Spanien/Mallorca: Zeit für Palmas stille Seiten

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Wer bislang nur Mallorca im Sommer kennt, sollte auch mal in der Nebensaison hier landen, um ganz neue Seiten der Baleareninsel zu entdecken.
Ein typisch mallorquinischer Tag zu kühleren Jahreszeiten kann so aussehen: Man sitzt in einem der hübschen Cafés auf der Plaza Major und liest in aller Ruhe Zeitung. Bei Sonnenschein, strahlend blauem Himmel und milden 15 Grad. Gerade eben wird der „Cortado“ – ein Milchkaffee im Glas – serviert. Später bricht man zum Stadtbummel auf, schlendert durch schmale Gassen, überquert kleine Plätze und steuert früher oder später die Avinguda Rey Jaume III an, die Top-Einkaufsmeile der Stadt.

K1024_Palza Palma 6Hier locken die Auslagen von Nobelboutiquen und Juweliergeschäften. Auffällig ist die große Zahl der Schuhläden. In den Vitrinen ziehen edle Stiefel, ausgefallene Pumps und klassische Herrenschuhe alle Blicke auf sich. Kein Wunder, Mallorca ist seit Jahrhunderten die Insel der Lederspezialisten. Die Schuhdesigner der Insel bereichern die internationale Schuhmode immer wieder mit einem „letzten Schrei“. So schneiden die mallorquinischen Schuhmacher seit vielen Jahrzehnten alte Autoreifen als Material für die Gummiprofile der „Mallorcasandalen“ zurecht. Irgendwann haben Fashionscouts das Schuhwerk mit den dicken Gummisohlen entdeckt – und plötzlich liefen Modefreaks in Mailand, Paris und New York damit herum.

K1024_Paprikakiosk 6Pause in einer der vielen Tapasbars: Viel besser als überteuerte Touristenmenüs sind die herzhaften Kleinigkeiten, etwa Queso: Manchego, Mahón und Piris gehören zu Spaniens Käseköstlichkeiten. Dazu schwarze Oliven, frisches Brot und ein paar Scheiben Jamón, luftgetrockneter Schinken. Wenn ein Kaffee genügt, bietet sich ein Abstecher zum Passeig Maritimo an – Palmas Promenade mit einem tollen Blick über den imposanten Jachthafen.
Es regnet- na und?
An kühlen Regentagen lenken die Wellnessangebote der Hotels ab. 5-Sterne Häuser mit umfangreichen Programmen gibt es auf der Baleareninsel in großer Zahl. Gerade mal neun Kilometer von Palma entfernt liegt das „Mardavall Hotel & Spa“, das in puncto Wellness zu den führenden Häusern der Insel gehört. Der Spa-Bereich erstreckt sich über sagenhafte 4700 Quadratmeter, die Palette der Anwendungen reicht von Thalasso bis zur Traditionellen Chinesischen Medizin.

Aber auch Urlauber, die in schlichteren Pensionen oder Hotels Quartier bezogen haben, können sich in der Inselhauptstadt von Kopf bis Fuß verwöhnen lassen. Palmas neues Day Spa lockt mit einem umfangreichen Wohlfühl-Angebot: Sauna, Solarium und Pool, Hot-Stone- und Hydromassagen und sogar ein Türkisches Bad sorgen
Kulturprogramm
Palmas Museen sind es ebenfalls wert, dass man ihnen den einen oder anderen Urlaubstag widmet. Das Museu de Mallorca zum Beispiel, wo Interessantes über die jahrtausendealte Zivilisationsgeschichte der Insel zu erfahren ist. Oder die Fundación Juan March. Das Haus präsentiert zeitgenössische spanische Kunst und die Werke der ganz Großen: Picasso und Miró. Palmas Kathedrale La Seu hat es ebenfalls verdient, dass sich Inselbesucher reichlich Zeit für sie nehmen.

K1024_Kathedrale Mallorca 6Der spanische König Jaume I. ließ das mächtige Gotteshaus zu Beginn des 13. Jahrhunderts errichten, nachdem ein Bündnis christlicher Könige die islamischen Maurenherrscher aus diesem Teil Spaniens vertrieben hatte. Große Baumeister haben im Laufe der Jahrhunderte ihre Spuren in La Seu hinterlassen. Portale, Altar und Taufkapelle im Stil ihrer Zeit gestaltet. Die Restaurierungsarbeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden von Spaniens großem Architekten Antoni Gaudì geleitet. Die baulichen Veränderungen im Innenraum waren einschneidend und verblüffend modern. Der damalige Bischof von Palma muss – zumindest in ästhetischen Fragen – ein Avantgardist gewesen sein.

An hohen Festtagen können Palmas Gottesdienstbesucher mit illustren Gästen rechnen. Die königliche Familie kommt öfter mal auf die Baleareninsel und besucht dann selbstverständlich die Messe in La Seu.

Text: Susanne Kilimann
Fotos: Rasso Knoller

Mit 6237 Fotos in fünf Minuten um die Welt

Kien Lam war 343 Tage unterwegs, hat 17 Länder besucht und 6237 Fotos gemacht. Schauen Sie sich die Höhepunkte seiner Reise  in knapp fünf Minuten an.

Spanien: Gran Canaria – Medizin aus dem Meer

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In Südeuropas größtem Thalasso-Zentrum

Das größte Thalasso-Zentrum Südeuropas mit einer über 7.000 Quadratmeter großen Pool-Landschaft liegt auf Gran Canaria. Als Vorreiter 1998 eröffnet, ist es heute führender Anbieter von gut 50 Behandlungen mit Meeresprodukten wie Algen oder Schlick. Das Thalasso-Areal befindet sich im 4-Sterne-Haus Gloria Palace San Agustín Thalasso & Hotel nahe der Dünen von Maspalomas im Süden der Kanareninsel. Mittelpunkt der Anlage sind vier mit Meerwasser gefüllte Therapiebecken, darunter der „Get in Shape“-Pool mit 33 entspannenden Hydromassage-Einheiten. Stets vor Ort ist ein erfahrener Sportmediziner, der jeden Gast individuell betreut. Neben Cellulite lindern die Anwendungen Rheuma und Probleme wie Schlaflosigkeit, Angstzustände oder Gewichtsverlust. Die Chill Out Terrace (Foto) im Gloria Palace San Agustín Thalasso & Hotel auf Gran Canaria lädt zum Relaxen nach der Thalasso-Therapie ein.

Spanien: Mallorca zur Blütezeit

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Nein, mit Blütezeit ist ausnahmsweise nicht die Mandelblüte im Zeitraum Ende Januar bis Mitte März gemeint, sondern die Zeit der Wildblumen.

Dass Mallorca mehr zu bieten hat, als nur Ballermann und Party, hat sich längst herumgesprochen. Viele Urlauber zieht es in den Westen, um dort in der Serra de Tramuntana die großartige Landschaft vom Auto, mit dem Fahrrad oder auch auf einer Wanderung zu genießen.

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Wer es auf seinen Wanderungen etwas weniger anstrengend mag, für den bietet sich der Norden der Insel an. Ende April oder Anfang Mai, wenn es ab und zu noch einen leichten Schauer gibt und die große Sommerhitze noch nicht eingesetzt hat, kann man dort die Insel auf schönen Spaziergängen erkunden und wird am Wegesrand ein Meer an Blüten vorfinden.

Wer sich zum Beispiel für Orchideen interessiert, der sollte einen Spaziergang durch den Parc Natural S’Albufera machen. Das 800 Hektar große, sehr flache Areal in der Nähe von Alcudia lässt sich gut zu Fuß oder noch besser mit dem Fahrrad erkunden. Die wasserreiche, teils sumpfige Landschaft zieht jede Menge Vögel an, aber auch viele Pflanzen gedeihen hier prächtig.

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Wer nicht nur Blumen, sondern auch eine großartige Kulisse während des Spazierganges erleben möchte, für den ist das Vall de Boquer empfehlenswert. Das Tal steht unter Naturschutz und ist bei Vogelfreunden sehr bekannt. Wenn man früh unterwegs ist, kann man mit etwas Glück Fischadler und Bienenfresser beobachten. Der Weg führt bis zur Cala Boquer, deren klares, blaues Wasser man schon von weitem sieht. Rechts und links am Weg blühen Ginster und andere Wildblumen, so dass man ab und zu einfach stehen bleiben sollte, um die Landschaft in all ihrer Schönheit zu bewundern und den Duft der wilden Blumen und Kräuter aufzunehmen.

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Sie wollen auf Ihrem Spaziergang lieber am Wasser laufen? Machen Sie einen Spaziergang an der Küste bei Ca’n Picafort in Richtung Son Serra de Marina. Der Spazierweg führt an der Küstenlinie entlang und bietet immer wieder neue interessante Aussichten. So werden Sie nach kurzer Zeit auf ein uraltes Gräberfeld stoßen (Necropolis Son Real). Ein paar Buchten weiter findet man dann eines der Wahrzeichen der Region: Die Obelisken. Aber egal, wo Sie sich gerade befinden, nehmen Sie sich die Zeit und betrachten Sie die vielen verschiedenen Blumen, die sich fast den ganzen Weg entlang ziehen.

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Noch etwas ruhiger und abgelegener ist ein Spaziergang von Colonia de Sant Pere zur Bucht El Calo. Hier trifft man nur wenige Menschen und kann Ruhe und Einsamkeit genießen. Die Küste ist zerklüftet, aber immer wieder laden kleine, sandige Buchten zu einer Rast ein. Die Landschaft ist geprägt von Ginsterbüschen, und der Weg ist von kleinen Wildblumen und Orchideen gesäumt.

Angelika Stern

 

Spanien: Delfinbeobachtung vor Gomera

Fleckendelfine vor Gomera

Safari auf dem Wasser: Vor der Küste Gomeras ist eines der besten Gebiete zur Delfinbeobachtung. Mit Fischerbooten gehen Touristen auf Fotopirsch.

Delfine vor Gomera

Von Valle Gran Rey auf Gomera fahren täglich winzige Ausflugsboote zu Delfinbeobachtung hinaus aufs Meer. Wer mitfährt braucht einen stabilen Magen. Doch das Leiden wird reich belohnt. An kaum einem anderen Ort in Europa kann man so viele Delfine beobachten wie hier.

Mikes Gesicht ist kreidebleich. Schon dreimal hat er sich in den vergangenen eineinhalb Stunden übergeben müssen. Auch Mikes älterer Bruder Simon hing schon einige Male würgend über der Reling des Ausflugboots. Dabei schlagen die Wellen im Meer vor der Westküste Gomeras gar nicht so hoch. Nur die Ascension, ein offener alter Fischkutter, registriert jede Erhebung.Delfine vor Gomera

Die beiden Schweizer Jungs sind dennoch tapfer. Haben trotz der Übelkeit, die sie immer wieder überkommt, gute Laune. Ihre Mägen rebellieren zwar, ansonsten begeistert sie die Ausfahrt: In der Bugwelle des Kahns surfen zwei Dutzend Fleckendelfine.

Größere Boote mögen vielleicht magenschonender sein als die kleine Ascension. Aber dafür kommen Mike und die anderen Leute an Bord den Tieren mit dem kleinen Schiff wirklich nahe. So nahe, dass wir Blicke mit den Säugetieren tauschen und fast so etwas wie ein Zwiegespräch mit ihnen halten können. Hier, auf dem kleinen Fischerboot, trennen nur ein Paar Holzplanken die Menschen vom Meer und dessen Bewohnern. Und wenn ein Delfin seitlich neben dem Boot schwimmt und seinen Körper zur Seite legt, um Blickkontakt mit den Insassen des Bootes aufzunehmen, ist bald nicht mehr klar, wer hier wen beobachtet.Fleckendelfine vor Gomera

Denn es ist das Tier, das bestimmt, wann das gegenseitige Beäugen schließlich ein Ende hat. Wird ihm sein menschliches Gegenüber langweilig, verabschiedet sich der Delfin. Zwei, drei Schläge mit der Schwanzflosse – und der Säuger ist in den Tiefen des Meers verschwunden.

90 prozentige Sichtungsgarantie

Die Gewässer vor der Gomera zählen zu den weltweit besten Gebiete, um Delfine und Wale zu beobachten. 28 verschiedene Arten leben hier. Einige davon sind sehr selten oder halten sich nur kurze Zeit vor der Insel auf. Andere Arten jedoch, wie beispielweise der Große Tümmler, wie Fleckendelfine oder Pilotwale, begegnet man fast täglich vor der Küste dieser kanarischen Insel. Auch deswegen locken die Veranstalter von Delfin-Safaris mit einer über neunzigprozentigen Chance, die Tiere während der Touren auch zu sehen.

Eine Garantie, dass man einen Wal vor die Linse bekommt, gibt aber trotzdem kein Anbieter – auch aus ökologischen Gründen. Gomera hat sich nämlich der „schonenden“ Delfinbeobachtung verschrieben. Hierzu hat die kanarische Regeierung einige Vorschriften erlassen, an die sich die Touranbieter bei Strafandrohung halten müssen. So dürfen sich die Boote den Tieren nicht weiter als 60 Meter annähren. Kommen die Tiere freiwillig ans Schiff ist das natürlich kein Problem. Doch auch dann gilt, dass die Bewegungsfreiheit der Tiere garantiert sein muss und deren Zugrichtung nicht gekreuzt werden darf. Ein absolutes Tabu ist es die Tiere mit dem Boot zu verfolgen.

All das soll sicherstellen, dass die Tiere durch die Nähe der Menschen nicht gestresst werden. Zu den Regeln zählt aber auch, den Touristen keinerlei Sichtungsgarantie zu geben, erklärt Fatima Kutzschbach. „Die Anbieter müssten den Kunden dann ihr Geld zurückzahlen, wenn sie keine Delfine zu Gesicht bekommen“, sagt die Naturpädagogin, die viele Ausfahrten als Guide begleitet. Die Folge wäre für sie klar: „Aus Angst, Geld zu verlieren, würde mancher Anbieter den Tieren aggressiver nachstellen.“

Die verbotenen Verfolgungsjagden sind im Falle der Fleckendelfine aber ohnehin überflüssig. Die Delfine sind so neugierig und verspielt, dass sie freiwillig zum Boot schwimmen. Und zwar für uns zum Greifen nah. Man bräuchte sich nur ein klein wenig über Bord zu lehnen, und schon könnte man die schönen Tiere streicheln. Doch das ist strengstens verboten – auch eine der vielen Regeln zum Schutz der Tiere.Fleckendelfin vor Gomera Tabu ist inzwischen auch, mit den Delfinen zu schwimmen. Vor einigen Jahren war dies noch Gang und Gäbe. Doch damit die Tiere nicht gestresst würden, sei dies inzwischen verboten, berichtet Fatima Kutzschbach. Auch für die Touristen wäre ein gemeinsames Schwimmen nicht ungefährlich. Denn obwohl Delfine ständig zu lächeln scheinen und als friedliche Naturen bekannt sind, so sind sie doch Wildtiere.

Und so ist es für beide Seiten besser, wenn der Mensch, wie jetzt der kleine Mike, nur vom Bootsrand aus den Erzählungen der Delfine zuhört. Gebannt lauscht der Junge den Pfeif- und Knacklauten der Tiere, die um das Boot schwimmen. Ganz leise dringen die Laute der Delfine aus dem Wasser an unser Ohr – wie aus einer anderen Welt stammend. Und als hätten sie Geheimnisse, die uns nichts angehen, verstummen die Tiere sofort, als unser Skipper ein Unterwassermikrofon ins Wasser lässt, mit dem wir die Gespräche der Tiere belauschen wollen.

Rasso Knoller

Spanien: Eine andere Art zu träumen – Übernachten in Höhlenwohnungen

Die touristischen Unterkünfte in den Höhlen der Regionen Guadix- El Marquesado und Baza-Huéscar haben sich in den letzten Jahren zu einem der beliebtesten und ungewöhnlichsten Ziele der Provinz entwickelt. Im Moment existieren in den beiden genannten Regionen sowie im granadinischen Viertel Sacromonte 31 katalogisierte, geregelte Einrichtungen, die die Übernachtung in Höhlen anbieten. Allen gemeinsam ist die hohe Qualität des Services, die Nachhaltigkeit sowie die Bewahrung und Wiederbelebung einer eigentümlichen Wohnkultur.

Die Höhlenwohnungen in den Hügeln und Schluchten entwickelten sich ohne Bauplan. Sie richteten sich nur nach dem geologischen Relief, dessen Teil sie sind und nach dem Lauf der Sonne. Es gibt keine Straßen oder Gassen. Modernere Konstruktionen mit Reihenhausfassade und Anbauten reihen sich an traditionelle Wohnungen an. Gemeinsam sind ihnen die stattliche Schornsteine und die bunt bepflanzten Veranden.

Im legendären Viertel von Sacromonte gleichen die Höhlen in der heiligen Berglandschaft wahren Tempeln der Romakunst. Sie wirken wie Museen des an moderne Umstände angepassten Höhlenlebens. Während der „Reconquista“, der christlichen Rückeroberung Granadas, befand sich diese Idylle außerhalb der Stadtmauern. Die Wohnhöhlen waren ein Fluchtort für verschiedene Völker und soziale Gruppen wie den Juden und Morisken. Die Chroniken von Sacromonte berichten, dass die „Gitanos“ in Begleitung der Truppen der katholischen Könige in Granada eintrafen und dort für sie als Schmiede arbeiteten. Daher ist es nicht erstaunlich, dass sich schon immer auch Handwerker dem Flamenco widmeten, der aus der alten und verzaubernden Zambra hervorgegangen ist, die noch heute in Höhlen wie Los Tarantos, María La Canastera, Cueva La Rocío oder Venta el Gallo ein vielgesehenes Spektakel ist.

Spanien: Gran Canarias versteinerter Sturm

Wandern auf Gran Canaria

Wer das nicht sieht und erlebt, versäumt etwas ganz Eindrucksvolles, versichert Guillermo Morales Mateos. Die meisten Gäste kommen zu uns, um Sonne, Strand und Meer zu genießen, bedauert er. Dabei habe das Inselzentrum im Norden eine unvergleichlich faszinierende Gebirgslandschaft zu bieten. Ein Paradies für Aktive, weiß der Wanderleiter, der bei Trekking, Mountainbike-Touren und Kulturexkursionen zu den schönsten Stellen führt.

Im schönsten Dorf Spaniens

Als „versteinerter Sturm“, Berge wie aus Hagel, Blitz und Donner geformt – so hat der Schriftsteller und Philosoph Miguel de Unamuno diese Landschaft beschrieben. Und mittendrin Tejeda, ein typisch kanarisches Dorf, das sich mit der Auszeichnung als schönstes Dorf Spaniens schmücken darf. Malerisch über 1000 Meter hoch gelegen, mit terrassenförmig emporwachsenden Häusern und verwinkelten Gassen ist es eingerahmt von einem Meer aus Mandelbäumen. Wenn diese im Februar in voller Blüte stehen, sieht es aus, als sei Tejeda in Schnee getaucht. Alljährlich wird dort das Mandelblütenfest, eines der wichtigsten Feste der Insel, begangen. Dann ist das ganze Dorf auf den Beinen und mit Besuchern aus aller Welt wird bei Musik und Tanz gefeiert und in Mandelgebäck, Marzipan und Mandelsirup geschwelgt. Wer dann noch Muße hat, kann sich in einem der beiden liebevoll gestalteten Museen informieren, die dieser besonderen Frucht gewidmet sind.

Hochebenen, Pinienwälder und Schluchten

Mehr als fünfhundert Meter oberhalb Tejedas steht das Cruz de Tejeda. Das große Steinkreuz ist das geografische Zentrum der Insel, an dem die meisten der alten Inselwege aufeinander treffen. Von dort sind es nur ein paar Schritte bis zum Parador. Die ehemalige Herberge „Hosteria de Cruz de Tejeda“ wurde zu einem modernen Hotel in typisch kanarischem Stil umgebaut. Das sollten wir uns ansehen, empfiehlt Guillermo, und im Bistro oder Büffetrestaurant vielleicht den Puchero canaria – einen schmackhaften Eintopf mit Fleisch, Wurst und Kichererbsen – oder das typische Kartoffelgericht Papas arrugas probieren und von der großen Terrasse den überwältigenden Blick in die Caldera de Tejeda genießen. Doch der Guide mahnt zum Aufbruch. Also werden die Wanderstiefel geschnürt, denn die grandiose Berglandschaft mit Hochebenen und tiefen Schluchten wartet auf uns. Durch Pinienwälder, bei denen der Fuß weich auf einem Bett aus Kiefernadeln läuft, geht es auf markierten Wanderwegen bergauf. In kräftigem Gelb leuchtet der Ginster, weißer Salbei, Zistrosen, Strauchmargeriten und Disteln wachsen am Wegesrand. Und immer wieder fasziniert der weite Blick über die spektakuläre Felslandschaft, tief unten ist das weiße Häusermeer von Las Palmas zu sehen und über dem Wolkendunst grüßt weit aus der Ferne die Spitze des Teide.

Die Wahrzeichen der Insel

Wie gewaltige Finger aus Stein ragen der Roque Nublo, das Wahrzeichen und der höchste Berg der Insel, und der Roque Bentayga ins wolkenlose Blau des Himmels. Für die Ureinwohner waren die beiden Felsen heilige Orte, an deren Fuß sie Altäre errichteten, weiß Mateos. Spuren der Altcanaria seien auch in zahlreichen Felshöhlen erhalten, die als religiöse Statten oder Wohnungen dienten. Durch einen schmalen Pfad am Rand eines Abgrunds erreichen wir eine dieser Höhlen, die als historischer Ort zum Schutz mit einem Eisengitter verschlossen ist. Doch Guillermo hat den Schlüssel und so können wir hinein und die kaum sichtbaren Spuren von Felsmalereien bewundern. Der Legende nach sollen hier drei unverheiratete Schwestern gelebt haben, die sich der Hexerei verschrieben hatten. Mit der etwas tiefer stehenden Sonne schimmert der Roque Nublo, der „Wolkenfelsen“ wie die Canarier ihn nennen, jetzt fast lilafarben. Vor allem in der Abenddämmerung sei der Anblick dieses Naturwunders ergreifend, weiß unser Guide. Mit seinem vor zwei Jahren gegründeten Unternehmen Nortetrek begleiten er und sein Team aktive Gäste auch in deutscher und englischer Sprache. Zu seinem Programm gehören neben Führungen auf der archäologischen Route auch solche auf der Wein- und Kaffeetour. Ein Highlight und gern gebucht sind die Wanderungen bei Sonnenuntergang. Der Rückweg unter einem Himmel voller Sternen gehört zu den unvergesslichsten Erlebnissen.

Christel Seiffert

Info

Spanisches Fremdenverkehrsamt, Kurfürstendamm 63, 10707 Berlin, Tel. 030/882 65 43; Fax 882 66 61

www.nortetrekgrancanaria.com

Spanien: Traditionen auf La Palma

Wo die »Dicke« gerollt wird

Eingebettet in eine riesige Bananenplantage im Nordosten der Insel liegt San Andres direkt am Meer. Palmenbestanden die Piazza mit der strahlend weißen kleinen Pfarrkirche San Andres Apostol aus dem 16. Jahrhundert, kopfsteingepflastert die schmalen Straßen, Bougainvilleen in glühender Farbpracht umgeben die alten Herrenhäuser mit ihren schönen Holzbalkonen. »Für mich das schönste Dorf auf La Palma, mein Lieblingsort«, schwärmt Kaufmann, der seit fünfzehn Jahren auf der Insel lebt. Und ein Ort mit Geschichte. Eine der ältesten Ansiedlungen aus der Zeit, als der Zuckerrohranbau ein wichtiger Wirtschaftszweig war, als der Export des »weißen Goldes« boomte und die Zuckerrohrbarone sich prächtige Häuser bauen ließen. Damals gab es ausgedehnte Zuckerrohrplantagen, Zuckerfabriken und eine ganze Reihe von Rumbrennereien. Doch mit der Zeit verdrängte der Bananenanbau das Zuckerrohr. Heute gibt es unweit von San Andrés nur noch eine Rumfactory, weiß Kaufmann und begleitet uns zur Destillerias Alda. Ein Familienbetrieb, in dem seit vier Generationen der Geist des Handwerks der »ersten Rum-Meister« gepflegt wird. Die direkte Destillation des Zuckerrohrsaftes in dem mehr als siebzig Jahre alten Kupferkessel gibt unserem Rum Ron Aldea seine persönliche Note, verrät Juniorchef Jose Manuel Quevedo Rodriges. 118 Tonnen Zuckerrohr verarbeiten Jose und seine Mitarbeiter jedes Jahr – das ergibt 84.000 Flaschen des köstlichen Destillats, das Dank seiner ausgezeichneten Qualität beliebt ist. Auch verschiedene Likörsorten – so ein Bananen-Coffee oder Kräuterlikör gehören zum Angebot. Krönung für anspruchsvolle Gaumen ist der Ron Aldena Reserve, der zehn Jahre lang in amerikanischen Eichenfässern ruht und erst dann sein weiches, intensives Aroma entwickelt. Interessierte Gäste sind willkommen, an manchen Tagen besuchen uns sogar Reisegruppen, sagt der Brennmeister. Und nach der Verkostung geht dann manche Flasche Ron Aldea im Reisegepäck hinaus in alle Welt, weiß Kaufmann. Vor fünfzehn Jahren hatte der Kulturwissenschaftler auf La Palma seine Magisterarbeit geschrieben, sich in die Insel verliebt und ist geblieben. Als Leiter einer Deutschsprachigen Bibliothek in Puntallana und seiner Tätigkeit als Übersetzer bleibt ihm noch Zeit für das, was er am liebsten tut: Gäste über diese faszinierende Insel zu begleiten.

Eine gute Zigarre braucht Zeit

Nach einem Bummel durch die Inselhauptstadt Santa Cruz und einem Cortado unter dem Blätterdach der von alten Bäumen umstandenen Plaza Espana geht es südwärts weiter. Hinauf nach Brena Alta, wo die Tabak-Finca »el Sitio« zu Hause ist. Ähnlich wie dem Zuckerrohr sei es auch dem Tabak ergangen, erzählt Stefan. Am Anfang des 18. Jahrhunderts erstmals auf La Palma angebaut, liege seine Glanzzeit in der Vergangenheit. Doch die Tradition der handwerklichen Zigarrenherstellung werde in zahlreichen Kleinbetrieben fortgesetzt. Ja, in den letzten Jahren wird sogar wieder verstärkt Tabak angebaut. In der Finca kann man zusehen, wie die begehrten Puros Palmeros entstehen – von der Aussaat des Tabaks bis zur fertigen Zigarre. Seniorchef Antonio Gonzales, der es sich nicht nehmen lässt, Besucher selbst durch die Finca zu führen, ist von Jugend an mit der Tabakverarbeitung vertraut. Seine langjährigen Erfahrungen bringt er ein, um die örtlichen Tabaksorten zu erhalten und zu verbessern. Zwölf Zigarrenmacherinnen und -macher arbeiten in der Werkstatt. Rund zwanzig Minuten dauert es, bis sie mit geübten Händen das Deckblatt zugeschnitten, um den Rohling gerollt, fixiert, den Kopf der Zigarre geformt und sie dann auf die vorgegebene Länge zugeschnitten haben. 600 Zigarren werden so täglich im el Sitio gefertigt. »La Palma ist die einzige Kanareninsel, auf der Zigarren „ hecho a mano“, also handgemacht werden«, sagt Antonio nicht ohne Stolz. Von jeher seien die Puros Palmeros auch außerhalb der Kanaren für ihre hervorragende Qualität geschätzt worden. Sogar Winston Churcill fand sie ebenso gut aber preiswerter als ihre kubanischen Schwestern. Nicht von ungefähr trägt deshalb die dicke Sorte Nr. 1 seinen Namen. Eine Kiste, die mit zehn Stück 200,- Euro kostet, werde besonders gern von Deutschen gekauft, verrät der Seniorchef. Auch er ist ein Fan der »Dicken« und genießt es, bei einem Glas Wein, einem guten Gespräch und einer »Churchill« den Abend zu beschließen. »Eine Zigarre spricht zu dir, man kann sich den ganzen Abend mit ihr unterhalten«, sagt er mit einem Augenzwinkern. Besucher der Finca können sich vor Ort ihre Marke aussuchen, kaufen oder bestellen. Und wissen sich damit in bester Gesellschaft mit dem spanischen König, denn auch der raucht gern mal eine »el Sitio«.

Weinrouten von Bodega zu Bodega

Noch älter als die Geschichte des Tabaks ist die des palmerischen Weins. Schon im 16. Jahrhundert seien die ersten Rebstöcke in Los Llanos de Aridane und der Caldera de Taburiente gepflanzt worden, weiß Stefan Kaufmann. Der Anbau habe sich schnell verbreitet und schon bald waren die edlen Säfte aus La Palma besonders in England, den englischen Kolonien und an den Fürstenhöfen Europas hochgeschätzt. Fast drei Jahrhunderte lang war der Wein die wichtigste Einnahmequelle der Insel. Heute gibt es 18 Anbaugebiete, in denen rund 30 Rebsorten geschützt vor kalten Winden in flachen Mulden tief in der Lavaerde gedeihen. Weinliebhaber nutzen gern die ruta de vino – fünf Weinrouten, die von Bodega zu Bodega führen. Stefan empfiehlt uns das Weinanbaugebiet Las Manchas im Süden der Westküste. Denn seit elf Jahren gibt es in dem beschaulichen Dörfchen ein Museo del Vino. Das liebevoll gestaltete kleine Museum in einem restaurierten historischen Landhaus vermittelt Einblicke in die Weinbautradition auf La Palma. Historische schwarz-weiß Fotos in Bilderrahmen aus Lavagestein erinnern an den Ausbruch des Vulkans San Juan, dessen Lava 1949 dicht an Las Manchas vorbei floss. Auf Schautafeln werden – auch in deutscher Sprache – die Geschichte des Weinbaus, ihre Anbaugebiete und Rebsorten vorgestellt. In dem kleinen Nutzgarten hinter dem Museum kann man die wichtigsten Rebsorten und eine historische Traubenpresse bewundern.

Denominacion de Orige Vinos de La Palma

Und natürlich kann man diese Geschenke Bacchus auch gleich vor Ort probieren: ob Moscatel, Gual, Sabro Verdello oder die Krönung des palmerischen Weins, der trockene oder süße Malvasia, alle tragen das Gütesiegel Denominacion de Orige Vinos de La Palma. Doch das eigentliche Schmuckstück von Las Manchas  ist der Dorfplatz vor dem Museum. Dort verzaubert La Glorietta – ein großes Bodenmosaik aus Tier- und Pflanzenbildern. Mit viel Fantasie und Liebe zum Detail hat der bekannte Künstler Luis Morera aus bunten Fliesensplittern die Inselflora nachgezeichnet. La Glorietta ist ein faszinierender Kosmos aus bunten Steinchen, eine heitere Welt voll Harmonie. Aus Lavagestein sind Skulpturen, eine Bühne und Bänke entstanden, die im Schatten von Hibiskus und Bougainvilleen zum Schauen, Verweilen und Träumen einladen. Und über schwarze Lavafelder geht der Blick hinaus auf Meer.

Christel Seiffert

Infos:

Spanisches Fremdenverkehrsamt, Kurfürstendamm 63,10707 Berlin, Tel. 030/882 65 43, Fax: 882 66 61, E-Mail: Berlin@tourspain.es, Internet: www.fincatabaqueraelsitio.com,

Service: Urlaub von der Allergie

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Tipps zu den schönsten Ferienzielen für Allergiker

Die Sonne scheint, ein leichtes Lüftchen weht – doch nicht jeder kann sich über das aktuell so schöne Wetter freuen. Denn für viele Menschen geht es mit juckenden Augen, einer laufenden Nase und Niesattacken einher. Im Frühjahr und Sommer herrscht Pollenalarm. Laut Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes leiden 16 Prozent der Deutschen unter Heuschnupfen. Und manche Menschen haben über das ganze Jahr hindurch mit Allergenen wie zum Beispiel Hausstaubmilben zu kämpfen. „Allergien bestimmen den Alltag vieler Menschen“, so Christina Bathmann, Sprecherin von Travelzoo® Deutschland. „Unsere Reiseangebots-Experten haben dies zum Anlass genommen, eine Liste mit den schönsten Reisezielen für Pollen- und Hausstaub-Allergiker zusammenzustellen. So bringt der Urlaub die verdiente Erholung und wird nicht von der Allergie überschattet.“

Die Ostfriesischen Inseln

Die Ostfriesischen Inseln sind das ideale Reiseziel für Pollenallergiker. Denn die jodhaltige Meeresluft wirkt auf gestresste Atemwege wie eine Dauerinhalation. Außerdem weht der Wind hier überwiegend vom Meer aus landeinwärts und Pollen haben kaum eine Chance. Viele der ansässigen Kur-Kliniken haben sich auf die Bedürfnisse von Heuschnupfen-, Asthma- und Neurodermitis-Kranken eingestellt. Außerdem können Urlauber bei ausgedehnten Strandspaziergängen entspannen. Auch Sylt und die anderen Nordfriesischen Inseln sind sehr gut als Ferienregion für Allergiker geeignet.

Die Kanarischen Inseln

Wer allergisch auf Birkenpollen reagiert, kann in den belasteten Monaten auf die Kanarischen Inseln ausweichen. Denn hier stehen nicht nur Sonne, Strand und Meer auf dem Programm: Auf den Kanarischen Inseln sind Birkenpollen wie im südlichen Mittelmeerraum kaum nachweisbar. Das Gleiche gilt für viele weitere Pollen, die typisch für deutsche Gefilde sind. Darüber hinaus sind die vor der afrikanischen Küste liegenden Inseln so vielseitig, dass sie sowohl für Familien-, Aktiv- als auch für Party-Urlauber eine Menge zu bieten haben. Wer mag, bucht eine Kreuzfahrt in der Region. Schiffsreisende laufen viele verschiedene Häfen an, bekommen einiges zu sehen und sind gleichzeitig von frischer Meeresluft umgeben.

Hochgurgl und Obergurgl in Tirol

Der kleine Ferienort Hochgurgl ist auf 2.150 Meter Höhe inmitten der Ötztaler Alpen gelegen und bietet somit die perfekte Höhenluft für Allergiker. Vor allem wer auf Hausstaubmilben reagiert, ist hier richtig. Denn diese kommen ab 1.500 Höhenmetern praktisch gar nicht mehr vor – gleiches gilt für Schimmelpilzsporen. Dazu kommt eine vergleichsweise geringe Pollenbelastung. So können allergiegeplagte Urlauber entspannt durchatmen und die traumhaft schöne Berglandschaft bei einem entspannten Wanderurlaub genießen. Wer mehr Trubel sucht, wird im benachbarten Obergurgl auf 1.930 Meter Höhe fündig.

Die Atlantikküste

Sonnenhungrige Pollenallergiker können auch die spanische, französische oder portugiesische Atlantikküste ansteuern, wie zum Beispiel die Algarve. Denn hier trifft der Wind vom Meer aus aufs Land, sodass sie auf deutlich bessere Bedingungen als im Inland stoßen. Außerdem hilft das Meerwasser bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis. Und bei langen Strandspaziergängen können auch Schnupfnasen wieder tief durchatmen. Wer auf Hausstaubmilben reagiert, steuert aber lieber die Nordsee oder das Hochgebirge an.

Bad Hindelang im Allgäu
Bad Hindelang wurde bereits zwei Mal als „allergikerfreundliche Gemeinde“ zertifiziert. Der Ort hat sich komplett auf die Bedürfnisse betroffener Menschen eingestellt – mehr als hundert Unternehmen beteiligen sich mit Angeboten an einem ensprechenden Modellprojekt. Außerdem ist das Heilklima des Allgäuer Kurortes perfekt für Allergiegeplagte geeignet – dank der Höhenlage der Ortsteile Oberjoch und Unterjoch ist die Luft frei von Hausstaubmilben und arm an Pollen- sowie Schimmelpilzsporen.

 

Spanien: Menorca, die herbe Schöne

Menorca, die kleine Schwester von Mallorca fasziniert mit immergrüner Vegetation, breiten Sandstränden und Traumbuchten – und ist trotzdem nie überlaufen.

Es ist fast wie in Rio, sagt Jutta Vaupel mit einem Augenzwinkern. Zwar ragt der Monte Toro nur unspektakuläre 358 Meter in den Himmel, aber wie in der Brasilianischen Metropole breitet auch hier eine große Christusstatue schützend ihre Arme aus. Weit geht der Blick über die von dichtem Grün bewachsene Insel, über weiße Dörfer und Buchten, über Steilküsten an denen die Brandung glitzernde Streifen zaubert. Für Jutta Vaupel war es Liebe auf den ersten Blick, als sie vor zwanzig Jahren das erste Mal nach Menorca kam. Viele Jahre war sie als Mitarbeiterin eines großen Touristikunternehmens durch die Welt gereist. Doch die landschaftliche Vielfalt der Insel, die seit 1993 UNESCO- Biosphärenreservat ist,  faszinierte sie. Und so blieb sie. Die Insel ist ein kleiner verborgener Schatz, schwärmt die temperamentvolle Frau. Mit Begeisterung und viel Sachkenntnis führt sie nun bei Wander-, Natur- und Kulturreisen -Gäste von Wikinger Reisen  über die Insel.

Verglichen mit ihrer großen Schwester ist Menorca überschaubar: 50 Kilometer lang, 20 Kilometer breit,  flach und ruhig. Eine Mosaiklandschaft aus sanft gewellten Hügeln, gelbbraunen Ackerflächen und saftigen Wiesen auf denen rotbraune Kühe weiden, mit Steineichen- und knorrigen Pinienwäldern, mit einsamen Tälern und Trockensteinmauern, die seit Jahrhunderten das Land wie ein Spinnennetz überziehen. Mehr als 20.000 Kilometer sollen es sein, weiß Jutta. Ein großer katalanischer Schriftsteller habe einmal gesagt, wer ein Land kennen lernen möchte, müsse dies zu Fuß tun. Deshalb wandert sie mit den Gästen besonders gern auf den Spuren des Cami de Cavallas, dem sogenannten „Pferdeweg“. Dieser historische Küstenweg, der die ganze Insel umrundet, ist seit 2010 wieder voll begehbar. Ein Traumpfad für Wanderer, der an der wilden Nordküste zum Cap de Cavalleria führt. Neunzig Meter hohe Felswände stürzen hier senkrecht ins Meer, tief unten tost die Brandung gegen die Klippen und die kleinen vorgelagerten Inselchen. An stürmischen Tagen, wenn der Tramontana über das Land fegt und das Meer zu gewaltigen Wellen aufpeitscht, beugen sich auch Bäume und Mastixsträucher der Naturgewalt dieses Nordwindes, erzählt die Reiseleiterin. Nicht von ungefähr werde Menorca auch Insel des Windes genannt, der in zahlreichen Liedern besungen wird. An ruhigen Tagen finden Wanderer hier eine ursprüngliche Landschaft mit weiten Buchten und breiten, menschenleeren Sandstränden, die zum Baden einladen.

Lieblich präsentiert sich die Inselküste  im Süden. Mit kleinen, versteckten Buchten, zu denen schmale Wege durch Kiefernwälder führen. Zwei der Schönsten sind Cala Galdana und Cala Macarella, zu denen auch eine Wanderung auf dem  Cami de Cavallas führt: puderzucker feiner Sandstrand, türkisfarbenes Wasser, auf dem sich weiße Segelboots sacht wiegen. Und das Ganz eingerahmt von steilen, mit üppigem Grün bewachsenen Felshängen. Traumbuchten – und eine Oase der Stille. Nur eine Hauptstraße führt von der Inselhauptstadt Mahon westwärts nach Ciutadella, deren Altstadt als eine der schönsten Spaniens gepriesen wird. Adelspaläste und herrschaftliche Stadthäuser umgeben die Placa des Bors, einem beliebten Treffpunkt der Menorkiner mit Blick auf den romantischen Hafen. Den größten Hafen des Mittelmeeres zu haben, darf sich Mahon, das auf katalonisch Mao heißt, rühmen. Jutta empfiehlt die ausgedehnte Hafenrundfahrt, bei der die Geschichte und Geschichten der Insel lebendig werden. Beim gemeinsamen Bummel durch das historische Zentrum und das malerische Hafenviertel mit seinen kleinen, dicht an den Fels gebauten Häusern, den zahlreichen Restaurants, Cafes und Musikkneipen erinnert vieles an die Zeit der englischen Besatzung in 18. Jahrhundert. Bei Urlaubern besonders beliebt ist Fornells an der Nordküste . Das einstige Fischerdorf hat sich zu einem bezaubernden Ferienort gemausert, der auch gern von spanischen Adelsfamilien besucht wird, weiß die Reiseleiterin. Vor den Tamontana-Winden geschützt liegt es an der breiten Bucht von Fornells. Ein Hauch von mediterranem Flair scheint durch die schmalen Gassen mit ihren schneeweißen Häusern und kleinen Geschäften zu schweben. Am palmengeschmückten Boulevard locken zahlreiche Restaurants, in denen auch die Calderata de Langusta,  eine berühmte Spezialität Menorcas, angeboten wird.

Unweit von Fornells erstreckt sich im Herzen des Reservats der Naturpark Albufera des Grau. Ein Anziehungspunkt für Wanderer, Naturfreunde und Vogelkundler, das wichtigste Feuchtgebiet Menorcas mit Wiesen, Seen und Sumpfgebieten, mit Kieferwäldern, wilden Olivenhainen und einer 70 Hektar großen Lagune. An ausgeschilderten Wanderwegen informieren Schautafeln über Flora und Fauna. Besonders reizvoll sei ein Spaziergang am späten Nachmittag und beim Sonnenuntergang, empfiehlt Jutta Vaupel. Den spektakulärsten Sundown könne man jedoch an der Cova dén Xoroi südlich von Alaicor erleben. Die Natursteinhöhle in den Steilklippen hoch über dem Meer ist tagsüber Bar, abends Restaurant und nachts Disko. Doch es sei atemberaubend, auf der Terrasse zu erleben wenn der rotglühende Sonnenball ins Meer eintaucht.

Christel Seiffert

 

 

 

Spanien: Kastilien-La Mancha feiert den 400. Todestag von El Greco

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Am 7. April 2014 jährt sich der 400. Todestag von El Greco, der 1541 als Doménico Theotocópuli auf Kreta geboren wurde. Wie kaum ein anderer Maler hat El Greco über Jahrhunderte hinweg das internationale Kunstschaffen beeinflusst. Nach seiner Ausbildung in Padua, Vicenza, Verona, Parma, Florenz und Rom zog er 1577 nach Madrid, in der Hoffnung eine Anstellung beim Spanischen Hof zu finden und an der malerischen Ausgestaltung des Escorial beteiligt zu werden. Auf Einladung von Diego de Castilla gelangte er dann nach Toledo, um dort das Altarbild für die Kirche Santo Domingo zu erschaffen.

In den ersten Jahren seines Aufenthalts konzentrierte sich sein Schaffen, das immer eng mit religiösen Themen verbunden war, auf Klöster, Kirchen und Kapellen. Heute sind seine Gemälde in verschiedenen Gebäuden in der Altstadt von Toledo zu bewundern. Bei einem Besuch des El Greco-Museums, der Kirche Santo Tomé, des Klosters Santo Domingo el Antiguo, des Hospital de Tavera, der Sakristei der Kathedrale von Toledo, der Kapelle San José und des Museums von Santa Cruz begeben sich die Kunstinteressenten auf eine kunsthistorische Zeitreise, die sie in viele verschiedene Kulturen und Epochen eintauchen lässt.

Toledo. Vista general

Toledo, die heutige Hauptstadt der Autonomen Region Kastilien-La Mancha und bis zum sechzehnten Jahrhundert die ehemalige Hauptstadt Spaniens, hatte schon immer zentrale politische und kirchliche Bedeutung. Sie trägt auch den Beinamen „Stadt der drei Kulturen“, der auf das friedliche Zusammenleben von Muslimen, Christen und Juden über Jahrhunderte hinweg zurückzuführen ist und zu einem noch heute sichtbaren kulturellen Austausch geführt hat. Römer, Westgoten, Mauren, sephardische Juden, Baumeister der Gotik und der Renaissance haben Toledo geprägt.

1561 verlagerte König Philipp II. den spanischen Hof nach Madrid. Für Toledo begann eine Zeit des politischen Niedergangs, in der die sich Stadt des Herrschers in eine Stadt Gottes wandelte. Sie stand unter dem Schutz der Heiligen, die El Greco in seinen Bildern verewigte.

Der Einfluss El Grecos auch auf deutsche moderne Maler wie Max Beckmann, Oskar Kokoschka, Max Oppenheimer oder Ludwig Meidner zeigte eine Ausstellung des Düsseldorfer Museums Kunstpalast im Jahr 2012.

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Für das Jubiläumsjahr 2014 ist eine Reihe von Ausstellungen in ganz Spanien geplant, um dem Tod des Künstlers vor 400 Jahren zu gedenken:

– In Kulturzentrum von San Marcos in Toledo findet vom 21. Februar bis zum 14. Juni die Ausstellung ToledoContemporánea – Streifzüge durch das zeitgenössische Toledo in Zusammenarbeit mit dem Cervantes-Institut statt.

– Das Museum Santa Cruz in Toledo präsentiert vom 31. März bis zum 14. Juni den „Griechen von Toledo“

– Das Museo del Prado (Madrid) eröffnet das El Greco-Jahr mit der Ausstellung “Die Bibliothek von El Greco” vom 31. März bis zum 21. Juni. Danach ist die Ausstellung „El Greco und die Moderne Malerei“ mit Werken von Édouard Manet, Paul Cézanne und Paul Picasso vom 24. Juni bis 5. Oktober zu sehen.

– „Zwischen Himmel und Erde: 12 Ansichten auf El Greco, 400 Jahre später“ ist der Titel einer Ausstellung, die vom 5. Juni bis 31. August im Staatlichen Skulpturenmuseum von Valladolid und dann von September bis November in der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid gezeigt wird.

– Mit dem Thema „El Greco: Kunst und Handwerk“ beschäftigt sich das Museum Santa Cruz in Toledo vom 8.September bis 9. Dezember

– Unter dem Konzept „El Greco-Räume“ sind wichtige Gemälde von El Greco in der Sakristei der Kathedrale, im Hospital Tavera, in der Kirche Santo Tomé, dem Kloster Santo Domingo und der Kapelle San José vereinigt.

– Das Greco-Museum in Toledo steht den Besuchern das ganze Jahr über offen, um sich einen Überblick über den Hauptvertreter des spanischen Manierismus zu verschaffen.

Toledo. Catedral - Naves laterales Meridionales

 

 

Spanien: Melilla – eine Stadt zwischen zwei Kontinenten

Plaza de Espana  Foto: Christel Seiffert

Ein kleines Stück Spanien in Nordafrika. Seit mehr als 500 Jahren ist Melilla eine europäische Enklave in Marokko – eine autonome Stadt, die die Mysterien Afrikas und Geschichte Spaniens in sich vereint.

Auf einem Felssporn hoch über der Stadt erhebt sich „El Pueblo“, das Dorf, wie die Einwohner Melillas liebevoll ihre Altstadt nennen. Die von einer gewaltigen Mauer umschlossene Zitadelle wurde im 15. Jahrhundert auf den Resten einer alten Stadt erbaut. Mit seinen Festungen und Kanonen, Bastionen und Kasernen erinnert der monumentale Komplex auf Schritt und Tritt an seine militärische Vergangenheit. Es macht Spaß, durch das Gewirr der winkligen Gassen, Tunnel, Gänge und kleinen Plätzen zu schlendern und es lohnt sich eines der Museen zu besuchen. Hier oben bewahrt Melilla die Dokumente seines reichen geschichtlichen Erbes auf – im Zentralen Archiv der Stadt, dem Archäologischen- und Geschichtsmuseum und im Militärmuseum. Noch immer wird in „El Pueblo“ gewohnt, spielen Kinder auf den Plätzen und in den Kellergewölben des eleganten Restaurante La Roca kann man sich mit Meeresfrüchten verwöhnen lassen. Während tief unten das Meer gegen die Felsen schäumt, geht der Blick weit über die Stadt, den Hafen und die Uferpromenade.

Jugendstil-Fassade La Reconquista Foto: Christel Seiffert

Melilla ist eine kleine, große Stadt mit einem ganz eigenen Charakter und Charme. Auf wenig mehr als 12 Quadratkilometern leben vier Kulturkreise friedlich nebeneinander – es gibt das christliche, islamische, jüdische und das kleine indische Melilla. Diese kulturelle Vielfalt prägt das Bild der Stadt. Dicht beieinander liegen Kirchen, eine Synagoge, die Zentrale Moschee, der kleine hinduistische Tempel. Und so begegnet man in den Straßen mit ihren Teestuben, kleinen Läden und Geschäften mit internationalem Angebot  Frauen mit Minirock und Stilettos, verschleiert oder in arabischen Gewändern – und Männern mit Turban oder in der traditionellen Dschelleba. Im Mercado Central vereinen sich Magie und Zauber eines afrikanischen Basars mit den Vorteilen eines großstädtischen Marktes. Und in der Luft schwebt der Duft von Gewürzen, Sandelholz und Weihrauch.

Lebendiger Mittelpunkt der Stadt ist der kreisrunde Plaza de Espana mit dem Palacio de la Asamblea, in dem heute das Parlament seinen Sitz hat. Eine grüne Oase ist der weitläufige und kunstvoll angelegte Park Hemandez, der mit seinem Palmenboulevard, exotischen Pflanzen, Springbrunnen und Bänken zum genießen und verweilen einlädt. Doch das Schönste in der Stadt sind ihre herrlichen Gebäude im Art-Deco-Stil.Jugendstil-Fassade La Reconquista Foto: Christel Seiffert

Mehr als neunhundert sollen es sein. Sie haben Melillas Ruf begründet, die nach Barcelona zweitwichtigste Stadt des Jugendstils in Spanien zu sein. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden diese prestigeträchtigen Häuser, Paläste und offiziellen Gebäude, deren Fassaden mit floralen Schmuckelementen, Frauenköpfen und Tiersilhouetten verziert sind. Beim schlendern durch die Straßen wird der Blick immer wieder gefangen von den ganz unterschiedlichen Fassaden, die frisch restauriert in pastelligem Glanz erstrahlen. Viele der herrschaftlichen Häuser wurden von dem bekannten Enrique Nieto, einem Schüler Gaudis, entworfen, der später von 1931-1941 Stadtarchitekt in Melilla war.  Auch das prächtige Gebäude des ehemaligen Warenhauses La Reconquista an der Ecke der Avenida Juan Carlos, stammt von ihm. Davor steht die Skulptur eines Mannes mit Zeichenblock und Papierrolle, die an Enrique Nieto erinnern soll.

Palmenboulevard am Hafen  Foto: Christel Seiffert

Entlang der Küste erstreckt sich die Neustadt mit mehrspurigen Straßen, modernen Wohnkomplexen, Stierkampfarena und Sportpalast. An dem zwei Kilometer langen feinsandigen Strand ist viel Platz für Sonnenhungrige und es gibt Angebote für Wassersportler jeder Art. Doch Melilla hat auch eine andere Seite, die dem Gast auf den ersten Blick meist verborgen bleibt. Mit einem zwölf Kilometer langen und sieben Meter hohen Dreifachzaun schützt sich die kleine Enklave in Marokko vor illegalen Einwanderern. Dennoch gelingt es Flüchtlingen immer wieder, das abschreckende Bollwerk zu überwinden – das Aufnahmelager ist überfüllt.  

Christel Seiffert