Portugal: Wohin man blickt Azulejos

 

Unterwegs in einem kleinen Land mit großer Geschichte und edlem Wein

P1050466Für viele ist sie die eigentliche Hauptstadt – Porto, die Stadt am Rio Duoro, die dem Land seinen Namen gab, wo der Portwein „erfunden“ wurde. Ihre Kirchen zählen zu den Schönsten, die Museen zu den Modernsten, der alte Bahnhof Estacao de Sao Bento mit seinen 30.000 weißblauen Azulejosfliesen zu den Prächtigsten seiner Art. In der hügeligen Innenstadt, die seit Mitte der 90ger Jahre zum UNESCO Weltkulturerbe gehört und die 2011 Kulturhauptstadt war, bezaubern fantasievolle Jugendstilfassaden. Auf einem Hügel hoch über der Stadt thront die mächtige Kathedrale Sé aus dem 12. Jahrhundert. Von hier geht der Blick über das faszinierende Gewirr der  roten Dachlandschaft tief unten. Weltstädtisch gibt sich die Handelsmetropole in der imposanten Avenida dos Aliado, einer Prachtstraße mit dem markanten Rathaus, Bankpalästen, herrschaftlichen Häusern mit Stuckfassaden und der Reiterstatue Dom Pedro IV. Hier kann man erahnen, wie das alte portugiesische Sprichwort „In Porto wird gearbeitet, in Lissabon gelebt“ entstand. Das Herz der Stadt schlägt jedoch am intensivsten in Ribeira, dem ältesten Stadtviertel am Rio Duoro. Mit seinem Gewirr von winzigen auf- und absteigenden Gassen, Treppen und seinen pastellfarbenen Häusern, den zahlreichen Restaurants und Bars an der Plaza Ribeira versprüht es ein mediteran-südländisches Flair.

P1050476Spektakulär überspannt die doppelstöckige stählerne Ponte Dom Luis I., erbaut von einem Mitarbeiter Gustave Eiffels, den Rio Duoro, auf dem die Barcos Rabelos an die große alte Zeit erinnern, als sie zum Transport der Portofässer dienten. In Vila Nova de Gaia, auf der anderen Flußseite, sind die meisten Portweinkellereien zu finden. Und was wäre Porto ohne den Besuch einer solchen und die Verkostung dieses berühmten Rebensaftes.

Nach der zweitgrößten Stadt Portugals geht es auf kurvenreicher Straße ostwärts in die idyllische Gegend der Weinberge am Duoro-Fluß, die als Weltnaturerbe gepriesen wird. In Arouca, dem kleinen Provinzstädtchen am Fuße der Serra da Freita, werden die Wanderstiefel geschnürt. Durch Kastanien- und Eichenwälder, entlang des lieblichen Tals des  Bestanca-Flusses geht es bergauf bergab. Abseits touristischer Routen und durch historische Schieferdörfer aus grauem Granit, die dank eines umfassenden Programms saniert und wiederbelebt werden. Von der in bunten Farben blühenden Heidelandschaft auf dem Kamm der 900 Meter hohen Serra da Freita geht der Blick hinunter in eine grüne Hügellandschaft mit weit verstreut liegenden weißen Dörfern.

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Universität von Coimbra © Andreas Trepte

Unser nächstes Ziel ist Coimbra, die ehemalige Hauptstadt. Schon aus der Ferne kann man sehen, wie sich die Stadt am nördlichen Ufer des Rio Mondego kontrastreich auftürmt, gekrönt vom Uhrenturm der Universität. Er ist das Wahrzeichen Coimbras und die Universität eine Stadt in der Stadt. Durch die uralte Porta Ferrea gelangt man hinein in den großen rechtwinkligen Universitätsplatz, der an drei Seiten von würdevollen weißen Gebäuden gesäumt wird. Ein ehemaliges Schloss mit Freitreppe führt zum Herz der Alma mater. Schon 1290 gegründet gehört die Universität neben Paris, Salamanca, Bologna und Oxford zu den fünf  ältesten der Welt. Geradezu atemlos macht die Pracht der drei ineinander gehenden riesigen Säle der Biblioteca Joanina mit ihren mehr als 300.000 Büchern, Inkunabeln und Handschriften. Studentisches Leben prägt noch immer das Bild der Stadt. Überall sind die jungen Leute in ihrer Capa e Batina, einem schwarzen bodenlangem Umhang, zu sehen. Besonders am ersten Maiwochenende feiern die 35.000 Studenten den Abschluss des Studienjahres ausgelassen mit einem Festumzug durch die ganze Stadt. Unweit des Universitätskomplexes erheben sich die beiden Kathedralen. Die Sé Velha aus dem 12. Jahrhundert ist eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke. Vier Jahrhunderte später wurde die sehenswerte Neue Kathedrale errichtet, in deren ehemaliger großer Sakristei das originellste Cafe der Stadt, das „Cafe Santa Crus“, beliebter Treffpunkt der Studenten und Einheimischen ist. In Coimbra sollte man gut zu Fuß sein. Über rutschigem Kopfsteinpflaster geht es auf und nieder durch winklige Gassen, über steile Treppen, durch mittelalterliche Torbögen. Und überall sind Azulejos gegenwärtig – an Häuserfassaden, in Kirchen innen und außen, in Palästen, auf Wänden und Brunnen, Fußböden und Restaurants. Die weißblauen oder farbigen Fliesen erzählen Geschichten und sind seit Jahrhunderten bezaubernder und kostbarer Schmuck des ganzen Landes.

DSC03425Noch viel älter sind die Kunstwerke, die im 17 Kilometer entfernten Conimbriga, der bedeutendsten römischen Ruinenstadt Portugals, bewundert werden können. Bereits seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. von den Römern besiedelt, entstand hier eine Stadt mit Forum, Tempeln, Thermen und Aquädukt. Nach ihrem Niedergang versandet und  bis heute erst zu 20 Prozent wieder ausgegraben, zeugen die Ruinen vom hohen Lebensstandard dieser eleganten Stadt mit ihren wundervoll erhaltenen großflächigen Mosaikböden.
Weiter südwärts auf den Spuren der Geschichte Portugals nach Batalha. Einem kleinen Städtchen, das mit dem Dominikanerkloster Mosteiro da Batalha das bedeutendste Nationalmonument des Landes beherbergt. Errichtet nach dem Sieg der Schlacht anno 1385 über Kastilien mit der Portugal seine Unabhängigkeit sicherte, ist es steinerner Ausdruck des Nationalstolzes. Die mächtige Klosteranlage in gotisch-manuelinischem Stil beeindruckt mit ihrer überwältigenden Ornamentfülle. Obwohl zwei Jahrhunderte an ihr gebaut wurde, ist sie nie ganz fertig geworden, denn einige Kapellen ragen ohne Dach in den Himmel. Wie Batalha verdankt auch der unweit gelegene winzige Ort Alcobaca seine Entstehung und Ruhm dem  Zisterzienserkloster, das ebenfalls zum Weltkulturerbe gehört. Bereits im 12. Jahrhundert gegründet wird es als das größte und gewaltigste Bauwerk der portogiesischen Gotik gepriesen. Seine Geschichte ist in den ehrwürdigen Hallen durch beeindruckende großflächige Azulejos nachlesbar. Ein besonderer Anziehungspunkt sind auch die Sarkophage des portugiesischen „Romeo-und-Julia-Liebespaares“ Ines de Castro und Dom Pedro I. Weiter geht es nach Obidos, einem mittelalterlichen Juwel mit vollständig erhaltenem Stadtkern. Die wie ein Adlernest auf einem Felsrücken hockende weiße Stadt ist Idylle pur. Beim Rundgang auf der zinnenbewehrten Burgmauer geht der Blick über rote Ziegeldächer bis zu den Türmen der Festung. Ganz schmal sind die kopfsteingepflasterten Gassen, in deren Nischen, Winkeln und Treppchen sich so manches blumengeschmückte Patrizierhaus, zahlreichen Geschäfte, Lädchen und Restaurants verbergen. Hier würde man gern noch etwas verweilen, doch Lissabon wartet.
P1050653„Ein leuchtendes Meer von Häusern, wie Trauben über die Hügel verteilt“, so beschreibt Fernando Pessoa, Portugals berühmter Schriftsteller, sein Lissabon. Der Faszination dieser Stadt, die sich auf mehr als sieben Hügeln und überragt von der wuchtigen Kathedrale ausbreitet, kann sich wohl niemand entziehen. Tief unten, an der breiten Mündung des Tejo, steht Lissabons Wahrzeichen – die Torre de Belem. Von diesem historischen Ort waren einst die Abenteurer in See gestochen, um die Welt zu entdecken. Heute entdecken Besucher hier im Hieronymuskloster ein Meisterwerk manuelinischen Baustils, das mit seinem prächtigen Südportal, filigranen Türmen und dem zweistöckigen Kreuzgang fast orientalisch anmutet. Torre und Kloster sind Schätze des Weltkulturerbes. Lissabon hat zahlreiche grandiose Bauwerke zu bieten, doch sein Charme versteckt sich in einem Labyrinth von Straßen und Gassen, Treppen, lauschigen Plätzen, dem ständigen auf und nieder, seinen immer neuen und überraschenden Aussichten. Die berühmteste Flaniermeile ist die anderthalb Kilometer lange Avenida da Liberdade – ein dicht mit Laubbäumen und Palmen gesäumter Boulevard, an dem sich ein Geschäft an das andere reiht. Für viele Lisboar ist der Rossio mit dem Standbild für Dom Pedro IV. der schönste Platz – umgeben von Cafes und mit seinem herrlichen schwarzweißen wellenförmigen Straßenpflaster. Sehenswert ist auch der Elevator de Santa Justa, ein uriger gusseiserner Fahrstuhlturm mit Cafe unter freiem Himmel, der minutenschnell die Innenstadt mit dem oberen Viertel Bairro Alto verbindet. Dort hinauf rumpelt auch die „electrico“, eine nostalgische sonnengelbe Straßenbahn. In abenteuerlichen Haarnadelkurven, rasanten Auf- und Abfahrten schafft sie es bis in die Alfama, das pittoreske älteste Stadtviertel mit dem Castelo de Sao Jorge, wo Lissabon 1255 zur Hauptstadt erklärt wurde.

Nur 25 Kilometer von der Metropole entfernt – und seit 1995 UNESCO Kulturlandschaft und Weltkulturerbe – liegt Sintra. Eine üppig grüne Bergwelt mit Maurenburg und Pena-Palast, einem portugiesischen „Neuschwanstein“. Das romantische Städtchen mit Herrenhäusern und Palästen ist ein magischer Ort, der lange im Gedächtnis bleibt.

Text und Fotos: Christel Seiffert

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Portugal: Porto – Portugals Schönste

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Portugal: Die Azoren – Vulkane, Wetterkapriolen und Wanderlust

Singende Portugiesen gibt es hier

Portugal: Ab sofort gehört der „Cante Alentejano“ zum Weltkulturerbe der UNESCO

 

Portugal: Porto – Portugals Schönste

Bild 1TitelfotoFalls Sie Lissabon schon kennen, kommen Sie nach Porto, der zweitgrößten Stadt Portugals. Sie ist wahrlich nicht die zweite Wahl. Die koloniale Vergangenheit ist auf jeder bemalten Majolika-Kachel präsent. Was rein urbane Reize anbelangt, setzt Porto Lissabon sogar noch eins drauf. 1996 wurde die Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.

Detailverliebte Historiker diskutieren, ob die Altstadt eine der anziehendsten Metropolen Europas sei. Vielleicht sogar eine der reizvollsten der Welt? Jedes reichlich verzierte Balkongeländer ist ein Unikat. Die würdigen Edelholz-Portale der Handelshäuser eine Machtdemonstration.
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Die blau weiß gekachelten Fayencewände aus der Hochkultur der Araberzeit erzählen von der Macht und den Dramen der Großen, damals wie heute dem kleinen Volk. Wer den Bahnhof Sáo Bento besucht, braucht kein Geschichtsbuch aufschlagen. Die gesamte Halle ist ein bebildertes Monument. Wer nicht lesen kann, kann sehen. Wer sich getraut, mit offenen Mund zu staunen, wird von gleicher Berührung gepackt, die Neuankömmlingen über Jahrhunderte ein tief gezogenes Ohhhh….. entlockte.

Zu den „must to see“ zählen die Kathedrale von Porto, der Bischofspalast, die Residenz des Infanten, der Vitória-Hügel und der Torre dos Clérigos, mit seinen stolzen 76 Metern.

1896 baute man den schönsten Buchladen der Welt.

Bild 3 Buchladen TreppeDer Buchhandlung Lello e Irmão (deutsch: Buchhandlung Lello und Bruder).wird ein Einfluss auf die Harry-Potter-Welt nachgesagt. Die Autorin Joanne K. Rowling lebte Anfang der 1990er Jahre einige Zeit in Porto, lehrte Englisch und soll sich auch in der Buchhandlung Lello aufgehalten haben. Zentral im Gebäude ist die rote Wendeltreppe, die sich in den Romanen spiegelt. Das Büchersortiment ist breit und International. Kein Tag soll vergehen, an dem weniger als 1500 Besucher kommen. Der Geschäftserfolg liegt heute an den 3 Euro Eintrittspreisen, der fair beim Kauf von Büchern und Postkarten vergütet wird.

 

In der Rua das flores träumt man wieder und macht Soap-Operas daraus
Eine Straße, die Anfang des 16 Jahrhunderts erbaut wurde, und in der vorerst nur Adeligen der Zutritt gewährt wurde. Bis sich dann die bürgerliche Bevölkerung vordrängte und die Geschäftigkeit zu blühen brachte. In den letzten Jahren gab es ein Comeback mit kleinen feinen Geschäften. Die damaligen Werkstätten der Kesselschmiede, Schuhmacher und Schlosser haben Gourmet-, Schokoladen-, Glasbläser-Läden Platz gemacht. Korkprodukte und vielen andere kleine kuriose handgemachte portugiesische Feinheiten zeigen, wie innovativ man ist. Die Szene der Straßenkünstler wächst. Die Kreativen haben hier ihr Zuhause gefunden. Der Mix von fein restauriert und noch auf Wiederbelebung wartenden Häusern hat eine besondere Anziehung. Ein Flair von Neubeginn, der nicht vom großen Kommerz der großen Ketten gestreift wird.

Triefender Reichtum
In der Tat hatte Portugal, dank der Kolonien, einen Gold- und Silberrausch. Die koloniale Ausbeutung ist an barocken Kirchenaltären, buchstäblich in Form von dick aufgetragenem Plattgold, hängen geblieben. Strenge Hierarchien bestimmten den sozialen Umgang. Deshalb ist die Franziskus-Kirche dreigeteilt. Die reiche Seite für die Adeligen und später für die Bürgerlichen. Die linke Seite fürs Volk. Bis dann ein Gesetz aufkam. Zwei Kirchen durften nicht aneinander grenzen. Ob aus Gründen um mit den Armen nicht auf Tuchfühlung zu kommen oder ein Hauch von puritanischer Christlichkeit wehte, man weiß es nicht. Wie man den Fall gelöst hat, ist kurios. Man baute eine schmale eiserne Tür dazwischen. Ein Feigenblatt, das symbolisierte, da wäre noch Raum dazwischen.

Bild4 AltstadtZimmer zu vermieten steht in der Altstadt an allen Ecken
Halbverfallene reichverzierte Herrenhäuser stehen leer und wirken Abbruchgefährdet. Der Grund: Bis in die achtziger Jahre gab es ein Gesetz von Miete auf Lebenszeit. 100 m² Meter für 10,- Euro oder ähnlich. Heute werden die Häuser hochpreisig angeboten und zu Wohn-Juwelen, handwerklich perfekt restauriert. Zudem kann man sich Porto leisten. Wann haben Sie den letzten Espresso unter einem Euro getrunken? In den Seitenstraßen von Porto eine Normalität.

Die Stadt Porto ist Namensgeber für das Land
Portus cale heißt lateinisch „ruhiger Hafen“. Bereits in der Spätbronzezeit (8. Jh. v. Chr.) baute man die ersten Siedlungen entlang des Flusses Douro. Schon damals gab es Schiffsverkehr bis ins Mittelmeer. Heinrich der Seefahrer ist einer der berühmtesten Söhne Portos. Von den Römern übernahm man den Weinanbau. 1654 ließen sich die ersten Engländer in Porto nieder und lehrten die Kelterei des süßen Portweins. Sie machten mit ihrer Monopolstellung blendende Geschäfte .Ein süffigen Stoff, der später sogar mit Brandy verschnitten wurde. Und der bei einem Glas zu viel für einen fürchterlichen Rausch und noch grimmigeren Kater sorgte.

Bild5 TramStadt-& Strandferien
Wenn sie es irgendwie einrichten können, bleiben sie länger. Wie in Lissabon gondeln auch in Porto die Straßenbahnen quietschend durch die kurvigen Altstadt Straßen. Nehmen Sie die Tram Nr.1 an der heiligen Franziskuskirche, oder die Tram Nr.18 an der Karmeliterkirche und fahren Sie bis zur Mündung des Douro in den Atlantik. An die Foz-Mündung, wo der Sand weiß ist und in Cafes wie im Praia da Luz die Meeresluft und der Ausblick auf den Atlantik beleben. Die Wassertemperaturen sind bescheiden. Man schwimmt bei 18-22 Grad. Die frische Brise vom Atlantik ist im Hochsommer sehr geschätzt. Für den Rückweg in den Altstadt Stadtkerns Ribeira braucht man etwa 45 Minuten. Entspannt immer am Südufer der Promenade entlang, vorbei Portwein Kellern- und Lagerhäusern. Noch immer schaukeln im Duoro die alten bemalten Portwein Kähne vor sich hin. Mit einem aufgespannten Sonnenschirmchen könnte man meinen, man wäre dreihundert Jahre früher dran.

Bild6 BarsDonnerstag-Freitag-Samstagnacht bleibt keiner allein
Lernen Sie nur einen Satz, und man wird den Arm um Sie legen. Boa noite, tudo Bem? (Guten Abend, wie geht’s?). Die Ausgehmeile von Porto ist die Galerias de P.aris. Zu empfehlen sind die Bars Prassa, Pitch, Casa do Livro, Fé, Radio, GinClub und Rend vouz. Genau genommen spielt sich das Leben vor der Tür ab. Sobald das Wetter lau wird, geht man vors Lokal. Die Straße war für die Portugiesen schon immer das „soziale Wohnzimmer“. Die Bars sind schick, aber die Anziehungskraft liegt bei den Gästen. Kaumwo kommt man schneller in Kontakt. Es könnte sei, dass Sie mehr Einladungen bekommen, als sie annehmen können. Wenn Sie nach Hause eingeladen werden, könnte es einfach sein, dass man Sie bekochen möchte. Portugiesische Herzen sind für jeden weit. Fremd bleibt man nur, falls man dies wünscht.

Text: Veronika Zickendraht, Fotos: Vist Porto

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Portugal: Zum Seele-Baumeln nach Madeira

 

Portugal: Die Azoren – Vulkane, Wetterkapriolen und Wanderlust

Azoren_Das Innenleben des Kraters erkunden auf Corvo_Ines Klima

Das Kraterinnere auf Corvo

Sie haben sich durch den Wetterbericht einen Namen gemacht und sind auch unter Seglern ein Begriff. Die neun Inseln der Azoren ragen 1500 km von Portugal und 3500 km von der amerikanischen Küste entfernt aus dem Atlantik – vulkanisch, grün, still und von unbeschreiblichem Zauber.

Unter uns das rauschende Rollen des Atlantiks, vor uns der Wanderpfad am wirklich aüßersten Ende Europas. Wir sind auf der Insel Flores, die westlichste der Azoren-Inseln, die niederschlagreichste, die grünste. „Wir gehen heute die Traumvariante von Norden nach Süden,“ Oliver ist unser Azorenbegleiter für die nächsten zwei Wochen und strahlt. „Das geht nur bei trockenem Wetter, wenn es nicht zu glitschig ist.“ Und bald wissen wir auch, warum. Bis zu 200 Meter tief fallen die überwucherten Klippen ins Meer. Der Saumpfad zwischen Ponta Delgada und Faja Grande ist so etwas wie ein Pflichtprogramm für Azoren-Wanderer.

Rund 10 km Länge hat der ehemals einzige Verbindungsweg vom Norden in den Süden der Insel, am Anfang Hortensien-gesäumt und sattgrüne Weiden durchquerend, später hoch über türkisblauem Meer. Über uns ragen die üppig bewachsenen Hänge steil in den Himmel, bis zu 700 Meter über Meeresniveau, immer wieder durchziehen Rinnsale den Weg. Mit einem Auge also jeden Tritt kontrollieren, mit dem anderen auf das unendliche Meer schauen. Ein Blick in die Weiten des Atlantiks, wir sind hier 2000 km von Europa und rund 3000 von der amerikanischen Küste entfernt. Und weil heute die Sicht so gut ist, zeigt sich auch der absolut westlichste Punkt von Europa, die winzige vorgelagerte Insel „Ilheu de Monchique“.

„Und wenn man jetzt eine gerade Linie nach Norden zieht, wo würden wir dann herauskommen?“ Wir haben wieder einmal in Geografie nicht aufgepasst. „An der Ostküste Grönlands“. Oliver liebt solche Fragen und „seine Azoren“. Vor einigen Jahren ist er aus Österreich hierher gekommen und will nie mehr woanders leben, er ist dem Zauber der Inseln erlegen. Zwischen Papyrus, Girlandenblumen, Lorbeerbäumen und Riesenhahnenfuß schlängelt sich der letzte Teil des Weges am Bergrücken über dem Atlantik dahin.

Azoren_Wir sind die einzigen Wanderer entlang dieser Route auf Sao Jorge_Ines Klima

Wandern auf Sao Jorge

Nach rund drei Stunden Gehzeit taucht die Kirche von Ponta de Faja vor unseren Augen auf, ein leuchtend weißer Akzent im Grün der Wiesen. Das Azorentief ist heute (welch ein Glück!) wo anders zu Gast. Faja Grande, der westlichste Ort Europas, heißt uns im sanften Abendlicht mit den letzten Strahlen der Sonne willkommen. Ein Esel und ein paar Kühe säumen den Weg zum Abendessen im einzigen Restaurant des Ortes (200 Einwohner), dort wartet ein typisches Gericht auf uns – der Bacalhau (Stockfisch), von dem man auf den Azoren mehr als 100 Zubereitungsarten kennt.

Corvo ist ein Krater mit Stadt

Am nächsten Tag schon wieder Wetter-Glück, beim Frühstück reißt es auf und im Nordosten ist die Nachbarinsel von Flores zu sehen. Corvo ist die kleinste der Azoren-Inseln und hat so ihre Eigenheiten. Sie besteht erstens praktisch nur aus einem Vulkan mit riesigem Krater und ist zweitens nur bei relativ ruhigem Seegang zu erreichen. „Optimales Wetter heute.“ Carlos, unser Bootsmann zwinkert uns aufmunternd zu und so genau wissen wir noch nicht, was er damit meint. Wasserfest gekleidet und mit Rettungsjacken versehen sitzen wir im 20-Mann-Boot, die Finger festgekrallt am Haltegriff, doch nach kurzer Zeit legt sich die Anspannung und wir schippern durch die leichte Brise. Hin und wieder ein paar Gischtspritzer, Carlos hat alles im Griff und in einem perfekten Tanz mit den Wellen bringt er uns 25 km nach Vila Nova do Corvo.

Das ist die Haupstadt der Insel und zugleich auch der einzige Ort der Insel (mit gezählten 490 Einwohnern). Die einzige Straße bringt es auf stattliche sieben Kilometer Länge. Das reicht, denn am Ende der Straße wartet der „Caldeirao“, der übermächtige Riesenkrater mit seinem grünen Schlund, in den man hinabsteigen kann zu den schillernden Kraterseen. „En la terra e nao en la luna“ (Auf der Erde und nicht auf dem Mond), so wird der Riesenkrater von Corvo (rund 3,5 km Umfang) beschrieben. Beim Abstieg in den Kratergrund ziehen Sonne und Wolken über den Krater und setzen Lichtakzente in die grünen Moose, Gräser und Flechten. Staunend beobachten wir das Schauspiel, so schön, dass es fast unwirklich erscheint.

Azoren_Zufriedene Kühe auf Flores, im Hintergrund die Nachbarinsel Corvo_Ines Klima

Zufriedene Kühe auf Flores, im Hintergrund die Nachbarinsel Corvo

Rund 200 Höhenmeter geht es bergab zu den fünf Vulkanseen, vorbei an weidenden Kühen und einzelnen Felsblöcken. Wenn das Kameraklicken unserer Gruppe den Highlight-Faktor wiedergibt, dann liegt dieser Krater gut im Rennen. Wieviele Fotos muss man eigentlich machen, um diesen Anblick festzuhalten? Am besten die Augen schließen und für immer ins Gedächtnis brennen. Der Wolkenkranz am Haupt des Caldeirao sitzt auch heute fest und beim Aufstieg bekommen wir ein weiteres Krater-Phänomen zu spüren – der Wind jagt mit rund 80 Stundenkilometern über den Rand hinweg. Auf den Azoren sind Wind und Wetterwechsel allgegenwärtig, die archaische Kraft der Natur und ihre Schönheit sind selten so intensiv zu spüren wie hier auf den Inseln. Corvo ist nicht nur die nördlichste, sondern auch die kleinste der Azoren-Inseln, geboren aus einem einzigen Vulkan, der vor zwei Millionen Jahren das letzte Mal aktiv war.

Der höchste Berg von Portugal – eine launische Diva

Oliver, unser Wanderführer, ist zufrieden. „Für morgen ist gutes Wetter angesagt, ganz so wie wir es brauchen – für den Pico“. Wir sind inzwischen auf der Insel Pico angekommen und am Abend zeigt sich der gleichnamige Gipfel von seiner besten Seite. Am nächsten Tag werden wir den höchsten Berg Portugals erklimmen. 2351 Meter ragt er über dem Meer auf, eine imposante Erscheinung auf der gebirgigen Insel. Seine Flanken reichen bis weit ans Meer hinunter und auch am nächsten Morgen bei der Anfahrt zeigt uns der Pico sein schönstes Lächeln – an seinen Schultern trägt er einen Wolkenflausch wie eine Stola. „So schön und klar hab ich den Pico noch selten gesehen“, Oliver ist guter Dinge und wir sind früh dran, der prognostizierte Schlechtwettereinbruch am späten Nachmittag ist in weiter Ferne. Im neuen Schutzhaus auf 1225 Metern (Casa da Montanha) herrscht um neun Uhr Himalaya-Atmosphäre.

Wir Pico-Besteiger müssen uns (mit Passnummer) in eine Liste eintragen, letzte Kontrollen von Oliver – genug zu Trinken und zu Essen, gute Schuhe, Kleidung zum Wechseln, Stöcke. Kondition und Bergtauglichkeit hat er bei den anderen Wanderungen schon (unauffällig) gecheckt – immerhin sind mehr als 1000 Höhenmeter zu bewältigen, auf teils losem Vulkangestein. Wir sind mit GPS ausgerüstet, nur für den Fall, also alles ok. Und dass wir mit einem leichten Wolkendunst losgehen ist auf dieser Höhe auch ganz normal. „Oberhell“ lautet die fachgemäße Devise unserer Gruppe, als wir später in ein Wolkenband eintauchen, „spätestens am Krater scheint dann wieder die Sonne“. Nicht nur ich bin felsenfest von dieser Theorie überzeugt, auch Barometer und Satellitenwetter waren dieser Meinung.

Azoren_Traumhafte Wanderpfade mit Blick auf die Fajas, Sao Jorge_InesKlima

Traumhafte Wanderpfade mit Blick auf die Fajas, Sao Jorge

Wie es der unberechenbare „Pico“ dann geschafft hat, innerhalb von kürzester Zeit sein sonniges Antlitz zu verdunkeln, ist eine dieser aufregenden Azoren-Geschichten. Innerhalb kürzester Zeit brauen sich graphitgraue Wolken über uns zusammen. Regengüsse von oben, unten, hinten und vorne zugleich, Windböen aus allen Richtungen – auf 2150 Metern war jedenfalls Schluss mit der Tour. Die Temperatur abrupt gesunken, Kraterrand und Gipfel in einem Gemisch aus Regen, Nebel, Wolken verschwunden. Azorentiefgebräu in Reinkultur und wir mittendrin. Unsere wasserfeste Kleidung hat da wohl etwas missverstanden, sie klebt nun direkt an der Haut und regnet es mich jetzt von innen heraus an oder fühlt sich das nur so an?

Im Gänsemarsch folgen wir Oliver zurück zum Schutzhaus, er ist azoreanisch geeicht, bewahrt Ruhe, sieht die Markierungspfosten (auch im Nebel), reicht uns die Hand an nunmehr rutschigen Abstiegsstellen und im Schutzhaus angekommen fühlt sich der Wetterumschwung gleich wieder halb so schlimm an. Immerhin haben wir die Kraterhöhe erreicht, den Pico gesehen (bei der Anfahrt!) und zurück in unserem Ort Lajes (rund 20 km entfernt) scheint schon wieder die Sonne, als wäre nichts geschehen.

Vielfalt am Ende Europas

Wir sind verwundert und beeindruckt zugleich, die Intensität und die Vielfalt der Natur auf den Azoren ist unvergleichlich. Dank Oliver können wir mittlerweile nicht nur Girlandenblumen, japanische Sicheltannen, Baumheide und den krausblättrigen Klebsamen voneinander unterscheiden, sondern sind auch kulinarisch in den Variantenreichtum der Inseln eingedrungen. Fische (Thunfisch, Drückerfisch, Zackenbarsch, Haifisch, Degenfisch), Herzmuscheln und „Lapas“ (Napfschnecken“) werden verkostet und natürlich der Klassiker der Hauptinsel Sao Miguel – der „Cozido das Furnas“. Nie gehört? Es handelt sich dabei um eine Spezialität, die den rauchenden heißen Quellen von Furnas entsteigt.

Azoren_Stromsparend  kochen im Cozido auf der Insel Sao Miguel_Ines Klima

Stromsparend kochen im Cozido auf der Insel Sao Miguel

Ein Eintopf aus diversen Fleisch- und Gemüsesorten, der sechs Stunden lang in einem Erdloch mit Vulkanhitze gegart wird. Den Cuzido gibt es nur in Furnas, ein eigener Gemeindebediensteter bewacht die versenkten Töpfe, damit jeder auch seinen richtigen zurückbekommt. Wenn es was Besonderes zu feiern gibt, kommt die Familie nach Furnas und versenkt einen Topf fürs Festmahl. „Als mein Onkel aus Boston neulich zu Besuch war, erzählt uns Nuno, unser Busfahrer, „haben wir den ganzen Tag und die halbe Nacht hier verbracht – mit unserem Cuzido. Bei einer richtigen Familienfeier gehört das einfach dazu.“ Unser Topf wird ins Restaurant geliefert und dort verspeist. Ein Augen- und Gaumenschmaus und eine Riesenfreude für alle. Apropos Freude – die unglaubliche Lebendigkeit und Freundlichkeit der Azoreaner ist mindestens so intensiv zu spüren wie die ungezähmte Natur und die Farbenpracht jeder Insel.

Die Fajas – ein fruchtbares Schauspiel im Meer

Und weil jede Insel ihren speziellen Reiz hat, noch ein Blick auf Sao Jorge, die Wanderinsel schlechthin. Wie ein langgestrecktes Meeresungeheuer liegt die 56 km lange und nur 8 km breite Insel da, der Bergrücken in der Mitte erreicht Höhen bis zu 1000 Metern. Der Reiz der Insel liegt jedoch in ihrer Küstenformation, rund 70 „Fajas“ gibt es auf Sao Jorge. So werden die vorgelagerten Schwemmkegel genannt, die vom Meer aus besiedelt wurden und lange Zeit nur über steile Saumpfade erreichbar waren. Heute sind die Fajas begehrte Wanderziele. Unsere Tour von der Faja dos Vimes an der Südküste der Insel zur Faja de Sao Joao führt uns über rund 10 km im Auf und Ab quasi durchs Paradies.

Zum Start ein Kaffe von Senor Nunes (der Kaffee stammt aus der hauseigener Kaffeeplantage). Zwischen Drachenbäumen, Weinreben, Feigen und Bananen sowie Wasserfällen mit Quellwasser geht es rund vier Stunden lang bis zur Faja des Sao Joao. Und dann steht plötzlich Manuel vor uns , 77-jährig und mit lachenden Augen und nimmt die ganze Gruppe einfach mit zur Privatverkostung in sein Häuschen. Sein wundervoller Rebensaft paart sich mit der Sonne und dem Wohlgefühl der Wanderlust. Azoren Lebensfreude und Gastfreundschaft pur.

Text und Fotos: Ines Klima

Portugal: Ab sofort gehört der „Cante Alentejano“ zum Weltkulturerbe der UNESCO

Cante Alentejano

Cante Alentejano

Es geht um die Arbeit auf den Feldern, um Liebe, um Einsamkeit, um Traurigkeit. Zugleich aber geht es auch um das gemeinsame Singen. Denn in den meisten Dörfern des Alentejo gibt es bis heute einen der Männerchöre, die den traditionellen Cante pflegen – polyphon und ohne Instrumentalbegleitung vorgetragen.
Am 27. November 2014 nahm die UNESCO, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, den Cante Alentejano in ihre Liste des Immateriellen Weltkulturerbes auf.
Der Cante Alentejano, ein mehrstimmiger Chorgesang, der von Amateuren und fast immer in Tracht vorgetragen wird, unterscheidet sich von anderen Chorgesängen vor allem durch sein langsames Tempo und seinen charakteristischen harmonisch-monotonen Takt. Durch die Kraft seiner Melodien und die ausdrucksstarke Poetik seiner Verse spiegelt er auf ganz besondere Art und Weise die Seele des Alentejo und seiner Menschen wider.
Das wahrscheinlich berühmteste Cante-Lied ist Zeca Afonsos „Grândola, Vila Morena“, das 1974 zur Hymne der portugiesischen Nelkenrevolution wurde.
Die Aufnahme des Cante in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste (seit drei Jahren gehört übrigens auch der portugiesische Fado dazu) löste in Portugal große Begeisterung aus.
Vítor Silva, der Präsident der Tourismusbehörde des Alentejo, meint dazu: „Diese Auszeichnung des Cante stellt nicht nur die internationale Anerkennung der einzigartigen Kultur des Alentejo dar, sondern auch eine Ehrung seiner Menschen.“

 

Portugal: Zum Seele-Baumeln nach Madeira

Madeira – Das warme grüne Eiland im Atlantik verwöhnt seine Gäste mit Sonne, mildem Klima und vielseitiger Natur. Die meisten kommen zum Wandern.

K1024_Madeira-FunchalFestung

Antonio hat gesagt, wenn die Picos morgens wolkenfrei sind, können wir fahren. Dann nämlich bleibt es oft bis zum Nachmittag im Hochland und im Norden sonnig. Er muss es wissen. Schließlich lebt der Reiseführer seit 34 Jahren auf Madeira.
Wir sind zum ersten Mal hier, wollen im zentralen Bergland der Atlantikinsel wandern, Natur erleben und die Seele baumeln lassen.
Die Sonne scheint. In vollen Zügen genießen wir das Licht, die Wärme, das Blau  von Ozean und Himmel. Vom Frühstückstisch auf der Hotelterrasse ist es nur ein Katzensprung ins Herz der Inselhauptstadt. Ach, komm, der Wanderweg ist morgen auch noch da – jetzt schauen wir uns erst mal Funchal an!
Vom Kreuzfahrthafen, der Uferpromenade und dem Cais, wo die Yacht der Beatles liegt, schlendern wir – vorbei an alten Kirchen, Klöstern und Palästen –  durch kleine Parks und über Plätze mit Lokalen und Cafés.

K1024_Madeira-WeinkellerEin Blick in Blandy’s Wine Lodge reicht nicht aus. Madeira-Wein muss man probieren. Hinter einer schmalen Gasse mit vielen bunt bemalten Haustüren liegt Mercado dos Lavradores, die Markthalle

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Hier gibt es Blumen aller Farben, vertraute und auch sonderbare Früchte  wie den tannenzapfen-ähnlichen Philodendron (Achtung: am besten vor dem Kosten nach dem Preis fragen!) und Meerestiere wie den Schwarzen Degenfisch. Mit seinen riesigen Augen und einem Maul voller spitzer Zähne ist der lange Barschverwandte alles andere als hübsch – doch dafür äußerst schmackhaft. Später werden wir uns davon selber überzeugen –  im „O Jango“, einem urig-gemütlichen Restaurant am Hafen in der Altstadt. K1024_Madeira-JardimTropical2Die Düfte von Orangen, Akazien und Jasmin locken uns in Funchals Gärten. Mit der Seilbahn schweben wir nach Monte, wo in einer kleinen Kirche Kaiser Karl von Österreich begraben liegt. Daneben grünt und blüht der Jardim Tropical, ursprünglich Park des Luxushotels Monte Palace. Die von dem madeirischen Geschäftsmann und Kunstsammler José Berardo erworbene und gestaltete Anlage ist seit 1991 öffentlich zugänglich. Zu ihren botanischen Kostbarkeiten gehören Azaleen und Orchideen aus dem Himalaya, Palmen aus Südafrika und eine seltene Palmfarn-Sammlung aus aller Welt.

Frische Blüten gibt’s das ganze Jahr. „Fast überall auf der Insel blüht jederzeit etwas, genauso wie  auch immer – zumindest stellenweise – Urlaubswetter herrscht“, sagt Antonio stolz. Dank günstiger Klimabedingungen sinkt das Thermometer auf Madeira selbst im Dezember und Januar im Schnitt nie unter 19 Grad Celsius. Die zwei Kilometer zurück ins unterhalb gelegene Funchal fahren oder besser gesagt: rutschen wir in einem  recht ungewöhnlichen Verkehrsmittel, dem Korbschlitten. Das bis zu drei Personen fassende Vehikel wurde im 19. Jahrhundert zum Touristentransport erfunden.

K1024_Madeira-MonteKorbschlitten

 Am nächsten Morgen: wieder Sonne. Nun aber ab in die Berge! Antonio fährt uns mit dem Jeep nach Ribeiro Frio („Kalter Fluss“), wo es die leckersten Forellen gibt. Sie werden hier gezüchtet. Der 860 Meter hoch gelegene Ort nahe Santo da Serra ist ein beliebter Start für Wanderungen, zunehmend auch für Mountainbiking und „Trail Running“ – der letzte Schrei bei schmerz-resistenten Läufern mit gut trainierten Muskeln und Gelenken.

Der Weg zum Aussichtspunkt Balcões ist auch von Ungeübten leicht zu schaffen. Dafür hat man ihn auch selten nur für sich allein. Die Kulissen sind jedoch grandios: immergrüner subtropischer Lorbeerwald, Madeiras höchste Gipfel und Levadas – künstliche Kanäle, teils schon vor 600 Jahren zur Bewässerung des trockenen Südens angelegt. Heute bedeckt das weitverzweigte System der flachen, begehbaren Wasserwege, das auch Brücken und Tunnel umfasst, beinahe das ganze grüne Eiland.
Trotz Wasserreichtums ist Madeira nicht unbedingt das Ziel für einen Badeurlaub. Oder doch? Der populärste Strand  heißt Campo de Baixo und liegt nicht auf der Hauptinsel des Archipels, sondern auf Porto Santo, rund 40 Kilometer von Funchal entfernt. Für einen Tag lang bringt uns das Schnellboot hin. Die müden Wanderfüße jubeln. Neun Kilometer  weicher Sand – das ist ein Beach zum Träumen…
Am Abend sind alle wieder fit. Das trifft sich gut, denn Partynächte in Funchal können lang sein. Unsere beginnt im Café do Teatro, geht weiter im FX, dann im „O Mohe“… Im „Vespas“ geht’s bis zum Sonnenaufgang. Doch den erleben wir   lieber auf dem Hotelbalkon – mit Blick auf Himmel, Berge, Stadt und Ozean. Es wird wieder Wanderwetter!

Text und Fotos: Carsten Heinke

Informationen:

Das Blumenfest von Funchal am 3. und 4. Mai ist nach dem Karneval das wichtigste Ereignis auf Madeira. Höhepunkt ist ein farbenprächtiger Umzug mit Tänzern in fantasievollen Kostümen und blütengeschmückten Wagen. Es gibt Parties, Shows und  klassische Konzerte. Am gleichen Wochenende wird in Santana, das für seine traditionellen Strohdachhäuser berühmt ist, das Zitronenfest gefeiert. An allen vier Juni-Samstagen findet in Madeiras Hauptstadt das Atlantik-Festival mit  viel Musik  statt. Begleitet wird es von einem internationalen Feuerwerkwettbewerb.

Am 14. und 15. Juni präsentiert die Stadt Câmara de Lobos ein fruchtig-frohes Kirschfest mit Umzug. Vom 3. bis 5. Juli lädt Funchal zum Jazz Festival sowie Santana vom 18. bis 20. Juli zu einem  Folklore-Tanzfestival ein.

Inselexkursionen: www.mountainexpedition.pt
Madeirawein: www.blandyswinelodge.com
Restaurant-Tipp: www.ojango.net

 

Portugal: Schokoladenfestival in Óbidos

Schokoladenfestival Obidos

Ein Fest für Naschkatzen

Vom 14. März  bis 6. April 2014 findet in Óbidos, einer portugisieschen Kleinstadt in der Nähe von Lissabon,  immer freitags bis sonntags ein besonders süßes Spektakel statt: Das Internationale Schokoladenfestival, das 2012 sein zehnjähriges Jubiläum feierte, gehört zu den größten und wichtigsten Events der Region und lockt jährlich über 200.000 Besucher in das mittelalterliche Städtchen. Große und kleine Leckermäuler können hier vielfältige Naschereien rund um die Schokolade kosten.

Darüber hinaus werden Schoko-Fans in Kochkursen selbst aktiv und können nationalen und internationalen Chocolatiers dabei zusehen, wie sie in verschiedenen Wettbewerben gegeneinander antreten. Professionelle Pâtissiers backen um den Titel des „Chocolatier des Jahres”, während Hobbyköche für das beste Schokoladen-Rezept geehrt werden. Kinder kommen im Schokoladenhaus „Casa de Chocolate das Crianças” bei Spielen und Workshops sowie der Zubereitung von Leckereien voll auf ihre Kosten.

Beeindruckender Höhepunkt des Festivals ist die Ausstellung von Schokoladen-Skulpturen: Komplexe Bauwerke und Figuren werden hier bis ins kleinste Detail kunstvoll nachgebildet. So wird die Schokolade nicht nur zum Gaumen- sondern auch zum Augenschmaus. Zum Dahinschmelzen ist auch die alljährliche Modenschau, bei der Models schicke Schoko-Kreationen und Accessoires aus „braunem Gold“ tragen.

Lesertext: Portugal – Vier Sterne und All Inklusive

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Nach einigen durchzechten Nächten in Portugals Hauptstadt begann unser Trip im Hoheitsgebiet des portugiesischen Prinzen: Ericeira. Auf dem einzigen Campingplatz errichteten wir für die ersten beiden Nächte unser Lager, bestehend aus einem Ford Nugget und genügend Camping Gear, um eine Mondlandung auszustatten. Direkt am ersten Morgen nach unserer Anreise joggte ich, nicht zuletzt um mein Partyo Alto Gewissen zu erleichtern, in meinem 4/3’er E-Bomb zum nahe gelegenen Ribeira de Ilhas.

Der Forecast versprach eine Session, wie man sie sich nach zwei ungesurften Monaten wünscht: vier Fuß, kaum Wind und eine zweistellige Periode. Doch bereits als ich den ersten Hügel passierte, zweifelte ich an meinen Interpretationsfähigkeiten, denn alles was ich vorfand, war eine hüfthohe Welle am Shorebreak. Gleich drauf schaute ich auf meine Uhr und bemerkte, dass ich noch immer indonesischen Tidenhub, anstelle des portugiesischen eingestellt hatte. Deprimiert und verschwitzt machte ich mich also auf den Weg zurück und versuchte im morgendlichen Berufsverkehr einen Autofahrer davon zu überzeugen, dass mein Neopren höchstens von Innen nass sei und er mich doch getrost bis zum Campingplatz mitnehmen könne.

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Sechs Stunden später war Lowtide und das südlich gelegene Sao Juliao the place to be. Nach zwei weiteren Nächten fuhren wir über die portugiesische Golden Gate Bridge und fanden uns eine Stunde später in Lagoa de Albufeira wieder. Eine Region, die ich während meiner letzten Portugalaufenthalte immer ausgelassen hatte, bekam nun erstmalig ihre surfspezifische Chance. Jedoch ist zu erwähnen, dass es auch ihre letzte war, denn außer einer riesigen Lagune inklusive Flussmündung bietet die Region oberhalb von Setubal kaum Scoring Potential. In der Hoffnung einen schönen Stellplatz zu finden, machten wir uns noch am Abend weiter gen Süden. In Porto Covo hatte ich auf unsere Karte den Vermerk „easy Camping“ ausgewiesen. Und das war es auch! Ein Stellplatz jagte den nächsten und das in unmittelbarer Küstennähe direkt neben einem verschlafenen Fischerdörfchen, in dem der Tourismus langsam aber sicher seinen Einzug zu finden schien.

Besonders gute Riffe und andere Breaks hatte ich in dieser Ecke jedoch nicht vermutet. Erst Praia de Malhao war dick und rot in unsere Karte eingezeichnet. Ein völlig überfüllter Parkplatz an einem der wohl schönsten Strände Alentejos. Wir warteten bis sich der Parkplatz lehrte und mieteten uns für die nächsten Tage direkt an einer Klippenkante ein, die unmittelbar zum Meer führte. Nach drei Tagen war der Pfad bereits einen guten halben Meter ausgetreten, weil ich bei vier Sessions pro Tag, auf und ab, wirklich gute Forstarbeit leistete.

Irgendwann zieht es uns weiter. An neue Orte, die oftmals gar nicht besser sind, aber einfach unbekannt. Besonders durch den für diese Jahreszeit aufziehenden Küstennebel war vor allem meine halbspanische Begleitung heiß auf den südlicheren Teil des Südens. Angekommen in Odeceixe fanden wir einen Stellplatz, der durch einen strandabgrenzenden Fluss abgelegen und idyllisch zum Verweilen einlud. Bei Lowtide konnten wir ihn einfach und kniehoch überqueren. Meine Freundin legte sich in die Sonne und ich machte mich auf in ein Line Up, das durch lauter Nebel völlig uneinsichtig war.

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Draußen angekommen hatte ich jedoch ein paar rechte Schönheiten, die bei Midtide an die fünf Turns zuließen (Kelly Slater = 15). Auf dem Rückweg entschieden wir uns für ein Paar Bier in eine der am Hang gelegenen Bars einzukehren und den Abend zu genießen, bevor wir den Fluss erneut überqueren sollten, um zu unserem Bus zu gelangen. Als wir uns zu späterer Stunde der Wasserkante näherten, erkannten wir jedoch, dass aus Kniehoch mittlerweile Halstief geworden war und wir daraufhin ausgenüchtert am anderen Ufer ankamen. Bereits am nächsten Morgen übermannte uns der Drang weiter zu ziehen und wir überquerten die Grenze zur Algarve.

Erste Stops: Praia de Amoreira und Monte Clerigo. Einer besuchter als der Andere und demnach kein Ort für zwei junge, einsamkeitsverliebte Menschen. Nach einer Nacht auf Monte Clerigo passierten wir die malerische Bucht von Arrifana und erkannten, dass man mit einem ganzen Monat auf dem Zeitkonto eigentlich fast jeden Stein in der Algarve umdrehen kann. Also nahmen wir die Erste rechts nach dem Ortsendeschild: Carrapateira.

Der Praia do Amado ist wohl eines der verschlissenen Juwelen Portugals. Etwas geschützter gegen Nordwind scheint er fast allen Swell anzuziehen, der sich irgendwo zwischen Island und der Biskaya anstaut. Wir fanden etwas weiter nördlich eine abgelegene Klippe, die eine Garantie gegen nächtliche Polizeikontrollen zu sein schien. Nach vier Tagen Crowdsurf suchten wir in der Region um Villa do Bispo die Einsamkeit und fanden diese personifiziert im Praia de Ponta Ruiva. Bis auf spanische Wohnwagen Kolonnen hatte man im Gegensatz zu Carrapateira endlich wieder Niveau im Wasser und einen rechten Beachie bzw. einen linken Point zur Auswahl.

Bild_19An jenem Abend sollte der erste nennenswerte Swell des Spätsommers eintrudeln. Infolgedessen brachte ich meine Bretter zu einem Shaper in Sagres und ließ diese kosmetisch grunderneuern. Am Abend fanden wir jedoch lediglich eine angefangene Flasche Rotwein und einen völlig überforderten portugiesischen Beachbreak vor uns. Ich fragte mich, wie sechs Fuß Swell und 14 Sekunden so unfassbar hässlich aussehen können und entschied im Dunkeln den südlichen Bruder des Pontas ausfindig zu machen. Abseits der Hauptstraßen befährt man somit Wege, die so tiefe Schlaglöcher haben, dass wir fast mit Sitzgeschwindigkeit fahren mussten, um den Unterbau unseres Gefährts am Leben zu lassen.

Beflügelt durch zwei Gläser Rioja und hungrig nach Abenteuern erreichten wir nach fast einer Stunde Fahrt den nur fünf Kilometer südlich gelegenen Praia de Telheiro. Es kostet Unmengen an Sprit, die verborgenen Schätze der Südwestküste Portugals ausfindig zu machen. Dennoch würde es die wohl besten Erfahrungen kosten, wenn man das nicht täte. Umdrehen steht erst gar nicht zur Debatte, also fährt man weiter. In Gewohnter Manier setzten wir das Nudelwasser mal wieder um die Mitternachtszeit auf und kochten uns ein aufwendiges Sternemenü. Bis auf einen Tag, an dem Tonel unverhofft mit Crouch – Barrels rief, verbrachten wir fast einem Woche am letzten Strand vor Cabo de Sáo Vicente. Wellentechnisch hätte dieser Spot ein wahrer Crowd – Magnet sein müssen, jedoch konnten wir den schlechten Straßen und dem massiven Strandabstieg danken, die diesen Spot fast unheimlich leer machten.

Unser Plan bot uns noch ein Paar weitere Tage an, die wir an einem der Strände um Villa de Bispo verbringen wollten. Mittlerweile kannten wir sie alle und fühlten keinen so recht. Nicht einmal Secrets wie Vale de Figuera schienen lukrativ und so entschieden wir uns kompromissbereit für den nächsten Nachbarn: Praia de Cordoama. Als die letzte Wahl betitelte ich somit den Strand, der mir die wohl besten Wellen des gesamten Trips bescherte. Türkises Wasser, das dich mit einem Vorhang von der Außenwelt abzuschneiden scheint, ist die wohl größte Errungenschaft der Natur. Vor allem, wenn du kurz darauf hinausschießt und genügend Wall für vier oder fünf knackige Turns hast, bevor du endorphindurchströmt die Fäuste ballst.

Meine Damen und Herren wir befinden uns nicht auf Sumbawa, sondern direkt vor unserer Haustür; und das Ende August. Von Malaho bis Telheiro ist der Süden Portugals der europäische Garten Eden. Riffe, Beachies, Points und maskuline Slabs bieten ein Repertoire für fast jede Form von Kondition. Staub, unbefestigte Straßen und polizeirestistente Stellplätze mit Meerblick sind dabei nur Rahmenprogram. Vor allem im September neigen sich die Touristenzahlen dem erträglichen und ablandiger Wind ist auch nach einer zu langen Partynacht keine Prämisse für frühes Aufstehen. 2007 war ich das letzte Mal in der Algarve. Damals ein Trip mit einigen Freunden. Unorganisiert, chaotisch und völlig über den Zaun gebrochen. 2013 habe ich daraus gelernt. Mit dem Star unter den fahrenden Campingschlössern machten wir uns auf den Weg. Organisiert, ausgestattet und dennoch genug Raum für Spontanität. Es gab Nähzeug und eine Karte, eine analoge Kamera mit Auslösefehler und eine Packung Pflaster. Das Wetter war gut, das Essen auch.

Konstantin Arnold