reiches Erbe haben die Etrusker den heutigen Bewohnern Chiusis hinterlassen, das mit großem Engagement gehegt wird. Wer auf den Spuren dieser frühen Zivilisation wandeln will, den erwarten im Museo Etrusco direkt neben dem Dom interessante Funde. Hinter der klassizistischen Fassade finden sich bemerkenswerte, mehr als 2000 Jahre alte Exponate, die rund um die Stadt ausgegraben wurden. Vor allem Tongefäße in den unterschiedlichen Varianten, aber auch Schmuck und Kämme, Waffen und Urnen zeugen vom damaligen Leben der Menschen im Chianti-Tal. Ihren Reichtum haben sie in prunkvollen Sarkophagen zur Schau gestellt, teilweise aus reich verziertem Alabaster. Fundstücke aus dem Übergang von der etruskischen zur römischen Epoche zeigt das Museo Civico. Schließlich war Chiusi auch Bundesgenosse der noch jungen römischen Republik, wie die Kopie der kapitolinischen Wölfin auf dem Domvorplatz deutlich macht.

Diana Seufert

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Italien: Die Perlen der Toskana

Der Dom von Siena  Foto: Christel Seiffert

„Ein azurblaues Panorama von Ebenen, Bergen und Tälern, am Horizont verstreute Städte und Landhäuser im Spiel von Licht und Schatten“, so beschrieb der Dichter Theophile Gautier von 150 Jahren die Toskana. Auch heute gehört diese von der Natur reich beschenkte Landschaft mit Kunst und Kultur im Überfluss zu den beliebtesten Urlaubszielen.

Eingebettet in heiteres grünes Hügelland liegt Siena im Herzen der Toskana. Einst wichtiges Handels- und Finanzzentrum, wird sie heute als eine der schönsten Städte Italiens gepriesen. Schwarz und weiß sind die Farben des Doms, dessen majestätische Kuppel das Häusermeer überragt. „Zieht bequeme Schuhe an“, hatte Reiseleiter Ralph empfohlen. Denn bei dem auf drei Hügeln erbauten mittelalterlichen Kleinod gehe es ständig hinauf und hinunter. Im Labyrinth der engen Gassen mit Adelspalästen, altehrwürdigen Gebäuden und kleinen Plätzen begegnet man auf Schritt und Tritt spannender Geschichte mit ihren Geschichten. Nach Treppenaufgängen und durch schmale Torbögen ist der höchste Punkt Sienas erreicht, der Dom. Zu diesem Wunderwerk toskanischer Gotik, dessen Bauzeit fast zweihundert Jahre dauerte, strömen die Besucher. Mit ihrer reichen Verzierung beeindruckt die Fassade aus schwarz-weißem Marmor und der gestreifte schlanke Campanile. Auch innen überwältigt die Kathedrale mit ihrer in mystisches Dunkel gehüllten schwarz-weißen Ausstattung, dem mit Intarsien ausgelegten farbigen Marmorfußboden und der berühmten Marmorkanzel von Nicola Pisano.

Piazza del Campo in Siena  Foto: Christel Seiffert

Doch das eigentliche Herz Sienas ist die Piazza del Campo. Der muschelförmige Platz, umgeben von gotischen Palästen mit Cafés und Restaurants, ist beliebter Treffpunkt der Einheimischen und Touristen. Hier – oder unmittelbar auf dem mit roten Backsteinen gepflasterten Platz – sitzt man, trinkt seinen Espresso oder schleckt ein Eis. Und blickt auf den Palazzo Pubblico, eines der schönsten gotischen Bauwerke Italiens mit dem grazilen Torre del Maggia. Im 13. Jahrhundert als Rathaus erbaut, war hier das weltliche Zentrum Sienas. Heute sind die mit Fresken ausgestatteten Säle Heimat des Stadtmuseums. Wer sich die schweißtreibende Mühe macht, den 88 Meter hohen Turn zu besteigen, wird mit einem herrlichen Blick über die Stadt belohnt.

Im Land des Chianti

Rund um Siena bis nach Florenz erstreckt sich das idyllische Hügelland, über dem der Gallo Nero, der schwarze Hahn als Gütezeichen zahlreicher Weingüter kräht. Es ist die Landschaft des Chianti Classico, der zu den besten Weinsorten der Welt gehört. Unsere Wanderung führt über sanft geschwungene Hügel mit einsamen Bauerngehöften, durch kleine Steineichenwälder und Straßen, die sich durch Weinberge auf roter Erde schlengeln, vorbei an silbrig schimmernden Olivenhainen und zypressengesäumten Alleen, hinter denen sich manch prächtige Villa versteckt. Immer wieder verzaubert der weite Blick über diese bezaubernde Landschaft unter einem zartblauen Himmel. Ralph hat uns zu einem Picknick im Freien eingeladen. Picknick unterwegs  Foto: Christel Seiffert

In einem verlassenen Gehöft machen wir Rast und alle helfen beim Auspacken, beim Schneiden von Brot, Käse und Tomaten, haben Spaß beim Servieren und Garnieren von Wurst, Schinken, Oliven und anderen toskanischen Köstlichkeiten. Natürlich steht auch Wein auf unserer reich gedeckten Tafel und so können wir mit drei verschiedenen Chianti-Sorten auf diesen gelungenen Tag anstoßen. Gestärkt und guter Stimmung wandern wir bis nach Greve, dem Hauptort des Weingebietes mit seinem von Laubengängen umsäumten hübschen Marktplatz. Hier sei auch Mona Lisa geboren worden, die von Leonardo da Vinci gemalte geheimnisvolle Schöne, weiß unser Reiseleiter zu berichten.

Unterwegs zu Leonardo

Auf den Spuren dieses Jahrhundertgenies sind wir am nächsten Tag unterwegs. Unweit von Montecatini Therme, dem größten Kurort der Toskana – von dem aus wir unsere Erkundungstouren unternehmen – liegt Vinci. Christel Seiffert Die kleine Stadt am Hang des Montalba-Bergmassivs steht ganz im Zeichen ihres berühmten Sohnes und ehrt mit zwei interessanten Museen den Ingenieur, Architekten und Naturwissenschaftler. Im Schloß des Grafen Guidi auf einer Anhöhe über der Stadt und in der Palazzina Uzielli sind mehr als 60 Maschinen, Modelle und Geräte zu bewundern, die die Vielseitigkeit und den Einfallsreichtum Leonardos deutlich machen. Handgeschriebene Anmerkungen und Skizzen des Meisters ergänzen die Modelle und auf Knopfdruck  veranschaulichen digitale Animationen die Funktionsweise einiger Maschinen.

Wie zahlreiche Besucher pilgern auch wir zu dem kleinen Bauernhaus am Ortsrand, der  Casa Natala di Leonardo,  in dem der Knabe seine Kindheit verlebte.   

Christel Seiffert

Italien: Die Top 10 Sehenswürdigkeiten von Rom

1 Palatin

Auf diesem grünen Hügel wurde der Grundstein des römischen Weltreichs gelegt und von hier aus regierten es die Imperatoren.

2 Forum Romanum

Einst das Herz der alten Welt, dann jahrhundertelang Kuhweide, nun ein archäologischer Park mit Ruinen aus allen Epochen des römischen Weltzeitalters.

3 Kapitol/Kapitolinische Museen

Die Platzanlage von Michelangelo mit Roms bedeutendsten Museen und dem Reitermonument Marc Aurels befindet sich auf dem Haupthügel der Ewigen Stadt.

4 Piazza Navona

Ein Schauplatz bürgerlichen und künstlerischen Lebens seit der Antike rund um eine der schönsten Brunnenanlagen der Stadt.

5 Pantheon

An Sonnentagen schenken die Götter dem Zylinderbau mit der Kuppel flirrende Lichteffekte, seit der Antike bedanken sie sich auf diese Weise für den zu ihren Ehren erbauten Tempel.

6 Trevi-Brunnen

Leinwandstars haben hier ein Bad genommen, Touristen werfen Münzen ins Wasser, in der Abenddämmerung ist die dem Wasser gewidmete Skulptur illuminiert.

7 Spanische Treppe/Piazza di Spagna

Treppen gibt es viele in Rom, aber keine zweite wie diese. Hier treffen Römer und Zugereiste aufeinander, beginnen Freundschaften und Liebesgeschichten.

8 Kolosseum

Ein Ort jahrhundertelanger Grausamkeit – unzählige Tiere und Gladiatoren wurden hier geopfert – aber auch die schönste aller klassischen Arenen.

9 Petersplatz mit Petersdom

Eine Kirche für 60 000 Menschen, ein Platz für 200 000 Besucher. Das massive Gotteshaus und der kreisförmig anmutende Platz sind das irdische Zentrum der Christenheit.

10 Vatikanische Museen

Für Kunstliebhaber das Paradies auf Erden. Die größte Kunstsammlung der Welt mit Meisterwerken von der Antike bis zur Moderne.

 

Italien: 25. Maratona dles Dolomites

Der New-York-Marathon für Radfahrer

In Alta Badia, diesen kleinen, tief im Gadertal gelegenen ladinischen Dörfern, geht es für gewöhnlich recht beschaulich zu. Nur einmal im Jahr, am ersten Juli-Sonntag, setzt das Gewöhnliche aus und dann platzt La Villa schon um fünf Uhr morgens aus allen Nähten. 9.000 Radfahrer aus über 40 Nationen stehen dicht gedrängt in der Ortsdurchfahrt. Sie halten sich in den Seitenstraßen auf, in den Hofeinfahrten, auf den Parkplätzen – überall stehen sie, in engen Hosen, Trikots, die Räder zwischen den Beinen und den Kopf verhüllt mit Helmen und großen Brillen. Um sechs Uhr morgens kreisen schon zwei Hubschrauber des italienischen Fernsehsenders RAI Tre wenige Meter über dem Starterfeld. Die insgesamt 1.200 freiwilligen Helfer sind voll konzentriert und die Radler zupfen nervös an ihren Trikots – neun, acht, sieben – rücken noch einmal die Helme zurecht – sechs, fünf, vier – prüfen den Luftdruck ihrer Reifen – drei, zwei, eins – und dann fällt der Startschuss zu einer der größten und einer der schönsten Radsportveranstaltungen der Alpen: der Maratona dles Dolomites.

Doch die ganze Bedeutung dieser Veranstaltung, die in diesem Jahr zum 25. Mal stattfindet, wird einem erst bewusst, wenn man Michil Costa trifft. „Dieses Jahr gab es 28.000 Anfragen“, sagt Costa, der seit 1997 Präsident des Rennens und mit der Maratona so verbunden ist wie die Fahrradkette mit dem Zahnkranz. „Mehr als 9.000 Teilnehmer können wir einfach nicht zulassen – da haben wir das Maximum erreicht“, erklärt er. So konnte sich nur jeder vierte Interessent einen Startplatz sichern. Costa, zugleich auch Hotelier in Corvara und als Philosoph und Exzentriker bekannt, ist ein Mann mit lichtem Haar und spitzbübischem Lächeln, und es passt gut zu diesem Lächeln, dass Costa seit vielen Jahren in Lederhose, weißem Hemd und roter Weste auf einem Hochrad die ersten Kilometer des Rennens mitfährt. „Mir geht das normale Rad viel zu schnell“, sagt er und erzählt, dass er ein paar Mal auch die ganze Sella Ronda auf dem Hochrad mitgefahren ist.

Entweder steil bergauf oder steil bergab

Die Sella Ronda, das sind die ersten vier Pässe der Maratona, einem Rennen, das sich über die Jahre zu einer Art „New-York-Marathon für Radfahrer“ entwickelt hat. Es ist ein Langstreckenbergrennen für Amateure und führt mitten durch die spektakuläre Bergwelt der Dolomiten. Und das heißt – im Unterschied zu New York – es geht fast immer entweder steil bergauf oder steil bergab. Über die für den Straßenverkehr an diesem Tag gesperrten Pässe Campolongo, Pordoi-, Sella- und Grödnerjoch wieder hinunter nach Corvara. Nach zweieinhalb Stunden haben viele die Sella Ronda schon hinter sich. (Michil Costa braucht mit seinem Hochrad natürlich ein bisschen länger.) Dabei geht das Rennen nun erst richtig los: Die Strecke führt ein zweites Mal über den Campolongo, dann hinüber nach Arabba und Andraz und hinauf auf den Passo Giau, dann hinunter Richtung Cortina d’Ampezzo und schließlich über den Falzarego- und den Valparolapass zurück nach La Villa und Corvara. Am Ende sind es 138 Kilometer, acht Pässe und 4.190 Höhenmeter. Es gibt zwar auch eine kleine (55 Kilometer) und eine mittlere (106 Kilometer) Runde, aber die meisten Teilnehmer stellen sich der langen Strecke – und fast alle 9.000 erreichen auch das Ziel.

Es begann mit 166 Teilnehmern

1987 hatte man sich solche Zahlen nicht in den kühnsten Träumen vorstellen können. „Wir haben damals mit gerade mal 166 Teilnehmern angefangen“, erzählt Costa. Das Rennen war anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Fahrradvereins Alta Badia-Raiffeisen als kleine Veranstaltung entstanden. Doch schon bald erfuhr es eine ebenso ungeahnte wie kuriose Erfolgsgeschichte: Als das Rennen 1989 wegen eines Schnee – sturms auf dem Passo Giau abgebrochen wurde, war ein ZDF-Fernsehteam zugegen und dokumentierte, wie die Fahrer im Schneetreiben evakuiert werden mussten. Genau diese Bilder sorgten für die Popularität der Maratona, die ab sofort den reizvollen Ruf eines scheinbar unmöglichen Rennens hatte. Schon 1990 folgte ein Boom von  Anmeldungen, die meisten davon aus Deutschland. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Maratona zu einem der wichtigsten Ereignisse im Gadertal, das auch für den Tourismus riesige Dimensionen annahm. 38.000 Übernachtungen verzeichnete Alta Badia dieses Jahr während des Rennwochenendes. „Es ist schon auch ein Supergeschäft“, sagt Costa lächelnd, „und deswegen gefällt es auch den Einheimischen.“

Natürlich geht es bei einem Rennen immer auch um Sieg und Niederlage, um Endzeiten und Durchschnittsgeschwindigkeiten – die Schnellsten brauchen weniger als viereinhalb Stunden und fahren einen Schnitt von über 32 km/h. Aber für Michil Costa geht es um mehr: „Meine Vorstellung einer idealen Maratona ist nicht nur eine körperliche, sondern auch eine ideelle“, sagt er, nippt am Kaffee und erzählt, dass auf den Passhöhen klassische Musik gespielt wird und er für die diversen Rahmenveranstaltungen einen eigenen Artdirector engagiert hat, der das alles choreografiert und koordiniert. Auch in dieser Hinsicht ist die Maratona dles Dolomites eine sehr ungewöhnliche Veranstaltung. „Ja, die Maratona ist schon ein Rennen“, sagt Costa, „aber erst wenn man die Energie der Berge spürt, Zeit, Raum und Ruhe empfindet, wird die Maratona auch zu einem seelischen Highlight.“ Es ist ein sonniger und ruhiger Tag in Corvara. Für heute genügt es schon, den Blick über die imposante Landschaft und die Pässe schweifen zu lassen, um zu verstehen, was Costa damit meint.

Infos:

Am Sella Ronda Bike Day und am Radtag Stilfserjoch werden die jeweiligen Strecken für den motorisierten Verkehr gesperrt: alle vier großen Dolomitenpässe rund um den Sellastock bzw. die kurvenreiche und 25 Kilometer lange Straße hinauf auf das Stilfserjoch. Der Triathlonwettkampf Ötzi-Alpin-Maraton umfasst die drei Disziplinen Mountainbiken, Laufen und Skitourengehen. Als größtes Mountainbike-Rennen Italiens mit internationalen Teilnehmern hat der Dolomiti Superbike Weltcupstatus.

Kontakt
Gremium „Maratona dles Dolomites“
Str. Damez 34
I-39036 Abtei
Tel.: +39 0471 839 536
www.maratona.it