Frankreich: Südseefeeling in der Bretagne

 Blick auf Benodet  Foto: Christel Seiffert

Nach schroffen Klippen und wilder Brandung im Norden zeigt die Küste der Bretagne im Südwesten ihr sanftes Gesicht – mit langen Sandstränden, idyllischen Buchten und karibischem Flair

 „Mit seinem Klima, seinen Feigenbäumen und seinem klaren Himmel erinnert es an Cote d´Azur“, schwärmte der Dichter Guillaume Apollinaire 1917 über das Seebad Bénodet. Auch Maler wie Paul Gauguin und Eugene Boudin, Schriftsteller wie Emile Zola und Marcel Proust fühlten sich vom mediterranen Charme der Küste des Lichts angezogen. Weit mehr als Hundert Jahre ist es her, dass aus dem Fischerdorf ein moderner Badeort wurde, der sich dank seiner überschaubaren Größe eine persönliche Note bewahrt hat. Keine Bettenburgen sondern kleine Hotels und charmante Ferienhäuser, ein Kasino, ein Zentrum für Thalassotherapie mit beheiztem Meereswasserschwimmbad, das Meeresmuseum und ein großer Yachthafen locken Gäste aus aller Welt an.

Den schönsten Blick auf Bénodet hat man von der Cornouaille-Brücke, die 610 Meter lang den Odet überspannt, der hier in den Atlantik mündet. Das Panorama ist atemberaubend: eingebettet in das Grün der Wälder erstrahlen kleine Häuser in schneeigem Weiß unter einem pastellfarbenen Himmel. Die Sonne zaubert glitzernde Lichter auf das in tiefem Blau schimmernde Meer, auf dem hunderte Segelboote wie weiße Tupfer schweben. Kein Maler könnte dieses Bild schöner komponieren. An vier Stränden sind dem Badevergnügen keine Grenzen gesetzt. Beliebt bei Familien ist der breite Sandstrand Le Trez, von Felsen gesäumt der von Saint Gilles, Le Letty liegt an einer natürlichen Lagune und der kleine Strand am Leuchtturm Le Cog, der im Abendlicht goldfarben schimmert.

Foto: Christel Seiffert

Ein schöner Meeresboulevard führt hinunter bis zum Fährhafen, vorbei an der prächtigen weißen Villa im marokkanischen Stil, die einst für den Pascha von Marrakesch erbaut wurde. Rings um den Hafen bieten zahlreiche Restaurants neben Gaumen- und Augenschmaus auch Meerblick. Beliebt als Mittagstisch ist Crépes, das Nationalgericht der Bretonen. In der Créperie Ker Bonne Aventure, der sogenannten Piratenkneipe, kann man wählen unter 31 verschiedenen herzhaften Crépes, die ausschließlich aus Buchweizen hergestellt werden. Auch bei den süßen Crépes aus Weizenmehl mit Füllungen aus Maronencreme oder Erdbeer- und anderen Konfitüren ist das Angebot riesig. Ein kulinarisches Highlight ist die „Plat de Fruits de Mer“ – mit sechs Sorten Muschen und Schalentieren, die auf einem Bett aus Eis und Algen serviert werden.

Foto: Christel Seiffert

Apropos Crépes: unverzichtbar ist ein Abstecher zur „Biscuiterie Francois Garrec“. Dort kann hinter Glas beobachtet werden, wie Crépes und bretonisches Gebäck in Handarbeit hergestellt werden. Kosten sollte man unbedingt den berühmten Butterkuchen „Kongin Amanu“, der köstlich schmeckt aber leider sehr kalorienreich ist. Und wer ein typisch bretonisches Souvenir sucht, wie z.B. den Bol – eine Kaffeeschale mit dem eigenen Vornamen – hat hier die Qual der Wahl. Es heißt, jeder Bretone habe seinen eigenen Bol, und der ist oftmals schon das erste Geschenk nach der Geburt eines neuen Familienmitglieds.  

Reizvoll ist auch die Umgebung von Bénodet. Eine Fahrt auf dem Odet – die Bretonen preisen ihn als den schönsten Fluss Frankreichs – gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen. Majestätisch schlängelt sich der Fluss durch bewaldete Ufer, vorbei an kleinen Herrensitzen oder Schlössern versteckt im Grün, an alten Mühlen und stillen Buchten. Zwei Stunden dauert die Schiffsreise bis Quimpere, der alten Hauptstadt der Cornauaille. Schon von Weitem sind die grazilen Türme der Kathedrale St. Corentin zu sehen.

Kathedrale von Quimpere  Foto: Christel Seiffert Beim Bummel durch die restaurierte Altstadt wird der Blick immer wieder von den Fachwerkhäusern aus dem 14.-18. Jahrhundert gefangen. Die schönsten und ältesten Erkerhäuser säumen die Rue Kreon, die zur gotischen St. Corentin führt, eine der größten und prächtigsten Kathedralen der Bretagne. Mittelalterliche Atmosphäre bietet auch das Städtchen Concarneau, eine knappe Autostunde östlich von Bénodet. Wie eine schwimmende Festung liegt die berühmte Altstadt in dem großen Fischereihafen. Hinter den Wällen der 350 Meter langen und hundert Meter breiten La Ville Close tobt tagsüber touristischer Trubel. Durch die engen Gassen mit ihren zahlreichen Geschäften, Souvenirläden, Restaurants und Créperien drängen sich die Besucher. Beim Gang auf der Stadtmauer geht der Blick weit über den Hafen. Besonders im August wimmelt es in Concarneau von Touristen aus nah und fern, denn das Féte des Filet Bleus, das Fest der blauen Netze, ist eines der ältesten und schönsten Volksfeste der Bretagne. Höhepunkt dieses großen Sommerspektakels mit vielen Veranstaltungen ist die Parade der Trachtengruppen, bei der die Frauen stolz ihre herrlichen bretonischen Spitzen und weißen Spitzenhäubchen tragen.

Glénan-Inseln Foto: Christel SeiffertKaribisches Flair verspricht ein Ausflug zu den Glénan-Inseln. 18 Kilometer vor dem Festland erstreckt sich der Archipel aus zahlreichen kleinen und fünf größeren Inseln. Von April bis September ist St. Nicolas – die größte und einzige mit einem Hafen – das Ziel vieler Tagesausflügler. Etwa eine Stunde dauert die Überfahrt, bei der die Besucher per Bordfunk viele Informationen über die unter Naturschutz stehende Inseln erhalten. Auch von Kommissar Dupin ist dann die Rede, denn seit er auf den Glénan-Inseln „ermittelt“, wollen immer mehr begeisterte Leser aus Deutschland seinen Spuren folgen. „Bretonische Verhältnisse“ und „Bretonische Brandung“ sind nicht nur zwei raffinierte Krimis von Jean-Luc Bannalec, sondern gleichzeitig eine Liebeserklärung des Autors an die Schönheit dieser Inselwelt. Nur die Hauptinsel St. Nicolas ist bewohnt, doch es gibt kein Hotel, keinen Campingplatz, nur ein Restaurant – eben Natur pur. Ein Bohlenweg führt durch Dünen rund um das Eiland und mitten hinein in viel weißen Sandstrand und kristallklares Wasser, das im Sonnenschein smaragdgrün erstrahlt. Weit geht der Blick über die Lagune zu den anderen Atollen, an denen bunte Fischerboote und Segeljachten Anker geworfen haben. Spätestens dann stellt es sich ein –  das Südseefeeling in der Bretagne.

Text und Fotos: Christel Seiffert

Frankreich: Unbekannte architektonische Visionen

vue aérienne

Fast andächtig nähere ich mich der Königlichen Saline von Arc-et-Senans in der französischen Region Franche-Comté nahe der Schweizer Grenze. Das Ensemble, das heute zum Weltkulturerbe zählt, beeindruckt durch rationale Linienführung und erhabene Größe. Durch einen monumentalen Portalbau, mit einem von massiven Säulen getragenen Architrav mit glattem Schaft und dorischen Kapitellen, die von der griechischen Antike inspiriert sind, gelange ich in das Innere der Anlage.

Hier wurden Visionen Realität. Die Königliche Saline von Arc-et-Senans wurde im 18. Jahrhundert vom berühmten Architekten Claude Nicolas Ledoux unter Ludwig XV. gebaut. Schon im Mittelalter wurde im zwanzig Kilometer entfernten Salins, Salz aus salzhaltigen Quellen gewonnen. Da jedoch viel Brennstoff zum Verdampfen des Wassers nötig war, entschloss man sich das Wasser auf Reisen zu schicken, und eine neue Saline in der Nähe immenser Holzvorkommen zu bauen: Elf Gebäude in einem perfekten Halbkreis. Mit Siedewerken, Haus des Direktors und Verwaltungs- und Salzsteuergebäuden.

Maison du directeur

Ich halte mich links und werde sofort von einer spannenden Ausstellung im Böttcherhaus angezogen: Modelle des Architekten Claude Nicolas Ledoux, die zu seinen Lebzeiten verwirklicht wurden: Herrenhäuser, Theater, das letztendlich bewilligte Projekt der Saline. Im zweiten Flügel, die von Ledoux erträumten Projekte, wie sie in seiner 1804 erschienenen Abhandlung der Architektur dargestellt werden, nachdem er der Guillotine, nicht aber dem Gefängnis von 1793 bis 1795 entkommen war. Die Modelle zeigen traumhafte oder utopische Projekte, die Idee einer »idealen Stadt«. Diese sprudelnde Vorstellungskraft ist die eines Mannes, der nicht mehr den Druck der zu realisierenden Bauten oder der zu erfüllenden Aufträge hat, und der der Nachwelt alle Facetten seines schöpferischen Geistes vermachen will.

Ein paar Schritte weiter symbolisiert ein Okulusfenster im monumentalen Haus des Direktors, die Allwissenheit und Macht der Obrigkeit. Wohnungen des Direktors und des Finanzverwalters; im Erdgeschoss Versammlungsräume, Verwaltung, Gerichts- und Bankwesen. Die Hausangestellten wohnten in der obersten Etage. Die wuchtige Treppe, die die Form eines Schiffes annimmt und die Mitte des Gebäudes einnimmt, führte zu einer Kapelle wo sonntags die Messe vor der gesamten Belegschaft gefeiert wurde. Der Gottesdienst spiegelte das soziale Organisationssystem der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts wieder. Heute informiert hier eine fesselnde Ausstellung über die Gewinnung, Bedeutung und den Gebrauch von Salz. Jetzt erst wird mir klar, was Salz mit Käse zu tun hat. Jetzt erst wird mir der enorme Wert des Salzes bewusst. Erst jetzt verstehe ich, warum es eine Salzsteuer gab und warum die ganze Anlage von einer hohen Mauer umgeben ist.

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Die beiden ehemaligen Siedewerke haben mit 1.890 und 1.100 m², beeindruckende Dimensionen. Heutzutage finden hier Wechselausstellungen, Aufführungen oder aber Seminare und Tagungen statt.

Auch die ehemaligen Gemüsegärten der Salzarbeiter innerhalb der Anlage sind sehenswert: Gartenfestivals lassen die Besucher durch Blumen- und Pflanzenwelten schreiten, die von 300 Gärtnern aus Burgund und der Franche-Comté angelegt werden.

Nun ins nahe gelegene Restaurant. Wer jetzt eine »gesalzene Rechnung« für ausgezeichnete französische Küche erwartet, der war noch nicht in der Franche-Comté.

Jörg Hartwig

Service: Urlaub von der Allergie

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Tipps zu den schönsten Ferienzielen für Allergiker

Die Sonne scheint, ein leichtes Lüftchen weht – doch nicht jeder kann sich über das aktuell so schöne Wetter freuen. Denn für viele Menschen geht es mit juckenden Augen, einer laufenden Nase und Niesattacken einher. Im Frühjahr und Sommer herrscht Pollenalarm. Laut Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes leiden 16 Prozent der Deutschen unter Heuschnupfen. Und manche Menschen haben über das ganze Jahr hindurch mit Allergenen wie zum Beispiel Hausstaubmilben zu kämpfen. „Allergien bestimmen den Alltag vieler Menschen“, so Christina Bathmann, Sprecherin von Travelzoo® Deutschland. „Unsere Reiseangebots-Experten haben dies zum Anlass genommen, eine Liste mit den schönsten Reisezielen für Pollen- und Hausstaub-Allergiker zusammenzustellen. So bringt der Urlaub die verdiente Erholung und wird nicht von der Allergie überschattet.“

Die Ostfriesischen Inseln

Die Ostfriesischen Inseln sind das ideale Reiseziel für Pollenallergiker. Denn die jodhaltige Meeresluft wirkt auf gestresste Atemwege wie eine Dauerinhalation. Außerdem weht der Wind hier überwiegend vom Meer aus landeinwärts und Pollen haben kaum eine Chance. Viele der ansässigen Kur-Kliniken haben sich auf die Bedürfnisse von Heuschnupfen-, Asthma- und Neurodermitis-Kranken eingestellt. Außerdem können Urlauber bei ausgedehnten Strandspaziergängen entspannen. Auch Sylt und die anderen Nordfriesischen Inseln sind sehr gut als Ferienregion für Allergiker geeignet.

Die Kanarischen Inseln

Wer allergisch auf Birkenpollen reagiert, kann in den belasteten Monaten auf die Kanarischen Inseln ausweichen. Denn hier stehen nicht nur Sonne, Strand und Meer auf dem Programm: Auf den Kanarischen Inseln sind Birkenpollen wie im südlichen Mittelmeerraum kaum nachweisbar. Das Gleiche gilt für viele weitere Pollen, die typisch für deutsche Gefilde sind. Darüber hinaus sind die vor der afrikanischen Küste liegenden Inseln so vielseitig, dass sie sowohl für Familien-, Aktiv- als auch für Party-Urlauber eine Menge zu bieten haben. Wer mag, bucht eine Kreuzfahrt in der Region. Schiffsreisende laufen viele verschiedene Häfen an, bekommen einiges zu sehen und sind gleichzeitig von frischer Meeresluft umgeben.

Hochgurgl und Obergurgl in Tirol

Der kleine Ferienort Hochgurgl ist auf 2.150 Meter Höhe inmitten der Ötztaler Alpen gelegen und bietet somit die perfekte Höhenluft für Allergiker. Vor allem wer auf Hausstaubmilben reagiert, ist hier richtig. Denn diese kommen ab 1.500 Höhenmetern praktisch gar nicht mehr vor – gleiches gilt für Schimmelpilzsporen. Dazu kommt eine vergleichsweise geringe Pollenbelastung. So können allergiegeplagte Urlauber entspannt durchatmen und die traumhaft schöne Berglandschaft bei einem entspannten Wanderurlaub genießen. Wer mehr Trubel sucht, wird im benachbarten Obergurgl auf 1.930 Meter Höhe fündig.

Die Atlantikküste

Sonnenhungrige Pollenallergiker können auch die spanische, französische oder portugiesische Atlantikküste ansteuern, wie zum Beispiel die Algarve. Denn hier trifft der Wind vom Meer aus aufs Land, sodass sie auf deutlich bessere Bedingungen als im Inland stoßen. Außerdem hilft das Meerwasser bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis. Und bei langen Strandspaziergängen können auch Schnupfnasen wieder tief durchatmen. Wer auf Hausstaubmilben reagiert, steuert aber lieber die Nordsee oder das Hochgebirge an.

Bad Hindelang im Allgäu
Bad Hindelang wurde bereits zwei Mal als „allergikerfreundliche Gemeinde“ zertifiziert. Der Ort hat sich komplett auf die Bedürfnisse betroffener Menschen eingestellt – mehr als hundert Unternehmen beteiligen sich mit Angeboten an einem ensprechenden Modellprojekt. Außerdem ist das Heilklima des Allgäuer Kurortes perfekt für Allergiegeplagte geeignet – dank der Höhenlage der Ortsteile Oberjoch und Unterjoch ist die Luft frei von Hausstaubmilben und arm an Pollen- sowie Schimmelpilzsporen.

 

Frankreich: La Rochelle, die schöne Rebellin

La Rochelle HafenDie charmante Hafenstadt La Rochelle wurde im 10. Jahrhundert gegründet und war zunächst ein Fischerdorf, das aufgrund des Wein- und Salzhandels ab dem 12. Jh. an Bedeutung gewann. Der Hafen von La Rochelle gehört heute zu den schönsten Atlantik-Häfen Frankreichs. Historische Reederhäuser mit Restaurants und Cafés säumen die Uferpromenaden. Die drei Türme der Stadt, Saint-Nicolas, Chaîne und Lanterne, sind die Überreste der Befestigungen der Stadt. Der Tour de la Chaîne und der Tour Saint-Nicolas wurden im 14. Jahrhundert gebaut und verteidigten den Eingang des Hafens. Der Tour de La Lanterne aus dem 15. Jahrhundert diente als Landmarke, Leuchtturm und Gefängnis. Er unterscheidet sich von den beiden Hafentürmen durch seine gotische Spitze. Von seiner fast 300-jährigen Funktion als Gefängnis zeugen etwa 600 Wandmalereien von spanischen, holländischen und britischen Gefangenen. Die malerische Altstadt der Hugenotten- und Protestanten-Hochburg ist geprägt von mittelalterlichen Häusern und prächtigen Patrizier-Villen, deren Fassaden mit Wasserspeiern und steinernen Köpfen geschmückt sind. Auch das Rathaus der Stadt, ein imposanter Renaissancepalast, erbaut von König Heinrich IV., sowie der Justizpalast und das Hôtel de la Bourse, beides eindrucksvolle klassizistische Bauwerke auf dem 18. Jahrhundert, sind einen Besuch wert.  Schmale Gassen und geheimnisvolle Passagen führen zu versteckten Plätzen und Hinterhöfen. Die rue de l’Escale wirkt wie eine Zeitmaschine: Man fühlt sich um Jahrhunderte zurückversetzt. Der Bischöfliche Palast aus der Zeit Ludwig XVI. beherbergt das sehenswerte Musée-des-Beaux-Arts, das in erster Linie der Malerei des 15. bis 19. Jahrhunderts gewidmet ist. Eine Pause legt man am besten in dem schönen Jugendstil-Café „Café de la Paix“ ein. Hier war der Schriftsteller Georges Simenon Stammgast.

Info: www.poitou-charentes-vacances.com

Frankreich: Elsässischer Wein

 

Elsässischer Wein zur traditionellen Küche ist ein Muss. Über 170 Kilometer schlängelt sich die  Weinstraße am Rhein an der französisch-deutschen Grenze entlang und bietet köstliche Tropfen. Weiter im Norden liegt die kleine Weinstraße mit der nördlichsten Weinlage des Elsass in Cleebourg, nur wenige Kilometer von Rheinland-Pfalz entfernt.  Und dort ist eine von zehn Weinbruderschaften des Elsass zu finden.

„Lupfet s’Glasl bis zur Nasl, trinket noch en gute Schluck, Gsundheit.“ Die Mitglieder der Weinbruderschaft in Cleebourg, in grüne Mäntel und weiße Handschuhe gehüllt und mit einem schwarzen Hut geziert, singen ihren Trinkspruch aus voller Kehle. Und mit Begeisterung. Die vier Orte Cleebourg, Oberhoffen, Rott und Steinseltz bilden die „Confrérie des Vins des  Quatre Bans“, die 1996 ins Leben gerufen wurde, um den nördlichsten Wein des Elsass bekannt zu machen. Und der kommt teilweise sogar aus Deutschland, denn einige Weinberge liegen nicht nur an, sondern direkt auf der Grenze in Schweigen, wo auch das deutsche Weintor steht.

Seit Jahrhunderten wird im Herzen des Naturparks der Vogesen, rund 60 Kilometer nördlich von Straßburg, ein edler Tropfen gekeltert. Die Wurzeln des traditionellen Weinanbaus im Pays de Wissembourg reichen zurück bis auf die Dominikanerabtei aus dem 13. Jahrhundert. „Schon damals verstanden es die Mönche, die geistige Nahrung mit den Freuden des Leben zu vereinen“, lächelt Richard Juncker. Er weiß, wovon er spricht, seit drei Jahrzehnten ist er Kellermeister der Genossenschaft. Die ersten, die bei Cleebourg Wein anbauten, waren allerdings  im 8. Jahrhundert die Benediktiner.

Zwar blieb auch das Elsass und die Gegend rund um Wissembourg nicht vor der Reblaus verschont, doch sorgten ein  mildes Klima und der lehm- und mergelhaltige Boden für eine fruchtbare und ertragreiche Arbeit der Winzer. 1946 taten sich Anbauer  mit einer Rebfläche von 70 Hektar schließlich zu einer Genossenschaft zusammen, die im Laufe der Jahre mehr und mehr ausgebaut wurde. Heute werden 200 Hektar Fläche bewirtschaftet, vor allem mit den Reben  Auxerrois und Pinot Gris. Selbst Bioweine gibt es mittlerweile rund um Cleebourg. Und die Klimaerwärmung schreckt die Winzer nicht: „Dadurch sind wir bald die einzigen, die noch typischen Elsässer Wein produzieren.“ Ausgewogene und harmonische Tropfen eben.

„Cleebourger Wein im Glasl is ä Pläsier für Zung‘ und Nasl“, findet Kellermeister Juncker, der sich bei einer Führung durch den Weinkeller und die neue Abfüllanlage gerne über die Schulter schauen lässt. Nach dem Einblick in die Vinifizierung und den Gang durch den Keller lädt er zur Weinprobe in der Empfangshalle. Im Ornat der Bruderschaft. Denn Juncker ist einer von 160 Mitgliedern der Bruderschaft, die sich als Botschafter des heimischen Tropfens sehen. Drei Stufen musste er wie alle Novizen bis zur Reife in der Vereinigung erklimmen. Will der Novize für würdig befunden werden, ein erleuchteter Bruder zu sein, muss er schließlich sechs Elsässer Weißweine bei einer Verkostung erkennen. Für richtige Weinkenner dürfte das mit etwas Übung zu schaffen sein. Der Bruderschaft kann übrigens jeder Interessierte beitreten.

Diana Seufert

Für die Besichtigung des Cleebouger Weinkellers sollte man sich unter www.cave-cleebourg.com anmelden. Dort sind auch die Öffnungszeiten und Infos zur Direktvermarktung zu finden.

Frankreich: Kunst und Kultur in Charleville-Mézières

 00 Festival Mondial des Marionnettes 2009 02 crédit photo Philippe Mangen

Charleville-Mézières in den Ardennen wird jetzt vom französischen Ministerium für Kultur mit dem begehrten Gütesiegel „Ville d’Art et d’Histoire“, Stadt für Kunst und Geschichte ausgezeichnet. In Deutschland kennt kaum jemand die 50.000-Einwohner-Doppelstadt an der belgischen Grenze. Wir haben uns dort einmal umgeschaut.

Unumgänglich ist der Herzogsplatz „Place Ducale“ im Zentrum von Charleville. Der ist so etwas wie die „gute Stube“ der Stadt, wo alle wichtigen Veranstaltungen vom Volksfest, über Demonstrationen bis zu Militärparaden stattfinden. Vor etwa 400 Jahren war hier noch freies Feld. Erst 1606 kam Herzog Charles de Gonzague auf den Gedanken seine neue Stadt „ex nihilo“, aus dem Nichts, zu gründen. Mit der Realisierung wurde der Architekt Clément Métezeau beauftragt. Jetzt erklärt sich auch unser „déjà vu“- Empfinden. Der Platz ähnelt der „Place des Vosges“ im Pariser Marais-Viertel, da die Architekten der beiden Plätze Brüder waren und sicherlich voneinander abgeguckt haben. 27 sogenannte „Pavillons“ im Stil Heinrich IV. säumen den Platz. Deren Aufbau vereint die Baumaterialien der Ardennen-Region: der rote Backstein wurde in Charleville gebrannt; der gelbe Sandstein, den die Engländer „honey-stone“ nennen, kam über die Maas von den 10 Kilometer flussaufwärts gelegenen Steinbrüchen in Dom-le-Mesnil; der Schiefer für die Dächer stammte aus dem Maastal und wurde ebenfalls per Schiff geliefert. Rund um den Platz befinden sich zahlreiche Bars und Restaurants. Doch bevor wir Charleville gastronomisch erkunden, geht es erst einmal zur Maas hinunter, die sich in mehreren Schleifen durch die Hauptstadt der französischen Ardennen schlängelt.

00 Place Ducale Charleville-Mézières crédit photo CRTCAHier ist in einer alten, prachtvollen Wassermühle aus dem 17. Jahrhundert, ein Museum für die berühmteste Persönlichkeit der Stadt untergebracht: Arthur Rimbaud! Der wurde 1854 geboren und ging als Dichterrebell in die Geschichte ein. Zärtlich ist er mit seinem Geburtsort nicht gerade umgegangen und hat über ihn in seinen Gedichten gelästert. Aber trotz weiter Reisen hat es den Dichter, Abenteurer und Waffenschmuggler immer wieder in seine Heimatstadt zurückgezogen, und seine letzte Ruhestätte findet sich unweit auf dem Friedhof am Ende der „Rue Boutet“. Rimbaud-Fans aus der ganzen Welt huldigen dort ihrem Idol. Am Eingang des Friedhofes gibt es sogar einen speziellen Briefkasten für Briefe an den „unsterblichen“ Poeten. Nicht nur das Museum in der alten Mühle ist Rimbaud gewidmet. Gleich auf der anderen Straßenseite ist dort, wo der Dichter in seiner Jugendzeit wohnte, ist die „Maison des Ailleurs“, das „Haus des Woanders seins“ zu besichtigen. Die Tapeten stammen noch aus dem 19. Jahrhundert, ansonsten wird mit viel technischem Aufwand die Phantasie der Besucher stimuliert. Von diesem Haus hatte Rimbaud einen besonderen Blick auf das Maasufer. Die Hausboote, den 3-Sterne-Campingplatz, der jetzt nur durch eine Fußgängerbrücke vom Stadtzentrum getrennt liegt, gab es bestimmt damals noch nicht.

Wir bewegen uns wieder in die Innenstadt, durch breite, symmetrisch angelegte Straßen. Im 17. Jahrhundert war Charleville ein Modell moderner Stadtplanung und selbst Zar Peter der Große soll sich für Sankt Petersburg von der Ardennenstadt inspirieren lassen haben.

In den Straßen der Stadt herrscht alle zwei Jahre im September großer Trubel. Seit 00 Charleville place Ducale 02 crédit photo Contextes - J. Villadem zweiten Weltkrieg gibt es in Charleville eine Puppenspielertradition, die alle zwei Jahre im „Weltfestival der Puppentheater“ gipfelt. 150.000 Zuschauer kommen dann an zehn Tagen in die Welthauptstadt des Puppenspiels. Und dabei sind die Aufführungen keinesfalls Kindern vorbehalten. Das letzte Festival ist gerade erst vorbei und das nächste wird für September 2015 vorbereitet. Aber ein riesiges Uhrwerk in der Hauswand des Internationalen Marionetteninstituts stellt einen gigantischen Puppenspieler dar. Sein Bauch in Form eines Theaters öffnet sich jede volle Stunde, und eine Szene aus der europäischen Haimonslegende wird aufgeführt.

00 Charleville Grand Marionnettiste crédit photo Greg OxleyFür den Besuch des modernen „Ardennenmuseums“ gleich nebenan, reicht leider die Zeit nicht. Wir wollen schließlich noch einen Eindruck von Mézières bekommen. Die beiden Städte waren baulich bereits zusammengewachsen, als sie 1966 offiziell vereint wurden. Mézières ist der ältere Stadtteil, aus dem 9. Jahrhundert. Hier gibt es noch alte Gräben und Stadtmauern. Aber die größte Sehenswürdigkeit befindet sich in der Basilika „Notre Dame d‘Espérance“. Die Kirche war im zweiten Weltkrieg beschädigt worden, und mehr als 1.000 m² Kirchenfenster wurden von René Dürrbach, einem Freund Picassos, durch moderne Glaskunst ersetzt. Die Lichteffekte, die sich bei Sonnenschein in der Basilika bieten, sind großartig.

Nach so vielen Besichtigungen möchten wir uns ein wenig stärken und steuern zum 00 Charleville Mézières Grand Marionnettiste 03 crédit photo CRTCAMittagessen eine typische „Brasserie“ in der Fußgängerzone an. Welche lokalen Spezialitäten stehen wohl auf der Speisekarte? Die nette Bedienung gerät ins Schwärmen: „ Sie können den echten Ardenner Schinken, der mindestens 270 Tage luftgetrocknet wird probieren, oder aber die elegante Weißwurst aus dem nahen Rethel. Cidre wird in den Vorardennen hergestellt und als Dessert bietet sich ein kugelhupfartiger „Gateau Mollet“ oder ein Zuckerkuchen „Tarte auf Suc‘“ an. Und zum Café empfehle ich „Schiefertäfelchen“ aus Nougat und Schokolade, die den architektonischen Besonderheiten der Stadt nachempfunden sind!“ Wir sind mit der freundlichen Dame einig: Charleville-Mézières verdient sowohl architektonisch als auch gastronomisch das Gütesiegel „Ville d’Art et d’Histoire“.

Frankreich: Die Insel des Marinemalers

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«Bald fahren wir zur Ile d’Yeu» sagte meine Frau. Ich hatte zunächst „Ile Dieu“ verstanden, was im Französischen so viel bedeutet wie Insel Gottes. Das wäre gar nicht so unwahrscheinlich gewesen, schließlich liegt die Insel in Frankreich und die Atlantikküste hat allgemein einen guten Ruf.

Auf dieser Insel hatte lange Zeit der Großvater meiner Frau gelebt. Der 1999 verstorbene Mann war offizieller Maler der französischen Marine, eine seltene Auszeichnung für hervorragende Arbeit von Künstlern, die vor allem Meereslandschaften, Häfen und Schiffe auf ihre Leinwand bannen. Jean Rigaud gehörte zu den Bekannten unter ihnen. Zahlreiche Werke in großen französischen Museen, wie der „Hafen von La Rochelle“ im Pariser Marinemuseum oder der „Felsen von Yport“ ebenfalls in Paris im Museum für moderne Kunst, tragen seine Unterschrift mit dem Marineanker.

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Der Maler hatte sich 1955 in die kleine Insel Yeu verliebt, ist von den Einwohnern akzeptiert worden und hatte einige Jahre später dort ein Haus mit Künstleratelier ganz im Stil der Region erbaut.

Vor Ort werden wir von einer Tochter des Malers erwartet, die uns, ganz französisch, mit einem schmackhaften Diner empfängt. Fischsuppe mit Croutons, eine Spinat-Tarte, dazu schmeckt ein süffiger Rosé-Wein der Vendée. Doch noch bevor wir das Dessert gekostet haben, ziehe ich ein Buch über Jean Rigaud aus meiner Reisetasche. „S’il vous plaît Madame, erzählen Sie uns!“. Die Bilder, die der Marinemaler auf seiner Insel in vielen Jahren geschaffen hat, haben wir bereits genau betrachtet. Wir möchten gerne die Insel entdecken, und die Malerei soll uns als Wegweiser dienen. Noch am selben Abend markiert uns die nette Dame die „Anse des Broches“, den Schiffsfriedhof, „Saint Sauveur“, „Ker Chalon“ und noch manch andere Orte, an denen Jean Rigaud seine Staffelei aufgestellt hatte, auf einer Karte der kleinen Insel, die mit dem Fahrrad in einigen Stunden zu umrunden ist.

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Mit Fahrrädern machen wir uns am nächsten Morgen auf Entdeckungstour. Am Hafen werden Leihräder angeboten, aber wir finden einige ältere Modelle in einem Schuppen zwischen alten Bilderrahmen, Blechdosen mit Pinseln und Terpentinbüchsen.

Zunächst geht es nach „Port Joinville“, dem quirligen Hauptort der Insel. Die Straßen sind ein einziges Gewirr aus Fußgängern, Radfahrern und alten 2 CV Modellen. Normalerweise hat der Ort etwa 4.000 Einwohner, doch im Sommer verfünffacht sich die Zahl. Hier kommen je nach Gezeiten die Fähren vom Festland an und bringen neue Urlauber und Tagesausflügler. Vor einem Fischgeschäft wird ein toter Hai in den Auslagen bestaunt. Antiquitätenläden, Fahrradverleih, Bars.

Uns zieht es zur „Coopérative Maritime“, wo man alles findet, was ein Seemann benötigt: Barometer, Stiefel, Schnüre und Kordeln, Tauchanzüge, Bücher zur Meereskunde. Unter den Fachbüchern ist auch ein Farbband über Werke der Marinemaler, in dem uns zwei „Jean Rigaud“ begegnen.

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Jetzt zieht es uns in die kleinen engen Gassen des Ortes in Richtung zur Kirche hinauf. Wir müssen den Ort, an dem der Marinemaler seine Staffelei aufgestellt hatte, um dieses Bild von Port Joinville 1961 zu malen, nicht lange suchen. In mehr als fünfzig Jahren hat sich hier kaum etwas verändert. Wir können jede Linie des Bildes in der Natur nachvollziehen.

Die westliche Küste ist wild und voller Granitfelsen. Als wir an der „Pointe du But“ von den Rädern steigen, fährt ein Fischkutter mit rostroten und weißen Segeln an uns vorüber. Etwas weiter liegt eine Bucht mit feinem Sandstrand: die „Anse des Broches“. Die Szenerie, die wir als 1991 gemaltes 50×73 cm Ölbild kennen, liegt in voller Größe vor uns. Diese Perspektive hatte der Maler ausgewählt, und selbst die kleinen Hüttchen, in denen die Fischer ihr Material aufbewahren, sind noch unverändert vorhanden. Nur der Himmel ist heute etwas freundlicher als auf dem Gemälde von Jean Rigaud.

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Auf der Fahrt nach „Saint Sauveur“ begegnen uns wieder Fahrräder in Massen. Sie sind hier das Hauptverkehrsmittel. Am großen Leuchtturm vorbei und am winzigen, tief eingeschnittenen Hafen von „La Meule“, erreichen wir den Ort im Zentrum der Insel mit seiner beeindruckenden romanischen Kirche aus dem 11. Jahrhundert. Hier findet allmorgendlich ein kleiner Markt statt. Die „Patisserie Mousnier“, die wie eine Puppenstube anmutet, verkauft die besten Pflaumenkuchen, die Spezialität der Insel und „Betchet“, kleine trockene Kuchen in Brötchenform. Wir suchen eine Perspektive, die Jean Rigaud als Ölgemälde 1963 auf eine 40×100 cm große Leinwand gebannt hat. Eine markante Turmruine hilft uns weiter. Die Häuser sind hier wie überall auf der Insel ebenerdig, weiß getüncht und mit blauen Blendläden versehen. Eine Kiefer, die auf dem Gemälde bedeutend kleiner ist, zeigt uns die vergangene Zeit. Auf dem Ölbild stehen die hellen Häuser in starkem Kontrast zu einem tiefdunklen Himmel.

Uns ist der Wettergott wohl gesonnen und schickt Sonnenstrahlen in Fülle vom Himmel. Das genießen auch die Touristen, die durch die engen Gassen des historischen Ortes schlendern. Für sie ist die Insel ein Paradies zum Baden in versteckten Sandbuchten, Bräunen, Tauchen, Segeln, Promenieren und Nichtstun. Für uns ist die Ile d’Yeu die Insel des Marinemalers.

Jörg Hartwig

 

Frankreich: Gallische Gelassenheit im Parc Astérix

Er sitzt auf seinem überdimensionalen Hinkelstein und schmunzelt verschmitzt. Vermutlich darüber, dass alle Spaß haben: Monsieur Asterix, die Pariser Alternative zu Mister Mickey Mouse.

Immer mit der Ruhe

Wer mit amerikanischen Themenparks vertraut ist, merkt es schnell: Der Parc Astérix ist anders. Schon am Eingangstor fällt es auf: Kein Drängeln, keine Hektik. Hier ist der Einlass in eine bunte und blühende Welt, die sich große und kleine Besucher in Ruhe betrachten können, ohne gleich von den Eindrücken erschlagen zu werden. Die Geräuschkulisse: keine genervten Eltern oder überdrehtes Kindergeschrei, mehr die Atmosphäre von fröhlichem Familienausflug. Automatisch stellt sich Schlendrian ein und der Bummel durch fünf Themenwelten mit 31 Attraktionen kann beginnen.

Dorfidylle

Im „Village Gaulois“ kann man das Zuhause von Asterix und Obelix erforschen. Kinder staunen über Obelix’ kleine Mahlzeit für Zwischendurch, den überdimensionalen Wildscheinbraten am Spieß, und finden es ulkig, in seine Riesenlatschen zu steigen. Na, und dann erst die Kulleraugen, wenn sie dem Comichelden in Persona gegenüberstehen. Während der beschaulichen Bootsfahrt, vorbei an liebevoll und lebendig nachgestellte Szenen aus dem Leben der verrückten Gallier, die so gerne Römer verhauen, weiß mancher Erwachsener nicht, wohin er schauen soll: Zu den Pimpfen, die sich darüber kringelig lachen oder dem Gebotenen. Im Druidenwald haben Eltern von Mini-Kids Pause, denn die sind auf dem dazugehörigen Kinderspielplatz, mit Wasserfontänen und Baumstammrutschen schwer beschäftigt.

Hier geht’s rund

Doch wer glaubt, hier läuft alles nur in ruhigen Bahnen, irrt gründlich. Dafür sorgt spätestens eine der Hauptattraktionen „Goudurix“, die stählernde Achterbahn, bei der es mit 75 Sachen durch sieben Loopings geht. Hier fällt einem tatsächlich der Himmel auf dem Kopf und den Boden unter den Füßen findet man nach dieser Fahrt kaum mehr. Der Adrenalinspiegel hat sich eingepegelt, also gleich weiter zum hölzernen Pendant. Der „Tonnerre de Zeus“ macht seinem Namen alle Ehre und donnert 84 Stundenkilometern fast anderthalb Minuten durch die Kurven. Hinter bleibt das Gefühl, dass die Gesichtszüge auf der Strecke geblieben sind.

Für Abkühlung sorgt, sofern man im Spritzbereich der neun springenden Delfine sitzt, die Show im „Théâtre de Poséidon“. Mit etwas Glück, wird für Kinder wahr, wovon viele Erwachsene träumen. In riesigen Schwimmwesten versunken dürfen sie zusammen mit den Trainern die Tiere zu Kunststückchen animieren und natürlich auch streicheln. Wenn die Tiere dann durch das Becken flitzen, ist kaum möglich dem akrobatischen Wasserballet zu folgen. Aber auf keinen Fall möchte man auch nur einen Sprung verpassen. Das Herz hüpft jedes Mal mit.

Immer noch frisch, aber aktionsreicher geht es beim Menhir Express mit der finalen Fahrt vom 13 Meter hohen Wasserfall zu. Wasserratten kommen auf der 195 Meter langen Reifenrutsche des L’Oxygénarium auf ihre Kosten und nicht minder auf der Wildwasserfahrt in der römischen Ecke bei „Romus et Rapidus“.

Liebe zum Detail

Was am meisten Laune macht in diesem Park sind die Farben: Prall, aber nicht schrill mit viel Liebe zum Detail. Das offenbart sich ganz besonders auf der Zeitreise im Bereich „A travers le temps“, wo vor bunten Buden schaustellerisches Treiben herrscht und Künstlerisches wie Kunsthandwerkliches vom Mittelalter bis zum späten 19. Jahrhundert präsentiert wird. In der Rue de Paris fehlt eigentlich nur der rauchige Klange der Diseuse, um die Stimmung perfekt zu machen.

Immer wieder führt der Blick hoch zu Monsieur Asterix: Vielleicht schmunzelt er auch aus Stolz über seinen Park, in dem sich seit seinem Bestehen über 30 Millionen Menschen vergnügt haben.

Petra Meisel

 

Frankreich: Die Töpfer von Betschdorf

Dominic Burger lässt die Hände nicht von dem Klumpen Erde, der sich vor ihm auf der Töpferscheibe dreht. Mit geübten Handgriffen umfasst er  den grauen Ton und zieht ihn konzentriert zu einem hohen, bauchigen Weinkrug. Neben ihm stehen schon weitere Exemplare in Reih und Glied. In Betschdorf, einem kleinen Dorf im nördlichsten Zipfel des Elsass, nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, führt er seine Werkstatt, zusammen mit seiner Schwester Annick. Und dort dürfen die Besucher gerne einen Blick über seine Schulter werfen.

Acht Töpfer gibt es noch in Betschdorf, die die alte Technik der Herstellung von Steinzeug beherrschen. Denn diese grauen Tonwaren, mit den typischen blauen Motiven, dienen und dienten seit jeher der Aufbewahrung von Lebensmitteln. Zusammen mit dem benachbarten Soufflenheim bildet der Ort das Töpferzentrum in der nordöstlichsten Region Frankreichs.

Töpfern ist Handarbeit und Erfahrungssache. Bis zu zwölf Arbeitsgänge sind nötig, damit schließlich ein wohlgeformter Krug gebrauchsfertig ist. Denn nach dem Töpfern müssen die Tonwaren einige Tage trocken, ehe der Henkel dran kann. Danach folgt die Verzierung, die Aufgabe  von  Annick Burger. Mit eine spitzen Holzstab ritzt sich geschickt Weinblätter und Trauben ein. Wie viele Beeren sie formt? „Je nach Lust und Laune, und natürlich nach der Optik“, lacht sie und befreit den Krug von überflüssigem Ton. Neben traditionellen Mustern, die bei älteren Generationen Erinnerungen wach rufen, werden zunehmend auch moderne Formen verwandt. Erst danach  erhalten die Krüge ihre typische kobaldblaue Färbung.

Einmal im Monat wirft Burger den Brennofen an. Bei 1250 Grad Celsius wird das Werk der vergangenen vier Wochen dann vollendet. Sobald die Ware aufgeschichtet und der Ofen heiß ist, bläst der Töpfer eine spezielle Salzlasur  durch kleine Düsen ein. „Das  Salz legt sich auf die einzelnen Stücke und sorgt für den besondere Glanz“, erklärt er den Besuchern.

Zum Aufbewahren eignet sich Steinzeug wunderbar, „besser als Plastik“, wie Burger findet. Das wussten schon Generationen von Franzosen. Kochen und backen würde er mit seinen Erzeugnissen allerdings nicht. Dafür gibt es die Tonwaren aus Soufflenheim. Dort wurde eine ganz andere Kultur entwickelt. Dominic Burger erklärt den kleinen, aber feinen Unterschied:  „Die Töpfer benutzen eine  andere Tonmischung, die hitzebeständig ist. Und eine andere, meist in Ockertönen gehaltene Verzierung für die Gebrauchskeramik.“

Typisch für das Elsass: Baeckeoffe

Eine Kostprobe aus den Soufflenheimer Töpfen sollte man sich bei einem Elsass-Besuch nicht entgehen lassen: Den Baeckeoffe. Fleisch von Lamm, Schwein und Rind wird zusammen mit viel Gemüse, vor allem Kartoffel, langsam im Ofen gegart. Hausfrauen haben früher dieses typische Essen zum Bäcker gebracht, der es in seinen großen Ofen schob, während die Frauen am Bach die Wäsche wuschen. Nach getaner Arbeit war auch das Essen fertig. So kam das Gericht zu seinem ungewöhnlichen Namen.  Noch heute ist es bei den Elsässern beliebt. Und für die Touristen ein ganz besonderer Gaumenschmaus, der mit einem Glas Cleeburger, einem Sekt der Region,  als Aperitif eröffnet wird.

Urtümlich und gepaart mit der elsässischen Gelassenheit darf man die Spezialität in der Moulin des 7 fontaines in Drachenbronn genießen. Die ehemalige Mühle aus dem 18. Jahrhundert wurde zu einem schmucken Restaurant ausgebaut und bietet Fremdenzimmer und kleine Ferienwohnungen an. Urlaub auf dem Bauernhof eben, mit Familienanschluss und vielen Tieren.

Diana Seufert

Frankreich: Bon appétit, Lyon!

Alexa Christ: Austernstand in Markthalle Paul Bocuse

Ville de gueule“ – Gaumenstadt – so lautet der schmeichelhafte Beiname von Lyon. Warum? Weil hier anspruchsvolle Volksküche und Haute Cuisine seit jeher eine köstliche Verbindung eingehen. Eine Stadt mit Geschmack.

„Ich esse nicht gern – tue es nur, weil es eine Notwendigkeit ist.“ Die beiläufige Aussage schlägt ein wie eine Bombe. Bei jedem anderen wäre sie nicht eine solche Stolperfalle, aber aus dem Mund eines Spitzenkochs? In der Schlemmerhauptstadt Frankreichs? Unglaublich! Das muss Davy Tissot, 39 Jahre alter, mit einem Michelin Stern dekorierter Chefkoch des Nobel-Restaurants „Les Terrasses de Lyon“, dann doch ein bisschen genauer erklären. Also doziert er: „Es gibt zwei Sorten Köche. Jene, die gern essen und erst mal sich selbst Genuss verschaffen und solche, die nicht gern essen, aber anderen eine Gaumenfreude bereiten wollen.“ Er gehöre eben zu letzterer Kategorie, fügt Monsieur le Chef lapidar hinzu und marschiert danach schnurstracks zum Stand von Maurice Trolliet, dem Fleischhändler seines Vertrauens. Wir befinden uns in den „Markthallen Paul Bocuse“ – dem Bauch von Lyon. Der lukullischen Schatzhöhle der Stadt. Dem „Sesam öffne dich“ aller Gourmets. Hier stapeln sich Hühnchen aus Bourg-en-Bresse, Käse aus der Savoie, Rindfleisch aus Charolais, Krebse aus Bugey, Früchte aus dem Rhônetal und Weine aus dem Beaujolais, dazu Austern, Trüffel, Wurstwaren, Pasteten, Petits Four und vor allem Foie Gras soweit das Auge reicht. Wem bislang noch nicht klar war, dass sich in Lyon alles, aber auch wirklich alles ums Essen dreht, dem dürfte spätestens hier ein Lichtlein aufgehen, wie es so schön heißt. Alexa Christ: In der Markthalle Paul Bocuse

Lyon ist die Hauptstadt des Departements Rhône-Alpes. In der knapp 500 000 Einwohner zählenden Metropole gibt es 2000 Restaurants, 16 davon mit ein bis drei Michelin Sternen ausgezeichnet. Wer hier zu McDonald’s geht, ist selber schuld. Tissots Augen funkeln, als er auf die gerupften Hühnerleiber deutet, die sich in Trolliets Auslage dicht aneinander schmiegen, so als könnten sie einander auf diese Art wärmen. Schon schwärmt der sonst eher scheue Koch von „Poularde de Bresse en vessie“. Da werde das Hühnchen in eine Schweineblase gesteckt und gekocht. Auf diese Weise bleibe das Fleisch besonders zart. Ehe Tissot weitere klassische Gerichte der Lyoner Küche preisen kann, biegt der Fleischhändler Maurice Trolliet ums Eck, um seinen Stammkunden persönlich zu begrüßen. Trolliet trägt einen weißen Kittel, dessen Kragen die Farben der Tricolore zieren, und den Titel „Meilleur Ouvrier de France“, bester Arbeiter Frankreichs. Was wie die Auszeichnung für den LPG-Genossen des Monats klingt, ist in Wahrheit so etwas wie der französische Gastro-Oscar. Es versteht sich von selbst, dass auch Davy Tissot in die illustre Riege der besten, ja Sie wissen schon, Arbeiter des Landes gehört. Heute ist er mit einem Schüler in den Markthallen unterwegs, der einen Meisterkurs bei ihm gebucht hat. Der Zahnarzt Philippe Sauvages aus Lille ist bekennender Tissot-Fan. Was er an der Küche des Spitzen-Kochs so schätzt? „Nehmen Sie ein Symphonieorchester“, zieht er einen musikalischen Vergleich. „Darin gibt es so viele Instrumente, aber man hört noch ganz genau die Violinen heraus. Genauso ist es mit Davys Gerichten auch.“ Aha, mit anderen Worten: Tissot hat das Credo der modernen Küche verinnerlicht – den Zutaten ihren Eigengeschmack zu belassen. Alles andere wäre auch verwunderlich, denn schließlich ist Lyon die Stadt des wohl bekanntesten Kochs der Welt. Seit 1965 räumt Paul Bocuse mit schöner Regelmäßigkeit Jahr für Jahr drei Sterne im Guide Michelin ab. Er gilt als Revolutionär der Küche, als Übervater der französischen Gastronomie.

Alexa Christ: Davy Tissot beim Anrichten

Davy Tissot beim Anrichten

Also ist in Lyon alles Paul Bocuse? Mitnichten. Es wächst eine neue Riege junger, kreativer Köche heran, die mit erfrischender Respektlosigkeit am Sockel des Altmeisters kratzen, der seit Jahren ohnehin nur dasselbe kocht. Nicolas Le Bec ist so einer. Über Bocuse sagt er: „Natürlich hat er die Küche revolutioniert, aber das ist keine Küche für jeden Tag. Es ist schlicht und einfach nicht das, was ich machen will.“ Als der Bretone nach Lyon kam, ließ er die Bocuse-Restaurants (es gibt derer fünf in Lyon) folglich konsequenterweise links liegen, heuerte im wunderschönen Hotel Cours des Loges an, gewann im Handumdrehen einen Michelin Stern und wurde zum Dank gefeuert. Das Restaurant war auf Monate ausgebucht, gab den Hotelgästen zu wenig Gelegenheit, auch dort zu speisen. Le Bec nahm’s gelassen und eröffnete sein eigenes Restaurant, in das ihm die Gäste schon bald wieder treu folgten. Sein neuester Geniestreich ist das „Rue Le Bec“ im Stadtteil Confluence. Dort zeigt sich Lyon, dessen Altstadt mit den vielen Renaissance-Bauten Unesco-Erbe ist, von seiner modernen Seite. Zwischen den Ufern der Flüsse Saône und Rhône entsteht gerade ein Viertel mit Industrial Chic und erstklassiger Gastronomie. Le Becs Speisentempel ist in einer großen ehemaligen Salzfabrik untergebracht. Aber, was ist es denn nun eigentlich? Restaurant? Markthalle? Einkaufszentrum? Ein bisschen von allem. Zweihundert Sitzplätze hat der Laden, rechts und links an den Seiten befinden sich kleine „Shops“: Bäckerei, Fischhändler, Metzger, Delikatessenladen, Weinkeller, ach ja und ein Zigarrenclub ist auch noch da. Hier sitzt der Geschäftsführer neben der Sekretärin und lässt sich Dorade auf Weißweinsauce, Lauch und Spinat schmecken. Die Preise sind moderat, die Gerichte unprätentiös, von bester Qualität und vor allem eines: leicht.

Deftiges und Innereien

Ganz im Gegensatz zur traditionellen Cuisine Lyonnaise. Für das, was in der Zwei-Flüsse-Stadt seit Jahrhunderten auf den Teller kommt, braucht es mitunter einen starken Magen. Also blicken wir einmal kurz in die Geschichte. Heute ist die Welt der Spitzengastronomie von Männern dominiert, doch den kulinarischen Ruhm Lyons begründeten Frauen. Die „Mères Lyonnaises“ – die Mütter von Lyon – waren Köchinnen, die mit der Wirtschaftskrise  Ende des 19. Jahrhunderts ihre Stellungen in großbürgerlichen Haushalten verloren. Daraufhin eröffneten einige von ihnen kleine Restaurants und bekochten hauptsächlich Handwerker, allen voran die in Lyon seit Jahrhunderten ansässigen, „Canuts“ genannten Seidenweber. Und was landete auf dem Teller? Viel Deftiges. Innereien aller Art – Sie machen sich ja keine Vorstellung davon, welche Teile des Tiers alle essbar sind. Schweineohren, Rinderkutteln, Kalbsbries, Gänseleber, Schafsköpfe … die Zeiten waren hart. Als sie wieder besser wurden, fügten die Mütter Gerichte wie Trüffelcremesuppe, überbackene Hechtklöße mit Krebsbutter, Artischockenherzen mit Foie Gras und das berühmte „Poulet de Bresse demi deuil“ (Huhn mit Trüffeln) hinzu. Letzteres stammt von der bekanntesten Mère überhaupt – der Mère Brazier. 1933 erhielt sie als erste Frau drei Michelin-Sterne. Bei ihr aßen General de Gaulle, Edith Piaf und Agha Khan. Der Direktor des noblen Waldorf Astoria versuchte vergeblich, sie nach New York zu holen, und ein indischer Maharadscha lockte sie mit goldenen Kasserollen, in denen sie in seinem Palast ihre göttlichen Speisen kochen könne. Eugénie Brazier entgegnete trocken: „Glauben Sie, dass meine Gerichte aus Ihren Goldkasserollen besser schmecken als aus meinen einfachen Töpfen?“

Alexa Christ: Metzgerei in Lyon

Das freche Mundwerk gehörte ebenso zu den meisten Mères wie das begnadete Talent fürs Kochen. In den „Bouchons“, den traditionellen Lyoner Lokalen, kann der Gast noch heute die von ihnen kreierten Speisen genießen. Oder vielleicht eher ihre modernisierte, dem heutigen Zeitgeist und Geschmack angepasste Version? So scheint es zumindest im Bouchon „Le Canut et les Gônes“ mitten in Croix Rousse. Das ehemalige Viertel der Seidenweber ist schwer angesagt bei den so genannten „Bobos“, den bourgeoisen Bohemiens. Die auch in Frankreich bekannten Latte Macchiato-Mütter und gut betuchten Kreativlinge aller Art leben hier in vier Meter hohen Altbauappartements, in denen noch im 19. Jahrhundert die Jacquard-Webstühle der Canuts standen. Mit seinen kleinen Boutiquen und Designläden, den zahlreichen Cafés, Kneipen und Restaurants erinnert Croix Rousse ein wenig an Berlins Prenzlauer Berg. Folglich weicht das Le Canut et les Gônes auch vom traditionellen Ambiente eines Bouchons deutlich ab. Man speist an Tischen und Stühlen im Vintage-Design, an den Wänden kleben unzählige Uhren der 60er und 70er Jahre, an der Decke hängen Glühbirnen in farbigen Glasflaschen, und die großgemusterte Retro-Tapete in Orange, Grün und Braun müsste eigentlich Augenkrebs verursachen, wirkt in dieser Umgebung aber schon wieder kultig. Und was gibt die Karte her? Et voilà: „Das Beste vom Huhn an Blaubeersauce mit Pilzen aus Lozère und Steckrübenkugeln“. Trendig und schick, wie es die Bobos lieben.

Alexa Christ: Joseph Viola in seinem Bouchon

Joseph Viola in seinem Bouchon

Ein derartig designtes Gericht käme bei Joseph Viola nicht auf den Teller. Der Mann aus den Vogesen ist seit 2004 Chefkoch des „Daniel et Denise“, einem von gerade mal noch sechs bis sieben wahren Bouchons der Stadt, wie er behauptet. Wenn es darum geht, was ein solches Restaurant ausmacht, vertritt Monsieur Viola eine sehr entschiedene Meinung. „Ein Bouchon ist ein Ort mit Geschichte. Dort serviert man traditionelle Gerichte mit regionalen Produkten“, erklärt er streng und fügt hinzu: „Ein Bouchon vermittelt ein Gefühl der Sicherheit. Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben.“ Fürwahr. Das Daniel et Denise war früher eine Metzgerei, woran noch immer die zum Teil weiß gekachelten Wände erinnern. Im 2. Weltkrieg versteckten die Besitzer in ihrem Keller Résistance-Kämpfer wie Jean Moulin. Heute hängen Kupferpfannen und –töpfe an den Wänden, sowie diverse Auszeichnungen à la „Bestes Restaurant in Lyon 2011“. Die einfachen Holztische zieren Tischdecken mit rot-weißem Vichy Karo. Ein absolutes Muss. „Paté en croûte“ ist das Gericht, das Viola am liebsten kocht. Geflügelleber braucht diese Pastete, Kalbsbries, Schweinefleisch und natürlich Foie Gras, denn ohne die berühmte Gänsestopfleber – die sicherlich Geschmacksache ist – geht in Lyon gar nichts. 2009 wurde sogar eine Bruderschaft der Paté en croûte gegründet – man stelle sich mal eine Bruderschaft des Rheinischen Sauerbratens oder dergleichen bei uns vor. Nun gut, in Lyon ist eben alles, was mit Essen zu tun hat, ein Heiligtum. Vor drei Jahren trug die Bruderschaft erstmals „Weltmeisterschaften“ im Paté en croûte kochen aus, und wer durfte den Titel mit nach Hause nehmen? Richtig, Joseph Viola, der Bewahrer der traditionellen Cuisine Lyonnaise. Seine Klientel kennt der pfiffige Koch ganz genau. „Stellen Sie sich mal vor, ich würde hier ein Gericht mit Kaviar machen – das würde nie funktionieren. Dafür kommen die Leute nicht her.“ Recht hat er. Kritischere Gäste als die Einwohner von Lyon kann ein Koch kaum haben. Taxifahrer Pierre Rüty zum Beispiel. Der schimpft unumwunden: „Gehen Sie in ein Restaurant, das Nouvelle Cuisine serviert, und Sie gehen mit Hunger wieder raus. Das ist wie Kebab essen.“ Aber nicht doch, Monsieur! Das kann in Lyon wirklich nicht passieren. Pas du tout!

 Alexa Christ

Frankreich: Internationales Festival für Naturfotografie von Montier-en-Der

C. Nowak: Kranichrast

Das Internationale Festival für Naturfotografie von Montier-en-Der findet in diesem Jahr vom 21. bis 24. November statt. Der kleine Ort der Champagne-Ardenne erwartet rund 50.000 Besucher zu dieser Veranstaltung.

Zwei Themen stehen bei der 17. Ausgabe des Festivals im Vordergrund: das Lebenselement Wasser und die Astronomie. Der kanadische Atom- und Astrophysiker Hubert Reeves richtet in der Abteikirche des Dorfes ein Planetarium ein.

Das Festival steht unter dem Patronat der französischen Seglerin Isabelle Autissier, die als erste Frau im Rahmen einer Segelregatta einhand die Welt umrundete, sowie des legendären Naturfotografen Vincent Munier, der zum Festival sehr künstlerische Fotografien mitbringt.

Zu den Ehrengästen gehört auch Thorsten Milse aus Deutschland, der als Fotograf internationales Ansehen genießt. Seine „Polar World“ entführt in die eisigen Welten der Arktis und der Antarktis.

Mehr als 50 Fotografen und Arbeitsgruppen stellen bei der Veranstaltung aus. Bei Vorträgen erfahren die Besucher, unter welch abenteuerlichen Umständen die Fotos teilweise entstanden sind. Zudem sind Gesprächsrunden zu Umwelt- und Naturthemen vorgesehen. Ein wahres fotografisches Happening warnt vor dem Aussterben der bedrohten Berggorillas. Auch der Film „Der Mensch und das Meer“ von Yann Arthus-Bertrand dringt auf verantwortungsvolles Umgehen mit der Natur.

Das Festival von Montier-en-Der findet etwa zeitgleich mit dem Kranichzug in der Region statt. Der Ort befindet sich nur wenige Kilometer vom „Lac du Der“, der mit 48 km² Fläche, der größte Stausee Frankreichs ist. Die majestätischen Vögel machen hier auf ihrem weiten Flug von den Brutplätzen im Norden zum Überwintern in Spanien und Marokko Station. Zum Höhepunkt der Saison kommen rund 70.000 Tiere zusammen. Vogelkundliche Exkursionen werden zur Zeit des Festivals von Montier-en-Der von den Fremdenverkehrsämtern des „Lac du Der“ und des „Lac de la Forêt d’Orient“ in Zusammenarbeit mit dem Vogelschutzbund LPO organisiert.

Frankreich: Das Städtchen Saint-Jean-Pied-de-Port am Jakobsweg

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Wo das baskische Herz schlägt

Kein Zweifel: Pilgern liegt im Trend. Ob Europäer oder Asiaten, vor allem aber Deutsche packen ihren Rucksack, um sich auf den Jakobsweg zu machen, die berühmteste aller Pilgerrouten in Europa.

„Mein Weg beginnt in Saint-Jean-Pied-de-Port“, heißt es in Hape Kerkelings Bestseller Ich bin dann mal weg. Seine Pilgerreise nach Santiago di Compostela startete der Entertainer genau hier „am Fuß der französischen Pyrenäen in einem winzigen mittelalterlichen Städtchen.“ Der malerische Ort im Süden Frankreichs nahe der spanischen Grenze ist Ausgangspunkt seines Pilgertagebuchs, das viele Deutsche auf die Idee brachte, auch den Jakobsweg zu gehen.

IMG_2815„Die Zahl der deutschen Pilger ist in den letzten Jahren nach oben geschnellt“, sagt Jean Langrené vom Pilgerbüro in Saint-Jean-Pied-de-Port. „Die Deutschen stellen bei uns inzwischen die größte Gruppe.“ In dem 1600-Einwohner-Städtchen kommen drei Pilgerrouten zusammen. Es ist die letzte Etappe auf französischem Boden, bevor der Jakobsweg über die Pyrenäen nach Spanien führt. Dieser Lage verdankt der Ort seinem Namen: Heiliger Johann am Fuße des Passes.

Viele Wallfahrer beginnen ihre Reise auf dem Jakobsweg erst in Saint-Jean-Pied-de-Port. Im Pilgerbüro, dem Acceuil des Pèlerins, drängeln sich die Neuankömmlinge. Jean Langrené und seine ehrenamtlichen Kollegen haben allerhand zu tun. Sie beraten, vermitteln Unterkünfte, verteilen Etappenpläne. „Ich liebe diesen Esprit der Jakobspilger“, erzählt Jean begeistert und stempelt sorgfältig einen Pilgerpass ab, Nachweis und Stolz eines jeden Wallfahrers.

IMG_2823Das Städtchen mitten im französischem Baskenland ist inzwischen weltbekannt – vor allem der Pilger wegen, die seit dem Hochmittelalter hier durchziehen. Damals wie heute passieren rucksackbepackte Wallfahrer jeden Alters die Rue de la Citadelle, die Hauptgasse, die steil nach oben führt. Über den Eingangstüren der Steinhäuser sind die Namen der früheren Besitzer eingemeißelt, meist in baskischer Sprache. Auch das baskische Kreuz, Lau Buru genannt, das an ein Windrad erinnert, ist an den weißen Häuserfronten mit den typisch roten Fensterläden zu erkennen.

In einem der jahrhundertealten Häuser hat Jean-Pierre Bonhomme seine Herberge Le Chemin vers l’Etoile eingerichtet. Den Eingang ziert eine Jakobsmuschel, das Erkennungszeichen der Pilger auf dem Jakobsweg. Der Franzose diskutiert leidenschaftlich gerne mit den Wallfahrern aus der ganzen Welt. „Pilgern bedeutet, sich zu fragen: „Wer bin ich?“, philosophiert der 60jährige Herbergsvater, „und: an seine Grenzen zu stoßen.“

Manche Pilger besuchen die Abendmesse in der Kirche. In deren Turm ist eine Madonna platziert, die tatsächlich so bezaubernde Augen wie Romy Schneider hat. Sie schauen auf die Brücke über den Fluss Nive. Ein romantischer Blick wie in eine andere Zeit, auf Mittelalterhäuser mit Holzbalkonen und Außentoiletten.

Doch nicht alle Pilger sind aus religiösen oder spirituellen Gründen unterwegs. „Wir IMG_2958wandern gerne, lieben die Natur“, meinen Marianne Egger und Antonia Mutz aus Südtirol, die sich gerade ihre Herbergsbetten zuweisen lassen. „Der Jakobsweg erscheint uns wie eine Ameisenstraße: morgens machen sich die Pilger zeitig auf den Weg und abends finden sie sich in der nächsten Herberge wieder zusammen.“ Die beiden sind froh, diesmal das Zimmer ‚nur’ mit acht weiteren Pilgern teilen zu müssen. Männer und Frauen alle in einem Raum. Hoffentlich kein Schnarcher dabei, hoffen die Geräuschsensiblen.

Hape Kerkeling allerdings empfand die örtliche Pilgerherberge in Saint-Jean-Pied-de-Port dann doch etwas zu gesellig. Er übernachtete nicht ganz pilgerkonform im Hotel des Pyrenees, das erste Hotel am Platz. „Nur wenige Pilger kommen zu uns“, meint Philippe Arrambide, Hotelbesitzer in vierter Generation und prämierter Küchenchef. So lassen sich vor allem Gourmet-Touristen seine Sterne-Küche schmecken und einige wenige Promi-Pilger.

Die Stadt lebt vom Geschäft mit Wallfahrern und Touristen. Die Rue d’Espagne ist gesäumt von kleinen Geschäften, die eine große Auswahl an Mitbringseln anbieten: von den geflochtenen Espandrilles-Schuhen bis zum Schinken und Schafskäse, dem Fromage de Brebis. Besonders schön: das baskische Leinen für Servietten, Küchentücher- und schürzen.

Plötzlich fängt ein älterer Mann mit Baskenmütze mitten auf der Straße an zu singen. Ein Ständchen auf Baskisch zur Begeisterung des Spontan-Publikums, gleich beim Restaurant Iratze. Auch das ist durch und durch Baskisch, nicht nur der typisch baskischen Leinentischdecken wegen. „Wir servieren aus Überzeugung die traditionelle Küche des Baskenlandes mit Produkten aus der Region“, sagt der Chef Girard Leclercq und lächelt, „die Rezepte stammen noch von meiner Großmutter.“ Selbst das Schild zur Toilette ist auf Baskisch und deshalb der Weg dorthin für Nicht-Basken fast nicht zu finden.

Das Lokal liegt direkt an der alten Stadtmauer von Saint-Jean-Pied-de-Port. Sie ist so gut erhalten, dass man auf ihr spazieren kann. Dieser Rundweg, der Chemin de Ronde, reicht fast bis zum Stadttor Saint Jacques, welches zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Von diesem Ausgangspunkt des offiziellen Jakobswegs beginnt der recht steile Aufstieg über einen Kopfsteinpflasterweg.

Steil ist auch der daneben liegende Fußweg zur Zitadelle. Nur wenige Pilger haben IMG_3074noch die Kraft und Muße, dort hinauf zu wandern, um den weiten Blick in die grüne Landschaft der Pyrenäen zu genießen. 80 Meter hoch über der Stadt thront die Wehranlage, die der Sonnenkönig Ludwig XIV. vom Festungsbaumeister Vauban umgestalten ließ. „Noch bis 1920 diente die Zitadelle als Garnison“, erklärt Alain Zuaznabar, der Touristen auch in den Keller der Zitadelle führt. Der riesige Brotofen dort hat früher Hunderte von Soldaten versorgt.

Die Jakobspilger der vergangenen Jahrhunderte mussten sich um ihr Brot selbst kümmern. Pilgern war damals viel unbequemer als heutzutage. Das wird beim Besuch des kleinen Pilgermuseums im Prison des Eveques klar. Die Ausstellung in dem mittelalterlichen Gebäude mit Verliesen erzählt von der Zeit als nur ein Strohhaufen als Pilgerbett diente. Und in den Klöstern auf der Strecke musste stets ein des Schreibens fähiger Mönch bereitstehen, dem der Pilger im Notfall sein Testament diktieren konnte. Da ist es im Saint-Jean-Pied-de-Port von heute doch komfortabler.

Daniela David